Norte genannt, im Gegensatz zum Golfo del Darien del Sur, dem
jetzigen Golf San Miguel), ein Meerbusen des Karibischen Meers, an
der Nordküste von
Kolumbien, dringt 60 km weit ins Land ein, ist 52 km breit und
von flachen Ufern begrenzt. In ihn mündet in 15 Armen der Rio
Atrato (s. d.), dessen fortschreitende Deltabildung den hintern
Teil des Golfs vom Meer abzuschneiden droht. Entdeckt wurde der
Golf von U. 1502 von Rodrigo Bastidas.
Urach, Oberamtsstadt und Luftkurort im württemberg.
Schwarzwaldkreis, am Einfluß der Elsach in die Erms und an
der Ermsthalbahn, 466 m ü. M., hat eine schöne
evangelische (1479-99) und eine kath. Kirche, ein Schloß,
eine Lateinschule, ein niederes evangelisch-theologisches Seminar,
ein Amtsgericht, ein Forstamt, Flachs- und Baumwollspinnerei,
Baumwollweberei, Gerberei, Holzdreherei, Wagenfabrikation, eine
mechanische Werkstätte und (1885) 3962 Einw. In der Nähe
ein Wasserfall im Brühl, die Ruinen der Feste Hohenurach und
der königliche Fohlenhof Güterstein. - U. war einst Sitz
eines Grafengeschlechts, als dessen Begründer Egino I. im
Anfang des 12. Jahrh. erscheint. Egino IV. erwarb 1218 bei dem
Aussterben der Zähringer Freiburg i. Br. und viele Besitzungen
im Schwarzwald. Einer seiner Enkel, Konrad, erhielt im 13. Jahrh.
Freiburg; ein andrer, Heinrich, Graf von Fürstenberg, der
Stammvater der gleichnamigen Fürsten, verkaufte 1265 die Burg
U. und den größten Teil der Besitzungen an den Grafen
Ulrich von Württemberg. Von U. führte eine Linie des
Hauses Württemberg, die 1441 gestiftet wurde, aber mit dem
Sohn des Stifters, Eberhard V. (I.), mit dem Bart, 1495 wieder
ausstarb, den Namen Württemberg-U. Jetzt führt den Titel
eines Herzogs von U. der Graf Wilhelm von Württemberg (geb. 3.
März 1864) aus einer katholischen Seitenlinie des
Königshauses. Vgl. "Führer durch das Uracher Gebiet"
(Urach 1876).
Urachus (Harnstrang),beim Embryo derSäugetiere der
in der Bauchhöhle verbleibende Abschnitt des
Stiels der Allantois (s. d.), aus dessen hinterm Teil
später die Harnblase hervorgeht, während der vordere zum
sog. mittlern Aufhängeband der Harnblase wird.
Uraeginthus, s. Astrilds.
Ural (Jaik), Grenzfluß zwischen Europa und Asien,
entspringt unter 54° 30' nordl. Br. und nimmt in seinem von N.
nach S. gerichteten Lauf zwischen den beiden östlichen Ketten
des Uralgebirges von O. her die unbedeutenden Nebenflüsse
Gambei, Sarum-Saklü, Swunduk, von W. her den Ak-Dschar,
Kutebai, Allas-Nessai und Kutan-Taß auf. Am südlichen
Ende der Hauptmasse des Uralgebirges sich nach W. wendend,
empfängt er in seiner Kniebeugung den Orr, weiterhin den Ilek
und die Utwa von S. her und auf europäischem Boden von N. her
die Sakmara. In seinem untern, wieder von N. nach S. gerichteten
Lauf hat er keinen bedeutendern Zufluß. Er mündet, ein
sumpfiges Delta bildend, in mehreren Armen in das Kaspische Meer
und hat im ganzen eine Länge von etwa 1500 km. Sein
Stromgebiet wird auf 249,500 qkm (4531 QM.) berechnet. An der
Mündung liegt neben unermeßlichen Schilfwaldungen die
Stadt Gurjew (s. d.). In der Steppe auf dem rechten Ufer des Urals
bis an das Kaspische Meer wohnen die Uralischen Kosaken, deren
Gebiet gegenwärtig unter der Oberverwaltung des Landes der
Kirgiskosaken steht und unter dem Namen Uralsk eins der fünf
Gebiete jenes bis zum Irtisch und zum Aralsee reichenden Landes
ist; das linke Ufer bewohnen die Kirgisen. Nach Dämpfung des
Pugatschewschen Aufstandes, der auch am Jaik wild tobte, befahl
Katharina II., um die beim Namen Jaik auftauchenden Erinnerungen zu
bannen, den Fluß künftig "U." zu nennen.
Ural (die Montes Riphaei der Alten), das längste
Meridiangebirge der Alten Welt, dessen südlichster niedriger
Ausläufer, der Mugodschar, zwischen der Salzsteppe an der Emba
und der Kirgisensteppe, fast bis zum Aralsee (48° nördl.
Br.) reicht, während der nördlichste jenseit der
Waigatschstraße über die Waigatschinsel durch Nowaja
Semlja fortsetzt und unter 76 1/2° nördl. Br. endet (s.
Karte "Rußland"). So sind die beiden Endpunkte um mehr als 28
Breitengrade, also um 3168 km, voneinander entfernt. Die Breite des
Gebirges beträgt meist nicht über 75 km und
übersteigt kaum 190 (so im äußersten Süden);
auch seine Kammhöhe beträgt kaum 600 m und erreicht nur
im SW. und N. 1.200 m, eine Höhe, die nur einzelne Gipfel
überragen. Vorzüglich in der Mitte schwillt es so
allmählich an, daß man auf der großen Straße
von Perm nach Jekaterinenburg kaum den Übergang über ein
Gebirge merkt, das Europa und Asien scheidet. Während
nördlich von Jekaterinenburg die höchsten Punkte der
Ostseite angehören, liegen sie südlich im
äußersten Westen. Der östliche Abfall des Gebirges
ist etwas schroffer als der westliche, welcher sich
terrassenförmig gegen die Kama und Wolga abstuft. Man kann den
U. in den arktischen der nördlichen Inseln, den
nördlichen samojedischen oder wogulischen, den mittlern oder
werchoturischen und den südlichen oder baschkirischen U.
einteilen. Im arktischen U. erheben sich auf Nowaja Semlja einzelne
Gipfel (mit Gletschern) über 1200 m. Der nördliche U.,
welcher vom Karischen Meer bis zum 61.° nördl. Br. oder
bis zu den Quellen der Petschora reicht, ist wald- und erzloses
Gebirge. Vom Karischen Golf südlich bis zum 63.° reicht
der sogen. wogulische U., ein Gebirge mit schroffen, felsenreichen
Höhenzügen und trümmerbedeckten Gipfeln, von denen
der Paijar 1413 m, südlicher der Koibp 1041 m, Pure-Mongit
1100 m, Galsory 990 m, Ischerim 983 m hoch sind, aber ohne die
Gletscher des arktischen; drei Pässe über ihn
ermöglichen den Verkehr zwischen Archangel und Sibirien.
Dagegen zeigt der sogen. samojedische U. (Pae-Choiberge), der
nord-westlich zur Waigatschstraße zieht, gerundete Formen,
mit Moos- und Flechtenbedeckung seiner Höhen, von denen die
bedeutendsten Idshed-Karlem (1390 m, Choste-Nier (1510 m) und
Töll-Pos (1687 m) sind. Nordöstlich zweigen sich vom
nördlichen U. die zur Obmündung verlaufenden niedrigern
Berge von Obdorsk ab. Die höchsten Gipfel dieses kahlen und
unwirtlichen Gebirges tragen ewigen Schnee. An der Petschoraquelle
zweigt sich vom U. unter dem Namen Timangebirge ein niedriger
Höhenzug ab, welcher bis Kanin-Nos zieht. Der mittlere oder
werchoturische U., der sich von 61°nördl. Br. bis an die
Quellen der Ufa (55°) fortsetzt, bildet ein breites
waldigsumpfiges Tafelland von mäßiger Erhebung (im
Mittel 650 m), das von einzelnen Felsbergen überragt wird, und
ist der einförmigste Teil des Gebirges; nur im NO. zeigt sich
eine alpinere Natur. Hier erheben sich als die höchsten
Gipfel: der Kontschakow-Kamen (1462 m), Suchegorski-Kamen (1195 m),
Pawdinski-Kamen (938 m), Katschkanar (887 m) und Deneschkin-Kamen
(1532 m). Über den mittlern U
1040
Ural (Gebirge).
führen die leichtesten Übergänge, deren
niedrigstem (380 m) die oben erwähnte sibirische Straße
und neuerdings die Eisenbahn von Perm nach Jekaterinenburg folgt.
Südlich von der Ufaquelle folgt der dreigeteilte südliche
U., im O. mit dem niedrigen, aus Granit und Gneis zusammengesetzten
Ilmengebirge bei Mijask, in der Mitte mit dem Uraltau im engern
Sinn (auch Urengai genannt), der mit der Irendikkette im S. endet,
in seinen höchsten Höhen (Jurma, Taganai, Urenga) 1200 m
wenig überschreitet und nur im Iremel 1536 m Höhe
erreicht. Der U. gibt zahlreichen Flüssen ihren Ursprung; dazu
finden sich an der Ost- und Westseite zahlreiche kleine und
größere Landseen, am dichtesten am Ilmengebirge und zur
Seite des mittlern Urals. Dort, wo mittlerer und südlicher U.
zusammenstoßen, drängen sich vor allem die Quellen
zahlreicher Flüsse zusammen, die dem Tobol, Ural und der Kama
zuströmen. Nur im äußersten Süden versiegen im
Sommer die Bäche und kleinen Flüsse meist ganz.
Der U. besteht seiner geognostischen Zusammensetzung nach aus
einer Achse kristallinischer Schiefergesteine, aus Gneis,
Glimmerschiefer, im mittlern Teil vornehmlich aus Chlorit- und
Talkschiefern, auch kristallinischen Kalken, im N. mit Kalk und
Kalkschiefer. Zu ihnen gesellen sich an den Seiten silurisches und
devonisches Übergangsgebirge, am westlichen Fuß
Kohlenkalkstein, auf beiden Seiten Kohlengebirge. Um die ganze
Südwestseite schlingt sich die permische Formation mit ihrem
Rotliegenden, mit Süßwasserkalk, mächtigem Gips,
Kupfersandstein und echtem Zechstein. Dem Jura gehört nur der
nördliche Fuß an. Von massigen Gesteinen treten auf
Granit, Syenit, Diorit, Serpentin, Augit-, zum Teil Uralitporphyre
und Mandelsteine, die bis Nowaja Semlja reichen. Jüngere
Eruptivgesteine fehlen gänzlich. Wohl kommen Erze auf
Gängen vor, so die Golderze von Beresow, ebenda
Bleiglanzgänge mit dem Rotbleierz; wichtiger sind aber die
sekundären Lagerstätten im Übergangsgebirge, im
Kupfersandstein und besonders im Schuttland. Dem silurischen
Gebirge gehören die reichen Magneteisensteinberge an, ebenso
die wichtigen Kupferlagerstätten. So liegen bei Nishne-Tagilsk
die Kupfergruben, welche die mächtigen Malachitstöcke
liefern, ebenso der mächtige Magneteisensteinberg Wisokaya
Gora; andre sind der Blagodat bei Kuschwinsk und der Katschkanor,
westlich von Werchoturie. Aus der Zerstörung
goldführender Quarzgänge, insbesondere im Talkschiefer,
und von platinführenden Serpentinen stammen die gold- und
platinführenden Seifengebirge, aus denen diese Metalle
ausgewaschen werden. Das Gold ist stets von Magnet-, das Platin von
Chromeisenstein aus dem zerstörten Muttergestein begleitet.
Die Fläche, auf welcher Goldseifen vorkommen, berechnet man
auf 40,500 qkm (735 QM.). Während die goldreichen Seifenwerke
auf der asiatischen Seite liegen, finden sich die Platinseifen mehr
auf der europäischen. 1884 wurden auf einer Fläche von
4591 qkm mit 42,690 Arbeitern aus goldhaltigem Sand 7960 kg Rohgold
und im Laboratorium zu Jekaterinenburg 7093 kg Gold, 900 kg Platina
und 560 kg Silber gewonnen; außerdem wurden 1167 kg Quarzgold
und in zwölf Bergwerken 1339 kg Platina ausgegraben. An
Kupfer, welches vorzugsweise gediegen, als Rotkupfererz und
Malachit (z.B. bei Nishne-Tagilsk), und in kalkigen Kiesen (bei
Bogoslowsk) etc. vorkommt, liefert der U. in acht Bergwerken mit
5309 Arbeitern 3600 Ton. Silber und Blei sind von geringerer
Wichtigkeit, von um so größerer die Eisenerze,
vorzüglich der bis in den südlichen U. verbreitete
Magneteisenstein. Von dem Gesamtertrag aller Eisenhütten in
ganz Rußland kommen auf das Gouvernement Perm allein 8/13 und
auf die Demidowschen und Jakowlewschen Hütten 1/4. 1884 wurden
in 59 Hüttenwerken 343,000 T. Roheisen, und in 7
Bessemerwerken 31,000 T. Stahl produziert; in der Eisenindustrie
waren 133,493 Arbeiter thätig. Der größte Teil des
Eisens kommt auf der Messe zu Nishnij Nowgorod in den Handel. An
Manganerzen wurden 14,463 Doppelzentner gewonnen. Seit einigen
Iahren wird am Westabhang auch Bergbau auf Steinkohlen betrieben
(ca. 21,000 T.). Außerdem liefert der U. mannigfache
schöne Gesteine und interessante Mineralien, welche zum Teil
auch am U. für architektonische Zwecke und als Schmucksteine
geschliffen werden, z. B. Porphyr, Jaspis, Kieselmangan, Achat,
Bergkristall, Malachit u. a. Vor allem reich ist das kleine
Ilmengebirge bei Mijask an Mineralien (Eläolith,
Amazonenstein, großblätteriger sibirischer Glimmer,
Pyrochlor, Äschynit, Titanit, Zirkon, prachtvolle Topase,
Korund u. a.), ferner die Gegend von Slatoust im südlichen und
die von Mursinsk im mittlern U. (mit mächtigen Topas-, Beryll-
und Rauchtopaskristallen). In den Seifen von Bissersk hat man vor
Jahrzehnten auch kleine Diamanten gefunden.
Während im arktischen U. die Kälte, im
äußersten Süden die Trockenheit den Baumwuchs
verhindern und im nördlichen U. nur in den Thälern die
sibirische Lärche vorkommt, sind doch zwei Drittel des Urals
mit dichtem Urwald, wo die Hüttenwerke ihn nicht aufgezehrt
haben, bedeckt. Im N. unterbricht nur die Birke den Ernst der
vorherrschenden Nadelwälder, während im südlichen
U., dem lieblichsten Teil des Gebirges, alle Berghöhen mit
gemischtem Laubwald (Kiefern, Linden, Birken, auch Eichen) bedeckt
sind. Hier weidet der Baschkire seine Herden in den wasserreichen
Thalgründen, während im höchsten Norden der Samojede
mit seinen Renntierherden umherzieht. Der Wald ist reich an
jagdbaren Tieren, darunter auch Pelztieren (Eichhörnchen,
Füchse, Wölfe), an Wald- und Schneehühnern,
Schnepfen und Wachteln, aber auch an Bären, die den vielen
Beeren (Himbeeren, Vaccinien) nachgehen. Pflanzen- und Tierwelt
schließen sich, den tiefen Süden ausgenommen, zu beiden
Seiten des Gebirges ganz an die europäischen an. In der Mitte
und im SO. liegen zahlreiche wohlhabende Städte mit
vorherrschend russischer Bevölkerung, die sich hier in der
Nähe der aufblühenden zahlreichen Berg- und
Hüttenwerke (Sawody) angesiedelt hat. Jekaterinenburg im
mittlern, Mijask und Slatoust, das uralische Birmingham, im
südlichen U. sind die Mittelpunkte großartiger
Thätigkeit. Die erste Eisenbahn über den U. ist 3.
März 1878 von Perm nach Iekaterinenburg eröffnet worden.
Vgl. Hofmann und Helmersen, Geognostische Untersuchung des
Süduralgebirges (Berl. 1831); Humboldt, Fragments de
géologie et de climatologie asiatique (deutsch, das. 1832);
Rose, Mineralogisch-geognostische Reise nach dem U. (das. 1837-42,
2 Bde.); Murchison, Geology of Russia in Europe and the U.
mountains (Lond. 1846; deutsch von Leonhard, Stuttg. 1847-48);
Schrenk, Orographisch-geognostische Übersicht des Uralgebirges
im hohen Norden (Dorp. 1849); Kowalki u. E. Hofmann, Der
nördliche U. (Petersb. 1853, 2 Bde.); Ludwig, Überblick
der geologischen Beobachtungen im U. (Leipz. 1862); Derselbe,
Geognostische Studien (Darmst. 1862); Hochstetter, über den U.
(Berl. 1873); Hiekisch, Das System des Urals (Dorp. 1882).
1041
Uralaltaische Sprachen - Uralit.
Uralaltaische Sprachen, weitverzweigte Sprachenfamilie,
die auch als turanische oder finnisch-tatarische oder skythische
oder altaische bezeichnet wird und sich von Ungarn und Finnland bis
Nordostasien erstreckt. Sie wird gewöhnlich in fünf
Hauptgruppen zerlegt:
1) Die finnisch-ugrische Gruppe, in Rußland und Ungarn,
umfaßt das Finnische oder Suomi, das in Finnland von etwa 2
Mill. Menschen gesprochen wird, die altertümlichste Sprache
dieser Gruppe, nebst dem Esthnischen in Esthland, dem im Aussterben
begriffenen Livischen in Livland und einigen minder wichtigen
Dialekten; das Lappische, in Lappland; dann östlich und
südöstlich von den vorigen die immer mehr verschwindenden
Nationalsprachen verschiedener kleinerer Stämme, der
Tscheremissen zwischen Kasan und Nishnij Nowgorod, der Mordwinen an
der mittlern Wolga, bis zum südlichen Ural hin, der
Syrjänen, Wotjaken und Permier, nordöstlich von den
vorigen, endlich die Sprachen der Ostjaken und Wogulen, am Ob
über weite, aber sehr dünn bevölkerte Strecken sich
ausdehnend, nahe verwandt mit der wichtigsten Sprache dieser
Gruppe, dem Magyarischen der Ungarn. Das Magyarische, durch eine
verhältnismäßig alte und bedeutende Litteratur
ausgezeichnet, umfaßt ein größeres Gebiet im W.
von Ungarn, von Preßburg an, wo das deutsche Sprachgebiet
beginnt, und ein kleineres, von dem vorigen getrenntes im SO., wo
es ringsum von Rumänen umgeben ist.
2) Die samojedische Gruppe, nördlich von der vorigen, am
Eismeer hin weit nach Sibirien hinein reichend, zerfällt in
vier Dialekte, die aber zusammen nur von ungefähr 20,000
Individuen gesprochen werden.
3) Die türkisch-tatarische Gruppe, die verbreitetste von
allen, reicht von der europäischen Türkei mit geringen
Unterbrechungen bis zur Lena und begreift folgende Sprachen in
sich: Jakutisch, die Sprache der Jakuten, an der Lena im
nordöstlichen Sibirien, welche ringsum von Tungusen (s. unten)
umgeben sind; Kirgisisch, in dem an China angrenzenden Teil von
Turkistan; Uigurisch, mit einem besondern, aus den syrischen
Buchstaben zurechtgemachten Alphabet, nebst Turkmenisch,
Tschagataisch und Uzbekisch, im übrigen Turkistan;
Kumükisch, im nordöstlichen Kaukasus, und Nogaisch,
nördlich vom Schwarzen Meer und in der Krim; Osmanli oder
Türkisch, die wichtigste Sprache dieser Gruppe, in
Konstantinopel, Philippopel und einigen andern Enklaven in der
europäischen Türkei sowie im Innern von Kleinasien
herrschend; verwandt damit ist das isolierte Tschuwaschisch, das
von dem Tscheremissischen und Mordwinischen umschlossen wird.
4) Die mongolische Gruppe zerfällt in das eigentliche
Mongolisch im nördlichen China, das Burätische am
Baikalsee und das Kalmückische westlich davon, mit
Ausläufern, die bis nach Südrußland reichen.
5) Die tungusische Gruppe, in Nordostasien, reicht vom Jenissei
bis an das Ochotskische Meer, im NO. bis an das Eismeer, im S. bis
weit nach China hinein. Die wichtigste der dazu gehörigen
Sprachen ist das Mandschu, in der chinesischen Mandschurei, mit
einer mehrere Jahrhunderte alten Litteratur und einem besondern
Alphabet. Von einigen wird auch die Sprache der ältesten
Gattung der Keilschrift, das Akkadische oder Sumerische, zu dem
uralaltaischen Sprachstamm gezählt; doch ist die
Verwandtschaft, wenn sie besteht, jedenfalls nur eine sehr
entfernte. Ebenso zweifelhaft ist die von Ewald, Schott, Hofmann u.
a. angenommene Verwandtschaft des Japanischen mit den
uralaltaischen Sprachen. Auch die fünf oben genannten Gruppen
stehen keineswegs in nahen Beziehungen zu einander und haben keine
oder wenige Wörter und Wurzeln, vielmehr nur den grammatischen
Bau miteinander gemein. Sie gehören nämlich alle der
sogen. agglutinierenden Stufe des Sprachbaues (s.
Sprachwissenschaft, S. 181) an, und zwar ist die Art der
Agglutination bei ihnen eine ganz besondere, indem sie Wurzel und
Flexionsendungen dadurch in eine feste Wechselbeziehung zu einander
setzen, daß in den Endungen immer dieselbe Art von Vokalen
erscheinen muß wie in der Wurzel. So heißt im
Türkischen "von unsern Vätern" babalarumdan; aber der
entsprechende Kasus von dedeh, "Großvater", lautet
dede-lerinden, weil auf die "leichten" Vokale e der Wurzel auch in
der Endung nur leichte Vokale folgen dürfen. In
sämtlichen uralaltaischen Sprachen sind so die Vokale in
leichte und schwere eingeteilt; doch gibt es daneben in vielen
Sprachen auch neutrale Vokale. Andre allen fünf Gruppen
gemeinsame Eigentümlichkeiten sind: die
Aufeinanderhäufung einer fast unbegrenzten Anzahl von Endungen
an die Wurzel, welche stets unverändert bleibt, die
Anhängung des besitzanzeigenden Fürwortes an das
Hauptwort und die Scheidung der Konjugation in eine bestimmte und
unbestimmte. Die Sprachen jeder Gruppe sind meistens unter sich
sehr nahe verwandt; namentlich ist es wichtig, zu bemerken,
daß z. B. das Türkische sich vom Nogaischen in
Südrußland nicht stärker unterscheidet als das
Hochdeutsche vom Niederdeutschen und selbst von dem weit entfernten
und isolierten Jakutischen an der Lena nicht mehr absteht als das
Deutsche vom Skandinavischen. Stärker gehen die Sprachen der
finnisch-ugrischen Gruppe auseinander und lassen sich insofern etwa
den einzelnen Sprachenfamilien des indogermanischen Sprachstammes
vergleichen. Über ihre Gruppierung gehen die Ansichten
auseinander; die obige Aufzählung gründet sich auf die
neuesten Untersuchungen von Budenz (s. d.), der sieben
Unterabteilungen der finnisch-ugrischen Gruppe annimmt,
während andre sie in vier Hauptzweige einteilen, den
finnischen, permischen, ugrischen und wolga-bulgarischen Zweig. Die
erste vollständige Nachweisung des Zusammenhanges der
uralaltaischen Sprachen, welche eine der wichtigsten Entdeckungen
der modernen Sprachwissenschaft ist, findet sich in den zahlreichen
grammatischen Arbeiten des finnischen Sprachforschers Castren (s.
d.). Vgl. auch Böhtlingk, Über die Sprache der Jakuten
(Petersburg 1851); Boller, Die finnischen Sprachen (Berichte der
Wiener Akademie 1853 -57); Ahlquist, Forschungen auf dem Gebiet der
uralaltaischen Sprachen (Petersb. 1861); Vambéry,
Tschagataische Sprachstudien (Leipz. 1867); Schott, Altaische
Studien (Berl. 1860-72, 5 Hefte); Weske, Untersuchungen zur
vergleichenden Grammatik des finnischen Sprachstammes (Leipz.
1873); Budenz, Über ugrische Sprachvergleichung (Verhandlungen
der Innsbrucker Philologenversammlung 1874); Derselbe, Über
die Verzweigung der ugrischen Sprachen (in den "Beiträgen zur
Kunde der indogermanischen Sprachen", 4. Bd., Götting.1878);
Donner, Vergleichendes Wörterbuch der finnisch-ugrischen
Sprachen (Helsingfors 1874-76, 2 Tle.); Prinz L. Bonaparte,
Remarques sur la classification des langues ouraliques (in der
"Revue de Philologie", Par. 1876); Winkler, Uralaltaische
Völker und Sprachen (Berl. 1884); Derselbe, Das Uralaltaische
und seine Gruppen (das. 1885).
Uralit, s. Hornblende.
Meyers Konv.- Lexikon, 4. Aufl , XV. Bd. 66
1042
Verzeichnis der Illustrationen im XV. Band.
Seite
Sonne, Tafel 28
Spanien und Portugal, Karte 63
Spektralanalyse, Tafel 117
Sperlingsvögel, Tafel I u. II 126
Spinnmaschinen, Tafel 148
Spinnentiere, Tafel 153
Spinnfaserpflanzen, Tafel 155
Spiritusfabrikation, Tafel 163
Sprachenkarte, mit Textblatt 181
Steiermark, Karte 256
Steinkohlenformation, Tafel I u. II 272
Steinkohlenformation, Tafel III: Profil des Zwickauer
Kohlenfeldes 272
Steinzeit, Kultur der, Tafel 280
Stenographie, Schrifttafel 290
Sternwarte, Tafel, mit Textblatt 306
Stettin, Stadtplan 307
Stockholm, Stadtplan, mit Karte der Umgebung 339
Straßburg, Stadtplan 371
Straußvögel, Tafel 383
Stubenvögel, ausländische, Tafel 401
Stuttgart, Stadtplan 408
Takelung, Tafel 495
Tanne, Tafel 510
Tauben, Tafel 536
Telegraph, Tafel I u. II 564
Terrakotten, antike, Tafel 598
Tertiärformation, Doppeltafel 601
Theaterbau, Tafel, mit illustriertem Textblatt 624
Thonwarenfabrikation, Tafel 663
Thüringer Wald, geologische Karte 683
Tintenschnecken, Tafel 716
Tirol, Karte 721
Tongting, Karte 751
Torfgewinnung, Tafel 760
Torpedos, Tafel 764
Triasformation, Doppeltafel 827
Türkisches Reich, Übersichtskarte 917
Türkisches Reich, Karte der Balkanhalbinsel 917
Türkisches Reich, Geschichtskarte 925
Uhren, elektrische, Tafel 976
Ungarn: Länder der ungarischen Krone, Karte 999
Abbildungen im Text.
Seite
Soest, Stadtwappen 2
Solferino, Kärtchen zur Schlacht bei 10
Sondershausen, Stadtwappen 26
Sonnenfinsternis, 4 Figuren 32
Sonnenmikroskop 35
Sonnenscheibe, geflügelte (ägyptisches Qrnament)
35
Sonnenuhr 36
Spandau, Stadtwappen 62
Spandrille 62
Spechter (Trinkglas) 112
Speier, Stadtwappen 115
Spektralanalyse, Fig. 1-6 118-119
Spektrometer 121
Sperrgetriebe, Fig. 1 u. 128
Spezia, Situationskärtchen 129
Spezifisches Gewicht (Apparate), Fig. 1-5 130-132
Spezifische Wärme: Kalorimeter, Fig. 1-3 132-133
Sphinx (im Berliner Museum) 135
Spiegel, antike, Fig. 1-4 136-137
Spiegelung, Fig. 1-9 139-141
Spinnen (Werkzeuge), 6 Figuren 147-149
Spinnerin, griechische (Vasenbild) 152
Spinnentiere (Pentastomum taenioides und denticulatum), 2
Figuren 154
Spiralpumpe 159
Spiritus: Apparate, Fig. 1-4 164-167
Spitzzahnornament 172
Sponton (Waffe) 175
Sprache: Mundstellung bei Vokalen, Fig. 1-3 177
Spremberg, Stadtwappen 186
Sprengen: Zündelektrisiermaschine, Fig. 1 u. 2 187
Sprengwerk (Bauwesen), Fig. 1-6 189
Stab (Baukunst) 207
Stade, Stadtwappen 210
Standfähigkeit 225
Stargard i. P., Stadtwappen 234
Stärke: Formen von Stärkemehlkörnern, Fig. 1 u. 2
236
Staubgefäße der Pflanzen, Fig. 1-8 246-247
Stechheber 252
Steinbrechmaschine 263
Steinverband (Bauwesen), Fig. 1-10 279
Stele (Grabstein) 283
Stelzenschuhe, 2 Figuren 284
Stendal, Stadtwappen 286
Stengel verschiedener Pflanzen etc., Fig 1-6 287-288