amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses
gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort
anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich
verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um
an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der
britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag
zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu
riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für
das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen
Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle
Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr
morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei
Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten
ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische
Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber
schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire.
Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs,
welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den
grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy
und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein
Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine
Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung
Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen,
einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.
In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die
Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und
Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und
rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine
Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika
gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober.
Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen
speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067
Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem
Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von
Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im
Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit,
an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie
manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen
breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen
haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die
Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon
hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings
»Hülfstruppen« I. S. 182).
Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich
entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter
Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3
Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte
einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die
zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über
Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown
abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die
Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von
2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt
in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über
welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu
beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.
Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook
glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich
bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute
leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem
er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte.
Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her.
Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde
besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die
Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine
ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete.
Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit
den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der
Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen,
hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute
entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte,
dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen
warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute
entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte,
dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es
stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu
halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7
Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und
ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden
Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen,
heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit
seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und
nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte
anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute
geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«
Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese
Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des
amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den
Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an
der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse
Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir
gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um
das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines
dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins
meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die
ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich
los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten.
Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in
welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken,
bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich
den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin
meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und
wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen
her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir
stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein
bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach:
»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften
als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein
ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche
Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän
Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter
Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden
mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook
getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand,
war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt.
Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen
wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit
seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben
erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit.
Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und
30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und
gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf
dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer
mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit
zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie
ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds
Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden
morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook
hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
trotz aller Kugeln zurück.
Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop
zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in
Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
Geschichte:
»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit
einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey
im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von
New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war.
Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen
Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen
umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante
und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl
gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber
schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit
grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem
Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht
gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen
Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu
unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben
Feldzug mit sich zu nehmen.«
Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten
mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich
glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von
Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald
argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet,
infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem
Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von
Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen
aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister.
Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen
gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass
Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden
Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von
Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen
Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister
hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf
das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir
William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt
genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen
sein, um ihn abzuberufen.
Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache
hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf
veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine
gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in
Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts
als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann
diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für
sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu
sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben
nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine
gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in
Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade
gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte,
aus Kummer und Sorge.
Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen
des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate
New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester
County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus
Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe
kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die
aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war,
während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus
Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten
Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei,
auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16
Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter
Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste
Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88
Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt
werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am
14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in
Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000.
Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum
letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der
Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals,
auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit
schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht
erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese
wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität,
angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich
vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren
und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie
nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre
Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf
den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
Kapitel X.
Die Braunschweiger in Canada 1776.
Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von
England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen
Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel
befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im
Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt
worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben
konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein
Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel
sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte,
hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine
Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm
obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben
würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf
sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in
seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht
entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er
seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr
enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major
gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn
gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben,
aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines
Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich
in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel
von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.
Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an
England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem
Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die
Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland
zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in
welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser
Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von
Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem
braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er
bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage,
an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika
ausmarschierte.
Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen
war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und
in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder
sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der
ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten
Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise.
Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich
gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich
also trösten und nicht murren.«
General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade
an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden
zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in
See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des
braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die
einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der
Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und
für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher
von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt,
viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren
so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £
vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von
den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen
auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen
Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die
erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt.
Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich
weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben,
-- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des
Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf
den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank
gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt
Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr,
dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das
ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich
müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn
Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben.
Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April
und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel
erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1
englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300
Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und
Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine
Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich
finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und
man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch
gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat
man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben
aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind
überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere
Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.«
Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von
Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch
nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine
Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom
hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen«
Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See
die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4
Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die
Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See
hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager
untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein
bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens
und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch
Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.