Dreizehnter Auftritt

Damis. Valer. Anton.

Valer. Verzeihen Sie, liebster Freund, daß ich Sie in Ihrer gelehrten

Ruhe störe--

Anton. Wenn er doch gleich sagte, Faulheit.

Damis. Stören? Ich sollte glauben, daß Sie mich zu stören kämen?

Nein, Valer, ich kenne Sie zu wohl; Sie kommen, mir die angenehmsten

Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Aufmerksamkeit eines Gelehrten,

der seine Belohnung erwartet, würdig sind.--Einen Stuhl, Anton!

--Setzen Sie sich.

Valer. Sie irren sich, liebster Freund. Ich komme, Ihnen die

Unbeständigkeit Ihres Vaters zu klagen; ich komme, eine Erklärung von

Ihnen zu verlangen, von welcher mein ganzes Glück abhängen wird.--

Damis. Oh! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, daß Sie vorhin die

Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir vertraulicher zu

besprechen und mir Ihre Freude über die Ehre zu bezeigen, die mir der

billige Ausspruch der Akademie--

Valer. Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einen Augenblick

von etwas minder Gleichgültigem reden.

Damis. Von etwas minder Gleichgültigem? Also ist Ihnen meine Ehre

gleichgültig? Falscher Freund!--

Valer. Ihnen wird diese Benennung zukommen, wann Sie mich länger von

dem, was für ein zärtliches Herz das wichtigste ist, abbringen werden.

Ist es wahr, daß Sie Julianen heiraten wollen? daß Ihr Vater dieses

allzu zärtliche Frauenzimmer durch Bande der Dankbarkeit binden will,

in seiner Wahl minder frei zu handeln? Habe ich Ihnen jemals aus

meiner Neigung gegen Julianen ein Geheimnis gemacht? Haben Sie mir

nicht von jeher versprochen, meiner Liebe behilflich zu sein?

Damis. Sie ereifern sich, Valer; und vergessen, daß ein Weibsbild die

Ursache ist. Schlagen Sie sich diese Kleinigkeit aus dem Sinne--Sie

müssen in Berlin gewesen sein, da die Akademie den Preis auf dieses

Jahr ausgeteilet hat. Die Monaden sind die Aufgabe gewesen. Sollten

Sie nicht etwa gehört haben, daß die Devise--

Valer. Wie grausam sind Sie, Damis! So antworten Sie mir doch!

Damis. Und Sie wollen mir nicht antworten? Besinnen Sie sich; sollte

nicht die Devise Unum est necessarium sein gekrönt worden? Ich

schmeichle mir wenigstens--

Valer. Bald schmeichle ich mir nun mit nichts mehr, da ich Sie so

ausschweifend sehe. Bald werde ich nun auch glauben müssen, daß die

Nachricht, die ich für eine Spötterei von Lisetten gehalten habe,

gegründet sei. Sie halten Julianen für Ihrer unwert, Sie halten sie

für die Schande ihres Geschlechts, und eben deswegen wollen Sie sie

heiraten? Was für ein ungeheurer Einfall!

Damis. Ha! ha! ha!

Valer. Ja, lachen Sie nur, Damis, lachen Sie nur! Ich bin ein Tor,

daß ich einen Augenblick solchen Unsinn von Ihnen habe glauben können.

Sie haben Lisetten zum besten gehabt oder Lisette mich. Nein, nur in

ein zerrüttetes Gehirn kann ein solcher Entschluß kommen! Ihn zu

verabscheuen braucht man nur vernünftig zu denken und lange nicht edel,

wie Sie doch zu denken gewohnt sind. Aber lösen Sie mir, ich bitte

Sie, dieses marternde Rätsel!

Damis. Bald werden Sie mich, Valer, auf Ihr Geschwätze aufmerksam

gemacht haben. So verlangen Sie doch in der Tat, daß ich meinen Ruhm

Ihrer törichten Neigung nachsetzen soll? Meinen Ruhm!--Doch

wahrhaftig, ich will vielmehr glauben, daß Sie scherzen. Sie wollen

versuchen, ob ich in meinen Entschließungen auch wankelhaft bin.

Valer. Ich scherzen? der Scherz sei verflucht, der mir hier in den

Sinn kommt!--

Damis. Desto lieber ist mir es, wann Sie endlich ernsthaft reden

wollen. Was ich Ihnen sage: die Schrift mit der Devise Unum est

necessarium--

Der junge Gelehrte: Ein Lustspiel in drei Aufzügen · 第 67 / 121 题