Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft

hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000

Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten

Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der

Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,

diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische

Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten

die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.

Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen

und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust

an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes

würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein

eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die

Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der

Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die

hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants

Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel

anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.

Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.

Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen

eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch

ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem

Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.

Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und

hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die

hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder

hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen

auf dem Berge.

Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,

die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt

worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse

schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von

Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug

verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren

Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,

Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen

Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen

betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht

höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der

Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle

rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger

Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht

die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William

Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,

welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines

Krieges Wünschenswerten versehen war.

Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage

lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.

Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White

Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die

amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer

neuen Idee zu.

Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss

über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein

fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das

Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das

Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren

Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das

obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine

Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme

Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des

Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte

General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den

Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren

unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.

Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den

Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine

Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische

Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts

dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort

verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war

entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete

Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es

ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.

Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie

verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000

Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden

sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill

mit ein.

Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir

William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4

Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,

welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war

aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach

New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei

Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter

Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.

Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis

die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben

einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf

Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer

hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und

Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die

Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen

Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles

Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der

in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich

zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts

Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und

behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.

Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu

attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf

und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.

Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete

sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.

Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein

Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen

oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute

sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die

Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die

Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!

Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle

stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.

Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die

die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen

von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen

englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein

weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie

die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie

feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies

kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.

Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen

Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende

Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort

herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen

strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress

gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine

Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage

sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort

aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant

forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und

gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren

zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant

selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die

Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General

von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole

mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er

war damit zufrieden und ging mit mir.«

Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn

zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der

Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und

Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als

120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber

ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.

Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und

Ausrüstungsstücke.

Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,

indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen

gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein

würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie

die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,

Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit

Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die

Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel

weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die

Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«

Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den

Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.

Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren

natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde

aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in

das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht

und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in

ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm

Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,

und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier

erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine

Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.

Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg

hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,

weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«

geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische

Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden

in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter

Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.

Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn

und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen

ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.

Kapitel VIII.

Trenton, 26. Dezember 1776.

Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine

ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am

20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.

Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es

wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant

darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die

seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den

Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von

Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen

Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu

bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,

ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren

eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an

dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte

ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee

missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu

vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord

Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4

Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der

Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der

Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich

Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.

Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen

alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.

Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach

Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner

Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe

war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu

betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und

nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt

uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben

war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben

wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das

Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach

dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie

Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr

Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem

Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.

Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,

und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im

Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere

Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«

[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]

Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder

aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,

so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder

zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner

Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu

führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und

noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen

seiner Leute ablaufen würde.

Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber

in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und

New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von

Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer

kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige

Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20

englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton

bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,

welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war

von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen

Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet

bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material

gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um

die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,

aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der

Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung

der ganzen Armee errang.

Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von

Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf

beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine

Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen

Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,

von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des

Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und

70 Mann.

Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,

er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für

einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine

Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen

rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er

hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.

Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit

den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,

leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er

Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem

übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch

New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille

gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er

dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische

Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der

ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie

mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige

Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles

Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach

Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre

haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische

Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.

Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,

um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,

antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im

Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte

einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,

dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging

nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären

Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und

hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)

Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art

zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann

könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen

Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg

in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu

spät.

Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten

Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten

zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die

Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«

sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden

uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch

unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen

zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden

waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere

ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3

Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur

grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem

Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein

Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.

Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der

Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem

Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des

25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen

Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der

Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf

Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich

wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden

Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das

Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach

Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant

Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war

nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt

worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,

dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der

Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown

kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,

den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht

darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,

in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu

fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem

Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des

Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die

bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben

worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,

im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die

Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,

fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles

fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in

Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig

schlafen.

Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die

Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager

auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten

nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu

machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder

Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18

Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac

Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers

Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden

Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr

Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht

ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der

Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 5 / 20 段