Er las und zitterte leise: »Jetzt hat er kein Recht mehr auf Sie.«

»Das ist wahr.«

»Was haben Sie vor?«

»Eigentlich -- ein Ende machen. Das ist das einzige, was ich ganz klar

sehe. Ich wäre besser nicht auf der Welt.«

»Baronin ...«

Sie fühlte, daß er ihre Hand ergriff. Da schluchzte sie einmal auf

und lehnte ich in den Sessel zurück. Nach einer Pause hörte sie ihn

weitersprechen: »Baronin -- ich habe auch kein Recht auf Sie. Ein

Mann, wie ich, darf nicht zu einer Frau, wie Sie es sind, aufblicken.

Aber was ich darf, und was ich ~muß~ -- das ist: mich Ihnen

gänzlich zur Verfügung zu stellen. Hierin liegt der einzige Wert, den

ich noch habe. Das Vaterland -- na ja. Man kriegt seine Orden, man

wird Major, aber das sind Surrogate -- das Leben ist es nicht. Ich

stehe allein, ich habe keine Aufgabe mehr. Erlauben Sie mir, daß ich

~Ihnen~ jetzt diene.«

Liese sah ihn mit ihren schönen, feuchten Augen an: »Das ist so lieb

von Ihnen und so ehrenvoll für mich. Aber Sie überschätzen mich, Herr

Hauptmann. Ich glaube es wäre viel richtiger, wenn ich ~Ihnen~

dienen würde ...«

Er saß gebückt: »Wenn ich Sie nicht mißverstehe ... Sie sprechen

eine Hoffnung aus, die mir unglaublich erscheint. Der Begriff, den

~ich~ von der Ehe habe, ist groß. Ich nehme die Ehe heilig. Aber

wie würden Sie denken, wenn Sie erst wirklich wüßten, an wen Sie Ihr

Leben gebunden haben?«

»Das weiß ich schon!«

»Elisabeth! ...« Er fand diesen Namen aus sich selbst. Dann bezwang er

das Schluchzen in seiner Stimme: »Ich habe nur noch schlechte Jahre

vor mir. Der Arzt hat mich aufgeklärt. Ich werde mich immer weniger

bewegen können. Mein Organismus hat zu große Opfer gebracht. Das

~muß~ ich Ihnen sagen. Ich bin anders als Bassenried, Sie werden

es besser bei mir haben -- das steht fest. Aber zur Reue und Untreue

sind wir beide zu schade.«

Liese nahm seine matte, starke Hand und hielt sie fest: »Ich will mich

aber rein baden. Verstehen Sie mich doch. Ich will einem Menschen

endlich was sein. Wenn ich bei Ihnen bereue oder untreu werde, dann

wär' ich ja nicht wert, mit Ihnen zu reden. Die ›gesunden Männer‹

kenn' ich. Jetzt besinn' ich mich drauf, was ein Christenmensch soll.«

Er bückte sich und küßte immer wieder ihre Hand.

Frau Rietschel das Kind · 第 49 / 97 题