eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und
andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer
geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen
und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt
wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse
Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie
in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit
weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen
Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten
sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache,
zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl
Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780
bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer
Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island
weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine
Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen
Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene
Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege,
die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil
überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von
Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779.
»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren,
die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so
viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau
geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht
antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg
begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern
sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so
verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den
Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel
wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf
Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von
bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen
Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu
dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich
manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den
Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider
steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion
des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die
Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die
englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere
Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der
Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der
Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die
Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten
(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal
mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson
in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt
Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen
und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich
selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten
befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter
Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren
übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9
Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die
ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf.
Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300
Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen
Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu
fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht
bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen
war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das
Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung
unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor.
Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine
Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten
sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen
besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die
Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das
Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und
der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu
ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem
Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich
Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt
hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die
Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm
ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu
versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war
nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber
jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung
der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der
Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL
eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um
1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.
--< _Erklärung umseitig._ >--]
A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen
von Bergen zur Deckung des Rückzuges.
B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und
auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war,
die aber nicht zu Schuss kamen.
D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische
Besatzung gefangen genommen wurde.
E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei
Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
Kapitel XX.
Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779.
Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von
Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen
Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter
Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in
Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen
genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter,
deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren,
traten nun wieder selbstständig auf.
Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen
erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen
untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer
Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die
auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem
eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann,
einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich
an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1
Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen
starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der
Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An
jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum
Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer
sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1
Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies
sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44.
englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit
diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der
Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen
bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde.
Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge,
unerfahrene Burschen.
Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und
12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches
den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des
Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die
Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast
unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk
gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab
und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin
und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im
Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu
vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand,
stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die
Kajüte geworfen wurden.
Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone
nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich
über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der
gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die
fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch
(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte
durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem
Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus,
Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in
tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung
bewahrt.
Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke,
rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles
was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder
wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt.
Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der
Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher
und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank,
um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu
ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr
schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur
thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über
Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff
wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein
Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der
Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.«
Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas
beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller
zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen
wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen
auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu
teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar
kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches
Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein
Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun
wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See
zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in
beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord
zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und
Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede
Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und
mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes
festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4
morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht
ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines
Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in
Stand setzen konnten.
Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord,
erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand
konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte
Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald
helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und
ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor
sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte
ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch
und ist gesund.«
Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der
Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem
Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte,
eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da
mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug
sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die
Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den
Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort
in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus
Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten.
Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie
wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
Freiheit gesetzt.
Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der
Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37°
19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine
Ahnung.
Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden
nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin
gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn
sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren
Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die
Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und
Tags darauf noch einen am Vordermast.
Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für
ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen
und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von
dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und
beteten für sich.
Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte
leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen
zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten
könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten,
eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine
eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht
ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht
ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie
nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um
den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen
hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen
des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und
berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene.
Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen
und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden
gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und
stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie
sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn,
nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge
wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet
genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert.
Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und
das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder
Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins
Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging.
Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord
genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der
Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten.
Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der
Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte,
glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht.
Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia
und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und
Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich
nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts
Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom
Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und
nachher von amerikanischen Privateers genommen.
Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des
Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es
wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen
Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff
ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine
Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen
wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den
Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt
und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu
haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am
folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach
New-York brachte.
Kapitel XXI.
Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die
Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war
deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord
George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen
schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche
Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt
werden würde.
Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord-
und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die
Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den
letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den
betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur
Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht,
welches sehr wichtig war.
Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant
Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an
dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes
Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook
verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer
Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner,
die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten
ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche
Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren
Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
betrug.
Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die
meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel
Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen
zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt
man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den
neuen Baracken der Stadt einquartiert.
Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über
die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen,
welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann
wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee
gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und
bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog
sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück.
Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten
verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.