Von Wohlthätigkeitsanstalten sind hervorzuheben: das

städtische Krankenhaus samt Gebäranstalt und Siechenhaus,

in welchem bis 2000 Personen Unterkunft finden können, das

große Militärspital, das Irrenhaus, die Findelanstalt,

das Hauptarmeninstitut (mit 600 Betten für Pfründner und

arme Kinder), eine Verpflegungs- und Arbeitsanstalt für

verwahrloste Kinder u. a. Das Seelazarett befindet sich

außerhalb der Stadt in dem südlich bei Muggia gelegenen

Valle San Bartolommeo. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt:

eine Handels- und nautische Akademie und eine Handelshochschule

(Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je

eine staatliche deutsche und eine städtische italienische

Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, 2 gewerbliche Zeichenschulen,

eine Hebammenlehranstalt, eine zoologisch-zootomische

Übungsstation, ein städtisches Mädchenlyceum,

endlich 4 Bürger-, 35 öffentliche und 19

Privatvolksschulen. An Museen und andern Sammlungen befinden sich

in T.: ein naturhistorisches Museum (Ferdinando-Massimiliano),

welches unter anderm eine Fauna des Adriatischen Meers

enthält; ein städtisches Museum mit Altertümern,

insbesondere aus Aquileja, das Museo lapidario, gleichfalls mit

römischen Antiquitäten, einem Münzkabinett, alten

Manuskripten und dem 1823 errichteten Marmordenkmal Winckelmanns

(s. d.); eine städtische Bibliothek mit 65,000 Bänden

(worunter die kostbarste Sammlung von Petrarcas Werken), eine

öffentliche Studienbibliothek, ein hydrographisches Institut

der k. k. Kriegsmarine mit Sternwarte, ein Kunstmuseum im Palast

Revoltella und mehrere Privatgemäldesammlungen. In T.

erscheinen 29 Zeitungen (24 italienische, 2 deutsche, eine

griechische und 2 slowenische). - Die Stadt ist Sitz der

Statthalterei des Küstenlandes, des Stadtmagistrats, der

österreichischen Seebehörde, des Oberlandes- und

Landesgerichts, des Handels- und Seegerichts, des Hafen- und

Seesanitätskapitanats, der Finanz-, Post- und

Telegraphendirektion, eines Hauptzollamtes und einer Handels- und

Gewerbekammer. Der Bürgermeister von T. trägt den Titel

Podestà und ist zugleich Präsident des Landtags

(Landeshauptmann); der Triester Stadtrat (54 Mitglieder) fungiert

zugleich als Landtag. T. ist außerdem Sitz eines Bischofs,

eines k. k. Divisionskommandos, eines Seebezirkskommandos, einer

Polizeidirektion und zahlreicher Konsulate fremder Staaten

(darunter auch eines deutschen). Das Budget der Stadt T. belief

sich 1889 auf 3,363,000 Gulden Einnahmen und 3,431,000 Guld.

Ausgaben; die Schuld betrug 1887: 4,583,330 Guld., das

Vermögen von T. nach Abzug aller Passiva 5,242,344 Guld. T.

besitzt mehrere Seebadeanstalten. Für den Lokalverkehr sorgt

eine Pferdebahn (14 km Länge). Die Umgebung ist

terrassenförmig, mit prächtigen Villen besäet.

Über dem Boschetto befinden sich die aussichtsreichen Villen

Ferdinanda und Revoltella, hoch über T. an der

Poststraße das Dorf Optschina mit Obelisk und herrlichem

Überblick über Stadt und Meer, in der Mitte einer

schönen Eichenwaldung das k. k. Hofgestüt Lipizza. Am

nördlichen Meeresstrand liegen der Küstenort San Bartolo

(Barcola), mit Fabriken und Seebadeanstalt und weiter das

schöne Schloß Miramar (s. d.). Die Stadt wird von

mehreren Brunnen der Umgebung sowie durch eine Wasserleitung aus

dem Abhang des Gebirgszugs Santa Croce mit gutem Wasser versehen.

Das Wappen von T. s. auf Tafel "Österreichisch-Ungarische

Länderwappen".

T. (Tergeste) ward 178-177 v. Chr. mit Istrien dem

römischen Reich einverleibt und unter Augustus zu einer

römischen Kolonie gemacht. Im Mittelalter tritt es

zunächst als Bischofsstadt mit einem bedeutenden Territorium

(der römischen regio) hervor. Der Kommune gelang es im 13.

Jahrh., dem Bischof die wichtigsten Hoheitsrechte teils abzuringen,

teils abzulösen. Doch befand es sich, im wechselnden Kampf um

seine Selbständigkeit Venedig gegenüber, in einer

schwankenden Stellung zum Patriarchen von Aquileja als "Markgrafen

von Istrien" und zu dessen Vögten, den Grafen von Görz,

als "Grafen von Istrien". Nach dem großen venezianischen

Krieg von 1379 bis 1381 kam es 1382 an Österreich und blieb

fortan unter dessen Herrschaft, mit Ausnahme der Zeit von 1797 bis

1805, in der es die Franzosen besetzt hielten, und von 1809 bis

1813, in der es zu der illyrischen Provinz Frankreichs

gehörte, bis auf die Gegenwart. Die Stadt ward nun bald die

glückliche Rivalin Venedigs und, besonders seitdem Kaiser Karl

VI. sie zum Freihafen erklärt, die Beherrscherin des

Adriatischen Meers. 1818 ward sie nebst Gebiet dem deutschen

Bundesgebiet einverleibt. Durch kaiserliches Dekret vom 2. Okt.

1849 ward die Stadt nebst Gebiet zur reichsunmittelbaren Stadt

erhoben. Vgl. Mainati, Croniche ossia memorie stor.-sacro-prof. di

Trieste (Venedig 1817-18, 7 Bde.); Löwenthal, Geschichte der

Stadt T. (Triest 1857); Scussa, Storia cronografica di Trieste

(neue Aufl., das. 1885-86); della Croce, Storia di Trieste (das.

1879); Cavalli, Storia di Trieste (das. 1877); Neumann-Spallart,

Österreichs maritime Entwickelung und die Hebung von T.

(Stuttg. 1882); Scubitz, T. und seine Bedeutung für den

deutschen Handel (Leipz. 1881); die jährlichen Publikationen

der Triester Börsendeputation: "Navigazione di Trieste" und

"Commercio di Trieste"; "Führer durch T. und Umgebung" (2.

Aufl., Wien 1886).

Triester Holz, s. Celtis.

Triëterien (Mänadenfeste), s. Dionysos, S.

998.

Trieur (franz., spr. triör), s.

Getreidereinigungsmaschinen.

Trifels, Burgruine auf der Hardt in Rheinbayern,

südöstlich bei Annweiler, 494 m ü. M. Die Burg T.

war ehemals sehr bedeutend und ein Reichsgut, wo 1076 der gebannte

Kaiser Heinrich IV. Schutz fand, wo Heinrich V. den Erzbischof

Adalbert von Mainz und Heinrich VI. 1193-94 den König Richard

Löwenherz von England gefangen hielten, und wo die

Hohenstaufen ihre Schätze verwahrten. Nach dem

Dreißigjährigen Krieg verfiel die Burg.

Trifles (engl., spr. treifls, "Kleinigkeiten,

Spielereien"), in England beliebte Mischung von allerlei beliebig

zusammengestellten Leckereien, z. B. in Wein getränkter

Biskuits, in feinem Likör getränkter Makronen, Zitronat,

kandierter Orangenschalen, Obstmarmeladen, Gelees etc.; das Ganze

wird mit Creme bedeckt und dann mit Schlagsahne

übergossen.

Trifolium, s. Klee.

842

Triforium - Trigonometrie.

Triforium (lat.), eigentlich Drillingsbogen, eine in

gotischen Kirchen in der Dicke der Mittelschiffmauer

herumgeführte, auf Säulchen ruhende Galerie (s. Fig. a

b), die anfangs wirklich nach außen geöffnet,

später zu rein dekorativem Zweck auf die äußere

Mauerfläche aufgesetzt war.

Trift, der Weg für das Weidevieh; Triftgerechtigkeit

(Triftrecht), die einem Grundeigentümer zustehende Befugnis,

sein Vieh über fremde Grundstücke zu treiben, wobei aber

das Vieh sich nicht aufhalten darf, um zu fressen, wofern nicht mit

dem Triftrecht eine Weidegerechtigkeit (s. d.) verbunden ist.

Triftenfreund, s. Nemophila.

Triftlieschgras, s. Phleum.

Triga (lat.), Dreigespann.

Trigeminus, dreigeteilter Nerv, s. Gehirn, S. 2 f.

Triggiano (spr. tridschano), Stadt in der ital. Provinz

Bari, nahe südlich von Bari gelegen, mit Mandel-, Wein- und

Ölbau und (1881) 8217 Einw.

Trigla, Knurrhahn.

Triglaw, Berg, s. Terglou.

Triglaw (slaw.), Gott der Wenden, dreiköpfig

dargestellt, hatte die Herrschaft über Himmel, Erde und

Unterwelt. Ein schwarzes, ihm geweihtes Roß lenkte durch

seine Orakelzeichen jegliches Unternehmen. Tempel hatte er zu

Stettin, Wollin und Brandenburg a. H.

Triglyph (griech., Dreischlitz), Teil des Gebälkes

der dorischen Säulenordnung, welchen man als das Kopfende

eines über den Architrav gestreckten Balkens zu betrachten

hat, das mit drei lotrechten Vertiefungen (Schlitzen) versehen ist.

Die Triglyphen (s. Abbild. a) bilden einen Teil des Frieses, worin

sie mit den (b) Metopen (s. d.) abwechseln; s. Tafel

"Säulenordnungen", Fig. 1, 2 u. 3.

Trigon (griech.), Dreieck; trigonal, dreieckig.

Trigonalschein (Gedrittschein), s. Aspekten.

Trigonalzahlen (Triangularzahlen), Zahlen von der Form

1/2n(n+1), deren Einheiten man in Gestalt regelmäßiger

Dreiecke ordnen kann; vgl. Polygonalzahlen.

Trigondodekaëder (Pyramidentetraeder), von Dreiecken

eingeschlossene zwölfflächige Kristallgestalt, Hemieder

des tesseralen Trapezoeders; s. Kristall, S. 232.

Trigonella L. (Kuhhornklee, Käseklee), Gattung aus

der Familie der Papilionaceen, Kräuter mit fiederig

dreizähligen Blättern, einzelnen, in Köpfchen,

Dolden oder kurzen, dichten Trauben achselständigen, gelben,

bläulichen oder weißen Blüten und linealischen,

zusammengedrückten oder walzigen, geraden oder

sichelförmigen, mehrsamigen Hülsen. Etwa 70 Arten,

vorzüglich im Mittelmeergebiet. T. Foenum graecum L.

(Bockshornklee, griechisches Heu), einjährig, 30-50 cm hoch,

mit verkehrt-eiförmigen oder länglich-keilförmigen

Blättchen, einzeln oder zu zweien stehenden, blaßgelben

Blüten und 8-12 cm langen, kahlen, linealischen, schwach

sichelförmigen, längsgestreiften Hülsen, zwischen

dem Getreide im südlichen Europa, in Kleinasien und

Nordafrika, in Indien, auch in Europa der Samen halber kultiviert.

Diese schmecken widerlich bitter, riechen stark melilotenartig und

standen bei den Ägyptern, Griechen und Römern in hohem

Ansehen, sie wurden als Arzneimittel, Viehfutter, geröstet als

Speise benutzt, und auch Karl d. Gr. befahl den Anbau in

Deutschland. Jetzt dienen die Samen fast nur noch in der

Veterinärpraxis. Mit Milch zubereitet, genießen sie die

Frauen im Orient, um die in den Harems beliebte Wohlbeleibtheit zu

gewinnen. Das Stroh dient zu Pferdefutter.

Trigonia, s. Muscheln, S. 912.

Trigonoduskalk, s. Triasformation, S. 828.

Trigonometer, der mit der Triangulierung eines Landes

beauftragte Geodät.

Trigonometrie (griech., Dreiecksmessung), der auf die

Ähnlichkeitslehre sich gründende Teil der Geometrie,

welcher aus drei zur Bestimmung ausreichenden Stücken eines

Dreiecks die übrigen durch Rechnung finden lehrt. Das

Hilfsmittel hierzu bilden die goniometrischen (trigonometrischen)

Funktionen, welche den Zusammenhang zwischen geradlinigen Strecken

und Winkeln vermitteln. Um die Bedeutung dieser Funktionen zu

verstehen, denke man sich einen Winkel u durch Drehung eines

Schenkels um den Scheitel O entstanden; der Winkel sei dann positiv

oder negativ, je nachdem die Drehung der Bewegung eines Uhrzeigers

entgegengesetzt oder mit ihr gleichgerichtet ist; es ist also in

Fig. 1 der spitze Winkel AOP positiv, dagegen der spitze Winkel A O

S negativ, wenn der zuerst geschriebene Radius O A der

Anfangsschenkel ist. In dem Kreis (Fig. 1) sind zwei aufeinander

senkrechte Durchmesser gezogen, der horizontale A' A und der

vertikale B' B. Indem man von P die Senkrechten P C auf A' A u. P D

auf B' B fällt, erhält man die horizontale Projektion O C

und die vertikale O D des Radius O P, des Endschenkels des Winkels

u = A O P. Die horizontale Projektion wird positiv gerechnet, wenn

sie von O nach rechts, die vertikale, wenn sie nach oben liegt, bei

entgegengesetzter Lage sind sie negativ. Man versteht nun unter

Sinus von u, geschrieben sin u, die Vertikalprojektion des

Endschenkels, dividiert durch diesen selbst; unter Kosinus von u,

cos u, die Horizontalprojektion, dividiert durch den Endschenkel;

es ist also

sin u = O D / O P, cos u = O C / O P. [s. Bildansicht]

Dabei wird der im Nenner stehende Radius O P stets positiv

gerechnet, während den im Zähler stehen-

[Triforium.]

[Triglyphen (a) des dorischen Frieses.]

843

Trigynus - Triklinium.

den Projektionen ihr Vorzeichen zu erteilen ist. Ferner ist die

Tangente von u (tan u, tang u oder tg u) gleich dem Sinus,

dividiert durch den Kosinus, die Kotangente (cot u) gleich Eins,

dividiert durch Tangente, die Sekante (sec u) gleich Eins durch

Kosinus, die Kosekante (cosecu) gleich Eins durch Sinus. Die

früher üblichen Funktionen Kosinus versus (cos vers u = 1

- sin u) und Sinus versus (sin vers u = 1 - cos u) werden jetzt

kaum mehr benutzt. Aus Fig. 1 und den gegebenen Definitionen ist

ersichtlich, daß sämtliche goniometrische Funktionen

dieselben absoluten Werte, die sie für einen spitzen Winkel u

= A O P haben, auch für die Winkel 180° - u = A O Q,

180° + u = A O R und 360° - u = A O S haben. Das Vorzeichen

ist aber in den verschiedenen Quadranten verschieden nach dem

folgenden Schema:

0°-90° 90°-180° 180°-270°

270°-360°

sin + + - -

cos + - - +

tan + - + -

cot + - + -

sec + - - +

cosec + + - -

Man braucht sonach nur die Werte der trigonometrischen

Funktionen für die Winkel des ersten Quadranten zu kennen.

Diese Werte, gewöhnlicher die Logarithmen derselben, finden

sich in Tabellen zusammengestellt, die den Sammlungen

logarithmischer Tafeln (s. Logarithmus) einverleibt sind. Die

Untersuchung der Eigenschaften dieser goniometrischen Funktionen

ist Aufgabe der Goniometrie (s. d.). Im rechtwinkeligen Dreieck

(Fig. 2) kann man, mit dem Obigen sachlich übereinstimmend,

definieren den Sinus als die Gegenkathete des Winkels, dividiert

durch die Hypotenuse, Kosinus als anliegende Kathete durch die

Hypotenuse, Tangente als Gegenkathete durch anliegende:

sin alpha = a/c, cos alpha = b/c, tan alpha = a/b.

Diese drei Gleichungen, in Verbindung mit dem Pythagoreischen

Satz c² - a² + b² und der Formel beta = 90°

-alpha, genügen zur Berechnung der fehlenden Stücke eines

rechtwinkeligen Dreiecks. In einem schiefwinkeligen Dreieck mit den

Seiten a, b, c und den Gegenwinkeln alpha, beta, gamma (Fig. 3)

dienen zur Berechnung der fehlenden Stücke die zwei Formeln:

a² = b² + c² - 2bc.cos alpha und a sin beta = b sin

alpha nebst den vier andern, welche sich durch Vertauschung der

Buchstaben ergeben. Die erste Formel, eine Erweiterung des

Pythagoreischen Satzes, lehrt aus zwei Seiten u. dem

eingeschlossenen Winkel die dritte Seite (a aus b, c und alpha)

finden, aber auch den Winkel alpha aus den drei Seiten. Der

Unbequemlichkeit der Rechnung halber wendet man aber in beiden

Fällen häufig andre Formeln an. Die zweite Formel, der

Sinussatz (weil man schreiben kann a : b = sin alpha : sin beta, d.

h. zwei Seiten verhalten sich wie die Sinus der Gegenwinkel), dient

in Verbindung mit der Formel alpha + beta + gamma = 180° dann

zur Rechnung, wenn sich unter den bekannten Stücken zwei

gegenüberliegende befinden. Das hier Angedeutete bildet den

Inhalt der ebenen T., an die sich die Polygonometrie, die

Berechnung der Polygone, anschließt. Die sphärische T.

hat es mit der Berechnung sphärischer Dreiecke zu thun, die

durch Bogen größter Kreise auf einer Kugel gebildet

werden. Vgl. über ebene und sphärische T. Dienger,

Handbuch der T. (3. Aufl., Stuttg. 1867); Reuschle, Elemente der T.

(das. 1873). Da die Erde keine genaue Kugel, sondern ein

Sphäroid ist, so hat man unter dem Namen sphäroidische T.

eine Erweiterung der sphärischen T. ausgebildet, welche sich

mit den Dreiecken auf dem Sphäroid beschäftigt. Vgl.

Grunert, Elemente der ebenen, sphärischen und

sphäroidischen T. (Leipz. 1837). - Die Astronomen des

Altertums bestimmten die Winkel durch die Sehnen, die sie in einem

um den Scheitel beschriebenen Kreis umspannten; der syrische Prinz

Albategnius (Mohammed ben Geber al Batani, gest. 928) führte

zuerst die halben Sehnen der doppelten Winkel, d. h. die Sinus als

absolute Längen (nicht Quotienten), ein; auch rührt von

ihm die erste Idee der Tangenten her, die von Regiomontanus dauernd

eingeführt wurden. Die Auffassung der trigonometrischen

Funktionen als Verhältniszahlen datiert von Euler.

Trigynus (griech.), dreiweibig, Blüten mit drei

Pistillen; davon Trigynia, Ordnung im Linnéschen System,

Pflanzen mit drei Griffeln umfassend.

Trihemitonium (griech.), "anderthalb Töne", d. h.

die kleine Terz.

Trijodmethan, s. Jodoform.

Trikkala (türk. Tirhala), Hauptstadt des

gleichnamigen thessal. Nomos im Königreich Griechenland, der

auf 5700 qkm (103,5 QM.) 117,109 Einw. zählt, am Trikkalinos

(Zufluß des Salamvria), Sitz eines griechischen Erzbischofs,

hat ein noch jetzt benutztes byzantinisches Kastell, 10 griech.

Kirchen, 7 Moscheen, ein griech. Gymnasium, 2 Synagogen,

Färberei, Gerberei, Baumwollbau und (1883) 5563 griechische

und türk. Einwohner (im Winter, wenn die walachischen Hirten

der Umgebung dazu kommen, bedeutend mehr). Dabei die dürftigen

Ruinen der alten thessalischen Festung Trikke, welche den

ältesten und berühmtesten Asklepiostempel

besaß.

Triklines (triklinometrisches) Kristallsystem, s.

Kristall, S. 231.

Triklinium (lat.), bei den alten Römern das

gepolsterte Lager, auf dem man beim Essen lag. Es nahm drei Seiten

eines quadratischen Tisches ein (während die vierte für

die Bedienung frei blieb), und jede Seite desselben bot in der

Regel für drei Personen Raum (vgl. obenstehende Skizze). Jeder

der Plätze war mit einer Seitenlehne und einem Kissen

versehen, auf welches man sich mit dem linken Arm stützte,

während die Füße nach außen gerichtet waren.

Hinsichtlich der Reihenfolge der neun Plätze herrschte eine

strenge Etikette. Das mittelste Ruhe-

844

Trikolore - Triller.

bett (lectus medius) und das ihm zur Linken stehende oberste

(lectus summus) waren für die Gäste bestimmt und zwar das

erstere für die vornehmsten, das ihm zur Rechten stehende

unterste (lectus imus) für den Wirt und seine Familie. Als

gegen Ende der Republik Tische aus kostbarem Citrusholz mit runden

Platten aufkamen, wendete man ein halbkreisförmiges Ruhebett

an, das nach seiner Form Sigma oder auch Stibadium genannt wurde.

Ehrenplätze auf dem Sigma waren die Eckplätze. T.

heißt übrigens auch das Speisezimmer selbst, und die

vornehmen Römer der spätern Zeit hatten für die

verschiedenen Jahreszeiten mehrere solcher Zimmer (s. Tafel

"Baukunst VI", Fig. 4); in den Klöstern Saal zur Bewirtung der

Pilger.

Trikolore (franz.), "dreifarbige" Kokarde oder Fahne, wie

sie Frankreich, Belgien, Italien, Rußland, Deutschland etc.

haben, besonders aber die der Franzosen (rot, blau und weiß),

welche durch die erste Revolution eingeführt wurde (s. Fahne,

S. 1016, Kokarde und Nationalfarben).

Trikot (franz., spr. -koh), ursprünglich aus Seide,

Wolle oder Baumwolle gewirkte Beinkleider und Jacken für

Schauspieler etc.; dann auf dem Rundstuhl gefertigte, nach Art des

Tuches gewalkte und geschorne Gewebe, welche eine Art leichtes

Sommer- oder Damentuch bilden; endlich glatte, melierte oder

verschieden gemusterte, den Buckskins ähnliche wollene Gewebe,

welche aber elastischer als letztere sind.

Trikupis, 1) Spyridon, griech. Gelehrter und Staatsmann,

geb. 20. April 1788 zu Missolunghi, ward von dem damals in

Griechenland reisenden Lord North, nachmaligem Grafen Guilford, zur

Vervollkommnung seiner Kenntnisse nach Paris und London gesandt,

dann dessen Privatsekretär, als derselbe Gouverneur der

Jonischen Inseln wurde. Im griechischen Freiheitskampf bekleidete

er, mit Ausnahme der Zeit der Präsidentschaft Kapo d'Istrias',

die wichtigsten Posten in der Verwaltung und der Diplomatie. Er war

unter der Regentschaft Konseilpräsident, nachdem

Regierungsantritt des Königs Otto zu zwei verschiedenen Malen

(1835-38 und 1841-43) außerordentlicher Gesandter zu London,

nach der Revolution vom 15. Sept. 1843 Minister des

Auswärtigen und des öffentlichen Unterrichts, von 1844

bis 1849 Vizepräsident des Senats, außerordentlicher

Gesandter zu Paris während der Blockade der griechischen

Häfen durch die englische Flotte 1850 und dann zum drittenmal

in London. Während der Bewegungen in den 60er Jahren war er

wiederum verschiedene Male Mitglied der zahlreichen ephemeren

Ministerien. Er starb 24. Febr. 1873. T. genoß außerdem

eines großen Rufs als Schriftsteller und Redner. Eine

große Anzahl von ihm während der Revolution gehaltener

Reden, religiösen wie politischen Inhalts, wurde 1836 in Paris

herausgegeben. Auch als Dichter trat er auf und zwar mit einem

Kriegsgedicht auf die Klephthen: "[griech. Titel, s. Bildansicht]"

(Par. 1821). Sein Hauptwerk ist jedoch die Geschichte des

hellenischen Aufstandes ("[griech. Titel, s. Bildansicht]", Lond.

1853-57, 4 Bde.; 2. Aufl. 1862).

2) Charilaos, griech. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 23.

Juli 1832 in Nauplia, studierte in Athen und Paris die Rechte, trat

1852 in den diplomatischen Dienst und schloß 1865 den Vertrag

mit England über die Abtretung der Jonischen Inseln ab. Als

Mitglied der Kammer schloß er sich der radikalen Partei an,

ward 1867 Minister des Auswärtigen und war 1875-76

Ministerpräsident, 1877 in dem Koalitionsministerium Kanaris'

Minister des Äußern und 1882-85 sowie seit 1886 wieder

Ministerpräsident. Seine Grundsätze wurden mit der Zeit

gemäßigter, und um die Regelung der Finanzen und die

Reform der Wehrkraft Griechenlands hat er sich hervorragende

Verdienste erworben.

Trikuspidalklappe, die dreizipfelige Herzklappe (s. Tafel

"Blutgefäße", Fig. 1), bedingt bei

Schlußunfähigkeit die Trikuspidalinsuffizienz.

Trilateral (lat.), dreiseitig.

Trilemma (griech.), Schlußform, s. Schluß, S.

544.

Trilinguisch (lat.), dreisprachig.

Triller, die bekannteste und häufigste der

musikalischen Verzierungen (s. d.), gefordert durch tr~~~ oder

einfach tr, auch t oder +, ist der den ganzen Wert der verzierten

Note ausfüllende wiederholte schnelle Wechsel der Hauptnote

mit der höhern Nachbarnote, wie sie die Vorzeichen ergeben;

doch darf niemals im Intervall der übermäßigen

Sekunde getrillert werden. Früher pflegte man den T. als mit

der Hilfsnote beginnend anzusehen: (Beispiel 1), doch ist seit etwa

Anfang unsers Jahrhunderts die Auffassung, daß die Hauptnote

beginnen müsse, allmählich die herrschende geworden (2).

Soll (in neuern Werken) der T. mit der Hilfsnote beginnen, so

muß diese noch besonders als Vorschlagsnote eingezeichnet

werden (3). Wird die untere Sekunde als Vorschlagsnote

vorgeschrieben, so entsteht der T. mit Vorschleife (4 u. 5), dessen

älteres Zeichen (noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts)

Beispiel 6 angibt, während Beispiel 7 dem T. mit Vorschleife

von oben entspricht. Auch der Nachschlag konnte durch eine

ähnliche Schleife am Schluß des Trillerzeichens

gefordert werden, u. es kommen daher auch T. mit beiden Schleifen

vor (8). Das einfache ~~~ ist das alte Zeichen des Trillers, wurde

aber häufig so ausgeführt, daß nur ein Teil des

Notenwerts aufgelöst wurde und dann die Note ausgehalten (s.

Pralltriller). Die Frage, wann dem T. ein Nachschlag als

Schluß beizugeben sei, ist das einzige Problem, welches der

T. bietet. In neuerer Zeit ist es üblich, den Nachschlag mit

kleinen Noten hinzuschreiben, wo er gewünscht wird (beim

längern T. fast ausnahmslos); auch bei neuen Ausgaben

älterer Werke findet man in Menge die Nachschläge

hinzugefügt, leider ist darin aber zweifellos von manchen

Editoren des Guten zu viel geschehen, z. B. von Moscheles bei

Mozart und Beethoven. Als Hausregel kann gelten, daß der

Nachschlag entbehrlich ist, besonders nach kürzern Trillern,

wenn von der Trillernote ein Sekundschritt abwärts geschieht,

Trillerketten erhalten gewöhnlich keine Nachschläge.

Wo

845

Triller - Trimurti

bei Bach und andern ältern Komponisten das Zeichen des

Trillers über der ersten Note eines punktierten Rhythmus

auftritt, darf nicht der ganze Notenwert aufgelöst werden,

sondern es wird dann nur ein paarmal schnell geschlagen und ohne

Nachschlag innegehalten, um den Rhythmus noch zur Geltung zu

bringen. Ein maßgebendes Gesetz für die Ausführung

aller Verzierungen ist, daß sie nicht die Rhythmik des

Stückes schädigen und verwischen dürfen; man thut

daher in vielen Fällen gut, eine Stelle erst ohne die

Verzierung zu spielen und dieselbe dann einzufügen. Eine

Aneinanderhängung mehrerer T. heißt Trillerkette

(Kettentriller). Steigt oder fällt die Trillerkette

sekundenweise, so erhalten die einzelnen T. gewöhnlich keine

Nachschläge, da der T. selbst als steigend und fortdauernd

angesehen wird; geradezu fehlerhaft ist der Nachschlag bei

chromatischer Veränderung des Trillers: Springende

Trillerketten dürfen Nachschläge erhalten, nur der eine

Oktave springende T. ist als Fortdauer desselben Trillers anzusehn,

d. h. erhält keinen Nachschlag.

Triller, s. Sächsischer Prinzenraub.

Trillhaus (Triller), ein hölzernes, vergittertes, an

einer horizontalen Welle befestigtes Häuschen, in welches

ehedem die wegen Polizeivergehen Verurteilten eingesperrt wurden,

um durch Herumdrehen desselben zu allerhand lächerlichen

Bewegungen und Übelkeit gebracht und dem öffentlichen

Spott preisgegeben zu werden.

Trilling (Drehling, Stockgetriebe), ein

größeres Getriebe, bei dem die Getriebstöcke

zwischen zwei hölzernen Scheiben (Trillingsscheiben) befestigt

sind.

Trillion, die dritte Potenz einer Million, geschrieben 1

mit 18 Nullen; vgl. Zahlensystem.

Trillo, Flecken in der span. Provinz Guadalajara, am

Tajo, mit (1878) 782 Einw. und besuchtem Mineralbad.

Trilobiten (Trilobitae), Gruppe völlig

ausgestorbener und nur den ältesten geologischen Schichten

angehöriger Tiere, die man früher allgemein zu den

Krebsen rechnete, neuerdings jedoch getrennt von ihnen behandelt.

Sie besaßen (vgl. die Abbildungen von Calymene,

Ellipsocephalus, Trinucleus, Paradoxides und Arges auf den Tafeln

"Silurische" und "Devonische Formation") einen durch zwei

Längsfurchen dreiteiligen Körper, der aus vielen Ringen

zusammengesetzt war und sich bei manchen Arten igelartig

zusammrollen konnte. Am ersten Ring, dem Kopf, saßen meist

zwei große Augen. Vielfach waren an Kopf und Rumpf lange

Stacheln vorhanden. Wichtig ist der Umstand, daß man

früher fast nie auch nur Spuren von Beinen gefunden hat; diese

müssen also im Vergleich zum Körper sehr weichhäutig

gewesen sein. Erst in der neuesten Zeit gelang es, durch Reihen von

mühsam hergestellten Schliffen durch T. zu ermitteln,

daß um den Mund herum 4 Paar Kaufüße und an jedem

Ring der Brust und des Hinterleibes ein Paar Gehbeine mit Kiemen

saßen. Vgl. Brongniart, Histoire naturelle des

crustacés fossiles, savoir Trilobites (Par. 1822);

Burmeister, Die Organisation der T. (Berl. 1843); Beyrich,

Untersuchungen über T. (das. 1845-46); Barrande,

Système silurien. Bd. 1 (Prag 1852); Salter, Monograph of

British Trilobites (Lond. 1864-66); Walcott, The Trilobite

(Cambridge, Mass., 1881).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 244 / 302 段