Trilogie (griech.), bei den Griechen die Verbindung je

dreier Tragödien, mit denen an den Dionysosfesten die

dramatischen Dichter miteinander um die ausgesetzten Preise

kämpften. Gewöhnlich schloß sich diesen

Tragödien noch ein Satyrspiel an, und diese Verbindung

hieß dann eine Tetralogie. Am meisten bildete Äschylos

die T. aus, indem er entweder ausgedehntere Mythenstoffe in drei

miteinander in inniger Verbindung stehenden Dramen behandelte oder

drei an sich nicht zusammenhängende Stoffe wenigstens durch

eine gemeinsame symbolische Beziehung miteinander verknüpfte.

Unter den erhaltenen Stücken von ihm befindet sich eine

vollständige T., die "Orestie", bestehend aus "Agamemnon", den

"Choephoren" und "Eumeniden", welchen sich in stofflichem

Zusammenhang das nicht mehr vorhandene Satyrdrama "Proteus"

anschloß. Von Neuern haben Schiller ("Wallenstein"), Hebbel

("Die Nibelungen"), Swinburne ("Mary Stuart") u. a. Trilogien

gedichtet. Auch R. Wagners "Ring des Nibelungen" will als T. (mit

einem Vorspiel) angesehen sein.

Trim, Hauptstadt der irischen Grafschaft Meath, am Boyne,

mit Gerichtshof, Denksäule Wellingtons, Lateinschule, einem

merkwürdigen anglonormännischen Turm und (1881) 1586

Einw. Südlich dabei Laracor, wo Swift und Stella wohnten.

Trimalchio, bei Petronius ein ganz dem Wohlleben

hingegebener Greis, allgemeiner s. v. w. dreifacher Weichling.

Trimberg, s. Hugo von Trimberg.

Trimester (lat.), Zeit von drei Monaten.

Trimeter (griech., lat. Senarius,

"Sechsfüßler"), das gewöhnliche Versmaß der

griech. Dramatiker, bestehend aus drei Metren oder Doppeliamben

(Dipodien), mit einer Cäsur, die, gewöhnlich nach der

fünften, seltener nach der siebenten Silbe eintretend, den

Vers in zwei ungleiche Hälften teilt. Im ersten, dritten und

fünften Fuß oder zu Anfang jeder Dipodie kann statt des

Jambus auch ein Spondeus stehen, so daß folgendes Schema

entsteht [s. Bildansicht]:

Bewundert viel und | viel gescholten, Helena.

Der T. zeichnet sich durch Ernst und feierlichen Gang aus, der

durch die erlaubten Spondeen noch würdevoller gemacht wird.

Die Komödiendichter behandeln ihn übrigens viel freier

als die Tragiker, namentlich geben sie ihm durch Einführung

von Anapästen an Stelle der Spondeen einen leichtern

Charakter. Von unsern Dichtern haben den T. Goethe in der "Helena",

Schiller in einigen Szenen der "Jungfrau", Platen in seinen

Litteraturkomödien in Anwendung gebracht. Die Versuche andrer,

wie Minckwitz, Märcker etc., ihn für große

Tragödien zu verwenden, sind als mißlungen zu

bezeichnen.

Trimethylamin, s. Methylamine.

Trimm, Timothée, Pseudonym, s. Lespès.

Trimmen (engl., auch trümmen), die nicht in

Stückgütern bestehende Schiffsladung (Getreide, Kohlen

etc.) eben schaufeln, um sie im Schiffsraum angemessen zu

verteilen. Das Schiff ist in gutem Trimm, wenn es gerade tief genug

geladen, weder zu viel noch zu wenig achterlastig ist.

Trimorphismus (griech.), Dreigestaltung, s.

Heteromorphismus.

Trimurti, im Religionssystem des neuern Brahmanismus die

Vereinigung der bis dahin ziemlich unvermittelt nebeneinander

stehenden drei großen Götter Brahma als des

Schöpfers, Wischnu als des Erhalters, Siwa als des

Zerstörers, ausgegangen von dem Bestreben, die verschiedenen

Religionsele-

846

Trinakria - Trinität.

mente gegen den Buddhismus und andre feindliche Strömungen

zu verbinden. Verehrt wird die T. in einem dreiköpfigen Bild

aus einem Stein, das vorn den Brahma mit dem Almosentopf und dem

Rosenkranz, rechts den Wischnu u. links den Siwa darstellt.

Trinakria (Thrinakia), altertümlicher und poetischer

Name der Insel Sizilien wegen ihrer dreieckigen Gestalt.

Tring, Stadt im westlichen Hertfordshire (England), hat

Strohhut- und Stuhlfabriken, einen Park mit Schloß, welches

Karl II. seiner Mätresse Nell Gwynne schenkte, und (1881) 4354

Einw.

Tringa, Strandläufer (Vogel).

Trinidad, 1) britisch-westind. Insel, die südlichste

und größte der Kleinen Antillen, an der östlichen

Nordküste von Venezuela vor der Mündung des Orinoko

gelegen. Die Insel wird von O. nach W. von drei parallelen

Bergketten durchkreuzt, von denen die nördliche im Cerro de

Aripo 945 m Höhe erreicht, und zwischen denen zwei von Meer zu

Meer reichende Ebenen liegen. Flüsse und auch Sümpfe sind

zahlreich. Bei Brea liegt der merkwürdige Asphaltsee (Pitch

Lake), und Schlammvulkane sind bei der Südwestspitze

vorhanden. In seiner Pflanzen- und Tierwelt gehört T. eher zum

nahen Kontinent als zu den Antillen. Palmen und Zedern bedecken

große Strecken. Von Tieren sind Affen, Tigerkatzen,

Ameisenbären, ferner Hirsche, wilde Schweine, Gürteltiere

und Beuteltiere, dann Schlangen, Alligatoren und Schildkröten

zu nennen. Das Klima kennt eine trockne Jahreszeit, die von

Dezember bis Mai anhält. Die mittlere Temperatur von Port of

Spain ist 25,5° C., und es fallen 1950 mm Regen. Stürme

wüten im Oktober fast täglich. T. hat ein Areal von 4518

qkm (82,5 QM.) und (1887) 183,486 Einw. (1871: 109,638). Nur 40,500

Hektar sind angebaut. Hauptprodukt ist Zucker, und außerdem

werden Kaffee, Kakao und Baumwolle gebaut und Kokospalmen sowie

Nahrungspflanzen gezogen. Die Viehzucht ist ohne Bedeutung. Den

Verkehr vermitteln (1887) 88 km Eisenbahnen. Die günstige Lage

in der Nähe der Orinokomündung ist dem Handel

förderlich. Der Wert der Ausfuhr war 1887: 1,870,612 Pfd.

Sterl., diejenige der Einfuhr 1,918,670 Pfd. Sterl. T. erfreut sich

seither keiner repräsentativen Verfassung. Seine Revenüe

ist (1887) 456,167 Pfd. Sterl. bei einer Schuldenlast von 562,440

Pfd. Sterl., großenteils durch Einführung von Kulis

entstanden. Hauptstadt ist Port of Spain (31,858 Einw.) an der

Westküste. Geräte, Vasen und Glaspasten, welche man auf

T. findet, machen es wahrscheinlich, daß die Insel in der

Vorzeit eine weit zivilisiertere Bevölkerung gehabt habe, als

die Kariben waren, die man bei der Entdeckung der Insel vorfand. T.

wurde von Kolumbus 31. Juli 1496 entdeckt, aber die Spanier nahmen

erst 1588 Besitz von der Insel. Später siedelten sich

Franzosen unter spanischer Hoheit auf T. an und brachten den

Plantagenbau zu hoher Blüte. Endlich 1797 wurde die Insel fast

ohne Schwertstreich eine britische Kolonie. Die 1838 verfügte

Emanzipation sämtlicher Negersklaven der Insel (über

20,000) hatte den Verfall der Bodenkultur und Zuckerproduktion im

Gefolge. In neuerer Zeit hat sich dieselbe durch Herbeiziehung von

Kulis aus Ostindien wieder sehr gehoben. S. Karte "Antillen". Vgl.

Borde, Histoire de l'ile de la T. sous le gouvernement espagnol

(Par. 1876-1883, 2 Bde.); Wall u. Sawkins, Geological survey of T.

(Lond. 1860); Clark, T., a field for emigration (Port of Spain

1886); Collens, Guide to T. (2. Aufl. 1889). - 2) (T. de Cuba,

Maritima de T.) Stadt auf der Südküste der Insel Cuba,

inmitten von Palmenhainen, an der Casildabai, 1514 gegründet,

hat 2 höhere Schulen, lebhafte Ausfuhr von Zucker und

Hölzern und (1877) 27,654 Einw. T. ist Sitz eines deutschen

Konsuls. - 3) (T. de Mojos) Hauptstadt des Departements Beni in der

südamerikan. Republik Bolivia, 1687 von den Jesuiten im Lande

der Mojosindianer gegründet, 10 km nördlich von Rio

Mamoré entfernt, mit (1882) 4535 Einw.

Trinitapoli (früher Casaltrinita), Stadt in der

ital. Provinz Foggia, an der Eisenbahn Ancona-Brindisi und am Lago

di Salpi, mit (1881) 7789 Einw. Von hier bis nach Barletta

erstrecken sich Lagunen, welche zur Seesalzgewinnung ausgebeutet

werden.

Trinitarierorden (Dreifaltigkeitsorden, regulierte

Chorherren, Ordo S. Trinitatis de redemptione captivorum), Orden,

gestiftet 1198 von Johannes von Matha und Felix von Valois, zwei

Einsiedlern in der Diözese Meaux, und von dem Papst Innocenz

III. 1198 bestätigt, setzte sich die Loskaufung gefangener

Christensklaven von den Sarazenen zum Zweck und fand von seinem

Mutterhaus Cerfroy (Aisne) aus schnell Verbreitung, vorzüglich

in Südeuropa. Ein Nachlassen in der Strenge des Wandels

führte einige Reformen des Ordens herbei; namentlich

entstanden in Spanien 1596 die Trinitarier-Barfüßer. Die

Mönche trugen weiße Kleider mit einem roten und blauen

Kreuz auf der Brust. Weil sie nur auf Eseln reisten, ward der Orden

vom Volk Eselsorden (ordo asinorum), die Mitglieder

Eselsbrüder genannt. Mathuriner hießen die Trinitarier

in Frankreich von einer Kapelle in Paris, die dem heil. Mathurin

geweiht war. Zu gleichem Zweck und unter gleicher Regel schlossen

sich dem Orden 1201 regulierte Chorfrauen (Trinitarierinnen) an

sowie Trinitarier-Tertiarier und die Brüderschaft zum

Skapulier der heiligen Dreieinigkeit, die 1584 reguliert wurden.

Der Orden ist jetzt erloschen, nachdem er angeblich 900,000

Gefangene losgekauft hat. Vgl. Gmelin, Die Trinitarier in

Österreich (Wien 1871).

Trinität (Trias, Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit),

nach der christlichen Kirchenlehre die Beschaffenheit des

göttlichen Wesens, wonach dasselbe unbeschadet seiner Einheit

drei Personen, Vater, Sohn und Heiligen Geist, in sich begreift.

Die Lehre von der T., die besonders auf die Taufformel Matth. 28,

19 und auf die unechte Stelle 1. Joh. 5, 7 basiert ward, bildete

sich als charakteristisch für das Christentum (s. d.) im

Verlauf von drei Jahrhunderten zu derjenigen dogmatischen Fixierung

aus, in welcher sie seitdem in den öffentlichen

Bekenntnisschriften aller christlichen Kirchen, die unitarischen

ausgenommen, auftritt. Und zwar wurde zunächst auf den beiden

großen Synoden von 325 und 381 (s. Arianischer Streit und

Nicänisch-konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis) die

volle Gottheit des Sohns und Geistes festgestellt, ihr

persönliches Verhältnis zum Vater aber sowie ihre Einheit

in der T. vornehmlich durch Meletius, Gregor von Nazianz, Gregor

von Nyssa und Basilius formuliert. Im Abendland siegte durch das

sogen. Athanasianische Bekenntnis die eigentümlich

symmetrische, von Augustin herrührende Form des Dogmas,

während im Morgenland doch immer der Vater eigentlicher Gott,

"Anfang und Quelle der Gottheit", blieb, von welchem auf der einen

Seite der Sohn erzeugt wird, auf der andern der Geist ausgeht: ein

Rest des Paulinischen Subordinatianismus (s. Christologie). Die

Lehre von der T. ging ohne alle weitere Durchbildung samt

847

Trinitatisfest - Trinkgelage.

dem abendländischen Filioque (s. Heiliger Geist) in die

evangelische Kirche über, ja es ward der scholastische

Lehrbegriff von den altprotestantischen Dogmatikern nur noch

systematischer durchgeführt. Vgl. Baur, Die christliche Lehre

von der Dreieinigkeit (Tübing. 1841-43, 3 Bde.); Meier, Die

Lehre von der T. (Hamb. u. Gotha 1844, 2 Bde.).

Trinitatisfest (Festum trinitatis), Fest zur besondern

Verehrung der göttlichen Dreieinigkeit, wurde im 11. Jahrh.

zuerst in den Klöstern gefeiert, auf der Synode von Arles 1260

in Frankreich eingeführt und vom Papst Johann XXII. 1334 zu

einem allgemeinen Kirchenfest erhoben. Es fällt auf den ersten

Sonntag nach Pfingsten; die darauf folgenden Sonntage bis zum Ende

des Kirchenjahrs heißen Trinitatissonntage. Die griechische

Kirche begeht das T. an einem der beiden Pfingstfeiertage.

Trinitrin, s. Nitroglycerin.

Trinitrokarbolsäure, s. Pikrinsäure.

Trinitrophenyl, s. Pikrinsäure.

Trinity House (spr. trinniti haus'), "Haus der

Dreieinigkeit", eigentlich "Korporation der ältern Brüder

der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit", eine bereits 1518 in

England geschaffene Behörde, welche mit der Anlage und

Unterhaltung von Leuchtfeuern, Land- und Seemarken beauftragt ist

und das Lotsenwesen leitet. Ihr Sitz ist Trinity House beim Tower

von London. Nur Seeleute werden als "jüngere" Brüder

zugelassen. Die "ältern" Brüder ergänzen sich aus

ihnen. An der Spitze steht ein "Master".

Trinityland, s. Südpolarländer.

Trinity River, Fluß im nordamerikan. Staat Texas,

entspringt im N. desselben, ist wasserreich und mündet nach

530 km langem Lauf in die Galvestonbai. Er ist 300 km weit

schiffbar.

Trinkerasyle, s. Trunksucht.

Trinkgefäße, aus Metall, Thon, Glas und andern

Materialien hergestellte Gefäße, deren Grundformen der

tiefe Napf, die flachere Schale und der cylindrische Becher sind.

Wie noch heute bei den Naturvölkern ausgehöhlte

Kürbis- oder Melonenschalen, Kokosnüsse u. dgl. als T.

dienen, so wird auch bei den Urvölkern der aus ähnlichen

Stoffen hergestellte Napf das erste Trinkgefäß gewesen

sein, der bei wachsender Kultur dann aus Thonerde geformt und

gebrannt wurde, und aus welchem durch Hinzufügung eines

Fußes die Schale entstand. Schale und Becher sind die T. in

den Homerischen Gedichten. Zu einem Trinkgefäß

(Trinkschädel) hergerichtete Menschenschädel werden in

prähistorischen Fundstätten hier und da angetroffen

(Byciskálahöhle in Mähren). Die Sitte, aus den

Schädeln der Feinde zu trinken, war im Altertum bei vielen

Völkern (Kelten, Bojern und Skordiskern) verbreitet. Auch die

Schädel der christlichen Märtyrer und Heiligen wurden in

frühmittelalterlicher Zeit in Kirchen und Klöstern

sorgfältig aufbewahrt und vielfach als T. benutzt. In dem

Maß, als sich die Thonbildnerei und die Metallotechnik der

Griechen entwickelten, nahmen die T. die mannigfaltigsten Formen

an. Kantharos, Kylix und Phiale sind die Hauptnamen für Becher

und Schalen zum Trinken (s. die einzelnen Artikel, vgl. auch

Keramik und Vasen). Die Römer trieben einen besondern Luxus in

Trinkgefäßen aus Edelmetall und Kristall. Silberne

Becher aus römischer Zeit haben sich noch erhalten (s.

Hildesheimer Silberfund). Im Mittelalter entwickelte sich aus dem

Abendmahlskelch als bevorzugtes Trinkgefäß bei

feierlichen Gelegenheiten der Pokal, ein auf einen mehr oder minder

hohen, gegliederten Fuß gestellter Becher mit und ohne

Deckel, während im gewöhnlichen Gebrauch Humpen, Krug,

Kanne und Becher die üblichen T. waren. Die Ausbildung der

Glasindustrie brachte neue Formen der T. auf, welche man unter dem

allgemeinen Namen Gläser begreift. Die Formen wurden

später durch die Flüssigkeit bedingt, für welche die

T. bestimmt waren. Näheres über die Formen der

verschiedenen T. findet man in den einzelnen Artikeln: Humpen,

Paßglas, Pokal, Römer, Stengelgläser, Trinkhorn,

Willkomm etc.

Trinkgelage, festliche Vereinigung zum Zweck des Genusses

geistiger Getränke. Bei den Griechen begann das T. (Symposion)

nach der Beendigung des eigentlichen Festmahls (s. Gastmahl), wenn

der Nachtisch aufgetragen und dem guten Geist ein Trankopfer

dargebracht worden war. Gäste, welche an dem T. nicht

teilnehmen wollten, waren berechtigt, sich beim Auftragen des

Desserts zu entfernen. Getrunken wurde nur mit kaltem oder warmem

Wasser gemischter Wein; das kalte Getränk wurde noch mit

Schnee gekühlt. Die Mischung selbst geschah im

Mischgefäß (krater), gewöhnlich im Verhältnis

von 3 Teilen Wasser zu einem Teil Wein, höchstens von 3 Teilen

Wasser zu 2 Teilen Wein; aus dem Krater wurde dann das Getränk

mit dem Schöpfer (oinochoe) in die Becher gefüllt. Man

trank rote, weiße und gelbe Weine und mischte diese Sorten

miteinander, namentlich magere, aber boukettreiche Weine mit

fetten, auch wurden Würzen oder Honig oder sogar

Wohlgerüche zugesetzt. Auch Obstweine wurden genossen. Die

Leitung des Gelages übernahm ein von der Gesellschaft

gewählter oder durch das Los (bez. Würfel) bestimmter

Vorsteher (Symposiarch, basileus, archon tes poseos). Dieser setzte

das Mischungsverhältnis fest, bestimmte die Zahl der den

Trinkern zu verabreichenden Becher, die Regel, nach denen getrunken

werden mußte, und legte bei Zuwiderhandlungen gegen diese

Regeln Strafen auf, die gewöhnlich darin bestanden, daß

ein Becher in einem Zuge geleert werden mußte. Wenn es auf

starkes Trinken angelegt wurde (pinein pros bion), mußten

tüchtige Quantitäten geschluckt werden. Auch das

Zutrinken zur Rechten um den Tisch herum (epi dexia) und das

Vortrinken von Person zu Person waren Sitte. Nicht minder

mußte Strafe trinken, wer die vom Symposiarchen gestellten,

oft scherzhaften Aufgaben, scherzhaften Rätsel und Fragen oder

allerlei schwer ausführbare Kunststückchen nicht

löste. Bei diesen Gelagen herrschte große

Ungezwungenheit des Tons und geistreiche, witzige Unterhaltung. Zur

Erhöhung des Genusses traten Flöten- und

Zitherspielerinnen (Kitharistinnen) auf, jugendliche Sklaven

produzierten mimische Darstellungen, und selbst Gaukler und

Gauklerinnen wurden herbeigezogen. Wer im Wettkampf das Feld

behauptete, erhielt zur Belohnung einen Kuchen; die Eingeschlafenen

wurden verhöhnt und mit Wein begossen. In Rom wurde die

Abhaltung besonderer T., welche sich ebenfalls an die Hauptmahlzeit

(coena) anzuschließen pflegten, erst allgemeiner, als die

Römer griechische Sitten angenommen hatten. Auch hier wurde

das Trinken systematisch betrieben, und man hielt sich ziemlich

streng an das griechische Vorbild. Eine besondere Sitte bildete das

ad numerum bibere, wobei man so viele Becher leerte, als der Name

des zu Feiernden Buchstaben enthielt, oder so viele Lebensjahre man

ihm wünschte. Das in der Runde Trinken (circumpotatio) artete

namentlich bei den Leichenschmäusen derartig aus, daß

dieser althergebrachte Brauch durch besondere Gesetze der Dezemvirn

ver-

848

Trinkgeld - Trinkhorn.

boten wurde. Während des Gelages spendete man den

Göttern zahlreiche Libationen. Um den Durst zu reizen, wurden

pikante Leckerbissen serviert (bellaria). Eigentümliche T.

finden im Orient, namentlich in der Türkei, statt und zwar vor

dem Abendessen bei Gelegenheit des Servierens eines

appetitreizenden Imbisses (Tschakmak-Zechen). Man trinkt nur

Branntwein (Raki oder Mastika), erst mit Wasser verdünnt, nach

und nach aber immer ungemischter, und diese mit dem unschuldigen

Titel eines Imbisses belegten Gelage werden oft stundenlang

fortgesetzt und arten schließlich zu wüsten Saufereien

aus. Die schiitischen Perser huldigen aber dem Wein. Ein Zechgelage

in Persien führt den anspruchslosen Namen einer Bewirtung

(mihmani), wird im Enderun (Harem) abgehalten und zwar nach dem

Nachtmahl. Die persische Trinketikette ist sehr lax, sie

beschränkt sich im wesentlichen darauf, daß der Trinker

sich hüten muß, den Bart beim Trinken zu benetzen sowie

Kleider und Fußboden mit vergossenem Wein zu verunreinigen.

Diese Gelage arten zu wahren Orgien aus; sie werden in

öffentlichen Gärten, ja sogar auf den Friedhöfen

arrangiert. Indes beteiligen sich an solchen Festen nur die Spitzen

der Gesellschaft. Bei den Deutschen finden wir schon aus den

ältesten Zeiten Nachrichten über T. Dieselben hatten

zugleich eine religiöse Grundlage: die Seligkeit in Walhalla

bestand vornehmlich in der Teilnahme an den ewigen

Göttergelagen, bei denen die Helden Met und nur Odin Wein

zechten. An Stoff konnte es nie fehlen, denn die

unerschöpfliche Ziege des Heidrun füllte stets die Schale

mit schäumendem Met. Auf Erden wurden zu Ehren der Götter

mancherlei Trinkfeste veranstaltet, den Göttern selbst wurden

reichliche Libationen ausgebracht, anfänglich von Met,

später von Wein. So oft der Priester opferte, goß er ein

Horn zu den Füßen des Götzen aus, füllte es

wieder und trank es ihm zu. In den Tempeln wurden die Becher in

folgender Ordnung geleert: der erste zu Ehren Odins, der zweite zu

Ehren Thors und der Freyja, der dritte zum Gedächtnis

berühmter Helden (Bragakelch) und der vierte zum Andenken

abgeschiedener Freunde (Minnebecher). So wurde das Trinken und das

Abhalten von förmlichen Trinkfesten zur eigentlichen

Volkssitte. Schon zu Anfang des 6. Jahrhunderts war sie ganz

allgemein. "Sänger sangen Lieder und spielten die Harfe dazu;

umher saßen Zuhörer bei ehernen Bechern und tranken wie

Rasende Gesundheiten um die Wette. Wer nicht mitmachte, ward

für einen Thoren gehalten. Man muß sich glücklich

preisen, nach solchem Trinken noch zu leben." So erzählt der

römische Schriftsteller Venantius Fortunatus. In

gefüllten Bechern brachte man sich die durch die Sitte

vorgeschriebenen Höflichkeiten dar: Willkommen, Valettrunk,

Ehrentrunk, Rund-, Kundschafts- und Freundschaftstrunk. Hieran

schloß sich das nach ganz bestimmten Regeln geordnete Zu- und

Vortrinken, das Wett- und Gesundheittrinken (s. d.). So pflanzte

sich die Sitte festlicher T. bis zum Mittelalter fort; sie wurden

abgehalten in den Burgen der Ritter, in den Festsälen der

Städte, an den Höfen der Fürsten und selbst auch in

den Refektorien der Klöster. Über das Trinken bestanden

ganz bestimmte durch Trinkordnungen festgestellte Gesetze, z. B.

die Hoftrinkordnung des sächsischen Kurfürsten Christian

II. Die Chroniken des 15. und 16. Jahrh. berichten über die

mit größter Verschwendung und Pracht gefeierten

Trinkfeste an den Höfen unglaubliche Dinge; der Wein wurde in

großen Massen getrunken, und am Schluß des Gelages

pflegte die Trunkenheit eine allgemeine zu sein. Besonders

berühmt sind die Zechgelage am Hof Augusts des Starken, wo die

sächsischen Kavaliere die Aufgabe hatten, ihre polnischen

Standesgenossen unter den Tisch zu trinken. Eine besondere Abart

bildeten die studentischen Zechgelage; besonders die

Universität Tübingen war durch Handhabung von Trinkregeln

berühmt. Ein wahrhaft vorzügliches Gemälde eines

Studentengelages jener Zeit gibt Michael Moscherosch in seinen

"Wunderlichen und wahrhaften Gesichten Philanders von Sittewalt".

Ebenso gibt Hans Sachs in seinem Gedicht "Wer erstlich hat erfunden

das Bier" eine drastische Beschreibung eines Saufgelages. In der

Gegenwart werden eigentliche T., d. h. Festversammlungen, bei denen

das Trinken Alleinzweck ist, nicht mehr abgehalten. Nur der

studentische Kommers gehört in diese Kategorie. Freilich

greift die Sitte, Kommerse abzuhalten, mehr und mehr auch in andre,

nicht studentische Kreise. Im gewissen Sinn kann man die englische

Sitte, daß die Damen nach dem Diner den Tisch verlassen,

während die Herren zum fröhlichen und starken Zechen

beisammen bleiben, als die Abhaltung von Trinkgelagen bezeichnen.

Vgl. Schultz, Geschichte des Weins und der T. (Berl. 1868);

Samuelson, History of drink (2. Aufl., Lond. 1880); Rogers, Drinks,

drinkers and drinking (Albany 1881).

Trinkgeld, die Extravergütung, welche für

Dienstleistungen insbesondere an Kellner, Dienstboten, Kutscher

etc. gezahlt wird. Ursprünglich wohl zu einem dem Wortsinn

entsprechenden Zweck gegeben, hat das T. heute vielfach die

Bedeutung einer vollständigen Bezahlung für die

Dienstleistung angenommen. Infolgedessen kommt es sogar vor,

daß Leute, welche Trinkgelder empfangen, wie Kellner,

Hausknechte, Portiers etc., für ihre Stellen eine Art Pacht

entrichten. Mit übler Nebenbedeutung wird das Wort T. auch

für Bezahlungen angewandt, welche aus Gründen der Moral

nicht angeboten und angenommen werden sollten. Das Wort hat sich

auch in der französischen Sprache eingebürgert. In

neuerer Zeit wurde mehrfach gegen die sich immer weiter

verbreitende Sitte, Trinkgelder zu geben, oder gegen das

Trinkgelderunwesen angekämpft. Vgl. Jhering, Das T. (3. Aufl.,

Braunschw. 1888).

Trinkhorn, ein schon im Altertum gebräuchliches

Trinkgefäß, welches ursprünglich aus

Tierhörnern angefertigt, von den Griechen aber, wie das

Rhython, dessen Mündung von einem Tierkopf gebildet wurde

(vgl. Abbild.), zur Zeit verfeinerter Kultur in Thon und Metall

nachgebildet wurde. Die alten Germanen tranken aus

Tierhörnern, u. diese wurden im gotischen Mittelalter

Gegenstand künstlerischer Verzierung, indem sie in Metall,

vornehmlich in vergoldetes Silber, gefaßt und mit einem

Fuß oder gar mit einem architektonischen Unterbau versehen

wurden. Neben Tierhörnern wurden auch ausgehöhlte

Elefantenzähne, später Rhinozeros- und Narwalzähne

benutzt, welche entweder nur poliert, oder mit Schnitzereien

verziert wurden. Die Renaissance bildete das

849

Trinkitat - Tripitaka.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 245 / 302 段