XIV.

Gabe ist, was Licht und Leben,

Gnade ist, was Frieden gab!

Sollen Engel niederschweben,

Du kannst nicht die Leiter heben,

Engel senken sie herab.

Mander würde vielleicht die Liebenden aufmerksamer beobachtet und so

bald die Pflicht des Vaters erkannt haben, ein Verhältnis, das bei dem

gänzlichen Mangel an Uebereinstimmung in den Wünschen und Hoffnungen

für's Leben unmöglich glücklich enden konnte, bei Zeiten zu lösen, wenn

er nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre. Er mochte

keinen Versuch mehr wagen, aus sich selbst heraus die Himmelsleiter zu

erbauen, und doch scheute sein Geist vor dem Gedanken zurück, daß Gott

sie in seiner Barmherzigkeit und Liebe längst herabgelassen habe.

»Wie mögen Sie doch nur annehmen,« sagte er in seinen Unterredungen mit

dem Pastor über die Offenbarung, »daß Gott, der mehr Welten regiert, als

das Alter der Erde Sekunden zählt, als der Ocean Tropfen, als die Wüste

Staubkörner hat, daß dieser Gott so große Dinge thun sollte, um dieses

winzigen Menschengeschlechts willen, dessen mächtigste Geister, von

bloßen Gewalthabern gar nicht einmal zu reden, wie Mücken sind, die im

Sonnenstrahl spielen?«

»Und dessen große und kleine Geister doch meinen,« sprach Hold, »sich

den Gott, den sie anzubeten berufen sind, auf das weiße Blatt ihres

Weltsystems hinsetzen zu können wie einen Tintenfleck, den man mit dem

Löschpapier auftrocknet, um darüber hinzuschreiben!«

»Lassen wir Das!« fiel ihm Mander in die Rede. »Ich merke wohl, hier auf

dieser flachen Scholle, den Himmel so weit über sich, das Meer so weit

um sich, fast ohne einen Gegenstand, der an kleinliche Menschenarbeit

erinnert, weitet sich das Herz, und die Gedanken wollen sich nicht mehr

zügeln und gängeln lassen in Begriffen und Schlüssen, sondern schweifen

frei in die Unendlichkeit aus, als wären sie einem Kerker entflohen. Als

ich gestern Abend auf dem Taufstein am alten Kirchhof saß und nur Meer

und Sternenhimmel sah, da kam ich mir vor, als schwimme auch ich im

Weltocean, selbst eine kleine Welt, bewegt von Gottes Odem, getragen von

Gottes Macht, verklärt von Gottes Geist, friedlich und selig, wie die

andern Sterne, feiernd wie sie den Schöpfer, Erhalter und Regierer. Und

es ist mir noch jetzt, als könnte ich, seit ich einmal so reich war, nie

wieder in der Zukunft so arm werden an Glauben und Glaubensfreudigkeit,

wie ich früher es gewesen.«

»Nun,« sprach Hold wie segnend, »so möge denn Ihnen immerdar leuchten

der Morgenstern, der aufgegangen ist in Ihrem Herzen. Muß es denn nicht

ein liebevoller Gott sein, der solche Stunden dem Menschen giebt?

Sollten wir leugnen, daß in solcher Feier Gottes Sprache ist, dies

leugnen, weil unsere Sprache keine Worte hat, sie nachzustammeln? Aber

sie fragten, wie Gott für das winzige Menschengeschlecht so große Dinge

thun sollte, sich ihm zu offenbaren in Seiner Herrlichkeit, und ihm

Licht zu bringen in der Finsterniß, Frieden in der Zwietracht, auf eine

solche Weise, wie das Evangelium von Christo aussagt. Ich gehe noch

weiter. Nicht allein ein winziges, schwaches, ohnmächtiges,

vergängliches Geschlecht nenne ich die Menschen, sondern auch ein durch

Selbstverschuldung verblendetes und sündiges. Es ist Keiner, auch nicht

Einer, der vor Gott gerecht erfunden wäre. Es ist der Spiegel unseres

Herzens befleckt mit unheiligem Wesen, und unser Wandel Trägheit zu

allem Guten und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz. Jeder Gedanke an Gott,

den heiligen und gerechten Richter der Lebendigen und der Toten, muß

eine Beichte sein und ein Flehen um Gnade, wodurch auch der leiseste

Vorbehalt von eigenem Verdienst und eigener Gerechtigkeit hinweggenommen

wird, wie Gottes Sonnenstrahl den Regentropfen wegnimmt, der auf einem

Grabstein liegt. Doch nicht um dies winzige Geschlecht allein auf einem

Staubkorn Seiner Welt, auch um dies durch eigne Schuld verderbte und

täglich neue Schuld häufende Geschlecht hat Gott so große Dinge gethan;

denn das ist Seine Liebe. Und wäre auf diesem Erdboden auch nur eine

Seele unter allen Millionen gewesen, empfänglich für Seine Segnungen und

Verheißungen, für diese eine Seele würde Er Himmel und Erde bewegt haben

in ihren Axen, diese Eine an Sein Vaterherz zu ziehen; denn das ist

Seine Liebe! Und wäre diese eine Seele siebenmal siebzigmal wieder

zurückgefallen in ihre Finsternis und ihr Verderben, Er würde siebenmal

siebzigmal Himmel und Erde bewegt haben in ihren Axen, diese Eine wieder

heimzuführen in das Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des

Friedens; denn das ist Seine Liebe! Wir reden von Seiner Allmacht und

Weisheit, die die Unermeßlichkeit füllen mit ihren Zeugnissen; wir sehen

den kleinsten Wurm im Staube so fein und künstlich gebildet und sein

gedacht, wie des Seraphs, dessen Hallelujah durch die Himmel rauschet;

und Gottes Liebe sollte nicht eben so vollkommen sein, wie alle Seine

andern Eigenschaften? Sie sollte eine Begrenzung, Beschränkung, einen

Rückhalt kennen, wovon Seine Allmacht und Seine Weisheit nichts weiß? Es

kann und darf nie gefragt werden, sollte Gott je so gnädig und

barmherzig sein wollen, wie das Evangelium Ihn verkündet in der Lehre

vom Versöhner? Denn das ist eine Frage, die ihm eine Vollkommenheit

abspricht; eine Vollkommenheit gerade im Herrlichsten, was Himmel und

Erde kennen, in der Liebe. Es ist nur eine Frage: thut es dem Menschen

not zu seiner rechten Heiligung im Geiste des Gemüts, zu seinem Frieden

im Leben und im Sterben, daß sich Gott ihm offenbare als Weg, Wahrheit

und Leben, als Heiland, Versöhner, Erlöser, Friedensfürst? Muß sich der

Mensch diese Frage mit >Ja< beantworten, wenn er aufrichtig prüfet sein

Wissen, sein Wesen und seinen Wandel, wenn er es gelernt hat, Halbheit

und Lauheit im Denken, Wollen und Thun zu verschmähen und zu verachten,

dann kann er mit kühner Hand in die Wolken greifen, dann kann er freudig

miteinstimmen: »also hat Gott die Welt geliebt!« Dann darf er nicht

weiter fragen: wie mag solches zugehen? Denn wie alles Wesen über des

Menschen Wissen und Verstehen ist, wie sollte denn nicht auch die Liebe

Gottes über sein Wissen und Verstehen sein?«

»Sie haben einen Glauben, der im Stande wäre, Berge zu versetzen!« sagte

Mander tief bewegt.

»Ich wollte, ich hätte ihn,« erwiderte Hold, »dann würden wir bald eines

Glaubens sein.«

»Ich möchte fragen, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben erbe?«

sprach Mander mehr in sich hinein, als zu Hold gewandt.

»Fragen Sie die Schrift, die von Christo zeuget. Lassen Sie vor Allem

erst Ihr Nachdenken weilen beim Gesetze. Prüfen Sie all' Ihr Wesen und

Thun mit unerbittlicher Strenge an den Geboten Gottes und an dem

Vorbilde des Herrn. Machen Sie keine Sünde zur Schwachheit, keine

Unlauterkeit zur Natur des Staubes, keine Versuchung zu einer

unüberwindlichen Macht, keine Vergleichung mit Andern zur Entschuldigung

für sich. Malen Sie sich keine Liebe Gottes aus, die nachsichtig,

begütigend, vergeßlich ist, wie die kränkelnde Liebe der Menschen,

sondern eine Liebe die mit der strengsten Gerechtigkeit Hand in Hand

gehet; auf daß der Wetterstrahl des Gerichtes Sie durchleuchte und

durchflamme, auf daß Sie hingeschmettert werden in den Staub und Ihre

vermeinte Tugend und Ehrbarkeit, wie Splitter und Spreu, von Ihnen

fliege; auf daß Sie zittern und zagen lernen vor Dem, der Rechenschaft

fordert auch von jeglichem unnützen Worte, das aus unserm Mund gegangen

ist; und Ihre Seele, so wenig sie auch noch jetzt glauben mag, daß es

dahin mit ihr kommen könne, zu kommen brauche, in Reu und Leid zage

unter dem Licht und Gericht des göttlichen Gesetzes. Nur durch

Traurigkeit zur Freude! Nur durch's Gericht zur Gnade! Nur durch

Zwietracht zum Frieden! Nur durch Tod zum Leben! Nur die Niedrigen

werden erhöht und die Demütigen angenommen! So lange wir uns vor Gott

noch dünken, Etwas zu sein, sind wir Nichts. Hineinpredigen aber läßt

sich solche schmerzensreiche Buße nicht. Die muß von Oben kommen, als

Liebesgabe und göttliche Gnade. Nur raten kann mein Wort dazu; nur an

dem Bollwerk rütteln, das hindert; nur leise rütteln an des Herzens

Thoren, daß ihre Angeln leichter sich umwenden, wenn der Herr kommt zum

Gericht! Gehen Sie in eine einsame Stunde und treten Sie Ihren

Dornenpfad an.«

»Sind Sie auf demselben Dornenpfade zur Glaubensfreudigkeit gekommen?«

fragte Mander leise.

»Ich gehe diesen Weg noch täglich und bin doch froh und selig im Herrn!«

erwiderte Hold.

»Das ist wunderbar!«

»Nicht so wunderbar wie der Bund der göttlichen, versöhnenden Liebe und

der strengrichterlichen Gerechtigkeit mit einander. Nicht so wunderbar,

wie Christi Zagen vor dem Kreuze und doch Hingebung an's Kreuz. Darüber

aber gebe ich Ihnen keine Erklärung, bis Sie in die Stunde gekommen

sind, die ich zuerst von Ihnen fordern muß, die Gott von Ihnen fordert,

weil Er Sie derselben so nahe gebracht hat; wenn Sie dann noch nach

einer Erklärung fragen sollten.«

Es war aber keineswegs so leicht, Mander auf den Dornenweg zu bringen,

wo seine Selbstzufriedenheit bluten sollte. Mancher Abend ging noch in

lebhaften Unterredungen hin, in welchen Hold vorzüglich Mander's

erwachende Neigung bekämpfte, sich eine Art von philosophischem

Christentum zu construiren.

»Sind aber nicht alle Materialien dazu gegeben, in der Schrift, wie in

den sonstigen Zeugnissen Gottes?« verteidigte sich Mander.

»Materialien für Sie übergenug,« entgegnete Hold; »aber der Mörtel fehlt

noch, das Herzblut, das die Reue erpreßte, und die Thränenflut, welche

die Sehnsucht nach einem Frieden, wie ihn die Welt und die Weltweisheit

nicht geben kann, aufquellen ließ. Sie sind in Gefahr, in der Halbheit

zu bleiben, weil Sie anfangen, die Baustücke an einander zu passen, ehe

das Gebäude in seiner Höhe und Tiefe, in seiner Länge und Breite vor

Ihrer Seele steht.«

»Es möchte aber der Weg zum Glauben nicht für Alle derselbe sein,«

meinte Mander.

»Ohne die Demut kommt Keiner in diesen Weg hinein; und ohne die tiefe,

durchdringende, ja zermalmende Erkenntnis der Sündhaftigkeit vor Gott,

ohne das laute, aufrichtige, in Reu' und Leid ringende Bekenntnis

derselben ist keine Rückkehr für den, der, wie Sie, in den Irrpfaden der

geistigen Selbstanbetung sich erging. Daß Sie jetzt schon Baumeister

sein wollen, ehe Sie selbst wahrhaft erbauet sind, oder jedenfalls noch

in der ersten Frühlingslust der beseligenden Erbauung leben sollten,

scheint mir anzudeuten, daß Sie noch unter der Knechtschaft Ihres

eigenen Geistes gefangen und nicht durchgedrungen sind zur Freiheit der

Kinder Gottes, deren Glaube keine dorische oder korinthische

Säulenordnung, sondern eine kühn aufstrebende Säule ist, deren fester

Fuß in den Tiefen des Herzens steht und deren Spitze der Regenbogen der

Verheißung kränzt.«

»Eine sichere Begründung,« warf Mander ein, »kann dem Glauben nicht

schaden, ja ihn allein der Vernunft annehmbar machen, daß sie mitstimme

mit dem Herzen, das seiner bedarf.«

»>Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht des, was man hoffet, und nicht

zweifelt an dem, was man nicht siehet<, sagt schon der Apostel,« war

Hold's Antwort. »Unter diesem >was man nicht siehet< ist doch auch wohl

das Nichtsehen der Vernunft durch Begriffe und Schlüsse mitverstanden;

denn was sie so sich zusammenkettet, Glied an Glied, das _sieht_ sie,

das hört auf Gegenstand der Hoffnung und des Glaubens zu sein; es wird

Gegenstand des Wissens und bleibt Stückwerk, wie all' unser Wissen

Stückwerk ist. Der Glaube aber ist ein Ganzes, Volles, Vollkommenes, ein

Tag ohne Wolken, ein Kleinod, des wir uns freuen ohne Diebe und Räuber

zu fürchten. Er ist kein Raub, sondern eine Gabe. Wir schaffen ihn

nicht, sondern er schafft uns. Er ist nicht unser, sondern wir sind

sein. Wir kommen nicht zu ihm dadurch, daß wir ihn in unser Gebiet

hereinziehen, sondern dadurch, daß wir aus unserm Gebiet heraustreten

und in sein Gebiet eingehen. Darum bauen Sie vergeblich an einem

Fachwerk; es bleibt ein Gerüst, durch dessen Sparren jeglicher Wind

weht, und worin der Geist Gottes nie heimatlich wird.«

»Thun denn aber die gelehrten Theologen etwas Anderes, als was ich

versuche?«

»Leider thun sie oft nichts Anderes. Aber da geht es denn auch Vielen

ihrer Zuhörer, wie es mir ging,« erwiderte Hold, und nahm vom Bücherbord

ein Heft aus seiner Studentenzeit, auf dessen letzter Seite sich

folgender »Epilog zur Dogmatik« fand:

So hat denn alle Wissenschaft gelogen!

Vom blinden Wahne sollt' der Geist gesunden;

Und nun ist jeder lichte Blick verschwunden,

Und um den Frieden ist das Herz betrogen.

Ich seh' mich auf ein Meer hinausgezogen,

Wo keine Nadel mag den Pfad erkunden,

Wo nie ein Blei den Ankergrund gefunden,

Wo alle Winde weh'n auf irren Wogen.

_Der_ Lootse winkt zur Rechten, der zur Linken:

»Sieh, wie Dir dort der Heimat Sterne blinken!«

»Nein, folge mir, da dräut ein Felsenriff!«

Der Dritte nickt ein Ja zu beiden Seiten;

Ein Vierter fängt mit Allen an zu streiten;

Und unterdessen sinkt das lecke Schiff.

Doch halt! Was will der Mann mit Kennermienen?

Mein Sohn, Du sogst die rechte Weisheit ein.

»Laß nun Dein Pfund dem blinden Volke dienen.«

Er spricht's, und ich -- soll Seelenhirte sein!

»Es mag schlimm genug sein,« sagte Mander, »Führer sein zu sollen, wenn

man noch selbst ungewiß auf dem Kreuzwege steht. Aber daß man sich erst

die Leiter zurecht stellt und Stufe auf Stufe prüft, ist doch klüger,

als wenn man sich vornimmt, erst auf der höchsten Staffel sich nach dem

sichern Stande und der Haltbarkeit der Stufen umzusehen.«

»Ach! zu solchem Vornehmen,« entgegnete Hold, »läßt es der Glaube gar

nicht kommen. Er bedarf keiner Leiter. Er ist ein Adler, den seine

Schwingen sogleich über die Wolken hinauftragen. Er _wird_ nicht,

sondern er _ist_. Er macht sich nicht allmälig, sondern steht da in

seiner Herrlichkeit. Ein schwacher, lauer und halber Glaube ist ein

Unding. Wohl mag er auf Zeiten, in Stunden der Prüfung oder vor den

Anläufen des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste zurückweichen;

aber eine Mischung, Zersetzung und Teilung kennt er nicht. Er ist Alles

oder Nichts; ganz oder gar nicht. Nur im Wissen, Wollen und Thun giebt

es Halbheit, nicht im Glauben. Er kann nur beseligen oder verdammen,

nicht ein wenig trösten, ein bischen erheben, ein wenig schrecken, ein

bischen zittern machen. Er kämpft nicht, sondern er siegt nur. Er

schreitet daher in seiner Kraft und erfüllet mit seiner Fülle das Herz;

schmettert es nieder in den Abgrund und trägt es aus dem Abgrunde mit

Jauchzen empor zu den himmlischen Höhen. Von diesen Höhen herab mögen

wir den Glaubensweg erkunden, nicht von unten auf; nur mit dem Senkblei,

nicht mit dem Fernrohr.«

Mander war oft in Versuchung, den Pastor der Einseitigkeit und

Beschränktheit zu zeihen. Oft wieder war er in schmerzlichem Ringen nach

Zuversicht der demütigste und gelehrigste Jünger. Dann aber klagte er

über Dunkelheit in Hold's Ausdrücken; wogegen dieser bemerkte:

»Das Wort ist Same und nicht mehr und minder. Im Samen liegt aber der

Keim verborgen unter der Hülle und wartet auf Sonnenstrahl und Tau von

Oben her, um die Hülle zu durchbrechen und Blüte und Frucht zu werden.«

Bald klagte er über die Dunkelheit der Offenbarungen Gottes. Hold

erinnerte ihn:

»Die Fackel für die mancherlei Wege der göttlichen Offenbarungen ist die

eine Offenbarung der heilsamen Gnade Gottes in Christo. Ist diese

aufgegangen dem Herzen in ihrem vollen Glanze, so fließt ihr Lichtstrom

über die ganze dunkle Gegend aus, und Alles wird hell! Nur Licht giebt

Licht. Unser blöder Verstand mag uns wohl dazu führen, daß wir die

Wahrheit nicht bei ihm erwarten. Unsere Sündhaftigkeit kann uns wohl die

Sehnsucht wecken nach der Gnade Gottes; aber was Wahrheit ist, lernen

wir erst durch die Wahrheit, und die Erlösung kennen wir erst durch die

Erlösung. Sie aber ringen nach Beiden, als hätten sie schon das Wesen

derselben erforscht und ihre Kraft erfahren. Daß dies aber nicht der

Fall ist, zeigt Ihr Kampf mit einzelnen Dunkelheiten: denn Schatten

weisen weg vom Licht und sind keine Wegweiser zum Lichte, wofür Sie sie

nehmen, da Sie sich so lange bei ihnen aufhalten.«

Die Hallig: Die Schiffbrüchigen auf dem Eiland in der Nordsee · 第 19 / 33 题