Berta knallte die Tür hinter sich zu. --

Im Schillertheater sah sie bald darauf das Schauspiel ›Johannisfeuer‹.

Die Seelenkämpfe des Notstandskindes fanden bei ihr stürmische

Empfänglichkeit. Sie wußte nicht mehr, daß sie die kleine Frau

Rietschel aus der Großbeerenstraße war, sondern lebte in den

Liebesschmerzen der opfermutigen Marikke. So kam eine Rührung über

sie, die auch im Schillertheater ungewöhnlich war. Neben Berta saß ein

junger Mann, der recht vornehm, aber kränklich aussah. In der Pause

bemerkte er, daß Berta weinte. Jetzt sagte er, indem sein scharfes und

kantiges Gesicht sich seltsam zusammenzog: »Ja, ja -- auf die Geburt

kommt es an.«

»Ich dachte auch eben: alles, was so düster und unzufrieden in einem

bleibt, das macht doch bloß das Herkommen aus. Marikke muß unschuldig

leiden.«

»Freilich. Es ist eine große Tragik, mutterlos zu sein.«

»Und vaterlos. Was ist eigentlich schlimmer?«

»Es kommt darauf an, gnädige Frau. Jedenfalls ist es von der größten

Bedeutung, daß man sich vollständig klar wird über Vater und Mutter.«

»Wie meinen Sie das?«

»Nein, ich meine -- man erkennt sich selbst erst dadurch. Nur auf

diesem Wege wird es einem möglich, seinen eigenen Charakter zu

verstehen. Kennen Sie Ibsen?«

Frau Rietschel das Kind · 第 67 / 97 题