Juli 1818 zu Glarus, studierte in Leiden, Neuchâtel,
Zürich und Paris, später auch in Berlin und Würzburg
Naturwissenschaft, bereiste 1838-43 Peru, lebte seit 1848 auf
seiner Besitzung Jakobshof in Niederösterreich, bereiste
1857-59 Brasilien, die La Plata-Staaten, Chile, Bolivia und Peru,
ging 1859 als Gesandter der Schweiz nach Brasilien, wo er
namentlich auch zum Studium der Einwanderungsverhältnisse die
mittlern und südlichen Provinzen bereiste, kehrte 1861
zurück, ging 1866 als schweizerischer
Geschäftsträger nach Wien und wurde 1868 zum
außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten
Minister daselbst ernannt. Seit 1883 lebt er wieder auf seinem Gut.
Er schrieb: "System der Batrachier" (Neuchât. 1838);
"Untersuchungen über die Fauna peruana" (St. Gallen 1844-47,
mit 76 Tafeln); "Die Kechuasprache" (Wien 1853, 3 Tle.); "Ollanta,
ein altperuanisches Drama, aus der Kechuasprache übersetzt und
kommentiert" (das. 1875); "Organismus der Khetsuasprache" (Leipz.
1884); "Peru, Reiseskizzen" (St. Gallen 1846, 2 Bde.);
"Antiguedades peruanas" (mit Don Mariano de Rivero, Wien 1851, mit
Atlas); "Reisen durch Südamerika" (Leipz. 1866-69, 5 Bde.).
Auch bearbeitete er Winckells "Handbuch für Jäger" (5.
Aufl., Leipz. 1878, 2 Bde.).
4) Friedrich von, Bruder der vorigen, geb. 1. Mai 1820 zu
Glarus, studierte in Basel, Bonn und Berlin Theologie, wurde 1843
Stadtpfarrer in Lichtensteig (Toggenburg), lebte seit 1847 als
Privatmann in St. Gallen, übernahm dort seit 1856 verschiedene
Beamtenstellungen, saß seit 1864 im Großen Rat, seit
1874 im Regierungsrat, wurde 1877 Mitglied des schweizerischen
Ständerats und starb 24. Jan. 1886. Er erwarb sich besondere
Verdienste um das Erziehungswesen und führte den Kampf mit dem
Klerus ebenso taktvoll wie entschieden. Sein bekanntes Hauptwerk
ist: "Das Tierleben der Alpenwelt" (Leipz. 1853, 10. Aufl. 1875;
vielfach übersetzt), ein auf eignen Forschungen und
sorgfältigster Beobachtung beruhendes, auch sprachlich
ausgezeichnetes Buch; andre Schriften von ihm sind: "Der Sonderbund
und seine Auflösung" (unter dem Pseudonym C. Weber, St. Gallen
1848); "Landwirtschaftliches Lesebuch" (8. Aufl., Frauenfeld 1888);
"Der Obstbau und seine Pflege" (mit Schultheß, 4. Aufl., das.
1887).
Tschudisches Meer, See, s. v. w. Peipus.
Tschugujew, Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, an
der Mündung der Tschugewka in den Donez, hat Obstbau, Handel
und (1885) 10,147 Einw.
Tschukiang (Perlfluß), Fluß in der chines.
Provinz Kuangtung, welcher aus dem Ssi-, Pe- und Tungkiang
zusammenfließt und unterhalb Kanton in eine Bucht des
Chinesischen Meers mündet.
Tschuktschen (auch Tschautschen), ein zu den Arktikern
oder Hyperboreern gehöriges Volk im nordöstlichsten
Sibirien (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 1). Nach ihrer
Lebensweise unterscheidet man nomadisierende oder
Renntiertschuktschen und seßhafte oder Jagd und Fischerei
treibende T. Die erstern ziehen zwischen der Beringsstraße,
Indigirka und der Penschinabai herum, ihre Zahl ist unbekannt. Die
andern wohnen in festen oder verrückbaren Zelten am Ufer des
Eismeers von Kap Schelug bis zum Ostkap und weiter von hier an den
Ufern des Beringsmeers bis zum Anadyrbusen. Die sogen.
Tschuktschenhalbinsel ist ein ödes Land mit sterilen Bergen
und Thälern, auf denen nur Renntiermoos gedeiht. Die
Seßhaftigkeit ist nicht wörtlich zu nehmen; wenn an
einem Orte die Lebensmittel mangeln, so wird auch im Winter ein
andrer Aufenthalt gewählt. Man schätzt die Zahl der
seßhaften T. auf 2000-2500 Köpfe, die beider Abteilungen
auf 4-5000. Unzweifelhaft sind die T. hervorgegangen aus der
Mischung mehrerer früher kriegerischer und wilder, von fremden
Eroberern von S. nach N. gejagter Rassen, die daselbst eine
gemeinsame Sprache annahmen, und denen die Lebensbedingungen am
Polarmeer einen unvertilgbaren Stempel aufdrückten. Der
gewöhnliche Typus ist: Mittellänge, steifes,
großes, schwarzes Haar, fein gebildete Nase, horizontal
liegende, keineswegs kleine Augen, schwarze Augenbrauen, lange
Augenwimpern, hervorstehende Backenknochen und helle, wenig braune
Haut, die bei jungen Weibern nahezu ebenso weiß und rot ist
wie bei den Europäern. Trotz der großten Unsauberkeit am
Körper und in ihren Behausungen erfreuen sie sich doch guter
Gesundheitsverhältnisse. Ihre Kleidung besteht aus einem
Päsk aus Renntier- oder Seehundsfell, der auf dem bloßen
Körper getragen wird, und über den man bei Regen oder
Schnee noch einen Rock von Gedärmen oder Baumwollenzeug zieht.
Unter dem Päsk, der bis an die Kniee reicht, werden zwei Paar
Hosen aus demselben Stoff getragen, das innere mit den Haaren nach
innen, das äußere mit den Haaren nach außen. Die
Füße stecken in Strümpfen aus Seehundshaut oder in
Mokassins mit Sohlen aus Walroß- oder Bärenfell; der
Kopf ist mit einer Haube geschützt, über welche bei
strenger Kälte noch eine andre gezogen wird. Ihre Nahrung
bilden Fisch, Fleisch und Gemüse, soweit sie deren habhaft
werden können. Außer Fischfang und Renntierzucht treiben
sie Jagd auf Walrosse und Robbenarten. Die Walroßzähne
sind ein Haupthandelsartikel im Verkehr mit den Amerikanern, von
welchen sie Tabak, Branntwein, Pulver, Blei, Flinten etc. erhalten.
Zu den Russen haben sie äußerst geringe Beziehungen;
einen Jasak (s. d.) entrichten nur die T., welche nach
Nishne-Kolymsk zum Jahrmarkt fahren. Von irgend einer
gesellschaftlichen Ordnung gibt es keine Spur; anerkannte
Häuptlinge oder dem Ähnliches kennen sie nicht. Sie sind
Heiden und haben nicht die geringste Vorstellung von einem
höhern Wesen. Die religiösen Begriffe, die sich an
vorhandene Schnitzereien (Menschenbilder) knüpfen, sind
äußerst unbestimmt und scheinen weniger ein im Volk
fortlebendes Bewußtsein als eine Erinnerung von
892
Tschuma - Tsuga.
ehemals. Die wenig entwickelte Sprache der T. zeigt mit keiner
andern bekannten Sprache als mit den Sprachen der benachbarten
Korjaken und Kamtschadalen Verwandtschaft. Den Zahlwörtern
liegt das Vigesimal- (Zwanziger-) System zu Grunde. Vgl. die
Schilderungen von Nordquist in Nordenskjölds Reisewerk und in
Krause ("Die Tlinkitindianer", Jena 1885); Radloff, über die
Sprache der T. (in den "Mémoires" der Petersburger Akademie,
1860).
Tschuma, s. Chinagras.
Tschumak (russ.), der kleinruss. Ochsenfuhrmann;
insbesondere Bezeichnung der Fuhrleute aus der Ukraine und
Podolien, die, zu großen Gesellschaften vereinigt,
alljährlich im Frühjahr unter einem eignen Anführer
nach dem Schwarzen Meer zogen, um dort Salz und getrocknete Fische
zu laden, womit sie dann das innere Rußland versorgten. In
der Volkspoesie spielen die Tschumakenlieder eine besondere
Rolle.
Tschungking, Stadt in der chines. Provinz Setschuan, an
der Mündung des Kialing in den Jantsekiang, eine bedeutende
Handels- und Fabrikstadt für Seide und Zucker, mit 120,000
Einw. Seit Abschluß des Vertrags von Tschifu (1876) ist T.
den Engländern eröffnet worden, doch beschränkte
sich die englische Regierung bis jetzt auf die Unterhaltung eines
Konsularbeamten.
Tschupria (Cuprije), Kreishauptstadt im Königreich
Serbien, rechts an der Morawa, mit (1884) 3408 Einw. Eine hier
stationierte Pontonierkompanie überwacht die
Schiffbrücken über die Morawa. Zur Zeit der
Römerherrschaft stand hier Horreum Margi, von dem noch
Überreste einer steinernen Brücke vorhanden sind. Der
Kreis umfaßt 1635 qkm (27,9 QM.) mit (1887) 74,094 Einw. In
demselben, beim Dorf Senje, 8 km südöstlich von T.,
befindet sich ein großes Steinkohlenlager.
Tschusan, Insel, s. Tschouschan.
Tschussowaja (bei den Wogulen Suscha), Fluß im
russ. Gouvernement Perm, entspringt am westlichen Abhang des Urals,
fließt nordwestlich und westlich und mündet nach einem
500 km langen Lauf oberhalb Perm in die Kama. Die T. hat einen
ungewöhnlich raschen Lauf und große Steinmassen in ihrem
Bett, wodurch der Transport der Uralprodukte, mit Ausnahme des
Holzes, auf ihr erschwert wird.
Tschuwanzen, Volksstamm in Sibirien, eine Unterabteilung
der Jukagiren (s. d.).
Tschuwaschen, ursprünglich ein finnisches, jetzt
tatarisiertes Volk, das in seiner Lebensweise sehr den
Tscheremissen gleicht, aber eine zum türkisch-tatarischen
Zweig des uralaltaischen Sprachstammes gehörende Sprache
spricht. Sie leben in einer Zahl von 570,000 Köpfen am rechten
Wolgaufer und der Sura in den Gouvernements Simbirsk, Samara, Ufa.
Sie gelten als phlegmatisch, fleißig, sittenrein, gutartig,
sehr reinlich. Die Frauen sind bei ihnen gleichberechtigt. Viele T.
sind noch Heiden, die Mehrzahl hat das Christentum angenommen; doch
steht auch bei den Christen der Jomsa oder heidnische
Zauberpriester in hohem Ansehen. Sie sind Ackerbauer, Vieh- und
Bienenzüchter, Fischer und Jäger.
Tseng, Y-Yong, Marquis von, chines. Diplomat, geb. 1839
in der Provinz Honan, stammte aus einer der ältesten Familien
Chinas; sein Vorfahr Tseng-Tzü war einer der vier Schüler
des Konfucius und Verfasser des klassischen Buches "Taheo". Er
begleitete seinen Vater Tseng-Kuo-Fan im Kriege gegen die Taiping
und erwarb sich durch Klugheit und Umsicht große Verdienste,
ward aber durch die Trauer um seine Eltern lange Zeit von weiterer
öffentlicher Thätigkeit fern gehalten. Erst als 1879
Tschunghan in Livadia den Vertrag mit Rußland über
Kuldscha abschloß, welchen die chinesische Regierung nicht
anerkennen wollte, wurde T. zum Botschafter beim russischen Hof
ernannt mit dem Auftrag, eine Änderung des Vertrags zu
erwirken. Unterstützt von seinem geschickten Sekretär
Macartney, erlangte T. wirklich die Rückgabe der wichtigen
Provinz Ili von Rußland. Darauf zum chinesischen Botschafter
in London und Paris ernannt, führte er 1882-84 die
Verhandlangen mit der französischen Regierung über
Tongking. 1885 von Paris abberufen, blieb er Gesandter in London
und Petersburg bis 1886 und ist seitdem Mitglied des
Tsungli-Yamen.
Tsetsefliege (Glossina morsitans Westw., s. Tafel
"Zweiflügler"), Insekt aus der Ordnung der Zweiflügler
und der Familie der Fliegen (Muscariae), unsrer gemeinen
Stechfliege (Stomoxys calcitrans L.) verwandt, 11 mm lang, mit lang
gekämmter Borste an der Wurzel des langen, messerförmigen
Endgliedes der angedrückten Fühler, vier schwarzen
Längsstriemen auf dem grau bestäubten, kastanienbraunen
Rückenschild, zwei dunkeln Wurzelflecken und kräftigem
Borstenhaar auf dem schmutzig gelben Schildchen,
gelblichweißem Hinterleib mit dunkelbraunen Wurzelbinden auf
den vier letzten Ringen, welche nur je einen dreieckigen
Mittelfleck von der Grundfarbe freilassen, gelblichweißen
Beinen und angeräucherten Flügeln. Die T. findet sich im
heißen Afrika, wo ihre Verbreitung von noch nicht hinreichend
bekannten Verhältnissen, z. B. dem Vorkommen des Büffels,
des Elefanten, des Löwen, abhängig zu sein scheint. Sie
nährt sich vom Blute des Menschen und warmblütiger Tiere
und verfolgt ihre Opfer besonders an gewitterschwülen Tagen
mit der größten Hartnäckigkeit, sticht aber nur am
Tag. Dem Menschen und den Tieren des Waldes, Ziegen, Eseln und
säugenden Kälbern bringt der Biß keinen Schaden;
andre Haustiere aber erliegen dem Anfall selbst sehr weniger
Fliegen nach kürzerer oder längerer Zeit, meist kurz vor
Eintritt der Regenzeit, so sicher, daß die als "Fliegenland"
bekannten Gegenden ängstlich gemieden und mit Weidevieh
höchstens nachts durchzogen werden. An den gebissenen Tieren
verschwellen zuerst die Augen und die Zungendrüsen; nach dem
Tod zeigen sich besonders die Muskeln und das Blut, auch Leber und
Lunge krankhaft verändert, während Magen und Eingeweide
keine Spur von Störungen zeigen. Nach neuern Beobachtungen ist
zweifelhaft geworden, ob Glossina morsitans die berüchtigte T.
ist, ja ob die, wie es scheint, sehr übertriebeue Plage
überhaupt auf den Stich eines Insekts und nicht vielmehr auf
eine Infektionskrankheit zurückzuführen ist.
Tsién (Mas, Mehs), chines. Gewicht, = 3,757 g.
Tsinan, Hauptstadt der chines. Provinz Schantung, Sitz
einer katholischen Mission, mit angeblich 60,000 Einw.
Tsing (Taitsing), die seit 1644 in China regierende
Mandschudynastie; s. China, S. 17.
Tsjubo (Tsubu), Einheit des japan. Feldmaßes, = 36
QSchaku (Fuß) = 3,319 qm.
Tsuga Endl. (Hemlocktanne), Gattung der Familie der
Abietineen, Bäume mit in der Regel nach zwei Seiten
gestellten, flachen, am obern Ende fein gezähnelten, auf der
Unterfläche mit Ausnahme des Mittelnervs
bläulichweißen Blättern und kleinen,
gewöhnlich am Ende der Zweige stehenden, meist
überhängenden Zapfen, deren Fruchtteller sich nicht von
der Achse lösen. T. (Abies) canadensis Carr. (ka-
893
Tsun - Tuareg.
nadische Hemlocktanne, Schierlings-, Sprossentanne, s. Tafel
"Gerbmaterialien liefernde Pflanzen"), ein 19-25 m hoher Baum mit
wagerecht abstehenden untern Hauptästen,
pyramidenförmiger, später ausgebreiteter Krone, kurzen,
am obern Ende abgerundeten, in der ersten Jugend fein behaarten
Nadeln und 2 cm langen, eiförmig länglichen, oft mehrere
Jahre am Baum bleibenden Zapfen und geflügelten Samen,
wächst in ganz Nordamerika, besonders auf der Ostseite, von
Kanada bis Nordcarolina und westwärts bis ins Felsengebirge,
liefert Terpentin, Harz, Gerberrinde, und aus den jungen Sprossen
bereitet man Bier; bei uns wird er seit etwa 1730 vielfach als
Parkbaum angepflanzt. Die Rinde wird in der Gerberei benutzt. T.
Douglasii Carr. (Douglasfichte), ein schöner, 70 m hoher Baum
mit kurzen oder mäßig langen, am obern Ende stumpfen
Nadeln und aufrechten, 6-8 cm langen, länglichen, oben
abgerundeten, am Ende sehr kurzer Zweige stehenden Zapfen mit
über die Fruchtteller weit hervorragenden, an der Spitze
dreiteiligen Deckblättern, bildet im nordwestlichen
Nordamerika große Wälder und verdient als prachtvoller,
schnell wachsender, auch in Norddeutschland, wenn einmal gut
angewachsen, harter Baum größte Beachtung. Man
kultiviert ihn in Europa seit etwa 1830. Vgl. Booth, Die
Douglasfichte (Berl. 1877).
Tsun, chines. Längenmaß, s. Fen.
Tsungli-Yamên, in China das Ministerium des
Auswärtigen, 1860 errichtet, besteht meist aus
Präsidenten des exekutiven Departements unter dem Vorsitz
eines Prinzen erster Klasse.
Tsungming, Insel an der Ostküste von China, Provinz
Kiangsu, vor der Mündung des Jantsekiang in das Chinesische
Meer, mit einem Hafenplatz gleiches Namens.
Tu, große Oase in der östlichen Sahara, s.
Tibesti.
Tuam, Stadt in der irischen Grafschaft Galway, am Clare,
Sitz eines katholischen Erzbischofs und eines protestantischen
Bischofs, hat ein katholisches Seminar (St. Jarlath's), 2
Klöster, eine Lateinschule und (1881) 3567 Einw.
Tuamotuinseln (Paumotu- oder Niedrige Inseln),
großer Archipel des Stillen Ozeans, erstreckt sich
östlich von den Gesellschaftsinseln zwischen
14°5'-23°12' südl. Br. und 135°33'-148°45'
östl. L. v. Gr. (s. Karte "Ozeanien"). Es sind
durchgängig flache Korallen- und fast ohne Ausnahme
Laguneninseln, aber nach Größe und Beschaffenheit der
Riffe und Lagunen sehr verschieden. Der dürre und wasserarme
Korallenboden trägt eine einförmige und dürftige
Vegetation (Kokospalmen, Pandanus); nur in den westlichen Inseln
sind von Tahiti aus auch einige Kulturpflanzen (Brotfrucht,
Bananen, Arum, Ananas) eingeführt worden. Die Landtiere
(Ratten, einige Landvögel, sehr wenige Insekten) zeigen eine
gleiche Einförmigkeit; dagegen sind die Seetiere (Delphine,
Seevögel, Schildkröten, Fische, Mollusken, darunter
besonders Perlenmuscheln, Krustaceen etc.) ebenso häufig wie
verschiedenartig. Das Klima gilt für gesund und erfrischend;
der Wechsel der Jahreszeiten ist weniger regelmäßig als
in andern Archipelen. Der Passatwind (von SO. und NO.) ist der
vorherrschende Wind, wird aber nicht selten von Westwinden und
Windstillen unterbrochen; Regengüsse und Nebel sind nicht
ungewöhnlich. Man teilt den Archipel in fünf Gruppen:
eine zentrale Hauptgruppe, darunter Rangiroa (Rairoa), Fakarawa,
Anaa, Makemo und Hao; eine nördliche Seitengruppe, darunter
Oahe, Raroia, Ahangatu, Fakaina, Disappointmentinsel, Tatakotorou,
Pukaruha, Natupe; eine südliche Seitengruppe, darunter
Hereheretue, Duke of Gloucester-Insel, Tematangi (Bligh), Mururoa,
Actäon- (Amphitrite-) Gruppe, Marutea, die Mangarewagruppe und
die Pitcairngruppe, wozu noch die Osterinsel mit Sala y Gomez
kommt. Danach berechnet sich das Gesamtareal auf ca. 1100 qkm (20
QM.). Die Inseln stehen mit Ausnahme der Pitcairngruppe, der
Osterinsel und Sala y Gomez unter französischem Schutz, also
ein Gesamtareal von ca. 1000 qkm (18 QM.) mit (1885) 5500 Einw.,
davon 49 Europäer, von denen die meisten auf Anaa (s. d.) sich
befinden. Die Bewohner (s. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 28)
sind Polynesier und im ganzen den Tahitiern ähnlich. Sie
führen eine Art Wanderleben, indem sie in Familien oder
kleinen Stämmen von Insel zu Insel ziehen und sammeln, was
diese an Nahrungsmitteln bieten. Von Charakter zeichnen sie sich
durch Redlichkeit, Zuverlässigkeit und Keuschheit aus; dazu
sind sie ausdauernde und mutige, aber auch grausame Krieger. Von
Körper groß und stark gebaut, übertreffen sie die
Tahitier an Kraft und Gewandtheit, sind aber dabei viel dunkler,
überaus schmutzig und (namentlich die Frauen) oft von
auffallender Häßlichkeit. Früchte der Kokospalme
und Pandanus, Fische, Schildkröten, Krebse etc. sind ihre
Nahrung. Auf den östlichen Inseln finden sich auch noch
Anthropophagen. Ein schmaler, aus Matte geflochtener Gürtel
bildet fast ihre einzige Kleidung, die Tättowierung, roh
ausgeführt, ihren einzigen Schmuck. Die Bewohner der
westlichen Inseln stehen schon seit Ende des 18. Jahrh. unter der
politischen Herrschaft von Tahiti und sind von dort aus auch
für das (evangelische) Christentum gewonnen worden,
während sich in neuester Zeit katholische Missionäre
nicht ohne Erfolg mit der Bekehrung der Einwohner der
östlichen T. beschäftigt haben. Seit die Europäer
auf Tahiti Fuß gefaßt, sind die T. Schauplatz eines
nicht unbedeutenden Handelsverkehrs geworden, als dessen
Ausfuhrartikel besonders Trepang, Perlen (auch Perlmutter) und
Kokosöl sowie etwas Schildpatt zu nennen sind, während
Zeuge, eiserne Geräte, Mehl, Tabak etc. eingeführt
werden. - Einzelne Inselgruppen fanden schon Quiros, Le Maire und
Schouten. Genaueres erfuhr man erst seit 1767. Krusenstern gab
ihnen den Namen Niedrige Inseln, Bougainville nannte sie wegen
ihrer für die Schiffahrt schwierigen und gefährlichen
Natur Gefährliche Inseln, auch Perleninseln sind sie von
Händlern genannt worden. Schouten nannte diese Meeresgegend
die Böse See, Roggeveen das Labyrinth.
Tuareg (Tuarik, Singul. Targi), arab. Name des zu den
Berbern gehörigen Volkes der mittlern Sahara, das sich selbst
Imoscharh (Imuharh, Imazirhen) nennt, im N. bis an den Atlas, im S.
bis über den Niger, im W. bis zu den maurischen Stämmen
und im O. bis zu den Tibbu seine Wohnsitze ausgebreitet hat. Die T.
zerfallen in zwei Abteilungen, in die sogen. freien (Ihaggaren) und
in die unterworfenen Stämme (Imrhad), und in mehrere, meist
einander feindliche Stämme: die Asgar und Hogar im N., die
Kelowi, Itissa, Sakomaren weiter südlich, die Auelimiden am
Niger u. a. Sie sind ein schöner, bräunlicher
Menschenschlag mit echt kaukasischen Gesichtszügen, wo er sich
von Negerbeimischung frei erhalten hat. Als Nomaden durchstreifen
sie, raubend und Viehzucht treibend, die Wüste; wichtig sind
sie als Vermittler des Karawanenverkehrs zwischen dem Nordrand
Afrikas und dem Sudan, ausgezeichnet in der Tracht vor den
übrigen Völkern
894
Tua res agitur - Tuberkulose.
Afrikas durch ein Mundtuch (Litham). Sie werden als treulos und
unzuverlässig geschildert; Alexine Tinne, E. v. Bary u. a.
fielen ihrer Mordlust zum Opfer. Alle sind fanatische Mohammedaner.
Ihre Zahl dürfte 300,000 nicht übersteigen. Ihre Sprache,
Ta-Maschek oder Ta-Maschirht, ist als Abkömmling der
altlibyschen zu betrachten. Vgl. Duveyrier, Les Touaregs du Nord
(Par. 1864); Rohlfs, Quer durch Afrika, Bd. 1 (Leipz. 1874);
Nachtigal, Sahara und Sudân, Bd. I (Berl. 1879); Bissuel, Les
Touareg de l'ouest (Par. 1889).
Tua res agitur (paries cum proximus ardet, lat.), "es
handelt sich um deine Habe (wenn das Haus des Nachbars brennt)",
Citat aus Horaz ("Epist.", I, 18, 84).
Tuât, Oasengruppe in der Sahara, bestehend aus den
Oasen Tidikelt, T., Gurara u. a., im SO. von Marokko gelegen und zu
diesem in einem losen politischen Verhältnis stehend. Es ist
ein im allgemeinen flaches Land, bewässert vom Wadi Saura
(Msand) und einigen aus dem algerischen Tell kommenden Wadis,
welche T. indessen nur unterirdisch erreichen. Unter den Produkten
stehen die Datteln obenan; von Getreide baut man Gerste, Weizen und
Bischna, jedoch reicht das Korn zur Ernährung der Bewohner
nicht aus. Schlecht gedeihen Wein und Granatäpfel, an
Gemüse fehlt es nicht. Baumwolle wird kultiviert, Henna und
Senna wachsen wild. Opium wird in den nördlichen, Tabak in den
südlichen Oasen gewonnen. Als Haustiere hält man Kamele,
Esel, wenige Pferde, Schafe und Ziegen. Die Hühner haben die
Größe von Küchelchen. Die Bewohner, ca. 300,000 an
der Zahl, sind teils Araber, teils Berber (Schellah), beide stark
mit Negern gemischt. Gastfreundschaft, Rechtlichkeit, Treue werden
ihnen nachgerühmt; als fanatische Mohammedaner verweigern sie
Christen den Eintritt in ihr Land, das 1864 von Rohlfs unter der
Maske eines Mohammedaners erforscht und im J. 1874 von dem
Franzosen Soleillet besucht wurde. Von Tasilet werden Thee und
Kattun, aus dem Sudan Goldstaub, Elfenbein und Sklaven
eingeführt. Hauptort ist Inçalah oder Ain Salah in der
Oase Tidikelt. Vgl. Rohlfs, Reise durch Marokko (Bremen 1869);
Derselbe, Mein erster Aufenthalt in Marokko (das. 1873); Soleillet,
Exploration du Sahara (Algier 1874).
Tuba (lat., "Röhre"), die Kriegstrompete der
Römer, ward zum Signalgeben, beim Zusammenrufen von
Versammlungen, dann bei Opfern, Spielen und selbst bei
Leichenbegängnissen gebraucht. Die T. unsrer Orchester
(Baßtuba in F) ist ein 1835 von Moritz und Wieprecht
konstruiertes Blechblasinstrument von weiter Mensur und das tiefste
Kontrabaßinstrument, das bis zum Doppelkontra-A und
chromatisch hinauf bis zum eingestrichenen as reicht. Sie hat
fünf Ventile; ihr Klang ist voller, edler als der des
Bombardons, doch ist sie nur zu brauchen, wenn andre (höhere)
Blechinstrumente mitwirken, weil sie sonst mit ihrem dicken Ton
unangenehm auffällt. In Frankreich behandelt man die
Baßtuba als transponierendes Instrument und baut sie auch in
Es und D. Die eine Oktave höher stehende Tenortuba ist nach
denselben Prinzipien konstruiert. - T. stentorea. das Sprachrohr,
auch: erhabener Stil.
[Antike Tuba (Kriegstrompete).]
Tuba Eustach.i.i, Eustachische Röhre, Ohrtrompete
(s. Ohr, S. 349). T. Fallopii, Eileiter, Muttertrompete.
Tubai (Motu-iti), die nördlichste Laguneninsel der
Gesellschaftsinseln im südöstlichen Polynesien, 12 qkm
groß mit 200 Einw. Die Insel wird wegen des
Schildkrötenfanges und der roten Federn des Tropikvogels
besucht.
Tubalkain, Sohn Lamechs, nach 1. Mos. 4, 22 Erfinder der
Erz- und Eisenarbeit (daher der Vulkan der Hebräer, Stammvater
der Schmiede und Handwerker).
Tubangummi, s. v. w. Guttapercha.
Tuben, s. Tubus.
Tuber (lat.), Höcker, z. B. T. frontale,
Stirnhöcker. In der Botanik s. v. w. Knolle, z. B. T. Mich.,
Pilzgattung, s. Trüffel; T. Aconiti, Akonitknolle; T. (Radix)
Jalappae, Jalappenknolle; T. (Radix) Salep, Salepknolle.
Tuberaceen (Trüffelpilze), eine Familieder Pilze,
aus der Ordnung der Askomyceten; s. Pilze (13), S. 72.
Tuberaster, s. Polyporus.