Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit

hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht

erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen

Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte?

»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach

ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn

derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah.

Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben

über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches

höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche

zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil

die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das

Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich.

Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das

Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe

die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm

machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern

Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum

Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,

nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in

grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die

Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen

Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr

erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch

nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm

daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu

machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe

aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich

war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass

wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das

Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab

mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er

alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten

haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst

von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später

nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und

Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm

Frühstück fertig zu werden.«

Kapitel XII.

Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.

Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers

und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur

der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und

General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug

von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement

getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über

die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen

der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England

vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.

Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay

beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre,

einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut

nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen

Ruf hatte.«

Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich

nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr

gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der

wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das

Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel

beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne

ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise

Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und

dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit

widerfuhr.

Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt

wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake

Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen

sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um

sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von

Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter

Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es

über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner

Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte

sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.

Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777

4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke

3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der

Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter

die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich

die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf

4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton

belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen.

Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben

der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von

Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr

250 Provinziale.

Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute

Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die

Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen

in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät

kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner

eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt

aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit

getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit

einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag

gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.

Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus

Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.

Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte,

war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den

mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche,

indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den

Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake

Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.

Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen

zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake

George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und

von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson

gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte

das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die

Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough

genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei

Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson

hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht

von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem

natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St.

Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall

liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich

von Whitehall.

Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch

wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt,

dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George

deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte.

Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort

Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von

Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer

englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in

Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die

englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften

Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.

Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das

Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es

während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am

16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen

wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im

Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den

zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war,

wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde

sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein

neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence

gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer

Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche

eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die

Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem

Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien

mit eingeschlossen.

Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777

erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen

auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence.

Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St.

Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der

Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit

mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von

Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die

Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf

Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas

aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,

welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden

genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt,

die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich

bemüht hatten.

Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton

zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf

den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen

Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner

bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der

Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu

Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr

Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler

und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die

Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies

war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.

Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber

die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört

hatten.

Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das

Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden

wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal

Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche

Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher

die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in

Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.

Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass

Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts

zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die

Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten

Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George

Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte

der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer

und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen

mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte,

dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere

wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen

Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an

Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die

Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne,

sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.

Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein

Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf

Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte

Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits

Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den

braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen

canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel

vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine

Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh

aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde

auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die

britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende

Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die

Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches

in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder

Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert

werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort

Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde

die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die

Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die

Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber

Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von

grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den

Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens

wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so

dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement

abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St.

Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass

es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen

Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11.

August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374

Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.

Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte

Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss

zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele

erübrigen.

Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.

Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5

Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann

besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden.

Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den

Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten

die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei

und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im

Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte.

Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die

Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr

glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint

nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben,

denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen,

wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den

Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an

demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken

Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar

Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig

gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf

Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der

Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant

Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab.

Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2

kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch

legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn

die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg

war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung

Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer

Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene

Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden.

Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das

Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein

grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit

kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich

in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze

Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte

zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss,

im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem

amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.

Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der

Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn

ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass

dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die

Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und

die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,

welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden.

Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann

ohne Artillerie vorgeschoben hätte.

Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf

einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr

morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen

Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und

geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute

Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen

Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des

Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde

ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um

3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der

Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und

Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2

Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten

mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die

mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die

Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut

angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt

haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly

Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der

Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es

ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die

Braunschweiger gefangen genommen.

Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der

Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner

vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus

Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging

und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem

Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der

in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt,

brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros

ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst

an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf

dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.

Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in

die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht

wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.

Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die

Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf

sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von

den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.

Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich

ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli

mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den

ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps

nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und

von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.

Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von

einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte

dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung

mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee

bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800

Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter

General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese

wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen

und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter

Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern

keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren

Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer

ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war

gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er

ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich

hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere

lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand

zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den

Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,

denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde

gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger

als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits

tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort

Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers

Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um

eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und

plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die

Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem

Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen

zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen,

die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch

liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig

blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica

steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt

worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug

in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und

der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten

bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.

Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht.

Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen

Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die

Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den

Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach

Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im

Stich liess.

Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas

niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her

und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte,

gebunden.

Kapitel XIII.

Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 9 / 20 段