Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur

von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum

der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush

aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir

William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den

linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und

ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner

gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im

Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war,

indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in

Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen.

Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter

wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General

Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug

deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht

Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.

Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.

»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit

meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der

Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur

Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu

einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie

vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen

genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich

die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso

gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf

gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr

als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General

waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der

bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die

Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde

hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden

sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100

Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten

keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten

tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie

verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die

Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr

schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch

von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine

Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren

Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]

[2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite

110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste

Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,

wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant

von Grothausen.

Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige

veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in

den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen

grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass,

hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen

zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die

Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in

Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so

starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung

ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch

angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie

von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind

wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die,

welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten,

gegen 20,000 Engländer und Deutsche.

Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der

Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300

Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist,

denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine

genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der

Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen

wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301

Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere

und 23 Mann Verwundete.

»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur

eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe

undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die

Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen

aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.

Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie

unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«

Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale --

Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab

von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere

gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als

der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere

der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und

vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr

beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten,

Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts

anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider

etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten,

die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten.

Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die

Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er

die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge,

den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben

150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken

sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah

schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete

dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm

ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er

sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der

Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten

schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber

nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen

niedermachte.«

[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.]

»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen,

der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und

hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier

spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer

Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der

einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den

Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt

nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei

dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie

Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser

Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit

ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne,

die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit

60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und

die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr

Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann

hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am

Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote

Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen,

die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute,

die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment

standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so

feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere

andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer

sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden,

und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit

war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr

schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.

Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und

Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen

sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die

Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass

sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge

dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen,

nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie

beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die

Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut

beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen

genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant

Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu

fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen

gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von

Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.

Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im

Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht

ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen;

nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den

East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden,

verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging

nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige

schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine

Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in

dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch

unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den

Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten

entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen

in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen

rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt

worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe

von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.

Kapitel VII.

Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington,

15. September bis 16. November 1776.

Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York

an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze

von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen

Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume

darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und

die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in

den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem

zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere

Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte,

waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte

der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der

Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories,

besonders unter den Reichen.

Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York

verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen

von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang

an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde

der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt,

und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market.

Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je

gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und

Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge

und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und

mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der

hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit

Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der

besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht

ganz unberechtigt erscheinen lässt.

[3] Lieutenant Hinrichs.

Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von

New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die

Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende

Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die

königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge

Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,

die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von

den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem

Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,

(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer

Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die

Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich

bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese

marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte

Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt

Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem

alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am

nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.

Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die

neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm

sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens

Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee

zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht

Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die

Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese

schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei

guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen

Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von

Murray-Hill einer bessern Sache gedient.

Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von

Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei

Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas

prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer

Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche

Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass

der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall

war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren

280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht,

in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen

verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei,

ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der

vergangenen Tage.

Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche

Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der

Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen

waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten,

zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern,

welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten,

hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem

Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und

guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby

(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner

Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die

Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,

zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder

und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger

Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es

ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte

behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im

Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer

Generallieutenant im Jahr 1834.

Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen,

als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der

Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss

gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit

fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis

Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht

hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte

sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,

St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers,

besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft

behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht

wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und

einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir

William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen

Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem

Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen

Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt

worden sei.

Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand

Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche

Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott

verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die

Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt

worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass

mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten

hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber

verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und

Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die

beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.

Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der

grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist,

soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass

verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von

englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein

armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde,

bis er starb.

Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner

Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons

Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen.

Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River

festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am

Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor

Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde

und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point,

wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte

Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm

zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt.

Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East

Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem

heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit

dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit

dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner

eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und

befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die

zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997

Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen,

und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670

Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann

Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die

deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr

13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden

um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains

vorgingen.

Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange

zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei

einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und

würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe

gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von

diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings

Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons

Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am

Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von

General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl

hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere

Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei

Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen

andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 · 第 4 / 20 段