Zustandekommen die Dyspnoe und die dabei stattfindenden heftigen
Inspirationsbewegungen des Thorax den Haupteinfluss zu nehmen scheinen.
+Donders+ hat vorzugsweise diese Ansicht aufgestellt, indem er
darauf hinwies, dass während des Erstickungstodes durch Verschluss
der Respirationswege die Circulation des Blutes in den Lungen durch
Luftdruck, unter welchen normal die Lungengefässe stehen, vermindert
werde, wodurch es nothwendig zur Verminderung der Widerstände in
denselben und folgerichtig zum stärkeren Blutzufluss gegen die Lunge
kommen muss. Dieselbe Ursache aber, welche so bedeutend den Zufluss
des Blutes erleichtert, erschwert auch den Abfluss desselben, da das
Blut in den erschlafften Gefässen an Bewegungsgrösse verliert und
nicht mit der nöthigen Schnelligkeit dem linken Herzen zuzuströmen
vermag. Es muss unter solchen Umständen zur Ausbildung einer Hyperämie
in den Lungen kommen, und zwar unter sonst gleichen Verhältnissen in
desto höherem Grade, je länger die Dyspnoe dauert und je intensiver
sich die fruchtlosen Excursionen des Thorax gestalten. Die Dauer und
Intensität der Dyspnoe ist aber, wie wir oben bemerkt haben, keineswegs
immer gleich, und es mag schon dieser Umstand die Differenzen in
der Intensität der Lungenhyperämie, selbst bei einer und derselben
Erstickungsform, erklären.
Ausserdem wird aber auch dem Umstande, ob der Verschluss der
Respirationswege unmittelbar nach einer Inspiration oder Exspiration
erfolgte, ein Einfluss zugeschrieben werden müssen; denn es ist
klar, dass, wenn die +Donders+’sche Ansicht richtig ist, im letzten
Falle eine bedeutendere Relaxation der Lungengefässe und daher eine
stärkere Hyperämie entstehen wird, als wenn der Verschluss unmittelbar
nach einer stattgefundenen Inspiration effectuirt wurde. Ferner
ist es einleuchtend, dass, wenn, wie z. B. beim Erdrücktwerden,
der Thorax an seinen Excursionen gehindert ist, die Bedingung ganz
entfällt, welche nach der +Donders+’schen Anschauung bei Erstickung
durch Verschluss der Respirationsöffnungen oder der Trachea die
Lungenhyperämie veranlasst, und ebenso, wenn die Erstickung in einem
irrespirablen (indifferenten) Gase erfolgt. Wurde aber der Verschluss
der Respirationswege durch ein flüssiges Medium bewirkt, so müsste,
wie schon +Krahmer+ hervorhob, der Blutgehalt der Lungen im verkehrten
Verhältnisse stehen zu dem Grade, in welchem das aspirirte Medium die
sich ausdehnenden Lungen zu füllen im Stande ist, d. h. die Hyperämie
wäre desto intensiver, je weniger beweglich das betreffende Medium
gewesen ist, daher z. B. nach Ersticken in dickem Schlamm, Abtrittskoth
etc. grösser, als nach Ertrinken im Wasser.
So plausibel die +Donders+’sche Theorie über die Entstehung der
Lungenhyperämien beim Erstickungstode zu sein scheint und sich
auch bei von +Patenko+ (Annal. d’hygiène publ. 1885, pag. 209)
angestellten Thierversuchen bestätigte, so stimmt sie doch nicht
vollkommen mit den am Sectionstisch sich ergebenden Beobachtungen,
welche lehren, dass selbst unter Umständen, wo die von +Donders+
hervorgehobenen Bedingungen zur Entstehung von Lungenhyperämien
scheinbar die günstigsten sind, wie z. B. beim Tode durch Erhängen,
keine besonders blutreichen, sondern im Gegentheil entschieden
anämische Lungen gefunden werden, wie wir uns ausser wiederholt
bei Sectionen erhängter Selbstmörder, so auch bei zwei durch
den Strang justificirten kräftigen, jungen, vollkommen gesunden
Männern, die wir 3-4 Stunden nach dem Tode zu obduciren Gelegenheit
hatten, überzeugten. Wahrscheinlich erklärt sich dies daraus, dass
der äussere Atmosphärendruck auf die Lungen nicht so vollständig
entfällt, wie +Donders+ annimmt, sondern vom Bauche aus ausgeglichen
wird, indem letzterer in dem Masse einsinkt, als die seitlichen
Brustwände sich erweitern und den äusseren Luftdruck überwinden.
[Sidenote: Oedem der Lungen.]
Ist die Hyperämie in den Lungen stark entwickelt, so erscheinen
dieselben nicht blos dunkler gefärbt, sondern auch succulenter.
Letztere Erscheinung wird häufig als +Oedem der Lungen+ aufgefasst,
jedoch mit Unrecht, da jede blutreiche Lunge auch stärker durchfeuchtet
erscheinen muss. Bei einer rasch verlaufenden Erstickung fehlt ein
eigentliches Oedem, zu dessen Entwicklung es auch an Zeit gebricht,
da sich ja die ganze Scene in wenigen Minuten abspielt. Wohl kommt
aber ein echtes, d. h. durch während des Lebens erfolgte Transsudation
von Serum durch die Gefässwandungen in das Zwischengewebe und auf die
innere Lungenoberfläche, entstandenes Oedem (zu unterscheiden von
Leichenödem) zur Entwicklung, wenn der Process nicht ganz acut verlief
und die Agone lange dauerte. In solchen Fällen kommt es auch zur
Bildung reichlichen Schaumes in den Bronchien, und wir finden denselben
nicht blos in der Trachea, sondern in manchen Fällen auch im Rachen
und vor dem Munde, ein Befund, der von einzelnen Beobachtern als bei
Leichen Erstickter häufig vorkommend angegeben wird, während er unserer
Erfahrung nach (vom Ertrinkungstode abgesehen) nur ausgesprochen
ist, wenn das Individuum nicht sofort, sondern erst nach längerer
Erstickungsnoth gestorben war.[337]
[Sidenote: Venöse Stauung im Herzen, Gehirn etc.]
Eine weitere Consequenz der beim Erstickungstode meist sich
einstellenden venösen Stase in den Lungen ist eine +Stauung+ des
Blutes im +rechten Herzen+ und den zu und von diesem führenden grossen
Gefässen. Bei der Beurtheilung dieses Befundes ist nicht zu übersehen,
dass es zur Norm gehört, dass schon während der Agone und theilweise
noch nach derselben[338] das Blut aus den Arterien in die Venen
sich entleert, und dass bei jenen Erstickungsformen, in denen das
Herz primär gelähmt wird, häufig gerade das linke Herz die grössere
Blutmenge zu enthalten pflegt.[339]
Ebenfalls als Theilerscheinung der Stauung des Blutes in den Lungen
ist die +Injection der Schleimhaut der Trachea+ aufzufassen, auf
welche +Casper+ aufmerksam machte, die aber in ihrer Intensität ebenso
verschieden sich gestaltet, wie die Lungenhyperämie selbst.
Was die venösen Hyperämien in entfernteren Organen, namentlich im
Gehirn und in den Unterleibsorganen, betrifft, so hat man diese
ebenfalls einfach als Theilerscheinung, respective Folge der Stase
in den Lungen und im rechten Herzen aufgefasst. Zweifellos sind aber
bezüglich des Blutgehaltes dieser Organe noch andere Einflüsse im
Spiele, die vorzugsweise auf einen vasomotorischen Krampf zu beziehen
sind, der während der Erstickung fast regelmässig aufzutreten und
namentlich durch lebhafte Verengerung der kleinen Arterien peripherer
Gefässbezirke sich kundzugeben pflegt.
[Sidenote: Blutstauung im Gehirn.]
Ueber den Blutgehalt des Gehirnes und seiner Häute während der
Erstickung existiren insbesondere zwei Reihen directer, bei
geschlossenem Schädel angestellter Beobachtungen, die von +Donders+
(Schmidt’s Jahrb. 1851, LXIX, 16) und die von +Ackermann+ (Virchow’s
Archiv. XV), welche Beide ihre Studien an Kaninchen anstellten,
denen sie eine kleine Glasscheibe in den trepanirten Schädel
eingeheilt hatten. Leider stimmen die Resultate dieser beiderseitigen
Beobachtungen nicht überein. Während +Donders+ schon 10 Secunden
nach der Behinderung der Respiration eine stärkere Röthung der
Pia beobachtete, die über 2 Minuten lang anhielt, sah +Ackermann+
nach Unterbrechung der Athmung manchmal, jedoch nicht immer, eine
kurz andauernde Cyanose, aber 10-20 Secunden vor dem Tode durchaus
constant ein auffallendes Erblassen der Pia eintreten, so dass er den
Satz aufstellte, dass bei der Erstickung jedesmal mit dem Eintritte
des Todes eine deutliche Anämie des Gehirns zusammenfalle.
Die praktische Erfahrung an den Leichen erstickter Menschen scheint
mehr die Beobachtung +Donders+’ zu bestätigen, denn Hyperämien des
Gehirns und seiner Häute sind ein ziemlich häufiger Befund, obwohl
keineswegs constant und durchaus nicht so häufig, wie gewöhnlich
angenommen wird, während ausgesprochene Anämien verhältnissmässig
selten zu beobachten sind. Trotzdem ist an der Richtigkeit der
Angabe +Ackermann+’s nicht zu zweifeln, da auch die Beobachtung mit
dem Augenspiegel lehrt, dass während der Dyspnoe in der That die
Retinalgefässe regelmässig an Füllung abnehmen, eine Erscheinung, die
ebenso wie die Verengerung der Piagefässe auf vasomotorischen Krampf
zurückgeführt wird.
[Sidenote: Darm und Milz bei Erstickten.]
Ein gleicher Vorgang lässt sich, und zwar viel leichter, an den
Organen des Unterleibes beobachten. Wenn man zunächst an curarisirten
Thieren den Bauch eröffnet und die künstliche Respiration aussetzt,
so sieht man die Gefässe der Darmwandungen durch einige Augenblicke
stärker sich füllen, auf der Höhe der Dyspnoe jedoch sichtlich
anämisch werden und bleiben, bis die gleichzeitig vermehrten
peristaltischen Bewegungen sich wieder beruhigen, worauf,
zusammenfallend mit dem Beginn der Asphyxie, die Gefässe sich
wieder etwas füllen, ohne dass jedoch die Injection einen solchen
Grad erreichen würde, dass man von Hyperämie sprechen könnte.
Wenn trotzdem die Gedärme cyanotisch erscheinen, so wird dieses
nicht durch stärkere Blutfüllung, sondern durch die hypervenöse
Beschaffenheit des Blutes bedingt. Ebenso wie die Gedärme, sieht
man, wie schon +Szabinsky+ (1865) hervorhob, auch die Milz auf der
Höhe der Erstickung ganz constant anämisch werden, sich ausserdem
verkleinern und an der Oberfläche sich runzeln, und man kann weiter
bemerken, wie, selbst nachdem die Contraction der Gefässe in
Erschlaffung übergegangen ist, die Milz doch blass bleibt und auch
jene glatte Oberfläche nicht mehr vollständig erhält, die sie früher
besessen hatte. Es ergibt sich daraus, dass schon bei Erstickung
durch Behinderung der Excursionsfähigkeit des Thorax eher ein
verminderter als ein vermehrter Blutgehalt der Eingeweide zu erwarten
ist. Noch mehr muss sich aber der Blutgehalt in diesen Organen
vermindern, wenn während des Erstickungsactes die Excursionsfähigkeit
des Thorax nicht behindert war; denn es ist natürlich, dass, wenn
unter diesen Umständen durch die dyspnoischen Athembewegungen
grössere Blutmengen in die Lungen geworfen werden, die ausserhalb des
Thorax gelegenen Organe, auch jene des Unterleibes, eine Verminderung
ihres Blutgehaltes erfahren müssen.
[Sidenote: Subpleurale und subpericardiale Ecchymosen.]
Ad 3. Als +subpleurale+, beziehungsweise als +subpericardiale
Ecchymosen+ bezeichnet man kleine Blutaustretungen unter der Pleura
und unter dem Pericardium, die, wenn sie gut entwickelt sind, den
betreffenden Organen ein geflecktes, wie mit Blut bespritztes Aussehen
verleihen. Ihre Grösse schwankt von jener eines Flohstiches bis zur
Hanfkorn- und selbst Linsengrösse. Sie entstehen durch Rupturen
der Capillaren in dem subserösen Bindegewebe der Pleura und des
Pericardiums und finden sich meistens unter den visceralen, seltener
unter den parietalen Blättern, besonders an den äusseren und hinteren
Partien der Lungen und in den zwischen den einzelnen Lungenlappen
gelegenen Spalten; am Herzen ist ihr Hauptsitz an der Herzkrone,
besonders an der Hinterfläche. Auch in der Adventitia der grossen
Gefässe innerhalb des Herzbeutels sind sie häufig und nicht selten
in dem Bindegewebe des Mediastinums, insbesondere in dem um die
Brustaorta, wo sie theils des lockeren Gewebes, theils der postmortalen
Nachsickerung des Blutes wegen eine beträchtliche, mitunter Suffusionen
vortäuschende Grösse erreichen können.[340] Die postmortale
Nachsickerung des Blutes ist auch der Grund, warum die Ecchymosen an
den hinteren Partien der Lunge und des Herzens in der Regel grösser
sind als an den vorderen.
Seit in Deutschland zuerst +Röderer+[341] (1753), später +Bernt+
(1828), +Weber+, +Elsässer+ und +Casper+, in Frankreich +Bayard+
(1841), +Caussé+ (1842) und +Tardieu+ (1853) auf diesen Befund in
den Leichen Erstickter aufmerksam gemacht hatten, wurde derselbe
in der Regel als Theilerscheinung der venösen Stauung in der Lunge
und im rechten Herzen aufgefasst, indem man annahm, dass, wenn die
Stauung einen gewissen Grad übersteigt, einzelne Capillargefässe
dem Drucke nicht zu widerstehen vermögen und bersten. Von Anderen
wurde wieder im Sinne der +Donders+’schen Theorie über das Entstehen
der Lungenhyperämie der aspiratorische Zug hervorgehoben, den der
Thorax bei seinen fruchtlosen inspiratorischen Excursionen auf die
Lungenoberfläche ausübt und die Entstehung der Ecchymosen von dieser,
mit jener eines aufgesetzten Schröpfkopfes ähnlichen Wirkung der
Thoraxwand abgeleitet (+Krahmer+). Wenn auch diesen zwei Momenten eine
Mitwirkung bei der Entstehung der Ecchymosen nicht abgesprochen werden
kann, so spielen sie doch nicht die Hauptrolle; diese fällt vielmehr
dem auf der Höhe der Erstickung sich einstellenden vasomotorischen
Krampf zu und der bedeutenden Vermehrung des Seitendruckes, den
dadurch die Gefässwandungen auszuhalten haben, der um so leichter
zur Berstung von feinen Gefässästchen führen kann, als gleichzeitig
eine Stauung im Kreislaufe besteht, die nicht blos durch den
vasomotorischen Krampf selbst und die oben erwähnten anderen Momente,
sondern auch durch die allgemeinen Convulsionen und den Krampf der
Exspirationsmusculatur veranlasst wird. Thatsächlich kann man sich, wie
wir dies schon bezüglich der subconjunctivalen Ecchymosen angegeben
haben, durch entsprechend eingerichtete Versuche überzeugen, dass
die Bildung der subpleuralen und subpericardialen Ecchymosen in das
convulsive Stadium des Erstickungstodes fällt, also in eine Zeit, in
welcher auch die Dyspnoe weniger durch tiefe Inspirationen, als durch
krampfhafte Exspirationen sich zu äussern pflegt. Unterbricht man die
Erstickung vor dem Eintritte dieses Stadiums, so findet man keine oder
nur vereinzelte Ecchymosen. Ebenso findet man die Ecchymosen nicht,
wenn der Erstickungstod ohne Krämpfe verlief, was allerdings nur
ausnahmsweise geschieht.
Nach +Corin+[342], der die Entstehung der Erstickungsecchymosen an
Thieren mit künstlich, durch Peptoneinspritzungen, flüssiger gemachtem
Blute studirte, bilden sich dieselben zu der Zeit, wo die Erhöhung des
Blutdruckes in den Pulmonalarterien mit Stillstand der Respiration und
Immobilisirung der Lunge zusammenfällt. Muskelkrämpfe seien hierbei
nicht von wesentlichem Einflusse, da die Ecchymosen sich auch bei
(nicht zu tief) curarisirten und narcotisirten Thieren bildeten. Die
Entstehung der von uns oben (pag. 514) erwähnten Ecchymosen in dem
Bindegewebe um die Brustaorta erklärt sich +Kratter+ (Tagblatt der
Wiener Naturforscherversammlung, pag. 244) aus der mechanischen Zerrung
und der mechanischen Zerreissung der kleinen Gefässe um die Aorta
während der Dyspnoe besonders bei kräftigen Individuen. Dieser rein
mechanische Vorgang ist immerhin möglich und findet vielleicht auch bei
der Bildung der Ecchymosen entlang der Intercostalgefässe statt. Der
Angabe jedoch, dass sich dieselben nur bei erstickten Erwachsenen, aber
nicht bei Kindern der ersten Lebensperiode finden, können wir nicht
beistimmen, doch sind diese Ecchymosen bei Kindern begreiflicher Weise
kleiner als bei Erwachsenen.
Die genannten Ecchymosen sind keineswegs nur bestimmten
Erstickungsformen eigen, sondern können bei allen möglichen vorkommen,
weil die Convulsionen überhaupt und der vasomotorische Krampf
insbesondere zum typischen Bilde der Erstickung gehören und nur unter
besonderen mehr exceptionellen Verhältnissen nicht eintreten.
Daher können wir sie nicht blos beim sogenannten mechanischen
Erstickungstod, sondern auch bei dem aus inneren Ursachen, z. B.
Epilepsie, entstandenen, sowie auch bei demjenigen finden, der
durch Giftwirkung eingetreten ist, und im letzteren Falle besonders
nach solchen Vergiftungen, die mit Convulsionen einhergegangen sind.
Damit fällt auch die von +Tardieu+ aufgestellte, von +Liman+ und
Anderen mit Recht angefochtene Behauptung, dass die Lungenecchymosen
nur der „Erstickung im engeren Sinne“, nämlich der durch Verschluss
der Respirationsöffnungen bewirken, eigenthümlich zukommen. Dagegen
unterliegt es keinem Zweifel, dass diese Ecchymosen in ihrem Auftreten
ausser von den genannten Momenten auch von gewissen individuellen
Bedingungen beeinflusst werden. Zu diesen gehört insbesondere eine
gewisse Zerreisslichkeit, respective Zartheit der Gewebe und Gefässe,
und dies ist der Grund, warum sich die subpleuralen Ecchymosen so
häufig und fast regelmässig in den Leichen erstickter Neugeborener
oder Säuglinge finden, im Knaben- und Jünglingsalter seltener werden
und im Mannesalter am seltensten vorkommen, um dann im höheren Alter,
in welchem aus pathologischen Gründen die Gefässe brüchiger werden,
wieder häufiger auftreten. Subpericardiale Ecchymosen dagegen, sowie
solche auf Schleimhäuten und im hinteren Mediastinalgewebe sind bei
Erwachsenen nicht wesentlich seltener als bei Kindern.
Ausser an den Lungen, dem Herzen und in den Conjunctiven und bei
Kindern, besonders neugeborenen, an der Thymusdrüse, können sich die
Ecchymosen noch an anderen Stellen finden. So an der Schleimhaut der
Respirationsorgane, an der Epiglottis, im Kehlkopf und in der Trachea.
Ferner in der Nasenschleimhaut, in der Schleimhaut der Paukenhöhlen, an
beiden Flächen des Trommelfelles und selbst in der Cutisauskleidung der
hinteren Partien des äusseren Gehörganges. Häufig sind sie zwischen den
weichen Schädeldecken und an der Magenschleimhaut, seltener in jener
des Darmes. Der vasomotorische Krampf in den Gedärmen und besonders in
der Milz scheint zur Stauung in den Magengefässen und zur Entstehung
dieser Ecchymosen Veranlassung zu geben.
Am Peritoneum haben wir nur ganz ausnahmsweise und nur isolirte
Ecchymosen beobachtet, dagegen bereits zweimal bei Erhängten, darunter
bei einem durch den Strang Hingerichteten, solche in der Dura an der
Innenfläche derselben, in der mittleren Schädelgrube, entsprechend
den Verästlungen der Art. meningea media. +Legroux+ (l. c.) und
+Tammasia+ („Della morte nel vuoto.“ Rivista sperim. di med. legale.
IV, 451, und Virchow’s Jahresb. 1881, I, pag. 560) sahen Ecchymosen
an der Retina von erstickten Thieren. Vom Erwachsenen sind solche
Befunde nicht bekannt und +Maschka+ (Handbuch, I, 570) fand bei seinen
allein und gemeinschaftlich mit +Hasner+ vorgenommenen Untersuchungen
von Augen Erstickter blos zweimal bei Erhängten ein linsengrosses
Extravasat im retrobulbären Bindegewebe, niemals aber Blutaustritt im
Auge selbst. Bei erstickten Neugeborenen finden sich nach +Nobiling+
(Aerztliches Intelligenzblatt für Bayern, 1884, Nr. 38-40) häufig
Ecchymosen in der Retina. Unter günstigen Bedingungen (besonders
intensive und plötzliche Blutstauung, Zartheit des Ueberzuges) können
die den subepithelialen Ecchymosen zu Grunde liegenden Extravasate zum
Durchbruch des Epithelüberzuges und dadurch zu Blutungen auf die freie
Fläche der betreffenden Schleimhaut führen. Dieses scheint häufig an
der Nasenschleimhaut zu geschehen, aber auch, besonders bei Kindern. an
der Schleimhaut der Bronchien, woher der nicht seltene blutige Ausfluss
aus der Nase, beziehungsweise die blutige Tingirung des Schaums in der
Luftröhre und in exquisiten Fällen der Befund von aspirirtem Blut in
einzelnen Lungenacinis sich erklärt. Häufig kommt es auch zu Blutungen
in den Paukenhöhlen und in einzelnen Fällen, besonders bei Erdrückten
und hier und da bei Strangulirten, zu Blutungen aus dem äusseren
Gehörgang, wie wir sowohl bei Erhängten („Blutung aus den Ohren eines
Erhängten, nebst Mittheilungen über analoge Befunde.“ Wiener med.
Presse, 1880, pag. 202) als bei Selbsterdrosslung wiederholt beobachtet
haben. +Maschka+ (l. c. 592) sah +einmal+ eine Blutung aus den Ohren,
und zwar bei einer Selbsterdrosslung, ebenso +Schleissner+ (Virchow’s
Jahresb. 1887, II, 522). Auch im interstitiellen Gewebe der Lungen und
der Thymus können Ecchymosen zu Stande kommen, wie wir, insbesondere
bei erstickten Kindern, wiederholt gesehen haben. +Patenko+ (l. c.)
hat bei erstickten Hunden auch im verlängerten Mark mikroskopische
Blutaustritte gefunden.
[Sidenote: Ecchymosen u. Blutungen bei Erstickten u. bei anderen
Todesarten.]
Die Ecchymosen sind kein dem Erstickungstode ausschliesslich
zukommender Befund, sondern können auch bei anderen Todesarten
vorkommen, bei welchen irgend eine der Ursachen gegeben ist, welche
zur Ruptur kleiner Gefässe und consecutiver Bildung der bezeichneten
Extravasate führen kann. So finden sich häufig in der Nähe durch
heftige Gewalten entstandener Verletzungen kleine Extravasate
verschiedener Grösse, die offenbar nicht durch directe Gewalt,
sondern durch Erschütterung entstanden sind; hierher gehören unter
Anderem die Ecchymosen der Conjunctiva, die sich nicht selten bei
Selbstmördern finden, die sich durch einen Schuss in den Kopf
getödtet haben. Auch bei der pag. 312 erwähnten, durch Explosion von
Knallquecksilber Umgekommenen fanden wir massenhafte punktförmige
Ecchymosen in der Gesichtshaut, insbesondere der Augenlider, und
zahlreiche bis linsengrosse in den Conjunctiven. Ebenso können bei
Verschütteten oder Herabgestürzten an den verschiedensten Organen
durch blosse Erschütterung Ecchymosen entstehen. Auch die so
gewöhnlichen Ecchymosen in den weichen Schädeldecken Neugeborener
sind traumatischen Ursprunges. Massenhaft können sich bei durch
plötzliche Compression des Thorax und Zerquetschung innerer Organe
Getödteten Ecchymosen oberhalb der comprimirten Stelle finden,
welche rein mechanisch durch plötzlichen Rückstoss der Blutwelle
entstanden sind. Ferner ergibt sich dieser Befund nach Processen, bei
welchen die Widerstandsfähigkeit der Gefässwandungen pathologisch
herabgesetzt ist, so bei Scorbut, Hämophilie, bei Septikämie und
anderen infectiösen Processen (z. B. Variola haemorrhagica), nach
Verbrennungen, insbesondere aber bei der Phosphorvergiftung, bei
welcher mit der allgemeinen Verfettung der Organe auch eine fettige
Degeneration der Gefässe einhergeht und aus dieser Ursache Rupturen
der peripheren, insbesondere der subserösen und submucösen Gefässe
und die consecutiven Ecchymosen zum Gesammtbilde des Leichenbefundes
gehören. Auch die Ecchymosen, wie sie bei frischer Entzündung der
Pleura und anderer seröser Häute gefunden werden, gehören hierher.
Der Tod durch Strangulation.
Unter Strangulation (constringere gulam) versteht man die Erstickung
durch Compression der Luftwege am Halse. Man unterscheidet durch
Hauptformen der Strangulation: das +Erhängen+, das +Erdrosseln+ und das
+Erwürgen+. Bei der ersten und zweiten Strangulationsart geschieht die
Compression durch ein strangartiges Werkzeug; beim Erwürgen durch die
Hand. Erhängen und Erdrosseln aber unterscheiden sich dadurch, dass
beim ersteren das um den Hals gelegte Band durch die eigene Schwere des
Körpers, beim letzteren durch eine andere Kraft zusammengezogen wird.
1. Der Tod durch Erhängen.
Das Erhängen erfolgt in der Weise, dass der Betreffende, nachdem er
sich eine mit ihren Enden irgendwo befestigte Schlinge um den Hals
gelegt, die Schwere des Körpers wirken lässt, wodurch der Vorderhals
von dem Strange eingeschnürt wird, sofort oder in wenigen Augenblicken
Bewusstlosigkeit und hierauf der Tod erfolgt.
[Sidenote: Erhängen. Verschluss der Athemwege und der Halsgefässe.]