Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika

in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil

durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in

Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur

Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige

Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen

Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit

erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht

fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann,

der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier

Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die

Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu

fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben.

Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten

Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als

den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps

Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die

ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese

Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei

hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die

Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies

verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer

geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund

anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten

übergegangen sind.

Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet

haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen.

Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann

stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April

1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel,

dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene

zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu

bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober

1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von

dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass

mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies

ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf

feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich

es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal

geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen,

zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch

einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem

er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese

Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe

darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits

eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da

ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese

Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober

desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass

Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten

veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn

Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein

Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage

erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in

seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt

hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des

Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich

Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,«

schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder

Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie

weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die

Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in

denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden

könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«

Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es

ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit

Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading

im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von

Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400

Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren

bestanden hätte.

Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten

anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit

zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu

dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im

Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen

Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff,

sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine

Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager

zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so

sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl

angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar

abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die

Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten

den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen

geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir

wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die

Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll,

denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig

Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion

auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.

Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die

deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie

angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder

eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt

Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von

Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und

Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories

vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den

Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie

vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie

materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General

Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion

zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah,

einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die

sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.

Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es

wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen

nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür

nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden

verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden.

Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied

genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den

Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag

als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der

englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,

nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu

verraten.

Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so

vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser

Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat

konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte

im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in

vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den

Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen

Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der

Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand

gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die

Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch

waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam

war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu

verachten.

Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als

Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den

12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht

gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,

viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der

Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische

Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von

Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,

dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich

schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste

untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.

Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in

Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die

allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen

ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu

glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit

Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass

das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes

verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte.

Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig

ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf

an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde

das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des

Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an

Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer

Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem

Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr,

dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts

Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt

ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der

einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu

grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur

Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in

Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen

Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen

worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des

Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu

entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten

Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und

den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen

Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.

Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold

gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen

gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen

hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts

der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu

rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er

beurteilt werden.

Anhang.

A. Quellen-Verzeichnis.

Gedruckte.

Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika.

Berlin 1864.

Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.

Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869.

Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von

Amerika. Leipzig 1871.

Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.

Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von

Steuben. Berlin 1858.

Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.

Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen

Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.

Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen

Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3

Bände.

Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.

Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung

der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.

F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen

Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.

Derselbe. Erste Fortsetzung.

J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen

Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer

Männer. Schleswig 1798.

Erste Folge derselben. Schleswig 1800.

Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.

Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit

aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.

Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das

Jahr Christi 1779. Kassel.

Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I.

Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18.

Jahrhundert. Leipzig 1880.

Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.

Kassel 1864.

Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag

zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel

hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte

Auflage. Melsungen 1879.

J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)

Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und

Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.)

(Schreiben aus Amerika nach Deutschland.)

August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und

politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.

Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.

Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen

Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.

Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen

von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.

J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.

Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.

Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von

Schlieffen verfasst sein.)

Manuskripte.

(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in

Kassel.)

1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von

Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai

1784.

2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte.

Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den

Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.

3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg.

Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch

aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten

Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5.

Oktober 1783.

4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg

in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).

5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von

Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich,

den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt.

6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps

während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in

North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der

Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das

Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten

retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.

7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.

8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment

von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776

aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder

gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.

9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von

Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg,

von anno 1776 bis Ende 1783.

10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit.

Pausch.

(Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)

11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments

vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782.

(Aus dem Archiv in Marburg.)

12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant

von Knyphausen an Serenissimum.

B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.

Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach

Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf

Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine

Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit

noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier

Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps,

ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777

wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in

Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder

siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark,

wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15

Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3

Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von

den Jägern waren einige beritten.

Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt.

Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war

es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten

oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter

auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren

Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und

Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren

Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen

Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie

im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und

Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone

teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister

herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen

kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)

Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill,

Brandywine, Redbank, Charleston.)

Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.)

Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.)

Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div.

-- Fort Washington, Charleston.)

Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown,

Newport, Springfield.)

Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort

Washington, Newport, Springfield.)

Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,

Yorktown.)

Regiment Prinz Carl. (Newport.)

Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.)

Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,

Brandywine, Germantown, Springfield.)

Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. --

Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.)

Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)

Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach;

1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort

Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.)

Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete

das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember

desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und

von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte

Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und

an Gefangenen im September 1779 starke Verluste.

Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. --

Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)

Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton,

Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.)

Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.)

Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. --

Savannah.)

Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort

Washington, Newport, Charleston.)

Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport,

Springfield.)

Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei

jeder Operation beteiligt.)

(Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)

Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch

folgende deutsche Regimenter zugeteilt:

Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.)

Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.)

Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)

(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden

Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen

Teil des Hessischen Jäger-Korps.)

Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen

New-York diente, war zusammengesetzt aus dem

Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.)

Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2.

Stillwater, Saratoga.)

Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der

Saratoga-Kampagne.)

Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)

Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.)

Regiment von Specht. (Saratoga.)

Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.)

Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser

Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei

Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von

1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.

Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers

Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada,

nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren.

C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika

gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten.

Braunschweig sandte 1776 4300 M.

im März 1777 224 "

April 1778 475 "

April 1779 286 "

Mai 1780 266 "

April 1782 172 "

--------

Im Ganzen: 5723 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 "

--------

Es kehrten nicht zurück: 3015 M.

Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M.

Dezember 1777 403 "

März 1779 993 "

Mai 1780 915 "

April 1781 915 "

April 1782 961 "

---------

Im Ganzen: 16 992 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783

und Frühjahr 1784: 10 492 "

---------

Es kehrten nicht zurück: 6 500 M.

Hessen-Hanau sandte 2038 M.

Rekruten im April 1781 50 "

April 1782 334 "

--------

Im Ganzen: 2422 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 "

--------

Es kehrten nicht zurück: 981 M.

Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M.

im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 "

1779 157 "

1780 152 "

1781 205 "

1782 236 "

-------

Im Ganzen: 2353 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 "

-------

Es kehrten nicht zurück: 1170 M.

Waldeck sandte 1776 670 M.

April 1777 89 "

Februar 1778 140 "

Mai 1779 23 "

April 1781 144 "

April 1782 159 "

--------

Im Ganzen: 1225 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 "

--------

Es kehrten nicht zurück: 720 M.

Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M.

im April 1779 82 "

im Mai 1780 50 "

im April 1781 420 "

--------

Im Ganzen: 1152 M.

Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 "

--------

Es kehrten nicht zurück: 168 M.

Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M.

Es kehrten von diesen zurück 17 313 "

---------

Es kehrten nicht zurück 12 554 M.

Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen

Schätzung --:

Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M.

Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 "

Desertiert 5000 "

--------

12554 M.

D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des

Revolutionskrieges.

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 19 / 20 段