hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000
Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten
Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der
Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,
diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten
die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.
Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen
und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust
an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes
würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein
eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die
Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der
Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants
Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel
anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen
eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch
ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem
Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.
Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und
hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die
hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder
hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen
auf dem Berge.
Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,
die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt
worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse
schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von
Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug
verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren
Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,
Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen
Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen
betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht
höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle
rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger
Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William
Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,
welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines
Krieges Wünschenswerten versehen war.
Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage
lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.
Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die
amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer
neuen Idee zu.
Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss
über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein
fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das
Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das
Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren
Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine
Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme
Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des
Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte
General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den
Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren
unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.
Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den
Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine
Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische
Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts
dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort
verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war
entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete
Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.
Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie
verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000
Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden
sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill
mit ein.
Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir
William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4
Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war
aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach
New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei
Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter
Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.
Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis
die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf
Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer
hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die
Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen
Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles
Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der
in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich
zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts
Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und
behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu
attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf
und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete
sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.
Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein
Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen
oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute
sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die
Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!
Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle
stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die
die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen
von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen
englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein
weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie
die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie
feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies
kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.
Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen
Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende
Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort
herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress
gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine
Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort
aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant
forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und
gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren
zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant
selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General
von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole
mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er
war damit zufrieden und ging mit mir.«
Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn
zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der
Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und
Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als
120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.
Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und
Ausrüstungsstücke.
Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,
indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen
gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein
würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie
die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,
Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit
Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die
Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel
weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die
Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den
Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.
Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde
aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in
das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht
und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in
ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm
Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier
erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine
Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg
hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,
weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«
geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische
Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden
in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter
Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn
und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen
ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
Kapitel VIII.
Trenton, 26. Dezember 1776.
Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine
ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am
20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.
Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es
wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant
darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die
seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den
Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von
Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen
Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu
bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,
ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren
eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an
dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte
ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee
missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu
vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord
Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4
Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der
Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich
Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.
Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.
Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach
Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner
Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe
war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu
betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und
nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt
uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben
war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben
wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das
Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach
dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie
Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr
Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem
Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.
Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,
und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im
Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]
Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder
aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,
so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder
zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner
Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu
führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen
seiner Leute ablaufen würde.
Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber
in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und
New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige
Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20
englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton
bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,
welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war
von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet
bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material
gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um
die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,
aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der
Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
der ganzen Armee errang.
Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von
Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf
beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine
Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen
Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,
von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und
70 Mann.
Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,
er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für
einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen
rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er
hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit
den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,
leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er
Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem
übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch
New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille
gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er
dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der
ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie
mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige
Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles
Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach
Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre
haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische
Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.
Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,
antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im
Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,
dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging
nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und
hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)
Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann
könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen
Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu
spät.
Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten
Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten
zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die
Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«
sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden
uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch
unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen
zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden
waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3
Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem
Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein
Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der
Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem
Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen
Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der
Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf
Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich
wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden
Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das
Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach
Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant
Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war
nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,
dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der
Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown
kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht
darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,
in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu
fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem
Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des
Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die
bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben
worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,
im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die
Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,
fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles
fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in
Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig
schlafen.
Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die
Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager
auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu
machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18
Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac
Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden
Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr
Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht
ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der
Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«