Trissino, Giovanni Giorgio, ital. Dichter und Gelehrter,

geb. 8. Juni 1478 zu Vicenza, lebte unter den Päpsten Leo X.

und Clemens VII. als päpstlicher Nunzius längere Zeit in

Venedig und Wien und starb 1550 in Rom. Er ist besonders bekannt

als Verfasser der "Sofonisba" (Rom 1524; mit den Anmerkungen von T.

Tasso hrsg. von Paglierani, Bologna 1885; deutsch von Feit,

Lübeck 1888), der ältesten regelmäßigen

Tragödie der Italiener. Dieselbe ist streng nach den

Aristotelischen Regeln abgefaßt, in reimlosen

fünffüßigen Jamben (versi sciolti), die T. zuerst

in die italienische Litteratur eingeführt haben soll,

geschrieben und verrät, trotz ihrer Abhängigkeit von

antiken Mustern, ein nicht gewöhnliches Talent, hat aber

heutzutage fast nur noch einen litterarhistorischen Wert. Trissinos

Lustspiel "Isimillimi" (Vened. 1548) ist eine Nachahmung des

Plautus. Sein Epos "Italia liberata da' Goti" (Vened. 1547-48, 3

Bde.; Par. 1729, 3 Bde.), in 27 Gesängen, ist unpoetisch und

langweilig und gegenwärtig vergessen. Nicht ohne Wert sind

dagegen manche seiner "Rime" (Vicenza 1529). Auch ist er Verfasser

einer Poetik (Vicenza 1529) sowie verschiedener Schriften über

die italienische Sprache und hat Dantes Schrift "De vulgari

eloquio" zuerst ins Italienische übersetzt. Eine Gesamtausgabe

seiner Werke erschien Venedig 1729. Vgl. Nicolini, Giangiorgio T.

(Vicenza 1864); Morsolin, G. T. (das. 1878).

Trist (lat.), traurig, betrübt; öde.

Tristan da Cunha (spr. kúnja), Inselgruppe im

südatlant. Ozean, südwestlich vom Kap der Guten Hoffnung,

besteht aus drei Inseln vulkanischen Ursprungs, deren

größte, vorzugsweise T. genannt, eigentlich nur ein

erloschener Vulkan ist, der bis zu 2600 m ansteigt und 116 qkm (2,1

QM.) umfaßt. Sie wurde nach dem portugiesischen Entdecker

(1506) benannt, ist rund von Gestalt und wohlbewässert und

erscheint als ein günstiger Platz für

Schildkrötenfang und zum Wassereinnehmen für Seefahrer,

die, nach Indien oder Australien bestimmt, nicht am Kap an-

853

Tristan und Isolde - Tritonshörner.

legen wollen. Während der Gefangenschaft Napoleons auf St.

Helena hielt die britische Regierung die Insel besetzt; als sie

1821 verlassen werden sollte, erlangten der Korporal William

Glaß und zwei Seeleute die Erlaubnis, sich dauernd auf der

Insel niederzulassen. So entstand eine kleine Kolonie, welche 1886:

94 Köpfe zählte; sie steht unter dem Schutz des

Kapgouverneurs und führt seit 1867 den Namen Edinburgh.

Tristan und Isolde, die beiden Hauptpersonen einer

ursprünglich keltischen Sage, welche von mehreren

nordfranzösischen Dichtern im 12. Jahrh. behandelt ward und

sodann in die spanische, italienische, slawische, skandinavische

und sogar in die griechische Litteratur überging. Auf

deutschen Boden verpflanzte zuerst Eilhart von Oberge (s. d.) die

Sage gegen Ende des 12. Jahrh. durch ein nach dem

Französischen bearbeitetes Gedicht, das auch einer

spätern Prosaauflösung (zuerst gedruckt 1484; auch in

Simrocks "Volksbüchern" enthalten) zu Grunde liegt. Die

vorzüglichste deutsche Dichtung aber, welche die Sage von T.

u. I. zum Gegenstand hat, ist das ebenfalls nach einem

französischen Original bearbeitete Gedicht Gottfrieds von

Straßburg. Über den Inhalt der Sage sowie neuere

Bearbeitungen derselben s. Gottfried von Straßburg. Vgl.

Mone, Über die Sage von Tristan (Heidelb. 1822); Golther, Die

Sage von T. u. I. (Münch. 1887).

Tristen, s. Feimen.

Tristichon (griech.), dreiteiliges Gedicht.

Tristien (lat.), Trauerlieder (ursprünglich Titel

von Elegien, welche Ovid im Exil schrieb).

Tristychius, s. Selachier.

Trisyllabum (griech.), dreisilbiges Wort.

Triterne (lat.), s. Duernen.

Tritheim (Trittenheim, latinisiert Trithemius), Johannes,

eigentlich Heidenberg, berühmter Humanist, geb. 1. Febr. 1462

zu Trittenheim im Trierschen, studierte in Heidelberg, ward 1482

Benediktinermönch und starb 16. Dez. 1516 als Abt zu St. Jakob

in Würzburg. Er hat sich um die Beförderung der

Wissenschaften Verdienste erworben; doch nahm er in seine

geschichtlichen Werke Märchen und Fälschungen ohne alle

Kritik auf. Seine "Opera spiritualia" (Mainz 1604) und

"Paralipomena" (das. 1605) wurden von Busäus, seine "Opera

historica" von Freher (Frankf. 1601, 2 Bde.) herausgegeben. Vgl.

Silbernagl, Joh. Trithemius (2. Aufl., Regensb. 1885); Schneegans,

Abt J. T. und Kloster Sponheim (Kreuzn. 1882).

Tritheismus (griech.), in der christlichen

Dogmengeschichte die die Einheit des Wesens überwiegende

Betonung des persönlichen Unterschiedes innerhalb der

Trinität (s. d.), wie dieselbe im kirchlichen Altertum dem

Monophysiten Joh. Philoponus, später dem Scholastiker

Roscellinus schuld gegeben wurde.

Triticum, Pflanzengattung, s. Weizen.

Tritogeneia, Beiname der Athene (s. d.).

Triton, Molch.

Triton, im griech. Mythus Sohn des Poseidon und der

Amphitrite, wohnte mit diesen auf dem Grunde des Meers in goldenem

Palast. Als seine eigentliche Heimat galt der fabelhafte Tritonsee

in Afrika, besonders in der Argonautensage. Man stellte sich ihn

mit menschlichem Oberkörper, der in einen Delphinschwanz

ausläuft, vor; auch werden ihm kurze Stierhörner und

Spitzohren gegeben. Sein Attribut ist eine gewundene Seemuschel,

auf der er bald stürmisch, bald sanft bläst, um die

Fluten zu erregen oder zu beruhigen. Allmählich bildete sich

dann die Vorstellung von einer großen Zahl von Tritonen, die

ebenfalls als doppelgestaltige Wesen, bisweilen außer dem

menschlichen Oberkörper und dem Fischschweif noch mit den

Vorderfüßen eines Pferdes, gedacht und dargestellt

werden. Von antiken Bildwerken ist besonders der Torso des

vatikanischen Museums (Fig. 1) zu erwähnen, welcher mit der

wilden, unbändigen Natur, die sich in Bewegungen und

Körperbau ausspricht, jene erregte Wehmut in den Zügen,

wie sie allen Seegöttern von der antiken Kunst gegeben wird,

vortrefflich vereinigt. Vgl. auch die schöne statuarische

Gruppe des Neapeler Museums (Fig. 2), in welcher T., von Eroten

umspielt, eine Nereide entführt.

Tritonikon, s. Kontrafagott.

Tritonshörner (Tritoniidae Ad.), Schneckenfamilie

aus der Ordnung der Vorderkiemer (Prosobranchia), besitzen einen

großen, weit hervortretenden Kopf, einen langen Rüssel

und eine lange Atemröhre, große, kegelförmige

Fühler mit Augen in der Mitte ihrer Außenseite und eine

ei- oder spindelförmige Schabe mit geradem oder leicht

aufgebogenem Kanal, dornenlosen Höckern auf den Windungen und

gesuchter oder faltiger Spindel. Tritonium nodiferum Lam.

854

Tritonus - Triumvirn.

(Kinkhorn, Trompetenschnecke), im Mittelmeer, ist die Buccina

der Alten, welche schon die alten Quiriten zu den Waffen rief und

auch heute noch zum Signalgeben bei ländlichen Arbeiten

Verwendung findet. T. Variegatum Lam., im Indischen Ozean, dient

noch jetzt als Kriegstrompete. Eine große Rolle spielten die

T. in den mythologischen Darstellungen und dann in den Bildern,

Statuengruppen und Reliefs der Rokokozeit. Vgl. auch

Faßschnecke.

Tritonus, griech. Name der übermäßigen

Quarte, welche ein Intervall von drei Ganztönen ist (z. B.

f-h); als Stimmenschritt war der T. im strengen Satz verpönt.

Vgl. Stimmführung.

Tritoprismen und Tritopyramiden, s. Deuteroprismen,

Deuteropyramiden und Kristall, S. 232 f.

Tritschinapalli (Trichinopolly), Hauptstadt eines

Distrikts (9104 qkm od. 165,3 QM. mit [1881] 1,215,033 Einw.) in

der indobrit. Präsidentschaft Madras, an der Kaweri und der

Südbahn, ist Sitz eines katholischen Bischofs, hat ein

meteorologisches Observatorium, mehrere Hospitäler und

Kirchen, 3 evang. Missionen (2 englische, eine deutsche) und 2

Colleges. Auf einer 91 m hohen Felsnadel in der Mitte der Stadt ein

berühmter Wallfahrtstempel der Hindu. T. hat eine Garnison und

(1883) 84,449 Einw. (darunter 11,155 Christen), welche

berühmte Zigarren und Goldwaren fabrizieren.

Tritschler, Alexander von, Architekt, geb. 10. Febr. 1828

zu Biberach, besuchte das Polytechnikum in Stuttgart, war von 1848

bis 1859 bei Eisenbahnbauten in Württemberg und der Schweiz

beschäftigt und wurde 1860 Professor an der technischen

Hochschule in Stuttgart, später Oberbaurat und durch

Verleihung der ersten Klasse des württembergischen

Kronenordens geadelt. Seine zumeist im Renaissancestil

ausgeführten Hauptwerke sind: die Restaurierung der Kapelle

des alten Schlosses, das Zentral-Postgebäude, die Realschule,

das Haus der Württembergischen Hypothekenbank, die

Vergrößerung des königlichen Polytechnikums in

Stuttgart.

Tritt, der Abdruck eines Laufs des Wildes; Tritte, die

Füße der Hühner, Tauben und kleinen Vögel.

Trittau, Dorf in der preuß. Provinz

Schleswig-Holstein, Kreis Stormarn, unweit der Bille, hat eine

evang. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 1386 Einw.

Tritteisen, s. Tellereisen.

Trittmaschine, s. Tretrad.

Triumph (lat.), bei den alten Römern der feierliche

Einzug eines siegreichen Feldherrn mit seinem Heer in die Stadt

Rom. Der Antrag dazu beim Senat ging vom Feldherrn aus und ward, da

derselbe vor dem T. die Stadt nicht betreten durfte, im Tempel der

Bellona oder auf dem Marsfeld gestellt. Hatte der Senat den auf

Kosten des Staats zu veranstaltenden T. bewilligt, so erteilte das

Volk dem Feldherrn für den Tag des Triumphs das Imperium in

der Stadt. Der Zug bewegte sich vom Marsfeld durch die Porta

triunmphalis in den Circus Flaminius, in dem sich ein geeigneter

Platz für eine Menge der Zuschauer bot, von dort durch die

Porta Carmentalis in die Stadt, dann über das Velabrum und

Forum Boarium in den Circus Maximus; weiterhin die Via sacra

entlang über das Forum nach dem Kapitol. Den Zug

eröffneten die Magistrate und der Senat, ihnen folgten Musiker

und eine lange Reihe von erbeuteten Prachtgegenständen, von

Abbildungen der eroberten Städte oder Länder und die

goldenen Kränze, welche die Provinzen dem Triumphator gewidmet

hatten (vgl. die Tafel "Bildhauerkunst IV", Fig. 14, wo eine Gruppe

aus dem Triumphzug des Titus mit der Beute des jüdischen

Kriegs dargestellt ist). Ein Zug von weißen Stieren mit

vergoldeten Hörnern, zum Opfer auf dem Kapitol bestimmt,

folgte, denen sich die vornehmen Gefangenen in Ketten anschlossen,

die unmittelbar nach dem T. hingerichtet wurden. Endlich hinter

seinen purpurgekleideten Liktoren erschien der Triumphator selbst

auf einem von vier weißen Rossen gezogenen Wagen. Sein Ornat,

die Tunica palmata (s. d.) und die Toga picta (s. d.), war der des

kapitolinischen Jupiter selbst und dazu aus dem Tempelschatz

hergegeben, in der Rechten führte er einen Lorbeerzweig, in

der Linken ein elfenbeinernes, mit einem Adler geschmücktes

Zepter. Über seinem Haupt hielt ein Sklave die goldene Krone

Jupiters, der ihm aber auch bei dem Jo triumphe, dem Jubelgeschrei

des Volkes, zurief: "Bedenke, daß du ein Mensch bist!" Die

Söhne und Töchter und die nächsten Verwandten

umgaben den Triumphator; durch den Sieg desselben aus der

Knechtschaft befreite römische Bürger folgten, und die

ganze Armee bildete den Schluß. Auf dem Kapitol verrichtete

der Triumphator ein Dankgebet, ließ die Opfertiere

schlachten, legte den Lorbeerzweig, später eine Palme in den

Schoß des Jupiter nieder und weihte dem Gott einen Teil der

Beute. Ein Gastmahl, das er seinen Freunden und den angesehensten

Männern der Stadt gab, beschloß den Tag. Eine geringere

Art des Triumphs war die Ovation (s. d.). Seit des Augustus, noch

mehr aber seit Vespasians Regierung wurden die Triumphe seltener

und kamen meist nur noch den Kaisern zu. über die gefeierten

Triumphe wurden Verzeichnisse, die sogen. Fasti triumphales,

geführt. Außer dem eigentlichen T. kamen noch vor der

Triumphus navalis und der Triumphus in monte Albano, welch

letzterer von Feldherren, denen der solenne T. nicht zugestanden

war, auf dem Albanerberg gehalten wurde.

Triumphbogen (Arcus oder Fornix triumphalis), ein frei

stehendes, thorförmiges Gebäude, welches

ursprünglich in Rom zu Ehren triumphierender Kaiser oder

Feldherren errichtet wurde und entweder nur einen Durchgang oder

einen Hauptdurchgang und zwei Nebendurchgänge, sämtlich

mit halbkreisförmigem Abschluß, enthält. Noch

erhaltene T. in Rom sind, außer den Trümmern des

Triumphbogens des Drusus, diejenigen des Titus, Septimius Severus

und Constantinus (s. Tafel "Baukunst VI", Fig. 7). Andre Bauten der

Art sind Ehrenbogen, wie der des Gallienus, oder Durchgangsbogen,

wie die des Janus und der des Dolabella. Außerhalb Roms sind

erhalten: der T. des Augustus zu Rimini, dann die zu Susa, Aosta

und Fano; die des Trajan zu Ancona und Benevent, der des Hadrian in

Athen, der des Marius zu Orange in Frankreich. Außerdem gibt

es noch T. zu Pola, Verona, St.-Remy in Südfrankreich und

Capara in Spanien. In neuerer Zeit sind T. in Paris (Arc de

triomphe de l'Étoile und du Carrousel), Mailand (Arco della

Pace), Innsbruck, München (Siegesthor) u. a. O. errichtet

worden. Alle diese T. sind mit reichem bildnerischen Schmuck,

besonders mit Reliefs (s. Tafel "Bildhauerkunst IV, Fig. 14),

ausgestattet. In der altchristlichen und armenischen Basilika

heißt T. der vor dem Sanktuarium, in der gotischen Kirche

zwischen Schiff und Chor befindliche hohe Scheidebogen, über

welchem gewöhnlich der triumphierende Erlöser dargestellt

war, oder in welchem ein mächtiges Kruzifix hing.

Triumvirat (lat.), s. Triumvirn.

Triumvirn (Triumviri oder Tresviri, lat., "Drei-

855

Triunfo - Trochu.

männer"), in Rom der Name mehrerer aus drei Mitgliedern

bestehenden Kollegien, deren Bestimmung durch einen Zusatz

näher angegeben wird. Zu den Magistratus minores, den niedern

Magistraten, gehörten: die Triumviri capitales, um 289 v. Chr.

eingesetzt, welchen die Aufsicht über die Gefängnisse,

die Vollstreckung der Todesurteile und die meisten Verrichtungen

der niedern öffentlichen Polizei übertragen waren; die T.

monetales, die Vorsteher des Münzwesens, wahrscheinlich 269 v.

Chr. eingesetzt; die T. nocturni, die für die Sicherheit der

Städte zur Nachtzeit zu sorgen hatten, über deren

sonstige Obliegenheiten aber und die Zeit ihrer Einsetzung nichts

Sicheres zu ermitteln ist. Von weit größerer politischer

Bedeutung sind die Vereinigungen von je drei Männern im

letzten Jahrhundert der Republik zu dem Zweck, die gesamte

Staatsgewalt an sich zu reißen, welche Triumvirate genannt

werden. Das erste dieser Triumvirate, das des Cäsar, Pompejus

und Crassus, 60 v. Chr. geschlossen, war eine bloße

Privatvereinigung. Das zweite ward 43 n. Chr. auf einer Insel des

Reno zwischen Antonius, Octavianus und Lepidus geschlossen. Nachdem

diese in Rom eingezogen waren, wurden sie 27. Nov. durch ein Gesetz

als T. rei publicae constituendae, d. h. für die Ordnung des

Staats, mit höchster Gewalt auf die Zeit bis zum letzten

Dezember 38 vom Volk bestätigt, und nach Ablauf dieser Zeit

wurde ihnen diese Vollmacht auf weitere fünf Jahre

verlängert.

Triunfo (El T.), Stadt im südlichen Teil des

mexikan. Territoriums Kalifornien, im Innern, mit Silber- und

Goldgruben und 4000 Einw.

Trivandrum, Hauptstadt des indobrit.

Vasallenfürstentums Travankor, 3½ km vom Indischen

Meer, Residenz des Maharadscha in einem alten Fort sowie des

britischen Residenten und eines katholischen Bischofs, hat mehrere

sehr schöne Gebäude, eine medizinische Schule, College,

Museum, Hospitäler, eine Sternwarte, eine evang. Mission u.

(1881) 41,173 Einw.

Trivénto, Stadt in der ital. Provinz Campobasso,

am Trigno, Bischofsitz, mit Kathedrale und (1881) 4072 Einw.

Trivia, Beiname der Hekate (s. d.).

Trivial (lat.), alltäglich, abgedroschen;

Trivialitat, Alltäglichkeit, Plattheit, Gemeinplatz.

Trivialschulen s. Freie Künste.

Trivium (lat.) [s. Freie Künste.]

Trivúlzio, berühmte, aus Mailand stammende,

besonders im 16. Jahrh. blühende Familie Italiens.

Bemerkenswert sind: Gian Giacomo T.,M archese von Vigevano, geb.

1436 zu Mailand, nahm 1466 teil am Zug nach Frankreich,

unterdrückte 1476 den Aufstand der Ghibellinen in Genua, trat

1486 in die Dienste des Königs von Neapel, 1494 in

französische, eroberte 1499 das Herzogtum Mailand, wurde

dafür Marschall von Frankreich, später Statthalter von

Mailand. Verdächtigt, mit Venedig und der Schweiz Verbindungen

unterhalten zu haben, fiel er bei dem König in Ungnade, und

als er behufs seiner Rechtfertigung 1518 bei Hof erschien, ward er

so ungnädig empfangen, daß er aus Alteration

darüber bald darauf starb. Vgl. Rosmini, Istoria della vita e

della gesta di J. G. T. (Mail. 1815, 2 Bde.). Sein Bruder

René stand auf seiten der Ghibellinen und starb in

venezianischen Diensten. Dessen Neffe Teodoro trat in

französische Dienste, ward später Obergeneral der

venezianischen Armee, 1524 Gouverneur von Mailand, dann Marschall

von Frankreich und Gouverneur von Genua, übergab dieses an

Andrea Doria und starb 1531 als Gouverneur von Lyon.

Troas, Landschaft in Kleinasien, der nordwestlichste,

zwischen dem Hellespont und dem Adramyttenischen Meerbusen (Golf

von Edremid) vortretende Teil der Halbinsel, seit der Diadochenzeit

unter dem Gesamtnamen Mysien mit inbegriffen, ist

größtenteils erfüllt von den Verzweigungen des zu

1750 m Höhe steil aufsteigenden waldreichen Idagebirges (Kaz

Dagh), zwischen denen nur das eine größere Thal des

Skamandros (Menderes), der zum Hellespont hinab mehrere breitere

Stufenebenen durchfließt, sich hinzieht. Nach dem

vorhistorischen (vielleicht den Illyriern verwandten) Volk der

Troer benannt, wurde es, namentlich an der Küste, von

peloponnesischen Achäern und böotischen Äoliern

besetzt, während sich im Binnenland Reste des alten, mit den

Troern einst eng verbundenen Volkes der Dardaner oder Teukrer bis

in die Zeit der persischen Herrschaft erhielten. T. entspricht etwa

dem heutigen Liwa Tschanak-Kalessi. T. war die Stätte des

Homerischen Troja (s. d.). Wichtigere Orte aus historischer Zeit

waren Dardanos, Abydos, Lampsakos u. a.

Trocadero, Inselfort bei Puerto Real in der Bai von

Cadiz, 21. April 1810 und 31. Aug. 1823 von den Franzosen genommen.

Zur Erinnerung an die letztere Einnahme erhielt diesen Namen eine

Anhöhe auf dem rechten Seineufer in Paris, gegenüber der

Jenabrücke, wo zur Weltausstellung von 1878 von Davioud und

Bourdais ein kolossaler Palast von halbelliptischem Grundriß

erbaut wurde, dessen Mittelbau zu Festen, Musikaufführungen

etc. dient, während die Flügel zu einem

kunstgeschichtlichen Museum von Gipsabgüssen eingerichtet

sind.

Trochanter major, minor (lat.), der größere,

kleinere Rollhügel auf dem obern Abschnitt des Oberschenkels;

s. Hüfte.

Trochäus (griech., auch Choreus), zweisilbiger

Versfuß, aus einer Länge und darauf folgender Kürze

(- ^) bestehend, kommt als Wortfuß vorzüglich im

Deutschen außerordentlich häufig vor. Der

dreifüßige T., Ithyphallikus genannt, findet sich meist

in Verbindung mit andern Rhythmen wie mit Daktylen; der

vierfüßige im dritten Vers der Alkäischen Strophe

und in der neuern spanischen Romanze. Am gebräuchlichsten war

der katalektische Tetrameter (s. d.).

Trochiliden, s. v. w. Kolibris.

Trochilium, s. Glasflügler.

Trochilus, Kolibri; Trochilidae, Familie der Kolibris (s.

d.).

Trochisci, s. v. w. Pastillen.

Trochiten, s. Enkriniten.

Trochitenkalk, s. Triasformation, S. 828.

Trochocephalus, s. Brachykephalen.

Trochtelfingen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Sigmaringen, Oberamt Gammertingen, an der Seckach, hat eine kath.

Kirche, ein Schloß und (1885) 1246 Einw.

Trochu (spr. -schü), Louis Jules, franz. General,

geb. 12. Mai 1815 zu Palais bei Belle-Isle en Mer (Morbihan), trat

1840 als Leutnant in die Generalstabsschule, wurde in Algerien

Adjutant von Lamoricière, 1846 wegen seines tapfern

Verhaltens Adjutant des Marschalls Bugeaud und kam 1851 als

Oberstleutnant ins Ministerium. 1854 ward er Adjutant des

Marschalls Saint-Arnaud und nachher des Generals Canrobert in der

Krim, 24. Nov. Brigadegeneral, erhielt 1855 die 1. Brigade des 1.

Korps und zeichnete sich bei dem Sturm auf den Malakow aus. Als

Divisionsgeneral that er sich 1859 in der Schlacht bei Solferino

hervor. Nach dem Frieden

856

Trockenästung - Trocknen.

trat er wieder ins Kriegsministerium und war von Niel zu seinem

Nachfolger ausersehen. Aber seine Schrift "L'armée

française en 1867" (Par. 1867, 20. Aufl. 1870), welche mit

unerhörtem Freimut alle Schäden der französischen

Armee aufdeckte und die einzige Heilung in der Annahme des

preußischen Wehrsystems sah, entzog ihm die Gunst des Hofs

und machte ihn als Minister des Kaiserreichs unmöglich. Zu

Anfang des Kriegs 1870 erhielt er das Kommando der 12.

Territorialdivision zu Toulouse und ward dann zum Befehlshaber der

Landungsarmee an der deutschen Küste ausersehen. Da diese

Landung unterblieb, ernannte ihn der Kaiser im Lager von

Châlons 17. Aug. zum Gouverneur von Paris. Indes seine

Popularität nützte dem sinkenden Kaiserreich nichts mehr,

und als 4. Sept. dasselbe zusammenbrach, trat T. an die Spitze der

Bewegung und ließ sich zum Präsidenten der Regierung der

nationalen Verteidigung ernennen, blieb aber Generalgouverneur von

Paris und Oberbefehlshaber sämtlicher Streitkräfte in der

Hauptstadt. Während der Belagerung entfaltete er eine

großartige und erfolgreiche Thätigkeit in der

Organisation der Verteidigungsarmee; auch war sein Plan, nach

Nordwesten, nach Rouen, durchzubrechen, gar nicht

unverständig. Derselbe kam jedoch nicht zur Ausführung,

weil T. sich mit der Regierung in Tours nicht verständigen

konnte und selbst unschlüssig war, denn er hatte kein

Vertrauen auf den Erfolg und hielt überhaupt die Verteidigung

von Paris für eine "noble Tollheit". Als die Kapitulation, die

er mit hochtönenden Phrasen verschworen, unvermeidlich war,

legte er sein Amt als Gouverneur 22. Jan. 1871 nieder;

Präsident der Regierung blieb er bis zum Zusammentritt der

Nationalversammlung. Als Mitglied der Nationalversammlung ergriff

er mehrere Male das Wort zu seiner Rechtfertigung; da er indes in

der Armeereformfrage Gegner von Thiers war, erhielt er kein

Kommando und zog sich 1872 in das Privatleben zurück. Vgl.

Trochus Schriften: "L'Empire et la défense de Paris devant

le jury de la Seine" (1872); "Pour la vérité et pour

la justice" (1873); "La politique et le siége de Paris"

(1874) und "L'armée française en 1879, par un

officier de retraite" (anonym, 1879).

Trockeaästung, die Beseitigung abgestorbener, daher

trockner Äste von jungen Nadelhölzern durch Abschneiden

mit der Säge unmittelbar am Stamm zur Verhinderung des

Einfaulens der Aststummel und zur Erzielung astreinen Holzes.

Trockenbagger, s. Bagger und Erdarbeiten.

Trockenblumen, Blumen, welche entweder vermöge ihrer

trocknen Beschaffenheit nach dem Abschneiden ihre Form und Farbe

bewahren, sogen. Immortellen, oder solche, die durch ein

künstliches Verfahren diese Eigenschaft mehr oder weniger

bekommen. Die Immortellen werden noch etwas vor der vollkommensten

Ausbildung geschnitten und, in Bündeln aufgehängt, im

Schatten getrocknet und gefärbt. Die schönsten

Immortellen kommen aus Frankreich, vom Kap und aus Australien.

Wichtiger und interessanter sind die Fortschritte im Trocknen

weicher Blumen, welches vor 40 Jahren die ersten Anfänge

zeigte. Man trocknet jetzt Rosen, Malven, Nelken, Astern, Veilchen

etc. und bindet von allen diesen Blumen prachtvolle

Sträuße, Kränze etc. Die nicht immortellen Blumen

werden, wenn nötig, mit Säuren behandelt, damit sie ihre

Farbe behalten oder trocken eine schönere bekommen. Die ihre

Form leicht verlierenden Blumen trocknet man in Sand, welcher

heiß mit Walrat und Stearin überzogen wurde. Vgl. Lebl,

Zimmergärtnerei (Stuttg. 1878); Hein, Das Trocknen und

Färben natürlicher Blumen und Gräser (Weim. 1875);

Braunsdorf, Das Trocknen, Bleichen etc. natürlicher Blumen und

Gräser (Wien 1888).

Trockendocks, s. Dock.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 247 / 302 段