10. Januar.

Ich werde doch wohl anfangen einen Roman zu schreiben. Als erstes

Kapitel könnte ich gleich den gestrigen Abend nehmen.

Der junge Mann im Pelzmantel ist Herr Dame. Etwas müde und nachdenklich

geht er durch die Straßen. Chamotte, sein Diener, folgt ihm, mit

Maskenkostümen beladen. Er ist verurteilt, heute abend auf ein Fest zu

gehen -- eine Frau hat ihn dazu verurteilt.

Große Schneeflocken fallen vom Himmel -- der heimliche Traum seines

Lebens ist, einmal, nur einmal der Frau zu begegnen, die ihn -- ach

Gott, wie soll man das sagen -- die ihn _mit_ Liebe und _zur_ Liebe

verurteilt -- gütig und doch. -- Nein, das geht nicht, das muß noch

anders gesagt werden.

Sie kommen in eine Nebenstraße, an der Ecke steht ein altes Haus mit

großem grünem Tor und einer altmodischen Glocke. Chamotte zieht die

Glocke -- dreimal -- denn nur auf dieses Zeichen wird man eingelassen.

Man geht durch einen Laubengang und über einen gepflasterten Hof, --

wieder eine Tür und wieder dasselbe Glockenzeichen. Die Tür wird von

innen aufgerissen. Der Herr im Pelzmantel fährt zurück -- Chamotte

schreit laut auf, -- vor ihnen im Schein einer trüben Laterne steht ein

Henkersknecht aus dem Mittelalter -- oder Gott weiß woher. Er trägt ein

eisernes Schuppenhemd, eine verrostete Sturmhaube, unter der die Augen

unheimlich hervorblicken, im Ledergürtel steckt ein langes, handbreites

Dolchmesser, baumelt geraubtes Altargerät. Quer über die Stirn läuft

eine blutrote Narbe.

Die unheimliche Gestalt verbeugt sich in tiefem Ernst:

»von Orlonski« -- »Dame -- Dame -- ja, ich heiße so«.

»Freut mich sehr, Susanna wartet schon.«

Der Henker mit seiner Laterne geht voran, -- durch einen dunklen Flur,

eine Treppe hinauf, in einen großen hellerleuchteten Raum, -- eine Art

Küche, wie man sie in Bauernhäusern findet. In der einen Ecke ist der

Herd, in der anderen ein gewaltiger Tisch mit ledergepolsterten Bänken

und Stühlen -- an den Wänden altes Kupferzeug und Fayencegeschirr, --

ein ganzes Museum.

Susanna steht am Tisch in einem weißen Gewand und schminkt einen

untersetzten jungen Herrn, der mit runden schwarzen Augen gefühlvoll

zu ihr aufblickt. Ein zweiter, mit dem Zwicker auf der Nase, hält die

Lampe, spricht und gestikuliert aufs lebhafteste. Dazwischen läuft ein

fünf- bis sechsjähriges Kind herum. Begrüßung -- Vorstellung, -- der

Fremde, in dieser Umgebung wieder völlig Fremde, küßt ihr die Hand. Der

Henker stürzt an den Herd und rührt in einem Gericht, das anzubrennen

droht -- Chamotte reißt Augen und Mund auf und steht wie verzückt.

»Wir haben Eile, Eile,« sagte Susanna -- »Haben Sie Ihr Kostüm? --

Chamotte, mach' das Paket auf -- und Ihr Schnurrbart?«

Herrn Dames Aufzeichnungen: oder, Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil · 第 11 / 44 题