Damis. Kleinigkeit!
Anton. Lügen!
Lisette. Sie wird Sie durch übertriebenen Staat, durch beständige
Ergötzlichkeiten und Schmausereien, um alle das Ihrige bringen--
Damis. Kleinigkeit!
Anton. Lügen!
Lisette. Sie wird Ihnen die Sorge um eine Herde Kinder auf den Hals
laden--
Damis. Kleinigkeit!
Anton. Das tun die besten Weiber am ersten!
Lisette. Aber um Kinder, die aus der rechten Quelle nicht geholt sind.
Damis. Kleinigkeit!
Anton. Und zwar Kleinigkeit nach der Mode!
Lisette. Kleinigkeit? aber was denken Sie denn, Herr Damis?
Damis. Ich denke, daß Juliane nicht arg genug sein kann. Ist sie
albern? ich bin desto klüger; ist sie zänkisch? ich bin desto
gelassener; ist sie eitel? ich bin desto philosophischer gesinnt;
vertut sie? sie wird aufhören, wenn sie nichts mehr hat; ist sie
fruchtbar? so mag sie sehen, was sie vermag, wann sie es mit mir um
die Wette sein will. Ein jedes mache sich ewig, womit es kann; das
Weib durch Kinder, der Mann durch Bücher.
Anton. Aber merken Sie denn nicht, daß Lisette ihre Ursachen haben
muß, Julianen so zu verleumden?
Damis. Ach freilich merk ich es. Sie gönnt mich ihr und beschreibt
sie mir also vollkommen nach meinem Geschmacke. Sie hat es ohne
Zweifel geschlossen, daß ich ihre Mamsell nur eben deswegen, weil sie
das unerträglichste Frauenzimmer ist, heiraten will.
Lisette. Nur deswegen? nur deswegen? und das hätte ich geschlossen?
Ich müßte Sie für irre im Kopfe gehalten haben. Überlegen Sie doch
nur--
Damis. Das geht zu weit, Lisette! Traut Sie mir keine Überlegung zu?
Was ich gesagt habe, ist die Frucht einer nur allzu scharfen
Überlegung. Ja, es ist beschlossen: ich will die Zahl der unglücklich
scheinenden Gelehrten, die sich mit bösen Weibern vermählt haben,
vermehren. Dieser Vorsatz ist nicht von heute.
Anton. Nein, wahrhaftig!--Was aber der Teufel nicht tun kann! Wer
hätte es sich jetzt sollen träumen lassen, jetzt da es Ernst werden
soll? Ich muß lachen; Lisette wollte ihn von der Heirat abziehen und
hat ihm nur mehr dazu beredt; und ich, ich wollte ihn dazu bereden und
hätte ihn bald davon abgezogen.
Damis. Einmal soll geheiratet sein. Auf eine recht gute Frau darf
ich mir nicht Rechnung machen; also wähle ich mir eine recht schlimme.
Eine Frau von der gemeinen Art, die weder kalt noch warm, weder recht
gut noch recht schlimm ist, taugt für einen Gelehrten nichts, ganz und
gar nichts! Wer wird sich nach seinem Tode um sie bekümmern?
Gleichwohl verdient er es doch, daß sein ganzes Haus mit ihm
unsterblich bleibe. Kann ich keine Frau haben, die einmal ihren Platz
in einer Abhandlung de bonis Eruditorum uxoribus findet, so will ich
wenigstens eine haben, mit welcher ein fleißiger Mann seine Sammlung
de malis Eruditorum uxoribus vermehren kann. Ja, ja; ich bin es
ohnehin meinem Vater, als der einzige Sohn, schuldig, auf die
Erhaltung seines Namens mit der äußersten Sorgfalt bedacht zu sein.
Lisette. Kaum kann ich mich von meinem Erstaunen erholen--Ich habe
Sie, Herr Damis, für einen so großen Geist gehalten--
Damis. Und das nicht mit Unrecht. Doch eben hierdurch glaube ich den
stärksten Beweis davon zu geben.
Lisette. Ich möchte platzen!--Ja, ja, den stärksten Beweis, daß
niemand schwerer zu fangen ist als ein junger Gelehrter; nicht sowohl
wegen seiner Einsicht und Verschlagenheit als wegen seiner Narrheit.
Damis. Wie, so naseweis, Lisette? Ein junger Gelehrter?--ein junger
Gelehrter?--
Lisette. Ich will Ihnen die Verweise ersparen. Valer soll gleich von
allem Nachricht bekommen. Ich bin Ihre Dienerin.