Die auf solche Art bewerkstelligte Einschnürung des Halses hat den

Verschluss der Respirationswege, ausserdem aber auch die Compression

anderer am Halse gelegener wichtiger Organe zur Folge. Da, wie wir

später hören werden und wie sich auch aus localen Gründen leicht

begreift, die Schlinge fast immer über dem Kehlkopf, zwischen diesem

und dem Zungenbein zu liegen kommt, so kann der Verschluss der

Respirationswege nicht oder nur ausnahmsweise durch Compression des

Kehlkopfes oder gar der Trachea geschehen, sondern muss auf andere

Weise stattfinden, und zwar so, dass der Zungengrund gegen die hintere

Rachenwand angepresst wird, wobei die Theile gleichzeitig nach oben

gezerrt und verschoben werden, ein Sachverhalt, von welchem man sich

leicht an sagittalen Durchschnitten gefrorener Cadaver von Erhängten

überzeugen kann (Fig. 90). +Langreuter+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl.

Med. XLV, pag. 294) hat diesen Verschlussmechanismus direct beobachtet,

indem er Leichen suspendirte und die von der Schädelbasis aus eröffnete

Rachenhöhle mit dem Reflector eines Kehlkopfspiegels beleuchtete, wobei

er fand, dass schon bei geringem Anziehen der Schlinge der Zungengrund

nach oben und gegen die Wirbelsäule gedrückt wird und den Nasen- und

Rachenraum tamponirt. Ausserdem wird beim typischen Erhängen, wie

+Haumeder+[343] in unserem Institute durch Präparation des Halses

suspendirter Leichen während der Suspension sich überzeugte, durch

den Druck auf das Lig. hyothyreoideum der Kehlkopf je nach seiner

Consistenz in seinem oberen Antheil mehr weniger plattgedrückt, wobei

die Schildknorpelplatten nach auswärts ausweichen und mit ihren Hörnern

zwischen Wirbelsäule und die grossen Halsgefässe sich hineindrängen

und der Kehlkopf, indem die oberen Ränder der Schildknorpel an die

Wirbelsäule angepresst werden, eine Drehung um seine Querachse erfährt,

die eine Prominenz der Spange des Ringknorpels bedingt.[344] Dieser

Verschluss der Respirationswege am Halse ist für sich allein im Stande,

alsbald Erstickungserscheinungen und den Tod zu bewirken. Trotzdem muss

auch der Compression anderer am Halse gelegener Organe, insbesondere

der grossen Halsgefässe, eine Rolle bei dieser Todesart zugeschrieben

werden.

[Illustration: Fig. 90.

Sagittaler Durchschnitt durch Kopf und Hals eines gefrorenen Erhängten.

(+Ecker+ in Virchow’s Arch., 49. Bd., pag. 920.) _S_ Strangfurche. _H_

Zungenbein. _Z_ Zunge, zwischen den Zähnen eingeklemmt. _V_ weicher

Gaumen, in den Nasenrachenraum hinaufgedrängt. _P_ hintere Rachenwand.

_A_ Atlas. _D_ Epistropheus.]

Dass beim Erhängen die grossen Gefässe am Halse, insbesondere die

Carotiden, eine Compression erfahren, muss schon aus der anatomischen

Lage derselben und aus den beim Erhängen obwaltenden mechanischen

Verhältnissen geschlossen werden. Ausserdem spricht dafür die manchmal

entsprechend der Strangulationsrinne zu findende Ruptur der Intima

carotis und endlich der directe, von uns wiederholt und immer mit dem

gleichen Resultate angestellte und neuerdings mit Rücksicht auf von

+Ignatowski+ (Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1893, VI, pag.

250) erhobene Einwände von +Haberda+ und +Reiner+ (Ibid. 1894, VIII.

Suppl., pag. 126) in erweiterter Weise ausgeführte Versuch[345],

welcher lehrt, dass man bei in typischer Weise suspendirten Leichen

nicht im Stande ist, Flüssigkeit durch die Carotiden durchzutreiben,

es sei denn, dass man, wie z. B. bei Kindesleichen möglich ist,

einen Druck anwendet, der das Gewicht des Körpers überwindet und

daher den Blutdruck weit übersteigt. Die Stelle, an welcher die

Carotis comprimirt wird, liegt in der Regel unmittelbar vor ihrer

Bifurcation, ist somit dieselbe, an welcher die Ruptur der Intima

carotis vorzugsweise beobachtet wurde. Dass unter solchen Umständen

auch die Jugularvenen bis zur Undurchgängigkeit comprimirt werden, kann

nicht gut bezweifelt werden. Ist aber erwiesen, dass beim Erhängen die

Gefässe am Halse comprimirt werden, so müssen wir nothwendig dieser

Compression einen wichtigen Einfluss bei dieser Todesart zuschreiben,

da wir wissen, dass dieselbe schon für sich allein schwere Symptome zu

bewirken im Stande ist.

Schon +Aristoteles+ erwähnt, dass: „quibus in collo venae

apprehenduntur insensibiles fiunt.“ Von neueren Aerzten (+Parry+,

+Lewis+, +Romberg+, +Trousseau+) wurde die Compression der Carotiden

zur Coupirung des epileptischen Anfalles empfohlen und angewendet.

Man beobachtete dabei Verdunklung des Gesichtes, Schwindel,

Betäubung, Ohnmacht, endlich Bewusstlosigkeit und Zusammensinken.

Gleiche Erscheinungen sahen +Kussmaul+ und +Tenner+ nach Compression

der Carotiden auftreten. +Flemming+ (+Vulpian+, l. c. 146)

constatirte an sich und an anderen Personen, dass die Compression

der Halspulsadern einen schlafartigen Zustand herbeiführe. Ferner

fand +Schiff+ (Med. Centralbl. 1873, pag. 18), dass die durch die

Compression der Carotiden erzeugte Gehirnanämie als starker Reiz

auf das Gefässsystem wirke und sowohl Blutdruck als Pulsfrequenz

vermehre, und +Filehne+ (Ibid. 1875, 810) sah nach Compression

der Carotiden das +Cheyne+-+Stokes+’sche Athemphänomen auftreten.

+Pilz+ (Langenbeck’s Archiv. IX) bemerkt, dass unter 600 Fällen

von Unterbindung der Carotis auf einer oder beiden Seiten bei 32%

Hirnerscheinungen auftraten und die Mortalitätsziffer 33½%

betrug. Auch +Bergmann+ (Kopfverletzungen, 1880, pag. 337) erwähnt

solcher Folgen der plötzlichen Sistirung des Kreislaufes in der

Schädelhöhle. Bei diesen Beobachtungen sehen wir schon nach

Abschluss der Carotiden allein Hirnsymptome auftreten, noch mehr

sind solche zu erwarten, wenn, wie bei der Suspension, gleichzeitig

auch die Jugularvenen comprimirt werden. Zufluss sowohl als Abfluss

des Blutes zum und vom Gehirn wird dadurch mit einem Schlage

unterbrochen, und es ist dann, da das Gehirn bekanntlich ungemein

fein auf Ernährungs- (Oxydations-)Störungen reagirt, natürlich und

wohl begreiflich, dass alsbald Hirnerscheinungen, insbesondere

Bewusstlosigkeit, auftreten müssen, und zwar früher, als sie bei

einfachem Verschluss der Respirationswege eingetreten wären, da bei

letzterem die Oxydationsprocesse im Gehirn secundär, hier aber primär

aufgehoben werden. Dies würde, selbst wenn die Vertebralarterien

und Vertebralvenen wegsam blieben, der Fall sein, denn es ist klar,

dass, wenn bei Compression der Carotiden gleichzeitig der Abfluss des

Blutes aus den Jugularvenen gehemmt wird, ein Collateralkreislauf

durch die im Caliber unverhältnissmässig schwächeren Vertebralgefässe

nicht sofort sich etabliren kann, da ja früher das im Gehirn

plötzlich abgesperrte und schnell hypervenös werdende Blut verdrängt

werden müsste. Es haben aber überdies die Untersuchungen und

Experimente von +Haberda+ und +Reiner+ (l. c.) ergeben, dass beim

typischen Erhängen auch die Vertebralarterien, und zwar in dem

zwischen erstem und zweitem Halswirbel gelegenen Stücke comprimirt

werden, so dass dann eine vollständige Unterbrechung des Kreislaufes

im Gehirne stattfindet.

[Sidenote: Compression des Vagus beim Erhängen.]

Auch die Möglichkeit einer Compression des Vagus, der ja mit der

Carotis und Jugularis interna in +einer+ Scheide liegt, ist nicht zu

übersehen. Dass eine solche nicht gleichgiltig sein wird, ist bei der

Bedeutung dieses Nerven, namentlich als Hemmungsnerv des Herzens,

begreiflich, und es ist in dieser Beziehung bemerkenswerth, dass

+Waller+ (Prager Vierteljahrschr. 1871, III, 88) die Compression des

Vagus als Anästheticum anwandte, da die Betreffenden „nach mässigem

Druck auf den Vagus wie vom Blitze getroffen zu Boden fielen“, und

dass Professor +Thanhofer+ in Budapest (Med. Centralbl. 1875: „Die

beiderseitige mechanische Reizung des Vagus beim Menschen“) einen

Studenten, der sich zu physiologischen Zwecken in seiner Gegenwart

wiederholt +einen+ Vagus mit dem Fingernagel comprimirt und es darin

zu einer gewissen Fertigkeit gebracht hatte (ähnlich wie wir dies bei

dem verstorbenen Professor +Czermak+ gesehen haben), bewusst- und

pulslos werden sah, als derselbe eines Tages sich beide Vagi comprimirt

gehabt hatte.[346] Ferner haben +Tamassia+ (Virchow’s Jahresb. 1881,

I, 560) und +Misuraca+ (ibidem 1888, I, 478) den Gegenstand an Thieren

experimentell geprüft und gefunden, dass intensive Compression

beider Vagi dieselben Erscheinungen bedingt, wie die Durchschneidung

derselben, nämlich Herabsetzung der Athemfrequenz und Vermehrung und

Schwäche der Herzpulsationen, und dass durch dieselbe der Eintritt des

Todes bei der Strangulation beschleunigt wird. Den Untersuchungen von

+Ignatowski+, +Haberda+ und +Reiner+ zufolge ist mehr die mechanische

Reizung des Vagus und consecutiver Herzstillstand in der Diastole im

Spiele, die den Vagusstamm entweder direct oder, wie +Ignatowski+

findet, wahrscheinlich vom Laryngeus und seinen Verzweigungen aus

reflectorisch trifft.

[Sidenote: Symptome beim Erhängen.]

Es folgt aus dem Gesagten, dass der Tod durch Erhängen keineswegs blos

als eine durch Verschluss der Respirationswege bewirkte Erstickung

angesehen werden kann, sondern dass bei dieser Todesart jedenfalls

der durch die Compression der Halsgefässe gesetzten plötzlichen

Unterbrechung der Circulation im Gehirn und möglicherweise auch der

durch gleichzeitigen Druck bewirkten Reizung und in den höheren

Graden Lähmung des N. vagus und der dadurch bedingten Störungen der

Herzbewegungen ein Einfluss zugeschrieben werden muss. Aus demselben

Grunde werden wir festhalten, dass beim Erhängen Bewusstlosigkeit

und der Tod viel rascher erfolgen, als durchschnittlich bei anderen

mechanischen Erstickungsarten, und dass insbesondere erstere,

wenigstens bei typischer Lage des Stranges, sich wahrscheinlich sofort

in dem Momente einstellt, in welchem die Zusammenschnürung der um den

Hals gelegten Schlinge erfolgt.

[Sidenote: Schneller Eintritt der Bewusstlosigkeit.]

Das schnelle Eintreten der Bewusstlosigkeit beweisen zunächst die

Aussagen der Geretteten, die übereinstimmend dahin gehen, dass

sofort nach der Zuschnürung des Halses das Bewusstsein schwand, so

dass sie sich von diesem Augenblicke an an nichts mehr zu erinnern

wissen. Ferner spricht hierfür auch die Thatsache, dass, obwohl

sehr viele und vielleicht die meisten Individuen sich in der Art

aufhängen, dass der Körper nicht frei hängt, sondern meist in

einer Entfernung vom Boden, die geringer ist als die des Halses

von letzterem, doch bis jetzt kein Fall bekannt ist, dass ein

solcher Selbstmörder sich selbst aus der Schlinge befreit hätte,

während, wenn die Bewusstlosigkeit nicht alsbald eintreten möchte,

doch vielleicht hier und da ein Fall vorkäme, dass, wie wir dies

bei anderen Selbstmordarten gar nicht selten sehen, das Individuum

von Angst, Schmerz etc. bewogen, den bereits begonnenen Selbstmord

unterbrechen würde, da, um dieses zu effectuiren, blos nothwendig

wäre, sich wieder auf die Füsse zu stellen, wozu dem Individuum bei

der erwähnten Hängungsart die physische Möglichkeit, und bei dem

Umstande, als man die Unterbrechung der Respiration durch 30-40

Secunden ertragen kann, ohne das Bewusstsein zu verlieren, auch

die Zeit geboten wäre. Interessant in dieser Beziehung ist eine

von +Laurent+ (Virchow’s Jahresb. 1888, I, 463) mitgetheilte

Simulation von Selbstmord, da der Betreffende trotz raffinirter

Vorsichtsmassregeln doch das Bewusstsein verlor. Auch ist im August

1888 in Wien ein Fall vorgekommen, in welchem der Erhängte einen

scharf geladenen Revolver in der Hand hielt. Offenbar wollte er sich

gleichzeitig erschiessen, konnte jedoch der plötzlich eingetretenen

Bewusstlosigkeit wegen diesen Plan nicht mehr ausführen.

Die sonstigen Erscheinungen, welche während des Erhängens auftreten,

weichen im Wesentlichen nicht ab von denjenigen, die wir beim

Erstickungstode überhaupt kennen gelernt haben. Wir haben dieselben bei

zwei Justificationen durch den Strang aus unmittelbarer Nähe verfolgt,

und in beiden Fällen sowohl die Dyspnoe als auch die Convulsionen

in gewöhnlicher Weise auftreten gesehen. Ueber die Intensität der

letzteren konnten wir uns kein Urtheil bilden, da in beiden Fällen

die oberen Extremitäten gebunden waren, die unteren aber gehalten und

angezogen wurden. Eine auffallende Cyanose des Gesichtes konnten wir

nicht beobachten und zum Eintritt derselben fehlen bei vollständiger

Compression der Halsgefässe auch die Bedingungen. Dagegen muss es zu

hochgradigen Stauungs-Erscheinungen (Cyanose, Ecchymosen) im Gesichte

kommen, wenn, wie bei asymmetrischer Lage des Stranges, namentlich bei

weit nach vorne liegendem Knoten möglich, nur die Gefässe der einen

Seite oder mehr und früher die Venen als die Arterien comprimirt worden

sind.

Der Leichenbefund bei Erhängten.

Das +äussere Aussehen+ der Leichen Erhängter ist, wenn man von den

localen Befunden am Halse absieht, in der überwiegenden Zahl der Fälle

kein anderes als das der meisten anderen Leichen. Das Gesicht zeigt in

der Regel die gewöhnliche Leichenblässe und auch die Conjunctiven sind

nicht ecchymosirt. In einzelnen Fällen, besonders bei asymmetrischer

Lage des Stranges, findet sich mehr weniger ausgesprochene Cyanose

der Gesichtshaut, sowie Ecchymosirung derselben und der Conjunctiven.

In seltenen Fällen wird Blutung aus den Ohren beobachtet, die aber

nicht, wie ältere Beobachter meinen, von einer Ruptur des Trommelfelles

herrührt, sondern, wie bereits oben erwähnt, von subepidermoidaler

Gefässberstung und Durchbruch des extravasirten Blutes durch den

dünnen und meist macerirten Epidermisüberzug des Trommelfelles,

beziehungsweise der hintersten Partien des äusseren Gehörganges. Das

Verhalten der Pupillen zeigt nichts Charakteristisches. Die Lippen

sind in der Regel bleich, häufig mit eingetrocknetem oder feuchtem

Schleim bedeckt, der aus der Mundhöhle kommt. Derselbe besteht, wie

wir uns auch bei den zwei Gehenkten überzeugten, aus Speichel, der

mechanisch aus den Speicheldrüsen ausgedrückt wird und zum Munde

herausfliesst. Die Zunge ist meist etwas vorgefallen und zwischen den

Kiefern eingeklemmt, ein Befund, dessen Zustandekommen sich aus rein

mechanischen Gründen zur Genüge erklärt, aber nicht dem Erhängungstode

allein zukommt, sondern bei den verschiedensten Todesarten, und zwar

gar nicht selten, beobachtet wird.

Wird die Leiche in den ersten Stunden nach erfolgter Suspension

abgenommen und in der gewöhnlichen Weise gelagert, so ist die

Vertheilung der Todtenflecke die gleiche, wie wir sie an anderen

Leichen beobachten können; blieb jedoch der Körper durch längere Zeit

suspendirt, so senkt sich das Blut gegen die untere Körperhälfte und

wir finden dann letztere, insbesondere die unteren Extremitäten, desto

livider verfärbt, je länger die Leiche gehangen, ausserdem manchmal

mit subepidermoidalen Ecchymosen besetzt, die sich entweder postmortal

durch Ruptur der Capillaren des Papillarkörpers der Haut bilden oder

wenigstens aus früher unscheinbar gewesenen, aber in vivo entstandenen

Ecchymosen durch postmortale Nachsickerung des Blutes zu grösseren und

grossen sich entwickeln und deren wir bereits oben Erwähnung gethan

haben. Ein solcher Befund, der, wenn die Leiche abgenommen wird, sich

trotzdem erhält, berechtigt zum Schlusse, dass die Leiche nicht etwa

nur einige Augenblicke oder nur wenige Stunden, sondern längere Zeit

gehangen haben musste, ein Umstand, dessen Constatirung in einzelnen

Fällen wichtig sein kann. In einem solchen Falle bekommen auch die

Hände eine livide Farbe, indem sich das Blut aus den oberen Theilen der

betreffenden Extremitäten in die Hände herabsenkt.

[Sidenote: Strangfurche.]

Der wichtigste äussere Befund bei Erhängten ist die +Strangfurche+

am Halse. Wie schon der Name ausdrückt, ist dies jener um den Hals

verlaufende, furchenartig vertiefte Eindruck, der als Spur des den Hals

zusammenschnürenden Stranges zurückgeblieben ist.

In der Regel verläuft dieselbe quer über den Vorderhals, steigt

beiderseits ziemlich steil hinter den Ohren, und zwar meist hinter den

warzenförmigen Fortsätzen gegen den Nacken auf, woselbst die Enden

der Furche entweder in der Mittellinie des Nackens zusammentreffen,

oder noch bevor sie diese erreichen, sich in der behaarten Kopfhaut

verlieren.

[Sidenote: Lage des Stranges bei Erhängten.]

Am Vorderhalse kommt der Strang so hoch zu liegen, als es

die anatomischen Verhältnisse gestatten, respective bis die

hinaufgeschobene Schlinge hinter den Unterkieferwinkeln ihren Halt

findet. Sie verläuft dann gerade zwischen Kehlkopf und Zungenbein,

seltener über dem letzteren. Nur ganz ausnahmsweise kann der Strang

auf den Kehlkopf selbst oder noch tiefer zu liegen kommen. Es könnte

dies dann geschehen, wenn die Schlinge, bevor die Schwere des Körpers

zur Wirkung kam, fest um den Hals gelegt und so das Hinaufrutschen

derselben verhindert wurde. Auch das stärkere Prominiren des

Kehlkopfes, namentlich des verknöcherten, kann letzteres bewirken.

Endlich kann die Schlinge auf den Kehlkopf zu liegen kommen, wenn ein

sehr breites Strangwerkzeug genommen wurde oder wenn dasselbe nicht um

den blossen, sondern, wie hier und da vorkommt, um den mit einem Tuche

umwundenen oder durch einen dichten Bart geschützten Hals gelegt und

eben durch diese Unterlage die Verschiebung der Schlinge nach aufwärts

behindert worden war; am leichtesten aber, wenn Tumoren am Halse eine

tiefere Lagerung der Schlinge bedingten.

Wir haben zwei Fälle letzterer Art obducirt. Der eine betraf ein

altes, mit einem starken Cystenkropfe behaftetes Weib, welches

sich den Strick unter dem Kropf angelegt hatte, der andere einen

vierzigjährigen, an einem Riemen suspendirt gefundenen Mann mit

einer fast strausseneigrossen Dermoidcyste unter dem linken

Unterkiefer. Bei dem Manne verlief die Strangfurche quer über die

Mitte des Kehlkopfes, bei dem Weibe sogar unter dem Kehlkopfe über

die Trachea. Auch bei dem in Raab durch den Strang hingerichteten

und nach der Abnahme wieder belebten Mörder Takács bestanden grosse

Drüsentumoren am Halse (Wiener med. Wochenschr. 1880, Nr. 17), und

es ist möglich, dass dieselben den genügend intensiven Verschluss

der Luftwege, sowie der Gefässe am Halse behindert und dadurch die

Wiederbelebung des allerdings schon nach 10 Minuten abgenommenen

Justificirten ermöglicht hatten.

[Illustration: Fig. 91.

Lehrling, der sich an einer schiefen Leiter in der Weise aufgehängt

hatte, dass der Knoten der durchlaufenden Schlinge auf die Mitte des

linken Unterkiefers zu liegen kam.]

[Illustration: Fig. 92.

Selbstmord durch Erhängen; Knoten am linken Unterkiefer nahe am Kinn

(+Tardieu+).]

[Illustration: Fig. 93.

Doppelselbstmord durch Erhängen an +einem+ über einen offenen

Thürflügel gelegten Strangulationsband. Gewöhnliche Lagerung des

letzteren beim Manne, atypische bei dem Mädchen.]

Bei der Bestimmung der Lage der Strangfurche am Vorderhalse ist aber

niemals zu übersehen, dass letztere an der horizontal gelagerten

Leiche immer tiefer liegt, als sie während des Hängens gelegen war.

Man findet sie daher ungemein häufig quer auf dem Kehlkopf liegend,

während man, wenn man den Strang in situ sich denkt, sich sofort

überzeugt, dass die Furche viel höher gelegen sein musste. Auf diesen

ganz natürlichen Vorgang ist umsomehr Rücksicht zu nehmen, je weniger

ein localer Grund nachweisbar ist, der die Schlinge verhindert haben

konnte, die höchst mögliche Lage einzunehmen.

[Sidenote: Verlauf der Strangfurche bei Erhängten.]

Der weitere Verlauf der Strangfurche verhält sich in typischen Fällen

in der Art, dass dieselbe beiderseits unter den Warzenfortsätzen

gegen den Nacken zu aufsteigt und in der Mittellinie desselben,

beziehungsweise des Hinterhauptes, zu einem mit dem Scheitel nach

oben gerichteten Winkel sich vereinigt. Dies ist wenigstens bei einer

sogenannten durchlaufenden Schlinge oder wenn ein Knoten geknüpft

wurde, der Fall, während bei einer sogenannten offenen Schlinge

die Enden der Strangfurchen sich nicht vereinigen, sondern blos

mehr weniger hinter den Warzenfortsätzen convergiren. Ebenso häufig

und vielleicht noch häufiger ist der asymmetrische Verlauf der

Strangfurche, indem die Enden derselben nicht gegen die Mittellinie

des Nackens, sondern seitwärts von dieser convergiren, respective

zu einem Winkel zusammentreten. Sehr gewöhnlich findet letzteres

hinter einem Ohr statt, und zwischen diesem Verlaufe der Strangfurche

und dem typischen gibt es vielfache Uebergänge. In einzelnen, nicht

gerade sehr seltenen Fällen kann der Knoten der Schlinge, respective

der Winkel der Strangfurche, vor dem einen Ohre und sogar nahe am

Kinn zu liegen kommen. Wir haben wiederholt solche Fälle beobachtet,

von denen wir einen vom Polizeiarzt Dr. +v. Britto+ aufgenommenen

in Fig. 91, einen andern, der mit liegender Stellung combinirt war,

an späterer Stelle abbilden. Einen weiteren (Fig. 92) entlehnen wir

einer Publication +Tardieu+’s (Ann. d’hyg. publ. 1870, pag. 94) und

den in Fig. 93 abgebildeten, der wohl ein Unicum darstellen dürfte,

verdanken wir Herrn Dr. +v. Rosen+ in Odessa, welcher die Güte hatte,

uns die betreffende, beim Localaugenscheine aufgenommene Photographie

zur Verfügung zu stellen. Der Fall betrifft einen 21jährigen Mann und

ein 17jähriges Mädchen, welche sich in einem Hôtel gemeinschaftlich

durch Erhängen an +einem+ Strangulationsbande das Leben genommen haben.

Ein Sessel war zum geöffneten Flügel einer Doppelthüre gerückt und

über diesen das aus einem Bettlacken und einem schwarzen Wolltuche

geknüpfte Strangulationsband hinübergeworfen, an dessen beiden zu

einer Schlinge zusammengebundenen Enden je eine Leiche hing. Bei dem

Manne lag der Knoten im Nacken, bei dem Mädchen aber unter dem Kinn

und dem entsprechend war der Kopf bei jenem nach vorn, bei diesem aber

stark nach rückwärts gebeugt. Einem hinterlassenen Zettel zufolge

hatten Beide zuerst mit Kupferspähnen und Phosphorzündhölzchen in

starkem Essig und dann durch Kohlendunst sich zu tödten versucht und

erst als diese Versuche misslungen, sich aufgehängt! +Deininger+

(Friedreich’s Blätter. 1884, pag. 47) sah einen hierher gehörigen Fall.

Die 61jährige Frau war in halb liegender Stellung mit dem Gesicht nach

oben hängend gefunden worden. Der Knoten war gerade unter dem Kinn,

der Kopf nach rückwärts gestreckt, Vorderhals und Kehlkopfgegend frei,

die Strangfurche am stärksten im Nacken ausgebildet. Versuche, die

+Deininger+ an Lebenden und an Leichen anstellte, ergaben, dass bei

einer solchen Stranglage die Luftwege zwar seitlich verengt, doch nicht

vollkommen verschlossen werden, wohl aber die grossen Halsgefässe.

Diese Fälle haben auch deshalb eine specielle Bedeutung, weil die

Strangmarke auch den Nacken quer durchfurcht und daher, wie dies in

zweien unserer Fälle wirklich geschehen ist, für eine Erdrosselungsspur

gehalten werden kann.[347]

[Sidenote: Ausprägung der Strangfurche. Strangwerkzeuge.]

Die Strangfurche ist in der Regel an den dem Knoten gegenüber

liegenden Halspartien, und zwar desto mehr ausgeprägt, je mehr das

Strangulationsband geeignet war, den Hals einzuschnüren, d. h. in

die Haut einzuschneiden. Dies ist desto mehr der Fall, je dünner

und gleichmässiger dasselbe gewesen ist. In der überwiegenden Zahl

der Fälle werden zum Erhängen Stricke (meist sogenannte Rebschnüre)

verwendet und die Strangfurche stellt dann eine von parallelen Rändern

scharf begrenzte, schmale, rinnenartige Furche dar, welche sich in

auffallender Weise von ihrer Umgebung abhebt. Je dünner und daher je

einschneidender der Strick, desto schmäler, aber auch desto tiefer und

schärfer markirt ist die zurückbleibende Furche. +Schulze+ sah einen

Selbstmörder, der sich an einem Eisendraht erhängt hatte, und in Wien

kam im Laufe des Jahres 1876 ein Fall vor, in welchem das Erhängen

an einem Messingdrahte geschah. Leider wurde uns nicht Gelegenheit

geboten, letzteren Fall selbst zu untersuchen, es ist jedoch kein

Zweifel, dass unter allen Strangulationswerkzeugen ein Draht besonders

geeignet ist, eine sehr tiefe und schmale Strangfurche zu erzeugen,

und es wäre wohl denkbar, dass bei dieser Gelegenheit sogar die Haut

durchschnitten und dadurch eine anderweitig entstandene Schnittwunde

vorgetäuscht werden könnte.

Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin · 第 60 / 132 段