Chrysander. Ei, ich setze nichts voraus, was im geringsten
zweifelhaft wäre. Juliane ist eine Waise; ich bin ihr Vormund; ich
bin dein Vater; was muß mir angelegner sein, als euch beide glücklich
zu machen? Ihr Vater war mein Freund und war ein ehrlicher Mann,
obgleich ein Narr. Er hätte einen honetten Bankerott machen können;
seine Gläubiger würden aufs Drittel mit sich haben akkordieren lassen;
und er war so einfältig und bezahlte bis auf den letzten Heller. Wie
ist mir denn? hast du ihn nicht gekannt?
Damis. Von Person nicht. Aber seine Lebensumstände sind mir ganz
wohl bewußt. Ich habe sie, ich weiß nicht in welcher Biographie,
gelesen'
Chrysander. Gelesen? gedruckt gelesen?
Damis. Ja, ja; gelesen. Er ward gegen die Mitte des vorigen
Jahrhunderts geboren und ist, etwa vor zwanzig Jahren, als
Generalsuperintendent in Pommern gestorben. In orientalischen
Sprachen war seine vornehmste Stärke. Allein seine Bücher sind nicht
alle gleich gut. Dieses ist noch eines von den besten. Eine
besondere Gewohnheit soll der Mann an sich gehabt haben--
Chrysander. Von wem sprichst denn du?
Damis. Sie fragen mich ja, ob mir der Verfasser dieses Buchs bekannt
wäre?
Chrysander. Ich glaube, du träumest; oder es geht gar noch etwas
Ärgers in deinem Gehirne vor. Ich frage dich, ob du Julianens Vater
noch gekannt hast?
Damis. Verzeihen Sie mir, wann ich ein wenig zerstreut geantwortet
habe! Ich dachte eben nach,--warum wohl die Rabbinen--das Schurek
M'lo Pum heißen.
Chrysander. Mit dem verdammten Schurek! Gib doch auf das acht, was
der Vater mit dir spricht!--(Er nimmt ihm das Buch aus der Hand.) Du
hast ihn also nicht gekannt? Ich besinne mich; es ist auch nicht wohl
möglich. Als er starb, war Juliane noch sehr jung. Ich nahm sie
gleich nach seinem Tode in mein Haus, und Gott sei Dank! sie hat viel
Wohltaten hier genossen. Sie ist schön, sie ist tugendhaft; wem
sollte ich sie also lieber gönnen als dir? Was meinst du?--Antworte
doch! Stehst du nicht da, als wenn du schliefest!--