Der Beweis, dass wirklich ein Samenfleck vorliegt, kann nur durch
mikroskopische Untersuchung geführt werden, und zwar nur dann, wenn
letztere das Vorhandensein von Spermatozoiden ergibt. Es findet
sich zwar im Sperma ausser den Samenfäden eine grosse Menge anderer
morphotischer Elemente: Epithelien aus den Samenwegen, lymphoide
Zellen und Elementarkörnchen in grosser Zahl, auch colloide, aus den
Samenblasen stammende Körper, aber blos die Samenfäden sind für das
Sperma charakteristisch. Auch den von +Böttcher+[80] beschriebenen,
im eingetrockneten Samen zu findenden und einem Eiweisskörper
angehörenden „Spermatinkrystallen“ kann eine diagnostische Bedeutung
nicht zugeschrieben werden, da sich ähnliche und vielleicht gleiche
krystallinische Bildungen auch in anderen eiweisshältigen Secreten
finden, wobei übrigens bemerkt werden muss, dass solche Krystalle nicht
verwechselt werden dürfen mit Tripelphosphat-Krystallen, die sich im
eingetrockneten Sperma häufig in grossen Mengen nachweisen lassen.
+Fürbringer+’s Untersuchungen zufolge (Virchow’s Jahrb. 1881, I, pag.
240) stammen die Spermakrystalle aus dem Prostatasecret und dieses ist
auch der Träger des specifischen Samengeruches.
[Illustration: Fig. 35.
Spermatozoiden aus einem älteren Samenfleck.]
Die Gestalt der Samenfäden muss als bekannt vorausgesetzt werden (Fig.
35). Ihre Länge beträgt 0·033 bis 0·050 Mm., wovon durchschnittlich
0·05 Mm. auf den birnförmigen Kopf und das Uebrige auf den
linienförmigen Schwanz entfallen. Im frischen ejaculirten Samen
finden sich dieselben bekanntlich in lebhafter Bewegung, welche, wenn
der Same nicht eintrocknet und keine sonstigen Schädlichkeiten, wie
Harn oder saure Flüssigkeiten, auch Wasser, eingewirkt haben, sich
durch mehrere Stunden erhalten kann. In einem auf einer Glasplatte
und unter Glasglocke aufbewahrten Spermatropfen haben wir in einem
Falle noch nach 72 Stunden schwache Bewegungen der Spermatozoiden
wahrnehmen können. Durch Eintrocknen, welches desto rascher erfolgt,
in je dünnerer Schichte das Sperma aufgetragen war, erlischt die
Beweglichkeit der Samenfäden. Im saueren Secret der Vagina hören die
Bewegungen ebenfalls sehr bald auf, während der alkalische Schleim
des Cervix und des Uterus den Spermatozoiden besonders günstige
Lebensbedingungen bietet (+Scanzoni+, +Kölliker+, +Küchenmeister+),
worauf bei der Untersuchung frischer Fälle wohl zu achten ist.
[Sidenote: Vorgang bei der Untersuchung auf Spermatozoiden.]
Im eingetrockneten Samen halten sich die Samenfäden, wenn keine
Schädlichkeiten[81] einwirken, jahrelang und können demnach unter
günstigen Bedingungen noch nach langer Zeit durch mikroskopische
Untersuchung nachgewiesen werden. Um diesen Nachweis zu führen,
muss der betreffende Fleck zunächst aufgeweicht werden. Ist die der
Unterlage anhaftende Substanz in stärkerer Schichte aufgetragen, so
dass sich feine Splitter oder Schüppchen ablösen lassen, was uns
wiederholt vorgekommen ist, dann sind solche mit einer Nadel oder
mit der Spitze des Scalpells abzuheben, was bei der Sprödigkeit der
Substanz einige Vorsicht erfordert, sofort auf einen Objectträger zu
bringen und mit einem Tropfen destillirten Wassers aufzuweichen, wobei
man den Process durch Auseinanderzupfen des Splitters mit zwei Nadeln
befördern kann. Das Aufweichen und Zerzupfen des Objectes ist so lange
fortzusetzen, bis dasselbe entweder sich gelöst oder in möglichst fein
vertheiltem Zustande sich befindet. Hierauf wird der Tropfen mit einem
Deckgläschen bedeckt und unter dem Mikroskope durchmustert.
Dieses Verfahren ist immer einzuschlagen, wenn es möglich ist, Splitter
oder Schüppchen von der eingetrockneten Substanz abzulösen, weil
erstens in solchen dicken Schichten zahlreichere Samenfäden zu erwarten
sind, und weil man die fragliche Substanz für sich allein und ohne
störende Beimengungen zu untersuchen in der Lage ist.
[Sidenote: Aufsuchung und Erkennung von Samenfäden.]
In den meisten Fällen ist die Substanz in die Unterlage eingesogen,
in der Art, dass eine makroskopische Trennung derselben nicht möglich
erscheint. Es empfehlen sich dann folgende zwei Verfahren, von denen
jedes zum Ziele führen kann. Man schneidet entweder ein kleines
Stückchen des zu untersuchenden Fleckes aus, wozu man am besten
die Stellen aussucht, die am meisten gesteift und von der Substanz
gesättigt erscheinen, bringt dieses Stückchen auf ein Uhrschälchen,
befeuchtet dasselbe mit ein paar Tropfen destillirten Wassers und
lässt nun das letztere, am besten unter einer Glasglocke, so lange
einwirken, bis das Wasser sich eingesogen und die dem Gewebe anhaftende
Substanz macerirt hat, wobei man wieder durch Zerzupfen des Gewebes mit
Nadeln nachhelfen kann. Je älter und dichter der Fleck, desto länger
hat man das Aufweichen fortzusetzen, und es ist deshalb angezeigt,
jedesmal, nachdem man das wie erwähnt behandelte Object auf ein Uhrglas
gebracht, einige Stunden verstreichen zu lassen, bevor man die weiteren
Untersuchungen vornimmt. Das entsprechend aufgeweichte Gewebe gibt beim
Ausdrücken in der Regel eine molkige Flüssigkeit, welche ohne Weiteres
unter das Mikroskop gebracht und nach Spermatozoiden durchsucht wird.
Das zweite Verfahren besteht darin, dass man aus dem betreffenden
Flecke ein kleines Stückchen ausschneidet und einzelne aus letzterem
ausgezogene Fäden unmittelbar oder nach vorhergeschickter Maceration
auf die Objectträger bringt, unter Zusatz eines Tropfen Wassers mit
Nadeln zerzupft und mikroskopisch untersucht wird.
Selbstverständlich kann man bei der Untersuchung eines und desselben
verdächtigen Fleckes alle drei Methoden zur Anwendung bringen, und
es empfiehlt sich insbesondere dann, es mit einer anderen Methode
zu versuchen, wenn die eine oder die andere kein sicheres Resultat
ergeben hat. Mag man die eine oder die andere Methode anwenden,
stets ist darauf zu achten, dass die betreffende Substanz genügend
lange aufgeweicht werde. Viele Untersuchungen, namentlich alter und
fest eingetrockneter Spermaflecken, missglücken nur deshalb, weil
man dem Macerationsprocess nicht die nöthige Zeit gönnt. Weiter
ist nicht zu unterlassen, verschiedene Stellen einer und derselben
verdächtigen Spur wiederholter Untersuchung zu unterziehen, denn
Jeder, der mit derartigen Untersuchungen sich zu beschäftigen
Gelegenheit hatte, weiss, dass, während in einzelnen Partien eines
notorischen Samenfleckes massenhaft Spermatozoiden vorkommen, in
anderen nur spärliche oder gar keine gefunden werden können. Ausserdem
ist es bekannt, dass der Gehalt des Spermas an Spermatozoiden bei
verschiedenen Menschen verschieden sein kann, und auch bei einem und
demselben Individuum zu verschiedenen Zeiten wechselt.
[Sidenote: Untersuchung von Spermaflecken.]
Ferner ist es angezeigt, immer mit stärkeren Vergrösserungen zu
untersuchen. Schwächere können bei der Kleinheit und linearen
Beschaffenheit der Samenfäden, namentlich bei Ungeübten, leicht zu
Täuschungen führen. Jedesmal ist das Auffinden vollständiger und
morphologisch wohl charakterisirter Spermatozoiden anzustreben, denn
nur wenn dieses gelingt, kann der betreffende Fleck als zweifellos
von Samen herrührend erklärt werden, und es genügt begreiflicher
Weise schon der Nachweis eines einzigen Samenfadens, um eine solche
Erklärung abzugeben. Der Nachweis isolirter, den Köpfen oder Schwänzen
der Spermatozoiden ähnlicher Elemente kann niemals eine sichere
Diagnose ergeben, da in dieser Beziehung Irrungen allzu nahe liegen,
und man kann sich häufig genug überzeugen, wie namentlich Anfänger
geneigt sind, alle möglichen linienförmigen Gebilde, die meistens von
den zerzupften Geweben herrühren, für Samenfäden oder mindestens für
Schwänze von diesen zu halten.
Vollkommene Spermatozoiden mit anderen Dingen, z. B. den von +Fränkl+
und +Pfeiffer+ sogenannten Trommelschlägelbacterien, zu verwechseln,
ist wohl nur bei einem ganz Ungeübten möglich, und von einem solchen
sollen derartige wichtige Untersuchungen überhaupt gar nicht
übernommen werden.
Statt des Wassers andere Flüssigkeiten bei der Untersuchung auf
Samenfäden anzuwenden, ist im Allgemeinen nicht nothwendig. Am
ehesten empfiehlt sich noch ein Zusatz von Glycerin, einestheils
der Aufhellung wegen, anderseits, um das schnelle Eintrocknen des
Präparates zu verhüten. Zur Aufhellung kann auch verdünnte Essigsäure
benützt werden, sowie, wenn viele Epithelien beigemengt sind, zur
Zerstörung dieser Kalilauge in Anwendung gezogen werden kann, gegen
welche ebenso wie gegen Säuren sich die Samenfäden ungemein resistent
erweisen.
+Roussin+ (Ann. d’hyg. publ. 1867) hat zur Erleichterung des
Nachweises von Samenfäden die Anwendung einer Lösung von 1 Theil Jod
und 4 Theilen Jodkalium auf 100 Theile Wasser empfohlen, die jedoch
keine besonderen Vortheile bietet.
+Ungar+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1887, XLVI) verwendet
zur Färbung der Spermatozoiden die von +Koch+ für den Nachweis von
Mikrozymen eingeführten Trocken-, respective Deckglaspräparate.
Er erhielt Doppelfärbungen durch Combination von Eosin- und
Hämatoxylinfärbung durch Carminalaun und Eosin, sowie durch Vesuvin
und Eosin, empfiehlt aber als besonders einfach die Färbung
der Samenfäden durch eine mit 3-6 Tropfen Salzsäure versetzte
Methylgrünlösung (0·15-0·3 auf 100·0 Aq. destill.), die uns ebenfalls
gute Resultate gegeben hat.
+Pinkus+[82] und +Liman+ haben darauf aufmerksam gemacht, dass,
wenn man ein mit Wasser bereitetes Präparat eintrocknen lässt, die
Samenfäden in den eingetrockneten Netzen unter dem Deckgläschen
auffallend vergrössert hervortreten. Wir können aus eigener
Erfahrung dieses Verhalten bestätigen, das einestheils aus der
grossen Resistenz der Samenfäden, anderseits aus der durch die
zwischen Objectträger und Deckgläschen eingeschlossene Luftschichte
veranlassten stärkeren Brechung sich erklärt. Da jedoch durch
dieselben Ursachen das mikroskopische Bild gleichzeitig verzerrt
wird, können wir im obigen Vorgange keine besondere Methode für den
Nachweis von Samenfäden erblicken.
[Sidenote: Spermaflecke.]
Wenn trotz sorgfältiger Untersuchung eines verdächtigen Fleckes der
Nachweis von Samenfäden nicht gelungen ist, so geht daraus allerdings
nicht mit absoluter Gewissheit hervor, dass der Fleck nicht von
Sperma herrühren könne, da wir ja oben dargethan haben, dass der Same
mitunter, namentlich nach überstandener gonorrhoischer Epididymitis,
keine Spermatozoiden enthalte, wir sind jedoch mit Rücksicht auf die
verhältnissmässige Seltenheit solcher Fälle berechtigt zu erklären,
dass, da keine Spermatozoiden gefunden wurden, die allergrösste
Wahrscheinlichkeit vorliege, dass der fragliche Fleck nicht von
Sperma herrühre, noch mehr aber, wenn wir durch die mikroskopische
Untersuchung nicht blos die vollkommene Abwesenheit von Samenfäden
dargethan, sondern auch Formelemente gefunden haben, welche für
eine anderweitige Provenienz des Fleckes sprechen, so durch Koth,
Scheidenschleim u. dergl. Dagegen werden wir uns hüten, in einem Falle,
wo vielleicht schon makroskopisch der betreffende Fleck Eigenschaften
zeigt, die auf letzterwähnte Provenienz hinweisen, schon in Folge
dieses Umstandes jede weitere Nachforschung nach Samenfäden aufzugeben,
wir werden vielmehr nicht vergessen, dass ein und derselbe Fleck sowohl
durch Sperma, als durch irgend eine andere Substanz, und zwar sowohl
gleichzeitig, als in verschiedener Aufeinanderfolge, entstanden sein
konnte. Dieses gilt speciell von Blutspuren, die einestheils durch
Menstrualblut und Sperma erzeugt worden sein konnten, aber auch durch
letzteres und das bei der Defloration aus den Hymeneinrissen geflossene
Blut.
Im Allgemeinen ist die Untersuchung nach den genannten Richtungen
ungleich leichter, wenn die verdächtigen Flecke auf reiner Wäsche
sitzen, als wenn lange getragene, schmutzige und vielfach besudelte
Hemden u. dergl. vorliegen. Dass aber gerade letzteres häufiger der
Fall ist, ist begreiflich, da ungleich seltener Individuen aus besseren
Ständen, als solche aus niederen und meistens niedersten, Objecte von
Nothzuchtsattentaten werden, wie schon +Casper+ ganz richtig
hervorgehoben hat.
C. Nachweis virulenter Affection.
Nicht selten sind die Fälle, in denen durch den gesetzwidrig
ausgeübten Beischlaf eine virulente Infection des betreffenden
weiblichen Individuums veranlasst wurde, und es bedarf keiner weiteren
Auseinandersetzung, welcher Werth einem solchen Nachweis für die
Diagnose eines stattgefundenen Beischlafes zukommt.[83]
In den meisten Fällen sind es locale catarrhalische oder ulceröse
Processe, welche den Verdacht erwecken, dass sie mit einer virulenten
Infection in ursächlicher Beziehung stehen. Es handelt sich dann immer
zunächst um die Frage, ob die betreffende Affection thatsächlich eine
virulente sei oder ob sie nicht vielleicht anderweitig, insbesondere
etwa nur durch die mechanische Irritation oder durch Verletzung, sich
entwickelt habe. Die Beantwortung dieser Frage ist keineswegs eine
leichte und es ist in dieser Richtung ganz besondere Vorsicht zu
beobachten.
[Sidenote: Virulente Blennorrhoe.]
Dies gilt schon gegenüber +blennorrhoischen Zuständen+. Zunächst ist
festzuhalten, dass catarrhalisch-entzündliche Processe, insbesondere
bei Kindern, auch durch mechanische Reizung sowohl durch Coitusacte
als mit den eigenen oder fremden Fingern entstehen können. Sie können
auch zu Simulationszwecken künstlich hervorgebracht werden, wovon
+Fournier+ (Virchow’s Jahrb. 1880, I, pag. 647) zwei Beispiele anführt.
In einem dieser Fälle hatte die Mutter eines Kindes die Affection durch
wiederholtes Reiben mit einer alten Schuhbürste erzeugt und dann gegen
einen vermögenden Mann die Anklage wegen Missbrauch des Kindes erhoben;
im zweiten war sie durch Einstopfen schmutziger Fetzen erzeugt worden,
um darauf die Nothzuchtsanklage gegen einen Arbeiter, welcher der
Pflegerin des Kindes untreu geworden war, basiren zu können.
Es handelt sich in diesen Fällen in der Regel nur um
Irritationserscheinungen an der Vulva, die bei gehöriger Behandlung,
insbesondere schon bei einfacher Reinigung und Aussetzung der
mechanischen Insulte, binnen wenigen Tagen zu heilen pflegen.
[Sidenote: Differentialdiagnose der Blennorrhoe. Gonokokken.]
Ungleich wichtiger ist die Thatsache, dass catarrhalische Zustände
der wirklichen Genitalien auch aus anderen Ursachen vorkommen und
eine mehr weniger grosse Aehnlichkeit mit dem gonorrhoischen Catarrh
aufweisen können. Bekanntlich sind bei geschlechtsreifen Mädchen,
noch mehr aber bei Frauen, die bereits geboren haben, Schleimflüsse
häufig, die auf gewöhnliche chronisch-catarrhalische Erkrankungen
der Uterusschleimhaut beruhen und mitunter mit constitutionellen
Erkrankungen, wie Tuberculose, lymphatischer Constitution, Chlorose
u. dgl., im ursächlichen Zusammenhange stehen. Aber auch bei Kindern
finden sich solche chronische Affectionen nicht selten. Ausserdem
kommen aber, und zwar mitunter epidemisch, acute Vulvovaginitiden vor,
die, obgleich anderweitigen, wahrscheinlich ebenfalls infectiösen
Ursprungs, doch nicht durch gonorrhoische Ansteckung veranlasst worden
sind.[84]
Es bedarf mitunter einer sehr sorgfältigen Beobachtung und einer
sehr genauen Erwägung aller Umstände des Falles, um eine solche
Erkrankung von wirklicher Blennorrhoe zu unterscheiden, umsomehr, als
weder die Dauer der Incubation, noch die Menge und Beschaffenheit
des Secretes, noch die Intensität der Entzündungserscheinungen, die
Mitbetheiligung der Urethra oder die Dauer des Processes sichere
Unterscheidungsmerkmale liefern.
Nachdem +A. Neisser+ in seinen Gonokokken den specifischen Erreger der
virulenten Blennorrhoe gefunden hatte, der gegenwärtig fast allgemein
als solcher anerkannt wird, lag es nahe, den +Nachweis von Gonokokken+
in verdächtigen Secreten auch für forensische Zwecke zu fordern und
für die Unterscheidung der gonorrhoischen Affectionen von anderen
heranzuziehen. In der That wurde durch +Lober+ (1887), +Aubert+ (1888)
und +Kratter+ (1890) der Nachweis von Gonokokken für forensische Zwecke
empfohlen und in der That angewendet. Da jedoch von mehreren Autoren,
wie +Bockhardt+, +Mannaberg+, +Lustgarten+, +Legrain+, +Oberländer+,
+Zeissl+ und +Combry+, in der gesunden sowohl als kranken Urethra
Diplokokkenarten gefunden wurden, die den +Neisser+’schen ähnelten,
ja theilweise sogar in Form (die zweier mit ihren flachen aneinander
gelegten Kaffeebohnen), in ihrem Vorkommen im Protoplasma der
Eiterkörperchen und in ihrem tinctoriellen Verhalten (Entfärbung der
durch +Gram+’sche Lösung tingirten Kokken durch Alkohol) sich wie die
echten Gonokokken verhalten haben sollen, so konnte man diesem Nachweis
nicht jene Sicherheit vindiciren, die bei gerichtsärztlichen Gutachten
gefordert wird.
[Sidenote: Nachweis von Gonokokken.]
Seitdem es jedoch +Wertheim+[85] gelungen ist, eine leichte, aber
sichere Methode der Reinzüchtung (auf aus menschlichem Blutserum und
Agar gemischtem Nährboden) aufzufinden, ist auch die Erkennung der
gonorrhoischen Affection insofern eine sichere geworden, als, wenn
die Reinzüchtung gelingt, über die specifische Natur des Leidens kein
Zweifel bestehen kann. Nach +Haberda+[86] gibt die Reinzüchtung
selbst noch in jenen Fällen ein positives Resultat, wo die Untersuchung
im Deckglaspräparate, aus welchem Grunde immer, besonders aber in
chronischen Fällen oder überhaupt bei spärlichem Gonokokkengehalt des
Secretes, selbst nach langem Suchen oft nur unsichere Resultate liefert.
Die mikroskopische Untersuchung auf Gonokokken ist namentlich bei
acuten Fällen von Erfolg, doch hat sie +Neisser+ unter 80 Fällen von
chronischer Gonorrhoe 18mal gefunden, wo die Erkrankung länger als 1
Jahr und 20mal, wo sie über 2 Jahre bestand.
Den Untersuchungen +Haberda+’s zufolge lassen sich die Gonokokken
auch in auf Leinwand und dergl. eingetrockneten Flecken noch
nach mehreren Wochen mikroskopisch erkennen, doch sind in dünnen
Flecken schon nach wenigen Tagen, in dicken schon nach einigen
Wochen Kern und Zellleib der Eiterzellen so zerfallen, dass der
differentialdiagnostisch wichtige Umstand, ob die Kokken im Protoplasma
der Eiterkörperchen liegen, nicht mehr zu constatiren ist. Ist
der Eiter vollständig eingetrocknet, so haben die Gonokokken ihre
Vermehrungsfähigkeit verloren, so dass sie dann durch Cultur nicht mehr
nachgewiesen werden können.
[Sidenote: Initialsclerose.]
Gleiche Vorsicht ist bei der Beurtheilung +ulceröser Processe+ an den
weiblichen Genitalien anzuwenden. Verhältnissmässig leicht ist der
Initialeffect der Syphilis -- der harte oder +Hunter+’sche Schanker --
als solcher zu erkennen, da die Induration seiner Basis, die geringe
Eiterung, die zögernde Vernarbung, das meist schon in den ersten
vier Wochen zu constatirende Auftreten indolenter Bubonen und die
ebenfalls bald auftretenden Erscheinungen allgemein syphilitischer
Erkrankung denselben charakterisiren. Bezüglich der Sclerose der Basis
und Umgebung solcher Geschwüre ist jedoch zu bemerken, dass sie nicht
immer in gleich typischer, sondern manchmal in wenig ausgeprägter Weise
einzutreten pflegt, dass ferner mit eigentlicher Sclerose nicht die
teigige, mehr ödematöse Beschaffenheit des Nachbargewebes des weichen
Schankers, der catarrhalischen, sowie der traumatischen Geschwüre
verwechselt werden darf, und dass auch letztere Geschwüre, wenn sie auf
einer dichteren Unterlage, z. B. an der Uebergangsfalte des Präputiums
des Penis oder der Clitoris, sitzen, eine solche Derbheit der Textur
bedingen können, dass diese mit Sclerose verwechselt werden kann. So
erwähnt +Zeissl+ (l. c. II, 59), dass er wiederholt bei Säuglingen
consultirt wurde, bei welchen nach vorgenommener ritueller Circumcision
in dem zurückgebliebenen Theile der Vorhaut oder in der Glans
selbst Induration zu bemerken war, und deshalb, sowie weil auch die
benachbarten Drüsen hyperplastisch vergrössert und zuweilen sogar in
Vereiterung begriffen sich fanden, der Beschneider beschuldigt wurde,
die Kinder inficirt zu haben. Es wurde jedoch constatirt, dass an dem
Beschneider keine Spur einer recenten oder alten Syphilis aufzufinden
war, und dass auch bei den betreffenden Kindern, selbst nach längerer
Beobachtung, keine consecutive Syphilis auftrat.[87]
[Sidenote: Weicher Schanker. Eiternde Bubonen.]
Die Unterscheidung des weichen Schankers von anderweitigen,
insbesondere traumatischen Geschwüren hat mitunter grosse
Schwierigkeiten. Der Sitz des Geschwüres bietet keine Anhaltspunkte für
die differentielle Diagnose. Zwar kommen die meisten Schankergeschwüre
an den Schamlefzen, am Scheideneingange und an der unteren
Scheidencommissur vor (+Zeissl+), aber diese Stellen sind es auch,
an welchen am häufigsten catarrhalische oder traumatische Erosionen und
gröbere Läsionen, worunter auch Hymeneinrisse gehören, vorkommen. Der
Grund und die Beschaffenheit der Ränder sind beim Schanker keineswegs
so charakteristisch, wie gewöhnlich angenommen wird; denn die speckige
Beschaffenheit des Grundes kann, da sie nur eine Necrose der obersten
Schichten der Geschwürsfläche bedeutet, auch bei anderen, insbesondere
unrein gehaltenen, vernachlässigten Geschwüren vorkommen; und was die
Form des Geschwüres und die Beschaffenheit seiner Ränder betrifft,
so ist sie sowohl beim Schanker, als beim traumatischen Geschwüre
meist eine unregelmässige und vielfach bedingt durch den Sitz des
Geschwüres. Es bleibt demnach nur der Verlauf des Processes, der für
die Unterscheidung verwerthet werden kann, insoferne einestheils das
rasche Weitergreifen des Ulcus den Schanker charakterisirt, während
das aus Erosionen oder Verletzungen entstandene Geschwür sich mehr auf
die Ursprungsstelle beschränkt, und als anderseits bei zweckmässiger
Behandlung letztere Defecte viel rascher heilen als die virulente
Affection.
Entzündliche Lymphdrüsenschwellung und Vereiterung kann sowohl in
Folge eines weichen Schankers als in Folge eines traumatischen
Geschwüres auftreten, doch ungleich häufiger im ersteren als im
letzteren Falle, namentlich suppurative Bubonen, an welchen nach den
Angaben +Zeissl+’s (l. c. I, 223) von 100 mit Schanker behafteten
Individuen durchschnittlich 40 zu erkranken pflegen, wobei jedoch
allerdings beachtet zu werden verdient, dass bei Weibern die Bubonen
seltener auftreten als bei Männern.
Da der weiche Schanker bekanntlich auf dasselbe Individuum überimpfbar
ist, so wird man nicht unterlassen, von diesem diagnostisch sehr
wichtigen Hilfsmittel Gebrauch zu machen, umsomehr, als, wenn unter
gewissen Cautelen vorgegangen wird, eine Gefahr für das Individuum
aus einer solchen Inoculation sich nicht ergibt. Es wird jedoch zu
beachten sein, dass mitunter auch gewöhnliche eiterige Secrete, wenn
sie eingeimpft werden, Geschwüre erzeugen können, allerdings niemals
mit jener Constanz und jenem charakteristischen Verlauf wie das Secret
des virulenten Geschwüres.
[Sidenote: Differentialdiagnose.]
Von anderen Processen, die mit Schankergeschwüren verwechselt werden
können, sind die herpetische Eruption und brandige Processe nicht
virulenter Art zu erwähnen.