entsprechend notiert. Von Schulwerken für T. sind besonders zu
empfehlen die "Große Schule für Cornet à pistons
und T." von Kosleck (2 Tle.) und die "Orchesterstudien für T."
von F. Gumbert. Vgl. Eichborn, Die T. in alter und neuer
Zeit(Leipz.1881).
Trompetenbaum, s. Catalpa und Cecropia.
Trompetenblume, s. Bignonia.
Trompetenblütler, s. Bignoniaceen.
Trompetengeige, s. Trumscheit.
Trompetenschnecke, s. Tritonshörner.
Trompetervögel (Psophiidae Bp.), Familie der
Watvögel, Vögel mit kräftigem Leib, mittellangem
Hals, kurzem Schnabel, hohen, langläufigen, kurzzehigen
Füßen, kurzen, gewölbten Flügeln und kurzem,
schwachfederigem Schwanz. Der Agami (Psophia crepitans L.), 52 cm
lang, schwarz, am Bug purpurschwarz schillernd, an Unterhals und
Oberbrust stahlblau schillernd, mit rotbraunem Auge,
grünlichweißem Schnabel und gelblich fleischfarbenem
Fuß, lebt in zahlreichen Scharen in den Wäldern
nördlich vom Amazonas, läuft sehr schnell, fliegt schwach
und besitzt eine sonderbare Stimme. Nach einem scharfen, wilden
Schrei folgt ein ungemein tiefes Trommeln oder Brummen, welches
durch eigentümliche sackartige Anhängsel der
Luftröhre hervorgebracht wird. Der Agami nährt sich von
Früchten, Körnern, Insekten, nistet an der Erde und legt
zehn und mehr hellgrüne Eier. In allen Indianerniederlassungen
lebt der Agami als Haustier, als Wächter und Beherrscher des
übrigen Geflügels und erscheint auch in den Straßen
der Ortschaften.
Tromsö, Hauptstadt des gleichnamigen norweg. Amtes,
das sich zwischen den Ämtern Nordland und Finnmarken erstreckt
und, in die zwei Vogteien Senjen und T. geteilt, 24,569,6 qkm
(446,2 QM.) mit (1876) 54,019 Einw. umfaßt. Die Stadt liegt
auf der 8 km langen Insel T., ist Sitz eines Bischofs, eines
Amtmanns und eines deutschen Konsuls, hat mehrere Kirchen (auch
eine katholische), einige Fabriken, Gymnasium, Lehrerseminar,
lebhaften Handel (mit Fischen, Thran, Nickelerz etc.; Wert der
Ausfuhr über 2,5 Mill. Frank) und (1876) 5409 Einw. Das
gleichnamige Stift, erst 1844 gebildet, umfaßt den
nördlichsten und nordöstlichsten Teil des Landes und zwar
die Ämter: Nordland, T. und Finnmarken und hat einen
Flächeninhalt von 111,609 qkm (2027 QM.) mit (1876) 182,245
Einw.
Trona, s. Soda, S. 1047.
Trouchet (spr. trongschä), Francois Denis, franz.
Advokat und Verteidiger Ludwigs XVI., geb. 1726 zu Paris, erlangte
als Advokat einen bedeutenden Ruf, wurde 1789 von der Stadt Paris
in die Nationalversammlung gewählt, bewies sich hier als
Anhänger des konstitutionell-monarchischen Prinzips und ward
vom König 1792 zu seinem Verteidiger erwählt. Seine
Verteidigung war gründlich gearbeitet, aber von geringer
Wirkung, da sie sich streng auf juristischem Boden hielt. Unter
Robespierre mußte T. fliehen, unter dem Direktorium trat er
in den Rat der Alten, unter dem Konsulat ward er Präsident des
Kassationshofs, erhielt nebst Bigot-Préameneu, Mulleville
und Portalis die Redaktion des neuen Zivilkodex übertragen und
ward 1801 in den Erhaltungssenat berufen. Er starb 10. März
1806.
Tronchiennes (spr. trongschiénn, vläm.
Drongen), Flecken in der belg. Provinz Ostflandern, Arrondissement
Gent, an der Lye und der Eisenbahn Gent-Brügge, mit
großer Krappfabrik und (1888) 4957 Einw.
Trondhjem, Stadt, s. Drontheim.
Tronto (im Altertum Truentus), Küstenfluß in
Mittelitalien, entspringt in den Bergen von Campotosto (Provinz
Aquila), fließt anfangs nördlich, dann östlich,
nimmt bei Ascoli den Castellano auf, wird bei Martino Sicuro
für kleine Fahrzeuge schiffbar und fällt nach einem Laufe
von 88 km in das Adriatische Meer.
Troon (spr. truhn. "Vorgebirge"), Seestadt im mittlern
Ayrshire (Schottland), mit sicherm Hafen, bedeutender Kohlenausfuhr
und (1881) 2383 Einw. Zum Hafen gehörten 1888: 53
Fischerboote.
Tropäoleen (Tropaeolaceae), dikotyle, etwa 35 Arten
umfassende, in Südamerika einheimische Pflanzenfamilie aus der
Ordnung der Gruinales, welche sich durch zygomorphe Blüten mit
acht Staubgefäßen und einem dreifächerigen
Fruchtknoten von den nächstverwandten Familien
unterscheidet.
Tropäolin, s. Azofarbstoffe und
Phenylfarbstoffe.
Tropaeolum L. (Kapuzinerkresse), Gattung aus der Familie
der Tropäoleen, ein- oder mehrjährige, windende, seltener
niedergestreckte Kräuter mit oft knolligen Wurzeln,
wechselständigen, schild- oder handförmigen, eckigen,
gelappten oder eingeschnittenen Blättern, einzeln
achselständigen, gelben, selten purpurnen oder blauen,
gespornten Blüten und trocknen oder schwammig-fleischigen
Früchten. 35 südamerikanische Arten. T. majus L.
(spanische, türkische Kresse, unechte Kaper), einjährig,
1684 aus Peru nach Europa verpflanzt und jetzt in zahlreichen
Varietäten in allen Gärten zu finden, mit meist
kletterndem Stengel, schildförmigen Blättern und
großen, orangegelben bis purpurbraunen Blüten, schmeckt
kressenartig und wirkt antiskorbutisch, wird auch als Salat
gegessen, während man die Blütenknospen und die unreifen,
in Essig oder Salz eingelegten Früchte wie Kapern benutzt. Aus
dieser Art und dem ähnlichen T. minus L. aus Peru sind
zahlreiche Varietäten, auch Zwergformen gezüchtet worden.
T. tuberoseum R. et P., mit knolligem Wurzelstock und
fünflappigen Blättern, wird in Peru der genießbaren
Knollen halber kultiviert und gedeiht auch bei uns. Andre
knollentragende Arten, wie T. Lobbianum Paxt. aus Kolumbien, mit
leuchtend kapuzinerroten Blüten (s. Tafel "Zimmerpflanzen I"),
T. pentaphyllum Lam. aus Montevideo, mit scharlachroten, grün
zugespitzten Blüten, etc., kultiviert man als Zierpflanzen in
Gewächshäusern.
Tropea, Stadt in der ital. Provinz Catanzaro, Kreis
Monteleone, am Tyrrhenischen Meer, Bischofsitz, mit Kathedrale,
Schloßruinen, kleinem Hafen, Fischerei, Fabrikation von
Stiefelsohlen und Baumwolldecken und (1881) 5032 Einw.
Tropen (griech.), s. v. w. bildliche Ausdrücke,
durch welche der eigentliche Ausdruck mit dem uneigentlichen, die
Sache mit dem Bild vertauscht wird, um das Geistige zu
versinnlichen und das Sinnliche zu vergeistigen (s. Figur); daher
tropisch, s. v. w. bildlich, figürlich (Gegensatz:
kyriologisch). Die wichtigsten T. sind: Allegorie, Antonomasie,
Epitheton, Hyperbaton, Hyperbel, Ironie, Katachresis, Metalepsis,
Metapher, Metonymie, Onomatopöie, Periphrasis, Rätsel und
Synekdoche. Vgl. Groß, Die T. und Figuren (2. Aufl., Leipz.
1888). - Im Gregorianischen Gesang heißen T. die
verschiedenen Gesangsformeln für den Schluß der dem
Introitus angehängten kleinen Doxologie "Gloria patri et filio
et spiritui sancto sicut erat in principio et nunc et in secula
seculorum amen" (vgl. Evovae). - In der Astronomie heißt
tropisch auf den Tierkreis bezüglich;
865
Tropfen - Tropikvogel.
tropischer Umlauf eines Himmelskörpers die Zeit, nach
welcher er wieder zum Frühlingspunkt zurückkehrt. In der
Erdbeschreibung sind T. s. v. w. Wendekreise; daher
Tropenländer, die zwischen den Wendekreisen, also in der
heißen Zone, gelegenen Länder (auch
Äquinoktialgegenden genannt); tropische Gewächse, die
dort einheimischen Gewächse (vgl. die Litteratur zum Artikel
"Landwirtschaft", S. 480); tropische Krankheiten, die durch das
tropische Klima bedingten und daher vorzugsweise in den
Tropenländern herrschenden Krankheiten, als Dysenterie,
Diarrhöe und Erbrechen, Abdominalplethora, Gallen- und
intermittierende Fieber etc. Vgl. Friedmann, Über Arzneikunde
und Akklimatisation in den Tropenländern (Erlangen 1850);
Sullivan, The endemic diseases of tropical climates (Lond. 1877);
Falkenstein, Ärztlicher Ratgeber für Seeleute,
Kolonisten, Reisende etc. (Berl. 1882).
Tropfen, für sich bestehende Flüssigkeitsmenge
mit abgerundeter Oberfläche. T., auf welche außer ihrer
eignen Kohäsion und Massenanziehung keine andre Kraft wirkt,
bilden vollkommene Kugeln. Ruht ein T. auf einer Unterlage, so wird
er nicht nur durch die Schwere abgeplattet, sondern auch die
Adhäsion zur Unterlage übt Einfluß auf seine
Gestalt. Die Größe und Gestalt von T., die von einem
Körper herabhängen, wird bestimmt durch ihr spezifisches
Gewicht, ihre Kohäsion und Temperatur und durch die
Adhäsion zu jenem Körper, von welchem die Körper
abfließen. Nach Gay-Lussac ist das Gewicht der T.
verschiedener Flüssigkeiten, welche aus einer Röhre von
bestimmtem Durchmesser herabfallen, nicht den Dichtigkeiten dieser
Flüssigkeiten proportional. 100 T. Wasser von 15° wogen
8,9875 g, 100 T. Alkohol (spez. Gew. 0,8543) nur 3,0375 g. Ein T.
destillierten Wassers wird gewöhnlich zu 1 Gran angenommen
oder 20 T. zu 1 g. Über den "Leidenfrostschen T." s. d.
Tropfgläser, Fläschchen mit einem kleinen Loch
im Hals und einem eingeriebenen Glaspfropfen mit einem Kanal, der,
auf jenes Loch eingestellt, in die Flasche Luft eintreten
läßt, während gleichzeitig ein zweiter Kanal zu
einem Ausguß im Flaschenhalsrand führt. T. dienen zu
Arzneimitteln, die tropfenweise genommen werden müssen.
Tropfhäusler, s. Bauer, S. 462.
Tropfstein, Mineralien, welche sich als Absatz aus
herabtropfenden Flüssigkeiten gebildet haben (vgl. Sinter). T.
findet sich in Höhlen, Gewölben, Grubenbauten etc., meist
von cylindrischer oder zapfenförmiger Gestalt, bisweilen
platt, häufig hohl. Dem allmählichen Absatz entsprechend,
ist er meist aus einzelnen, durch verschiedene Färbung oder
Haarspalten voneinander abgehobenen Lagen gebildet, und die
einzelnen Lagen sind aus faserigen Individuen, welche senkrecht zur
Längsachse oder zur Begrenzungsfläche stehen,
zusammengesetzt, oder er stellt grobkörnige Aggregate dar,
besitzt mitunter aber auch eine durchsetzende Spaltungsrichtung und
ist dann also aus einem einheitlichen Individuum gebildet. T.
besteht meist aus kohlensaurem Calcium (Kalkspat, seltener
Aragonit); doch kommen auch Vitriole, Brauneisenstein, Zinkblende,
Bleiglanz, Eisenkies, Malachit, Chalcedon, Eis etc. als T. vor. Man
unterscheidet die von der Decke der Gewölbe nach abwärts
hängenden Stalaktiten und die denselben entgegenwachsenden
Stalagmiten. Vereinigen sich beide zu einer erst
sanduhrförmigen, später cylindrischen Gestalt, so
entstehen Säulen, deren Mehrheit man auch wohl Orgeln nennt.
Berühmte Tropfsteinhöhlen sind: die Sophien- und andre
Höhlen in der Fränkischen Schweiz, mehrere Höhlen
der württembergischen Alb, die Baumannshöhle u. a. im
Harz, die Dechenhöhle u. a. in Westfalen, die Adelsberger
Höhle in Krain, die auf der griechischen Insel Antiparos
(Aragonit), diejenigen am obern Mississippi (Schwefelmetalle).
Trophäe (lat., griech. Tropäon), bei den
Griechen ein an der Stelle, wo sich der besiegte Gegner zur Flucht
gewendet hatte, aus erbeuteten Waffen errichtetes Siegesmal.
Münzen zeigen oft einen Baumstamm mit Querbalken und daran
gehängten Rüstungsstücken und Waffen (s. Figur). Von
den Griechen überkamen die Römer den Brauch, pflegten
aber als Siegesdenkmäler feststehende Monumente mit
Reliefdarstellungen zu errichten. Heute nennt man Trophäen die
mit bewaffneter Hand im Kampf eroberten Fahnen, Standarten und
Geschütze (früher auch noch die Pauken der Kavallerie),
auch Zusammenstellungen von Waffen und Waffenteilen zur
Ausschmückung von Zeughäusern etc.
^[T r o p ä o n (böotische Münze).]
Trophoneurosen (griech.), Ernährungsstörungen,
welche von Nervenerkrankungen abhängig sind. Das Gebiet der T.
ist nicht sicher zu begrenzen, weil wir über die
Abhängigkeit der Ernährungsstörungen von den Nerven
überhaupt noch nicht genügend unterrichtet sind.
Vielleicht gehören gerade die wichtigsten Erkrankungen,
nämlich die elementaren Prozesse der Kongestion, der
Entzündung, der Exsudation und Sekretion, ihrem Wesen nach zu
den T. Zu den T. im engern Sinn rechnet man Atrophien der Muskeln
bei Erkrankung der Vorderhörner des Rückenmarks,
halbseitige Atrophien des Gesichts, die Gürtelflechte etc.
Trophonios, mythischer Baumeister der Minyer, Sohn des
Königs Erginos von Orchomenos in Böotien oder des
Apollon, erbaute mit seinem Bruder Agamedes den Apollontempel zu
Delphi und verschiedene Schatzhäuser, namentlich das des
Hyrieus, Königs von Hyria in Böotien. Bei letzterm hatten
die beiden Brüder einen Stein so eingefügt, daß er
leicht herausgenommen werden konnte, um sich auf diese Weise
Zutritt zu dem Schatze zu verschaffen. Der König legte endlich
Schlingen, in denen Agamedes sich fing. Um nicht verraten zu
werden, schnitt T. seinem Bruder den Kopf ab und floh in den Wald
bei Lebadeia. Hier ward er von der Erde verschlungen, an der
Stelle, welche später durch die sogen. Höhle des T.
bezeichnet ward, in der Orakel erteilt wurden. Nach andrer Sage
sandte Apollon den beiden Brüdern als Lohn für den
Tempelbau frühen Tod.
Tropidonotus, s. Nattern.
Tropikvogel (Phaëton L.), Gattung aus der Ordnung
der Schwimmvögel und der Familie der Tropikvögel
(Phaëtontidae), gedrungen gebaute Vögel mit kopflangem,
seitlich stark zusammengedrücktem, auf der Firste seicht
^[sic] gebogenem, an der Spitze geradem, an den eingezogenen
Rändern gesägtem Schnabel, langen Flügeln,
mittellangem Schwanz, dessen beide fast fahnenlose Mittelfedern
sich stark verlängern, und schwachen Beinen, deren Zehen nur
durch eine schmale Haut verbunden sind. Der T. (P. aethereus L., s.
Tafel "Schwimmvögel III"), einschließlich der beiden
etwa 60 cm langen Schwanzfedern 1 m lang, ebenso breit, ist
weiß, rosenrötlich überflogen, Zügelstreifen
und Außenfahnen der Handschwingen sind schwarz, die hintern
Armschwingen
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
55
866
Tropisch - Trosse.
schwarz und weiß gesäumt, die Schwanzfedern
weiß; das Auge ist braun, der Schnabel rot, der Fuß
gelb, Zehen und Schwimmhäute schwarz. Der T. gehört zu
den schönsten Vögeln des Weltmeers; er wohnt zwischen den
Wendekreisen des Atlantischen, Indischen und Großen Ozeans,
entfernt sich oft sehr weit von den Küsten, fliegt
vortrefflich, begleitet die Schiffe oft tagelang und erinnert in
seinem Wesen am meisten an die Raubseeschwalbe. Er fischt mit
kräftigem Stoßen und Tauchen und frißt außer
Fischen auch Kopffüßer. Er nistet auf einsamen Inseln
und legt die Eier einfach auf den Boden unter Gebüsch, wo er
aber öfters beunruhigt wurde, in Höhlungen der Klippen.
Das einzige Ei ist lehmfarben, rötlich oder violett gezeichnet
und wird von beiden Eltern ausgebrütet. Die langen Federn des
Schwanzes dienen auf mehreren Inseln des südlichen Stillen
Meers zum Zierat; man erbeutet sie, indem man den Vogel auf dem
Nest fängt.
Tropisch, s. Tropen.
Troplong (spr. trolóng), Raymond Théodore,
franz. Jurist, geb. 8. Okt. 1795 zu St.-Gaudens, ward nacheinander
Staatsprokurator auf Corsica, Generaladvokat zu Bastia, Rat am
Pariser Kassationshof, 1848 erster Präsident des
Appellationshofs in Nancy, 30. Dez. 1852 erster Präsident des
Senats, 1. Febr. 1858 Mitglied des Geheimen Konseils und starb 1.
März 1869 in Paris. Sein Hauptwerk: "Le droit civil
expliqué suivant l'ordre des articles du Code " (Par.
1833-56, 28 Bde.), enthält eine Reihe von Monographien
über das französische Zivilrecht. Vgl. Dufour, T., son
oeuvre et sa méthode (Par. 1869).
Tropp (vom griech. tropos), die deklamierende,
psalmodierende Vortragsweise der Pentateuchabschnitte nach
bestimmten Accenten beim israelitischen Gottesdienst.
Troppau, vormaliges schles. Fürstentum, das jetzt
zum Teil den Troppauer Kreis von Österreichisch-Schlesien, zum
Teil den Leobschützer Kreis des preußischen
Regierungsbezirks Oppeln bildet. Der böhmische König
Ottokar II. erhob das Gebiet zum Fürstentum und verlieh es
1261 seinem natürlichen Sohne Nikolaus. Nachdem es unter
dessen Nachkommen 1377 in die Fürstentümer
Jägerndorf, Leobschütz und T. geteilt worden, fiel es
1460 durch Kauf an den König Podiebrad von Böhmen. Dessen
Sohn Viktorin überließ es durch Tauschvertrag 1485 an
Matthias Corvinus, dessen Sohn Johann Corvinus es 1501 aber wieder
an den König Wladislaw von Böhmen und Ungarn verkaufte,
der es 1511 der Krone Böhmen für immer einverleibte. 1526
ward es vom Erzherzog Ferdinand von Österreich als König
von Böhmen in Besitz genommen und teilte seitdem die Geschicke
Schlesiens. Mit Nichtbeachtung des Landesprivilegiums von 1511
verlieh es Kaiser Matthias 1613 als erbliches Mannlehen an das Haus
Liechtenstein, in dessen Besitz es noch jetzt ist. Vgl. Ens, Das
Oppaland (Wien 1835 bis 1837, 4 Bde.); Biermann, Geschichte der
Herzogtümer T. und Jägerndorf (Tesch. 1874).
Troppau (slaw. Opava), Hauptstadt von
Österreichisch-Schlesien wie ehemals von ganz Oberschlesien,
liegt 247 m ü. M. in lieblicher Ebene am rechten Ufer der
Oppa, welche unterhalb der Stadt die Mohra aufnimmt, nahe der
preußischen Grenze, an den Eisenbahnlinien T.-Jägerndorf
der Mährisch-Schlesischen Zentralbahn und T.-Schönbrunn
der Nordbahn, hat Vorstädte, mehrere schöne Plätze,
6 Kirchen, darunter die alte gotische Hauptpfarkirche und eine
evang. Kirche, ein altes Rathaus (neuerlich im gotischen Stil
umgebaut), ein fürstlich Liechtensteinsches Schloß, das
Landhaus, das Stadttheater, schöne Anlagen um die Stadt (an
Stelle der alten Wälle und Schanzen), eine Zuckerraffinerie,
Fabrikation von Tuch, Fes, Jutewaren, Hüten, Zündwaren,
Pottasche, Spiritus u. Likör, Bierbrauerei,
Ringofenziegeleien, Mühlen etc., eine Gasanstalt, lebhaften
Handelsverkehr, große Märkte u. (1880) mit 1273 Mann
Militär 20,562 Einw. T. ist Stadt mit eignem Gemeindestatut,
Sitz der Landesregierung und Landesvertretung, des Landesgerichts,
einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung), einer
Finanzdirektion, einer Handels- u. Gewerbekammer und hat ein
deutsches Obergymnasium und ein tschechisches Gymnasium, eine
Oberrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt,
eine Handelsschule, ein Landesmuseum, eine Bibliothek (35,500
Bände), eine Landeskranken- und Irrenanstalt und andre
Wohlthätigkeitsanstalten, eine Bodenkreditanstalt, eine
Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank und eine
Sparkasse. Jenseit der Oppa liegt das Dorf Katharein, mit
Rübenzuckerfabrik, Spiritusbrennerei und (1880) 4292 Einw. -
T. entwickelte sich als deutsche Ansiedelung in der Nähe der
Burg Gräz (Gradec), wird urkundlich zuerst 1195 genannt, 1224
erscheint es bereits als Stadt mit deutschem Recht. Hier ward 20.
Okt. bis 30. Sept. 1820 ein durch die neapolitanische Revolution
veranlaßter Fürstenkongreß abgehalten, auf welchem
sich die Monarchen von Österreich, Preußen und
Rußland zur Aufrechterhaltung des Zustandes von 1815 in
Europa verpflichteten. Die weitere Ordnung der neapolitanischen
Frage wurde dem Kongreß von Laibach (s. d.)
überlassen.
^[Wappen von Troppau.]
Troppo (ital.), zu sehr, z. B. Adagio no troppo, langsam,
doch nicht zu sehr.
Troquieren (franz., trokieren), s. v. w. barattieren (s.
d.).
Trosch., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung
für F. H. Troschel (s. d.).
Troschel, Franz Hermann, Zoolog, geb. 10. Okt. 1810 zu
Spandau, studierte seit 1831 in Berlin Mathematik und
Naturwissenschaft, fungierte 1835-49 als Lehrer an der
Königsstädter höhern Bürgerschule, habilitierte
sich 1844 an der Universität als Privatdozent für
Zoologie, nachdem er seit 1840 unter Lichtenstein eine
Kustedenstelle am zoologischen Museum bekleidet hatte, und folgte
1849 einem Ruf als Professor der Zoologie und der allgemeinen
Naturwissenschaft nach Bonn, wo er 6. Nov. 1882 starb. Er schrieb:
"System der Asteriden" (mit Joh. Müller, Braunschw. 1842);
"Horae ichthyologicae" (mit Joh. Müller, Berl. 1845-49, 3
Hefte); "Das Gebiß der Schnecken zur Begründung einer
natürlichen Klassifikation" (das. 1856-79, 2 Bde.). Nach dem
Tod Wiegmanns bearbeitete er die 2. Auflage von Wiegmann und Ruthes
"Handbuch der Zoologie" (7. Aufl., Berl. 1871). An den
Jahresberichten im "Archiv für Naturgeschichte" beteiligte er
sich seit 1837 (anfangs über Mollusken, später über
Fische, Amphibien, Säugetiere schreibend), und 1849
übernahm er die Redaktion des Archivs.
Trossachs, malerischer Paß in Schottland, zwischen
Callander am Teith und dem untern Ende des Loch Katrine.
Trosse, Schiffstaue, welche aus dünnen
Hanffäden (Kabelgarnen) hergestellt werden. Die Garne, welche
fast stets von gleicher Stärke sind, werden in
große-
867
Trossin - Troyes.
rer oder geringerer Zahl je nach der Stärke des Taues zu
Duchten zusammengedreht, und drei bis vier solcher Duchten liefern
beim Zusammenschlagen die T. Schlägt man drei Trossen in
entgegengesetzter Richtung zusammen, so erhält man ein Kabel,
als dessen Bestandteile die Trossen Kardeele heißen.
Trossin, Robert, Kupferstecher, geb. 14. Mai 1820 zu
Bromberg, widmete sich der Kupferstecherkunst von 1835 bis 1846 in
Berlin unter Buchhorn und Mandel. Schon seine erste
größere Arbeit, der italienische Fischerknabe nach
Magnus, zeigte eine gediegene Technik, die sich dann in den
Porträten von Alex. v. Humboldt und E. M. Arndt weiter
vervollkommte. 1850 wurde er zur Leitung der Kupferstecherschule
nach Königsberg berufen, wo die Blätter: Jephthas Tochter
nach Jul. Schrader, mehrere Porträte für die Ausgabe der
Werke Friedrichs d. Gr., der betende Mönch am Sarg Heinrichs
IV. nach Lessing, das Dilettantenquartett nach Hiddemann,
Sonntags-Nachmittag in einem schwäbischen Dorf nach Vautier,
Morgengruß nach Karl Becker, die Mater dolorosa nach Guido
Reni und die Vision des heil. Antonius nach Murillo (im Berliner
Museum) entstanden. 1885 siedelte er nach Berlin über, wo er
unter anderm Im Witwenschleier nach Defregger und das venezianische
Mädchen nach Savoldo (im Berliner Museum) stach.
Trostberg, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern,
Bezirksamt Traunstein, an der Alz, 502 m ü. M., hat 2
schöne Kirchen, ein Amtsgericht und (1885) 1235 kath.
Einwohner.
Trotha, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg,
Saalkreis, an der Saale und der Linie Halle-Zellerfeld der
Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, eine
Zuckerfabrik, eine chemische Fabrik, ein Farbenwerk, Schiffahrt und
(1885) 2878 Einw.
Trott (franz. trot), s. v. w. Trab, s. Gangarten des
Pferdes.
Trottel, s. v. w. Kretin.
Trottoir (franz., spr. -toahr, von trotter, traben), der
Fußweg zur Seite der städtischen Straßen, liegt
meist etwas höher als das Straßenpflaster, ist gegen
dieses durch größere Pflastersteine, besser durch
Bordschwellen aus Granit, Zementguß etc. abgegrenzt und
besitzt nach der Straße ein schwaches Gefalle. Das T. wird
mit kleinen Steinen (Mosaikpflaster), Klinkern oder sorgfältig
behauenen Steinen gepflastert, häufiger und besser mit
Steinplatten oder Asphalt belegt. Derartige Steige wurden bereits
in Pompeji angetroffen, und im Mittelalter legte man den
Bürgersteig in die Mitte der Straße.
Trotzendorf, s. Friedland, Valentin.
Trotzkopf, s. Klopfkäfer.
Troubadour (spr. trubaduhr), s. Provençalische
Litteratur.
Trousseau (franz., spr. trussoh), Schlüsselbund;
dann Aussteuer, Ausstattung einer Braut, insbesondere die von
Prinzessinnen.
Trouvère (spr. truwähr), in der nordfranz.
Litteratur des Mittelalters die Dichter und Erfinder von
Gesängen, die beim Vortrag derselben von den Weisen der
Jongleure (s. d.) begleitet wurden. Vgl. Französische
Litteratur, S. 591.
Trouville (spr. truwil, T. sur Mer), Stadt im franz.
Departement Calvados, Arrondissement Pont l'Evêque, an der
Mündung der Touques, über welche eine Brücke nach
dem gegenüberliegenden Seebadeort Deauville (s. d.)
führt, und an der Westbahnlinie Lisieux-T., hat ein
Hafenbassin, ein besuchtes Seebad (Lieblingsbad der vornehmen
Pariser), schöne Villen, Schiffahrt und (1886) 5749 Einw.