Mittelfranken, an der Gollach und der Linie
Treuchtlingen-Würzburg-Aschaffenburg der Bayrischen
Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Schloß, eine
Lateinschule, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Gerberei,
Bierbrauerei, eine Dampfschneidemühle und Parkettfabrik und
(1885) 2314 meist evang. Einwohner. In der Nähe die
Bergschlösser Hohenlandsberg und Frankenberg.
Uffizien (Palazzo degli Uffizi), s. Florenz, S. 382.
Ufumbiro (Mfumbiro), isolierte Berggruppe im
äquatorialen Ostafrika, wird von der Grenze zwischen den
Landschaften Ankori und Ruanda mitten durchschnitten und hat zwei
Gipfel (über 3000 m hoch).
Ugaia (Kawirondo), Landschaft am Ostufer des Victoria
Nyanza, mit der großen Insel Ugingo.
Ugalachmiut, s. Ugalentsi.
Ugalentsi (Ugalenzen, Ugalachmiut), ein Stamm der Kenai
(s. d.), von einigen irrtümlich den Thlinkit zugerechnet, der
während des Winters an den Ufern der Bucht gegenüber der
Insel Kadyak (Alaska), im Sommer an den Mündungen des
Kupferflusses sich aufhält. Die Sprache der U. nimmt eine
selbständige Stellung innerhalb der Kenaivölker ein.
Uganda, großes Reich in Äquatorialafrika, das
sich nordwestlich und westlich vom Victoria Nyanza zwischen dem
Lohugati im S., dem 3.° östl. L. v. Gr. im W., dem 1.°
nördl. Br. im N. und dem Nil im O. erstreckt (s. Karte bei
"Congo"). Es umfaßt die Landschaften U. im engern Sinn
(zwischen Kivira und Katonga), Usoga, östlich vom Kivira,
Unjoro, Ankori (Usagara) und Karagwe; die drei letzten sind dem
Herrscher von U. tributpflichtig. Das Reich begreift drei
Provinzen: Uddu im S., zwischen Kagera und Katonga, Singo im W. und
Chagwe im O., welchen sich noch der Sesse-Archipel, eine Gruppe von
400 Inseln, am Nordostufer des Sees anschließt. Das Reich hat
einen Umfang von 123,000 qkm (2234 QM.), mit den tributären
Staaten über 181,706 qkm (3300 QM.); aber während Stanley
die Bevölkerungszahl auf 2,755,000 Seelen schätzt, glaubt
der Missionär
971
Ugijar - Uhde.
Wilson 5 Mill. annehmen zu können, wobei 3,5 weibliche
Bewohner auf 1 männlichen kommen, eine Folge der vielen Kriege
und der Einschleppung weiblicher Gefangener. Am Nyanza und eine
Strecke weit ins Land hinein ist das Land gebirgig, durchschnitten
von tiefen, sumpfigen Thälern, durch welche
trägfließende Flüsse ihren Lauf zum See nehmen. Die
Uferabhänge bedecken herrliche Wälder, belebt von Scharen
grauer Affen, von Papageien, Kolibris, Schmetterlingen. Ferner vom
See folgen weitere Thäler, niedrigere Hügel, an Stelle
der Waldbäume tritt die Dattelpalme, an der Nordgrenze wird
das Land zur Ebene, durchschnitten von Schilfflüssen und von
dichtem Wald bedeckt, in dem Löwen, Leoparden, Hyänen,
Elentiere, Antilopen, Elefanten, Büffel, Flußpferde und
Wildschweine sich aufhalten. Der öftliche, hügelige Teil
wird von Schluchten durchzogen, über denen sich prachtvolle,
von Schlingpflanzen umzogene Waldbäume wölben, ein Land
von wunderbarer Schönheit. Der Küstenstrich ist
äußerst fruchtbar, er gibt zwei Ernten im Jahr. Die
Dörfer sind von großen Bananenwäldern umgeben. Das
Klima ist außerordentlich mild und gleichmäßig,
eine Folge der hohen Lage des Landes (1500-2000 m); doch herrscht
das Fieber ziemlich stark. Es gibt zwei Regenzeiten (März bis
Mai und September bis November). Von Mineralien werden nur
Eisenerz, Talk, Porzellanerde gefunden. Die Bewohner teilen sich in
mehrere Stämme: Waganda, Wahuma, Wanyambo und Wasoga, von
denen die ersten in jeder Beziehung am wichtigsten sind. Sie sind
mehr als mittelgroß, schlank, kräftig und von
dunkelbrauner Farbe. Ungleich den umwohnenden Völkerschaften,
sind die Waganda, wenn sie auf der Straße erscheinen, von
Kopf bis Fuß bekleidet, auf eine Verletzung dieser Sitte
steht die Todesstrafe. Sie sind fleißige Landbauer (Bananen,
Durra, Mais, Bataten, Yams, Tabak, Rizinus, Sesam, Zuckerrohr,
Kaffee); aus den Bananen gewinnen sie ein berauschendes
Getränk (Muenge). Als Haustiere haben sie Rinder, Schafe mit
Fettschwanz, Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen. Sie sind
geschickte Holzarbeiter und Schmiede, ihre Waffen sind Speer,
Schild, Bogen und Pfeil; Feuergewehre werden von Sansibar
importiert, der König besitzt auch vier kleine Schiffskanonen.
Außerdem werden Kleiderstoffe aus Baumrinde,
Töpferwaren, Körbe und Matten, Leder u. a. gefertigt. In
den Handel kommen Elsenbein, Gummi, Harze, Kaffee, Myrrhen,
Löwen-, Leoparden-, Ottern- und Ziegenfelle,
Öchsenhäute und weiße Affenhäute. Hauptstadt
ist Rubaga, nicht weit vom Nordufer des Victoria Nyanza. Von
Europäern ist U. wiederholt besucht worden, so von Speke
(1862), Long (1874), Stanley und Linant de Bellefonds (1875),
Felkin und Wilson (1879); sie wurden sämtlich gastfreundlich
vom König Mtesa aufgenommen, doch verbot der König schon
1879 den ins Land gezogenen englischen und französischen
Missionären das Lehren und bedrohte seine Unterthanen, die
sich von jenen unterweisen lassen würden, mit der Todesstrafe.
Zugleich wurde auch die mohammedanische Religion verboten. Nach
Mtesas Tod (10. Okt. 1884) begann sein Nachfolger Mwanga die
Christen heftig zu verfolgen, ließ 1885 mehrere Zöglinge
der englischen Mission lebendig verbrennen und 31. Okt. 1885 sogar
den englischen Bischof für Zentralafrika, Hannington, in Usoga
hinrichten, so daß die Lage der Missionäre eine sehr
gefährdete wurde. Vgl. Wilson und Felkin, U. und der
ägyptische Sudân (deutsch, Stuttg. 1883).
Ugijar (spr. ugichhar), Bezirkshauptort in der span.
Provinz Granada, in den Alpujarras, den Südabhängen der
Sierra Nevada, mit (1878) 2792 Einw.
Uglitsch, Kreisstadt im russ. Gouvernement Jaroslaw, an
der Wolga, hat einen alten verfallenen Kreml (in welchem der junge
Zarewitsch Dmitrij, Sohn Iwans des Schrecklichen, 1591 ermordet
wurde), 25 Kirchen, darunter eine Kathedrale, ein geistliches
Seminar, Fabrikation von Leder, Seife, Kupfer- und Zinnwaren,
Papier etc., lebhaften Handel und (1885) 11,183 Einw.
Ugocsa (spr. úgotscha), ungar. Komitat am linken
Theißufer, von den Komitaten Bereg, Mármaros und
Szatmár begrenzt, 1191 qkm (21,62 QM.) groß, wird von
der Theiß durchströmt, ist im O. gebirgig, waldreich,
wenig fruchtbar und hat (1881) 65,377 Einw. Hauptprodukte sind:
Getreide, Schweine, Schafe, Fische und Eisen (im Turtzer Gebirge).
Sitz des Komitats ist Nagy-Szölös (s. d.).
Ugogo, Landschaft in Ostafrika, zwischen dem 6. und
7.° südl. Br., grenzt an den nordwestlichen Teil von
Usagara, ein dürres, welliges Tafelland, das in seinem
südlichen Teil vom Kisigo, einem Nebenfluß des Rueha,
durchzogen und begrenzt wird und nur an den Ufern desselben und den
über die Oberfläche verstreuten Oasen bewohnbar ist. Die
Vegetation besteht in Akaziengestrüppen,
Balsamsträuchern, Aloe, Euphorbien, Kapernsträuchern,
hartem Gras; von Tieren finden sich Löwen, Schakale,
Großohrfüchse, Elefanten, Nashörner, Büffel,
Giraffen, Strauße, Perlhühner. Die Eingebornen, Wagogo,
wohnen in Lehmhäusern, Tembe, mit flachem Dach. Das Gebiet
zerfällt in zahlreiche unabhängige, aus mehreren
Dörfern bestehende Bezirke, deren jeder seine
Souveränität hauptsächlich in der Erpressung der
Wegsteuer von den Reisenden ausübt. S. Karte bei "Congo".
Ugolino, s. Gherardesca.
Ugomba, Landschaft in Ostafrika, zwischen dem 3. und
4.° südl. Br., an den Quellflüssen des in den
Tanganjika sich ergießenden Malagarasi.
Ugrische Völker, ein von Castrén gebrauchter
Sammelname für die Ostjaken am rechten Ufer des Ob, die
Wogulen am Ostabhang des nördlichen Urals und die Magyaren,
die sämtlich zur gliederreichen finnischen Völkergruppe
gehören. Die beiden ersten sind besonders deshalb interessant,
weil sie uns noch jetzt ein Gemälde gewähren, wie die
Zustände ihrer westlichen Geschwister in der Vorzeit
beschaffen waren.
Uhde, 1) Hermann, Schriftsteller, geb. 26. Dez. 1845 zu
Braunschweig, ging, nachdem er sich in Hannover längere Zeit
dem Journalismus gewidmet hatte, 1870 als Spezialkorrespondent der
"Hamburger Nachrichten" auf den französischen Kriegsschauplatz
und übernahm hierauf das Feuilleton der genannten Zeitung.
Seine Berichte veröffentlichte er in einem Sonderabdruck
(Hamb. 1871). Seit 1872 lebte er in Weimar, seit 1874 aber
privatisierend in Veytaux-Chillon am Genfer See, wo er 27. Mai 1879
starb. Seine Thätigkeit betraf meist die äußere
Geschichte der deutschen Litteratur und vorwiegend des deutschen
Theaters. Unter seinen Publikationen, die fast alle auf bisher
unveröffentlichten Aufzeichnungen und Briefen beruhen, sind zu
nennen: "Erinnerungen und Leben der Malerin Luise Seidler" (2.
Aufl., Berl. 1875); "Denkwürdigkeiten des Schauspielers,
Schauspieldichters und Schauspieldirektors F. L. Schmidt" (Hamb.
1875, 2 Bde.); "Goethes Briefe an Soret" (Stuttg. 1877); "Goethe,
J. G. v. Quandt und der Sächsische Kunstverein" (das. 1878);
"Das Stadttheater in Hamburg 1827-77" (das. 1879). Außerdem
gab er Karl Töpfers "Dra-
972
Uhehe - Uhland.
matische Werke" (Leipz. 1873) und H. A. O. Reichards
"Selbstbiographie" (Stuttg. 1877) heraus.
2) Fritz von, Maler, geb. 22. Mai 1848 zu Wolkenburg in Sachsen,
ging 1866 auf die Kunstakademie in Dresden, wendete sich aber, weil
ihn der damals auf der Akademie herrschende Geist nicht
befriedigte, 1867 der militärischen Laufbahn zu und diente bis
1877, zuletzt als Rittmeister im Gardereiterregiment. Dann
quittierte er seinen Dienst und begab sich nach München, um
sich der Malerei zu widmen, wobei er sich besonders an das Studium
der Niederländer hielt. Ein Zusammentreffen mit Munkacsy
veranlaßte ihn, sich im Herbst 1879 nach Paris zu begeben, wo
er einige Wochen im Atelier Munkacsys malte, im übrigen aber
seine Studien nach den Niederländern fortsetzte. Unter ihrem
Einfluß stehen seine ersten Bilder: die Sängerin und die
gelehrten Hunde, sowie die 1881 in München gemalten: das
Familienkonzert und die holländische Gaststube. Eine 1882 nach
Holland unternommene Reise bestärkte ihn in seinen
koloristischen Grundsätzen, in welche er inzwischen auch
diejenigen der Pariser Hellmaler aufgenommen hatte. Seine
nächsten Bilder: die Ankunft des Leierkastenmanns (Erinnerung
aus Zandvoort) und die Trommelübung bayrischer Soldaten, waren
jedoch nur die Vorbereitung zu denjenigen Aufgaben, welche er sich
als das Hauptziel seiner Kunst gestellt hatte. Auf Grund seiner
neuen koloristischen Anschauung und seiner naturalistischen
Formenbildung wollte er die Geschichte des Neuen Testaments in enge
Beziehungen zur Gegenwart setzen und mit starker Hervorhebung der
untern Volksklassen zu einer neuen, tief und schlicht empfundenen
Darstellung bringen. Seine zu diesem Zwecke geschaffenen
Hauptbilder, welche durch ihre Neigung für das
Gewöhnliche und Häßliche auf großen
Widerstand stießen, wegen ihres strengen Anschlusses an die
Natur und ihrer koloristischen, bisweilen an Rembrandt erinnernden
Haltung aber auch zahlreiche Bewunderer fanden, sind: Christus und
die Kinder (1884, im Museum zu Leipzig), Komm, Herr Jesu, sei unser
Gast (1884, in der Berliner Nationalgalerie), Christus und die
Jünger von Emmaus (1885), das Abendmahl (1886), die
Bergpredigt (1887) und die heilige Nacht (1888). Er lebt als
königlicher Professor in München. Vgl. Lücke, Fritz
v. U. (Leipz. 1887).
Uhehe, Landschaft im äquatorialen Ostafrika, wird
vom 9.° südl. Br. durchschnitten und vom Rueha
durchflossen, wurde von Graf Pfeil und Schlüter 29. Nov. 1885
durch Vertrag für die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft
erworben.
Uhha, Landschaft in Äquatorialafrika, am Nordostufer
des Tanganjika, wird vom Malagarasi, im südlichsten Teil von
einer vielbegangenen Straße durchzogen, ist sonst aber noch
wenig bekannt.
Uhl, Friedrich, Schriftsteller, geb. 14. Mai 1825 zu
Teschen, studierte in Wien und widmete sich nachmals der
litterarischen Laufbahn, welche er mit den "Märchen aus dem
Weichselthal" (Wien 1847) begann. Als Mitarbeiter und Redakteur
verschiedener größerer Wiener Zeitungen erwarb er in der
Wiener Publizistik eine hochgeachtete Stellung und fungiert
gegenwärtig als Chefredakteur der kaiserlichen "Wiener
Zeitung" und k. k. Wirklicher Regierungsrat. Seinen litterarischen
Ruf erwarb U. zuerst durch die vortrefflichen farbenvollen
Bücher: "Aus dem Banat; Landschaften und Staffagen" (Leipz.
1848); "An der Theiß; Stillleben" (das. 1851). Später
schrieb er die Romane: "Die Theaterprinzessin" (Wien 1863, 3 Bde.),
"Das Haus Fragstein" (2. Aufl., das. 1878), "Die Botschafterin"
(Berl. 1880, 2 Bde.) und "Farbenrausch" (das. 1886, 2 Bde.), welche
sich sämtlich durch scharfe Beobachtung moderner
Zustände, lebendige Charakteristik, feine Detaillierung und
klaren, künstlerisch durchgebildeten Stil auszeichnen. Auch
seine theaterkritischen Aufsätze verdienen Erwähnung.
Uhland, 1) Johann Ludwig, hervorragender Dichter und
Litteraturforscher, geb. 26. April 1787 zu Tübingen, besuchte
Gymnasium und Universität seiner Vaterstadt und studierte
1802-1808 die Rechte, neben diesem Studium das der
mittelalterlichen Litteratur, namentlich der deutschen und
französischen Poesie, pflegend. Seine eignen poetischen
Versuche und Regungen standen in dieser Zeit durchaus unter dem
Einfluß der Romantik, von der er freilich nur diejenigen
Elemente in sich aufnahm, welche einem tiefern Bedürfnis des
Gemüts entsprangen und zum Humanitätsideal unsrer
klassischen Dichtung eine Ergänzung, aber keinen Gegensatz
bildeten. Bereits während seiner Tübinger Studienzeit
begann er, einzelne Gedichte (zum Teil unter dem Pseudonym Volker)
in Zeitschriften und Musenalmanachen zu veröffentlichen. 1810
unternahm er eine mehrmonatliche Reise nach dem kaiserlichen Paris,
wo er auf der Bibliothek dem Studium altfranzösischer und
mittelhochdeutscher Manuskripte jedenfalls eifriger oblag als dem
des Code Napoléon, welches der ursprüngliche Zweck
seiner Reise war. Heimgekehrt widmete er sich dann, wenn auch halb
mit innerm Widerstreben, in Stuttgart der Advokatur. Sein
patriotischer Sinn jauchzte den Ereignissen der Befreiungskriege,
die er als rheinbündischer Württemberger nur mit
Wünschen und Hoffnungen begleiten konnte, freudig entgegen ;
im Vollgefühl der errungenen Befreiung veröffentlichte er
die erste Ausgabe der Sammlung feiner "Gedichte" (Stuttg. 1815, 60.
Aufl. 1875). Sie enthielt zwar viele Perlen seiner Lieder- und
Romanzendichtung, die in den spätern Auflagen hinzukamen, noch
nicht, trug aber im ganzen bereits das charakteristische
Gepräge der Uhlandschen Dichtung. "Die Eigentümlichkeit
seiner dichterischen Anschauung beruht wesentlich in seinem
lebendigen Sinn für die Natur. Diese wurde ihm zum Symbol der
sittlichen Welt, er lieh ihr das Leben seines eignen Gemüts
und machte die Landschaft, dem echten Maler gleich, zum Spiegel
seiner dichterischen Stimmung. Wie aber die beseelte Landschaft die
menschliche Gestalt als notwendige Ergänzung fordert, so
belebt und individualisiert auch U. das Bild der Natur durch den
Ausdruck menschlichen Seins und Handelns. Und hier macht sich nun
seine Vorliebe für die Erinnerungen deutscher Vorzeit geltend.
Die Empfindungen, welche ausgesprochen werden, die Situationen, die
Charaktere gehören nicht der Vergangenheit an, sie haben die
ewige, jugendfrische Wahrheit aller echten Poesie; aber der Dichter
sucht mit Recht diese einfachen Gestalten von allgemeiner Geltung
dem gewöhnlichen Kreis der täglichen Erfahrung zu
entheben und hüllt sie in den Duft mittelalterlicher
Reminiszenzen. Seine Kunst, die verschiedenen Elemente der
gemütlichen Stimmung, des landschaftlichen Bildes und der
mittelalterlichen Staffage zum Ganzen einer künstlerischen
Komposition im knappsten Rahmen mit den einfachsten Mitteln
zusammenzuschließen, ist bewunderungswürdig , und auf
ihr beruht wesentlich der Reiz seiner vollendetsten und
beliebtesten Gedichte. Auch ist sie seinen Liedern und Balladen
gleichmäßig eigen; die nahe Verwandtschaft beider ist
darin begründet, nur die Mischung der Elemente ist eine
973
Uhlenhorst - Uhlich.
etwas andre." (O. Jahn.) Während die "Gedichte"
anfänglich langsam, dann schneller und schneller ihren Weg ins
deutsche Publikum fanden, versuchte sich U. auch als Dramatiker.
Seine beiden dramatischen Werke: "Ernst, Herzog von Schwaben"
(Heidelb. 1818) und "Ludwig der Bayer" (Berl. 1819), denen bei
allen dichterischen Vorzügen die unerläßliche
Lebensfülle und die Energie spannender, vorwärts
drängender Leidenschaft abgehen, errangen nur einen
mäßigen Erfolg. Seit 1816 begannen die politischen
Kämpfe und die ausgebreiteten wissenschaftlichen Forschungen
den Dichter von größern Schöpfungen abzuziehen. U.
beteiligte sich an dem Ringen um die württembergische
Verfassung und gehörte später als Abgeordneter zur
Ständekammer der freisinnigen Partei an. Seine Schrift
über "Walther von der Vogelweide" (Stuttg. 1822) bekundete ihn
als so feinsinnigen Kenner und Forscher der mittelalterlichen
Litteratur, daß der Wunsch immer lebhafter erwachte, ihn auf
einem Lehrstuhl für seine Lieblingswissenschaften zu
erblicken. Mit seiner 1829 erfolgenden Ernennung zum Professor der
deutschen Litteratur an der Universität Tübingen ward
dieser Wunsch erfüllt. Uhlands Lehrthätigkeit erfreute
sich der reichsten Wirkung. Aber bereits 1832, als ihm die
Regierung den Urlaub zum Eintritt in die Ständekammer
verweigern wollte, legte er seine Professur nieder. Vor
äußern Lebenssorgen namentlich auch seit seiner sehr
glücklichen Ehe mit Emilie Vischer (der "Unbekannten" seiner
Gedichte) völlig gesichert, teilte er fortan seine Zeit
zwischen der ständischen Wirksamkeit und seinen
wissenschaftlichen Arbeiten. 1839 legte er sein Mandat als
Abgeordneter nieder, und erst die Bewegungen des Jahrs 1848 rissen
ihn wieder aus seiner frei erwählten Zurückgezogenheit.
Als Abgeordneter zur ersten deutschen Nationalversammlung der
Linken angehörig, stimmte er gegen das Erbkaisertum, hielt auf
seinem Posten bis zur Auflösung der Nationalversammlung aus
und begleitete noch das Rumpfparlament nach Stuttgart. Von 1850 an
zog er sich wieder ganz nach Tübingen zurück, eifrig mit
der Vollendung jener wissenschaftlichen sagen- und
litteraturgeschichtlichen Arbeiten beschäftigt, als deren
Zeugnisse zu verschiedenen Zeiten die Schriften: "Über den
Mythus von Thor" (Stuttg. 1836) und "Alte hoch- und niederdeutsche
Volkslieder" (das. 1844, 2 Bde.; 2.Aufl., das. 1881 ff.)
hervorgetreten waren. Alle äußern Ehrenbezeigungen
konsequent ablehnenden der schlichten Einfachheit seines Wesens und
der fleckenlosen Reinheit seines Charakters von allen Parteien
hochgeachtet, verlebte U. ein glückliches kräftiges Alter
und starb 13. Nov. 1862 in Tübingen. Seine poetischen Werke
wurden wiederholt als "Gedichte und Dramen" (Jubiläumsausgabe,
Stuttg. 1886), seine wissenschaftlichen, geordnet und revidiert von
Adalb. v. Keller, W. Holland und Franz Pfeiffer, als "Schriften zur
Geschichte der Dichtung und Sage" (das. 1866 bis 1869, 8 Bde.)
herausgegeben. Die letztern brachten zum erstenmal jene
vorzüglichen Tübinger Vorlesungen, welche U. zwischen
1829 und 1832 über die "Geschichte der altdeutschen Poesie",
die "Geschichte der deutschen Dichtung im 15. und 16. Jahrhundert"
und die "Sagengeschichte der germanischen und romanischen
Völker" gehalten hatte. Alle diese Arbeiten lassen beim
höchsten wissenschaftlichen Ernste den Dichter erkennen,
welcher neben der wissenschaftlichen Methode und dem Forschereifer
das künstlerische Verständnis und die feinste
Mitempfindung für Volks- und Kunstdichtung, für den
Zusammenhang von Dichtung und Mythe besaß. Eine Statue (von
G. Kietz) wurde U. 1873 in seiner Vaterstadt Tübingen
errichtet. Vgl. K. Mayer, L. U., seine Freunde und Zeitgenossen
(Stuttg. 1867, 2 Bde.); "Uhlands Leben", aus dessen Nachlaß
und eigner Erinnerung zusammengestellt von seiner Witwe (das.
1874); die biographischen Schriften von O. Jahn (Bonn 1863), Fr.
Pfeiffer (Wien 1862), Notter (Stuttg. 1863), Dederich (Gotha1886),
Holland (Tübing. 1886), H. Fischer (Stuttg. 1887), Hassenstein
(Leipz. 1887); Weismann, L. Uhlands dramatische Dichtungen
erläutert (Frankf. 1863); Düntzer, Uhlands Balladen und
Romanzen (Leipz. 1879); Keller, U. als Dramatiker, mit Benutzung
seines handschriftlichen Nachlasses (Stuttg. 1877).
2) Wilhelm Heinrich, Ingenieur, geb. 11. Jan. 1840 zu Nordheim
in Württemberg, begründete 1865 das Technikum Mittweida,
die erste Privatlehranstalt für Maschinentechniker, und 1868
das Technikum Frankenberg bei Chemnitz. Für die
Stärkefabrikation gab er wesentliche Verbesserungen an und
errichtete eine Versuchsstation mit vollständig
fabrikmäßigem Betrieb und Lehrkursus. Seit 1870 lebt er
in Leipzig. Er lieferte mehrere technische Kalender und schrieb
zahlreiche technische Werke, von denen besonders hervorzuheben
sind: "Handbuch für den praktischen Maschinenkonstrukteur"
(Leipz. 1883-86, 4 Bde. und Supplementband); "Die Corliß- und
Ventildampfmaschinen" (das. 1879); "Skizzenbuch für den
praktischen Maschinenkonstrukteur" (2. Aufl., das. 1886); auch
redigiert er die von ihm begründeten Zeitschriften: "Der
praktische Maschinenkonstrukteur" und "Wochenschrift für
Industrie und Technik" (Leipzig).
Uhlenhorst, Vorort von Hamburg, in anmutiger Lage an der
Außenalster, hat ein großes Waisenhaus, schöne
Villen und Gärten, Fabrikation von Maschinen, chemischen
Artikeln, Goldwaren und englischen Cakes, eine lithographische
Anstalt u. (1885) 11,167 Ew.
Uhles, warmer Eierpunsch.
Uhlhorn, Gerhard, luther. Theolog, geb. 17. Febr. 1826 zu
Osnabrück, wurde Repetent, 1852 Privatdozent in
Göttingen, 1855 Konsistorialrat und Hofprediger in Hannover,
1866 daselbst Mitglied des Landeskonsistoriums, Oberkonsistorialrat
und 1878 Abt von Lokkum. Unter seinen zahlreichen
Veröffentlichungen nennen wir, abgesehen von mehreren
Predigtsammlungen: "Die Homilien und Rekognitionen des Clemens
Romanus" (Götting. 1854); "Urbanus Rhegius" (Elberf. 1861);
"Der Kampf des Christentums mit dem Heidentum" (5. Aufl., Stuttg.
1889); "Vermischte Vorträge über kirchliches Leben der
Vergangenheit" (das. 1875); "Die christliche Liebesthätigkeit
in der alten Kirche" (das. 1882-84, 2 Bde.).
Uhlich, Leberecht, freigemeindlicher Theolog, geb. 27.
Febr. 1799 zu Köthen, ward 1824 Prediger in Diebzig bei Aken,
1827 zu Pömmelte bei Schönebeck und 1845 an der
Katharinengemeinde in Magdeburg. Er gab die Veranlassung zu den
Versammlungen der "protestantischen Freunde" (s. Freie Gemeinden)
seit 1841, geriet aber, da er das apostolische Symbol bei der Taufe
nicht nach Vorschrift der Agende anwendete, mit dem Konsistorium in
Konflikt und ward im September 1847 suspendiert, worauf er aus der
Landeskirche trat und Pfarrer der Freien Gemeinde zu Magdeburg
wurde. Als solcher hat er fortwährend in Konflikt mit den
Behörden und oft als Angeklagter vor Gericht gestanden; 1848
ward er in die preußische Nationalversammlung gewählt,
wo er dem linken Zentrum angehörte. Er starb 23. März
1872 in Magdeburg. Sein Hauptorgan war das "Sonntagsblatt"; von
seinen zahlreichen Schriften nennen wir:
974
Uhr (Taschen- und Pendeluhren).
"Bekenntnisse" (4. Aufl., Leipz. 1846); "Sendschreiben an das
deutsche Volk" (Dess. 1845); "Die Throne im Himmel und auf Erden"
(das. 1845); "Das Büchlein vom Reiche Gottes" (ein
Katechismus, Magdeb. 1845 u. öfter); "Sonntagsbuch" (Gotha
1858); "Handbüchlein der freien Religion" (7. Aufl., Berl.
1889). Sein Leben hat er selbst beschrieben (Gera 1872).