Ich werde doch wohl anfangen einen Roman zu schreiben. Als erstes
Kapitel könnte ich gleich den gestrigen Abend nehmen.
Der junge Mann im Pelzmantel ist Herr Dame. Etwas müde und nachdenklich
geht er durch die Straßen. Chamotte, sein Diener, folgt ihm, mit
Maskenkostümen beladen. Er ist verurteilt, heute abend auf ein Fest zu
gehen -- eine Frau hat ihn dazu verurteilt.
Große Schneeflocken fallen vom Himmel -- der heimliche Traum seines
Lebens ist, einmal, nur einmal der Frau zu begegnen, die ihn -- ach
Gott, wie soll man das sagen -- die ihn _mit_ Liebe und _zur_ Liebe
verurteilt -- gütig und doch. -- Nein, das geht nicht, das muß noch
anders gesagt werden.
Sie kommen in eine Nebenstraße, an der Ecke steht ein altes Haus mit
großem grünem Tor und einer altmodischen Glocke. Chamotte zieht die
Glocke -- dreimal -- denn nur auf dieses Zeichen wird man eingelassen.
Man geht durch einen Laubengang und über einen gepflasterten Hof, --
wieder eine Tür und wieder dasselbe Glockenzeichen. Die Tür wird von
innen aufgerissen. Der Herr im Pelzmantel fährt zurück -- Chamotte
schreit laut auf, -- vor ihnen im Schein einer trüben Laterne steht ein
Henkersknecht aus dem Mittelalter -- oder Gott weiß woher. Er trägt ein
eisernes Schuppenhemd, eine verrostete Sturmhaube, unter der die Augen
unheimlich hervorblicken, im Ledergürtel steckt ein langes, handbreites
Dolchmesser, baumelt geraubtes Altargerät. Quer über die Stirn läuft
eine blutrote Narbe.
Die unheimliche Gestalt verbeugt sich in tiefem Ernst:
»von Orlonski« -- »Dame -- Dame -- ja, ich heiße so«.
»Freut mich sehr, Susanna wartet schon.«
Der Henker mit seiner Laterne geht voran, -- durch einen dunklen Flur,
eine Treppe hinauf, in einen großen hellerleuchteten Raum, -- eine Art
Küche, wie man sie in Bauernhäusern findet. In der einen Ecke ist der
Herd, in der anderen ein gewaltiger Tisch mit ledergepolsterten Bänken
und Stühlen -- an den Wänden altes Kupferzeug und Fayencegeschirr, --
ein ganzes Museum.
Susanna steht am Tisch in einem weißen Gewand und schminkt einen
untersetzten jungen Herrn, der mit runden schwarzen Augen gefühlvoll
zu ihr aufblickt. Ein zweiter, mit dem Zwicker auf der Nase, hält die
Lampe, spricht und gestikuliert aufs lebhafteste. Dazwischen läuft ein
fünf- bis sechsjähriges Kind herum. Begrüßung -- Vorstellung, -- der
Fremde, in dieser Umgebung wieder völlig Fremde, küßt ihr die Hand. Der
Henker stürzt an den Herd und rührt in einem Gericht, das anzubrennen
droht -- Chamotte reißt Augen und Mund auf und steht wie verzückt.
»Wir haben Eile, Eile,« sagte Susanna -- »Haben Sie Ihr Kostüm? --
Chamotte, mach' das Paket auf -- und Ihr Schnurrbart?«