Er lächelte dazu und ließ sich nicht merken, daß er aus Mauds häufigem
Hinweis auf Hobbys gute Laune einen leichten Vorwurf heraushörte. Er
war nicht Hobby. Er hatte nicht Hobbys Talent zur Fröhlichkeit, nicht
Hobbys leichten Sinn. Er konnte nicht wie Hobby nach zwölfstündiger
Arbeit Niggertänze und Songs zum besten geben und allerlei lustige
Dummheiten inszenieren. Hat jemand Hobby schon anders gesehen als
lachend und scherzend? Hobby grinst über das ganze Gesicht, Hobby
rollt die Zunge im Mund und eine witzige Bosheit kommt heraus. Wo
Hobby hinkommt, macht sich alles schon zum Lachen bereit, Hobby ist
verpflichtet, witzig zu sein. Nein, er war nicht Hobby. Das einzige,
was er konnte, war, kein Spielverderber zu sein und er gab sich alle
Mühe dazu. Viel schlimmer aber war es, daß sein Verhältnis zu Maud im
Laufe der Jahre an Innigkeit eingebüßt hatte. Er belog sich nicht. Es
schien ihm, als ob es für einen Mann wie ihn besser wäre, keine Familie
zu haben -- trotzdem er Maud und sein Töchterchen innig liebte.
Hobby tat seine Arbeit und war fertig. Er aber, Allan, war nie fertig!
Der Tunnel wuchs und die Arbeit wuchs mit ihm. Und dazu hatte er noch
seine besonderen Sorgen, über die er mit keinem Menschen sprach!
Schon jetzt zweifelte er daran, den Tunnel in fünfzehn Jahren fertig
bauen zu können. Nach seinen Berechnungen wäre es im _günstigsten_
Falle möglich gewesen. Er hatte kaltblütig diesen Termin angesetzt, um
für sein Unternehmen die öffentliche Meinung und das Geld des Volkes
zu gewinnen. Hätte er zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre angegeben, so
würde man ihm nicht das halbe Geld gegeben haben.
Kaum die Doppelstollen Biscaya-Finisterra und Amerika-Bermuda würde er
in dieser Zeit bewältigen können.
Am Ende des vierten Baujahrs waren die Stollen der amerikanischen
Strecke zweihundertvierzig Kilometer weit von der amerikanischen
Küste aus vorgetrieben, achtzig Kilometer von Bermuda aus. Auf der
französischen Strecke waren rund zweihundert von Biscaya aus, siebzig
von Finisterra aus gebohrt. Von den atlantischen Strecken dagegen war
noch nicht der sechste Teil fertiggestellt. Wie sollten die gewaltigen
Strecken -- Finisterra-Azora, Azora-Bermuda -- bewältigt werden?
Dazu kamen finanzielle Schwierigkeiten. Die Vorbereitungsarbeiten, die
Serpentinen auf Bermuda hatten weitaus größere Summen verschlungen,
als er in seiner Kalkulation angenommen hatte. Vor dem siebten
Baujahr, frühestens dem sechsten, war aber unter keinen Umständen an
die zweite Drei-Milliarden-Anleihe zu denken. Er würde bald gezwungen
sein, den Tunnel auf große Strecken vorläufig einstollig fortzuführen,
wodurch die Arbeit unendlich erschwert wurde. Wie sollte es bei der
einstolligen Bauweise möglich sein, das Gestein herauszuschaffen,
dieses Gestein, das wuchs und anschwoll und die Stollen heute schon
zu ersticken drohte. Überall lag es, zwischen den Geleisen, in den
Querschlägen und Stationen und die Züge keuchten unter der Last.
Allan verbrachte Monate im Tunnel, um raschere Arbeitsmethoden
ausfindig zu machen. In den amerikanischen Stollen wurde jede einzelne
Maschine, jede neue Erfindung und Verbesserung ausprobiert, bevor
sie an den übrigen Arbeitsstellen Verwendung fand. Hier wurden die
Mannschaften geschult, die »Höllen-Männer« und »Fegfeuer-Leute«, um
sodann nach den anderen Stationen als Pacemaker verpflanzt zu werden.
Ganz allmählich mußten sie an das rasende Tempo und die Hitze gewöhnt
werden. Ein untrainierter Mann wäre in der ersten Stunde in der »Hölle«
niedergebrochen.
Jeden noch so unscheinbaren Handgriff suchte Allan mit dem geringsten
Aufwand an Kraft, Geld und Zeit zu leisten. Er führte eine bis ins
minimale gehende Arbeitsteilung ein, so daß der einzelne Arbeiter
jahraus, jahrein dieselben Funktionen zu erfüllen hatte, bis er
sie automatisch und immer schneller verrichtete. Er hatte seine
Spezialisten, die die Kolonnen schulten und drillten, bis sie
_Rekorde_ schufen (z. B. im Abladen eines Waggons) und diese Rekorde
wurden als _normale_ Arbeitsleistung gefordert. Eine verlorne Sekunde
war _nie_ mehr einzuholen, _nie_ mehr, und kostete ein Vermögen an
Zeit und Geld. Wenn ein Mann in der Minute nur eine Sekunde verlor, so
machte das bei einem Heer von 180000 Mann, wovon ununterbrochen 60000
tätig waren, an einem Arbeitstag 24000 Arbeitsstunden! Von Jahr zu Jahr
hatte Allan die Arbeitsleistung um fünf Prozent zu steigern vermocht.
Trotz alledem ging es zu langsam!
Besonders der Vortrieb machte Allan große Sorgen. Es war absolut
unmöglich, mehr Menschen in die letzten fünfhundert Meter zu werfen,
wenn sie sich nicht gegenseitig die Kniescheiben einrennen sollten.
Er experimentierte mit den verschiedensten Sprengstoffen, bis er ein
Mittel fand -- »Tunnel 8« --, das den Berg in ziemlich gleichmäßige,
leicht wegzuräumende Blöcke zerriß. Er hörte stundenlang die Vorträge
seiner Ingenieure an; ohne je zu ermüden, diskutierte er ihre
Vorschläge, prüfte, erprobte.
Unerwartet, wie aus dem Meer gestiegen, erschien er auf den Bermudas.
Schlosser flog. Er wurde in die Konstruktionsbureaus nach Mac City
gesandt. Ein junger, kaum dreißigjähriger Engländer namens John Farbey
trat an seine Stelle. Allan rief die Ingenieure, die schon atemlos
waren von dem jetzigen Arbeitstempo, zusammen und erklärte ihnen, daß
sie ihre Arbeit um ein Viertel beschleunigen müßten. Müßten! Denn er,
Allan, müsse seinen Termin einhalten. Wie sie das täten, sei ihre
Sache ...
Unerwartet erschien er auf den Azoren. Es war ihm gelungen, für diese
Baustelle einen Deutschen, Michael Müller, zu gewinnen, der einige
Jahre eine leitende Stelle beim Bau des Kanaltunnels eingenommen hatte.
Müller wog zwei Zentner fünfzig Pfund und war allgemein unter dem
Namen »der fette Müller« bekannt. Er war beliebt bei seinen Leuten --
zum Teil lediglich dank seiner Fettleibigkeit, die Anlaß zur Komik
gab -- und ein unermüdlicher Arbeiter! Müller drang gegenwärtig mit
seinen Stollen sogar rascher vor als Allan und Harriman in New Jersey.
Müller, dieser ewig lachende, rasselnde Fettberg, wurde förmlich vom
Glück verfolgt. Seine Baustelle war geologisch die interessanteste
und produktivste und bewies zur Genüge, daß diese Teile des Ozeans in
früheren Perioden trocken lagen. Er war auf mächtige Kalilager gestoßen
und auf Eisenerze. Die Pittsburg-Smelting and Refining Company, die
seinerzeit das Verhüttungsrecht für alle geförderten Materialien
erworben hatte, verdankte seinem Glück, daß ihre Papiere um 60 Prozent
gestiegen waren. Die Förderung kostete sie dabei keinen Cent, ihre
Ingenieure hatten lediglich die betreffenden Waggons zu bezeichnen und
sie wurden ausrangiert. Und täglich, stündlich bebte sie vor Aufregung,
es könnten ihr unerhörte Schätze in den Schoß fallen. In den letzten
Monaten war Müller auf ein Kohlenflöz von fünf Meter Mächtigkeit
gestoßen, »prächtige Kohle«, wie er sagte. Das aber war nicht alles.
Dieses Flöz lag ausgerechnet in der Achse der Stollen und hatte kein
Ende. Müller schoß durch den Berg. Sein einziger Feind, sein Erzfeind,
war das Wasser. Seine Stollen lagen nun achthundert Meter tief unter
dem Meeresboden und doch troffen sie von Wasser. Müller hatte eine
Batterie von Mammut-Kreiselpumpen stehen, die unaufhörlich einen
_Strom_ schmutzigen Wassers ins Meer preßten.
Allan erschien in Finisterra und Biscaya und erklärte hier wie auf
den Bermudas, daß er seinen Termin einhalten müsse und beschleunigte
Arbeit fordere. Den Chefingenieur der französischen Baustelle,
Monsieur Gaillard, einen weißhaarigen, eleganten Franzosen von großen
Fähigkeiten, sägte er ab und ersetzte ihn durch einen Amerikaner,
Stephan Olin-Mühlenberg, ohne sich um das Geschrei in der französischen
Presse zu kümmern.
Wie aus dem Boden gewachsen, erschien Allan in den einzelnen
Kraftstationen, und es entging ihm nichts, nicht das geringste, und
die Ingenieure atmeten auf, wenn er wieder fort war und sie noch ihren
Verstand behalten hatten.
Allan erschien in Paris und die Zeitungen brachten spaltenlange
Artikel über ihn und zusammengelogene Interviews. Acht Tage später
wurde bekannt, daß eine französische Gesellschaft die Konzession
erhalten habe, eine Schnellbahn Paris-Biscaya zu bauen, so daß also
die Tunnelzüge direkt bis Paris laufen konnten. Gleichzeitig wurden
alle großen europäischen Städte mit Plakaten überschwemmt, die eine
von Hobbys Zauberstädten zeigten: die Tunnelstation »Azora«. Hobbys
Feenstadt erregte ein ähnliches ungläubiges Kopfschütteln, eine
ähnliche Begeisterung auf der anderen Seite, wie seinerzeit die
Zauberstadt in Amerika. Hobby hatte wiederum seine Phantasie spielen
lassen. Besondere Verwunderung aber rief eine Skizze in einer Ecke des
Riesenplakats hervor, die den ursprünglichen Bestand an Grund zeigte
und den zukünftigen. Das Syndikat hatte einen Streifen der Insel
San Jorgo erworben, dazu ein paar kleine Inseln und eine Gruppe von
Sandbänken. In wenigen Jahren aber sollte sich der Grund vervierfachen.
Die Inseln waren durch enorme, breite Dämme miteinander verbunden,
die Sandbänke mit dem Hauptkomplex verschmolzen. Man dachte im ersten
Augenblick nicht daran, daß Allan an dieser Baustelle viertausend
Doppelkilometer Gestein (und mehr, wenn er wollte) ins Meer stürzen und
somit recht gut diese merkwürdig geformte große Insel schaffen
konnte ...
Wie in der amerikanischen Phantomstadt gab es in dem zukünftigen
»Azora« einen ungeheuren, herrlichen Hafen mit Dämmen, Molen,
Leuchttürmen, und besonders fiel die zauberhafte Badestadt ins Auge:
Hotels, Terrassen, Parks, ein unübersehbarer Strand.
Die weitaus größte Bewunderung, um nicht zu sagen Bestürzung erregten
aber die vom Tunnel-Syndikat geforderten Bodenpreise. Sie waren für
europäische Verhältnisse exorbitant! Das Syndikat aber hatte seine
Blicke kühl und unbarmherzig auf das europäische Kapital geheftet, wie
die Schlange auf einen Vogel. Es war ja leicht einzusehen, daß Azora
den gesamten Personenverkehr Südamerikas verschlingen würde. Es gehört
auch nicht viel Verstand dazu, um zu begreifen, daß Azora -- von Paris
in vierzehn, von New York in sechzehn Stunden zu erreichen -- der
berühmteste Badeort der Welt werden mußte, das Rendezvous der vornehmen
Welt Englands, Frankreichs und Amerikas.
Und das europäische Kapital kam. Es bildeten sich Ringe von
Terrainspekulanten, die große Gebiete kauften, um sie in zehn Jahren in
Quadratruten zu verschachern.
Aus Paris, London, Liverpool, Berlin, Frankfurt, Wien floß das Geld und
strömte in S. Woolfs große Tasche, in S. Woolfs »big pocket«, die im
Volke sprichwörtlich geworden war.
6.
S. Woolf strich dieses Geld ein, wie er die drei Milliarden des
Kapitals und des Volkes einstrich und die Summen, die Bermuda, Biscaya,
Finisterra und Mac City brachten. Ohne Danke zu sagen. Es hatte
seinerzeit nicht an Warnern gefehlt, die eine Lawine von Bankerotten
prophezeiten, wenn ein solch ungeheurer Strom von Geld einer Seite
zuflute. Diese Prophezeiungen von Finanzdilettanten hatten sich nur zum
allergeringsten Teil erfüllt. Ein paar Industrien waren trocken gelegt
worden, hatten sich aber in kurzer Zeit wieder erholt.
Denn S. Woolfs Geld rostete nicht. Kein Heller rostete! Es begann
augenblicklich wieder den alten Kreislauf, kaum daß es in seine Hände
gelangt war.
Er sandte es um den ganzen Erdball.
Die Springflut von Gold rollte über den Atlantik nach Frankreich,
England, Deutschland, Schweden, Spanien, Italien, die Türkei, Rußland.
Sie übersprang den Ural und rollte hinein in die Wälder Sibiriens, in
die Berge des Baikal. Sie flutete über Südafrika, Kapland, Oranje, über
Australien, Neuseeland. Sie flutete nach Minneapolis, Chikago und St.
Louis, in die Rocky Mountains, nach Nevada, nach Alaska.
S. Woolfs Dollar waren Milliarden rasender kleiner Krieger, die sich
mit dem Geld aller Nationen und aller Rassen schlugen. Sie waren alle
kleine S. Woolfs, mit S. Woolfschem Instinkt bis zum Hals gefüllt,
deren Losung: Money! war. Sie stürzten sich in Heeren durch den
Draht auf dem Grund des Meeres, sie flogen durch die Luft. Sobald
sie aber den Kampfplatz erreicht hatten, verwandelten sie sich! Sie
wurden zu kleinen stählernen Hämmern, die Tag und Nacht prasselten
vor Gier, sie wurden zu flinken Weberschiffchen in Liverpool, sie
rutschten als Hottentotten über die Sandflächen der Diamantfelder
Südafrikas. Sie wurden zu einer Pleuelstange an einer Maschine von
tausend Pferdekräften, zu einem Riesenschenkel aus blankem Stahl, der
vierundzwanzig Stunden jeden Tag wütend den Dampf besiegte und stets
vom Dampf zurückgeschleudert wurde. Sie wurden zu einem Zug voll
Eisenbahnschwellen, der von Omsk nach Peking unterwegs ist, zu einem
Schiffsbauch voller Gerste, von Odessa nach Marseille. Sie stürzten in
Südwales im Förderkorb achthundert Meter in die Tiefe und rasten mit
Kohlen herauf. Sie hockten auf tausend Gebäuden der Welt und wucherten,
sie mähten Getreide in Kanada und standen als Tabakpflanzen in Sumatra.
Sie kämpften! Auf einen Wink Woolfs wandten sie Sumatra den Rücken und
pochten Gold in Nevada. Sie verließen Australien im Fluge und fielen
als ein Schwarm in der Baumwollenbörse Liverpools ein.
S. Woolf gönnte ihnen keine Ruhe. Tag und Nacht hetzte er sie durch
hundert Verwandlungen. Er saß im Sessel seiner Office, kaute Zigarren,
schwitzte, diktierte gleichzeitig ein Dutzend Telegramme und Briefe,
den Telephonhörer am Ohr, nebenbei ein Gespräch mit einem Prokuristen
führend. Er lauschte mit dem rechten Ohr auf die Stimme im Apparat,
mit dem linken auf den Rapport des Beamten. Er sprach mit einer Stimme
zu dem Beamten, schrie mit einer zweiten in das Telephon hinein. Er
übersah mit einem Auge seine Stenographen und Typewriter, ob sie auf
die Fortsetzung warteten, mit dem anderen sah er auf die Uhr. Er
dachte, daß Nelly nun schon zwanzig Minuten auf ihn warte und ein
Gesicht schneiden würde, wenn er so spät zum Diner käme, er dachte
gleichzeitig, daß der Prokurist im Falle Rand Mines ein Idiot sei,
im Falle Garnier frères aber weitsichtig denke, er dachte -- ganz
im Hintergrund seines haarigen, dampfenden Schädels -- an die große
Schlacht, die er morgen an der Wiener Börse schlagen und gewinnen würde.
Jede Woche hatte er über eineinhalb Millionen Dollar flüssig zu machen
für Löhne und an den Quartalen für Zinsen und Abschreibungen Hunderte
von Millionen. An diesen Zeitpunkten kam er tagelang nicht aus seiner
Office heraus. Dann war die Schlacht in vollem Gange und S. Woolf
erkaufte sich den Sieg mit einem großen Verlust an Schweiß und Fett und
Atem.
Er rief seine Armeekorps zurück. Und sie kamen, jeder Dollar ein
kleiner heroischer Sieger, der Beute gemacht hatte, acht Cent oder
zehn, zwanzig Cent. Viele kehrten als Krüppel heim und manche waren auf
der Walstatt gefallen -- das war der Krieg!
Diesen atemlosen, rasenden Kampf focht S. Woolf seit Jahren aus, Tag
und Nacht auf der Witterung nach dem günstigsten Angriff, Überfall
und Rückzug. Stündlich gab er seinen Befehlshabern in fünf Erdteilen
Befehle und stündlich prüfte er ihre Schlachtberichte.
S. Woolf leistete erstklassige Arbeit. Er war ein Geldgenie, er roch
das Geld auf Meilen Abstand. Er hatte ungezählte Millionen Aktien
und Anteilscheine nach Europa geschmuggelt, denn des amerikanischen
Geldes glaubte er sicher zu sein, wenn er seine goldenen Reservearmeen
unter Waffen rufen mußte. Er hatte Prospekte verfaßt, die sich wie
Gedichte Walt Whitmans lasen. Er verstand es wie kein anderer, zur
rechten Zeit das rechte Trinkgeld in die rechte Hand zu drücken. Dank
dieser Taktik machte er in weniger zivilisierten Ländern (wie Rußland,
Persien) Geschäfte, die fünfundzwanzig und vierzig Prozent abwarfen
und die nur im Finanzleben für erlaubt gelten. Bei den jährlichen
Generalversammlungen ging er aufgerichtet durchs Ziel und das Syndikat
hatte im Lauf der Jahre sein Gehalt auf dreihunderttausend Dollar
erhöht. Er war unersetzlich.
S. Woolf arbeitete, daß seine Lungen rasselten. Jedes Blatt Papier, das
er in die Hand nahm, zeigte den fetten Abdruck seines Daumens, trotzdem
er hundertmal am Tage die Hände wusch. Er schied ganze Tonnen Talg aus
und wurde trotzdem immer fetter. Sobald er aber den schweißfeuchten
Kopf unter kaltes Wasser gesteckt, Haare und Bart gebürstet, einen
frischen Kragen umgelegt hatte und die Office verließ, war er ein
würdevoller Gentleman, der nie Eile und Hast verriet. Er bestieg
bedächtig seinen eleganten pechschwarzen Car, dessen silberner Drache
wie das Nebelhorn eines Ozeandampfers brummte und rollte den Broadway
hinab, um den Abend zu genießen.
Das Diner nahm er gewöhnlich bei einer seiner jungen Freundinnen ein.
Er liebte es, gut zu speisen und ein Glas starken, kostbaren Weins dazu
zu trinken.
Jeden Abend um elf erschien er im Klub, um zwei Stunden zu spielen.
Er spielte besonnen, nicht zu hoch und nicht zu niedrig, schweigsam,
zuweilen mit den roten, wulstigen Lippen in seinen schwarzen Bart
plusternd.
Im Klub trank er stets eine Tasse Kaffee, nichts sonst.
S. Woolf war das Muster eines Gentleman.
Er hatte nur ein Laster und er verbarg es sorgfältig vor der Welt.
Das war seine außerordentliche Sinnlichkeit. Seinen dunkeln, tierisch
glänzenden, schwarzbewimperten Augen entging kein schöner Frauenkörper.
Das Blut begann in seinen Ohren zu knacken, sobald er ein junges
hübsches Mädchen mit runden Hüften sah. Er kam jedes Jahr viermal
mindestens nach Paris und London und in beiden Städten hielt er ein
oder zwei hübsche Mädchen aus, denen er luxuriöse Wohnungen mit
spiegelverschalten Alkoven eingerichtet hatte. Er gab einem Dutzend
junger süßer Geschöpfe Sektsoupers, bei denen er im Frack erschien
und die Göttinnen in ihrer schönen schimmernden Haut. Häufig brachte
er von seinen Reisen »Nichten« mit, die er nach New York verpflanzte.
Die Mädchen mußten schön, jung, schwellend und blond sein; besonders
Engländerinnen, Deutschen und Skandinavierinnen gab er den Vorzug.
S. Woolf rächte auf diese Weise den armen Samuel Wolfsohn, den die
Konkurrenz gutgebauter Tennisspieler und großer Monatswechsel vor
Jahren bei allen schönen Frauen aus dem Felde geschlagen hatte. Er
rächte sich an jener hochmütigen blonden Rasse, die ihn früher mit
dem Fuß ins Gesicht trat, indem er jetzt ihre Frauen kaufte. Und er
entschädigte sich vor allem für eine entbehrungsreiche Jugend, die ihm
weder Zeit noch Möglichkeit ließ, seinen Durst zu stillen.
Von jeder Reise brachte er eine Anzahl Siegestrophäen mit, Locken und
Strähnen, vom kühlen silbrigen Blond bis zum heißesten Rot, die er in
einem japanischen Lackschrank in seiner New Yorker Wohnung aufbewahrte.
Aber davon wußte niemand etwas, denn S. Woolf schwieg.
Auch aus einem anderen Grunde liebte er seine trips nach Europa. Er sah
seinen alten Vater, an dem er mit einer sonderbaren Sentimentalität
hing. Zweimal im Jahre kam er auf zwei Tage nach Szentes und Telegramme
flogen vor ihm her. Ganz Szentes war in Aufregung. Der große Sohn des
alten Wolfsohn! Der Glückliche! Dieser Kopf! Er kam.
S. Woolf hatte seinem Vater ein hübsches Haus gebaut und einen schönen
Garten anlegen lassen. Fast wie eine Villa. Musikanten kamen und
fiedelten und tanzten, während ganz Szentes sich gegen das eiserne
Gartengitter drängte.
Der alte Wolfsohn wiegte sich hin und her und wackelte mit dem kleinen,
abgemagerten Kopf und vergoß Freudentränen.
»Groß bist du geworden, mein Sohn! Wer hätt' gedacht! Groß, mein Stolz!
Ich danke Gott jeden Tag!«
S. Woolf aber war ob seines freundlichen Wesens in ganz Szentes
beliebt. Mit hoch und niedrig, jung und alt verkehrte er mit der
gleichen amerikanisch-demokratischen Einfachheit. So groß und so
bescheiden!
Der alte Wolfsohn hatte nur noch einen Wunsch, bevor ihn Gott abrief.
»Ihn möchte ich sehen!« sagte er. »Diesen Herrn Allan! Was für ein
Mann!«
Und S. Woolf entgegnete darauf: »Du wirst! Kommt er wieder nach Wien
oder Berlin, und er kommt, so telegraphiere ich dir. Du gehst ins
Hotel, sagst, du bist mein Vater, er wird sich freuen!«
Der alte Wolfsohn aber streckte die kleinen Greisenhände empor und
schüttelte den Kopf und weinte: »Nie werd' ich ihn sehen, diesen Herrn
Allan. Nie werd' ich es wagen, bei ihm vorzusprechen. Die Füße trügen
mich nicht.«
Der Abschied fiel jedesmal beiden sehr schwer. Der alte Wolfsohn
schlürfte noch ein paar kleine Schritte mit eingeknickten Füßen neben
dem Salonwagen seines Sohnes einher und jammerte laut, und S. Woolf
rannen die Tränen übers Gesicht. Sobald er aber das Fenster geschlossen
und die Augen getrocknet hatte, war er wieder S. Woolf, dessen dunkler
Rabbinerschädel auf keine Frage Antwort gab.
S. Woolf hatte seine Bahn durchmessen. Er war reich, berühmt,
gefürchtet, die Finanzminister großer Reiche empfingen ihn mit Achtung,
er war, von dem bißchen Asthma abgesehen, gesund. Sein Appetit und
seine Verdauung waren vorzüglich und sein Appetit auf Frauen ebenso.
Und doch war er nicht glücklich.
Sein Unglück war, daß er alle Dinge analysieren mußte und daß er
Zeit gehabt hatte nachzudenken, in Pullmancars, in Steamerchairs. Er
hatte an alle Menschen gedacht, denen er im Leben begegnet war und
die sein Gedächtnis kinematographiert hatte. Er hatte diese Menschen
untereinander verglichen und sich selbst mit diesen Menschen. Er war
klug und kritisch. Und er hatte zu seinem nicht geringen Schrecken
herausgefunden, daß er ein _ganz alltäglicher_ Mensch war! Er kannte
den Markt, den Weltmarkt, er war ein Kursbericht, ein Börsentelegraph,
ein Mensch mit Zahlen angefüllt bis unter die Nägel seiner Zehen
-- aber was war er sonst? War er, was sie eine Persönlichkeit
nannten? Nein. Sein Vater, der zweitausend Jahre hinter ihm zurück
war, war trotz allem mehr Persönlichkeit als er. Er aber, er war
Österreicher geworden, Deutscher, Engländer, Amerikaner. Bei all
diesen Verwandlungen hatte er Haut gelassen und nun -- was war er
nun? Ja, der Teufel hätte sagen können, was er nun eigentlich war!
Sein Gedächtnis, dieses abnorme Gedächtnis, das auf Jahre hinaus
mechanisch die Nummer eines Eisenbahnwaggons behielt, in dem er von San
Franzisko nach Chikago gefahren war, dieses Gedächtnis war wie ein ewig
waches Gewissen. Er wußte, woher er diesen Gedanken hatte, den er als
originales Produkt vorführte, diese Art, den Hut zu ziehen, diese Art,
zu sprechen, diese Art, zu lächeln und diese Art, jemanden anzusehen,
der ihn langweilte. Sobald er all dieses erkannt hatte, begriff er,
weshalb sein Instinkt ihn gerade zu jener Pose geführt hatte, die die
sicherste war: Ruhe, Würde, Schweigsamkeit. Und selbst diese Pose war
aus Millionen Elementen zusammengesetzt, die er von anderen Menschen
entlehnt hatte!
Er dachte an Allan, Hobby, Lloyd, Harriman. Sie alle waren Menschen!
Bis auf Lloyd hielt er sie alle für beschränkt, für Leute, die
nur »viereckig« denken konnten, die überhaupt _niemals_ dachten!
Aber trotzdem waren sie Menschen, originelle Menschen, die man --
selbst wenn man es nicht definieren konnte -- als selbständige
Persönlichkeiten empfand! Er dachte an Allans Würde. Worin lag sie?
Wer konnte sagen, weshalb er würdig erschien? Niemand. Seine Macht,
der -- Schrecken, den er einflößte? Worin lag es? Niemand konnte es
sagen. Dieser Allan hatte keine Pose, er war stets natürlich, einfach,
er selbst und er wirkte! Er hatte oft Allans braunes, sommersprossiges
Gesicht beobachtet. Es drückte weder Adel noch Genie aus und doch
konnte er seinen Blick nicht sättigen an der Einfachheit, der Klarheit
dieser Züge. Wenn Allan etwas sagte, nur leichthin, so genügte das
schon. Niemand würde auch nur daran gedacht haben, seine Anordnungen zu
ignorieren.
Nun, S. Woolf war nicht der Mann, der sich Tag und Nacht mit diesen
Dingen beschäftigte. Zuweilen nur gab er sich damit ab, wenn der
Zug durch die Landschaft glitt. Dann aber geriet er stets in eine
unbehagliche und gereizte Verfassung.
Bei diesen Betrachtungen stieß er immer auf einen Punkt: das war sein
Verhältnis zu Allan. Allan achtete ihn, er behandelte ihn zuvorkommend,
kollegial -- aber er behandelte ihn doch nicht wie die anderen, und er,
S. Woolf, bemerkte das wohl.
Er hörte, wie Allan fast alle Ingenieure, Chefingenieure und Beamte
einfach bei ihren Namen rief. Warum aber nannte er ihn stets »Herr
Woolf«, ohne sich je zu versprechen? Aus Respekt? O nein, mein Sohn,
dieser Allan hatte nur vor sich selbst Respekt! So lächerlich es S.
Woolf auch selbst erschien, es war einer seiner intimsten Wünsche,
daß Allan ihn eines Tages auf die Schulter klopfte und sagte: »Hallo,
Woolf, ~how do you do~?« -- Aber er wartete seit Jahren darauf.
Dann wurde es S. Woolf stets klar, daß er Allan _haßte_! Ja, er haßte
ihn -- ohne jeden Grund. Er wünschte, Allans Sicherheit erschüttert
zu sehen, Allans Blick sollte einmal flackern, Allan sollte einmal
abhängig von ihm sein.
S. Woolf war ganz heiße Leidenschaft, wenn er diese Gedanken erwog.
Es war ja auch recht wohl möglich! Es konnte ein Tag kommen, da er,
S. Woolf --! Weshalb sollte es nicht möglich sein, daß seine Stellung
eines Tages einer absoluten Beherrschung des Syndikats gleichkäme?
S. Woolf legte die orientalischen Augendeckel über seine schwarzen,
glänzenden Augen und seine fetten Wangen zitterten.
Das war der kühnste Gedanke, den er in seinem Leben gedacht hatte, und
dieser Gedanke hypnotisierte ihn.
Er brauchte ja nur eine Milliarde Aktien im Rücken zu haben -- und dann
sollte Mac Allan sehen, wer S. Woolf war.
S. Woolf zündete sich eine Zigarre an und träumte seinen ehrgeizigen
Traum.
7.
Edison Bio machte immer noch glänzende Geschäfte mit ihrem wöchentlich
neuen Tunnel-Film.
Sie zeigte die schwarze Wolkenbank, die ewig über dem Materialbahnhof
in Mac City steht. Sie zeigte die unübersehbare Armee von Waggons,
die von tausend qualmenden Lokomotiven aus allen Staaten Amerikas
hierhergeschleppt wurden. Verladebrücken, Drehkrane, Laufkatzen,
Hochbahnkrane. Sie zeigte das »Fegfeuer« und die »Hölle« voll rasender
Menschen, der Phonograph gab gleichzeitig den Lärm wieder, wie er, zwei
Meilen hinter der »Hölle« durch die Stollen tobte. Obwohl durch einen
Dämpfer aufgenommen, war der Lärm so überwältigend und entsetzlich,
daß das Auditorium sich die Ohren zuhielt.
Edison Bio zeigte die ganze Bibel der modernen Arbeit. Und alles mit
einem bestimmten Ziel: dem Tunnel!
Und die Zuschauer, die sich vor zehn Minuten an einem schauerlichen
Melodrama ergötzt hatten, fühlten, daß all die bunten, rauchenden und
dröhnenden Bilder der Arbeit, die die Leinwand zeigte, nichts anderes
waren als Szenen eines weitaus größeren und mächtigeren Dramas, dessen
Held ihre Zeit war.
Edison Bio verkündete das Epos des Eisens, größer und gewaltiger als
alle Epen des Altertums.
Eisengruben in Bilbao, Nordspanien, Gellivara, Grängesberg Schweden.
Eine Hüttenstadt in Ohio, die Luft ein Aschenregen, die Schlöte dicht
wie Lanzen. Flammende Hochöfen in Schweden, Feuerzacken ringsum am
nächtlichen Horizont. Inferno. Ein Eisenhüttenwerk in Westfalen.
Paläste aus Glas, Maschinen, vom Menschen ersonnen, Mammute mit
ihrem zwerghaften Erzeuger und Lenker zur Seite. Eine Gruppe dicker
Teufel, turmhoch, schwelend, die Hochöfen, umschnürt von Eisengürteln,
zuweilen Feuer gegen den Himmel speiend. Die Erzkarren sausen hinauf,
der Ofen wird beschickt. Die Giftgase brausen durch die Bäuche der
dicken Teufel und erhitzen den Wind auf 1000 Grad, so daß Kohle und
Koks von selbst zu glühen beginnen. 300 Tonnen Roheisen schmilzt der
Ofen am Tage. Das Stichloch wird angestochen, ein Bach von Eisen
schießt in die Gießhalle, die Menschen glühen, ihre Totengesichter
blenden. Die Bessemer- und Thomasbirnen, geschwollene Spinnenleiber,
Stockwerke hoch, bald stehend, bald liegend, vom Druck des Wassers
bewegt, Luft durch das Eisen blasend, Feuerschlangen und Funkengarben
weit hinausspeiend. Glut, Hitze, Hölle und Triumph! Die Martinsöfen,
die Rollöfen, die Dampfhämmer, die Walzwerke, Rauch, Funkentänze,
brennende Menschen, jeder Zoll Genie, Sieg. Der Eisenblock glüht und
knistert, läuft über die Walzenstraße zwischen den Walzen hindurch,
streckt sich wie Wachs, wird länger, länger, läuft zurück durch das
letzte Profil und liegt da, heiß und schwitzend, schwarz, besiegt,
fertig: »Krupp, Essen, walzt eine Tunnelschiene.«
Zum Schluß: Ein Stollen in einem Kohlenbergwerk. Ein Pferdekopf, ein
Pferd, ein kleiner Junge in hohen Stiefeln, der daneben hergeht,
ein endloser Zug von Kohlenkarren dahinter. Ewig nickt das Pferd
mit dem Kopf, stapft der Junge, bis er ganz nahe ist und mit seinem
geschwärzten, fahlen Gesicht ins Publikum grinst.
Der Konferencier: »Solch ein Kohlenjunge war Mac Allan, der Erbauer des
Tunnels, vor zwanzig Jahren.«
Ein ungeheurer Jubel bricht los! Der menschlichen Energie und Kraft
jubelt man zu -- sich selbst, seinen eigenen Hoffnungen!
In dreißigtausend Theatern führte Edison Bio die Tunnelfilme täglich
vor. Es gab kein Nest in Sibirien und Peru, wo man die Filme nicht sah.
So war es natürlich, daß all die Höchstkommandierenden des Tunnelbaus
ebenso bekannt wurden wie Allan selbst. Ihre Namen prägten sich dem
Gedächtnis des Volkes ein wie die Namen von Stephenson, Marconi,
Ehrlich, Koch.
Nur Allan selbst hatte noch nicht Zeit gehabt, sich den Tunnelfilm
anzusehen, obgleich die Edison Bio wiederholt versucht hatte, ihn an
den Haaren hineinzuziehen.
Denn die Edison Bio versprach sich einen besonderen Erfolg von dem
Film: »Mac Allan sieht sich selbst im Edison Bio.«
8.
»Wo ist Mac?« fragte Hobby.
Maud hielt im Schaukeln inne.
»Laß sehen! -- In Montreal, Hobby.«
Es ist Abend und sie sitzen beide auf der Veranda im ersten Stock
des Hauses, die auf das Meer hinausgeht. Der Garten liegt schweigend
unter ihnen im Dunkel. Die müde Dünung des Meeres rauscht und zischt
gleichmäßig, und fern braust und klingt die Arbeit. Sie haben vor Tisch
vier Games Tennis geklopft, zu Abend gegessen und nun ruhen sie noch
ein Stündchen aus. Das Haus liegt ganz ruhig und dunkel.
Hobby gähnt müde und klopft sich dabei auf den Mund. Das gleichmäßig
feine Zischen des Meeres schläfert ihn ein.
Maud aber saß und schaukelte sich und ihre Augen waren ganz wach.
Sie betrachtete Hobby. In seiner hellen Kleidung, mit seinen
lichtblonden Haaren, sah er in der Dunkelheit fast weiß aus, und nur
sein Gesicht und sein Schlips waren dunkel. Wie ein Negativ. Maud
lächelte, denn sie erinnerte sich an die Geschichte, die ihr Hobby
beim Essen erzählte -- eine Geschichte von einer der »Nichten« S.
Woolfs, die S. Woolf verklagte, weil er sie auf die Straße setzte. Von
der Geschichte kam sie aber sofort wieder auf Hobby selbst zurück.
Er gefiel ihr. Selbst seine Albernheiten gefielen ihr. Sie waren die
besten Kameraden, hatten keine Geheimnisse vor einander. Zuweilen
wollte er ihr sogar Dinge erzählen, die sie gar nicht wissen wollte
und sie mußte ihn bitten, den Mund zu halten. Hobby und Edith waren so
herzlich und vertraut miteinander wie Vater und Kind. Und oft sah es
aus, als ob Hobby der Herr des Hauses wäre.
»Hobby könnte ebensogut mein Mann sein wie Mac,« dachte Maud und
fühlte, wie sie heiß und rot wurde.
In diesem Augenblick lachte Hobby leise vor sich hin.
»Warum lachst du, Hobby?«
Hobby dehnte sich, daß der Sessel knirschte.
»Ich habe eben gedacht, wie ich die nächsten sieben Wochen leben werde.«
»Hast du wieder verloren?«
»Ja. Wenn ich full hand in der Hand habe, so werde ich doch halten? Ich
habe sechstausend Dollar verpulvert. Vanderstyfft gewinnt, die reichen
Kerle gewinnen immer.«
Maud lachte.
»Du brauchst ja nur ein Wort zu Mac zu sagen.«
»Ja, ja, ja --« erwiderte Hobby und gähnte wieder und klopfte sich auf
den Mund. »So geht es, wenn man ein fool ist!«
Und beide hingen wieder ihren Gedanken nach. Maud hatte einen Trick
ersonnen, wie sie mit dem Schaukelstuhl vorwärts und rückwärts wandern
konnte, während sie schaukelte. Bald war sie einen Schritt näher, bald
einen Schritt ferner. Und immer behielt sie Hobby im Auge.
Ihr Herz war voller Verwirrung, Resignation und Verlangen.
Hobby hatte die Augen geschlossen und Maud fragte plötzlich dicht neben
ihm: »Frank, wie wäre es geworden, wenn ich dich geheiratet hätte?«
Hobby öffnete die Augen und war sofort ganz wach. Mauds Frage hatte ihn
aufgeschreckt und der Klang seines Vornamens, mit dem ihn seit Jahren
niemand mehr angesprochen hatte. Er erschrak, denn Mauds Gesicht war
ganz nahe und doch war sie vor einem Augenblick noch zwei Schritt fern
gewesen. Ihre weichen, kleinen Hände lagen auf der Lehne seines Stuhles.
»Wie kann ich das wissen?« entgegnete er unsicher und versuchte es mit
einem leisen Lachen.
Mauds Augen standen dicht vor ihm. Ein goldener Glanz leuchtete warm
und flehend aus ihrer Tiefe. Ihr Gesicht schimmerte bleich und schmal,
wie vergrämt, aus dem dunkeln Scheitel.
»Warum habe ich dich nicht geheiratet, Frank?«
Hobby holte Atem. »Weil dir Mac besser gefiel,« sagte er nach einer
Weile.