verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der
hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten
Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und
stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen
hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei
oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und
alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der
Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben,
kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender
als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des
Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen
mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens
hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen
Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage
lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt,
gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf
Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte,
dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich
stille wieder nach Philadelphia zurück.
Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen
Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden
zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt,
die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill
den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum
Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia
alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der
abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten
fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier.
Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung
gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll
von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die
Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier
veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen
vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette,
der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika
verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und
Wreden von den Jägern.
Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König
von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen
hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden
könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten:
»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter
dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber
mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die
aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten,
Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil
der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und
ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu
folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die
einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun
verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert
zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche
aber frohlockten im Stillen.
Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York
nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach
New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen.
Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber
sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die
Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der
Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert
worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den
Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese
Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich.
Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über
Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills
nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor
der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die
Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die
New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni
war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an
den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen
vor.
Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den
Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren.
Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den
zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch
Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande
war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern.
Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein
wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde
zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in
die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum
Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck
dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem
Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli
erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach
New-York übergeführt wurde.
Kapitel XVIII.
Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war,
detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die
Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete
ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den
grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der
Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000
Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und
wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es
lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in
Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen
wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt
wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm
er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die
Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so
war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das
Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten,
sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser
gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen
ihre Furcht vor uns verschwinden.«
Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die
grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die
Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden
auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach
Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es
standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und
Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das
vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes
Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree
und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und
richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy
war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um
nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er
beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig
des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise,
indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang
andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und
Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen
irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort
versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille
eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.
Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys
Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu
leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen
Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine
Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor
Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht,
landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei
Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an
Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus
ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und
schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich
anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den
britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.
Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen
ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten
Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz
zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein
Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht
anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die
Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten.
Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany
vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte
Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von
Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die
kleine Armee in Newport im Anzug.
Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von
New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen
Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege
nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport.
Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74
Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen
diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde
alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die
dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in
Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine
sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der
grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.
Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich
aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen
erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat
Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2
Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor
Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die
Schiffe hatten starken Schaden gelitten.
Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden
nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf
Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen
wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz
erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen
der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den
Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere
Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im
Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu
lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam
Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor
Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um
ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten
der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück,
gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am
11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.
Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war
alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische
Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht
gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in
den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der
Besatzung, segelte die Flotte fort.
Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von
Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend
des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt,
versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne
weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr
fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen
auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche.
Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1.
September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im
Hafen von Newport an.
Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos
und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder
eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus
Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort
wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an
Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel,
Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier.
Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die
Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben
und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.
Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen
und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass
einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass
an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser
geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den
Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen
marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten
dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die
feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.
Kapitel XIX.
Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte
einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg
gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden
Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt
New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen
Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu
keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der
Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen.
Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von
New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der
britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem
Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit
Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende
sind:
»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen
Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann
ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu
abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so
ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer
Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es
ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist,
von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und
Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch
nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der
bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache
zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen
sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann
hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns)
der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir
einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache
der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem
Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so
sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben
wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind,
es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren
letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige
Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen,
nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das
viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst
zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist,
als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von
den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste
muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein
Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die
armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback,
eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen
Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann,
obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum
waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein,
einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das
Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den
Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31.
August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu
einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum
eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung
Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in
einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die
Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps
kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das
Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen
Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester,
wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren
leichten Truppen standen.
Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und
bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem
rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück
und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte
Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich
vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie
hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu
werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei
Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr
um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem
Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten
sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken
und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von
einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr
50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen
anderen durch die Büsche.
Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass
die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem
Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen
Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische
und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und
der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und
unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs
gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie
gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden
sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.