8. Neue Hoffnung

Die »Crescent City News« waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf

den Lawrence seine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht

hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das

kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmungswechsel kaum

hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht

groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge

hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten,

wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull

und Jonathan in begeisterten Farben geschildert, ihre merkwürdige

äußerliche Ähnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen,

daß in ihrem Innern wesentliche Verschiedenheiten bestehen dürften.

Das Verhältnis von Heiz- und Rostfläche, vom Zylinderraum zum

Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrichtung, ein heimlicher

Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen

lasse den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erscheinen. Übrigens

komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeys

an, und da Jonathan von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb),

John Bull von einem nicht minder hervorragenden Engländer, Jem Parker

(rot und blau) geritten werde -- der Berichterstatter entschuldigte

sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich

in die Sprache des Turfs verfalle --, so sei der Sieg des einen oder

des andern keineswegs eine leicht vorauszusehende Sache. An den

Schenktischen der Hotels und Salons von St. Charles- und Kanalstraße

sei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen sei in

den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorite, während im St.

Charleshotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockey

man größere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden.

Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder

aufgenommen. Das amerikanische Fieber, das den wohlakklimatisierten

Lawrence in einen jungen Mann voll Feuer und Energie verwandelt

hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Morgen nach unsrer

Besprechung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklemmung die bekannte

Anzeige in fünf Zeitungen gesehen und mich an deren Aussehen ein wenig

gewöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Aufwallung alle

Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war

viertausend Meilen vom würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal

sein mußte und mein ernster, ehrbarer Dampfpflug auf ein paar Stunden

den Narren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! -- General

Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er

lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich

wünsche er allerdings in diesem Fall mehr in den Hintergrund zu treten.

Um so tätiger waren seine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen,

die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich

kleinen Anwandlungen von Gewissensbissen aussetzte. Lawrence lachte

mich aus: »Ist es unsre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute

ihr Geld in der Tasche behalten?« fragte er. »Ist es für das gemeine

Wohl von irgend welcher Bedeutung, in wessen Tasche des Volkes es

schließlich sitzen bleibt?« Ich mußte ihm recht geben.

Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte

er: »Mister Fowler schickte mich hierher und befahl mir, zu tun,

was +Sie+ befehlen. Das sind meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner

Maschine wettrennen soll, so wettrenne ich; das ist einfach!« -- Ich

klopfte ihm auf die Schulter und begann, etwas zögernd, von der roten

Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwarteter Zwischenfall

zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte bereits die intime Bekanntschaft

einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten

Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen

stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte

die amerikanische Abneigung gegen leichte Farbenmischungen nicht, und

die junge Dame war Feuer und Flamme für den hübschen, kräftigen, wenn

auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten

verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie

anmessen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig

aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine

glückliche Frau zu werden. Er brummte, aber er war ein herziger Junge,

ihr Jem, wenn er die Kakadujacke anhatte.

Die Ackergeräte blieben im Felde stehen, wo sie standen, verstaubt

und verachtet. Beide Dampfmaschinen dagegen wurden drei Tage lang

geputzt und geschmirgelt, daß sie in der Sonne blitzten. Auf der

Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch

einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere

Malerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuch nagte, die

eine mit den Worten »John Bull«, die andre mit dem Namen »Jonathan«

bemalen, so daß ich nun auch selbst wußte, welches die eine und

welches die andre war. Stone brachte auf eigne Kosten nationalfarbene,

besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand

sich am Mittwoch nachmittag mit Guirlanden über und über bedeckt, in

denen sich reife Orangen besonders reizend ausnahmen. Das war Sallys

Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Maschine zwei

Banner befestigt wurden: Parker erhielt die englische Union-Jack, die

er mit ruhigem Stolz aufsteckte, Stone die sternbesäte Flagge seiner

amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhältnis beider war auch

nach längerem Zusammenarbeiten das gleiche geblieben. Sie sprachen

nicht viel und nicht höflich, wenn sie sich etwas zu sagen hatten,

aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war

im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker.

Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen

gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher

gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann, hätte

Jem verachten, Jem sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte

Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen.

Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich

aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag

an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Drahtseils

beschäftigt ist.

Auch Delano hatte nun genügend zu tun und wurde deshalb etwas heiterer.

Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich

nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen.

Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen

Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick

auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen

voll Fahnenabzüge und Ausschnitte hatte, am Dienstag vor dem Rennen

auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich

jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich. Es regnet auch im

Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber

freudiger Aufregung:

»Washington, den 1. März 1867. Der unerwartete Schluß der Sitzungen des

Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe

weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete,

zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme

kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen

Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt

haben wie die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern

mit Gewandtheit und Umsicht vertreten wurden. Namentlich war dies am

letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge

die Zustimmung des hohen Hauses erhielten.« Dann folgte die Liste

von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die

Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von

Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten

Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick

noch angehängt worden war. Er lautete:

Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung

des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei

eingeführt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer

von drei Jahren festgesetzt sein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende

Kraft besitzen und vom 1. Januar 1867 an Geltung haben. --

»So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet,

und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden

noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann!« rief ich

innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei

Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmücken

wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, als ich seit

einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte.

Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend,

mit Kohlen, Wasser und Öl versorgt, hinter der geschmückten Tribüne

aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Zollamt und überreichte dem

Generalzolldirektor von New Orleans den »Picayune« und die »Crescent

City News« mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner,

schwarzgekleideter Yankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien

in eifrigem Geschäftsgespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide

hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch

meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit

wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem

Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat,

und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem

Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink

seines Vorgesetzten. Ich zog den »Picayune« hervor und zeigte ihm den

dickunterstrichenen Paragraphen.

»Sehr gut, sehr gut, Sir!« sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit.

»Ich gratuliere Ihnen, Herr -- Herr Jed! Nebenbei: würden Sie

vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen

inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären? Ich

verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch

außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten

seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger

Seite sagen lassen. Welchen -- ganz unter uns -- welchen halten Sie bei

einem Viereinhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen,

die Bahn ist anderthalb Meilen lang.«

Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches

Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt vorübergehen

lassen durfte.

»Ich komme, verehrter Herr,« sagte ich, »um Sie auf den Paragraphen

bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu

machen.«

»Sehr interessant!« rief der Zöllner. »Ich höre, Jonathans Feuerbüchse

sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt

guter Dampfer sein --«

»Wie Sie wissen,« unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, »haben

wir, unsre Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen

viertausendzweihundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt,

der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet.«

»Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John

Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein

Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied

nicht mehr feststellen; es war allerdings schon dunkel. Niemand kann

mich nun hierüber so gut aufklären als Sie, mein werter Herr Jed. Ich

betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre

habe, Sie heute bei mir zu sehen.«

»Nun denke ich,« fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, »werden wir wohl

die viertausendzweihundert Dollar ohne weiteres zurückerhalten

können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr

Generalzolldirektor! Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine

erstaunliche Menge Kohlen.«

»Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb

Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat?« drängte der

Kirchenälteste.

»Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir«, sagte ich

zurückhaltend. »Jonathan ist ein feiner, junger Dampfelefant, dem ich

viel zutraue -- viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht

schlecht für sein Alter. Beide sind am gleichen Tage geboren. Es wäre

nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie

wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und

Kohle, die Jockeys, alles hat seinen Einfluß. Von den Elefanten als

Renner wissen wir alle nicht zuviel. Was die viertausendzweihundert

Dollar betrifft -- --«

»Das genügt«, unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln.

»Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel

zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht verlangen. Ich

hoffe, Sie zu verstehen.«

»Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft«, mahnte ich,

zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten.

»Ja, sehen Sie,« sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten

Freundlichkeit, »das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne

Zweifel bekommen, namentlich -- namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber

ich muß doch erst Weisungen von Washington haben; direkte Anweisung. So

geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaux

gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr

Jed. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der ›Picayune‹ nicht

gelogen hat; mein Wort darauf! -- Also Jonathan? Sie denken wirklich

Jonathan?«

»Wie Sie sagen: ich denke Jonathan«, bestätigte ich halblaut, sinnend,

wie wenn ich meine eignen Gedanken belauschte, und dachte dabei an

das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem

Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist:

noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere

Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich.

In dem dunklen Gange vor der Tür kam der kleine, aber greisenhafte

Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und

schüttelte mir noch heftiger die Hand.

»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug«, sagte er leise und

eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh

in den ›Crescent City News‹ und dachte sofort: hier gibt es etwas für

mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein

Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« -- dabei deutete der Kleine

auf die Zimmertür des Großen. -- »Eine höchst wichtige Nachricht für

Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar

werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in

die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei

-- was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden

Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden

aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden,

daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeys wird es

wohl ankommen -- unter uns --«

»Die Jockeys sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein

wichtiges Element«, sagte ich zustimmend.

»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen

auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig

zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang;

ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockey,

wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen

Dampfelefanten umzugehen weiß --«

»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend,

»daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger

aus dem Rennen herauszukommen.«

»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es

wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen.

Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben,

ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« -- Herr Smith machte eine

unehrerbietige Grimasse -- »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube!

Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt

abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen

Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! -- John Bull;

natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann

ja ein Kind sehen. -- Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank,

wertester Herr Eyth!«

Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertür seines

Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme

des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf

der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide

glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres

Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl

kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir

beide jetzt gleich dankbar.

[Illustration]

Geld und Erfahrung · 第 19 / 27 题