Anton. Damis.
Anton. Da sehen Sie! Nun läuft sie fort, da Sie nach ihrer Pfeife
nicht tanzen wollen.--
Damis. Mulier non Homo! bald werde ich auch dieses Paradoxon für wahr
halten. Wodurch zeigt man, daß man ein Mensch ist? Durch den
Verstand. Wodurch zeigt man, daß man Verstand hat? Wann man die
Gelehrten und die Gelehrsamkeit gehörig zu schätzen weiß. Dieses kann
kein Weibsbild, und also hat es keinen Verstand, und also ist es kein
Mensch. Ja, wahrhaftig ja; in diesem Paradoxo liegt mehr Wahrheit als
in zwanzig Lehrbüchern.
Anton. Wie ist mir denn? Ich habe Ihnen doch gesagt, daß Sie Herr
Valer gesucht hat? Wollen Sie nicht gehen und ihn sprechen?
Damis. Valer? ich will ihn erwarten. Die Zeiten sind vorbei, da ich
ihn hochschätzte. Er hat seit einigen Jahren die Bücher beiseite
gelegt; er hat sich das Vorurteil in den Kopf setzen lassen, daß man
sich vollends durch den Umgang und durch die Kenntnis der Welt
geschickt machen müsse, dem Staate nützliche Dienste zu leisten. Was
kann ich mehr tun als ihn bedauern? Doch ja, endlich werde ich mich
auch seiner schämen müssen. Ich werde mich schämen müssen, daß ich
ihn ehemals meiner Freundschaft wert geschätzt habe. O wie ekel muß
man in der Freundschaft sein! Doch was hat geholfen, daß ich es bis
auf den höchsten Grad gewesen bin? Umsonst habe ich mich vor der
Bekanntschaft aller mittelmäßigen Köpfe gehütet; umsonst habe ich mich
bestrebt, nur mit Genies, nur mit originellen Geistern umzugehen:
dennoch mußte mich Valer, unter der Larve eines solchen, hintergehen.
O Valer! Valer!
Anton. Laut genug, wenn er es hören soll.
Damis. Ich hätte über sein kaltsinniges Kompliment bersten mögen!
Von was unterhielt er mich? von nichtswürdigen Kleinigkeiten. Und
gleichwohl kam er von Berlin, und gleichwohl hätte er mir die
allerangenehmste Neuigkeit zuerst berichten können. O Valer! Valer!
Anton. St! wahrhaftig er kömmt. Sehen Sie, daß er sich nicht dreimal
rufen läßt?