Tyche, in der griech. Mythologie ursprünglich die

Göttin des guten Glücks, Tochter des Okeanus oder des

Zeus, wurde namentlich als Beschirmerin und Erhalterin der

Städte verehrt und hatte als solche in vielen Städten

Griechenlands und Kleinasiens Tempel und Statuen. Allmählich

bildete sich dann die Vorstellung aus, daß T. sowohl

Glück als Unglück verleihe, worin sie der römischen

Fortuna (s. d.) gleichkommt. In den Kunstdenkmälern wird der

T. entweder ein Steuerruder als Sinnbild lenkender Gewalt oder ein

Rad, auf die Flüchtigkeit derselben anspielend, oder

Kopfaufsatz und Fruchthorn als Zeichen der Fruchtbarkeit

beigegeben. Eigenartig charakterisiert waren die Tychen der

Städte, meist mit der Mauerkrone geschmückt und mit

verschiedenen Symbolen ausgestattet (so die T. von Antiochia, ein

Werk des Eutychides, im Vatikan, s. Abbild.). Vgl. Lehrs,

Populäre Aufsätze, S. 175 ff. (2. Aufl.).

Tycho Brahe, s. Brahe 1).

Tychsen, 1) Olaus Gerhard, Orientalist, geb. 14. Dez.

1734 zu Tondern, studierte in Halle und ward Lehrer am dortigen

Waisenhaus, 1763 Professor der orientalischen Sprachen zu

Bützow und nach Aufhebung dieser Universität

Oberbibliothekar in Rostock, wo er 30. Dez. 1815 starb. Seine

Hauptschrift ist "Bützowsche Nebenstunden" (Bützow

1766-1769, 6 Bde.), ein reichhaltiges Magazin für Geschichte

und Wissenschaft des Judentums. T. gilt auch als Begründer der

arabischen Paläographie, und er beteiligte sich lebhaft und

mit Erfolg an den ersten Versuchen, die Keilschrift zu entziffern.

Seine Sammlung wertvoller Manuskripte über orientalische und

spanische Litteratur und andre Antiquitäten kaufte die

Rostocker Universität. Vgl. Hartmann, Olaf Gerhard T. (Brem.

1818-20, 5 Tle.).

2) Thomas Christian, Orientalist, geb. 8. Ma. 1758 zu Horsbyll

im Schlesischen, studierte in Kiel und Göttingen, machte dann

eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, Italien, Frankreich

und Spanien, ward 1784 Professor der Theologie zu Göttingen,

1797 Präsident der Göttinger Akademie der Wissenschaften

und starb 23. Okt. 1834. Von seinen Schriften sind zu nennen:

"Grundriß einer Archäologie der Hebräer"

(Götting. 1789); "Grammatik der arabischen Schriftsprache"

(das. 1823); die Ausgabe des Quintus Smyrnäus (Straßb.

1807) und verschiedene Essays über Numismatik,

Paläographie etc. - Seine durch Schönheit und Talente

ausgezeichnete Tochter Cäcilie (gest. 1812 im Alter von 18

Jahren) besang der Dichter Ernst Schulze (s. d. 4) in dem

gleichnamigen epischen Gedicht.

Tydeus, im griech. Mythus Sohn des Öneus,

flüchtete wegen eines begangenen Mordes nach Argos zu

Adrastos, der ihn sühnte und ihm seine Tochter Deipyle zum

Weib gab. T. zog mit ihm gegen Theben, wurde von Melanippos

verwundet und starb an den Folgen der Wunde.

Tyfon, Wirbelsturm, s. Teifun.

Tyl, Joseph Cajetan, tschech. Schriftsteller, geb. 4.

Febr. 1808 zu Kuttenberg, war Theaterregisseur in Prag und starb

daselbst 11. Juli 1856. Er schrieb ca. 50 Dramen, zum großen

Teil nach deutschen Vorbildern. Am gelungensten sind: "Der blinde

Jüngling", "Jan Hus", "Strakonicky Dudak" etc. Von 1834 bis

1847 redigierte T. die Zeitschrift "Kvety" und veröffentlichte

darin seine Erzählungen, unter denen zu erwähnen sind:

"Der letzte Tscheche", "Patriotische Liebe", "Das Kuttenberger

Dekret" etc. T. dichtete auch das böhmische Nationallied "Kde

domuv moj?" Sein Leben beschrieb Turnovsky (Prag 1881).

Tyldesley (spr. teilsli oder tillsli), Stadt in

Lancashire (England), 12 km westnordwestlich von Manchester, mit

Kohlengruben, Baumwollweberei und (1881) 9954 Einw.

Tyler (spr. teiler), 1) John, zehnter Präsident der

Vereinigten Staaten, geb. 29. März 1790 als der Sohn eines

Pflanzers in Virginia, studierte die Rechte, ward 1816 Mitglied des

Repräsentantenhauses zu Washington, dann Gouverneur von

Virginia und war 1827-36 Senator für diesen Staat. 1840 von

der Whigpartei als Kandidat aufgestellt und mit großer

Majorität zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten

gewählt, wurde er durch den Tod des Präsidenten Harrison

einige Wochen nach dessen Amtsantritt 4. April 1841 Präsident.

T. rechtfertigte in dieser Stellung die Erwartungen seiner Partei

nicht, indem er vielmehr auf die Seite der Demokraten neigte. Als

er der im Juli 1841 vom Kongreß beschlossenen Bill wegen

Errichtung einer Bank sein Veto entgegenstellte, reichte das

Ministerium seine Entlassung ein, und Tylers Bildnis ward an

mehreren Orten öffentlich verbrannt. Dennoch machte er noch

wiederholt von seinem Vetorecht Gebrauch, so daß er in

beständigem Hader mit der Volksvertretung lebte. Am 4.

März 1845 trat er von der Regierung ab und zog sich auf sein

Landgut in Virginia zurück. Er starb, nachdem er sich nach

einem fruchtlosen Friedensversuch bei Ausbruch des

Bürgerkriegs in den Senat der Sezessionisten hatte wählen

lassen, 18. Jan. 1862 in Richmond. Tylers Leben beschrieb sein Sohn

Lyon Gardiner T. (Richm. 1884, 2 Bde.).

954

Tyloma - Typha.

2) S. Wat Tyler.

Tyloma (grch.), Schwiele, Verhärtung der

Oberhaut.

Tylopoda (Schwielensohler, Kamele), Familie der

paarzehigen Huftiere.

Tylor (spr. teilor), Edward Burnett, Anthropolog, geb. 2.

Okt. 1832 zu Camberwell, wurde 1871 Fellow der Royal Society, 1883

Direktor des Universitätsmuseums in Oxford, wo er auch

Vorlesungen hält. Auch ist er Präsident der Englischen

Anthropologischen Gesellschaft. Er schrieb: "Anahuac or Mexico and

the Mexicans" (Lond. 1861); "Early history of mankind and of

civilisation" (3. Aufl., das. 1878; deutsch, Leipz. 1866);

"Primitive culture: researches into the development of mythology,

philosophy, religion, art and custom" (2. Aufl., Lond. 1873, 2

Bde.; deutsch, Leipz. 1873); "Anthropology" (Lond. 1881; deutsch,

Braunschw. 1883).

Tympanitis (griech.), s. Blähungen.

Tympanon (griech.), mit Pergament überzogene

beckenförmige Pauke, vorzugsweise beim Dienste der Rhea und

bei Bacchusfesten gebraucht (s. Abbildung); in der Anatomie s. v.

w. Trommelfell (s. Ohr, S. 349); in der Architektur jedes meist

halbrund vertiefte, zur Aufnahme von Reliefs dienende Feld von

Giebeln über Fenstern oder Thüren.

Tympanum (lat.), s. Trommelrad.

Tyndale (spr. tinndel), William, ein Vorkämpfer der

Reformation in England, geboren vor 1500 an der Grenze von Wales,

studierte in Oxford, schloß sich der Reformation an und

predigte die neue Lehre in London. Er mußte deshalb 1524 aus

England fliehen, ging nach Deutschland, wo er Luther kennen lernte,

und dann nach den Niederlanden. 1526 wurde seine Übersetzung

des Neuen Testaments gedruckt, welche von Sir Th. More

bekämpft wurde, jedoch in England große Verbreitung

fand. T. ward deshalb in Antwerpen auf englische Veranlassung

verhaftet und nach einer langen Gefangenschaft zu Vilvoord im

September 1536 erdrosselt und verbrannt. Die gewöhnliche

englische Bibelübersetzung hat sich eng an die Tyndales

gehalten. Seine Schriften erschienen gesammelt Oxford 1848-50, 3

Bde. Vgl. "W. T. a biography" (Lond. 1886).

Tyndall (spr. tinndel), John, Physiker, geb. 21. Aug.

1820 in Irland, arbeitete bei der trigonometrischen Aufnahme

Großbritanniens, studierte seit 1848 in Marburg und Berlin,

wurde Lehrer am Queenwod College und wirkt seit 1853 als Professor

der Physik an der Royal Institution. Er lieferte Untersuchungen

über Diamagnetismus, strahlende Wärme,

Schallfortpflanzung etc. und brachte in allen seinen Arbeiten die

Lehre von der Erhaltung der Energie zur Geltung. 1856 mit Huxley

und später allein machte er Studien und Beobachtungen

über die Gletscher, die er in dem Werk "The glaciers of the

Alps" (Lond. 1860) veröffentlichte. Auch hielt er musterhafte

populäre Vorträge über verschiedene Gebiete der

Physik, die große Verbreitung fanden und meist von Helmholtz

und Wiedemann ins Deutsche übersetzt wurden, so: "Der Schall"

(2. Aufl., Braunschw. 1874), "Das Licht" (6 Vorlesungen in Amerika,

das. 1876; daneben veröffentlichte er noch Vorlesungen in der

Royal Institution über denselben Gegenstand) und die

"Fragmente aus den Naturwissenschaften" (das. 1874). Von seinen

zahlreichen übrigen Schriften nennen wir: "Heat, a mode of

motion" (7. Aufl. 1887; deutsch, 3. Aufl., Braunschw. 1875); "Forms

of water in clouds and rivers, ice and glaciers" (6. Aufl. 1876;

deutsch, 2. Aufl., das. 1878); "On diamagnetism" (1856 u. 1870,

neue Ausg. 1888); "On radiation" (1865); "Hours of exercise in the

alps" (1871; deutsch, Braunschw. 1875); "Contributions to molecular

physics" (1872); "Notes on electricity" (1870) und "Lectures on

electricity" (1870; beide deutsch, Wien 1884); "Natural philosophy

in easy lessons" (1869); "Faraday as a discoverer" (4. Aufl. 1884;

deutsch, Braunschw. 1870) und den Vortrag über den

Materialismus in England (deutsch, Berl. 1875).

Tyndareos, mythischer König von Sparta, floh, von

seinem Halbbruder Hippokoon vertrieben, nach Ätolien zu

Thestios, dem er im Kriege gegen seine Nachbarn beistand, und mit

dessen Tochter Leda (s. d.) er sich vermählte. Herakles setzte

ihn wieder in die Herrschaft von Sparta ein. Leda gebar ihm die

Klytämnestra und den Kastor, dem Zeus die Helena und den

Polydeukes. Als Kastor uno Polydeutes (die Tyndariden) unsterblich

geworden waren, rief T. seinen Schwiegersohn Menelaos nach Sparta

und übergab ihm die Herrschaft.

Tyne (spr. tein), Fluß im nördlichen England,

entsteht in der Grafschaft Northumberland aus dem

Zusammenfluß des North- und South-T., fließt

östlich, bildet in seinem untern Lauf die Grenze zwischen den

Grafschaften Northumberland und Durham und fällt nach einem

Laufe von 117 km bei Tynemouth in die Nordsee. Zu den Häfen

Newcastle, Shields und Tynemouth, die an ihm liegen, gehörten

1887: 855 Seeschiffe (darunter 666 Dampfer) von 380,913 Ton.

Gehalt. Steinkohlen, Eisen u. Maschinen bilden die Hauptartikel der

Ausfuhr. Vgl. Guthrie, The river T., its history and resources

(Lond. 1880); Palmer, The T. and its tributaries (das. 1882).

Tynemouth (spr. teinmoth), Stadt und besuchtes Seebad in

der engl. Grafschaft Northumberland, an der Mündung des Tyne,

hat ein altes Schloß, Ruinen einer Abtei, ein

Matrosenhospital und mit dem oberhalb liegenden North Shields, mit

dem es Eine Gemeinde bildet, (1881) 43,863 Einw. (s. Shields).

Typen (griech., Mehrzahl von Typus, s. d.), in der Chemie

gewisse einfache Verbindungen, die als Vorbilder zahlreicher andrer

Verbindungen betrachtet werden können. Nach Gerhardts

Typentheorie waren die vier wichtigsten T.: Chlorwasserstoff H Cl

Wasser H H O Ammoniak H H H N Methan H H H H C Ein Körper ist

nach dem Typus Wasser, Methan etc. konstituiert, wenn seine Atome

in analoger Weise miteinander verbunden sind. Der Typus bleibt auch

erhalten, wenn in der Verbindung ein oder mehrere Atome durch andre

Atome oder Atomgruppen ersetzt werden. Aus Methan können die

Substitutionsprodukte Cl H H H C oder Cl Cl H H C etc. entstehen,

ebenso aus Ammoniak die Verbindungen CH3 H H N oder CH3 C2H5 C2H5

N. Über die Typentheorie s. Chemie, S. 985. - T. auch s. v. w.

Buchdruckschriften oder Lettern.

Typenschreiber (engl. Type-Writer, spr. teip-reiter), s.

Schreibmaschine.

Typha L. (Teichkolben, Rohrkolben), Gattung der

Typhaceen, Sumpfgewächse mit langen, grund-

955

Typhaceen - Typhus.

ständigen, linealen Blättern, einfachen, runden

Stengeln und sehr kleinen Blüten, welche in großer Zahl

(100,000) in walzigen oder länglichen, gelb- oder

braunschwarzen Kolben bei einander stehen; von den zwei Kolben

eines Stengels trägt der obere männliche, der untere

weibliche Blüten. Von zehn Arten, die in den Tropen und den

gemäßigten Zonen weit verbreitet sind, kommen T.

latifolia L. und T. angustifolia L. mit 2 m hohen Stengeln in

stehenden Gewässern Deutschlands vor. Man benutzt die

Blätter zu Matten und zum Verlieschen der Fässer, auch

mit den Stengeln als Packmaterial, die Blüten zum

Polstern.

Typhaceen, monokotyle Familie aus der Ordnung der

Spadicifloren, krautartige Sumpfpflanzen mit perennierendem,

kriechendem Rhizom, knotenlosen, cylindrischen, einfachen oder

ästigen Stengeln, wechselständigen, am Grunde des

Stengels zusammengedrängten, bescheideten, linealischen,

ganzen, parallelnervigen Blättern und unvollständigen,

einhäusigen Blüten, welche dichte, cylindrische oder

kugelige Kolben bilden, die mit abfallenden Blütenscheiden

versehen sind, und von denen die obern männliche, die untern

weibliche Blüten tragen. Die männlichen Blüten haben

statt des Perigons einfache Fäden oder häutige

Schüppchen, welche ordnungslos zwischen den zahlreichen dem

Kolben aufsitzenden Staubgefäßen stehen. Die weiblichen

Blüten haben an Stelle des Perigons zahlreiche Borsten oder je

drei hypogyne Schüppchen. Die Fruchtknoten sind sitzend oder

gestielt, einblätterig, einfächerig, mit einer einzigen

hängenden, anatropen Samenknospe und einem einfachen,

endständigen Griffel, welcher in eine einseitige,

zungenförmige Narbe endigt. Die Früchte sind durch

gegenseitigen Druck eckig, durch den Griffel spitz, nicht

aufspringend, fast steinfruchtartig wegen des häutigen oder

schwammigen Epi- und des leder- oder holzartigen Endokarps. Die

Samen haben eine häutige Schale und in der Achse eines

mehligen Endosperms einen geraden, fast ebenso langen Keimling.

Vgl. Schnizlein, Die natürliche Pflanzenfamilie der T.

(Nördling. 1845). Die T. zählen nur etwa 15 Arten in zwei

Gattungen, welche am häufigsten in den außertropischen

Zonen der nördlichen Halbkugel sind. Überreste fossiler

Gattungen, Aethophyllum und Echinostachys, kommen im Bunten

Sandstein, Arten der Gattungen Typha und Sparganium in

Tertiärschichten vor.

Typhlitis (griech.), Entzündung des Blinddarms, s.

Darmentzündung, S. 555.

Typhlosis (griech.), Blendung, Blindheit.

Typhlotypographie (griech.), s. v. w. Blindendruck (s.

d.).

Typhoid (griech., "typhusähnlich"), ein

Krankheitszustand, der wegen seines heftigen Fiebers und der

dadurch bedingten schweren Gehirnsymptome dem Typhus nahesteht,

ohne dessen anatomische Veränderungen zu zeigen. Namentlich

hat man zwei Krankheitsformen mit dem Namen des Typhoids belegt,

nämlich das biliöse T. und das Choleratyphoid. Ersteres

ist eine Infektionskrankheit, welche am nächsten dem Typhus

steht. Es wurde bisher beobachtet in Ägypten, in der Krim, in

Kleinasien; über seine Ätiologie ist man nicht mehr

unterrichtet als über die der typhösen Krankheiten

überhaupt. Während das biliöse T. mit dem letztern

die allgemeinen klinischen und anatomischen Erscheinungen teilt,

ist es symptomatologisch charakterisiert durch die frühzeitig

stark hervortretenden Erscheinungen seitens des Verdauungsapparats:

Schmerz im Unterleib, Erbrechen, Durchfälle dysenterischer

Art, Gelbsucht. Dem entspricht auch der anatomische Befund: starke

katarrhalische Entzündung des Magens und Darms, Schwellung und

gelbliche Verfärbung der Leber, in den spätern Stadien

ausgesprochene fettige Entartung dieses Organs. Die Milz ist

kolossal vergrößert, von Tausenden von kleinen

Abscessen, den vereiterten Malpighischen Bläschen, durchsetzt;

daneben in allen Stadien der Entfärbung und Schrumpfung

begriffene blutige Infarkte von zum Teil enormer Größe.

Das Choleratyphoid ist eine Nachkrankheit der eigentlichen Cholera

(s. d.).

Typhon, Wirbelsturm, s. Teifun.

Typhon (Typhoeus, Typhaon, Typhos), in der griech.

Mythologie ein Ungeheuer, Personifikation des wilden Sturms,

besonders des Glutwindes, der aus feuerspeienden Bergen

hervorbricht. Er liegt nach Homer im Arimerland (Kilikien?),

welches von Zeus mit Blitzen gegeißelt wird. Nach Hesiod sind

Typhaon und Typhoeus verschiedene Wesen. Ersterer ist der Sohn des

letztern und zeugt mit der Echidna den Hund Orthros, den Kerberos,

die lernäische Hydra und die Chimära; Typhoeus ist der

jüngste Sohn des Tartaros und der Gäa und hat 100

Drachenhäupter. Er sucht die Herrschaft über Götter

und Menschen zu gewinnen, aber Zeus bezwingt ihn mit dem Blitz.

Seine Söhne sind die Winde, mit Ausnahme der wohlthätigen

(Notos, Boreas, Zephyros etc.). Ebenso ist T. bei Äschylos und

Pindar ein 100köpfiger Sohn der Erde, der die kilikischen

Höhlen bewohnt. - In Ägypten war T. (Seth oder Set, auch

Tebha genannt) in alter Zeit ein hoch angesehener Gott, ein Sohn

des Seb (Kronos) und der Nut (Rhea). Hier war er der Gott des

Kriegs. Die Könige Seti der 19. Dynastie führten von ihm

den Namen. Eine besondere Kultusstätte des Set war die Stadt

Ombos; allgemeiner jedoch war seine Verehrung in Unterägypten,

namentlich unter den dort ansässigen Fremden. Am Ende der 21.

Dynastie wurde dieser Gott aus Oberägypten verstoßen; er

galt seitdem als Gott der Feinde Ägyptens und wurde

allmählich vollständig zum Prinzip alles Bösen

umgebildet. Nach der Sage hat er seinen Bruder Osiris umgebracht,

dessen Sohn Horos sich dann an ihm in siegreichen Schlachten

rächte. Er wird unter der Gestalt eines fabelhaften,

eselähnlichen Tiers dargestellt oder doch mit dem Kopf

desselben (vgl. Abbildung). Einigemal, wo er in menschlicher Form

erscheint, trägt er ein Hörnerpaar. Vgl. E. Meyer, Set-T.

(Leipz. 1875).

Typhus (griech.), eigentlich s. v. w. Betäubung,

gegenwärtig aber ausschließlich Bezeichnung für

verschiedene schwere und unter heftigem Fieber verlaufende

Krankheitszustände, bei welchen das Nervensystem in der

schwersten Weise ergriffen zu sein und der Kranke in einem

anhaltenden Zustand von Betäubung sich zu befinden pflegt

(Nervenfieber). Wir unterscheiden drei Formen des T., nämlich

den exanthematischen T., den Unterleibs- oder Darmtyphus (t.

abdominalis) und den Rückfalltyphus (t. recurrens).

1) Der exanthematische T. (Petechialtyphus,

956

Typhus (Fleck-, Lazarett-, Hunger-T.; Unterleibs-T.).

Fleckfieber) ist eine in ausgesprochenster Weise ansteckende

Krankheit. Der Ansteckungsstoff ist in der Atmosphäre des

Kranken enthalten und besitzt eine außerordentliche

Beständigkeit, so daß er sich in schlecht

gelüfteten Zimmern ein halbes Jahr lang halten kann, ohne

seine Wirksamkeit zu verlieren. Der Ausbruch der Krankheit scheint

7-14 Tage nach erfolgter Ansteckung stattzufinden. Er ist um so

ansteckender, in je größerer Zahl die Kranken in einem

Zimmer beisammenliegen, und tritt namentlich an solchen

Plätzen, an welchen eine große Anzahl von Menschen auf

einen engen Raum zusammengedrängt ist, wie auf Schiffen, in

Gefängnissen, in Lazaretten etc., auf (Schiffstyphus, Kerker-,

Lazarettfieber). Hier scheinen die Ausdünstungen und

Exkremente, die Beimischung ihrer Zersetzungsprodukte zu der

eingeatmeten Luft, den Nahrungsmitteln und Getränken den

wesentlichsten Faktor für die Entstehung des Typhusgifts

abzugeben. In Gegenden ferner, wo ein großer Teil der

Bevölkerung in Armut und Elend lebt, kommt der exanthematische

T. endemisch vor. Besonders nach Mißernten und Teurungen

steigert sich mit der Not auch die Häufigkeit der

Typhusfälle, und es treten die verheerenden Epidemien des

Hungertyphus auf. Ebenso sind belagerte Städte und schlecht

versorgte Feldlager häufig der Sitz verheerender

Typhusepidemien (Kriegstyphus). Das frühste Kindesalter und

das Greisenalter bleiben gewöhnlich vom exanthematischen T.

verschont, alle übrigen Lebensalter sind dafür gleich

empfänglich. Hat jemand den exanthematischen T. einmal

überstanden, so ist seine Disposition für eine neue

Erkrankung derselben Art bedeutend abgeschwächt, doch

keineswegs ganz getilgt. Der exanthematische T. war von Anfang des

16. bis zum Ende des 18. Jahrh. über alle Länder Europas

verbreitet. Während der Kriege im Anfang dieses Jahrhunderts

erreichte er seine größte Ausbreitung. Nach jener Zeit

schien er auf dem Kontinent ganz verschwunden zu sein, erst in den

40er Jahren zeigte er sich wieder epidemisch in Oberschlesien etc.

Gegenwärtig bildet er auf den britischen Inseln und in

einzelnen Gegenden Mitteleuropas (Oberschlesien, Polen, russische

Ostseeprovinzen) die endemische Form des T. Kleine Epidemien des

exanthematischen T. werden überall von Zeit zu Zeit beobachtet

und sind dann stets durch Einschleppung von andern Orten her

hervorgerufen. Vor dem Ausbruch der Krankheit, in der Zeit der

Inkubation, klagen die Kranken meist schon über leichtes

Frösteln, Kopfweh, gestörten Schlaf, Appetitlosigkeit

etc. Die eigentliche Krankheit beginnt mit einem einmaligen

Schüttelfrost und Fiebersymptomen von großer Heftigkeit.

Sofort fühlen sich die Kranken aufs äußerste matt

und kraftlos, klagen über Schwere und Benommenheit des Kopfes,

zuweilen auch über heftigen Kopfschmerz. Dazu gesellen sich

Schwindel, Flimmern vor den Augen, Ohrensausen,

Schwerhörigkeit, Schmerzen in den Gliedern, Zittern bei den

Bewegungen der Arme und Beine. Die Kranken liegen meist schon sehr

apathisch im Bett und haben leichte Delirien. Andre Patienten sind

aufgeregt und kaum im Bett zu erhalten. Am 3.-5. Tag der Krankheit

treten am Rumpf kaum linsengroße rote Flecke auf, welche sich

mit dem Finger leicht wegdrücken lassen, aber sofort

wiederkehren. Von diesem Exanthem, den Flecken, rührt der Name

Fleck-, exanthematischer T. her. Dieselben vermehren sich, breiten

sich gegen den Hals und die Gliedmaßen aus, bis endlich der

ganze Körper, mit Ausnahme des Gesichts, von ihnen bedeckt

ist. Sie verlieren sich erst gegen das Ende der zweiten

Krankheitswoche, wobei das Fieber und die tiefe Benommenheit des

Bewußtseins gleichzeitig abnehmen. Sie werden später

blau-rot, lassen sich dann nicht mehr vollständig

wegdrücken und gehen manchmal sogar in wirkliche Petechien, d.

h. in kleine Blutergüsse in die Haut, über. Trotz der

schweren Fieberbewegung ist der Ausgang in Genesung bei weitem der

häufigste. Tritt der Tod ein, so erliegen die Kranken entweder

in der zweiten Woche dem hohen Fieber, oder sie enden durch

hinzutretende Lungenentzündung. Die Sektion ist im Gegensatz

zu dem Unterleibstyphus ohne örtliche Befunde, nur Milz, Leber

und Nieren zeigen die allen Infektionskrankheiten gemeinsamen

Schwellungen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 276 / 302 段