10. Mai ...

Ich habe mich entschlossen, eine weite Auslandsfahrt anzutreten. Was

sollte mich hier jetzt noch zurückhalten? Im Gegenteil -- manchmal

beschleicht mich eine Ahnung, als ob auch meiner irgendein grauenvolles

Schicksal harrt, wenn ich bleibe. Ich war noch oft mit Hofmann

zusammen, und wenn ich an den Blick denke, den Petersen mir damals

zuwarf -- --

Es heißt wohl, daß niemand seinem Geschick zu entrinnen vermag, aber

man kann es doch wenigstens versuchen.

Chamotte schicke ich in seine Heimat zurück, -- ich will ganz allein

sein und nichts aus der Vergangenheit mit hinübernehmen. Er weinte

bittere Tränen, als ich ihm das mitteilte.

»Sei ein Mann, Chamotte, und denke an deine Zukunft,« sagte ich, und

mir war elend zumut. Könnte ich auch mir dasselbe zurufen, oder täte

es ein anderer -- aber in beiden Fällen wäre es ja doch nur grotesk

und überflüssig. Und meine Zukunft, -- ich habe keine Zukunft, ich habe

nur eine Biographie, und verurteilt, wie ich kam, gehe ich von dannen;

wozu? -- das wissen nur die Götter.

* * * * *

In wenigen Tagen ist alles bereit. Susanna und ihre beiden Gefährten

sind schon fort. Auch Maria wird nicht lange mehr bleiben.

Sie hat in den letzten Tagen ein Faible für mich gefaßt, aber wir

wissen beide, daß es jetzt zu spät ist.

Manchmal kommt sie zu mir herauf, dann sitzt sie auf einer von den

halbvollen Bücherkisten und erzählt von alledem, was sie nicht

vergessen kann. Und wir sprechen von den vielen frohen und unfrohen

Stunden, die uns gemeinsam beschieden waren.

Heute abend denke ich abzufahren.

Herrn Dames Aufzeichnungen: oder, Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil · 第 31 / 44 题