Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo
sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin,
ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da
ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr
schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.«
Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase.
»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land
gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun
seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu
quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen
fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels
kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und
sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit
in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch
zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit,
holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der
Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann
fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner
Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin
diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte
er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht
anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und
praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede
geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und
machte eine gute Suppe davon.
Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die
Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten
gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier
in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte,
indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes
Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.«
»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber
von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor
einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus:
»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen
schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete
es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an
und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das
fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«
Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia.
Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst
zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele
dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich
Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines
Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem
die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig
hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General
Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und
wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch
Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich,
der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs
von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
Amerikaner zu Felde.
Kapitel XVI.
Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.
Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne
gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die
Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus
vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu
verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe
seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige
Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen
Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3
Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach
Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie
eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht
bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel
Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am
30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren
vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt
würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake
Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des
Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und
ohne feindliche Gegenwehr gelandet.
[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.]
Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein
heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere
ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die
Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.
Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des
Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt,
während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter
oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets
square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne
unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front
los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb
Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine
Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.
Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung
nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des
Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine
Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese
Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle
getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten
und Knyphausens Division anzugreifen.
Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging
Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division
ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler
gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die
den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde,
welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein.
Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um
Sullivans Rückzug zu decken.
Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt
er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen
Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt,
aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag
seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.
An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen
Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und
hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden
erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr
Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für
sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die
mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen
Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner
ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern
weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade
zusammen genommen worden waren.
Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag
neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden
vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des
Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor.
Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die
Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte,
hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes
zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das
Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt,
wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte
sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um
Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in
der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um
Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter
unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und
die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht
machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen
Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der
grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.
Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die
englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7
englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach
der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die
Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.
Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu
stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung
unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26.
September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und
2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich
an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte
bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den
Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.
Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines
Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei
einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim
Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer
Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete
diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier
weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff
vorbereitet waren.
Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen
Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der
General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu
belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington
bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten,
die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem
Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen
erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant
von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an
den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens
Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald
darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das
Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte
sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem
Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu
forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers,
ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer
wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der
feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der
Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind
sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen
Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so
hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher
auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert
und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah
keine weitere Verfolgung.
»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen
und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf
sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er
vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr
gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn,
schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich
darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von
300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist
gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der
General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört
hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für
seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil
zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«
Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen
Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen
Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung.
Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische
Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf
dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des
gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren
Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren
beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle
diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem
Flusse war für die Briten sehr wesentlich.
Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen
Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen
Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den
Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe
willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach
auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment
Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8
Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen
Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort
anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem
General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte,
»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf
erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort
bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit
seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr
um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das
Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit
Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem
Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph
Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung
des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der
Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf
der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14
Kanonen.
Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die
Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet
seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete
die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern
bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der
Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.
Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf.
Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8
Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem
Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware
ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den
grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein;
der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête
eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure
kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern
gemacht worden waren.
Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine
Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen
alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer
Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem
Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und
einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten
ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen
erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen.
Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich
verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die
Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen
sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am
nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe,
welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den
Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der
amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das
andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.
Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein
Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau
wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich
verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die
armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die
heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain
du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das
Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut,
die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch
aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie
noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es
ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer
Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte
keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann
seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der
Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein
französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich
zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der
Ehre.«
Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und
unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen,
wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das
ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich
sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
Monarchen.«[4]
[4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des
sterbenden Donop.
Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen
Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten
37 Tote und Verwundete.
Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger
die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen
Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15.
kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen.
Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort
herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten
hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite
Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die
Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen
gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer
zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass
Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20.
November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft
gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls
verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen
Wälle rasiert wurden.
Kapitel XVII.
Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben.
Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist
und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die
Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein
confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und
Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die
Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge
erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten,
»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden
Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde
Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der
halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne
Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.