Gabe ist, was Licht und Leben,
Gnade ist, was Frieden gab!
Sollen Engel niederschweben,
Du kannst nicht die Leiter heben,
Engel senken sie herab.
Mander würde vielleicht die Liebenden aufmerksamer beobachtet und so
bald die Pflicht des Vaters erkannt haben, ein Verhältnis, das bei dem
gänzlichen Mangel an Uebereinstimmung in den Wünschen und Hoffnungen
für's Leben unmöglich glücklich enden konnte, bei Zeiten zu lösen, wenn
er nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre. Er mochte
keinen Versuch mehr wagen, aus sich selbst heraus die Himmelsleiter zu
erbauen, und doch scheute sein Geist vor dem Gedanken zurück, daß Gott
sie in seiner Barmherzigkeit und Liebe längst herabgelassen habe.
»Wie mögen Sie doch nur annehmen,« sagte er in seinen Unterredungen mit
dem Pastor über die Offenbarung, »daß Gott, der mehr Welten regiert, als
das Alter der Erde Sekunden zählt, als der Ocean Tropfen, als die Wüste
Staubkörner hat, daß dieser Gott so große Dinge thun sollte, um dieses
winzigen Menschengeschlechts willen, dessen mächtigste Geister, von
bloßen Gewalthabern gar nicht einmal zu reden, wie Mücken sind, die im
Sonnenstrahl spielen?«
»Und dessen große und kleine Geister doch meinen,« sprach Hold, »sich
den Gott, den sie anzubeten berufen sind, auf das weiße Blatt ihres
Weltsystems hinsetzen zu können wie einen Tintenfleck, den man mit dem
Löschpapier auftrocknet, um darüber hinzuschreiben!«
»Lassen wir Das!« fiel ihm Mander in die Rede. »Ich merke wohl, hier auf
dieser flachen Scholle, den Himmel so weit über sich, das Meer so weit
um sich, fast ohne einen Gegenstand, der an kleinliche Menschenarbeit
erinnert, weitet sich das Herz, und die Gedanken wollen sich nicht mehr
zügeln und gängeln lassen in Begriffen und Schlüssen, sondern schweifen
frei in die Unendlichkeit aus, als wären sie einem Kerker entflohen. Als
ich gestern Abend auf dem Taufstein am alten Kirchhof saß und nur Meer
und Sternenhimmel sah, da kam ich mir vor, als schwimme auch ich im
Weltocean, selbst eine kleine Welt, bewegt von Gottes Odem, getragen von
Gottes Macht, verklärt von Gottes Geist, friedlich und selig, wie die
andern Sterne, feiernd wie sie den Schöpfer, Erhalter und Regierer. Und
es ist mir noch jetzt, als könnte ich, seit ich einmal so reich war, nie
wieder in der Zukunft so arm werden an Glauben und Glaubensfreudigkeit,
wie ich früher es gewesen.«
»Nun,« sprach Hold wie segnend, »so möge denn Ihnen immerdar leuchten
der Morgenstern, der aufgegangen ist in Ihrem Herzen. Muß es denn nicht
ein liebevoller Gott sein, der solche Stunden dem Menschen giebt?
Sollten wir leugnen, daß in solcher Feier Gottes Sprache ist, dies
leugnen, weil unsere Sprache keine Worte hat, sie nachzustammeln? Aber
sie fragten, wie Gott für das winzige Menschengeschlecht so große Dinge
thun sollte, sich ihm zu offenbaren in Seiner Herrlichkeit, und ihm
Licht zu bringen in der Finsterniß, Frieden in der Zwietracht, auf eine
solche Weise, wie das Evangelium von Christo aussagt. Ich gehe noch
weiter. Nicht allein ein winziges, schwaches, ohnmächtiges,
vergängliches Geschlecht nenne ich die Menschen, sondern auch ein durch
Selbstverschuldung verblendetes und sündiges. Es ist Keiner, auch nicht
Einer, der vor Gott gerecht erfunden wäre. Es ist der Spiegel unseres
Herzens befleckt mit unheiligem Wesen, und unser Wandel Trägheit zu
allem Guten und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz. Jeder Gedanke an Gott,
den heiligen und gerechten Richter der Lebendigen und der Toten, muß
eine Beichte sein und ein Flehen um Gnade, wodurch auch der leiseste
Vorbehalt von eigenem Verdienst und eigener Gerechtigkeit hinweggenommen
wird, wie Gottes Sonnenstrahl den Regentropfen wegnimmt, der auf einem
Grabstein liegt. Doch nicht um dies winzige Geschlecht allein auf einem
Staubkorn Seiner Welt, auch um dies durch eigne Schuld verderbte und
täglich neue Schuld häufende Geschlecht hat Gott so große Dinge gethan;
denn das ist Seine Liebe. Und wäre auf diesem Erdboden auch nur eine
Seele unter allen Millionen gewesen, empfänglich für Seine Segnungen und
Verheißungen, für diese eine Seele würde Er Himmel und Erde bewegt haben
in ihren Axen, diese Eine an Sein Vaterherz zu ziehen; denn das ist
Seine Liebe! Und wäre diese eine Seele siebenmal siebzigmal wieder
zurückgefallen in ihre Finsternis und ihr Verderben, Er würde siebenmal
siebzigmal Himmel und Erde bewegt haben in ihren Axen, diese Eine wieder
heimzuführen in das Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des
Friedens; denn das ist Seine Liebe! Wir reden von Seiner Allmacht und
Weisheit, die die Unermeßlichkeit füllen mit ihren Zeugnissen; wir sehen
den kleinsten Wurm im Staube so fein und künstlich gebildet und sein
gedacht, wie des Seraphs, dessen Hallelujah durch die Himmel rauschet;
und Gottes Liebe sollte nicht eben so vollkommen sein, wie alle Seine
andern Eigenschaften? Sie sollte eine Begrenzung, Beschränkung, einen
Rückhalt kennen, wovon Seine Allmacht und Seine Weisheit nichts weiß? Es
kann und darf nie gefragt werden, sollte Gott je so gnädig und
barmherzig sein wollen, wie das Evangelium Ihn verkündet in der Lehre
vom Versöhner? Denn das ist eine Frage, die ihm eine Vollkommenheit
abspricht; eine Vollkommenheit gerade im Herrlichsten, was Himmel und
Erde kennen, in der Liebe. Es ist nur eine Frage: thut es dem Menschen
not zu seiner rechten Heiligung im Geiste des Gemüts, zu seinem Frieden
im Leben und im Sterben, daß sich Gott ihm offenbare als Weg, Wahrheit
und Leben, als Heiland, Versöhner, Erlöser, Friedensfürst? Muß sich der
Mensch diese Frage mit >Ja< beantworten, wenn er aufrichtig prüfet sein
Wissen, sein Wesen und seinen Wandel, wenn er es gelernt hat, Halbheit
und Lauheit im Denken, Wollen und Thun zu verschmähen und zu verachten,
dann kann er mit kühner Hand in die Wolken greifen, dann kann er freudig
miteinstimmen: »also hat Gott die Welt geliebt!« Dann darf er nicht
weiter fragen: wie mag solches zugehen? Denn wie alles Wesen über des
Menschen Wissen und Verstehen ist, wie sollte denn nicht auch die Liebe
Gottes über sein Wissen und Verstehen sein?«
»Sie haben einen Glauben, der im Stande wäre, Berge zu versetzen!« sagte
Mander tief bewegt.
»Ich wollte, ich hätte ihn,« erwiderte Hold, »dann würden wir bald eines
Glaubens sein.«
»Ich möchte fragen, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben erbe?«
sprach Mander mehr in sich hinein, als zu Hold gewandt.
»Fragen Sie die Schrift, die von Christo zeuget. Lassen Sie vor Allem
erst Ihr Nachdenken weilen beim Gesetze. Prüfen Sie all' Ihr Wesen und
Thun mit unerbittlicher Strenge an den Geboten Gottes und an dem
Vorbilde des Herrn. Machen Sie keine Sünde zur Schwachheit, keine
Unlauterkeit zur Natur des Staubes, keine Versuchung zu einer
unüberwindlichen Macht, keine Vergleichung mit Andern zur Entschuldigung
für sich. Malen Sie sich keine Liebe Gottes aus, die nachsichtig,
begütigend, vergeßlich ist, wie die kränkelnde Liebe der Menschen,
sondern eine Liebe die mit der strengsten Gerechtigkeit Hand in Hand
gehet; auf daß der Wetterstrahl des Gerichtes Sie durchleuchte und
durchflamme, auf daß Sie hingeschmettert werden in den Staub und Ihre
vermeinte Tugend und Ehrbarkeit, wie Splitter und Spreu, von Ihnen
fliege; auf daß Sie zittern und zagen lernen vor Dem, der Rechenschaft
fordert auch von jeglichem unnützen Worte, das aus unserm Mund gegangen
ist; und Ihre Seele, so wenig sie auch noch jetzt glauben mag, daß es
dahin mit ihr kommen könne, zu kommen brauche, in Reu und Leid zage
unter dem Licht und Gericht des göttlichen Gesetzes. Nur durch
Traurigkeit zur Freude! Nur durch's Gericht zur Gnade! Nur durch
Zwietracht zum Frieden! Nur durch Tod zum Leben! Nur die Niedrigen
werden erhöht und die Demütigen angenommen! So lange wir uns vor Gott
noch dünken, Etwas zu sein, sind wir Nichts. Hineinpredigen aber läßt
sich solche schmerzensreiche Buße nicht. Die muß von Oben kommen, als
Liebesgabe und göttliche Gnade. Nur raten kann mein Wort dazu; nur an
dem Bollwerk rütteln, das hindert; nur leise rütteln an des Herzens
Thoren, daß ihre Angeln leichter sich umwenden, wenn der Herr kommt zum
Gericht! Gehen Sie in eine einsame Stunde und treten Sie Ihren
Dornenpfad an.«
»Sind Sie auf demselben Dornenpfade zur Glaubensfreudigkeit gekommen?«
fragte Mander leise.
»Ich gehe diesen Weg noch täglich und bin doch froh und selig im Herrn!«
erwiderte Hold.
»Das ist wunderbar!«
»Nicht so wunderbar wie der Bund der göttlichen, versöhnenden Liebe und
der strengrichterlichen Gerechtigkeit mit einander. Nicht so wunderbar,
wie Christi Zagen vor dem Kreuze und doch Hingebung an's Kreuz. Darüber
aber gebe ich Ihnen keine Erklärung, bis Sie in die Stunde gekommen
sind, die ich zuerst von Ihnen fordern muß, die Gott von Ihnen fordert,
weil Er Sie derselben so nahe gebracht hat; wenn Sie dann noch nach
einer Erklärung fragen sollten.«
Es war aber keineswegs so leicht, Mander auf den Dornenweg zu bringen,
wo seine Selbstzufriedenheit bluten sollte. Mancher Abend ging noch in
lebhaften Unterredungen hin, in welchen Hold vorzüglich Mander's
erwachende Neigung bekämpfte, sich eine Art von philosophischem
Christentum zu construiren.
»Sind aber nicht alle Materialien dazu gegeben, in der Schrift, wie in
den sonstigen Zeugnissen Gottes?« verteidigte sich Mander.
»Materialien für Sie übergenug,« entgegnete Hold; »aber der Mörtel fehlt
noch, das Herzblut, das die Reue erpreßte, und die Thränenflut, welche
die Sehnsucht nach einem Frieden, wie ihn die Welt und die Weltweisheit
nicht geben kann, aufquellen ließ. Sie sind in Gefahr, in der Halbheit
zu bleiben, weil Sie anfangen, die Baustücke an einander zu passen, ehe
das Gebäude in seiner Höhe und Tiefe, in seiner Länge und Breite vor
Ihrer Seele steht.«
»Es möchte aber der Weg zum Glauben nicht für Alle derselbe sein,«
meinte Mander.
»Ohne die Demut kommt Keiner in diesen Weg hinein; und ohne die tiefe,
durchdringende, ja zermalmende Erkenntnis der Sündhaftigkeit vor Gott,
ohne das laute, aufrichtige, in Reu' und Leid ringende Bekenntnis
derselben ist keine Rückkehr für den, der, wie Sie, in den Irrpfaden der
geistigen Selbstanbetung sich erging. Daß Sie jetzt schon Baumeister
sein wollen, ehe Sie selbst wahrhaft erbauet sind, oder jedenfalls noch
in der ersten Frühlingslust der beseligenden Erbauung leben sollten,
scheint mir anzudeuten, daß Sie noch unter der Knechtschaft Ihres
eigenen Geistes gefangen und nicht durchgedrungen sind zur Freiheit der
Kinder Gottes, deren Glaube keine dorische oder korinthische
Säulenordnung, sondern eine kühn aufstrebende Säule ist, deren fester
Fuß in den Tiefen des Herzens steht und deren Spitze der Regenbogen der
Verheißung kränzt.«
»Eine sichere Begründung,« warf Mander ein, »kann dem Glauben nicht
schaden, ja ihn allein der Vernunft annehmbar machen, daß sie mitstimme
mit dem Herzen, das seiner bedarf.«
»>Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht des, was man hoffet, und nicht
zweifelt an dem, was man nicht siehet<, sagt schon der Apostel,« war
Hold's Antwort. »Unter diesem >was man nicht siehet< ist doch auch wohl
das Nichtsehen der Vernunft durch Begriffe und Schlüsse mitverstanden;
denn was sie so sich zusammenkettet, Glied an Glied, das _sieht_ sie,
das hört auf Gegenstand der Hoffnung und des Glaubens zu sein; es wird
Gegenstand des Wissens und bleibt Stückwerk, wie all' unser Wissen
Stückwerk ist. Der Glaube aber ist ein Ganzes, Volles, Vollkommenes, ein
Tag ohne Wolken, ein Kleinod, des wir uns freuen ohne Diebe und Räuber
zu fürchten. Er ist kein Raub, sondern eine Gabe. Wir schaffen ihn
nicht, sondern er schafft uns. Er ist nicht unser, sondern wir sind
sein. Wir kommen nicht zu ihm dadurch, daß wir ihn in unser Gebiet
hereinziehen, sondern dadurch, daß wir aus unserm Gebiet heraustreten
und in sein Gebiet eingehen. Darum bauen Sie vergeblich an einem
Fachwerk; es bleibt ein Gerüst, durch dessen Sparren jeglicher Wind
weht, und worin der Geist Gottes nie heimatlich wird.«
»Thun denn aber die gelehrten Theologen etwas Anderes, als was ich
versuche?«
»Leider thun sie oft nichts Anderes. Aber da geht es denn auch Vielen
ihrer Zuhörer, wie es mir ging,« erwiderte Hold, und nahm vom Bücherbord
ein Heft aus seiner Studentenzeit, auf dessen letzter Seite sich
folgender »Epilog zur Dogmatik« fand:
So hat denn alle Wissenschaft gelogen!
Vom blinden Wahne sollt' der Geist gesunden;
Und nun ist jeder lichte Blick verschwunden,
Und um den Frieden ist das Herz betrogen.
Ich seh' mich auf ein Meer hinausgezogen,
Wo keine Nadel mag den Pfad erkunden,
Wo nie ein Blei den Ankergrund gefunden,
Wo alle Winde weh'n auf irren Wogen.
_Der_ Lootse winkt zur Rechten, der zur Linken:
»Sieh, wie Dir dort der Heimat Sterne blinken!«
»Nein, folge mir, da dräut ein Felsenriff!«
Der Dritte nickt ein Ja zu beiden Seiten;
Ein Vierter fängt mit Allen an zu streiten;
Und unterdessen sinkt das lecke Schiff.
Doch halt! Was will der Mann mit Kennermienen?
Mein Sohn, Du sogst die rechte Weisheit ein.
»Laß nun Dein Pfund dem blinden Volke dienen.«
Er spricht's, und ich -- soll Seelenhirte sein!
»Es mag schlimm genug sein,« sagte Mander, »Führer sein zu sollen, wenn
man noch selbst ungewiß auf dem Kreuzwege steht. Aber daß man sich erst
die Leiter zurecht stellt und Stufe auf Stufe prüft, ist doch klüger,
als wenn man sich vornimmt, erst auf der höchsten Staffel sich nach dem
sichern Stande und der Haltbarkeit der Stufen umzusehen.«
»Ach! zu solchem Vornehmen,« entgegnete Hold, »läßt es der Glaube gar
nicht kommen. Er bedarf keiner Leiter. Er ist ein Adler, den seine
Schwingen sogleich über die Wolken hinauftragen. Er _wird_ nicht,
sondern er _ist_. Er macht sich nicht allmälig, sondern steht da in
seiner Herrlichkeit. Ein schwacher, lauer und halber Glaube ist ein
Unding. Wohl mag er auf Zeiten, in Stunden der Prüfung oder vor den
Anläufen des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste zurückweichen;
aber eine Mischung, Zersetzung und Teilung kennt er nicht. Er ist Alles
oder Nichts; ganz oder gar nicht. Nur im Wissen, Wollen und Thun giebt
es Halbheit, nicht im Glauben. Er kann nur beseligen oder verdammen,
nicht ein wenig trösten, ein bischen erheben, ein wenig schrecken, ein
bischen zittern machen. Er kämpft nicht, sondern er siegt nur. Er
schreitet daher in seiner Kraft und erfüllet mit seiner Fülle das Herz;
schmettert es nieder in den Abgrund und trägt es aus dem Abgrunde mit
Jauchzen empor zu den himmlischen Höhen. Von diesen Höhen herab mögen
wir den Glaubensweg erkunden, nicht von unten auf; nur mit dem Senkblei,
nicht mit dem Fernrohr.«
Mander war oft in Versuchung, den Pastor der Einseitigkeit und
Beschränktheit zu zeihen. Oft wieder war er in schmerzlichem Ringen nach
Zuversicht der demütigste und gelehrigste Jünger. Dann aber klagte er
über Dunkelheit in Hold's Ausdrücken; wogegen dieser bemerkte:
»Das Wort ist Same und nicht mehr und minder. Im Samen liegt aber der
Keim verborgen unter der Hülle und wartet auf Sonnenstrahl und Tau von
Oben her, um die Hülle zu durchbrechen und Blüte und Frucht zu werden.«
Bald klagte er über die Dunkelheit der Offenbarungen Gottes. Hold
erinnerte ihn:
»Die Fackel für die mancherlei Wege der göttlichen Offenbarungen ist die
eine Offenbarung der heilsamen Gnade Gottes in Christo. Ist diese
aufgegangen dem Herzen in ihrem vollen Glanze, so fließt ihr Lichtstrom
über die ganze dunkle Gegend aus, und Alles wird hell! Nur Licht giebt
Licht. Unser blöder Verstand mag uns wohl dazu führen, daß wir die
Wahrheit nicht bei ihm erwarten. Unsere Sündhaftigkeit kann uns wohl die
Sehnsucht wecken nach der Gnade Gottes; aber was Wahrheit ist, lernen
wir erst durch die Wahrheit, und die Erlösung kennen wir erst durch die
Erlösung. Sie aber ringen nach Beiden, als hätten sie schon das Wesen
derselben erforscht und ihre Kraft erfahren. Daß dies aber nicht der
Fall ist, zeigt Ihr Kampf mit einzelnen Dunkelheiten: denn Schatten
weisen weg vom Licht und sind keine Wegweiser zum Lichte, wofür Sie sie
nehmen, da Sie sich so lange bei ihnen aufhalten.«