Liese sah in ihre Tasse: »Nun ja -- solche Praxis.«

»Und was meinen Sie wohl, wie der geheiratet hat? Sie soll 'ne Million

haben -- die einzige Tochter vom Bankdirektor Kroner. Herr Schwarz hat

schon gewußt, wo daß er sich 'reinsetzt.«

»Und was hat er nun davon?« fragte Frau Grunow. »Die Frau soll

häßlich sein wie 'ne Nachteule, und außerdem ist sie immer krank. Du

hast doch selber erzählt, daß sie nie zum Vorschein kommt. Immer liegt

sie im Bette und schluckt Medizin, und wenn sie auch alles hat, was

sie braucht -- für so'n Mann ist sie 'ne Kugel am Bein.«

Liese war blaß und rot geworden -- aber sie beherrschte sich, sie

mußte mehr hören: »Was fehlt denn der Dame?«

»Am Magen hat sie's«, erwiderte Onkel Tübbeke, noch einmal nach dem

Napfkuchen greifend. »So was ist immer eklig. Aber er wird schon

wissen, wo daß er bleibt.«

»Ein Idyll aus der Burschoasie«, sagte Alfons Grunow und erhob sich.

Herr Frosch, dessen Töchterchen eingeschlummert war, stand ebenfalls

auf.

Liese Prutz aber schien das Thema nicht verlassen zu wollen: »Ist Ihr

Rechtsanwalt ein Lebemann, Herr Tübbeke?« fragte sie mit roten Wangen.

Der alte Bureauvorsteher kicherte: »Das will ich meinen! Allerdings --

gesagt hab' ich nichts! Er läßt sich natürlich nichts merken! Wenn man

draußen alles sauber ist -- drinnen mach' der Deibel seine Häufchen!

Sie entschuldigen schon!«

»Unerhört«, flüsterte Fräulein Milchner. »Kaum ein Jahr verheiratet!

Diese Herren ziehen wirklich alle sittlichen Gesetze in den Schmutz

ihrer Gewissenlosigkeit!«

»Ach ja«, sagte Liese Prutz, indem sie die Augen schloß. »Aber es

straft sich von selber.«

Sie blickte auf ihr Kind -- dann nahm sie Abschied. Nun fühlte sie

sich mit Frau Grunow und den Ihrigen eng verknüpft. Sie versprach,

bald wiederzukommen. Rasch ging sie durch den kühlen Regenabend nach

Hause. Erschrocken spürte sie, daß sie ihre eben gewonnene Ruhe

wieder verloren hatte. Das Schicksal wollte es -- sie sollte mit dem

Verderber in Berührung bleiben. Gleichgültig war er ihr noch immer

nicht.

Mit heißen Wangen trat Liese bei Guido Müffel ein. Ihr Chef machte

ein sehr unglückliches Gesicht, denn es waren schon mehrere Gäste

anwesend, und er mußte persönlich am Büfett bedienen. Aber er zürnte

der Unpünktlichen nicht -- er war nur froh, daß sie endlich da war.

Doch Liese blieb blaß und zerstreut -- als man wieder gutmütige

Anspielungen auf ihren neuen Hut machte, der auch aus dem »Fond«

stammte, verstand sie es nicht und ärgerte sich.

Frau Rietschel das Kind · 第 30 / 97 题