Oberlauf Humuya genannt, mündet in die Hondurasbai, ist
wasserreich und bietet mit seinen Nebenflüssen ausgedehnte
Wasserstraßen, wird aber an der Mündung durch eine
seichte Barre geschlossen.
Ulunda, afrikan. Reich, s. Lunda.
Ulungu, afrikan. Land, s. Urungu.
Ulva L., Algengattung aus der Familie der Ulvaceen,
charakterisiert durch einen häutig blattartigen, am Grund
festgewachsenen Thallus, in gegen zehn Arten in den
europäischen Meeren vertreten. U. lactuca L. (Meerlattich),
mit 5,5-16 cm großem, lebhaft grünem, wolligem,
geteiltem und zerschlitztem Thallus, wird (in England) wie Salat
gegessen.
988
Ulverston (spr. öllwerst'n), Hauptstadt des Bezirks
Furneß in Lancashire (England), durch einen Kanal mit der
Morecambebai verbunden, hat Eisenhütten, Papiermühlen und
(1881) 10,001 Einw.
Ulwar, britisch-ind. Staat, s. Alwar.
Ulysses (unlatein. statt Ulixes), s. Odysseus.
Ülzen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Lüneburg, in der Lüneburger Heide und an der Ilmenau,
Knotenpunkt der Linien Lehrte-Harburg und Stendal-Langwedel der
Preußischen Staatsbahn, 35 m ü. M., hat 4 Kirchen und
Kapellen, ein Realprogymnasium, ein Hospital, ein Amtsgericht, eine
Handelskammer,einen landwirtschaftlichen Verein,eine Zuckerfabrik,
Eisengießerei, Maschinen-, Feuerspritzen-, Leder-, Tabaks- u.
Zigarrenfabrikation, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Flachsbau,
Handelsgärtnereien, ansehnliche Vieh- und Flachsmärkte
und (1885) mit der Garnison (eine Eskadron Dragoner Nr. 16) 7412
meist evang. Einwohner. In unmittelbarer Nähe ergiebige
Mergelgruben. U. entstand im 10. Jahrh. als Löwenwolde und war
im Mittelalter Hansestadt. In der Umgegend heidnische
Begräbnisstätten und das ehemalige Benediktinerkloster
Ullesheim. Vgl. Ringklib und Siburg, Geschichte der Stadt Ü.
(Hannov. 1859); Janicke, Desgleichen (das. 1889).
Uman, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kiew, an der Umanka
(Nebenfluß des Bug), mit Schloß, 5 Kirchen, Synagoge,
Kloster, mehreren Fabriken, Handel und (1885) 15,976 Einw. In der
Nähe das prächtige kaiserliche Schloß Sofiowka.
Umbella (lat., "Sonnenschirm"), in der Botanik die Dolde, eine
Art des Blütenstandes (s. d., S. 80).
Umbelliferen (Umbellatae, Doldengewächse), dikotyle
Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Umbellifloren, einjährige
und perennierende Kräuter mit wechselständigen, meist
mehrfach fieder- oder handförmig eingeschnittenen oder
geteilten, seltener ganzen Blättern mit am Grund
verbreitertem, scheidigem Blattstiel, seltener mit blattförmig
entwickeltem Stiel ohne Blattfläche. Für die ganze
Familie ist der Blütenstand charakteristisch. Derselbe bildet
meist eine zusammengesetzte Dolde (umbella), welche aus wenigen bis
zahlreichen Döldchen (umbellula) besteht. Die Dolde ist
öfters von einer aus meist getrennten, schmalen
Hochblättern bestehenden Hülle (involucrum), jedes
Döldchen von einem ähnlichen Hüllchen (involucellum)
umgeben. Die Blüten sind zwitterig, bisweilen durch
Fehlschlagen eingeschlechtig, verhältnismäßig
klein, gelb oder weiß, seltener rötlich, im allgemeinen
regelmäßig, jedoch die äußern jedes
Döldchens bisweilen strahlend, d.h. die nach außen
gekehrten Blumenblätter größer. Der Kelch bildet
auf dem unterständigen Fruchtknoten einen aus fünf
kleinen Zähnen bestehenden oder fast ganz undeutlichen Saum.
Die fünf Blumenblätter sind außerhalb des den
Scheitel des Fruchtknotens krönenden, meist stark entwickelten
Diskus inseriert. Die fünf Staubgefäße stehen an
derselben Stelle wie die Blumenblätter und abwechselnd mit
ihnen. Der unterständige, zweifächerige Fruchtknoten hat
in jedem Fach eine einzige hängende, anatrope Samenknospe; die
beiden endständigen Griffel sind am Fuß in einen
Griffelfuß vereinigt, oben auseinander stehend und jeder an
der Spitze mit einer ungeteilten Narbe versehen. Die Frucht stellt
bei allen ein Doppelachenium dar, welches in zwei einsamige
Teilfrüchtchen oder Merikarpien (Fig. A, m m), den beiden
Fruchtknotenfächern entsprechend, zerfällt. Zwischen den
beiden Teilfrüchtchen bleibt der zentrale fadenförmige,
meist zweispaltige Fruchtträger (carpophorum, Fig. A, c)
stehen, an dessen beiden Schenkeln die Merikarpien aufgehängt
sind. Die Fläche, mit der die beiden Teilfrüchtchen
aneinander liegen, heißt Fugenfläche (Fig. B u. C, c),
die ihr entgegengesetzte, nach außen gewendete die
Rückenfläche. Letztere hat mehrere Längsrippen,
sogen. Joche, und zwar zunächst fünf Hauptrippen (juga
primaria, Fig. B, 1, 2, 3), von denen allemal eine in der Mitte,
zwei an den Seiten, der Fugenfläche zunächst, und je eine
zwischen diesen und der mittelsten Rippe stehen. Die Vertiefungen
zwischen je zwei Hauptrippen auf der Rückenfläche
heißen Thälchen (valleculae, Fig. B, t). In ihnen liegen
.in der Fruchtschale von oben nach unten gerichtete
Ölgänge, welche meist von außen als braune Striemen
(vittae) sichtbar sind, gewöhnlich bei den einzelnen Gattungen
in bestimmter Zahl vorkommen, seltener fehlen; auch in beiden
Seitenhälften der Fugenfläche pflegen Striemen
vorzukommen. Außer den Hauptrippen gibt es bei manchen
Gattungen auf der Rückenfläche jedes Teilfrüchtchens
noch 4 Nebenrippen (juga secundaria, Fig. C, 4, 5), welche zwischen
jenen aus der Mitte der Thälchen sich erheben; in diesem Fall
sind gewöhnlich die Hauptrippen kleiner oder fehlen. Der
einzige Same füllt das Merikarpium aus, ist mit seiner Schale
mit diesem verwachsen, seltener getrennt. Er enthält ein
reichliches fleischiges oder etwas horniges Endosperm und im obern
Teil desselben einen kurzen, geraden Embryo mit länglichen
Kotyledonen und nach oben gekehrtem Würzelchen. Vgl. A. P. de
Candolle, Mémoire sur la famille des Ombellifères
(Par. 1829). Die U. zählen über 1300 Arten, welche zum
größten Teil der gemäßigten und kältern
Zone der nördlichen Halbkugel angehören. Alle enthalten
ätherisches Öl oder Harz oder Gummiharz, welches in allen
Teilen der Pflanze in besondern Ölgängen vorkommt,
vorwiegend in den Wurzeln und Früchten. Wenige enthalten auch
narkotisch-scharfe Alkaloide. Manche sind überdies in ihren
Wurzeln oder den verdickten untern Stengelteilen reich an Schleim
und Zucker. Daher sind viele U. Gewürzpflanzen, mehrere
wichtige Arzneipflanzen; manche liefern Nahrungsmittel, andre
Futterstoffe; einige gehören zu den gefährlichsten
Giftpflanzen. Fossil sind nur sehr wenige Arten von U. aus den
Gattungen Peucedanites Heer und Dichaenites A. Br. in den
Tertiärschichten gefunden.
Umbelliflören, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem
unter den Dikotyledonen, Choripetalen, charakterisiert durch
verhältnismäßig kleine, meist in Dolden stehende
und meist zwitterige Blüten mit vier- oder
fünfgliederigen Blütenkreisen, vier oder fünf
A Doppelachenium von Chaerophyllum; B Durchschnitt durch die
beiden Teilfrüchtchen von Aethusa, C durch eins von
Daucus.
989
Umber - Umgeld.
Staubgefäßen, unterständigem Fruchtknoten,
welcher meist aus zwei Karpellen zusammengesetzt, zweifächerig
ist und in jedem Fach eine Samenknospe enthält, und durch
Samen mit Endosperm und kleinem, geradem Keimling, umfaßt die
Familie der Korneen, Umbelliferen und Araliaceen.
Umber,s.Schaf,S.379.
Umbérto, König von Italien, s. Humbert.
Umbilicus (lat.), Nabel.
Umbra (lat.), Schatten.
Umbra, Mineral von sehr wechselnder Zusammensetzung, im
wesentlichen amorphes, undurchsichtiges, wasserhaltiges
Eisensilikat mit viel Mangan und wenig Aluminium, dient als braune
Öl- und Wasserfarbe in der Wachstuchfabrikation, als
Vergoldergrund, zum Braunbeizen des Holzes, zu Firnissen etc. Die
beste U. (türkische U.) stammt von der Insel Cypern, doch
kommen an vielen Orten sehr ähnliche und gleich verwendbare
Substanzen vor. Die kölnische U. (Kölner oder Kasseler,
Kesselbraun)ist erdige Braunkohle, liefert durch Lösen in
Kalilauge und Fällen mit Säure den braunen Karmin.
Cyprische U., s. Bolus.
Umbrechen, s. Buchdruckerkunst, S. 559.
Umbreit, Friedr. Wilhelm Karl, protest. Theolog, geb. 11.
April 1795 zu Sonneborn bei Gotha, studierte in Göttingen,
ward daselbst 1818 Dozent der orientalischen Sprachen und 1820
außerordentlicher Professor der Theologie und Philosophie;
1823 ging er als ordentlicher Professor der letztern nach
Heidelberg, wo er 1828 mit Ullmann die "Theologischen Studien und
Kritiken" begründete und 1829 Ordinarius in der theologischen
Fakultät wurde; starb als Geheimer Kirchenrat 26. April 1860.
Er veröffentlichte unter anderm: "Lied der Liebe"
(Übersetzung des Hohenliedes, 2. Aufl., Heidelb. 1828);
"Übersetzung und Auslegung des Buches Hiob" (2. Aufl., das.
1832); "Kommentar über die Sprüche Salomos" (das. 1826);
"Übersetzung und Erklärung auserlesener Psalmen" (2.
Aufl., Hamb. 1848); "Kommentar über die Propheten des Alten
Testaments" (das. 184146, 4 Bde.); "Die Sünde, Beitrag zur
Theologie des Alten Testaments" (das.1853); "Der Brief an die
Römer, auf dem Grunde des Alten Testaments ausgelegt" (Gotha
1856).
Ümbrer (Umbrier, Umbri), altitalisches, in
früherer Zeit sehr mächtiges und verbreitetes Volk,
welches in der ältesten Zeit alles Land östlich vom
Apennin bis zum Vorgebirge Gargano herab und außerdem auch
das später so genannte Etrurien innehatte, im Verlauf der Zeit
aber aus allen übrigen Landschaften bis auf Umbria selbst
verdrängt wurde und auch von diesem den an der Küste
liegenden Teil (ager gallicus) an die senonischen Gallier verlor,
so daß es nur noch am östlichen Ufer des Tiber und auf
dem östlien Abhang des Apennin wohnen blieb. Mit den
Römern kamen die U. 3(9 v. Chr. zuerst in Berührung, sie
wurden 308 bei Mevania völlig geschlagen; noch einmal
beteiligten sie sich 298 in Verbindung mit den Samnitern, Etruskern
und Galliern an dem Kriege gegen Rom, mußten aber nach der
Schlacht bei Sentinum wiederum die Waffen niederlegen; im
Bundesgenossenkrieg erhielten sie 90 mit den übrigen freien
Bewohnern Mittel und Unteritaliens das römische
Bürgerrecht. Ihre Sprache, deren wichtigstes Denkmal die
Eugubinischen Tafeln (s. d.) sind, gehört zu dem
indogermanischen Sprachstamm und ist mit der lateinischen nahe
verwandt. Vgl. Grotefend, Rudimenta linguae umbricae (Hannov.
183539, 8 Tle.); Aufrecht und Kirchhoff, Die umbrischen
Sprachdenkmäler (Berl. 1851, 2 Bde.); Savelsberg, Umbrische
Studien (das. 1873); Bücheler, Umbrica (Bonn 1883). Die
Grenzen der Landschaft Umbria waren unter Augustus: im N. der
Rubico (gegen das cispadanische Gallien), im W. der Tiberis (gegen
Etrurien), im S. der Äsis (gegen das Sabinerland), im O. das
Adriatische Meer. Das im W. durch die Apenninengebirgige und etwas
rauhe, im übrigen ebene und fruchtbare Land war reich an
starken Rindern und an Obst. Die Flüsse der Landschaft sind
sämtlich Küstenflüsse von kurzem Laufe, von denen
nur der Metaurus Erwähnung verdient, oder Nebenflüsse des
Tiberis, unter denen der Nar (Nera) der bedeutendste ist.
Städte waren im westlichen Teil: Iguvium, Asisium, Fulginium,
Nuceria, Camers oder Camerinum, Spoletium, Tuder, Ameria,
Interamna, Narnia und Ocriculi; im östlichen Teil: Sarsina,
Sestinum,Urbinum Hortende, UrbinumMetaurense, Sentinum; am Meer:
Ariminum, Pisaurum, Fanum Fortunae und das gaische Sena (s. Karte
bei "Italia").Vgl. Abeken, Mittelitalien (Stuttg. 1843).
Umbrien (Umbria), s. Umbrer. Auch Name der italienischen
Provinz Perugia (s. d.).
Umdrehung (Umwälzung, Rotation, Revolution),
diejenige Bewegung eines Körpers, bei welcher alle Teile
desselben um eine in Ruhe bleibende gerade Linie, die Rotations-
oder Drehungsachse, Kreise beschreiben, deren Mittelpunkte in
dieser Geraden liegen, und deren Ebenen senkrecht auf ihr stehen.
Diese Kreise heißen Parallel kreise, die Schnittpunkte der
Achse mit der Oberfläche Pole.
Umdrehzähler, s. Perambulator.
Umdruck (überdruck), s. Lithographie, S.837.
Umeå (spr. úhmeo), Hauptstadt des schwed.
Läns Westerbotten, an der Mündung des Umeelf, hat eine
höhere Lehranstalt, Lehrerinnenseminar, Gewerbeschule,
Industrieschule, einen Hafen, ansehnlichen Handel mit Holz, Butter,
Fischen, Teer, Pelzwerk etc. und (1885) 2930 Einw. U. ist Sitz
eines deutschen Konsuls.
Der Umeelf entspringt aus einem See an der norwegischen Grenze,
durchfließt, südöstlich gewendet, außer
andern den großen See Stor-Umeä, nimmt links auf der
untersten Strecke seines Laufs den fast ebenso langen Vindelelf auf
und mündet nach 470 km langem Lauf (wovon 250 für
kleinere Fahrzeuge schiffbar) in den Bosnischen Meerbusen. Etwas
oberhalb der Mündung bildet er zwei der schönsten
Wasserfälle, den Lina Link und Fällforsan.
Umfang bedeutet in der Logik nach einigen den Inbegriff aller
derjenigen Begriffe, in deren Inhalt derjenige, um dessen U. es
sich handelt, als Merkmal erscheint, nach andern die Summe
derjenigen Gegenstände, auf welche ein Begriff sich bezieht.
Die Angabe des Umfangs heißt Einteilung (s. d.); insofern der
Subjektsbegriff eines Urteils einen gewissen U. besitzt,
läßt sich auch dem Urteil ein solcher beilegen (s.
Quantität). - Über U. in der Mathematik s.
Peripherie.
Umgang, s. Zunftgebräuche.
Umgehung, in der Taktik jedes gegen die Flanken oder den
Rücken des Feindes gerichtete Unternehmen, welches entweder
einen umfassenden Angriff vorbereiten, oder die Verbindungen und
Rückzugslinien des Feindes bedrohen und ihn dadurch in seinen
Bewegungen stören und aufhalten oder selbst zum Rückzug
veranlassen soll. Zu erfolgreicher U. gehören hinreichende
Kräfte, so daß man die Fronte des Feindes gleichzeitig
festzuhalten vermag.
Umgeld, s. Weinsteuer.
990
Umgelt - Umlauf.
Umgelt , s.Ungelt.
Uminski, Jan Nepomucen, poln. General, geb. 1780 im
Großherzogtum Posen, focht schon 1794 im Befreiungskampf
Kosciuszkos mit, bildete 1806 zu Warschau eine Ehrengarde für
Napoleon I, focht als Leutnant in einem poln. Ulanenregiment vor
Danzig und Dirschau, fiel aber bei letzterer Stadt verwundet in die
Hände der Preußen. Wieder frei, befehligte er im Kriege
gegen Österreich (1809) die Vorhut des Generals Dombrowski und
errichtete Ende 1809 das 10. polnische Husarenregiment, welches er
1812 als Oberst in Rußland befehligte, bildete Ende 1812,zum
Brigadegeneral befördert, das Reiterregiment Krakusen und ward
1813 bei Leipzig verwundet. Wegen seiner Teilnahme an der Stiftung
des patriotischen Bundes der Sensenträger (kossiniery) Anfang
1826 zu sechsjähriger Festungsstrafe in Glogau verurteilt,
entfloh er beim Ausbruch der polnischen Revolution im Februar 1831
aus der Festung und ward in der Insurrektionsarmee sofort als
Divisionsgeneral angestellt. In der Schlacht von Grochow 25. Febr.
entriß er dem russischen Feldherrn Diebitsch den Sieg. Ebenso
erwarb er sich am Narew (im März), bei Pultusk, am Liwiec (9.
und 10. April), bei Kaluschin (im Mai) und beim Sturm auf Warschau
(6. und 7. Sept.) hohen Ruhm. Nach dem Fall Polens von
Preußen und Rußland geächtet und in Posen als
Deserteur im Bild gehenkt, flüchtete er nach Frankreich.
Später lebte er in London und dann zu Wiesbaden, wo er im Juni
1851 starb. Er gab außer mehreren polnischen Schriften
über die Revolution ein "Recit des evenements militaires de la
bataille d'Ostrolenka" (Par. 1832) heraus.
Umkehrung, eine Vertauschung des Verhältnisses von
Oben und Unten derart, daß, was oben war, unten wird, und was
unten war, oben. Die U. spielt in der Theorie des Tonsatzes
mehrfach eine Rolle. Man spricht von einer U. der Intervalle, die
nichts ist als eine Oktavversetzung des höhern Tons unter den
tiefern oder des tiefern über den höhern. Die U. eines
Intervalls ist immer dasjenige andre Intervall, mit welchem es sich
zur Oktave ergänzt; es stehen also im Verhältnis der U.:
1) Sekunde - Septime 2) Terz - Serte 3) Quarte - Quinte und zwar
ist die U. eines reinen Intervalls wieder ein reines, die eines
großen ein kleines und die eines verminderten ein
übermäßiges und vice versa. Unter U. der Akkorde
versteht man den Wechsel des Baßtons, d.h. man nennt alle
Akkorde Umkehrungen, welche nicht den natürlichen Baßton
haben; der natürliche Baßton ist aber nach der
üblichen Auffassung der, welcher der tiefste ist, wenn die
Töne des Akkords terzenweise übereinander aufgebaut
werden. Man unterscheidet daher z. B. für den Dreiklang c.e.g
dreierlei Lagen, d.h. zwei Umkehrungen (Umlagerungen): a)Grundlage
(Baßton c) b) 2. Lage, 1. U. (Baßton e) = Sextakkord
e.g.c c) 3. Lage 2. U. (Baßton g) = Quartsextakkord g.c.e Die
U. eines Motivs (Thema in der Gegenbewegung), eins der
interessantesten imitatorischen Wirtungsmittel, besteht darin,
daß alle Stimmschritte des Themas in umgekehrter Richtung
gemacht werden (steigend statt fallend , fallend statt
steigend).
Die U. kann wie jede andre Art der Imitation eine strenge oder
freie sein. In der Fugenkomposition wird die U. des Themas vielfach
verwendet, sei es, daß dieselbe als Antwort auftritt oder
aber, daß sie selbständig durchgeführt wird
(Gegenfuge). Vgl.Nachahmung. In der Logik versteht man unter U.
diejenige Veränderung, welche mit einem logischen Satz
vorgeht, wenn der Subjektbegriff zum Prädikatbegriff und
umgekehrt gemacht (Konversion, s.d.) oder derselbe aus einem
bejahenden in einen verneinenden (oder umgekehrt) verwandelt wird
(Kontraposition, s.d.).
Umladuugsrecht, s. Umschlag.
Umlagen werden vielfach wegen der Form ihrer Bemessung und
Veranlagung (Umlegung, Repartierung, Verteilung einer gegebenen
Summe auf die Pflichtigen) Gemeinde- und Kreissteuern im Gegensatz
zu Staatssteuern genannt.
Umlageverfahren, im Versicherungswesen
(Gegenseitigkeitsversicherung) dasjenige Verfahren, welches die
jeweilig zu zahlenden Summen (z. B. bei eingetretenen
Feuersbrünsten, Hagelschäden, Sterbefäl-len etc.)
auf die Gesamtheit der Versicherten als Prämien umlegt und von
denselben einhebt. Den Gegensatz zu demselben bildet das
Kapitaldeckungs- oder Anlageverfahren. Letzteres bemißt die
Prämie nach Maßgabe der Wahrscheinlichkeit des Eintritts
und der Höhe der Gefahr, bez. der zuzahlenden Summe und legt,
wenn diese Summe im Lauf der Zeit steigt, die Prämien als
Prämienreserve verzinslich an, um den erhöhten
Anforderungen der spätern Zeit genügen zu können und
die Lasten möglichst gleichmäßig zu verteilen. Bei
der Invalidenversicherung würden alle Mitglieder der
versicherten (gleichalterigen) Gesellschaft von vornherein
gleichviel zahlen, trotzdem die zu zahlenden Renten im Lauf der
Zeit steigen. Bei einem reinen U. würden nur die jeweilig
fälligen Renten eingehoben. Die Last würde im Anfang
gering sein, später aber so hoch werden, daß eine
Fortsetzung der Versicherung unmöglich würde. Um letztere
wirklich fortführen zu können, müßten immer
wieder jüngere beitragspflichtige Mitglieder neu herangezogen
werden. Bei Neueinführung einer Versicherung, welche nur die
fortab eintretenden, nicht auch die schon früher vorgekommenen
Fälle der Verunglückung und der Invalidität
berücksichtigt, würden die zu entrichtenden Prämien
im Lauf der Zeit steigen, bis endlich bei genügender
Ausdehnung der Versicherung ein Beharrungszustand erreicht wird.
Ist die Gefährdung für alle Versicherten immer die
gleiche, so hat das Kapitaldeckungsverfahren mit
Prämienanspeicherung keine Berechtigung. Demgemäß
ist das U. bei der Feuer-, bei der Hagelversicherung etc. anwendbar
und am Platz. Die Frage, ob U. oder Anlageverfahren, war
gelegentlich der Einführung der berufsgenossenschaftlichen
Unfallversicherung in Deutschland, dann vor Erlaß des
Gesetzes über die Alters- und Invaliditätsversicherung
der Arbeiter Gegenstand lebhafter Erörterungen. Für die
letztere Versicherung wurde ein Mittelweg eingeschlagen, indem
durch die in einem Zeitabschnitt gezahlten Beiträge die
Kapitalwerte der in dieser Zeit fällig werdenden Renten
gedeckt werden sollen. Vgl. Beutner, U. oder Kapitaldeckung (Berl.
1884); A. Wagner in Schönbergs "Handbuch der politischen
Ökonomie", Bd. 2, S.816 (2. Aufl., Tübing. 1886).
Umlauf (Umlauff), Ignaz, Komponist, geb. 1752 zu Wien,
begann seine musikalische Laufbahn als Violinist des Wiener
Hofoperntheater- Orchesters und wurde 1778 von Joseph H. zum
Musikdirektor der Deutschen Oper ernannt. Zur Eröffnung
derselben hatte der Kaiser selbst Umlaufs Oper "Die Bergknappen"
bestimmt, welche beim Publikum großen Anklang fand und als
der erste Waffengang im Kampf
991
Umlauf am Finger - Umtrieb.
gegen die Herrschaft der italienischen Oper in Deutschland
historische Bedeutung erlangt hat. Er starb um 1799 in Wien.- Sein
Sohn Michael, geb. 9. Aug. 1781 zu Wien, gest. 20. Juni 1842
daselbst, ebenfalls Musikdirektor der Deutschen Oper in Wien und
fruchtbarer Komponist, machte sich besonders verdient um die Werke
Beethovens, den er bei den Aufführungen des "Fidelio" (1822)
und der neunten Symphonie (1825), von deren Leitung Beethoven
selbst bei seiner völligen Taubheit abstehen mußte, als
Dirigent aufs wirksamste unterstützte.
Umlauf am Finger, s. Fingerentzündung.
Umlaufgetriebe, s. Getriebe.
Umlaut, eine vorzugsweise den jüngern germanischen
Sprachen eigentümliche Trübung derjenigen Vokale, auf die
eine den Vokal i oder den Halbvokal j enthaltende Beugungs- oder
Ableitungssilbe folgt oder einstmals folgte, welche Trübung
aber nur die Qualität, nicht zugleich auch die Quantität
derselben verändert. Der helle Vokal i übt nämlich
eine assimilierende Wirkung, indem er den Vokal der vorausgehenden
Silbe sich selbst ähnlich macht. Im Althochdeutschen tritt
diese Wirkung nur erst beim a ein, welches durch den Einfluß
eines i in der darauf folgenden Silbe zu dem hellern Vokale wird.
Im Mittelhochdeutschen dagegen beeinflußt ein folgendes i
alle Vokale der vorausgehenden Silbe, die nicht i-ähnlich
sind. So werden die kurzen Vokale a, u, o zu e, ü, ö, die
langen â, ô, û zu ae. oe, iu, die Diphthonge uo,
ou zu üe, öu. Der U. bleibt, auch wenn das i oder j
ausgefallen ist. So heißt es im Mittelhochdeutschen ich
valle, aber du vellest (fällst), weil die zweite Person
ursprünglich ein i hatte (althochd. vellis); von ruom (Ruhm)
wird gebildet rüemen (rühmen), weil es im
Althochdeutschen ruomjen hieß. Doch kommt es auch anderseits
nicht selten vor, daß mit dem Verlust des i oder j auch seine
Wirkung, der U., verschwindet, wie z.B. im Mittelhochdeutschen und
Neuhochdeutschen im Infinitiv für gotisch brannjan brennen
gesagt wird, aber im Imperfekt mittelhoch-deutsch brante (jetzt
brannte), obwohl die entsprechende gotische Form brannida lautet.
Im Neuhochdeutschen gelten als Umlautvokale und Diphthongen in der
Regel ä, ö, ü, äu; ä, äu werden im
allgemeinen da geschrieben, wo ein verwandtes Wort oder eine
verwandte Form mit a vorhanden oder auch ohne historische
Sprachkenntnis leicht zu vermuten ist, z.B. Mann, Männer,
Haus, Häuser, aber welsch von dem alten Wort walhisch,
"ausländisch", greulich neben grauem Der U.ist auch für
die deutsche Flexion von immer größerer Bedeutung
geworden; so dient er jetzt zur Bezeichnung der Mehrzahl, z.B.in
Männer, zum Ausdruck von Verkleinerungsformen, z.B. in
Häuschen. Übrigens ist er keineswegs konsequent
durchgeführt, und einzelne Mundarten haben ihn fast gar nicht,
vgl. z.B. die bayrisch-österreichische Form "ich war" für
"ich wäre". Der Name U. rührt von J. Grimm her, der auch
den Ausdruck "Brechung" (s. d.) erfand. In den skandinavischen
Sprachen hat auch das u die nämliche assimilierende Kraft.
Auch andre Sprachen haben dem U. verwandte Erscheinungen, dahin
gehört namentlich die im Griechischen u. der Zendsprache
häusige Epenthese (s.d.) des i.
Ummanz, Insel dicht an der Westseite von Rügen, 6 km
lang und 3 km breit; 7 Dörfer mit 360 Einw.
Ummerstadt, Stadt im sachsen-meining. Kreis
Hildburghausen, an der Rodach, hat eine evang. Kirche,
Töpferei, Gerberei und (1885) 825 Einw.