hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern,
sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war
bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis,
die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese
Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der
Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen
verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400
Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr
morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein
schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien
verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die
Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren
sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das
Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der
Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600
Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400
Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung
herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem
Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende
Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren,
silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem
englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und
andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die
ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar
silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar
Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem
englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und
einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an
Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend
seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was
ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des
eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust
an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780
wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf
New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen
folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte.
Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und
Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei
letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein
Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser
gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an
diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser
Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr
bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr
nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung,
wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der
Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und
schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden
verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber
erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55
Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure
die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht
in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr
abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches
Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern
unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown
zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen
Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein
amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen,
ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe
unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt
das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man
kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder
sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit
einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes
zu melden.«
Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den
hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen
Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens
Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden
Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche
Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen
Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei
Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7.
zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits
Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die
Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während
ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die
Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem
stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und
jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde
lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand
und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und
konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die
Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem
englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown
Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein,
bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen
und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke,
die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort
abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem
Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3
Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am
Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem
Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich
ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry
Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der
übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der
Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige
Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein
Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein
Scharmützel gelten könnte.
Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann
nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant
von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf
New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing
beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200
Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant
ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen
Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des
Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu
rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut
worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende
Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in
der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen
allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen
Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs
Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den
Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn
festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter
dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen
dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten
ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die
Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste
Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in
Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg,
die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch
die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung
zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der
Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie
zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards
zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung
inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die
Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden.
Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu
nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier,
nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der
Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die
amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer
Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau
mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die
Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich
darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische
Flotte von West-Indien ankommen würde.
Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River
gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet.
Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die
Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den
Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem
Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus
zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden,
die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit
Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der
Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines
höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu
gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war,
dieser Bewegung entgegen zu treten.
Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht
gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer
Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich
jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den
Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden
veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit,
Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen,
und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia
zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold
erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100
hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort,
dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold
steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem
Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu
stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen
Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe
genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die
Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der
Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer
Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem
unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom
Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere
Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von
Yorktown führten.
Kapitel XXIII.
Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden
sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess;
und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von
Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme
dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und
Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war
die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18.
überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen
später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings
Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg
umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen
regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden
getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.]
Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen
Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von
100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth
in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston
abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von
Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General
Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt
worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die
Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des
Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee
abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen,
während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen
und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton
stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf
den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie
bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals
bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder
Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten
Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen
Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton
sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die
Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde
zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100
Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75
Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde
fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen
worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei
Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist
nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner
dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen
und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande
bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass
er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar
aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren
Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich,
ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die
Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels
seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich
Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch
Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über
die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis
liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese
zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von
einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut,
während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis
nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur
Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000
Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781
entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus
Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem
Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines
ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry
Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der
ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem
Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den
linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die
Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und
Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen
die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord
Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie
der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen
weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner
Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt
vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten
Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder
wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons
Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die
Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen
Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons
Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den
Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im
Stich lassen musste.
Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an
diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es
stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell
gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen.
Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und
diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und
Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an
dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant
du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl
von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der
Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er
gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu
marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
musste er zurücklassen.
Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde
Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September
hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen
gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten,
eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die
Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten
Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und
Wilmington.