Er löste sich ärgerlich: »Was fällt dir denn ein? Jetzt gerade muß ich
auf dem Posten bleiben! Jetzt kommt meine Serie!«
»Wenn du gewonnen hast, benütze doch die Gelegenheit -- mir zuliebe --
wir wollen morgen abreisen -- nach Florenz!«
»Was soll ich in Florenz? Ich bin kein Kunsthistoriker! Ich habe
doch keine --« Er brach ab. Fast hätte er gesagt: Ich habe keine
Hochzeitsreise an die Riviera gemacht, um nicht zu spielen. Liese aber
verstand ihn auch so. -- »Du kümmerst dich nicht mehr um mich«, stieß
sie mit würgenden Tränen hervor. Da sprang er wütend auf: »Sei froh,
wenn ich --!« Er kam nicht weiter -- mit rotem Kopf lief er hinaus. --
Der nächste Tag brachte eine Überraschung: Friedrich, der Diener,
entpuppte sich als Retter. Nachmittags erschien er mit seinem Herrn,
den er wie einen kranken, alten Mann führte. Liese erschrak heftig:
»Was ist denn passiert?« Friedrich winkte mit schlauem Zwinkern ab:
»Nichts, garnichts! Kümmern sich Frau Baronin nicht darum! Dem Herrn
Baron ist das Jeu wieder mal nicht gut bekommen! Das kenn' ich schon,
das kommt so plötzlich! Am besten ist, wir reisen morgen früh und
bleiben noch irgendwo am Vierwaldstätter See, zum Beispiel in Vitznau
-- da ist es ruhig!«
Zum erstenmal war Liese mit Friedrich einverstanden. Beide versorgten
den willenlosen Mann. Friedrich bezahlte die Rechnung. Es wurde Liese
freilich wieder unheimlich, als er seinem Herrn zuvor einen kostbaren
Ring vom Finger zog. Was sollte das bedeuten? Aber der Baron schien
nichts dagegen zu haben.
Das eine wurde Liese klar: ihr Mann hatte schwere Verluste gehabt.
Mit Mühe kam man nach der Schweiz. Aber in Vitznau konnte man ja
sparen, und die böse Erfahrung war gewiß eine gute Lehre für den
unverbesserlichen Spieler. --
Am Vierwaldstätter See fand der Baron sich allmählich zurecht.
Freilich kam er über ein wirres Geschwätz nicht hinaus. Auch trank
er immerfort Kognak. Liese sollte mit ihm trinken, aber sie entzog
sich den Gelagen und ging lieber am abendlichen See spazieren. Als
sie wieder ins Hotel kam, fand sie ihren Mann mit Friedrich. Sie
hatten eben eine Flasche geleert und nannten sich lallend Kameraden.
Da erwachte in Liese plötzlich der Zorn ihres Vaters. Sie jagte den
betrunkenen Diener in seine Kammer.
Seit diesem Abend fühlte sie sich sehr unglücklich. Sie glaubte an
nichts mehr, die Schönheit der Reise war ihr vergällt. »Wir wollen
nach Hause«, sagte sie schließlich. »Hier hab' ich nur Angst.«
Da zeigte der Baron sich zum erstenmal wieder gefügig: »Wie du willst,
liebes Kind. Die Hitze am Vierwaldstätter See ist auch nicht mein
Ideal. Aber wir müssen mindestens noch acht Tage in Frankfurt bleiben,
bevor wir nach Berlin können.«
»Warum denn das? Unser Haus ist doch fertig?«
Ein sonderbares Lächeln kam auf sein Gesicht. -- »Das schon,« sagte er
gedehnt, »aber leider nicht mehr für uns.«
»Was heißt das?«
»Kind, du mußt es ruhig nehmen. Es handelt sich um eine Tatsache, für
Ersatz wird bald gesorgt sein. Ich habe mein Haus in der Hitzigstraße
verkauft. Ich habe es schon verkauft, bevor wir abreisten.«