Berta zitterte: »Jawohl! aber man hat mich ausgelacht!«

»Die Ochsen! Was wissen denn die! Raten Sie mal, wer ich bin! Ich bin

Minna!«

»Minna? ... Ach seien Sie mir nicht böse -- aber dadurch weiß ich noch

nichts!«

»Daran sieht man aber, daß Sie den alten Schwarz nicht gut gekannt

haben -- sonst müßten Sie wissen, wer Minna ist! Ich war achtzehn

Jahre Köchin bei ihm! Achtzehn Jahre! Und wissen Sie, was er mir

vermacht hat? Ein Sparkassenbuch mit 3000 Mark!«

»Das ist doch wenigstens was.«

»Haben Sie 'ne Ahnung, was sonst noch in dem Testament steht?! Hier

halt' ich's in der Hand! Das ist die Abschrift!«

Berta flog am ganzen Körper: »Ach bitte! Bitte! Lassen Sie mich's

lesen!«

»Warum auch nicht? Ein Geheimnis ist es nicht! Ganz Berlin wird davon

sprechen! Aber mögen die Leute noch so begeistert sein von dem Mann --

ich, Minna Schramm, ich sage: er war ein Schubjack!«

»Darf ich mir vielleicht erlauben, Sie in ein Café einzuladen? Da

haben wir's ruhig -- da kann ich auch besser lesen ...!«

»Meinetwegen. Ich habe für seinen kranken Magen gesorgt wie 'ne

Mutter, sag' ich Ihnen! Wenn der Mann aus Karlsbad kam, dann hing sein

Leben von mir ab! Und nun steht die eigene Tochter auf der Straße und

bettelt --«

»Ich bettle nicht!«

»Na ja -- ich meine das bloß so! Aber Sie kriegen nichts, und ich

kriege 3000 Mark, und was die Bernhardische ist, die kriegt 300000!«

»Ist es möglich?«

»Jawoll, und die ganze Grunewaldvilla dazu!«

»Das muß doch angefochten werden!«

Sie saßen im Café. Berta konnte jetzt lesen. Aber es schwirrte ihr

vor den Augen. So viel nur verstand sie: der Mann hatte Millionen

hinterlassen. Fünfzehn Aktenseiten umfaßte das Testament. Man konnte

sich kaum in den Papieren und Grundstücken zurechtfinden. Die Erben

lebten in allen Weltteilen. Am größten waren gemeinnützige Institute

und wohltätige Stiftungen bedacht. Rastlos hatte dieser ehrgeizige

Mann an seinem Denkmal gebaut. An zweiter Stelle aber kam Gusti

Bernhardi, seine Freundin. War die nicht illegitim?

Berta saß erschüttert, mit gebeugtem Kopfe da. Sie dachte an ihre

Kinder, an ihren Mann. Wie würde es sein, wenn sie denen jetzt eine

halbe Million nach Hause brächte?

Minna Schramm, die beleidigte Köchin, aß inzwischen auf Bertas Kosten

den Kuchenaufsatz leer. Sie schlürfte Schokolade dazu und sagte: »Ja,

ja -- so ist es auf der Welt. Unsereiner guckt durch die Röhre. Aber

ich nehme mir jetzt einen Rechtsanwalt.«

Frau Rietschel das Kind · 第 87 / 97 题