Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer

Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann,

einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York

ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm

nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen.

Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand

und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück.

Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit.

Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500

Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den

Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die

von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem

Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann

nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über

einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und

auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen,

sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger

verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man

muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den

Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann

wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung

herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.

Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe.

Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt

hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So

lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll

kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als

Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es

unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen.

Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General

sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung

nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200

Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach

sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem

Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis

gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von

Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei

Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die

englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von

Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen,

diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei

Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von

New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu

übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe

Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach

seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf,

plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger

wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den

Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war,

die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo

sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im

Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips

an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die

Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte

kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.

Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb

Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North

Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er

Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine

Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm

einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden,

um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River

sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er

nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden,

sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt,

und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine

Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb

zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte

er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis

Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so

wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als

ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte

zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die

Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie

im mindesten gestört wurden.

Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm

Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen

nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee

und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu

schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts

gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab

Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in

respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette

zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.

Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26.

Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der

britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne

angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen

Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner

eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war

schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner

wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden

Seiten.

[Illustration: YORKTOWN. 1781.

A. Redoute, von den Franzosen genommen.

B. Redoute, von den Amerikanern genommen.]

In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach

New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der

Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur

Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth

fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte

nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die

Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht

über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6.

Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die

Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen.

Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung

und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.

Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren

darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine

Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen

vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen

Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und

sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den

Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt

hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien

nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine

Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr

2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa

1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie

begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis

wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor.

Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich

nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein

fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten

anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück.

Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden

waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen.

Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75

Mann.

Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl

und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort

besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für

ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als

Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point

Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche

des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester.

Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig

daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette

sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.

Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die

französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den

Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im

Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und

französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben

gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die

Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den

North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation

eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von

Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee

befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es

dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter

Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des

Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen

Cornwallis vor.

Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das

Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000

Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam

sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse

war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte

1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5.

September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die

Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht

vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern

Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen

segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach

New-York.

Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren,

marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von

Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.

Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus

ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen

Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen

Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa

7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von

Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel

und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die

ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf

jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich

ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.

Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus

Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu

frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6.

Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann

das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung

dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.

Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der

Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner,

Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen

gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und

12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten

den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug

zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet

worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner

ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau

an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht

Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden.

Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,

und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem

französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun,

»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu

gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus

Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu

leisten.«

Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander.

Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf

sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner

halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd

fiel Lauzun in die Hände.

Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane

hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis

verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief

Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft

beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte

jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach

seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über

die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde

ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand

dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.

In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei

Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten,

lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb

notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen

stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen

unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte

mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze

hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm

unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem

Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die

kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch

Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg

schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne

fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.

In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite

Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen

wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der

französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die

Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der

folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York

River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien

zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den

Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung

zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt

waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige

Garnison ihre alte Stärke behielt.

Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht

und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17.

Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die

Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der

Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr

bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten

und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre

Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned

Upside Down.«

Kapitel XXIV.

Schluss.

Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des

Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im

Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach

Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,

General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am

14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783,

zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die

Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten

wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte

hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern

die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort

George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als

die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«

Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von

1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000

Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht

worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg

beendet war.

Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die

Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung

der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung

und Bekleidung und Ausrüstung.

Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme

Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass

die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und

ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen.

Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit

einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes

war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem

Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit,

beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im

ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende

Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei

Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert

auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den

mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben

und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen.

Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton

überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden

sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute

hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit

Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die

kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau

die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den

Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man

würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges

die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine

Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen

verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand

zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister

abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss

stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte.

Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der

Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre

eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in

Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser

Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem

höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die

er keinen Einfluss hätte.

Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den

höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus

Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein

hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein

ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in

ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der

englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und

beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen.

Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein

Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose,

Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du

bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer

verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den

englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben,

dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles

dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch

gelernt haben.

Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt

werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges

Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre

später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen

Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem

ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von

mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein

französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war,

im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr

unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei

den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft

unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und

die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend

bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über

diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres

Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte

den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn

versichert, dass dies so gewesen wäre.«

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 18 / 20 段