»Ja, im Herbst!« fuhr Ethel fort und tat erstaunt. »Papas Hände waren
damals gebunden. Jetzt liegt die Sache ganz anders --« und Ethel Lloyd
feuerte nun ihre Breitseite ab -- »Papa hat mir gesagt: ich würde
vielleicht den Bau übernehmen. Aber ich kann natürlich nicht an Allan
herantreten. Allan müßte zu mir kommen.« Das sagte sie ganz leichthin.
Allan saß still und in sich versunken da. Er erwiderte gar nichts.
Ethel hatte ihm mit dieser Eröffnung Feuer ins Herz geworfen. Das
Blut stieg ihm ins Gesicht. Plötzlich hörte er den donnernden Gang
der Arbeit in seinen Ohren. Sollte es möglich sein? Lloyd --? Seine
Erregung war so mächtig, daß er aufstehen mußte.
Er schwieg eine Weile. Dann sah er zu Ethel hin. Sie knöpfte ihre
Handschuhe zu und dieses Geschäft schien ihre ganze Aufmerksamkeit in
Anspruch genommen zu haben.
Ethel stand auf und lächelte Allan zu. »Papa hat mir allerdings nicht
den Auftrag gegeben, Ihnen das zu sagen, Allan. Er darf nie erfahren,
daß ich hier war,« sagte sie leiser und streckte ihm die Hand hin.
Allan sah sie mit einem dankbaren, warmen Blick an. »Es war in der
Tat sehr liebenswürdig von Ihnen mich aufzusuchen, Fräulein Lloyd!«
entgegnete er und drückte ihr die Hand.
Ethel lachte leise. »Bitte,« sagte sie, »ich hatte in diesen Tagen
nichts zu tun und da dachte ich, ich will doch sehen, was Allan treibt.
~Good bye!~« Und Ethel ging.
2.
An diesem Abend war Ethel während des Diners in so vorzüglicher Laune,
daß dem alten Lloyd das Herz aufging. Und nach Tisch schlang sie die
Arme um seinen Nacken und sagte: »Hat mein kleiner, lieber Pa morgen
vormittag Zeit, mit mir eine wichtige Sache zu besprechen?«
»Heute noch, wenn du willst, Ethel.«
»Nein, morgen. Und will mein lieber, kleiner Pa alles tun, worum seine
Ethel ihn bitten wird?«
»Wenn es mir möglich ist, mein Kind?«
»Es ist dir möglich, Pa!«
Am nächsten Tage erhielt Allan eine eigenhändig geschriebene, äußerst
freundschaftlich gehaltene Einladung von Lloyd, die deutlich Ethels
Diktion verriet.
»Wir werden ganz unter uns sein,« schrieb Lloyd, »nur wir drei.«
Allan fand Lloyd in vorzüglicher Laune. Er war noch mehr eingeschrumpft
und Allan gewann den Eindruck, als ob er anfange, etwas kindisch
zu werden. So hatte er Allans Besuch im vorigen Herbst vollkommen
vergessen. Er erzählte ihm wiederum alle Einzelheiten von Ethels
Prozessen und lachte Tränen, als er schilderte, wie Ethel der Behörde
ein Schnippchen schlug und auf dem Meere herumsegelte. Er schwatzte
über all die neuen Dinge, die im Laufe des Herbstes und Winters
geschaffen worden waren, über Skandale und Wahlen. Trotzdem sein
Gehirn zu verfallen begann, war er noch lebhaft, voller Interesse für
alles Neue, listig und bauernschlau. Allan plauderte zerstreut, denn
er war zu sehr mit den eigenen Gedanken beschäftigt. Indessen fand er
keine Gelegenheit, die Sprache auf den Tunnel zu bringen. Lloyd legte
ihm Pläne zu Sternwarten vor, die er verschiedenen Nationen schenken
wollte, und als Allan gerade im Begriff stand, überzulenken auf das,
was ihm am Herzen lag, meldete der Diener, daß Miß Lloyd die Herren zum
Diner erwarte.
Ethel war gekleidet wie zu einem Hofball. Sie blendete. Alles an ihr
war Glanz, Frische, Hoheit. Ohne die entstellende, wuchernde Flechte
auf dem Kinn wäre sie die erste Schönheit New Yorks gewesen. Allan war
merkwürdig überrascht, als er sie sah. Denn er hatte nie gesehen, wie
schön sie war. Noch mehr aber verblüffte ihn das schauspielerische
Talent, das sie bei der Begrüßung entfaltete.
»Da sind Sie ja, Allan!« rief sie aus und sah Allan mit strahlenden,
aufrichtigen, blauen Augen an. »Wie lange haben wir uns nicht gesehen!
Wo in aller Welt steckten Sie nur die ganze Zeit?«