bei welcher die Knollen Löcher zeigen, die häufig mit
gelben oder violetten Pilzmassen ausgekleidet sind, und das
gebräunte, zuckerhaltige Gewebe zunderartig locker erscheint.
Die Schale ist meist besetzt mit weißlichen, dichten, etwas
fleischigen Pilzpolstern. Die T. steht in engster Beziehung zur
Naßfäule (s. d.), hat aber mit der durch Peronospora
infestans erzeugten Kartoffelkrankheit nichts zu thun und wird
wahrscheinlich durch Bakterien hervorgerufen. Die Schimmelpilze
siedeln sich erst später an. Die T. trat zuerst 1830 in der
Eifel auf, verbreitete sich bis 1842 mit zunehmender Heftigkeit und
ist seitdem mehr zurückgetreten.
Trockenfrüchte, nich taufspringende
Pflanzenfrüchte, welche keine saftig-fleischige
Fruchthülle haben, wie die Achene (s. d.) und die Nuß
(s. d.).
Trockenmaschine, Vorrichtung zum Trocknen der Gewebe
mittels Wärme, nachdem dieselben gewaschen, gestärkt,
gefärbt oder bedruckt sind. Die Trockenmaschinen führen
ununterbrochen heiße, trockne Luft über die Zeuge oder
bringen letztere mit heißen Körpern in Berührung.
Bei der ersten Anordnung ist der Stoff entweder in einen
horizontalen Rahmen gespannt, der über einen langen Kasten
hinweg bewegt wird, während ein Flügelgebläse
heiße Luft von unten gegen das Zeug treibt
(Rahmentrockenmaschine), oder das letztere wird im Zickzack
über Walzen gezogen, die in geschlossenen Stuben liegen, durch
welche mittels Exhaustoren heiße Luft hindurch gesogen wird.
Bei der zweiten Anordnung benutzt man ausschließlich 3-15 mit
Dampf geheizte, horizontale Drehtrommeln aus Kupfer, mit welchen
der zu trocknende Stoff sich bewegt (Trommel-T.), wie bei der
Papiermaschine (s. Papier, S. 676) beschrieben wurde.
Trockenobst, s. Obst, S. 310.
Trockenöl, s. v. w. Sikkativ.
Trocknen (Austrocknen), Operation, welche die Entfernung
von Wasser aus einer Substanz bezweckt. Sehr wasserreiche
Substanzen werden oft durch eine besondere Operation zunächst
von einem Teil ihres Wassergehalts befreit (entwässert) und
dann erst mehr oder weniger vollständig getrocknet. Da Wasser
schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunstet, so trocknen
viele Körper beim Liegen an der Luft, verlieren aber hierbei
ihren Wassergehalt stets nur bis zu einem gewissen, von der
Temperatur, der Feuchtigkeit der Luft, der Stärke des
Luftwechsels und von ihrer eignen Beschaffenheit abhängigen
Grad, sie werden lufttrocken und können durch Erhitzen oder
andre Mittel vollständig getrocknet werden. Die wenigsten
Körper verharren indes im Zustand völliger Trockenheit,
nehmen vielmehr aus der Luft alsbald wieder Feuchtigkeit auf und
folgen den Schwankungen des Wassergehalts der Luft. Zum
Entwässern dienen je nach der Natur des zu behandelnden
Stoffes verschiedene Vorrichtungen. Am häufigsten benutzt man
Pressen, oft aber auch Walzen, die häufig mit Filz oder
Kautschuk überzogen werden. Den zu entwässernden Stoff
leitet man auf endlosem Sieb oder Tuch den Walzen zu und erreicht
auf diese Weise die Möglichkeit kontinuierlichen Arbeitens.
Für viele Zwecke eignen sich vortrefflich die
Zentrifugalmaschinen (Hydroextrakteure), die z. B. zum
Entwässern von Geweben und breiförmigen Substanzen
857
Trocknen (Trockenvorrichtungen).
sehr häufig angewandt werden. Letztere verarbeitet man auch
häufig auf Filterpressen. Mit Wasser durchtränkte Pulver
(Niederschläge) bringt man auf ein geeignetes
Filtriermaterial, welches z. B. auf einer Schicht von
Schamottesteinen ausgebreitet ist, und verdünnt die unter
letztern befindliche Luft, indem man den Kasten, in welchem die
Schamottesteine liegen, mit einer Luftpumpe oder mit einem
Dampfkessel verbindet, der mit Dampf gefüllt und nach
Austreibung der Luft verschlossen und abgekühlt wird
(Vakuumfilter). In ähnlicher Weise entwässert man
kristallinische Massen, indem man sie in konische, an der Spitze
durchlöcherte Blechformen bringt und diese auf einen
Nutschapparat stellt. Letzterer besteht aus horizontal liegenden
Röhren mit zahlreichen kleinen Stutzen, in welche die Spitzen
der Formen luftdicht passen. Ist der ganze Apparat mit Formen
bestellt, so wird er mit einer Luftpumpe in Verbindung gebracht,
welche die zwischen den Kristallen befindliche Flüssigkeit
absaugt. Bisweilen legt man auch die breiartige Masse auf
poröse Platten aus gebranntem Thon oder Gips, und in manchen
Fällen erlaubt die Natur der zu entwässernden Substanz
das Erhitzen in Pfannen, um das Wasser zu verdampfen.
Vorrichtungen zum T. an der Luft sind in der Regel sehr einfach:
Gewebe werden völlig ausgebreitet aufgehangen, knetbare Massen
bringt man in Ziegelform, die auf Stellagen in luftigen Schuppen
aufgestellt werden, und andre Materialien, wie z. B. Leimtafeln,
legt man auf Netze, die in Rahmen ausgespannt sind. Das T. an der
Luft ist aber der wechselnden Witterungsverhältnisse halber
wenig praktisch, und man wendet deshalb ganz allgemein
künstliche Trockenvorrichtungen an, die je nach der Natur der
zu trocknenden Substanz und der zu erzeugenden Temperatur sehr
verschieden konstruiert sind. Ist Temperaturerhöhung
überhaupt ausgeschlossen, so ist man meist auf die
Herbeiführung starken Luftwechsels, wie auf den
Trockenböden oder durch Ventilatoren, beschränkt, da die
Anwendbarkeit hygroskopischer Substanzen eine eng begrenzt ist.
Beim Arbeiten im kleinen benutzt man einen Exsikkator, eine
Glasglocke mit abgeschliffenem Rande, die man auf eine matt
geschliffene Glasplatte stellt. Unter die Glocke bringt man eine
flache Schale mit konzentrierter Schwefelsäure oder
Chlorcalcium und auf einen Dreifuß aus Draht oder
Glasstäben eine Porzellanschale, in welche die zu trocknende
Substanz gelegt wird. In ähnlicher Weise kann man einen gut
schließenden Kasten oder Schrank zum T. von Zigarren
anwenden.
Bei den Trockenvorrichtungen mit erwärmter Luft hat man zu
unterscheiden, ob die Substanz in dem Trockenraum unverändert
an einer Stelle verbleibt oder ihren Platz wechselt. Ersteres
geschieht z. B. in den Trockenstuben der Zuckerfabriken, in welchen
Gestelle angebracht sind, um sie bis zur Decke mit Zuckerbroten
füllen zu können. Nahe am Boden liegen
Dampfheizröhren und sind Öffnungen angebracht, durch
welche trockne Luft einströmt, während die feuchte Luft
durch Öffnungen in der Decke abzieht. Die Heizung solcher
Trockenkammern, in welchen das Material auch auf Horden
ausgebreitet werden kann, geschieht auch durch Röhren, welche
von den abziehenden Feuerungsgasen durchströmt werden, durch
heiße Luft. durch Kanäle mit eigner Feuerung etc.
Bisweilen kann man auch die Feuerungsgase direkt zum T. benutzen,
wie in manchen Malzdarren und in den Holzdarröfen, welche aus
langen Kanälen zur Aufnahme des Holzes bestehen, vor denen die
Feuerung angebracht ist. Um in diesem Fall das Überschlagen
der Flamme, Funkenfliegen und Schwärzung des Holzes durch
Ruß zu vermeiden, hat man eine Feuerung konstruiert, bei
welcher die Verbrennung von oben nach unten fortschreitet und die
Verbrennungsgase durch das Brennmaterial und den Rost strömen
und dann aufwärts über eine Mauer steigen müssen, um
zu dem zu trocknenden Holze zu gelangen. Der Eingang zur Esse liegt
am andern Ende des Trockenraums am Boden. Pulverförmige
Materialien werden häufig in Pfannen oder auf Herden aus
Eisenblech, Kalksteinplatten od. dgl. getrocknet, welche man mit
aus Abdampfpfannen entweichenden Dämpfen oder mit
Feuerungsgasen, nachdem sie unter Abdampfpfannen zirkuliert haben,
heizt. Die Feuerungsgase geben eine höhere Temperatur als
Dampf. Bei der Kastentrocknung bringt man die zu trocknende
Substanz auf Horden, die den Boden eines Kastens bilden, leitet
durch eiserne Röhren, welche auf irgend eine Weise erhitzt
werden, warme, trockne Luft unter die Horden, so daß dieselbe
das zu trocknende Material durchströmt, und läßt
sie über demselben durch die Esse entweichen. Ähnlich
sind Malzdarren konstruiert, bei welchen das Malz auf einem
horizontalen Drahtgeflecht, auf durchlochtem Blech etc.
ausgebreitet wird. Unter diesem Boden liegen Röhren oder
Kanäle, die von heißer Luft durchströmt werden, und
zwischen denselben steigt die Luft auf, welche die Malzschicht
durchdringen soll. Vorteilhaft bringt man über der letztern
noch eine oder zwei Darrflächen an, welche von der warmen,
noch nicht völlig mit Dampf gesättigten Luft, die von der
ersten Darrfläche aufsteigt, durchströmt werden
müssen. Sehr beschleunigt wird das T., wenn man die
Verdampfung des Wassers und die Ableitung der gebildeten
Dämpfe durch Anwendung einer Luftpumpe befördert. Man
bringt die zu trocknende Substanz in luftdicht verschließbare
eiserne Gefäße, erhitzt diese von außen durch
Dampf und setzt sie dann mit einer Luftpumpe in Verbindung. Hat man
brei- oder pulverförmige Substanzen zu trocknen, so muß
man durch Umrühren für beständige Erneuerung der
Oberfläche sorgen. Beim T. der Exkremente werden dieselben
zunächst im Vakuum zu dickem Brei eingedampft, den man durch
langsam rotierende Bürsten auf mit Dampf gegeheizte kupferne
Walzen in dünnen Lagen aufträgt. Während die Walzen
sich langsam umdrehen, trocknet die Masse und wird durch andre
kleine, mit Spitzen besetzte Walzen von der Trockenwalze
abgelöst und in Pulver verwandelt. Ein sehr brauchbarer
Apparat zum T. von Salz besteht aus sechs übereinander
zwischen vier Säulen angebrachten hohlen und durch Dampf
heizbaren Scheiben, durch welche eine rotierende vertikale Welle
hindurchgeht. An dieser Welle sind Rührapparate befestigt, die
das Salz abwechselnd nach der Peripherie und der Mitte der Scheibe
befördern, von wo es durch Löcher von einer Scheibe auf
die andre gelangt. Außerdem rollt auf der dritten und der
letzten Scheibe eine Walze, welche Salzklümpchen zerkleinert.
Dieser Apparat gestattet kontinuierliche Arbeit ebenso wie die
Malzdarren mit mehreren Darrflächen, bei denen das Malz von
der obersten allmählich auf die unterste und heißeste
Darrstäche gelangt. Ein ähnliches Prinzip findet bei den
Trockenapparaten Anwendung, bei welchen heiße Luft einen
langen Kanal durchströmt, während die zu trocknende
Substanz in Behältern oder auf endlosen Tüchern oder
Ketten durch den Kanal dem Luftstrom entgegengeführt wird.
Dies muß so langsam geschehen, daß sie völlig
getrocknet am heißesten Ende des Kanals anlangt. Gewebe
werden auch über Walzen durch einen geheizten Raum
858
Trockner Wechsel - Troizko-Sergiewsches Kloster.
geleitet, oder man leitet sie wie auch das Papier über
hohle, durch Einleiten von Dampf erhitzte Walzen (vgl.
Trockenmaschine). Derartige Walzen kann man auch zum T. von Pulver
benutzen, wenn man dies auf endlosen Tüchern über die
Walzen leitet. - Zum T. von Flüssigkeiten genügt
anhaltendes Erhitzen, wenn der Siedepunkt der betreffenden
Flüssigkeit bedeutend höher liegt als der des Wassers.
Flüchtige Flüssigkeiten kann man vorteilhaft destillieren
und unter Anwendung von Rektifikatoren und Dephlegmatoren, wie sie
zur Trennung des Alkohols vom Wasser in der Spiritusfabrikation
benutzt werden, vom Wassergehalt befreien. Ein vollständiges
T. erreicht man indes auf diese Weise in der Regel nicht, vielmehr
muß man zur Entfernung der letzten Spuren von Wasser
hygroskopische Substanzen anwenden, welche bei längerm
Verweilen in der Flüssigkeit die Feuchtigkeit vollständig
absorbieren. Oft führt nur wiederholte Destillation über
solche Substanzen zum Ziel. Die Auswahl der letztern richtet sich
nach der Natur der Flüssigkeit, die nicht chemisch auf die
Trockensubstanz einwirken darf. Am häufigsten benutzt man
Chlorcalcium, gebrannten Kalk, wasserfreies kohlensaures Kali oder
schwefelsaures Kupferoxyd, wassersreie Oxalsäure,
Phosphorsäureanhydrid etc. - Gase verlieren den
größten Teil ihres Wassergehalts durch starkes
Abkühlen in einer Röhrenleitung von hinreichender
Länge (vgl. Leuchtgas, S. 734). Wo dies nicht genügt,
kann man sie durch Trockenröhren leiten, welche mit
porösem Chlorcalcium gefüllt sind, oder durch
konzentrierte Schwefelsäure. Man befeuchtet mit letzterer auch
Bimsstein, den man in Röhren füllt, oder läßt
die Schwefelsäure in einem mit Koks gefüllten Turm in
gleichmäßiger Verteilung herabfließen,
während das Gas unten in den Turm eintritt und der Säure
entgegenströmt.
Trockner Wechsel, s. Wechsel.
Trockner Weg, s. Nasser Weg.
Troctes, Bücherlaus.
Troddelblume, s. Soldanella.
Trödelhandel (Trödelgewerbe), Kleinhandel,
durch welchen gebrauchte Sachen (gebrauchte Kleider, Betten,
Wäsche, altes Metallgerät, Metallbruch u. dgl.) umgesetzt
werden. Mit Rücksicht darauf, daß der T. leicht zur
Hehlerei mißbraucht werden kann, ist in der deutschen
Gewerbeordnung (§ 35) bestimmt, daß dieser Handel
untersagt werden kann, wenn Thatsachen vorliegen, welche die
Unzuverlässigkeit des Gewerbtreibenden in Bezug auf diesen
Gewerbebetrieb darthun. Im Umherziehen darf der T. nicht
ausgeübt werden (deutsche Gewerbeordnung, § 56, Ziffer
2).
Trödelvertrag (Contractus aestimatorius), der
Vertrag, vermöge dessen jemand einem andern eine Sache mit der
Auflage übergibt, nach einer gewissen Zeit entweder diese
Sache zurückzugeben, oder einen bestimmten Geldbetrag
dafür zu überliefern. Die Übergabe jener Sache
erfolgt in der Erwartung, daß der Trödler dieselbe zu
verkaufen suchen werde. Ein etwaniger Mehrerlös kommt, wenn
nichts andres verabredet war, dem Trödler zu gute.
Trogen, Dorf und gewissermaßen Hauptort des
schweizer. Halbkantons Appenzell-Außer-Roden, am Fuß
des Gäbris, mit Kantonschule, Baumwollweberei,
Musselinstickerei und (1880) 2629 Einw.; ist mit Hundwyl
abwechselnd Sitz der Landsgemeinde, zugleich Sitz des
Obergerichts.
Troglodyten (griech., Höhlenbewohner), allgemeine
Bezeichnung auf einer niedrigen Kulturstufe stehender Völker,
welche in bloßen Erdhütten oder Höhlen wohnten.
Troglodytenland (Troglodytica) hieß insbesondere die
Küste des heutigen Abessinien von Berenike nach S. zu.
Troglodytes, Schimpanse.
Troglodytes, Vogel, s. v. w. Zaunkönig;
Troglodytidae (Schlüpfer), Familie der Sperlingsvögel (s.
d. 3).
Trogons (Trogonidae), s. Klettervögel (12).
Trogus Pompejus (oder in richtigerer Ordnung Pompejus
Trogus), röm. Geschichtschreiber zur Zeit des Augustus,
stammte aus Gallien, schrieb eine Universalgeschichte von
Erschaffung der Welt bis auf seine Zeit, welche den Namen
"Historiae Philippicae" führte, weil die Geschichte des
makedonischen Reichs und der mit diesem in Zusammenhang stehenden
Völker den Hauptinhalt bildete. Nur die "Prologi" zu den 44
Büchern (hrsg. von Grauert, Münst. 1827; nebst einigen
andern, meist als unecht erwiesenen Fragmenten von Bielowski, Lemb.
1853) und der Auszug des Justinus (s. d. 1) sind auf uns
gekommen.
Troika (russ.), s. Kibitka.
Troikart, s. Trokar.
Troilit, Mineral, Bestandteil vieler Meteoriten, besteht
aus Schwefeleisen FeS.
Troilos, der von Achilleus getötete jüngste
Sohn des Priamos und der Hekabe.
Troina, Stadt in der ital. Provinz Catania (Sizilien),
Kreis Nicosia, auf einem Felskamm, 1113 m ü. M., nahe am
Fluß T., einem Zufluß des Simeto, gelegen, hat Reste
des antiken Imachara, Mützen- und Strumpfwirkerei und (1881)
10,072 Einw. T. ward 1062 von den Normannen unter Roger eingenommen
und erhielt 1078 das erste katholische Bistum in Sizilien.
Trois Rivières (spr. troa riwjähr, auch Three
Rivers, "drei Flüsse"), Stadt in der britisch-amerikan.
Provinz Quebec, an der Mündung des St. Maurice in den St.
Lorenzstrom, hat Eisengießerei, Sägemühlen,
lebhaften Holzhandel und (1881) 9296 Einw.
Troizk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Orenburg, am Ui
und der Uwelka, hat 3 griech. Kirchen, 2 Moscheen, besuchte Messen,
ein Gymnasium und ein weibliches Progymnasium, einen großen
Kaufhof und (1885) 18,497 Einw., welche lebhaften Tauschhandel mit
den Kirgisen treiben.
Troizkosawsk, russ. Grenzfestung im sibirischen Gebiet
Transbaikalien, Sitz des Befehlshabers der Transbaikalischen
Kosaken, ein großer wohlgebauter Ort mit Kirchen und
steinernen Gebäuden, freundlich und schmuck wie keine andre
sibirische Stadt, nur 4 km nördlich von dem tiefer gelegenen
Kiachta (s. d.), hat eine Realschule, ein weibliches Progymnasium
und (1885) 6117 Einw.
Troizko-Sergiewsches Kloster (Troiza Lawra Sergiew,
"Dreieinigkeitskloster des heil. Sergius"), das größte,
reichste und geschichtlich berühmteste Kloster des russischen
Reichs, im Gouvernement Moskau, 70 km von Moskau, an der Eisenbahn
Moskau-Jaroslaw gelegen. Dasselbe gleicht, mit hohen Mauern,
Wällen und Gräben umgeben, einer Festung und enthält
einen kaiserlichen Palast, die Wohnung des Metropoliten und des
Archimandriten, 11 Kirchen und Kapellen, eine geistliche Akademie
mit wertvoller Bibliothek, ein theologisches Seminar, eine
Elementarschule für arme Kinder, ein großes Kaufhaus,
große Gärten etc. Die größte und
schönste Kirche ist die der Verklärung Mariä
gewidmete Uspenskikathedrale mit fünf Goldkuppeln und den
Grabmälern geschichtlich berühmter Männer und
Frauen. Die kleine Kirche der Dreieinigkeit (Troizky Chram)
enthält den silbernen, mit Edelsteinen ge-
859
Troja.
schmückten Sarkophag des heil. Sergius. Das Kloster soll
einen Schatz von 600 Mill. Silberrubel besitzen und hatte 1764 zur
Zeit der Einziehung der Klostergüter 106,608 leibeigne Bauern.
Die Zahl der dahin Wallfahrenden beträgt jährlich fast
eine Million. - Das Kloster ward 1338 vom heil. Sergius unter der
Regierung Simeons des Stolzen erbaut und ist den Russen als Ort
wichtiger Begebenheiten heilig. Hier segnete Sergius 1380 den
Großfürsten Dmitrij, als er in den Kampf gegen Mamai
zog; in der Regierungszeit des Wasilij Schuiskij wurde es vom 29.
Sept. 1608 bis 12. Jan. 1610 von den Polen unter Lisowski und dem
Hetman Sapieha und wieder 1615 von dem polnischen Prinzen Wladislaw
vergeblich belagert. Hier fanden 1685 die Zaren Iwan und Peter vor
den aufständischen Strelitzen Schutz, und letzterer machte von
hier aus der Herrschaft seiner Schwester Sophia ein Ende. Vgl.
Philareth, La vie de saint Serge (a. d. Ruff., Petersb. 1841).
Troja (Ilion, Ilios), mythische Hauptstadt des Volkes der
Troer in der Landschaft Troas (s. d.), am Fuß einer
Anhöhe des Ida an oder in der Küstenebene des Skamandros
(heute Menderes) gelegen, war mit starken Mauern umgeben und wurde
durch die feste, auf der Spitze der Anhöhe liegende Burg
Pergamos beschützt, in welcher sich sämtliche Tempel, vor
allen der der Pallas gewidmete Haupttempel, befanden. Nach der
gewöhnlichen Annahme wurde T. 1184 (nach andern 1127) v. Chr.
von den Griechen zerstört (s. Trojanischer Krieg). Die Lage
dieses ältesten Homerischen T. wurde seit Le Chevalier, der
1785-86 die troische Ebene besuchte, auf dem Felsen von Bunarbaschi
(144 m ü. M.) gesucht, wo einige aus Feldsteinen
aufgeschüttete Hügel als "Grab des Priamos", "Grab des
Hektor" etc. bezeichnet werden. Die dort vorhandenen Mauerreste
stammen jedoch nach Schliemann meist erst aus hellenistischer Zeit;
sie gehören einer Burg an, welche mit einer gegenüber,
auf der andern Seite des Skamandros gelegenen Burg das
Flußthal beherrschte. Weiter unterhalb macht der Menderes
(Skamandros) eine Biegung nach WNW.; ihm parallel zieht sich weiter
nördlich der Kalafatli-Asmak (das alte Bett des Skamandros)
hin. Auf dessen nordöstlichem Ufer erhebt sich eine zweite
Anhöhe, welche nordwärts zum Thal des Dumbrek-Tschai (des
alten Simoeis) abfällt; es ist die Höhe von Hissarlyk, 50
m ü. M., 35 m über der Ebene. Hier war zur Zeit, als in
Lydien die Mermnaden herrschten (689-546 v.Chr.), also vor der
Unterwerfung Kleinasiens durch die Perser und lange nach der
Zerstörung Trojas, ein neues äolisches Ilion entstanden,
das in der Römerzeit eine gewisse Bedeutung erlangte (Reste
eines Athenetempels und eines Thorgebäudes), aber
gegenwärtig in Trümmern liegt. Schliemann (s. d.) hat nun
durch fortgesetzte, in den Jahren 1870-82 vorgenommene Ausgrabungen
nachgewiesen, daß auf dem die Ebene um 18 m überragenden
Felsen von Hissarlyk sieben verschiedene untergegangene
"Städte" (richtiger Burgen) übereinander gelegen haben.
In der zweiten von ihnen, etwa 7-10 m unter der jetzigen
Oberfläche glaubt er die Burg der Homerischen Stadt entdeckt
zu haben, eine Annahme, die darin eine Stütze findet,
daß die Trümmer von einer starken Schicht von
Brandschutt überdeckt sind. Schliemanns Ausgrabungen (s.
obenstehende Kärtchen) erstrecken sich auf mehrere Thore im S.
und W. der Burg, die Mauern auf der Süd- und Westseite, zwei
kleinere Gebäude, welche für Teile des ehemaligen
Königspalastes gelten dürfen. Von weit höherer
Bedeutung ist der sogen. Große Schatz, welcher unweit des
Südwestthors in der obern Lehmziegelmauer gefunden wurde. Er
enthält außer vielen Kupfergeräten eine Menge
Gefäße (Becher, Schalen) und Schmuckgegenstände
(Ketten, Armbänder,
[Kärtchen der Ebene von Troja.]
[Plan von Troja (Ausgrabungen Schliemanns).]
860
Troja - Trokar.
Diademe, Ringe) aus Gold und Silber, welche eine dem 2.
Jahrtausend v. Chr. angehörende Kulturstufe kennzeichnen. Sie
sind zum größten Teil in das Museum für
Völkerkunde zu Berlin, wenige ins türkische Museum im
Serail zu Konstantinopel oder in Schliemanns Haus in Athen gelangt.
Schliemanns Hypothese fand sofort die Anerkennung englischer
Forscher, die deutschen wiesen sie zunächst zurück, wie
z. B. R. Hercher, der noch 1876 behauptete, daß Homers
Schilderung rein dichterisch die natürlichen Verhältnisse
umgestaltet habe und durchaus nicht mit der wirklichen
Örtlichkeit zu vereinigen sei. Erst neuerdings hat Schliemann
auch in Deutschland mehr und mehr Anklang gefunden. Aus der
reichhaltigen Litteratur über T. vgl. außer den
ältern Werken von Le Chevalier ("Voyage de la Troade", 3.
Aufl., Par. 1802, 3 Bde.), Webb ("Topographie de la Troade", das.
1844), Forchhammer (Frankf. a. M. 1850), Clarke (Edinb. 1863)
hauptsächlich die Veröffentlichungen Schliemanns:
"Trojanische Altertümer" (Leipz. 1874), "Ilios" (das. 1881),
"Reise in der Troas" (das. 1881), "Troja" (das. 1883); ferner
Christ, Topographie der trojanischen Ebene und die Homerische Frage
(Münch. 1874); Eckenbrecher, Die Lage des Homerischen T.
(Düsseld.1875); O. Keller, Die Entdeckung Ilions zu Hissarlik
(Freiburg 1875); Steitz, Die Lage des Homerischen T.
("Jabrbücher für klassische Philologie" 1875); Hercher,
Über die Homerische Ebene von T. (Berl. 1876); Ed. Meyer,
Geschichte von Troas (Leipz. 1877); E. Brentano: Alt-Ilion im
Dumbrekthal (Heilbr. 1877), Zur Lösung der trojanischen Frage
(das. 1881), T. und Neu-Ilion (das. 1882); Virchow, Beiträge
zur Landeskunde der Troas (Berl. 1880).
Troja, Stadt in der ital. Provinz Foggia, Kreis Bovino,
am Celone, Bischofsitz, hat ein geistliches Seminar, eine 1093
gegründete schöne Kathedrale und (1881) 6722 Einw. T.
ward im 10. Jahrh. von Griechen angelegt; hier 1462 Sieg Ferdinands
I von Aragonien über die Anhänger des Herzogs von
Anjou.
Trojan, Kreishauptstadt in Bulgarien, am Osem
südlich von Lowatz im Balkan gelegen, 400 m ü. M., mit
(1881) 6301 Einw., welche hauptsächlich Viehzucht, Acker- und
Obstbau treiben.