Trojanischer Krieg, der zwischen Griechen und

Kleinasiaten bei Troja nach der gewöhnlichen Annahme von 1193

bis 1184 v. Chr.geführte Krieg. Die Sage berichtet über

denselben: Als Paris, der zweite Sohn des Königs Priamos von

Troja, das Recht der Gastfreundschaft verletzend, des Königs

Menelaos von Sparta Gemahlin, die von Aphrodite ihm bestimmte

schöne Helena, entführt hatte, verweigerte Priamos der an

ihn geschickten Gesandtschaft deren Herausgabe. Darauf ward von den

griechischen Fürsten der Rachezug gegen Troja beschlossen. Die

hervorragendsten unter den Helden, welche sich zu Aulis in

Böotien versammelten, waren: Menelaos und dessen Bruder

Agamemnon, Odysseus, Diomedes, Achilleus, Patroklos, Nestor, Aias

der Oilier und Aias der Telamonier, Philoktetes und Idomeneus.

Agamemnon ward zum Oberanführer gewählt, und nach einigem

durch Windstille verursachten Aufenthalt (s. Iphigenie) segelte die

Flotte ab nach Kleinasiens Küste. Unterdes hatten aber auch

die Trojaner ihre Stadt befestigt. Ihre Bundesgenossen waren

Makedonier, Thraker, Assyrer, Äthiopier und ihr vornehmster

Held Hektor, des Priamos ältester Sohn. Neun Jahre lang

währte der Kampf ohne Entscheidung, und die Griechen

unternahmen während dessen zahlreiche

Plünderungszüge in Kleinasien. Im 10. Jahr brach der

Zwist zwischen Agamemnon und Achilleus aus, infolge dessen sich

dieser eine Zeitlang vom Kampf zurückzog und die Griechen

wiederholte Niederlagen erlitten. Schon rieten im Lager der

Griechen viele zum Rückzug, aber nach Achills Wiedereintritt

in den Kampf und dem Fall Hektors kam für Troja dennoch der

Tag des Untergangs. Infolge eines Orakelspruchs schlichen sich

Diomedes und Odysseus in die Stadt und entwendeten aus dem Tempel

der Athene das ihr geheiligte Bild (Palladium), das Schutzheiligtum

der Stadt, wodurch das Glück von den Trojanern wich. Hierauf

ließen die Griechen auf des Odysseus Rat ein kolossales

hölzernes Pferd erbauen, in dessen hohlem Bauch sich eine

auserlesene Schar verbarg. Die übrigen Griechen begaben sich

auf ihre Schiffe und fuhren in der Nacht davon. Als nun am andern

Tag die Trojaner das Griechenlager verlassen sahen, strömten

sie scharenweise aus der Stadt, sich wundernd über das

seltsame Ungeheuer, bis ihnen ein im nahen Schilf aufgefundener

Grieche, Sinon, berichtete, daß die über den Raub ihres

Heiligtums erzürnte Göttin Athene den Trojanern zum

Ersatz dies Pferd geschenkt habe. Des warnenden Laokoon Schicksal

beschwichtigte jeden Argwohn, es ward ein Stück der Mauer um

Troja eingelegt, der Koloß nach der Stadt gezogen und neben

dem Tempel der Athene aufgestellt. In der Nacht entstiegen die

Griechen dem Bauch des Pferdes, und die griechischen Schiffe

kehrten zurück. Ein allgemeines Blutbad begann, die Stadt ward

angezündet und geplündert. Nur einer kleinen Schar von

Trojanern unter der Anführung des Äneas gelang es, sich

durch die Flucht zu retten und in Italien eine neue Heimat zu

begründen. Viele der heimkehrenden Griechen fanden unterwegs

ihren Untergang; andre, namentlich Odysseus, erreichten erst nach

mancherlei Irrfahrten ihr Vaterland; noch andre fanden in der

Heimat ihre Herrschersitze von andern eingenommen, weshalb entweder

sie selbst oder ihre Söhne in fremden Ländern Kolonien

gründeten. Dies ist der Inhalt der Sage, wie sie uns in den

Homerischen Gedichten, vor allen in der Iliade, welche aber nur den

Zorn des Achilleus und den Tod Hektors erzählt, dann in den

Epen der Kykliker und nach diesen in Vergils Äneide

überliefert ist. Die griechischen Historiker haben den

Trojanischen Krieg für wirkliche Geschichte gehalten und ihn

als festen Punkt angenommen, an den sie ihre Zeitrechnung

anknüpften. Auch neuere Gelehrte nehmen wenigstens einen

historischen Kern der Sage an, während die Ansicht mehr

Wahrscheinlichkeit für sich hat, daß der Krieg nur ein

Spiegelbild der Kämpfe ist, welche die Äolier und

Achäer um 1050 v. Chr. bei der Kolonisation der

kleinasiatischen Küste mit den den Griechen stammverwandten

Dardanern am Hellespont zu bestehen hatten; an den Thaten ihrer

Vorfahren, welche sie in ihren Gesängen verherrlichten,

ermutigten und stärkten sich nicht nur die Hellenen in dem

langwierigen Kampf, sondern sie glaubten auch durch die Annahme

einer frühern Eroberung Trojas durch ihre Väter ein

Anrecht auf die begehrten Länder zu erwerben. Vgl. E.

Rückert, Trojas Ursprung, Blüte, Untergang (Gotha 1846),

und die Litteratur zu Troja; ferner Schneider, Der troische

Sagenkreis in der ältesten griechischen Kunst (Leipz.

1886).

Trokar (Troikart, v. franz. trois quarts), dolchartiges

chirurg. Instrument, das aus einem dreikantig zugespitzten Stilett

von Stahl mit Holzgriff und aus einer Metallhülse

zusammengesetzt ist, welche, über den Dolch gestreift, nur

dessen Spitze frei läßt. Man bedient sich des Trokars,

um aus natürlichen oder

861

Troki - Trollope.

krankhaften Körperhöhlen durch Punktion abnorme

Flüssigkeiten zu entleeren, da das Stilett, nachdem der

Einstich gemacht ist, herausgezogen wird. Durch die Röhre

können, wenn der Ausfluß beendet ist, auch Medikamente

eingespritzt werden. Anwendung findet der T. bei Wassersuchten

aller Art, Wasserbruch, Kropf, Brustfellentzündungen,

Echinokokkusblasen, Eierstocksgeschwülsten etc., auch zur

Entfernung der Luft aus dem durch zu viel frisches Futter

aufgeblähten Pansen der Wiederkäuer. Die Figuren zeigen

einen großen (1), zwei kleine (2 u. 3), einen Probetrokar (4)

und einen gebogenen T. (5).

[Trokare.]

Troki, Kreisstadt im litauisch-russ. Gouvernement Wilna,

an einem See, mit (1885) 2456 Einw.

Trokieren, s. Barattieren.

Troll, in der nord. Mythologie eine Art böser

Geister, Zauberwesen in Menschengestalt. Hübsche Sagen von

ihnen in Asbjörnsens "Norwegischen Volksmärchen" (Leipz.

1881).

Trollhättafälle, s. Götaelf.

Trollius L., Gattung aus der Familie der Ranunkulaceen,

Kräuter mit gelappten Blättern und einzeln stehenden,

großen, meist gelben Blüten. Von den neun in der

nördlichen gemäßigten Zone heimischen Arten kommt

T. europaeus L. (Trollblume, Glotzblume) auf Wiesen auch in

Deutschland vor, sie wird wie T. asiaticus L. mit orangegelben

Blüten, aus dem nördlichen Asien, und andre Arten in

Gärten als Zierpflanze kultiviert.

Trollope (spr. tróllop), 1) Frances, engl.

Schriftstellerin, geboren um 1779 zu Heckfield, Tochter des

dortigen Vikars Multon, verheiratete sich 1809 mit dem Advokaten

Thomas Anthony T., welcher 1835 starb. Eine Frucht ihres

dreijährigen Aufenthalts in Amerika war: "Domestic manners of

the Americans" (Lond. 1832, neue Ausg. 1849), worin sie

schonungslos und einseitig die Schwächen des amerikanischen

Volkscharakters rügt. Das Buch wurde mit begreiflicher

Entrüstung in Amerika aufgenommen, mag aber doch nicht ohne

Einfluß auf die fernere Entwickelung des amerikanischen

Charakters geblieben sein. Derselbe satirische Geist spricht aus

der Novelle "The refugee in America" (1830, 3 Bde.), während

sie indem Reisewerk "Belgium and Western Germany" (1833, 2 Bde.)

mehr Anerkennung für die Vorzüge dieser Länder

zeigt. Ihren Kampf mit den Amerikanern erneuerte sie in der Novelle

"The adventures of Jonathan Jefferson Whitlaw" (1836), welche das

Elend der farbigen Bevölkerung in den Sklavenstaaten Amerikas

schildert. Zugleich erschien: "Paris and the Parisians in 1835"

(1836, neue Ausg. 1842); darauf "The vicar of Wrexhill" (1836, neue

Ausg. 1860; deutsch, Aachen 1837, 3 Bde.), ihre beste Novelle, zwar

voll von Vorurteilen, jedoch auch voll trefflicher

Sittenschilderung, und ein neues Reisewerk: "Vienna and the

Austrians" (1838), worin sie sich weit vorurteilsvoller zeigt als

in jenem über Belgien. Es folgte eine Reihe von Novellen und

ein Reisebericht über Italien ("Visit to Italy". 1842, 2

Bde.). T. starb 6. Okt. 1863 in Florenz.

2) Thomas Adolphus, engl. Romanschriftsteller und

Kulturhistoriker, Sohn der vorigen, geb. 29. April 1810, studierte

in Oxford und nahm 1842 seinen dauernden Wohnsitz in Florenz, wo er

sich in vollem Maß in die italienischen Dinge einlebte,

für die er denn auch eine Autorität geworden ist. Er

veröffentlichte: "Girlhood of Catharine de Medici" (1856);

"Tuscany in 1849 and 1850" (1859); "A decade of Italian women"

(1859); "Paul the Pope and Paul the Friar" (1860); "Filippo

Strozzi: last days of old Italian liberty" (1860); "Lenten journey

in Umbria and the Marches", Reisebild (1882); "History of the

commonwealth of Florence", sein Hauptwerk (1865, 4 Bde.); "Papal

conclaves" (1876); eine vielfach angegriffene Geschichte des

Papstes Pius IX. (1877, 2 Bde.) u. a. Auch hat T. seine Studien

italienischen Volkslebens in Romanen niedergelegt, von denen wir

nennen: "La Beata" (1861), "Marietta" (1862), "Beppo the conscript"

(1864), "Gemma" (1866), "Durnton Abbey"^ (1871) und "Diamond cut

diamond" (1875), ein Gemälde italienischen Hirtenlebens, und

zuletzt das autobiographische Werk veröffentlicht: "What I

remember" (1887, 2 Bde.). - Seine Gattin Frances Eleanor T., seit

1866 mit ihm vermählt, hat ebenfalls eine Reihe von Romanen

veröffentlicht, so: "Aunt Margaret's trouble" (1866); "The

sacristan's household" (1876); "Veronica" (1876); "Black spirits

and whitte" (1877); "Like ships upon the sea" (1883); "My own

love-story" (1882); "That unfortunate marriage" (1888) u. a. Mit

ihrem Gatten gab sie "The homes and haunts of Italian poets" (1881,

2 Bde.), eine Reihe von anziehenden Aufsätzen, heraus.

3) Anthony, Bruder des vorigen, Romanschriftsteller, geb. 24.

April 1815, erhielt seine Erziehung in Winchester und Harrow und

bekleidete viele Jahre eine höhere Stellung in der englischen

Postverwaltung. Sein erster Roman: "The Macdermots of Ballycleran"

(1847), errang großen Erfolg, und hierdurch ermutigt, schritt

er rüstig vorwärts auf der eingeschlagenen Bahn,

englisches Leben und zwar vorzugsweise das Kleinleben der

höhern Stände in künstlerischen Gebilden

vorzuführen. Wir nennen von seinen angenehm und mit

großem Talent, aber ohne besondere Vertiefung geschriebenen

Romanen, deren Zahl sich auf etwa 80 Bande beläuft: "The

Kellys and the O'Kellys" (1848); "The Warden" (1855); "The three

clerks" (1857); "The Bertrams" (1859); "Castle Richmond" (1860),

ein Lebensbild aus dem südlichen Irland; "Rachel Ray" (1863);

"Sir Harry Hotspur of Humble Thwaite" (1870); "Lady Anna" (1874);

"The American senator" (1876); "Mr. Scarborough's family" (1883)

etc. Auch hat T., der in dienstlichen Angelegenheiten wiederholte

Reisen nach den Kolonien unternahm, viele Reiseschriften

veröffentlicht, so: "West Indies and Spanish main" (1859, 7.

Aufl. 1869), "Nortb America" (1862, 2 Bde.), "Travelling sketches"

(1866), "Australia and New Zealand" (1873), "South Africa" (4.

Aufl. 1878, 2 Bde.), "New South Wales and Queensland" (1874),

"Victoria and Tasmania" (1874) u. a. Er starb 6. Dez. 1882 in

London. Eine Ausgabe gesammelter Romane erschien 1871 in 11

Bänden. Vgl. seine "Autobiography" (Lond. 1883, 2 Bde.).

4) Francis, Pseudonym, s. Féval.

862

Tröltsch - Trommelsucht.

Tröltsch, 1) Eugen, Freiherr von, Kartograph, geb.

28. April 1828 zu Ulm, gehörte bis 1864 der

württembergischen Armee an und erhielt 1879 den Majorsrang. Er

gab Dislokationskarten der deutschen, französischen und

russischen Heere heraus und übernahm im Auftrag der Deutschen

Anthropologischen Gesellschaft den Entwurf der prähistorischen

Karte von Deutschland und Nachbarländern, von welcher bis

jetzt Südwestdeutschland und die Schweiz erschienen sind.

Außerdem veröffentlichte er das Werk "Fundstatistik der

vorrömischen Metallzeit im Rheingebiet" (Stuttg. 1884), eine

prähistorische Karte von Schwaben sowie eine Karte über

die Verbreitung der Werkzeuge aus Nephrit, Jadeit und

Chloromelanit. T. ist auch Mitarbeiter an dem im amtlichen Auftrag

von Paulus herausgegebenen Werk "Die Kunst- und Altertumsdenkmale

im Königreich Württemberg".

2) Anton Friedrich, Freiherr von, Mediziner, geb. 3. April 1829

zu Schwabach bei Nürnberg, studierte seit 1847 in Erlangen die

Rechte, seit 1848 in München Naturwissenschaft und 1849-53 in

Würzburg Medizin. Nachdem er sich noch in München mit

Chemie und Physik beschäftigt hatte, widmete er sich in Berlin

und Prag der Augenheilkunde und ging nach England und Irland, um

unter Toynbee und Wilde die Behandlung der Ohrenkrankheiten zu

studieren. Nach einem Winteraufenthalt in Paris kehrte er nach

Würzburg zurück und arbeitete hier über die Anatomie

des Trommelfells. 1857 begann er seine Praxis, welche er bald

ausschließlich auf Ohrenkrankheiten beschränkte. 1860

habilitierte er sich daselbst als Privatdozent, und 1864 wurde er

zum Professor ernannt. Einer der bedeutendsten Ohrenärzte der

Jetztzeit, hat T. die Ohrenheilkunde durch eigne wissenschaftliche

Untersuchungen wesentlich gefördert. Außer vielen

anatomischen Arbeiten lieferte er auch eine neue

Untersuchungsmethode des Ohrs, nämlich die mit reflektiertem

Tages- oder Lampenlicht mittels des von ihm angegebenen Reflektors,

eine Methode, welche zur Entwickelung der Ohrenheilkunde wesentlich

beigetragen hat und jetzt nahezu allgemein benutzt wird. T.

schrieb: "Die Anatomie des Ohrs in ihrer Anwendung auf die Praxis

und die Krankheiten des Gehörorgans" (Würzb. 1861);

"Lehrbuch der Ohrenkrankheiten" (das. 1862, 7. Aufl. 1881); "Die

chirurgischen Krankheiten des Ohrs" (in Pitha und Billroths

"Handbuch der Chirurgie", Erlang. 1866); "Krankheiten des

Gehörorgans im Kindesalter" (in Gerhardts "Handbuch der

Kinderkrankheiten", Tübing. 1870); "Gesammelte Beiträge

zur pathologischen Anatomie des Ohrs und zur Geschichte der

Ohrenheilkunde" (Leipz. 1883). Im J. 1864 begründete er das

"Archiv für Ohrenheilkunde", die erste Zeitschrift in diesem

Fach.

Tromba (ital.), s. v. w. Trompete; T. marina

(Meertrompete), s. Trumscheit.

Trombe (v. ital. tromba, Trompete), Wettersäule,

Windhose, Wasserhose, Sandhose, eine dunkle, oft ganz schmale

Säule, die sich wie ein Trichter (oder Trompete) von den

Wolken herabsenkt und an ihrem untern Ende, wenn sie über das

feste Land hinstreicht, Sand und andre leichte Gegenstände

aufhebt und in die Luft hinaufwirbelt (Sandhose), wenn sie

über dem Wasser sich bildet, dieses aufwühlt und unter

wirbelnder Bewegung gegen den von den Wolken herabhängenden

Trichter hinaufsaugt. Die Tromben stellen Tornados (s. d.) in

kleinerm Maßstab dar und sind oft von starkem Regen, zuweilen

auch von Hagel, Blitz und Donner begleitet. Sie bilden sich

vorzugsweise bei ruhiger und stark erwärmter Luft, als Wirkung

von aufsteigenden Luftströmen und zeigen sich fast

ausschließlich in der heißen Zeit des Jahrs. Die

drehende Bewegung der T. kann nach rechts, auch nach links sein,

und ihre Kraft ist oft so stark, daß Bäume entwurzelt

und Häuser abgedeckt werden. Vgl. Reye, Die Wirbelstürme

etc. (Hannov. 1872).

Trombidium, s. Milben; Trombidina (Pflanzenmilben),

Familie aus der Ordnung der Milben (s. d., S. 607).

Tromblon, s. Espingole.

Trombooue (ital.), s. v. w. Posaune.

Tromlitz, A. von, Pseudonym, s. Witzleben 1).

Trommel (ital. Tamburo, Cassa; franz. Tambour, Caisse;

engl. Drum), bekanntes Schlaginstrument, bestehend aus einem aus

Holzdauben gefügten oder blechernen Cylinder (dem sogen.

Sarg), der auf beiden offenen Enden mit einem Kalbfell bespannt

ist, das durch Holzreifen festgehalten wird. Die Holzreifen sind

durch eine im Zickzack gespannte Schnur miteinander verbunden,

durch deren schärferes Anziehen vermittelst Schlingen, welche

über je zwei Schnurstücke geschoben sind, der Ton der T.

heller gemacht werden kann. Auf dem einen Fell der T. wird mit

Klöppeln (Trommelstöcken, bei der großen T. mit

einem lederbezogenen Schlägel) geschlagen, über das andre

Fell ist eine Darmsaite (die Sangsaite) straff gezogen. Wird nun

die eine Membran in Schwingung versetzt, so tönt die andre mit

und zwar vermöge der immer erneuten Berührung mit der

Darmsaite stark schnarrend; ohne die Schnarrsaite ist der Ton kurz

und dumpf. Die T. wird nicht abgestimmt und daher wie die

übrigen Schlaginstrumente außer der Pauke nur dem

Rhythmus nach notiert. Der Trommelwirbel wird wie bei der Pauke auf

einer Linie als Triller oder Tremolo notiert. Die verschiedenen

Arten der T. sind: 1) Große T. (Gran tamburo, Grosse caisse,

Bass-drum), gewöhnlich mit den Becken vereinigt; 2) die

Rolltrommel (Caisse roulante), kleiner als die vorige, aber doch

noch größer als die 3) Militärtrommel, deren Ton

hell und durchdringend ist. Gegen frühere Zeiten werden die

Cylinder der Trommeln jetzt stark verkürzt, besonders bei der

Militärtrommel. Vgl. Kling, Trommelschule (Hannov. 1882).

Trommel, rotierender Hohlcylinder bei Krempel-,

Rauhmaschinen, Zentrifugen; auch eine cylindrische Scheibe zum

Aufwinden eines Seils etc. In der Architektur nennt man Trommeln

die einzelnen cylindrischen Blöcke von Haustein, aus welchen

Säulen zusammengesetzt werden.

Trommelfell, Trommelhöhle, s. Ohr, S. 349.

Trommelinduktor, s. Magnetelektrische Maschinen, S.

79.

Trommelrad, als Tympanum schon den Alten bekannte

Wasserhebemaschine, welche aus einem um eine hohle horizontale

Welle drehbaren Hohlcylinder besteht. Radiale Wände teilen

diesen in eine Anzahl Zellen, deren jede durch eine periphale

Schöpföffnung mit der Umgebung, durch eine

Ausgußöffnung in der hohlen Welle mit dieser

kommuniziert. Bei der Drehung dieses Rades tritt Wasser in die

unten gelegenen Zellen, wird dann bis zur Höhe der Achse

emporgehoben und entweicht durch diese in eine Rinne. Die

Schneckenräder, gleichfalls Tympanons genannt, haben statt der

durch radiale Scheidewände gebildeten Zellen spiralförmig

gebogene Gqnge, deren äußere Enden Wasser schöpfen

und dasselbe während der Drehung nach innen bis in die hohle

Achse und von da in ein Gerinne fließen lassen.

Trommelsucht, s. Blähungen und Aufblähen.

863

Trommsdorff - Trompete.

Trommsdorff, Johann Bartholomäus, Chemiker, geb. 8.

Mai 1770 zu Erfurt, erlernte in Weimar die Pharmazie, übernahm

1794 die Apotheke seines Vaters in Erfurt, erhielt 1795 an der

Universität daselbst die Professur der Chemie und Physik und

errichtete 1796 eine pharmazeutisch-chemische Lehranstalt, welche

bis 1828 blühte. 1823 wurde er Direktor der königlichen

Akademie zu Erfurt. Er starb 8. März 1837. Seine Hauptwerke

sind: das "Systematische Handbuch der Pharmazie" (Erf. 1792, 4.

Aufl. 1831); das "Systematische Handbuch der gesamten Chemie" (2.

Aufl., das. 1805-20, 8 Bde.); "Die chemische Rezeptierkunst" (5.

Aufl., Hamb. 1845); auch gab er das "Journal der Pharmazie" heraus

(1793-1817), das erste pharmazeutische Journal in Deutschland, bis

1834 als "Neues Journal der Pharmazie" fortgesetzt. Biographien

erschienen Kopenhagen 1834 und von Mensing (Erf. 1839).

Tromp, 1) Martin Harpertzoon, berühmter

holländ. Admiral, geb. 1597 zu Briel, trat jung in den

Seedienst, ward 1624 zum Fregattenkapitän ernannt und 1637 zum

Admiralleutnant und Befehlshaber eines Geschwaders von 11 Schiffen

befördert, mit dem er 18. Febr. 1639 auf der Höhe von

Gragelingen eine weit stärkere spanische Flotte schlug. Zum

Admiral ernannt, schlug er 21. Okt. 1639 eine spanische Flotte vor

den Dünen und eroberte 13 reichbeladene Gallionen. Nachdem er

jedoch 1652 durch einen Sturm im Kanal die Hälfte seiner

Flotte verloren, mußte er das Oberkommando an de Ruyter

abgeben, erhielt es aber noch in demselben Jahr zurück und

schlug 10. Dez. die englische Flotte unter Blake bei den

Dünen. 1653 bestand er im Verein mit de Ruyter einen

dreitägigen Kampf (28. Febr. bis 2. März) gegen die

überlegene englische Flotte und brachte die ihm zur Deckung

anvertrauten Handelsschiffe glücklich in den Hafen. Ein neuer

Angriff auf die englische Flotte 12. und 13. Juni mißlang.

Nachdem T. seine Flotte wiederhergestellt hatte, segelte er mit de

Ruyter an die Küste von Zeeland, zog hier noch 27 Schiffe

unter dem Admiral de With an sich und griff (8. Aug. 1653) bei

Ter-Heyde die 120 Schiffe zählende englische Flotte an. Er

durchbrach zwar die feindliche Linie, wurde aber vom Feind

umzingelt, von seiner Flotte abgeschnitten und fiel 10. Aug. tapfer

kämpfend, worauf die völlige Niederlage der

Niederländer den zweitägigen Kampf endete. Er soll in 33

Seetreffen gesiegt haben. In der Kirche zu Delft ward ihm ein

prächtiges Grabmal errichtet.

2) Cornelis, holländ. Seeheld, Sohn des vorigen, geb. 9.

Sept. 1629 zu Rotterdam, befehligte schon in seinem 19. Jahr ein

Schiff gegen die afrikanischen Seeräuber und ward zwei Jahre

später zum Konteradmiral befördert. Nach der

unglücklichen Schlacht bei Solebay (13. Juni 1665) rettete er

durch einen geschickten Rückzug die holländische Flotte

und ward von de Witt, obgleich Anhänger der oranischen Partei,

bis zu de Ruyters Rückkehr mit dem Oberbefehl betraut. In der

viertägigen Schlacht bei den Dünen (vom 11.-14. Juni

1666) focht er mit Auszeichnung, ward aber dann, als er im August

eine englische Flotte, die er geschlagen, zu hitzig verfolgte, von

der Hauptflotte abgeschnitten und, weil er in dieser Lage dem

Admiral de Ruyter nicht hatte zu Hilfe eilen können,

abberufen. Im Kriege gegen die verbündeten Mächte England

und Frankreich 1673 wieder zum Befehlshaber ernannt, bewährte

er in den drei blutigen Schlachten 7. und 14. Juni und 21. Aug.

sein Talent und seinen Mut in glänzendster Weise und erwarb

sich selbst auf gegnerischer Seite solche Achtung, daß ihn

König Karl II. von England nach Abschluß des Friedens

1675 zum Baronet ernannte. Hierauf führte T. eine Flotte zur

Unterstützung der Dänen gegen die Schweden und ward nach

de Ruyters Tod zum Oberbefehlshaber der Flotte der vereinigten

niederländischen Provinzen befördert. Er starb 29. Mai

1691 in Amsterdam und wurde zu Delft in dem Grabmal seines Vaters

beigesetzt.

Trompe, vorgekragte, eine Fläche doppelter

Krümmung bildende Wölbung, welche in der Architektur beim

Übergang aus einer Grundform in eine andre größere

oder mindestens mit einzelnen Teilen vor jener vorstehende

angewandt wird, wenn ein einzelner Kragstein nicht ausreicht. Man

unterscheidet äußere oder Ecktrompen und innere, Winkel-

oder Nischentrompen (s. Abbild.).

Tromper Wiek, Meerbusen an der Nordwestseite der Insel

Rügen, zwischen den Halbinseln Jasmund u.Wittow.

Trompete (ital. Tromba, franz. Trompette, engl. Trumpet),

bekanntes Blechblasinstrument, mit den Hörnern und Kornetts

eine Familie bildend und der Tonhöhe nach zwischen beiden die

Mitte haltend, d. h. T. ist das Oktavinstrument des Kornetts und

Kornett das der T. Die T. ist alt, spielte besonders in der

Militärmusik (Felttrummet) schon im Mittelalter eine Rolle.

Das entsprechende Instrument des Altertums war die Tuba, eine

gerade Metallröhre; die Kunst, Röhren zu winden, ist

jüngern Datums, und selbst noch die Trompeten des 16. Jahrh.

weisen keine in sich zurückgehenden, sondern nur

Schlangenlinien auf. Die moderne T. unterscheidet sich vom Horn

auch durch die Gestalt der Windungen, welche beim Horn mehr

kreisförmig, bei der T. dagegen gestreckter sind. Wie dem Horn

wird auch der T. durch Einsatzstücke eine verschiedenartige

Stimmung gegeben (in As, A, B, H, C, Des, D, Es, E, F, Fis, G und

hoch As). Die T. ist ziemlich eng mensuriert, ihr tiefster Eigenton

daher nicht zu brauchen (nur bei den höchsten Trompetenarten

von der in F ab), und auch der zweite Partialton ist bei den

tiefsten Arten (bis zu der in B) noch von schlechtem Klang. Notiert

wird für die T. wie für das Horn (transponierend), nur

klingt die T. eine Oktave höher als das Horn, d. h. ein c''

für F-Horn geschrieben klingt wie f'; für F-T. dagegen

wie f''. Der Umfang der T. in der Höhe ist für alle Arten

ungefähr derselbe, nämlich der wie: [s. Bildansicht]

klingende Ton; nur virtuose Bläser beherrschen mit Sicherheit

höhere Töne. Der Klang der T. ist scharf und

durchdringend, im Verein mit andern Blechblasinstrumenten

glänzend und festlich und dann berufenes Melodieninstrument;

dagegen klingt eine Trompetenmelodie, die nicht durch andre

Blechinstrumente gedeckt oder sehr getragen ist, gemein. Wagner

schrieb stets für drei Trompeten, um vollständige

Dreiklänge mit Instrumenten derselben Klangfarbe geben zu

können. Im Symphonieorchester, wo in der Regel nur zwei

Trompeten zu finden sind, bilden diese bald mit den Hörnern,

bald (im Gegensatz zu den vier Hörnern) mit den Posaunen eine

selbständige Gruppe. Die Naturtrompeten verschwinden jetzt

mehr und mehr vor den Ventiltrompeten, die wie die

Ventilhörner durch Ventile (Cylinder, Pistons etc.) die

Tonhöhe der Naturskala zu verschieben gestatten. Die

Ventil-

864

Trompetenbaum - Tropen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 249 / 302 段