Hofgut mit einer Pfalz, wird zuerst 854 erwähnt und wurde von
Ludwig dem Deutschen und seinen Nachfolgern mehrfach zur Abhaltung
von Reichsversammlungen benutzt. Seit 1027 ist es als Stadt
nachzuweisen und wurde bald Hauptstadt des Herzogtums Schwaben.
Wegen seiner Anhänglichkeit an die Hohenstaufen wurde U. 1134
von Heinrich dem Stolzen von Bayern niedergebrannt und
geplündert. Doch erhob sich die Stadt seit 1140 zu neuer
Blüte und erscheint schon 1155 als Reichsstadt. 1274 erhielt
sie dieselben Freiheiten wie Eßlingen. Sie stand unter der
Vogtei der Grafen von Dillingen, dann der von Württemberg.
1247 widerstand sie heldenmütig dem Gegenkönig Heinrich
Raspe. 1331 trat sie in den Schwäbischen Städtebund und
beteiligte sich auch 1376 an der Einigung der schwäbischen
Städte. Eine Belagerung durch Kaiser Karl IV. in demselben
Jahr blieb erfolglos. An dem Krieg von 1388 nahm U. als Vorort des
Städtebundes hervorragenden Anteil. Seine Blütezeit
fällt in die zweite Hälfte des 14. Jahrh., wo es jedoch
nur eine Bevölkerung von 20,000 Einw. und ein Gebiet von 926
qkm (17 QM.) hatte. Die Reformation fand früh in U. Eingang;
schon 1526 trat die Stadt dem Torgauer, 1530 dem Schmalkaldischen
Bund bei, mußte sich aber 1546 Karl V. unterwerfen und 1548
das Augsburger Interim annehmen. Der Vertrag von U. (3. Juli 1620)
stellte den Frieden zwischen der Union und Liga her; 14. März
1647 wurde daselbst ein Waffenstillstand zwischen Bayern,
Frankreich und Schweden abgeschlossen. Am 26. Sept. 1796 fand hier
ein Gefecht zwischen den Österreichern unter Latour und der
französischen Arrieregarde unter Moreau statt. Durch den
Reichsdeputationsrezeß von 1803 verlor U. die Reichsfreiheit
und ward Hauptstadt des bayrischen Oberdonaukreises, 1805 aber von
den Österreichern besetzt. Bald darauf wurde hier der
österreichische Feldzeugmeister General Mack durch die
Franzosen unter Napoleon I. eingeschlossen und mußte sich 17.
Okt. mit 23,300 Mann kriegsgefangen ergeben. Infolge des Wiener
Friedens 14. Okt. 1809 ward U. von Bayern an Württemberg
abgetreten, 1842 zur Bundesfestung ersten Ranges bestimmt und der
Bau der Befestigungen namentlich von dem preußischen General
v. Prittwitz geleitet. Seit 1871 ist es deutsche Reichsfestung.
Vgl. Jäger, Ulms Verfassung im Mittelalter (Heilbr. 1831);
Pressel, Ulmisches Urkundenbuch (Stuttg. 1873); Derselbe, U. und
sein Münster (Ulm 1878); Haßler, Ulms Kunstgeschichte im
Mittelalter (Stuttg. 1872); Fischer, Geschichte der Stadt U. (das.
1863); Schultes, Chronik von U. (das. 1881); v. Löffler,
Geschichte der Festung U. (das. 1881).
Ulmaceen, dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der
Urticinen, Bäume und Sträucher mit
wechselbständigen, einfachen, gestielten, fiedernervigen,
gesägten, rauhen Blättern mit abfallenden
Nebenblättern und mit zwitterigen oder durch Fehlschlagen
eingeschlechtigen Blüten, welche in Büscheln stehen, die
aus besondern, an der Seite der Zweige stehenden Knospen
hervorkommen. Das Perigon ist krautartig oder etwas gefärbt,
fast glockenförmig, mit vier- oder fünf-, bisweilen
achtspaltigem Saum. Die meist in der gleichen Anzahl vorhandenen
Staubgefäße sind im Grunde des Perigons, den Abschnitten
desselben gegenüberstehend, inseriert. Der Fruchtknoten ist
oberständig, aus zwei Karpellen gebildet, zwei- oder
einfächerig, mit einer hängenden, anatropen Samenknospe
in jedem Fach. Die zwei abstehenden Griffel sind an der Innenseite
mit den Narbenpapillen besetzt. Die Frucht ist vom stehen
bleibenden Perigon umgeben, bald eine häutige
Flügelfrucht, bald ein lederartiges, glattes oder schuppiges
Nüßchen, durch Fehlschlagen stets einfächerig und
einsamig. Der Same hat eine häutige Schale, kein Endosperm und
einen geraden Embryo mit flachen Kotyledonen und kurzem, nach oben
gekehrtem Würzelchen. Vgl. Planchon, Ulmaceae, in De Candolles
"Prodromus", Bd. 17. Die aus ca. 140 Arten bestehenden U. sind
über die gemäßigte Zone der nördlichen
Halbkugel verbreitet; Vertreter der jetzt lebenden Gattungen Ulmus
und Planera kommen auch fossil in zahlreichen
Blätterabdrücken in Tertiärschichten vor. Manche
sind als Holzpflanzen und Zierbäume bemerkenswert
Ulme, s. Rüster.
Ulmen, im Bergbau die Seitenwände der Stollen; vgl.
Bergbau, S. 723.
Ulmin, Ulminsäure, s. Humus.
Ulna (lat.), Elle, Ellbogenknochen; Arteria ulnaris,
Ellenschlagader etc.
Ulothricheen, Familie der Algen aus der Ordnung der
Zoosporeen (s. Algen [3], S. 342).
Ulpianus, Domitius, berühmter röm.
Rechtsgelehrter, geboren um 170 n. Chr. zu Tyros, begann seine
öffentliche Thätigkeit in Rom unter Septimius Severus als
Assessor erst eines Prätors, dann Papinians, bekleidete unter
Alexander Severus, dessen Lehrer und Vormund er gewesen war, die
höchsten Ämter und ward 228 als Praefectus praetorio
von
985
Ulricehamn - Ulrich von Türheim.
den über seine Strenge erbitterten Prätorianern vor
den Augen des Kaisers ermordet. Als Jurist nimmt U. den ersten Rang
nach Papinian ein. Seine beiden Hauptwerke sind die dogmatischen
Darstellungen des prätorischen Rechts ("Ad edictum", in 83
Büchern) und des Zivilrechts ("Ad Sabinum", in 51
Büchern). Sie bilden die Grundlage der Pandekten und haben den
dritten Teil des in denselben angesammelten Stoffes geliefert.
Wertvoll ist auch die kleine Schrift "Tituli ex corpore Ulpiani",
gewöhnlich "Ulpiani fragmenta" genannt, herausgegeben von Hugo
(5. Aufl., Berl. 1834), Böcking (4. Aufl., mit Faksimile der
vatikanischen Handschrift, Leipz. 1855), Vahlen (Bonn 1856),
Huschke (5. Aufl., Leipz. 1886) und Krüger (Berl. 1878). Ein
Fragment von U.' Institutionen, welches 1835 in der Wiener
Hofbibliothek gefunden wurde, gab Endlicher (Wien 1835) heraus.
Vgl. Schilling, Dissertatio critica de Ulpiani fragmentis (Bresl.
1824); Heimbach, Über Ulpians Fragmente (Leipz. 1834). Der
sogen. "U. de edendo" ist eine mittelalterliche Prozeßschrift
aus der Zeit der Glossatoren (hrsg. von Hänel, Leipz.
1838).
Ulricehamn (früher Bogesund), Landstadt im schwed.
Län Elfsborg, am See Asunden und an der Eisenbahn U.-Wartofta,
hat ein Pädagogium, Gewerbeschule, Dampfsäge, Brauerei u.
(1885) 1134 Ew. Hier 18. Jan. 1520 Schlacht zwischen den Schweden
und Dänen, in welcher der schwedische Reichsvorsteher Sten
Sture der jüngere tödlich verwundet ward.
Ulrich, Herzog von Württemberg, geb. 1487, Sohn des
wahnsinnig gewordenen Grafen Heinrich IV., wurde bei seinem Vetter,
dem Herzog Eberhard I., mit dem Bart, erzogen und kam schon 1498,
nach der Absetzung des Herzogs Eberhard II., zur Regierung, die er
19. Juli 1503 selbständig übernahm. Er beteiligte sich
1504 am bayrisch-landshutischen Erbfolgekrieg, vollstreckte im
Verein mit Hessen die Acht gegen den Pfalzgrafen Philipp und
erlangte im Frieden eine bedeutende Gebietsvergrößerung.
Hierauf aber ergab er sich den rauschendsten Vergnügungen, in
denen er Ersatz für seine unglückliche Ehe mit der
Prinzessin Sabine von Bayern, einer Schwestertochter des Kaisers
Maximilian, suchte, während er die Regierung treulosen
Räten überließ. Die schon zuvor beträchtlichen
Schulden der Familie wuchsen bald bis zu 1 Mill. Gulden heran;
schwere Abgaben und unfruchtbare Jahre machten die Unterthanen
unzufrieden, und so erhob sich 1514 der Aufstand des "armen Konrad
, den U. nur dadurch dämpfen konnte, daß er im
Tübinger Vertrag, worin das Land die Bezahlung der
fürstlichen Schulden übernahm, dem Volk
außerordentliche Rechte und Freiheiten einräumte. Am 7.
Mai 1515 ermordete der Herzog auf der Jagd im Böblinger Wald
eigenhändig Hans v. Hutten, den er in dem Verdacht allzu
großer Vertraulichkeit mit seiner Gemahlin hatte, und reizte
dadurch auch den Kaiser, das bayrische Herzogshaus, bei welchem die
Herzogin Sabine Zuflucht gesucht, und den Adel, an dessen Spitze
sich die Huttens, vor allen Ulrich v. Hutten (s. d.), als
Rächer stellten, gegen sich auf. Er wurde daher 11. Okt. 1516
und zum zweitenmal im Juli 1518 in die Acht erklärt und,
nachdem er noch gegen seine Feinde grausam gewütet und die
Reichsstadt Reutlingen erobert und sie zu einer Landstadt gemacht
hatte, im April 1519 vom Schwäbischen Bund vertrieben und floh
nach einem mißlungenen Versuch der Wiedereroberung seines
Landes nach Mömpelgard. Das Land verkaufte der
Schwäbische Bund 1520 für den Ersatz der Kriegskosten an
Kaiser Karl V., der 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg seinen
Bruder Ferdinand damit belehnte. U. begab sich nach längerm
Aufenthalt im Ausland zum Landgrafen Philipp von Hessen nach
Marburg, wo er für die Reformation gewonnen wurde. Nachdem
sich 1534 der Schwäbische Bund aufgelöst hatte,
führte Philipp von Hessen U. an der Spitze von 20,000 Mann
nach Württemberg zurück, wo der Sieg bei Lauffen am
Neckar 13. Mai ihm sein Herzogtum wieder verschaffte; doch
mußte U. dasselbe in dem am 29. Juni d. J. zu Kaaden in
Böhmen mit Ferdinand zu stande gekommenen Vergleich als
österreichisches Afterlehen anerkennen. Bald nachher
führte er in seinem Lande das Reformationswerk zu Ende. Als
Mitglied des Schmalkaldischen Bundes ließ er 1546 eine
beträchtliche Truppenzahl zum Heer der Verbündeten an die
Donau vorrücken; nach dem unglücklichen Ausgang des
Kriegs mußte er nach dem Vertrag von Heilbronn eine
ansehnliche Summe zahlen, dem Kaiser mehrere Schlösser
einräumen und in Ulm vor diesem einen Fußfall thun. Auch
dem Augsburger Interim unterwarf er sich, ward aber dennoch von
einem kaiserlichen Gericht mit Absetzung bedroht, als er 6. Nov.
1550 starb. Vgl. Heyd, Herzog U. von Württemberg (Tübing.
1841-43, 3 Bde.); Kugler, U., Herzog zu Württemberg (Stuttg.
1865); Ulmann, Fünf Jahre württembergischer Geschichte
unter Herzog U., 1515-19 (Leipz. 1867).
Ulrich, Pauline, Schauspielerin, geboren um 1835 zu
Berlin, wo ihr Vater am Hoftheater Orchestermitglied war, machte
auf dem Liebhabertheater Konkordia in großen, auf dem
Hoftheater in kleinen Rollen die ersten praktischen Versuche, wurde
1856 in Stettin engagiert, aber fünf Monate später an das
Hoftheater zu Hannover berufen, dem sie bis 1859 angehörte. In
ebendem Jahr gastierte sie, von der Frieb-Blumauer empfohlen, am
Dresdener Hoftheater und trat im Mai 1859 in den Verband dieses
Instituts, dem sie noch heute angehört. Gleich bedeutend im
Trauer- wie im Lustspiel, ist sie am vorzüglichsten in
Darstellung weiblich-vornehmer Rollen, worin sie ihr
würdevolles, dabei grazioses und anmutiges Äußere
sehr wesentlich unterstützt.
Ulrich von Lichtenstein, mittelhochdeutscher Dichter, aus
ritterlichem steirischen Geschlecht um 1200 geboren, starb 1276. In
seinem Gedicht "Frauendienst", das zuerst Tieck teils in
Bearbeitung, teils in Übersetzung (Stuttg. 1812) bekannt
machte, gibt er eine Darstellung seines alle Wunderlichkeiten und
Verirrungen des ritterlichen Minnedienstes offenbarenden Lebens in
Strophen, welchen auch seine Lieder, ein Leich und mehrere
"Büchlein" (Liebesbriefe) eingeflochten sind. Außerdem
besitzen wir von ihm ein kleineres Lehrgedicht: "Frauenbuch". Beide
sind herausgegeben von Lachmann, mit historischen Anmerkungen von
Karajan (Berl. 1841), der "Frauendienst" allein von Bechstein
(Leipz. 1888, 2 Bde.); die lyrischen Gedichte hat auch v. d. Hagen
in seine "Minnesinger" (Bd. 4) aufgenommen. Vgl. Falke, Geschichte
des fürstlichen Hauses Liechtenstein, Bd. 1 (Wien 1869);
Knorr, Über U. v. L. (Straßb. 1875); Becker, Wahrheit
und Dichtung in U. von Lichtensteins Frauendienst (Halle 1888).
Ulrich von Türheim, deutscher Dichter aus dem
Thurgau, der im zweiten Viertel des 13. Jahrh. dichtete. Er setzte
Wolframs von Eschenbach "Willehalm" in dem Gedicht "Der starke
Rennewart" fort und dichtete einen Schluß zu Gottfrieds von
Straßburg "Tristan und Isolde" (gedruckt in den Ausgaben des
letztern Werkes von v. d. Hagen, Berl. 1823; Maßmann, Leipz.
1843).
986
Ulrich von dem Türlein - Ultimatum.
Ulrich von dem Türlein, deutscher Dichter aus der
zweiten Hälfte des 13. Jahrh., wahrscheinlich aus Kärnten
stammend, bearbeitete, als Ergänzung des "Willehalm" Wolframs
von Eschenbach, denjenigen Teil der Sage, der dem von Wolfram
behandelten Stoffe vorausgeht: die Entführung Arabeles. Die
einfache und in sich wohl abgerundete Erzählung ist in
verschiedenen Handschriften erhalten, aber noch nicht
veröffentlicht.
Ulrich von Winterstetten, Schenk, Minnesänger, war
ein schwäbischer Ritter, der seit 1241 in Urkunden vorkommt
und von 1258 bis 1269 als Kanonikus in Augsburg begegnet. In seinen
Liedern und Weisen, die der Mehrzahl nach aus seiner Jugendzeit
stammen mögen, herrscht ausgelassene Fröhlichkeit; wie er
selbst sagt, wurden sie ihrer leichten Form wegen auf den Gassen
gesungen. Eine Ausgabe derselben besorgte Minor (Wien 1882).
Ulrich von Zatzikhofen, deutscher Dichter des 12. Jahrh.,
aus dem Thurgau (Schweiz), verfaßte um 1195 seinen "Lanzelet"
nach einem französischen Original, das er durch Hug von
Morville, eine der sieben von Richard Löwenherz dem Herzog
Leopold von Österreich gestellten Geiseln, erhalten hatte, das
aber noch nicht wieder aufgefunden ist (hrsg. von Hahn, Frankf. a.
M. 1845). Vgl. Bächtold, Der Lanzelet des U. v. Z. (Frauenf.
1870).
Ulrichs, Heinrich Nikolaus, Archäolog, geb. 8. Dez.
1807 zu Bremen, studierte in Leipzig, Bonn und München, ging
1833 als begeisterter Philhellene nach Griechenland und wirkte hier
ein Jahrzehnt erfolgreich lehrend und schreibend für
Einführung des Lateinunterrichts in Gymnasium und
Universität in Athen als Professor der lateinischen Litteratur
und Altertumskunde an der letztern. Mit dem Maler K. Rottmann
durchwanderte er Nordgriechenland und andre Teile des Landes und
sammelte überall wertvolle Beobachtungen, welche niedergelegt
sind in dem Werk "Reisen und Forschungen in Griechenland" (Bd. 1,
Brem. 1840; Bd. 2, hrsg. v. A. Passow, Berl. 1863). Er starb 10.
Okt. 1843 in Athen. Aus seinen Papieren veröffentlichte W.
Henzen italienisch "Viaggi ed investigazioni nella Grecia" in den
"Annali dell' Istituto archeologico", Bd. 18 und 20.
Ulrichstein, Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis
Schotten, in rauher Gegend am Vogelsberg und am Ursprung der Ohm,
hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 873 Einw.
Ulrici, Hermann, Philosoph und Ästhetiker, geb. 23.
März 1806 zu Pförten in der Niederlausitz, studierte zu
Halle und zu Berlin die Rechte, war anfänglich Beamter, seit
1833 Privatdozent zu Berlin, seit 1834 Professor der Philosophie zu
Halle, wo er 11. Jan. 1884 starb. Als Philosoph gehört U. mit
Fichte dem jüngern, Wirth, Carriere u. v. a. zu der
Theistenschule, deren Organ, die "Zeitschrift für Philosophie
und philosophische Kritik", er seit seinem Bestehen mit redigierte;
als Ästhetiker hat er sich namentlich als Shakespearekenner
ausgezeichnet. Von seinen philosophisch-ästhetischen Schriften
erwähnen wir: "Geschichte der hellenischen Dichtkunst" (Berl.
1835, 2 Bde.); "Das Grundprinzip der Philosophie" (Halle 1845-46, 2
Bde.); "System der Logik" (das. 1852); "Gruben und Wissen" (Leipz.
1858); "Gott und die Natur" (das. 1862, 3. Aufl. 1875); "Leib und
Seele" (das. 1866; 2. Aufl. 1874, 2 Bde.); "Kompendium der Logik"
(das. 1860, 2. Aufl. 1872); "Grundzüge der praktischen
Philosophie" (das. 1873, Bd. 1); "Abhandlungen zur Kunstgeschichte
als angewandter Ästhetik" (das. 1876). Durch seine Abhandlung
"Der Spiritismus eine wissenschaftliche Frage" griff er in den
durch Zöllner veranlaßten Streit über die
angeblichen Thatsachen des Spiritismus ein und geriet darüber
mit Wundt (s. d.) in litterarische Fehde. Früchte seiner
Shakespeare-Studien sind: "Shakespeares dramatische Kunst" (Halle
1839; 3. Aufl., Leipz. 1868,. 3 Bde.), eine Ausgabe von
Shakespeares "Romeo und Julia" (das. 1853) und die "Geschichte
Shakespeares und seiner Dichtung" (im 1. Band der von ihm als
Präsidenten der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft besorgten
neuen Ausgabe der Schlegel-Tieckschen Übersetzung, 2. Aufl.,
Berl. 1876).
Ulrike Eleonore, Königin von Schweden, Tochter Karls
XI. und der dänischen Prinzessin Ulrike Eleonore, geb. 23.
Jan. 1688, stand während der Abwesenheit ihres Bruders Karl
XII. 1713 und 1714 der Regierung vor, wurde 1715 mit dem Erbprinzen
Friedrich, nachmaligem Landgrafen von Hessen-Kassel, vermählt,
wußte nach dem Tod ihres Bruders Karl (1718) durch Intrigen
mit der Adelspartei den Sohn ihrer ältern Schwester, Karl
Friedrich von Holstein-Gottorp, von der Thronfolge
auszuschließen, indem sie den Reichsständen das Recht
der Königswahl zugestand und die von diesen entworfene neue
aristokratische Regierungsform unterzeichnete. Hierauf wurde sie
21. Febr. 1719 zum "König" von Schweden erwählt und 17.
März gekrönt, trat aber 29. Febr. 1720 die Krone an ihren
Gemahl ab. Sie starb kinderlos an den Blattern 24. Nov. 1741 in
Stockholm.
Ulrike Luise, Königin von Schweden, s. Luise 4).
Ulster (spr. öllster), die nördlichste Provinz
Irlands, wird im W. und N. vom Atlantischen Ozean, im O. von dem
Nordkanal und der Irischen See bespült und hat einen
Flächenraum von 22,189 qkm (402,97 QM.) und (1881) 1,743,075
Einw. (1861 noch 2,386,372). Von der Oberfläche sind 26,9
Proz. Ackerland, 5,2 Wiesen, 40,3 Weiden, 42 Wald, 3,8 Proz.
Wasser. An Vieh zählte man 1881: 173,206 Pferde und Maultiere,
23,672 Esel, 1,028,486 Rinder, 378,915 Schafe und 249,298 Schweine.
U. ist die wohlhabendste Provinz Irlands und Hauptsitz der
Leinenindustrie. Die Bevölkerung ist großenteils
schottischer und englischer Abkunft; 47,8 Proz. sind Protestanten.
Irisch wird nur noch in den entlegenen Teilen Donegals gesprochen.
S. Karte "Großbritannien".
Ulster, linksseitiger Nebenfluß der Werra,
entspringt auf der Wasserkuppe in der Rhön, fließt nach
N. durch ein schönes Thal und mündet nach 45 km langem
Lauf unterhalb Vacha.
ult., Abkürzung für Ultimo (s. d.).
Ultenthal, Seitenthal des Etschthals unterhalb Meran,
zieht sich neun Stunden lang von den Gebirgen von Sulzberg und
Martell in südwestlicher Richtung herab, wird vom Falschauer
Bach durchströmt, der sich vor seiner Ausmündung durch
eine gewaltige Klamm Bahn bricht. Im U. liegt das Mitterbad mit
einer Quelle, welche schwefelsaures Eisen enthält, und guter
Badeeinrichtung (jährlich 300 Kurgäste).
Ultima ratio regum (lat.), "das letzte (Beweis-) Mittel
der Könige" , d. h. die Kanonen, ein gewöhnlich auf
Ludwig XIV. zurückgeführter Ausspruch, findet sich im 1.
Akt von Calderons Schauspiel "In diesem Leben ist alles wahr und
alles Lüge".
Ultimatum (neulat.), bei diplomatischen Verhandlungen die
Schlußerklärung des einen Teils, an welcher er
unwiderruflich festzuhalten gesonnen sei. Die Verwerfung des
Ultimatums hat daher in der Regel den unmittelbaren Abbruch der
diplomatischen Verhandlungen und unter Umständen die
Ergreifung von Gewaltmaßregeln (Kriegserklärung) zur
Folge.
987
Ultimo - Ulva.
Ultimo (ital., abgek. ult.), der Letzte, der
Schlußtag des Monats, im Börsenverkehr der übliche
Stichtag für die Abwickelung von Differenzgeschäften.
Daher per U. handeln und U.-Kurse, unter welchen zuweilen auch die
Liquidationskurse gemeint sind; U.-Regulierung, im
Börsenverkehr die Abwickelung der Ende eines bestimmten Monats
zu erfüllenden Lieferungsgeschäfte (vgl. Börse, S.
236 f.). Über U.-Wechsel s. Wechsel.
Ultimus (lat.), der Letzte (z. B. in einer Klasse).
Ultra (lat.), jenseit, darüber hinaus, bezeichnet
Überschreitung des rechten Maßes, namentlich die
Parteirichtung desjenigen, welcher in Gesinnung und Handlung das
von der Vernunft und den Umständen gebotene Maß
überschreitet. Daher nennt man Ultras die Anhänger aller
politischen Extreme, wie Ultraroyalisten, Ultrademokraten,
Ultrakonservative etc., und deren Richtung Ultraismus.
Ultramarin (Lasurblau, Azurblau), blauer Farbstoff, der
ursprünglich durch ein rein mechanisches Verfahren aus dem
Lasurstein gewonnen wurde und sehr hohen Wert besaß, jetzt
aber in gleicher Schönheit aus eisenfreiem Thon, Schwefel und
Soda (Sodaultramarin) oder Glaubersalz (Sulfatultramarin) und Kohle
künstlich dargestellt wird und sehr billig geworden ist. Man
unterscheidet kieselarmes U. von hellem, rein blauem Farbenton,
leicht zersetzbar durch Alaun, und kieselreiches U. mit
eigentümlich rötlichem Ton und widerstandsfähiger
gegen Alaun. Zur Darstellung des Ultramarins werden die
Materialien, der Thon nach dem Schlämmen und Glühen, sehr
fein gepulvert und innig gemischt. Für Sulfatultramarin
benutzt man ein Gemisch aus
Porzellanthon . .............................100 100
kalciniertem schwefelsauren Natron...........83-100 41
kalcinierter Soda............................ - 41
Kohle........................................ 17 17
Schwefel..................................... - 13
Dieser Satz wird im Schamottetiegel eingestampft und in einer
Art Muffelofen bei möglichst gehindertem Luftzutritt anhaltend
stark erhitzt. Hierbei entsteht eine gesinterte, poröse,
graue, oft gelbgrüne Masse, welche gewaschen, gemahlen,
abermals gewaschen, getrocknet und gesiebt wird. Das Produkt, das
grüne U., wird zum Teil als solches verwertet, zum bei weitem
größten Teil aber durch Erhitzen mit Schwefel bei
Luftzutritt in blaues U. verwandelt. Dies geschieht in liegenden
Cylindern, in welchen das U. während des Verbrennens des nach
und nach zugesetzten Schwefels durch eine Flügelwelle
umgerührt wird, um die Einwirkung der Luft zu befördern.
Die gebildete schweflige Säure entweicht durch die Esse. Das
Eintragen von Schwefel wird fortgesetzt, bis das U. rein blau
erscheint, dann wird dasselbe ausgewaschen, gemahlen,
geschlämmt, eventuell mit Kaolin oder Gips vermischt,
getrocknet und gesiebt. Die Waschwasser vom grünen und blauen
U. werden verdampft, um in ihnen enthaltene Natronsalze
wiederzugewinnen. Sodaultramarin wird in ähnlicher Weise aus
100 Thon, 100 Soda, 12 Kohle und 60 Schwefel erhalten und zeichnet
sich durch dunklere Färbung und größern
Farbenreichtum aus. Das kieselreiche U. ist ein Sodaultramarin mit
5-10 Proz. vom Gewicht des Kaolins fein zerteilter
Kieselsäure. Man erhält es in einer einzigen Operation,
doch macht die Neigung, zu sintern, Schwierigkeiten. Dies
Präparat wird mit steigendem Kieselsäuregehalt
rötlicher und alaunfester. Auch violette, rote und gelbe
Präparate hat man dargestellt, doch sind deren Beziehungen zu
dem blauen U. noch wenig aufgeklärt. Selbst die chemische
Konstitution des blauen Ultramarins ist bis jetzt nicht sicher
erkannt. Es enthält
kieselsäurearmes U. kieselsäurreiches U.
Durch- Durch
schnitt reinstes -schnitt reinstes
Thon.... 2,36 1,87 7,64 3,61
Kieselsäurean-
hydrid ... 37,90 38,55 34,86 40,77
Thonerde ... 29,30 29,89 24,06 23,74
Kali .... - 1,21 1,01 19,58
Natron... 22,60 21,89 0,83 18,54
Schwefel... 7,86 8,27 13,25 13,58
U. ist prächtig tiefblau geruch- und geschmacklos, sehr
hygroskopisch (lufttrocken 5 Proz. Feuchtigkeit), unlöslich in
den gewöhnlichen Lösungsmitteln, widersteht der Luft, dem
Licht und dem Wasser, auch Alkalien und dem Ammoniak, wird durch
Säuren und sauer reagierende Salze unter Entwickelung von
Schwefelwasserstoff zersetzt, erträgt bei Ausschluß der
Luft Rotglut, wird aber in höherer Temperatur und beim
Glühen an der Luft farblos. U. dient als Wasser-, Kalk- und
Ölfarbe, im Buntpapier-, Tapeten- und Zeugdruck, zum Blauen
von Wäsche, Papier, Zucker, Stärke, Barytweiß,
Stearin , Paraffin. Grünes U. kann nur als ordinäre
Tüncher- und Tapetenfarbe benutzt werden. Die gelegentliche
Bildung von U. im Sodaofen beobachtete Tessaert 1814, und Vauquelin
zeigte, daß die blaue Verbindung mit Lasurstein identisch
sei. Gmelin stellte 1828 künstliches U. dar, doch hatte es
schon 1826 Guimet in Lyon als Geheimnis fabriziert. Die ersten
deutschen Ultramarinfabriken wurden 1836 in Wermelskirchen von
Leverkus und 1837 in Nürnberg von Leykauf gegründet.
Gegenwärtig beträgt die europäische (zum bei weitem
größten Teil deutsche) Produktion jährlich 600,000
Ztr. Vgl. Lichtenberger, Ultramarinfabrikation (Weim. 1865);
Vogelsang, Natürliche Ultramarinverbindungen (Bonn 1873);
Heinze, Beitrag zur Ultramarinfabrikation (Dresd. 1879);
Fürstenau, Das U. und seine Bereitung (Wien 1880).
Ultramaringelb, s.v.w. Chromgelb, Zinkgelb
oderchromsaurer Baryt (s. Chromsäuresalze).
Ultramontanismus (lat.), diejenige Auffassung des
Katholizismus, welche dessen ganzen Schwerpunkt nach Rom, also
jenseit der Berge (ultra montes), verlegen möchte; ultramontan
ist somit das ganze Kurial- oder Papalsystem (s. d.).
Ultra posse nemo obligatur (lat.), Unmögliches zu
leisten, kann niemand verpflichtet werden.
Ultrarote und ultraviolette Strahlen, die schwächer
als die roten, resp. stärker als die violetten brechbaren
Strahlen, welche unsichtbar sind, aber die einen durch ihre
Wärmewirkung, die andern durch ihre chemische Wirkung
nachgewiesen werden. Vgl.Fluoreszenz, Licht,
Wärmestrahlung.