Die »Crescent City News« waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf
den Lawrence seine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht
hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das
kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmungswechsel kaum
hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht
groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge
hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten,
wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull
und Jonathan in begeisterten Farben geschildert, ihre merkwürdige
äußerliche Ähnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen,
daß in ihrem Innern wesentliche Verschiedenheiten bestehen dürften.
Das Verhältnis von Heiz- und Rostfläche, vom Zylinderraum zum
Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrichtung, ein heimlicher
Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen
lasse den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erscheinen. Übrigens
komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeys
an, und da Jonathan von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb),
John Bull von einem nicht minder hervorragenden Engländer, Jem Parker
(rot und blau) geritten werde -- der Berichterstatter entschuldigte
sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich
in die Sprache des Turfs verfalle --, so sei der Sieg des einen oder
des andern keineswegs eine leicht vorauszusehende Sache. An den
Schenktischen der Hotels und Salons von St. Charles- und Kanalstraße
sei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen sei in
den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorite, während im St.
Charleshotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockey
man größere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden.
Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder
aufgenommen. Das amerikanische Fieber, das den wohlakklimatisierten
Lawrence in einen jungen Mann voll Feuer und Energie verwandelt
hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Morgen nach unsrer
Besprechung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklemmung die bekannte
Anzeige in fünf Zeitungen gesehen und mich an deren Aussehen ein wenig
gewöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Aufwallung alle
Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war
viertausend Meilen vom würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal
sein mußte und mein ernster, ehrbarer Dampfpflug auf ein paar Stunden
den Narren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! -- General
Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er
lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich
wünsche er allerdings in diesem Fall mehr in den Hintergrund zu treten.
Um so tätiger waren seine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen,
die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich
kleinen Anwandlungen von Gewissensbissen aussetzte. Lawrence lachte
mich aus: »Ist es unsre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute
ihr Geld in der Tasche behalten?« fragte er. »Ist es für das gemeine
Wohl von irgend welcher Bedeutung, in wessen Tasche des Volkes es
schließlich sitzen bleibt?« Ich mußte ihm recht geben.
Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte
er: »Mister Fowler schickte mich hierher und befahl mir, zu tun,
was +Sie+ befehlen. Das sind meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner
Maschine wettrennen soll, so wettrenne ich; das ist einfach!« -- Ich
klopfte ihm auf die Schulter und begann, etwas zögernd, von der roten
Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwarteter Zwischenfall
zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte bereits die intime Bekanntschaft
einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten
Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen
stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte
die amerikanische Abneigung gegen leichte Farbenmischungen nicht, und
die junge Dame war Feuer und Flamme für den hübschen, kräftigen, wenn
auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten
verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie
anmessen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig
aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine
glückliche Frau zu werden. Er brummte, aber er war ein herziger Junge,
ihr Jem, wenn er die Kakadujacke anhatte.
Die Ackergeräte blieben im Felde stehen, wo sie standen, verstaubt
und verachtet. Beide Dampfmaschinen dagegen wurden drei Tage lang
geputzt und geschmirgelt, daß sie in der Sonne blitzten. Auf der
Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch
einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere
Malerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuch nagte, die
eine mit den Worten »John Bull«, die andre mit dem Namen »Jonathan«
bemalen, so daß ich nun auch selbst wußte, welches die eine und
welches die andre war. Stone brachte auf eigne Kosten nationalfarbene,
besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand
sich am Mittwoch nachmittag mit Guirlanden über und über bedeckt, in
denen sich reife Orangen besonders reizend ausnahmen. Das war Sallys
Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Maschine zwei
Banner befestigt wurden: Parker erhielt die englische Union-Jack, die
er mit ruhigem Stolz aufsteckte, Stone die sternbesäte Flagge seiner
amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhältnis beider war auch
nach längerem Zusammenarbeiten das gleiche geblieben. Sie sprachen
nicht viel und nicht höflich, wenn sie sich etwas zu sagen hatten,
aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war
im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker.
Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen
gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher
gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann, hätte
Jem verachten, Jem sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte
Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen.
Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich
aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag
an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Drahtseils
beschäftigt ist.
Auch Delano hatte nun genügend zu tun und wurde deshalb etwas heiterer.
Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich
nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen.
Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen
Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick
auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen
voll Fahnenabzüge und Ausschnitte hatte, am Dienstag vor dem Rennen
auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich
jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich. Es regnet auch im
Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber
freudiger Aufregung:
»Washington, den 1. März 1867. Der unerwartete Schluß der Sitzungen des
Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe
weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete,
zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme
kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen
Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt
haben wie die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern
mit Gewandtheit und Umsicht vertreten wurden. Namentlich war dies am
letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge
die Zustimmung des hohen Hauses erhielten.« Dann folgte die Liste
von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die
Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von
Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten
Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick
noch angehängt worden war. Er lautete:
Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung
des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei
eingeführt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer
von drei Jahren festgesetzt sein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende
Kraft besitzen und vom 1. Januar 1867 an Geltung haben. --
»So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet,
und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden
noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann!« rief ich
innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei
Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmücken
wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, als ich seit
einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte.
Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend,
mit Kohlen, Wasser und Öl versorgt, hinter der geschmückten Tribüne
aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Zollamt und überreichte dem
Generalzolldirektor von New Orleans den »Picayune« und die »Crescent
City News« mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner,
schwarzgekleideter Yankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien
in eifrigem Geschäftsgespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide
hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch
meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit
wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem
Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat,
und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem
Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink
seines Vorgesetzten. Ich zog den »Picayune« hervor und zeigte ihm den
dickunterstrichenen Paragraphen.
»Sehr gut, sehr gut, Sir!« sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit.
»Ich gratuliere Ihnen, Herr -- Herr Jed! Nebenbei: würden Sie
vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen
inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären? Ich
verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch
außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten
seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger
Seite sagen lassen. Welchen -- ganz unter uns -- welchen halten Sie bei
einem Viereinhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen,
die Bahn ist anderthalb Meilen lang.«
Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches
Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt vorübergehen
lassen durfte.
»Ich komme, verehrter Herr,« sagte ich, »um Sie auf den Paragraphen
bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu
machen.«
»Sehr interessant!« rief der Zöllner. »Ich höre, Jonathans Feuerbüchse
sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt
guter Dampfer sein --«
»Wie Sie wissen,« unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, »haben
wir, unsre Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen
viertausendzweihundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt,
der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet.«
»Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John
Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein
Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied
nicht mehr feststellen; es war allerdings schon dunkel. Niemand kann
mich nun hierüber so gut aufklären als Sie, mein werter Herr Jed. Ich
betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre
habe, Sie heute bei mir zu sehen.«
»Nun denke ich,« fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, »werden wir wohl
die viertausendzweihundert Dollar ohne weiteres zurückerhalten
können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr
Generalzolldirektor! Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine
erstaunliche Menge Kohlen.«
»Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb
Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat?« drängte der
Kirchenälteste.
»Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir«, sagte ich
zurückhaltend. »Jonathan ist ein feiner, junger Dampfelefant, dem ich
viel zutraue -- viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht
schlecht für sein Alter. Beide sind am gleichen Tage geboren. Es wäre
nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie
wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und
Kohle, die Jockeys, alles hat seinen Einfluß. Von den Elefanten als
Renner wissen wir alle nicht zuviel. Was die viertausendzweihundert
Dollar betrifft -- --«
»Das genügt«, unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln.
»Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel
zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht verlangen. Ich
hoffe, Sie zu verstehen.«
»Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft«, mahnte ich,
zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten.
»Ja, sehen Sie,« sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten
Freundlichkeit, »das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne
Zweifel bekommen, namentlich -- namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber
ich muß doch erst Weisungen von Washington haben; direkte Anweisung. So
geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaux
gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr
Jed. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der ›Picayune‹ nicht
gelogen hat; mein Wort darauf! -- Also Jonathan? Sie denken wirklich
Jonathan?«
»Wie Sie sagen: ich denke Jonathan«, bestätigte ich halblaut, sinnend,
wie wenn ich meine eignen Gedanken belauschte, und dachte dabei an
das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem
Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist:
noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere
Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich.
In dem dunklen Gange vor der Tür kam der kleine, aber greisenhafte
Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und
schüttelte mir noch heftiger die Hand.
»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug«, sagte er leise und
eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh
in den ›Crescent City News‹ und dachte sofort: hier gibt es etwas für
mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein
Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« -- dabei deutete der Kleine
auf die Zimmertür des Großen. -- »Eine höchst wichtige Nachricht für
Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar
werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in
die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei
-- was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden
Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden
aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden,
daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeys wird es
wohl ankommen -- unter uns --«
»Die Jockeys sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein
wichtiges Element«, sagte ich zustimmend.
»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen
auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig
zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang;
ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockey,
wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen
Dampfelefanten umzugehen weiß --«
»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend,
»daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger
aus dem Rennen herauszukommen.«
»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es
wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen.
Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben,
ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« -- Herr Smith machte eine
unehrerbietige Grimasse -- »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube!
Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt
abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen
Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! -- John Bull;
natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann
ja ein Kind sehen. -- Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank,
wertester Herr Eyth!«
Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertür seines
Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme
des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf
der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide
glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres
Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl
kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir
beide jetzt gleich dankbar.
[Illustration]