Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten,

die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt,

war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein

Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt,

und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das

Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon

Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19.

Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst

zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich

und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen

von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.

Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei

verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen

Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten

waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten

die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem

derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls

Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese

Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.

Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf

d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden

alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach

Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit

den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von

Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte

Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den

Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die

französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden,

um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen

Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen,

bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor

ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden

sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober

unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und

pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie

mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment

von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche

später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit

Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat

zerstreuten.

Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen

Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte

verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von

ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus

Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4

Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger

ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant

Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in

New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition

persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft,

konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt

war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780

der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam,

fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30

hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang

Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau

genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna

fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.

Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den

westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für

100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die

Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben

und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer

Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag,

mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu

opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich

Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe

an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man

bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er

an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30

Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren

Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando

der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo,

auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem

Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts

der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von

dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu

bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde

schliesslich gerettet.

Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780,

um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie

wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen

Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons

Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten

die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu

fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von

Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo

Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische

Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem

Sand bei Charleston wie die Pilze empor.

Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein

ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand

zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls

genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer

Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer

langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um

ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten

für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in

seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine

Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben

und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren

nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und

in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei,

der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand,

ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon

im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art

der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem

Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.

Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die

Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit

Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und

wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt,

die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem

und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt

zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen

der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere

Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher

Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl

sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber,

die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen

genommen.

Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South

Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er

ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut

abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier

angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt

worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie

der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die

eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.

Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den

Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen

Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige

Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche

Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die

erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner

ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu

befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen

am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.

Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf

Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des

Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.

Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war

Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben

Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander

segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral

Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe

zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das

Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab

und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein

Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und

unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein

langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen

mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in

Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern

beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt,

die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die

Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch

genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald

das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner

von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner

Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner

wegbeförderten.

Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr

abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen

durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den

Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu

fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers

hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt.

Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von

hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen

ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass

einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren

gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch

Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James

Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen

Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.

Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit

der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die

zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner

Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch

Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die

Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande

waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen

und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte

Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot

Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine

Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten

wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben

erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen

konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an

einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort

wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in

Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten

nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.

In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des

Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der

Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden,

lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien.

Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter

stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit

Pockenkranken.

Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780

wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die

Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals

abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt

wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen

und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen

Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen

sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf

Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation

marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen

türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten

sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt

hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und

bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so

stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die

Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee

wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und

eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der

Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf

265 Mann angegeben.

Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der

reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen

Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der

bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut

eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf

Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig,

hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war

der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der

Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche

Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die

Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren,

waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die

die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.

Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von

ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der

Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren

die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren

frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter

unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich

gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen,

da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht.

Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige

verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York

ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und

Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.

Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die

hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben

zurück.

Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am

weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt

waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und

Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die

Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November,

liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola

war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch

Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste,

die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste

man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch

Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei

Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen

Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem

waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die

Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.

Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur

Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer

Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei

Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen

England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der

spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer

Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der

Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake

Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton

Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit

Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und

die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie

zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000

Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,

und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.

Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober,

wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein

verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker

Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen

genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der

kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«

Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von

Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach

Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische

Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später

wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz,

überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern

zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.

Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung

in Florida.

Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300

Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen

hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten

und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den

Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien

eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der

folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa

ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die

Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die

Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den

Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten

die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die

Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker

Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in

Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6

und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk

ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste.

Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem

Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische

Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse

Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und

am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf

und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach

New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen

Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die

Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die

Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.

Kapitel XXII.

New-York in den Jahren 1780 und 1781.

Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er

das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des

Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und

ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und

Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen

Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine

Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut

genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington

hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte

Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von

diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde

entzogen werden.

Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und

Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem

New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die

fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord

Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in

Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von

denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten.

Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch

Verstärkungen nach der Insel zu senden.

Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen

Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele

Gefangene machten.

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 16 / 20 段