Ubstadt, Dorf im bad. Kreis Karlsruhe, am Kraichbach und

der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, hat eine

kath. Kirche, eine Solquelle mit Bad, Tabaks- und Hopfenbau und

(1885) 1171 Einw. Hier 1849 Treffen gegen die Freischaren.

Ubuch (Ubuchen), s. Tscherkessen, S. 884.

Übungslager, s. Lager, S. 402.

Ucayali, einer der Hauptquellflüsse des

Amazonenstroms, entspringt unter dem Namen Apurimac in den Andes

westlich vom Nordende des Titicacasees, empfängt auf dem

Hochland den von SW. kommenden Rio Mantaro oder Mayo, durchbricht

die östlichen Ketten der Kordilleren und nimmt, nachdem er in

seinem mit tropischem Urwald erfüllten Thal sich mit dem von

SO. kommenden Urubamba (s. d.) vereinigt hat, den Namen U. an und

mündet nach viel gewundenem Lauf Nauta gegenüber (114 m

ü. M.) in den Maranon. Seine Länge beträgt 1960 km.

Seeschiffe befahren ihn aufwärts das ganze Jahr durch bis nach

Sarayacu (6° 30' südl. Br., 124 m ü. M.), kleinere

Schiffe den Nebenfluß Pachitea aufwärts bis nach Maira

(242 m) in der Nähe der Kolonie Pozuzu (s. d.).

Uccle (spr. ükl), Gemeinde in der belg. Provinz

Brabant, Arrondissement Brüssel, 5 km von dieser Stadt an der

Staatsbahnlinie Brüssel-Luttre gelegen, hat ein Irrenhaus,

Gemüsebau und (1888) 12,680 Einw.

Uchard (spr. üschar), Mario, franz. Schriftsteller,

geb. 28. Dez. 1824 zu Paris, war längere Zeit

Börsenagent, vermählte sich 1853 mit der Schauspielerin

Madeleine Brohan vom Théâtre-Francais und brachte 1857

das vieraktige Schauspiel "La Fiammina" auf dem genannten Theater

zur Aufführung, zu welchem ihm seine nicht glückliche Ehe

den Stoff geliefert hatte, und das bald die Runde über alle

Bühnen des In- und Auslandes machte. Von seinen spätern

Stücken hatte keins auch nur annähernd einen

ähnlichen Erfolg; dagegen erwarb er sich ein großes

Publikum und teilweise auch das Lob der Kenner mit den Romanen:

"Raymond" (1861), "Le mariage de Gertrude" (1862), "J'avais une

marraine" (1863), "La comtesse Diane" (1864), "Une derniere

passion" (1867), "Mon oncle Barbassou" (1876), "Ines Parker"

(1880), "Mademoiselle Blaisot" (1884), "Joconde Berthier"

(1886).

Uchatius, Franz, Freiherr von, Artillerieoffizier, geb.

20. Okt. 1811 zu Theresienfeld in Niederösterreich, trat 1829

in die österreichische Artillerie, erhielt seine

mathematisch-technische Ausbildung in der Schule des

Bombardierkorps, versah in der chemisch-physikalischen Lehranstalt

zwei Jahre lang die Dienste eines Laboranten, blieb dann vier Jahre

Adlatus des Professors, ward 1841 Feuerwerker in der

Geschützgießerei, 1842 Offizier, 1861 Major und

Vorsteher der Geschützgießerei, 1871 Kommandant der

Artilleriezeugfabrik, 1874 Generalmajor, 1879

Feldmarschallleutnant. Er erfand 1856 ein Stahlbereitungsverfahren,

konstruierte eine Pulverprobe und ballistische Apparate, eine

Vorrichtung zum Messen des Gasdrucks in Geschützen, ein

Sprengpulver aus nitrifiziertem Stärkemehl, das Verfahren zur

Herstellung der sogen. Stahlbronze- (Uchatiusmetall-)

Geschütze und 1875 die Ringgranaten. Wegen seiner Verdienste

um Neuschaffung des österreichischen Feldartilleriematerials

(1875) wurde er in den Freiherrenstand erhoben und von der k. k.

Akademie der Wissenschaften zum Mitglied erwählt. Mit der

Herstellung von 15 u. 18 cm Kanonen aus Stahlbronze

beschäftigt, erschoß er sich 4. Juni 1881.

Uchte, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Hannover,

Kreis Stolzenau, 33 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein

Amtsgericht, eine Oberförsterei und (1885) 1270 Einw.

Üchtland ("ödes Land"), s. Freiburg

(Kanton).

Üchtritz, Friedrich von, dramat. und

Romanschriftsteller, geb. 12. Sept. 1800 zu Görlitz, studierte

in Leipzig die Rechte, fand 1828 in Trier und 1829 in

Düsseldorf amtliche Anstellung und zog sich 1863 als

pensionierter Appellationsgerichtsrat in seine Vaterstadt

zurück, wo er 15. Febr. 1875 starb. Von seinen Dramen:

"Alexander und Darius" (Berl. 1827), "Das Ehrenschwert",

"Rosamunde" (Düsseld. 1833) und "Die Babylonier in Jerusalem"

(das. 1836) zeichnete sich besonders das letztere durch lyrisch

glänzende Sprache und gute Charakteristik aus. Von seinen

übrigen Werken sind zu nennen: "Blicke in das

Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben" (Düsseld.

1839-41, 2 Bde.); "Ehrenspiegel des deutschen Volkes und vermischte

Gedichte" (das. 1842); die Romane: "Albrecht Holm" (Berl. 1851-53,

7 Bde.), "Der Bruder der Braut" (Stuttg. 1860, 3 Bde.), "Eleazar"

(Jena 1867, 3 Bde.), in denen eine reiche Stofffülle nur

teilweise poetisch belebt erscheint. Vgl. "Erinnerungen an F. v.

Ü. in Briefen" (Leipz. 1884).

Ückendorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk

Arnsberg, Kreis Gelsenkirchen, Knotenpunkt der Linien

Ü.-Wattenscheid, Gelsenkirchen-Wattenscheid und Ü.-Wanne

der Preußischen Staatsbahn, hat Steinkohlenbergbau und (1885)

8878 meist kath. Einwohner.

Uckermark, s. Ukermark.

Ückermünde (Ukermünde), Kreisstadt im

preuß. Regierungsbezirk Stettin, an der Uker, die unweit

968

Uckie - Udschidschi.

davon in das Pommersche Haff mündet, und an der Linie

Jatznick-Ü. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang.

Kirche, ein altes Schloß, eine Irren-, eine Korrektions- und

Landarmenanstalt, ein Amtsgericht, bedeutende Ziegeleien,

Kalkbrennerei, Eisengießerei, Sägemühlen,

Holzhandel, Fischerei, Schifffahrt und (1885) 5458 meist evang.

Einwohner. - Ü. ist seit 1190 Stadt und war ehemals eine

wichtige Festung, die 1469 vom Kurfürsten Friedrich II. von

Brandenburg vergeblich belagert wurde.

Uckie, marokkan. Münze, = 1/10 Mitskal (s. d.).

Ucles, Stadt in der span. Provinz Cuenca, mit (1878) 1138

Einw.; hier 13. Jan. 1809 Sieg der Franzosen unter Victor über

die Spanier unter dem Herzog von Infantado.

Udaipur, s. Mewar.

Uddevalla, Hafenstadt im schwed. Län Gotenburg und

Bohus, am innersten Ende des Byfjords und an der Eisenbahn

Herrljunga-U., hat eine höhere Lehranstalt, Navigationsschule,

Gewerbeschule, Zoll- und Lotsenstation, ein Museum und (1885) 7354

Einw., welche Baumwollspinnerei und -Weberei, Fabrikation von

Möbeln, Zündhölzern, Branntwein und Tabak,

Schiffbau, Fischerei und lebhaften Handel betreiben.

Uden, Lucas van, niederl. Maler u. Radierer, geb. 18.

Okt. 1595 zu Antwerpen, war Schüler seines Vaters, trat 1627

in die dortige Lukasgilde und starb 4. Nov. 1672 daselbst. Er ist

vorzugsweise dadurch bekannt geworden, daß er für Rubens

und D. Teniers den jüngern Landschaften malte, welche jene mit

Figuren versahen. Doch hat er auch zahlreiche selbständige

Landschaften nach Motiven aus Brabant und Flandern gemalt, deren

Eigentümlichkeit in einer schlichten und treuen Auffassung

beruht. Unter Rubens' Einfluß wurde seine Färbung

wärmer und reicher. Landschaften von ihm besitzen die Galerien

zu Dresden, Petersburg, Brüssel, Frankfurt a. M.,

München, Antwerpen, Berlin, Wien u. a. Seine landschaftlichen

Radierungen (etwa 30) sind mit überaus feiner Naturbeobachtung

und zarter Nadel ausgeführt.

Udine, ital. Provinz in der Landschaft Venetien (s. Karte

"Italien, nördliche Hälfte"), grenzt nördlich und

östlich an Österreich, südlich an das Adriatische

Meer und die Provinz Venedig, westlich an die Provinzen Treviso und

Belluno und hat einen Flächenraum von 6431 qkm (nach

Strelbitsky 6619 qkm [120,21 QM.]) mit (1881) 501,745 Einw. Das

Land wird im N. bogenförmig von den Karnischen Alpen (Paralba

2690 m hoch) durchzogen, welchen die Friauler Alpen (Premaggiore

2471 m) und östlich die Julischen Alpen (Monte Canin 2582 m)

vorgelagert sind, von welchen sich zahlreiche Hügelgruppen

abzweigen, die sich schließlich zu der weiten und, soweit sie

nicht vom Gerölle der Flüsse überschüttet ist,

fruchtbaren friaulischen Ebene herabsenken. Gegen die Küste zu

geht die Ebene in lagunenartiges Land über. Die wichtigsten

Flüsse sind: Tagliamento, Livenza und Stella. Das verschiedene

Vegetationszonen umfassende Land erzeugt Weizen (1887: 243,300 hl),

Mais (857,000 hl), Reis (10,878 hl), Hülsenfrüchte,

Kartoffeln, Kastanien, Hanf, Wein (64,500 hl), Seide (1,5 Mill. kg

Kokons); ferner Vieh (1881 zählte man 180,523 Rinder, 81,444

Schafe und 34,966 Ziegen) und Fische. Die Einwohner suchen in

großer Anzahl für einen Teil des Jahrs

Beschäftigung außerhalb des Landes. Die Industrie der

Provinz erstreckt sich auf Seiden- und Baumwollmanufaktur,

Gerberei, Bierbrauerei, Holzschneiderei, Töpferei, Papier- und

Metallwarenfabrikation. Die Provinz zerfällt in 17 Distrikte.

- Die Hauptstadt U., in weinreicher Gegend an einem vom Torre

ausgehenden Kanal und an der Eisenbahn Venedig-Cormons gelegen, von

welcher hier die Linie nach Pontebba abzweigt, ist gut gebaut und

hat stattliche Mauern und Türme. Unter den Gebäuden sind

bemerkenswert: die romanische Domkirche und mehrere andre Kirchen

mit guten Gemälden, das Kastell (von 1517, einst Sitz des

Patriarchen, jetzt Kaserne), der erzbischöfliche Palast (mit

schöner, von Giovanni da Udine gemalter Decke und Fresken von

Tiepolo), der Palazzo pubblico (1457 erbaut, nach dem Brand von

1876 erneuert) und der Uhrturm (mit offener Säulenhalle),

beide auf dem Viktor Emanuel-Platz, das Theater und mehrere

Privatpaläste. Der Campo santo von U. gehört zu den

schönsten Friedhöfen Italiens. Die Stadt hat ein

technisches Institut, ein Lycealgymnasium, ein

erzbischöfliches Gymnasium und Seminar, ein städtisches

Museum und Bibliothek und (1881) 23,254 (als Gemeinde 32,020)

Einw., welche Industrie in Seide, dann in Leder, Hüten,

Metallwaren, Handschuhen etc. und Weinbau betreiben. U. ist Sitz

des Präfekten, eines Erzbischofs, eines Zivil- und

Korrektionstribunals, eines Hauptzollamts etc. In der Nähe

liegt das Dorf Passariano mit dem Schloß des letzten Dogen

von Venedig, welches Bonaparte während der

Friedensverhandlungen von Campo Formio bewohnte. - U. kommt unter

diesem Namen erst im 10. Jahrh. vor. Im 13. Jahrh. wählte der

Patriarch Bertold U. zu seiner Residenz; 1445 kam die Stadt unter

venezianische Herrschaft. Seit der Pest von 1515 und 1656 hat sie

sich nicht wieder erholt. U. fiel nach dem Aufstand in Venedig 1848

von Österreich ab, zwang 23. März die Besatzung zum

Abzug, mußte sich aber schon 23. April nach

mehrstündiger Beschießung Österreich wieder

unterwerfen. 1866 ward es mit Venetien dem Königreich Italien

einverleibt.

Udine, Giovanni da, ital. Maler, geb. 1487 zu Udine, war

anfangs Schüler von Giorgione in Venedig, führte daselbst

mehrere dekorative Malereien aus und ging später zu Raffael,

als dessen Gehilfe er die reizvollen Ornamente (sogen. Grottesken)

in den Loggien des Vatikans, in der Villa Farnesina u. a.

ausführte. Seit 1527 arbeitete er in Udine und Umgegend (unter

anderm im Schloß Colloredo). Auch fertigte er die

Entwürfe zu den Glasfenstern in der Biblioteca Laurenziana zu

Florenz. Er starb 1564.

Udometer (griech.), s. Regenmesser.

Udschain (Udschaiyini), Stadt im Tributärstaat

Gwalior (Britisch-Indien), am Siprafluß, Nebenfluß des

Tschambal, und an einer Zweiglinie der Malwaeisenbahn, mit 4

Moscheen, vielen Hindutempeln, einem Palast des Fürsten,

starker, mit Türmen gekrönter Umfassungsmauer und (1881)

32,932 Einw., welche bedeutenden Handel mit Opium treiben. Das

alte, jetzt in Ruinen liegende U. war bis 1000 n. Chr. Residenz des

mächtigsten Herrscherhauses in Zentralindien, dann

berühmt durch seine Sternwarte, welche den ersten Meridian der

Hindugeographen bezeichnete, wurde in spätern Kriegen hart

mitgenommen, war aber dann wieder bis 1810 Residenz der

Fürsten von Gwalior.

Udschidschi, Handelsplatz am Ostufer des Tanganjikasees

in Äquatorialafrika, unter 5° südl. Br., mit 8000

Einw., den Wadschidschi, und größere Warenmagazine

enthaltend. Stanley fand hier 1871 Livingstone. U. ist in neuerer

Zeit der Hauptausgangs- und Operationspunkt von

Forschungsexpeditionen gewesen. Ein Karawanenweg verbindet dasselbe

mit Sansibar.

969

Udschila - Uferbau.

Udschila, s. Audschila.

Udvard, Dorf im ungar. Komitat Komorn, Station der

Österreichisch-Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 4035 ungar.

Einwohnern.

Udvarhely (spr. -helj), ungar. Komitat in

Siebenbürgen, grenzt an die Komitate Maros-Torda, Csik,

Haromszek, Nagy- und Kis-Küküllö, umfaßt 3418

qkm (62 QM.), wird von den Zweigen des Hargittagebirges

erfüllt und vom Großen Küküllö

bewässert, hat (1881) 105,520 Einw. (Szekler) und ist nicht

besonders fruchtbar; es gedeihen jedoch alle Getreidearten und in

den Thälern auch Obst und Wein. Die Industrie erstreckt sich

hauptsächlich auf Spinnerei, Weberei, Strohhutflechterei und

die Verfertigung von Holzwaren. Im SW. durchkreuzt die Ungarische

Staatsbahn das Komitat, dessen Hauptort Szekely-Udvarhely ist.

Uea, 1) (Uvea, Wallis) polynes. Inselgruppe unter

französischem Protektorat, westlich von Samoa und nordwestlich

von den Fidschiinseln, besteht aus zwölf kleinen Inseln, die

von einem Barrierriff umgeben werden, und hat ein Areal von 96 qkm

(1,7 QM.) mit 3500 Einw. Die Inseln sind meist hoch, bergig und

vulkanischen Ursprungs, mit mehreren, jetzt von Seen

ausgefüllten Kratern und, wo der Boden verwittert ist, sehr

fruchtbar. Die Bewohner haben dieselben Sitten und Gebräuche

wie die Samoaner und Tonganer; früher war U. eine Dependenz

von Tonga. Die Gruppe wurde 1767 von Wallis entdeckt, 1837 kamen

katholische Missionäre hierher und bekehrten die Bewohner,

welche unter eignen Häuptlingen lebten, bis sie sich durch

einen 19. Nov. 1886 abgeschlossenen Vertrag in den Schutz

Frankreichs begaben. - 2) (Ouvea) s. Loyaltyinseln.

Ueba (Hueba), Getreidemaß in Tunis, à 4

Temen à 4 Orbah = 107,3 Liter.

Uelle (Welle), großer Fluß in

Äquatorialafrika, entspringt im Lande der Monbuttu und

verfolgt als Welle oder Makua, zahlreiche Zuflüsse von links

(Majo-Bomokandi mit Makongo, Mbelima) u. rechts (Moruole, Werre,

Mbomu mit Schinko und Mbili, Engi) aufnehmend, dem 4.°

nördl. Br. erst südlich, dann nördlich parallel

laufend, im allgemeinen eine westliche Richtung bis zum 19.°

östl. L. v. Gr., wo er sich südostwärts wendet und

als Ubangi oder Mobangi den Congo unter 17° 30' östl. L.

erreicht. Dies scheint die Lösung der vielumstrittenen

Uellefrage durch Kapitän van Gele zu sein, welcher auf dem

Dampfer En Avant 1887 die Zongostromschnellen des Ubangi forcierte

und den Oberlauf dieses Flusses unter 4-5° nördl. Br. bis

gegen 22° östl. L. v. Gr. verfolgte. Der U. wurde 19.

März 1870 von Schweinfurth entdeckt, der ihn nördlich von

Munsa im Monbuttuland unter 3° 40' nördl. Br. und 28°

40' östl. L. v. Gr. überschritt. Schweinfurth hielt

ebenso wie der später hierher gekommene Junker den U. für

den Oberlauf des in den Tsadsee mündenden Schari, während

Stanley in ihm den Oberlauf des Aruwimi sah, eine Ansicht, deren

Falschheit seine jüngste Reise ihm gezeigt hat.

Ufa, ein Gouvernement Ostrußlands, 1865 aus dem

nordwestlichen Teil des Gouvernements Orenburg gebildet und von

diesem durch den Hauptrücken des südlichen Urals

geschieden, umfaßt 122,006,8 qkm (nach Strelbitsky 122,015,7

qkm = 2215,92 QM.). Die Kama scheidet im NW. das Gouvernement von

Wjatka und nimmt die Nebenflüsse Bjelaja und Ik auf, von

welchen der erstere der schiffbare Hauptstrom des Landes ist und

den Tanym, die Ufa und den Sjun empfängt. In den westlichen

Teilen ist waldreiches Hügelland, das mit fruchtbaren

Thälern wechselt; aber auch Steppenland und einige Moore

kommen vor. Von den 290 kleinen Seen im W. sind die

größten: der Airkul, Kondrakul und Karatabyk,

sämtlich sehr fischreich. Die südwestliche Seite des

Gouvernements wird vom Obschtschij Syrt durchschnitten. Im O. zieht

sich der südliche Ural hin. Das Klima ist kontinental und in

den Gebirgsgegenden unfreundlich. Vom Areal entfallen 23 Proz. auf

Ackerland, 22,8 auf Wiesen und Weiden, 46,6 auf Wald und 7,6 Proz.

aus Unland. Der Wald weist im N. Nadelholz, im S. Linden und Eichen

auf. Im N. werden Roggen und Hafer, im S. Weizen, Gerste, Hirse und

Buchweizen angebaut. Die Ernte betrug 1887: 4 1/2 Mill. hl Roggen,

3,2 Mill. hl Hafer, 835,000 hl Weizen, 1 1/2 Mill. hl Buchweizen,

andre Getreidearten und Kartoffeln in geringerer Menge. Der

Viehstand bezifferte sich 1883 auf 398,597 Stück Rindvieh,

630,354 Pferde, 917,352 grobwollige Schafe, 111,017 Schweine und

200,630 Ziegen. Die Bevölkerung, (1885) 1,874,154 Einw., 15

pro QKilometer, besteht hauptsächlich aus Baschkiren und

Russen; außerdem wohnen hier Tataren, Tscheremissen,

Tschuwaschen, Teptjären, Meschtscherjäken und Wotjaken,

die zum Teil noch Heiden sind. Im übrigen übersteigt die

Zahl der Mohammedaner die der Christen. Die Zahl der

Eheschließungen war 1885: 19,989, der Gebornen 87,264, der

Gestorbenen 53,545. Hauptbeschäftigungen sind: Ackerbau

(betrieben von Russen und Teptjären), Viehzucht (von

Baschkiren und Tataren), Bienenzucht (von Baschkiren und

Meschtscherjäken), Bergbau, Holzgewinnung und Jagd. Die

Wälder liefern außer dem Schiffbauholz Bast, Pottasche,

Pech, Teer und Kohlen. Der Bergbau liefert Gold, Eisen, Kupfer.

Hervorragend ist das Eisenwerk zu Slatoust, ansehnlich die

Kupferhütte von Blagowetschenskoje im Kreis U. Der

Produktionswert der Hochöfen wird (1885) auf 3,7 Mill. Rubel

angegeben. Die übrige Industrie ist unbedeutend, geht in 147

Anstalten mit 2092 Arbeitern vor sich und produziert für 3 1/2

Mill. Rub. Bildungszwecken dienen 353 Elementarschulen mit 14,376

Schülern, 8 Mittelschulen mit 1326 Schülern und 7

Fachschulen mit 479 Schülern. Der Handel ist fast nur in den

Händen der Tataren und vertreibt Holzarbeiten, Tierfelle,

Häute, Honig und Sprit. U. zerfällt in sechs Kreise:

Belebej, Birsk, Menselinsk, Slatoust, Sterlitamak, U. - Die

gleichnamige Hauptstadt, am Ural und am Einfluß der Ufa in

die Bjelaja, hat mehrere Kirchen und Moscheen, ein Nonnenkloster,

ein Gymnasium, ein geistliches Seminar, ein tatarisches

Lehrerseminar, ein Mädchengymnasium, einen großen

Kaufhof, eine zehntägige Messe und (1886) 27,290 Einw. Die

Stadt ist Sitz eines Erzbischofs und eines mohammedanischen Mufti.

U., 1547 von dem Baschkirenhäuptling Iwan Nagin

gegründet, wurde 1759 und 1816 durch Brand zerstört, hat

sich aber, seit es Hauptstadt ist, sehr gehoben.

Ufenau, liebliches, dem Kloster Einsiedeln gehöriges

Eiland im Zürichsee, auf welchem Ulrich v. Hutten ein Asyl

fand und starb (1523).

Ufer, die äußerste Grenze des an ein

Gewässer stoßenden Landes; insbesondere der einen Bach,

Fluß, Teich, überhaupt ein kleineres Gewässer

einfassende Erdrand (lat. ripa), wogegen das U. des Meers, auch

großer Seen, gewöhnlich mit den besondern Namen

Küste, Strand (lat. litus) bezeichnet wird.

Uferaas, s. Eintagsfliegen.

Uferbau, jeder Bau, welcher an oder mit einem Ufer

ausgeführt wird, entweder um einen Fluß schiffbarer zu

machen (s. Wasserbau), oder das an-

970

Ufererdröschen - Uganda.

stoßende Land gegen Überschwemmungen (s. Deich) oder

das Ufer gegen den Abbruch des Wassers zu schützen. Letzteres

ist der eigentliche Gegenstand der Uferbaukunst, welche zwei Arten

von Uferbauten umfaßt, je nachdem die Gewässer, deren

Ufer zu schützen sind, stehende oder fließende sind. Bei

stehenden Gewässern kann eine Beschädigung der Ufer

entweder durch die periodische Veränderung des Wasserstandes

(Ebbe und Flut) oder durch die wellenförmige

(ästuarische) Bewegung des Wassers herbeigeführt werden.

Hierdurch wird nur die Oberfläche des Ufers angegriffen und

eine sogen. Abschälung bewirkt. Die Abschälung eines

Ufers wird nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse,

z. B. der Bodenbeschaffenheit und Stärke des Wellenschlags,

verhütet: 1) durch Schlickfänge, d. h. Dämme oder

Zäune, welche das Wasser verhindern, die Ufer anzugreifen,

oder selbst nötigen, seinen Schlamm (Schlick) aus denselben

abzulagern; 2) durch flache Böschungen, welche vom Wasser

nicht mehr angegriffen werden; 3) durch Uferbekleidungen: aus

Bohlen, wo Holz im Überfluß vorhanden ist, aus Pflaster

von hinreichend großen Steinen, aus Faschinen, d. h. mit

Steinen beschwerten, untereinander durch Weidenruten verbundenen

langen Reisbündeln. Bei leichtem Wellenschlag lassen sich die

Ufer oft schon durch Berasung oder Anpflanzung von Strauchwerk

schützen; wo die Ufer zugleich als Kais oder Lagerplätze

dienen sollen, sind dieselben provisorisch durch Bohlwerke oder

definitiv durch Futtermauern, welche man mehr oder weniger neigt

und, damit sie dem Wellenschlag besser widerstehen, an der

Vorderseite oft konkav anlegt, zu stützen. Bei

fließenden Gewässern kommt zum periodischen Wechsel des

Wasserstandes noch eine zweite Bewegung, die strömende

(progressivere), hinzu, durch welche das Ufer in der Tiefe

beschädigt und ein sogen. Grundbruch, Strom- oder Uferabbruch,

bewirkt werden kann. Gegen Grundbrüche schützt man die

Ufer am besten: 1) durch Korrektion der Ufer, indem man dem Strom

durch Parallel- oder Einbauten einen regelmäßigen Lauf

anweist, wodurch der Stromstrich mehr in die Mitte des Stroms

verlegt wird; 2) durch Uferschutzbauten, wie Erdüberbaue,

Packwerke, Buhnen (s. d.), wodurch die Strömung vermindert

wird. Wo die Ufer zugleich als Kais benutzt werden sollen, werden

sie, wie im stehenden Gewässer, durch Futtermauern

gestützt, welche man zur Vermeidung von Unterspülung noch

durch Spundwände (s. Grundbau) schützt.

Ufererdröschen, s. Geum.

Uferfliege (Perla Geoffr.), Gattung der

Afterfrühlingsfliegen (Perlidae), aus der Ordnung der

Falschnetzflügler, Insekten mit sehr kleinen, häutigen

Mandibeln und Kiefertastern mit dünnen Endgliedern, von denen

das letzte verkürzt ist. Die zweischwänzige U. (P.

bicaudata L., s. Tafel "Falschnetzflügler"), 22 mm lang,

braungelb, mit zwei Schwanzborsten (Reifen), lebt am Wasser im

größten Teil Europas. Das Weibchen legt die Eier

klümpchenweise ins Wasser, die Larven haben große

Ähnlichkeit mit der Fliege, sind aber flügellos und an

den Füßen mit Wimperhaaren besetzt; sie nähren sich

von Raub und leben besonders in Gebirgsbächen unter Steinen

oder an Holzwerk; die Metamorphose erfolgt nach etwa einem

Jahr.

Uferspecht, s. Eisvogel.

Uferspindelassel (Pycnogonum litorale O. Fr. Müll.),

ein den Milben nahestehendes Tier, repräsentiert die kleine

Gruppe der Pantopoden oder Pyknogoniden, welche früher zu den

Krebstieren, dann zwischen Milben und Spinnen gestellt wurde,

obwohl sie im männlichen Geschlecht mit dem Besitz eines

accessorischen, die Eier tragenden Beinpaars eine höhere

Gliedmaßenzahl ausbilden. Die sehr langen, vielgliederigen

Beine enthalten schlauchförmige Magenanhänge und die

Geschlechtsorgane, welche mithin in achtfacher Zahl vorhanden sind.

Die Eier werden an dem accessorischen Beinpaar an der Brust des

Männchens bis zum Ausschlüpfen der Larven getragen. Die

U. (s. Tafel "Spinnentiere") ist 13 mm lang, gelblich und lebt an

den Küsten der europäischen Meere, besonders auch der

Nordsee, unter Steinen, Tangen, auch auf Fischen.

Uffelmann, Julius, Mediziner, geb. 1837 zu Zeven in

Hannover, studierte zu Göttingen Theologie und Philologie,

dann Medizin, praktizierte in Hameln, habilitierte sich 1876 als

Privatdozent in Rostock und wurde 1879 zum außerordentlichen

Professor ernannt. Er schrieb: "Die Diät in den akut

fieberhaften Krankheiten" (Leipz. 1877); "Darstellung des auf dem

Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege in

außerdeutschen Ländern bis jetzt Geleisteten" (Berl.

1878); "Handbuch der Hygieine des Kindes" (Leipz. 1881); "Tisch

für Fieberkranke" (Karlsb. 1882); "Jahresberichte über

die Fortschritte und Leistungen auf dem Gebiet der Hygieine" (Berl.

1883 ff.); "Die Ernährung des gesunden und kranken Menschen.

Handbuch der Diätetik" (mit Munk, Wien 1887);. "Handbuch der

Hygieine" (das. 1889).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 280 / 302 段