wachsende Pilze mit einem im Boden verbreiteten fädigen
Mycelium und ziemlich großen, knollenförmigen, festen,
fleischigen Fruchtkörpern (Peridien), welche nicht hohl,
sondern auf dem Querdurchschnitt durch marmorartige Adern in
unregelmäßige, massive Kammern geteilt sind. Man
unterscheidet feine, dunkel gefärbte Adern, welche von der
Peridie ausgehen und die eigentlichen Kammerwände darstellen,
auf denen das stark entwickelte, braune, fruchtbare Gewebe
(Hymenium) aufsitzt, während weiße Adern das zwischen
dem Hymenialgewebe befindliche lufthaltige Füllgewebe der
engen, gewundenen Kammern darstellen. In dem dicken Hymenialgewebe
nisten zahlreiche große, runde oder eirunde
Sporenschläuche mit je 1-8, meist 4 ordnungslos liegenden,
kugeligen oder elliptischen, mit stachligem oder netzförmig
gezeichnetem, gefärbtem Episporium versehenen Sporen (vgl.
Tafel "Pilze II", Fig. 11). Die Peridie ist an der Oberfläche
warzig oder glatt, im reifen Zustand stets schwarz oder braun
gefärbt. Die Gattung zählt ungefähr 20 Arten, welche
in der gemäßigten Zone Europas, besonders in Frankreich
und Italien, in Deutschland und England, aber auch in Asien, Afrika
und Nordamerika vorkommen. Die seit dem Altertum wegen ihres
aromatischen Geruchs und Geschmacks als kulinarischer Luxusartikel
berühmten Trüffeln sind sehr nahrhaft und werden bald
für sich allein, gebraten oder mit Rotwein gekocht und mit
Butter, genossen, bald als Bestandteil von Pasteten
(Straßburger Gänseleberpasteten) oder als Zusatz in
Fleischspeisen, Brühen, Suppen etc. verwendet. Sie wachsen
herdenweise in der Erde und zwar alljährlich immer an
denselben bestimmten Plätzen, den sogen.
Trüffelplätzen (truffières). Nach Ascherson fehten
sie gegenwärtig in der Mark, dagegen sind sie in den
Laubwäldern um Bernburg seit langer Zeit bekannt und treten
hier am reichlichsten unter Eichen und Roßkastanien auf.
Andre Fundorte sind: München-Nienburg, Neugatersleben im
Bodethal, das Forstrevier Lödderitz bei Dessau, Zerbst,
mehrere Orte Thüringens, Ahrbergen und Eberholzen unweit
Hildesheim, die Rheinwaldungen bei Rastatt. Im Nordosten
Deutschlands finden sich Trüffeln (Tuber mesentericum, die
auch in Böhmen und Mähren häufig ist) in der
Weichselniederung bei Kulm sowie bei Ostromatzko gegenüber der
Brahemündung. Das Vorkommen der schwarzen T. scheint auf den
Peisterwitzer Odenwald bei Ohlau und auf Tillowitz unweit
Falkenberg beschränkt zu sein. Dafür ist die weiße
T. (Choiromyces maeandriformis) in Oberschlesien, Böhmen,
Mähren, Ungarn, Siebenbürgen, Italien und Rußland
nicht selten. Die Fundplätze haben meist einen kalkigen oder
aus Kalk und Thon oder Sand gemengten Boden. Überall aber ist
die Anwesenheit von Bäumen eine notwendige Bedingung. Wenn der
Waldbestand abgetrieben wird, so verschwinden auch die
Trüffeln; aber sie erscheinen nach Jahren genau an denselben
Stellen wieder, wenn der Boden wieder mit Gehölz bewachsen
ist. Vorzüglich kommen sie unter Eichen und Hainbuchen, aber
auch unter Kastanien, Haselnußsträuchern, Rotbuchen und
zahlreichen andern Holzpflanzen vor. Man findet sie im Umkreis der
Bäume, bis wohin die Wurzeln, nicht aber der Schatten
derselben reichen; überhaupt lieben sie lichte Gehölze,
in denen die Bäume in größern Entfernungen stehen.
Das Mycelium schmarotzt perennierend auf den Wurzeln von
Holzgewächsen, wie schon daraus hervorgeht, daß junge in
den Boden eingesetzte Trüffeln sich nicht weiter entwickeln.
Für eine mit der T. nahe verwandte Art, die Hirschtrüffel
(Elaphomyces granulatus Nees), wurde der Parasitismus durch Boudier
und Rees direkt bewiesen. Da auf den Wurzeln zahlreicher
einheimischer Gewächse durch Frank parasitische Hüllen
von Pilzmycelien aufgefunden wurden (s. Mycorhiza), so lag der
Gedanke nahe, ein ähnliches symbiotisches Verhältnis auch
zwischen den Mycelien der echten T. und den Wurzeln bestimmter
Holzpflanzen anzunehmen. Direkte Kulturversuche fehlen zur Zeit
noch. Ganz junge Trüffeln sind nur erbsengroß,
blaß oder rötlich; sie scheinen ein Jahr zu ihrer Reife
zu bedürfen. Im Herbst oder Winter findet man reif nur Tuber
brumale und T. melanosporum, Ausgang Winters, im Frühling und
Sommer Tuber aestivum und T. mesentericum; die letztern werden
daher in den ersten Monaten des Jahrs noch unreif gesammelt und in
der Provence als Maitrüffeln bezeichnet. Man läßt
die Trüffeln von abgerichteten Hunden (Trüffelhunden;
Burgund, Italien, Deutschland) oder von Schweinen (Provence,
Poitou, auch in Westpreußen), in Rußland früher
auch von Bären aufsuchen, welche durch ihren Geruch die 5-16
cm unter der Erde verborgenen Pilze aufspüren. Nach
Deutschland kamen um 1720 die ersten dressierten Trüffelhunde,
von welchen der König August II. von Polen in Italien zehn
Stück angekauft hatte. Die Trüffeljagd findet statt vom
November bis Februar. Der französische Trüffelhandel
datiert seit 1770 und erstreckt sich jetzf fast über ganz
Mittel- und Südfrankreich. Am meisten produzieren die
Provence, besonders das Departement Vaucluse mit dem Zentralort
Carpentras, ferner die Dauphiné, Périgord, Dordogne,
Charente, Niederalpen und Lot; besonders berühmt sind die
Trüffelkulturen am Fuß des Mont Ventoux im Departement
Vaucluse, der 1858 mit Eichen aufgeforstet wurde. Die Ausfuhr aus
Frankreich beziffert sich auf 1,5 Mill. kg; im Departement
Vaucluse, in der Stadt Apt, kommt zur Winterszeit eine
Trüffelernte von 15,000 kg zu Markt. Große Bedeutung
haben die Trüffeln auch im Orient. Barth berichtet über
das häufige Vorkommen einer Trüffelart (jedenfalls
Terfezia leonis Tul.) in der nördlichen Sahara. Zu derselben
Art gehören auch die hellfarbigen Trüffeln, welche in der
Syrisch-Arabischen Wüste stellenweise massenhaft vorkommen und
kamelladungsweise in die syrischen Städte gebracht werden. In
diesen Gegenden gilt Helianthemum salicifolium Pers. als sicheres
Anzeichen des Vorkommens der T. Die Ernte währt in Syrien und
Palästina von Mitte Februar bis Mitte April, sie ist
abhängig von den Regen im Oktober und November, durch welche
auch die Kräuterdecke hervorgerufen wird, mit deren
üppigkeit die Häufigkeit der T. steigt und sinkt. In
Algerien findet sich die oben genannte Terfezia leonis im Schatten
des strauchartigen Helianthemum halimifolium, und auf der
kanarischen Insel Fuertaventura sucht man Trüffeln unter
Helianthemum canariense. Die gewöhnlichsten, als
Speisetrüffeln verwendeten Arten sind: Tuber brumale Vittad.,
mehr oder weniger kugelig, schwarz, auf der Oberfläche mit
polygonalen Warzen, nuß- bis faustgroß und dann bis 1
kg schwer, innen schwärzlich aschgrau, weiß
geädert, mit zahlreichen vier- bis sechssporigen
Sporenschläuchen, die Sporen mit stachligem Episporium, ist im
Winter in den Trüffelgegenden Frankreichs und Italiens sehr
häufig, selten in den Rheingegenden. T. melanosporum Vittad.
(T. cibarium Pers.), von voriger Art durch rötlichschwarze
Farbe, rötliche Flecke auf den War-
871
Trüffelpilze - Trumpp.
zen und durch rötlich- oder violettschwarzes Innere mit
weißen, zuletzt rötlichen Adern unterschieden, hat das
gleiche Vorkommen. T. aestivum Vittad., 2,5-5,5 cm,
unregelmäßig kugelig, schwarzbraun, mit sehr
großen Warzen, innen blaßbraun, mit elliptischen,
braunen, mit netzförmig gezeichnetem Episporium versehenen
Sporen, im Sommer und Spätsommer in Frankreich und in Italien
sehr häufig, stellenweise in Deutschland, z. B. in
Thüringen, und England. T. mesentericum Vittad., von voriger
Art durch schwarze Farbe und dunkleres Fleisch mit vielen sehr eng
gewundenen, weißen Adern unterschieden, an der Basis oft
gehöhlt, kommt wie vorige Art und oft mit ihr zusammen vor.
Nur in Italien, wo sie häufig gegessen wird, stellenweise in
Deutschland kommt vor T. magnatum Pico (Rhizopogon magnatum Corda).
1,5-11 cm, unförmig lappig, von den andern Arten durch die
wurzelartige Basis und durch die glatte Oberfläche
unterschieden, anfangs weiß, später blaß
ockerbraun, daher von den Lombarden Trifola bianca genannt, innen
gelblich, bräunlich oder rötlich mit weißen Adern,
von stark knoblauchartigem Geruch, reift im Spätsommer. Die
weiße T. (Choiromyces maeandriformis Vittad., Tuber album
Sow., Rhizopogon albus Fr.) ist glatt, hellbraun, faustgroß
und von allen echten Trüffeln unterschieden durch das
weiße, fleischige Innere, welches nur von einerlei feinen,
dunklern Adern (Hymenium) durchzogen ist. S. Tafel "Pilze I" u.
Taf. H, Fig. II. Vgl. Vittadini, Monographia Tuberacearum (Mail.
1831); Tulasne, Fungi hypogaei (Par. 1851); Chatin, La truffe (das.
1869); Planchon, La truffe (das. 1875); Rees u. Fisch,
Untersuchungen über Bau und Lebensgeschichte der
Hirschtrüffel (Kassel 1887); Bosredon, Manuel du trufficulteur
(Périgueux 1887); Ferry de la Bellone, La truffe (Par.
1888).
Trüffelpilze, s. Pilze (13), S. 72.
Trugdolde, eine Art des Blütenstandes (s. d., S.
81).
Trugdoldenrispe (Corymbus cymiformis), reichverzweigte
Schirmrispe mit quirlig gestellten Hauptverzweigungen, wie beim
Holunder.
Trugratten (Echimyidae), s. Nagetiere (5).
Trugschluß (Sophisma), ein auf falschen
Voraussetzungen oder falscher Verknüpfung derselben oder auf
zweideutig gebrauchten Wörtern beruhender Fehlschluß,
bei dem man die Absichtlichkeit einer Täuschung voraussetzt;
s. Schluß, S. 544. - In der Musik heißt T. (Trugkadenz,
ital. Inganno, franz. Cadence trompeuse) das Vermeiden eines nach
der vorausgegangenen Akkordfolge erwarteten Schlusses durch
Substitution eines andern Akkords für den tonischen (vgl.
Kadenz und Auflösung).
Truhe, langer, niedriger hölzerner Kasten mit
Deckel, welcher seit den frühsten Zeiten des Mittelalters zur
Aufbewahrung von Kleidungsstücken, Kostbarkeiten und zugleich
als Sitzmöbel diente. Anfangs war es mit der
Wandvertäfelung verbunden, wurde aber später
transportabel und auch auf Reisen mitgeführt. Die Truhen
wurden bemalt oder an den vier Seiten, später auch am Deckel,
mit reichem Schnitzwerk, Bemalung und Vergoldung versehen. Die
Brauttruhen, welche die Ausstattung der Braut enthielten, wurden
besonders reich verziert, zumeist mit auf Liebe und Ehe
bezüglichen Emblemen oder Darstellungen aus der antiken Sage
(s. Tafel "Möbel", Fig. 11). Zur größern Sicherung
wurden die Truhen auch mit eisernen Bändern beschlagen oder
auch mit eisernen Deckeln in durchbrochener Arbeit versehen (s.
Tafel "Schmiedekunst", Fig. 15).
Trujillo (Truxillo, beides spr. truchhílljo),
Sektion des Staats Andes der Bundesrepublik Venezuela, 13,549 qmn
(246,1 QM.) groß mit (1873) 108,672 Einw., ist im
südöstlichen Teil, wo die Andeskette von Merida
fortsetzt, hohes Gebirgsland, im nordwestlichen niedrig, wird vom
Rio Motaban, der dem See von Maracaibo zufließt,
bewässert, hat alle Klimate (vom heißen bis zum kalten)
und erzeugt vorzüglichen Kaffee und alle Südfrüchte
sowie etwas Weizen. - Die Hauptstadt T., in einem engen Kessel
gelegen, 826 m ü. M., hat eine höhere Schule, Handel
(hauptsächlich Kaffee- und Weizenexport) und 2648 Einw. T.
wurde 1559 gegründet, und war bis 1668, wo Flibustier sie
zerstörten, eine der schönsten Städte des Landes.
Nordwestlich davon liegt das Dorf Santa Ana, durch den
Friedensschluß zwischen den beiden Generalen Bolivar u.
Morillo 26. Nov. 1820 bekannt.
Trujillo (Truxillo, beides spr. truchhílljo), 1)
Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Caceres, teils auf einem
Felsen, teils am Fuß desselben in 485 m Höhe gelegen,
hat 5 Kirchen und (1878) 9428 Einw welche sich mit Leinweberei,
Gerberei und Töpferei beschäftigen. T. ist Geburtsort
Pizarros. -
2) (Chimú) Hauptstadt des Departements Libertad (Peru),
in fruchtbarer, von Wüsten umgebener Gegend am Chimú,
65 m ü. M., ist gut gebaut und von Wällen und Bastionen
umgeben, die 1686 als Schutz gegen die Flibustier errichtet wurden,
hat eine Kathedrale, eine 1831 gegründete Universität,
ein bischöfliches Seminar, eine höhere Schule und (1876)
7538 Einw., die lebhaften Handel treiben. Die Häfen der Stadt
sind das 5 km entfernte Huanchaco und das wichtigere Salaverry, der
Ausgangspunkt der ins Innere führenden Eisenbahn und mit
Hafendamm (Molo). T. wurde 1535 von Pizarro gegründet, litt
wiederholt durch Erdbeben und war 1823 Sitz des Kongresses. 2 km
westlich davon liegen die Ruinen von Gran Chimú, der
angeblichen Hauptstadt des alten Chimúreichs. -
3) Stadt im Departement Yoro des zentralamerikan. Staats
Honduras, am Karibischen Meer, 1524 gegründet, hat einen guten
Hafen und 4000 Einw.; die Ausfuhr(1887: 628,100) Pesos) besteht aus
Bananen, Kokosnüssen, Mahagoni, Häuten, Gummi etc.
Trullanische Synoden heißen von Trullos, dem
gewölbten Saal des kaiserlichen Palastes zu Konstantinopel,
darin sie gehalten worden, das sechste ökumenische Konzil (s.
Monotheleten) und das sogen. Quinisextum (s. d.).
Trum (Plur. Trume oder Trümer, fälschlich
Trümmer), in der Geologie ausgefüllte Nebenspalten einer
Hauptspalte (Gang) von größern Dimensionen, im Gegensatz
zu den kleinern Apophysen; besonders eine durch Gabelung sich rasch
auskeilende Gangmasse (vgl. Gang, S. 890); im Bergbau auch s. v. w.
Förderseil.
Trümeau (franz., spr. -moh), Fensterpfeiler; ein
denselben deckender Wandspiegel, überhaupt ein bis nahe an den
Fußboden gehender Wandspiegel.
Trümletenthal, s. Jungfrau.
Trümmergesteine, s. Gesteine.
Trumpp, Ernst, Orientalist, geb. 13. März 1828 zu
Ilsfeld im württemb. Oberamt Besigheim, studierte in
Tübingen evangelische Theologie und orientalische Sprachen,
ging später zur Fortsetzung seiner orientalischen Studien nach
England und trat hier in die Dienste der Church Missionary Society,
in deren Auftrag er 1854-55 und 1857 die Sprache des Induslandes
erforschte und bearbeitete, während er den größten
Teil des Jahrs 1856 zur Erlernung des Neuarabischen in Ägypten
und Syrien zubrachte. 1858 ging er nach Peschawar, um die Sprache
der Afghanen zu untersuchen und zu bearbeiten. Aus Gesund-
872
Trumscheit - Trunksucht
heitsrücksichten 1860 in die Heimat zurückgekehrt,
privatisierte er zunächst in Stuttgart, nahm 1864 die
Diakonatsstelle in Pfullingen an, begab sich aber 1870 im Auftrag
der englischen Regierung von neuem nach Indien und zwar nach Lahor
im Pandschab, um daselbst in Verbindung mit einigen Sikhpriestern
eine Übersetzung der heiligen Bücher der Sikh
auszuführen. 1872 habilitierte er sich in Tübingen als
Privatdozent und erhielt 1874 die ordentliche Professur der
orientalischen Sprachen an der Universität zu München, wo
er 5. April 1885 starb. Sein Hauptwerk ist "The Adi Granth, or the
holy scriptures of the Sikhs, translated from the original
Gurmukhi" (Lond. 1877). Außerdem veröffentlichte er:
"Materialien zum Übersetzen aus dem Deutschen ins
Hebräische" (Heilbr. 1854); "Sindhi reading book" (Lond.
1858); "Über die Sprache der sogen. Kasirs im indischen
Kaukasus" (im 20. Bd. der "Zeitschrift der Deutschen
Morgenländischen Gesellschaft"); "The Sindhi Diwan of
Abd-ul-Latif Shah" (1866); "Grammar of the Sindhi language" (Lond.
1872); "Grammar of the Pashto or language of the Afghans etc."
(das. 1873); "Einleitung in das Studium der arabischen Grammatiker"
(Münch. 1876); "Das Taufbuch der äthiopischen Kirche"
(äthiopisch u. deutsch, das. 1876); "Der Kampf Adams"
(äthiopischer Text, das. 1880); "Die Religion der Sikhs"
(Leipz. 1881); "Der arabische Satzbau" (Münch. 1879);
"Grammatische Untersuchungen über die Sprache der Brahuis"
(das. 1881); "Das Hexaemeron des Pseudo-Epiphanius"
(äthiopisch und deutsch, das. 1882); "Der Bedingungssatz im
Arabischen" (das. 1882) etc.
Trumscheit (Trumbscheidt, Scheidtholt, Trompetengeige,
Tromba marina, Tympanischiza), primitives, in Deutschland im
14.-16. Jahrh. und noch länger beliebtes Streichinstrument,
bestehend aus einem langen, schmalen, aus drei Brettchen
zusammengesetzten Resonanzkörper, über den eine einzige
Saite gespannt war, wenigstens nur eine Griffsaite, während
etwa noch hinzugefügte Saiten als Bordune unabänderlich
mitgestrichen wurden. Der zweifüßige Steg des
Trumscheits war nur mit einem Fuß aufgeleimt, während
der andre, wenn die Saite schwang, durch schnelles Berühren
des Resonanzbodens einen etwas schnarrenden Ton hervorbrachte.
Truncus (lat.), der Stamm der Bäume etc.; vgl.
Stengel und Baum.
Trunkelbeere, s. Vaccinium.
Trunkenheit, im allgemeinen der durch den Genuß
betäubender Stoffe, z. B. Opium, Alkohol, Haschisch, Kumys und
andrer gegorner Getränke, auf den Organismus hervorgebrachte
abnorme Zustand der Gehirnthätigkeit etc. Für
gewöhnlich wird die T. erzeugt durch alkoholhaltige
(spirituöse) Getränke. Man unterscheidet als den ersten
Grad der T. den Rausch. Derselbe gibt sich anfangs in einer
Steigerung des ganzen Lebensprozesses kund, die sich besonders als
eine höhere gemütliche Anregung im Gemeingefühl
durch Heiterkeit und Wohlbehagen, raschern Puls, gerötetes
Gesicht, belebte, glänzende Augen, lebhafte, wechselnde
Vorstellungen und leicht zu Gemütsbewegungen sich steigernde
Gefühle zu erkennen gibt. Beim zweiten Grade, der
Betrunkenheit (ebrietas), sind alle jene physischen Erscheinungen
gesteigert, zuweilen bis zu einer Art von Tobsucht und
Zerstörungswut, das Bewußtsein ist getrübt, die
Geistesthätigkeiten verwirren sich, und es entsteht Delirium.
Als dritten Grad unterscheidet man die sinnlose Besoffenheit, bei
der die sensorische Nerventhätigkeit völlig ruht, so
daß dem Menschen Bewußtsein, Empfindung und
willkürliche Bewegung verloren gehen. Den zur Gewohnheit
gewordenen übermäßigen Genuß spirituöser
Getränke bezeichnet man als Trunksucht oder
Trunkfälligkeit (ebriositas). Diese hat nach und nach eine
dauernde Verderbnis des Bluts, den Alkoholismus oder die
Säuferkrankheit, zur Folge. Da das preußische
Strafgesetz für Verbrechen, welche im trunkenen Zustand
begangen sind, mildernde Umstände bewilligt, so ist es
für den Gerichtsarzt wichtig, das Vorhandensein von T. zu
konstatieren. Diese Aufgabe erfordert große Vorsicht und
Beurteilung des individuellen Falles, da die Menge des genossenen
Getränks, welche erforderlich ist, um T. zu bedingen, bei
verschiedenen Personen äußerst verschieden groß
ist. Jedenfalls wird der Nachweis erbracht werden müssen,
daß zur Zeit der strafbaren Handlung ein so starker Rausch
bestanden hat, daß dadurch das Bewußtsein getrübt
und die freie besonnene Aktion aufgehoben worden ist. S.
Trunksucht.
Trunkmaschine, s. Dampfmaschine, S. 468.
Trunksucht, der gewohnheitsmäßige
Mißbrauch alkoholischer Getränke, welcher zu einer
Schädigung des körperlichen, geistigen und sittlichen
Lebens (Alkoholismus) führt. Unmäßiger
Alkoholgenuß zerstört alle Gewebe und Systeme des
Körpers und vernichtet die normale Konstitution des
Individuums und der Rasse. Am frühsten erkrankt der
Verdauungsapparat bei dem Trunksüchtigen; auf der
anfänglich katarrhalisch erkrankten Magenschleimhaut entstehen
Geschwürsbildungen, ein beständiges Gefühl von Druck
und Schmerz in der Magengegend, Säurebildung,
Appetitlosigkeit, häufiges, bald täglich wiederkehrendes
Erbrechen von zähem Schleim, besonders des Morgens, auch
Blutbrechen. Der absorbierte Alkohol wird der Leber zugeführt,
und je konzentrierter er war, desto früher und desto
intensiver sind die Veränderungen dieses Organs. Wein- und
Biertrinker erleiden niemals jene schweren Formen der
Leberdegeneration wie Schnapstrinker. Fettleber, Lebercirrhose,
Entzündung der Leber mit Schwund ihrer Bestandteile,
Gelbsuchten sind häufige Krankheiten der Trinker. Bei
gewohnheitsmäßigen Trinkern findet sich immer eine
Vergrößerung des Herzmuskels (Hypertrophie), später
fettige Entartung in demselben und in den Blutgefäßen.
Der Katarrh des Kehlkopfes, kenntlich durch die eigentümlich
rauh belegte Stimme, geht auf die innern feinen
Luftröhrenverzweigungen und Lungenbläschen über;
Ausweitungs- und Zerstörungsprozesse führen zur
Verkleinerung der Lungenoberfläche, zur Behinderung der
Blutzirkulation und des Gasaustausches in den Lungen und erzeugen
die bläuliche Gesichtsfarbe und die Kurzatmigkeit der Trinker.
Die gesteigerte Thätigkeit der Nieren nach Aufnahme von
alkoholischen Getränken führt nicht selten zur sogen.
Brightschen Niere, zur Nierenschrumpfung, einer Krankheit, die
meist zum Tod führt und auch in der Blutbeschaffenheit der
Trinker und in den vielen schädlichen Einwirkungen,
Durchnässungen etc., denen Trinker ausgesetzt sind, ihre
Ursache findet. Auch der Genitalapparat erleidet bei T. krankhafte
Veränderungen. Sehr mannigfach sind die Störungen des
Nervensystems. Die Anhäufung von Blut in den Hirnhäuten
und im Gehirn selbst, der Austritt von Blut (Schlaganfall) mit der
großen Reihe von krankhaften Störungen durch diese
Vorgänge, Entzündung der Hirnsubstanz und Schwund,
ähnliche Erkrankungen und Veränderungen im
Rückenmark und seinen Häuten sind die Ursachen vieler
Erscheinungen: Gefühl von Taubheit, Kribbeln, Ameisenlaufen,
Empfindungslosigkeit, Muskelzittern,
873
Trunksucht (gesetzliche Maßregeln, Trinkerasyle).
Krämpfe, Schwäche und Lähmung der Glieder,
Störungen der Intelligenz bis zum vollen Wahn- und
Blödsinn und zur allgemeinen Paralyse. Auch das Auge, das Ohr
und die Haut werden in ihren Funktionen durch den anhaltenden
Mißbrauch der spirituösen Getränke
beeinträchtigt. Das Blut der Trinker wird reicher an Wasser
und ärmer an Faserstoff und verändert sich in noch
unbekannter Weise in seiner Beschaffenheit; in den frühen
Stadien des Alkoholismus findet eine exzessive Fettbildung statt.
In allen Organen und Geweben tritt eine abnorme Anhäufung von
Fett auf, die selbst im Blut sich kenntlich macht. Es ist erwiesen,
daß Trinker viel häufiger erkranken als Nichttrinker,
nicht nur an den von der toxischen Einwirkung des chronischen
Alkoholgenusses direkt verursachten krankhaften Veränderungen
der einzelnen Organe, sondern daß sie wegen ihrer gesunkenen
Widerstandskraft auch mehr den allgemeinen
Krankheitseinflüssen ausgesetzt sind. Die Trinker verfallen
auch allen Krankheiten in einem viel intensivern Grad als
Nichttrinker; nicht nur, daß bei allen entzündlichen
Krankheiten, bei allen operativen Eingriffen und Wundverletzungen
jene den Säufern eigentümliche Erkrankung des Gehirns,
das Delirium tremens, hinzutritt und den Verlauf der Krankheit sehr
erheblich beeinflußt, sondern wegen der schlechten
Blutbeschaffenheit und der geschwächten Lebenskraft nehmen die
auftretenden, sonst relativ ungefährlichen Krankheiten einen
bösartigen Charakter an. Die T. steigert die Sterblichkeit,
indem viele Trinker nach Art einer akuten Vergiftung oder nach
einem Alkoholexzeß sterben; viel mehr aber gehen an den
geschilderten Folgen der T. und an Verunglückungen in der
Trunkenheit zu Grunde. Eine beträchtliche Anzahl von
Selbstmorden geschehen in und aus T. Die Lebensdauer der Trinker
ist in dem Maß verkürzt, daß, während ein
normal Lebender im Alter von 20 Jahren eine Lebensdauer von 44,2
Jahren zu erwarten hat, ein Trinker in gleichem Alter nur noch auf
15,6 Jahre rechnen darf. Die in der T. erzeugte Nachkommenschaft
ist schwächlich und kränklich und disponiert besonders zu
Idiotie, Konvulsionen, Epilepsie etc. In Gegenden, wo T. weit
verbreitet ist, zeigt sich die Militärbrauchbarkeit der Jugend
herabgemindert. T. erzeugt Müßiggang und Liederlichkeit
und wird dadurch eine der wirksamsten Ursachen der Einzel- und
Massenarmut, zugleich aber auch der Vermehrung der Verbrecher und
der Verbrechen. Mehr als Armut und Unwissenheit ruft T. die Neigung
zum Verbrechen hervor und beschönigt sie.
In dem Kampf gegen die T. sind nur solche Mittel anzuwenden,
die, den Anschauungen des Volkes angepaßt, auf Anerkennung
und Mitthätigkeit der Gesellschaft rechnen dürfen. Auch
hier sollte man nur das zu erreichen suchen, was zu erreichen
möglich ist. Die absolute Unterdrückung des Genusses
alkoholischer Getränke, die von vielen Seiten zum Prinzip
erhoben ist, wird nur in sehr beschränktem Maß zu
erreichen sein und nur in einzelnen Ländern ein
erstrebenswertes Ziel bleiben. Der Kampf gegen die T. ist mit
großer Energie von Vereinigungen selbstloser Männer
unter verschiedenen Formen und nicht ohne Verirrungen geführt
wordene (s. Mäßigkeitsvereine). Die gesetzlichen
Maßregeln gegen die T. haben nicht immer den beabsichtigten
Erfolg gehabt, weil sie aus fiskalischen Gründen nicht immer
streng durchgeführt werden, weil sie leicht zu umgehen sind,
und weil es fast unmöglich ist, eingewurzelte Gewohnheiten und
Neigungen aus dem Volk durch das Gesetz mit einemmal zu vertilgen.
So hat das Gesetz, welches den Verkauf aller spirituösen
Getränke bei hohen Strafen absolut verbietet und 1851 im Staat
Maine (Liquor Maine law) und später auch in mehreren andern
Staaten von Nordamerika eingeführt wurde, in keiner Weise
bewirkt, was seiner Rigorosität und den Anstrengungen, es
durchzuführen, entspricht. Als wirksame Angriffspunkte der
Gesetzgebung sind die Verminderung der Zahl der kleinen
Brennereien, namentlich der Hausbrennereien, anzusehen, ferner die
Einschränkung des Kleinhandels mit Spirituosen, Verminderung
der großen Zahl der Schankstellen durch strenge Prüfung
der Bedürfnisfrage und der Moralität des Schenkwirts.
(England: Gesetze von 1828 und 1872, nach denen der Betrieb eines
Schankgewerbes nur auf Grund einer alljährlich zu erneuernden
Konzession gestattet ist. Gesetze in Norwegen 1871, in Schweden
1857 und 1869, nach denen in jeder Gemeinde die Zahl der Schenken
durch die Behörde unter Mitwirkung der Gemeindeorgane
festgesetzt und die Schenken auf bestimmte Zeit an den
Meistbietenden verpachtet werden; niederländisches Gesetz von
1881, in Kraft getreten 1885; Gesetz für Galizien und die
Bukowina von 1877, weitergehende Bestimmungen enthält ein
für ganz Österreich geplantes "Gesetz zur Hintanhaltung
der Trunkenheit". Entsprechende Bestimmungen für Deutschland
enthalten die Gewerbeordnung von 1869, die Ergänzungsgesetze
vom 23. Juni 1879 und vom 7. Mai 1883, dann das Reichsstrafgesetz,
§ 361. Weiter als letzteres Gesetz gehen die
Polizeistrafgesetze einzelner Bundesstaaten sowie Gesetze in
Schweden [1864], England [1872], Frankreich [1873] etc., welche
diejenigen mit Strafe bedrohen, welche in Wirtschaften, auf der
Straße oder an andern öffentlichen Plätzen im
Zustand offenbarer oder Ärgernis erregender Trunkenheit
gefunden werden.) Weniger zuverlässig ist die
Branntweinsteuer, weil eine zu hohe Besteuerung die Defraudation
geradezu provoziert, während eine zu geringe Steuer den
Alkoholkonsum allerdings ganz direkt begünstigt.
Nachahmenswert ist die Maßnahme, die in Schweden, zuerst
in Gotenburg (gotenburgisches System), ergriffen ist, um die Zahl
der Schankstellen zu vermindern und die Beförderung des
Alkoholkonsums durch die Habgier der Schenkwirte zu verhüten.
Hier hat sich eine Aktiengesellschaft gebildet, um die
Schankstellen (s. oben) anzukaufen und ohne jeden Nutzen für
sich den Handel im Sinn der Mäßigkeit zu betreiben. In
einzelnen Staaten von Nordamerika wird der Schenkwirt gesetzlich
für alle Folgen der Trunkenheit, zu welcher er verholfen,
haftbar, so daß er bei Verunglückungen eines Trinkers an
dessen Familie Schadenersatz leisten muß und auch mit
bestraft werden kann, wenn ein Trinker, dem er die Getränke
verabfolgt, ein Verbrechen begeht. Von größter Bedeutung
sind die Trinkerasyle zur Heilung Trunksüchtiger. In diesen
Anstalten, in welchen nicht die unbeugsame Strenge eines
Gefängnisses, aber auch nicht die nachsichtige Zucht einer
Krankenanstalt herrschen darf, sollen alle Personen zwangsweise
verwahrt werden, welche durch T. die Herrschaft über sich
verloren haben, die Pflichten gegen sich und ihre Angehörigen
anhaltend vernachlässigen, sich und andern eine Gefahr werden
können. In diesen Asylen sollen ferner diejenigen Personen
untergebracht werden, welche in der Trunkenheit eine gesetzwidrige
Handlung begangen haben und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt
sind. Das erste Trinkerasyl wurde 1857 in Boston errichtet, bald
waren alle Staaten der Union diesem Beispiel gefolgt, und noch
874
Trupial - Truppen.