städtische Krankenhaus samt Gebäranstalt und Siechenhaus,
in welchem bis 2000 Personen Unterkunft finden können, das
große Militärspital, das Irrenhaus, die Findelanstalt,
das Hauptarmeninstitut (mit 600 Betten für Pfründner und
arme Kinder), eine Verpflegungs- und Arbeitsanstalt für
verwahrloste Kinder u. a. Das Seelazarett befindet sich
außerhalb der Stadt in dem südlich bei Muggia gelegenen
Valle San Bartolommeo. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt:
eine Handels- und nautische Akademie und eine Handelshochschule
(Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je
eine staatliche deutsche und eine städtische italienische
Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, 2 gewerbliche Zeichenschulen,
eine Hebammenlehranstalt, eine zoologisch-zootomische
Übungsstation, ein städtisches Mädchenlyceum,
endlich 4 Bürger-, 35 öffentliche und 19
Privatvolksschulen. An Museen und andern Sammlungen befinden sich
in T.: ein naturhistorisches Museum (Ferdinando-Massimiliano),
welches unter anderm eine Fauna des Adriatischen Meers
enthält; ein städtisches Museum mit Altertümern,
insbesondere aus Aquileja, das Museo lapidario, gleichfalls mit
römischen Antiquitäten, einem Münzkabinett, alten
Manuskripten und dem 1823 errichteten Marmordenkmal Winckelmanns
(s. d.); eine städtische Bibliothek mit 65,000 Bänden
(worunter die kostbarste Sammlung von Petrarcas Werken), eine
öffentliche Studienbibliothek, ein hydrographisches Institut
der k. k. Kriegsmarine mit Sternwarte, ein Kunstmuseum im Palast
Revoltella und mehrere Privatgemäldesammlungen. In T.
erscheinen 29 Zeitungen (24 italienische, 2 deutsche, eine
griechische und 2 slowenische). - Die Stadt ist Sitz der
Statthalterei des Küstenlandes, des Stadtmagistrats, der
österreichischen Seebehörde, des Oberlandes- und
Landesgerichts, des Handels- und Seegerichts, des Hafen- und
Seesanitätskapitanats, der Finanz-, Post- und
Telegraphendirektion, eines Hauptzollamtes und einer Handels- und
Gewerbekammer. Der Bürgermeister von T. trägt den Titel
Podestà und ist zugleich Präsident des Landtags
(Landeshauptmann); der Triester Stadtrat (54 Mitglieder) fungiert
zugleich als Landtag. T. ist außerdem Sitz eines Bischofs,
eines k. k. Divisionskommandos, eines Seebezirkskommandos, einer
Polizeidirektion und zahlreicher Konsulate fremder Staaten
(darunter auch eines deutschen). Das Budget der Stadt T. belief
sich 1889 auf 3,363,000 Gulden Einnahmen und 3,431,000 Guld.
Ausgaben; die Schuld betrug 1887: 4,583,330 Guld., das
Vermögen von T. nach Abzug aller Passiva 5,242,344 Guld. T.
besitzt mehrere Seebadeanstalten. Für den Lokalverkehr sorgt
eine Pferdebahn (14 km Länge). Die Umgebung ist
terrassenförmig, mit prächtigen Villen besäet.
Über dem Boschetto befinden sich die aussichtsreichen Villen
Ferdinanda und Revoltella, hoch über T. an der
Poststraße das Dorf Optschina mit Obelisk und herrlichem
Überblick über Stadt und Meer, in der Mitte einer
schönen Eichenwaldung das k. k. Hofgestüt Lipizza. Am
nördlichen Meeresstrand liegen der Küstenort San Bartolo
(Barcola), mit Fabriken und Seebadeanstalt und weiter das
schöne Schloß Miramar (s. d.). Die Stadt wird von
mehreren Brunnen der Umgebung sowie durch eine Wasserleitung aus
dem Abhang des Gebirgszugs Santa Croce mit gutem Wasser versehen.
Das Wappen von T. s. auf Tafel "Österreichisch-Ungarische
Länderwappen".
T. (Tergeste) ward 178-177 v. Chr. mit Istrien dem
römischen Reich einverleibt und unter Augustus zu einer
römischen Kolonie gemacht. Im Mittelalter tritt es
zunächst als Bischofsstadt mit einem bedeutenden Territorium
(der römischen regio) hervor. Der Kommune gelang es im 13.
Jahrh., dem Bischof die wichtigsten Hoheitsrechte teils abzuringen,
teils abzulösen. Doch befand es sich, im wechselnden Kampf um
seine Selbständigkeit Venedig gegenüber, in einer
schwankenden Stellung zum Patriarchen von Aquileja als "Markgrafen
von Istrien" und zu dessen Vögten, den Grafen von Görz,
als "Grafen von Istrien". Nach dem großen venezianischen
Krieg von 1379 bis 1381 kam es 1382 an Österreich und blieb
fortan unter dessen Herrschaft, mit Ausnahme der Zeit von 1797 bis
1805, in der es die Franzosen besetzt hielten, und von 1809 bis
1813, in der es zu der illyrischen Provinz Frankreichs
gehörte, bis auf die Gegenwart. Die Stadt ward nun bald die
glückliche Rivalin Venedigs und, besonders seitdem Kaiser Karl
VI. sie zum Freihafen erklärt, die Beherrscherin des
Adriatischen Meers. 1818 ward sie nebst Gebiet dem deutschen
Bundesgebiet einverleibt. Durch kaiserliches Dekret vom 2. Okt.
1849 ward die Stadt nebst Gebiet zur reichsunmittelbaren Stadt
erhoben. Vgl. Mainati, Croniche ossia memorie stor.-sacro-prof. di
Trieste (Venedig 1817-18, 7 Bde.); Löwenthal, Geschichte der
Stadt T. (Triest 1857); Scussa, Storia cronografica di Trieste
(neue Aufl., das. 1885-86); della Croce, Storia di Trieste (das.
1879); Cavalli, Storia di Trieste (das. 1877); Neumann-Spallart,
Österreichs maritime Entwickelung und die Hebung von T.
(Stuttg. 1882); Scubitz, T. und seine Bedeutung für den
deutschen Handel (Leipz. 1881); die jährlichen Publikationen
der Triester Börsendeputation: "Navigazione di Trieste" und
"Commercio di Trieste"; "Führer durch T. und Umgebung" (2.
Aufl., Wien 1886).
Triester Holz, s. Celtis.
Triëterien (Mänadenfeste), s. Dionysos, S.
998.
Trieur (franz., spr. triör), s.
Getreidereinigungsmaschinen.
Trifels, Burgruine auf der Hardt in Rheinbayern,
südöstlich bei Annweiler, 494 m ü. M. Die Burg T.
war ehemals sehr bedeutend und ein Reichsgut, wo 1076 der gebannte
Kaiser Heinrich IV. Schutz fand, wo Heinrich V. den Erzbischof
Adalbert von Mainz und Heinrich VI. 1193-94 den König Richard
Löwenherz von England gefangen hielten, und wo die
Hohenstaufen ihre Schätze verwahrten. Nach dem
Dreißigjährigen Krieg verfiel die Burg.
Trifles (engl., spr. treifls, "Kleinigkeiten,
Spielereien"), in England beliebte Mischung von allerlei beliebig
zusammengestellten Leckereien, z. B. in Wein getränkter
Biskuits, in feinem Likör getränkter Makronen, Zitronat,
kandierter Orangenschalen, Obstmarmeladen, Gelees etc.; das Ganze
wird mit Creme bedeckt und dann mit Schlagsahne
übergossen.
Trifolium, s. Klee.
842
Triforium - Trigonometrie.
Triforium (lat.), eigentlich Drillingsbogen, eine in
gotischen Kirchen in der Dicke der Mittelschiffmauer
herumgeführte, auf Säulchen ruhende Galerie (s. Fig. a
b), die anfangs wirklich nach außen geöffnet,
später zu rein dekorativem Zweck auf die äußere
Mauerfläche aufgesetzt war.
Trift, der Weg für das Weidevieh; Triftgerechtigkeit
(Triftrecht), die einem Grundeigentümer zustehende Befugnis,
sein Vieh über fremde Grundstücke zu treiben, wobei aber
das Vieh sich nicht aufhalten darf, um zu fressen, wofern nicht mit
dem Triftrecht eine Weidegerechtigkeit (s. d.) verbunden ist.
Triftenfreund, s. Nemophila.
Triftlieschgras, s. Phleum.
Triga (lat.), Dreigespann.
Trigeminus, dreigeteilter Nerv, s. Gehirn, S. 2 f.
Triggiano (spr. tridschano), Stadt in der ital. Provinz
Bari, nahe südlich von Bari gelegen, mit Mandel-, Wein- und
Ölbau und (1881) 8217 Einw.
Trigla, Knurrhahn.
Triglaw, Berg, s. Terglou.
Triglaw (slaw.), Gott der Wenden, dreiköpfig
dargestellt, hatte die Herrschaft über Himmel, Erde und
Unterwelt. Ein schwarzes, ihm geweihtes Roß lenkte durch
seine Orakelzeichen jegliches Unternehmen. Tempel hatte er zu
Stettin, Wollin und Brandenburg a. H.
Triglyph (griech., Dreischlitz), Teil des Gebälkes
der dorischen Säulenordnung, welchen man als das Kopfende
eines über den Architrav gestreckten Balkens zu betrachten
hat, das mit drei lotrechten Vertiefungen (Schlitzen) versehen ist.
Die Triglyphen (s. Abbild. a) bilden einen Teil des Frieses, worin
sie mit den (b) Metopen (s. d.) abwechseln; s. Tafel
"Säulenordnungen", Fig. 1, 2 u. 3.
Trigon (griech.), Dreieck; trigonal, dreieckig.
Trigonalschein (Gedrittschein), s. Aspekten.
Trigonalzahlen (Triangularzahlen), Zahlen von der Form
1/2n(n+1), deren Einheiten man in Gestalt regelmäßiger
Dreiecke ordnen kann; vgl. Polygonalzahlen.
Trigondodekaëder (Pyramidentetraeder), von Dreiecken
eingeschlossene zwölfflächige Kristallgestalt, Hemieder
des tesseralen Trapezoeders; s. Kristall, S. 232.
Trigonella L. (Kuhhornklee, Käseklee), Gattung aus
der Familie der Papilionaceen, Kräuter mit fiederig
dreizähligen Blättern, einzelnen, in Köpfchen,
Dolden oder kurzen, dichten Trauben achselständigen, gelben,
bläulichen oder weißen Blüten und linealischen,
zusammengedrückten oder walzigen, geraden oder
sichelförmigen, mehrsamigen Hülsen. Etwa 70 Arten,
vorzüglich im Mittelmeergebiet. T. Foenum graecum L.
(Bockshornklee, griechisches Heu), einjährig, 30-50 cm hoch,
mit verkehrt-eiförmigen oder länglich-keilförmigen
Blättchen, einzeln oder zu zweien stehenden, blaßgelben
Blüten und 8-12 cm langen, kahlen, linealischen, schwach
sichelförmigen, längsgestreiften Hülsen, zwischen
dem Getreide im südlichen Europa, in Kleinasien und
Nordafrika, in Indien, auch in Europa der Samen halber kultiviert.
Diese schmecken widerlich bitter, riechen stark melilotenartig und
standen bei den Ägyptern, Griechen und Römern in hohem
Ansehen, sie wurden als Arzneimittel, Viehfutter, geröstet als
Speise benutzt, und auch Karl d. Gr. befahl den Anbau in
Deutschland. Jetzt dienen die Samen fast nur noch in der
Veterinärpraxis. Mit Milch zubereitet, genießen sie die
Frauen im Orient, um die in den Harems beliebte Wohlbeleibtheit zu
gewinnen. Das Stroh dient zu Pferdefutter.
Trigonia, s. Muscheln, S. 912.
Trigonoduskalk, s. Triasformation, S. 828.
Trigonometer, der mit der Triangulierung eines Landes
beauftragte Geodät.
Trigonometrie (griech., Dreiecksmessung), der auf die
Ähnlichkeitslehre sich gründende Teil der Geometrie,
welcher aus drei zur Bestimmung ausreichenden Stücken eines
Dreiecks die übrigen durch Rechnung finden lehrt. Das
Hilfsmittel hierzu bilden die goniometrischen (trigonometrischen)
Funktionen, welche den Zusammenhang zwischen geradlinigen Strecken
und Winkeln vermitteln. Um die Bedeutung dieser Funktionen zu
verstehen, denke man sich einen Winkel u durch Drehung eines
Schenkels um den Scheitel O entstanden; der Winkel sei dann positiv
oder negativ, je nachdem die Drehung der Bewegung eines Uhrzeigers
entgegengesetzt oder mit ihr gleichgerichtet ist; es ist also in
Fig. 1 der spitze Winkel AOP positiv, dagegen der spitze Winkel A O
S negativ, wenn der zuerst geschriebene Radius O A der
Anfangsschenkel ist. In dem Kreis (Fig. 1) sind zwei aufeinander
senkrechte Durchmesser gezogen, der horizontale A' A und der
vertikale B' B. Indem man von P die Senkrechten P C auf A' A u. P D
auf B' B fällt, erhält man die horizontale Projektion O C
und die vertikale O D des Radius O P, des Endschenkels des Winkels
u = A O P. Die horizontale Projektion wird positiv gerechnet, wenn
sie von O nach rechts, die vertikale, wenn sie nach oben liegt, bei
entgegengesetzter Lage sind sie negativ. Man versteht nun unter
Sinus von u, geschrieben sin u, die Vertikalprojektion des
Endschenkels, dividiert durch diesen selbst; unter Kosinus von u,
cos u, die Horizontalprojektion, dividiert durch den Endschenkel;
es ist also
sin u = O D / O P, cos u = O C / O P. [s. Bildansicht]
Dabei wird der im Nenner stehende Radius O P stets positiv
gerechnet, während den im Zähler stehen-
[Triforium.]
[Triglyphen (a) des dorischen Frieses.]
843
Trigynus - Triklinium.
den Projektionen ihr Vorzeichen zu erteilen ist. Ferner ist die
Tangente von u (tan u, tang u oder tg u) gleich dem Sinus,
dividiert durch den Kosinus, die Kotangente (cot u) gleich Eins,
dividiert durch Tangente, die Sekante (sec u) gleich Eins durch
Kosinus, die Kosekante (cosecu) gleich Eins durch Sinus. Die
früher üblichen Funktionen Kosinus versus (cos vers u = 1
- sin u) und Sinus versus (sin vers u = 1 - cos u) werden jetzt
kaum mehr benutzt. Aus Fig. 1 und den gegebenen Definitionen ist
ersichtlich, daß sämtliche goniometrische Funktionen
dieselben absoluten Werte, die sie für einen spitzen Winkel u
= A O P haben, auch für die Winkel 180° - u = A O Q,
180° + u = A O R und 360° - u = A O S haben. Das Vorzeichen
ist aber in den verschiedenen Quadranten verschieden nach dem
folgenden Schema:
0°-90° 90°-180° 180°-270°
270°-360°
sin + + - -
cos + - - +
tan + - + -
cot + - + -
sec + - - +
cosec + + - -
Man braucht sonach nur die Werte der trigonometrischen
Funktionen für die Winkel des ersten Quadranten zu kennen.
Diese Werte, gewöhnlicher die Logarithmen derselben, finden
sich in Tabellen zusammengestellt, die den Sammlungen
logarithmischer Tafeln (s. Logarithmus) einverleibt sind. Die
Untersuchung der Eigenschaften dieser goniometrischen Funktionen
ist Aufgabe der Goniometrie (s. d.). Im rechtwinkeligen Dreieck
(Fig. 2) kann man, mit dem Obigen sachlich übereinstimmend,
definieren den Sinus als die Gegenkathete des Winkels, dividiert
durch die Hypotenuse, Kosinus als anliegende Kathete durch die
Hypotenuse, Tangente als Gegenkathete durch anliegende:
sin alpha = a/c, cos alpha = b/c, tan alpha = a/b.
Diese drei Gleichungen, in Verbindung mit dem Pythagoreischen
Satz c² - a² + b² und der Formel beta = 90°
-alpha, genügen zur Berechnung der fehlenden Stücke eines
rechtwinkeligen Dreiecks. In einem schiefwinkeligen Dreieck mit den
Seiten a, b, c und den Gegenwinkeln alpha, beta, gamma (Fig. 3)
dienen zur Berechnung der fehlenden Stücke die zwei Formeln:
a² = b² + c² - 2bc.cos alpha und a sin beta = b sin
alpha nebst den vier andern, welche sich durch Vertauschung der
Buchstaben ergeben. Die erste Formel, eine Erweiterung des
Pythagoreischen Satzes, lehrt aus zwei Seiten u. dem
eingeschlossenen Winkel die dritte Seite (a aus b, c und alpha)
finden, aber auch den Winkel alpha aus den drei Seiten. Der
Unbequemlichkeit der Rechnung halber wendet man aber in beiden
Fällen häufig andre Formeln an. Die zweite Formel, der
Sinussatz (weil man schreiben kann a : b = sin alpha : sin beta, d.
h. zwei Seiten verhalten sich wie die Sinus der Gegenwinkel), dient
in Verbindung mit der Formel alpha + beta + gamma = 180° dann
zur Rechnung, wenn sich unter den bekannten Stücken zwei
gegenüberliegende befinden. Das hier Angedeutete bildet den
Inhalt der ebenen T., an die sich die Polygonometrie, die
Berechnung der Polygone, anschließt. Die sphärische T.
hat es mit der Berechnung sphärischer Dreiecke zu thun, die
durch Bogen größter Kreise auf einer Kugel gebildet
werden. Vgl. über ebene und sphärische T. Dienger,
Handbuch der T. (3. Aufl., Stuttg. 1867); Reuschle, Elemente der T.
(das. 1873). Da die Erde keine genaue Kugel, sondern ein
Sphäroid ist, so hat man unter dem Namen sphäroidische T.
eine Erweiterung der sphärischen T. ausgebildet, welche sich
mit den Dreiecken auf dem Sphäroid beschäftigt. Vgl.
Grunert, Elemente der ebenen, sphärischen und
sphäroidischen T. (Leipz. 1837). - Die Astronomen des
Altertums bestimmten die Winkel durch die Sehnen, die sie in einem
um den Scheitel beschriebenen Kreis umspannten; der syrische Prinz
Albategnius (Mohammed ben Geber al Batani, gest. 928) führte
zuerst die halben Sehnen der doppelten Winkel, d. h. die Sinus als
absolute Längen (nicht Quotienten), ein; auch rührt von
ihm die erste Idee der Tangenten her, die von Regiomontanus dauernd
eingeführt wurden. Die Auffassung der trigonometrischen
Funktionen als Verhältniszahlen datiert von Euler.
Trigynus (griech.), dreiweibig, Blüten mit drei
Pistillen; davon Trigynia, Ordnung im Linnéschen System,
Pflanzen mit drei Griffeln umfassend.
Trihemitonium (griech.), "anderthalb Töne", d. h.
die kleine Terz.
Trijodmethan, s. Jodoform.
Trikkala (türk. Tirhala), Hauptstadt des
gleichnamigen thessal. Nomos im Königreich Griechenland, der
auf 5700 qkm (103,5 QM.) 117,109 Einw. zählt, am Trikkalinos
(Zufluß des Salamvria), Sitz eines griechischen Erzbischofs,
hat ein noch jetzt benutztes byzantinisches Kastell, 10 griech.
Kirchen, 7 Moscheen, ein griech. Gymnasium, 2 Synagogen,
Färberei, Gerberei, Baumwollbau und (1883) 5563 griechische
und türk. Einwohner (im Winter, wenn die walachischen Hirten
der Umgebung dazu kommen, bedeutend mehr). Dabei die dürftigen
Ruinen der alten thessalischen Festung Trikke, welche den
ältesten und berühmtesten Asklepiostempel
besaß.
Triklines (triklinometrisches) Kristallsystem, s.
Kristall, S. 231.
Triklinium (lat.), bei den alten Römern das
gepolsterte Lager, auf dem man beim Essen lag. Es nahm drei Seiten
eines quadratischen Tisches ein (während die vierte für
die Bedienung frei blieb), und jede Seite desselben bot in der
Regel für drei Personen Raum (vgl. obenstehende Skizze). Jeder
der Plätze war mit einer Seitenlehne und einem Kissen
versehen, auf welches man sich mit dem linken Arm stützte,
während die Füße nach außen gerichtet waren.
Hinsichtlich der Reihenfolge der neun Plätze herrschte eine
strenge Etikette. Das mittelste Ruhe-
844
Trikolore - Triller.
bett (lectus medius) und das ihm zur Linken stehende oberste
(lectus summus) waren für die Gäste bestimmt und zwar das
erstere für die vornehmsten, das ihm zur Rechten stehende
unterste (lectus imus) für den Wirt und seine Familie. Als
gegen Ende der Republik Tische aus kostbarem Citrusholz mit runden
Platten aufkamen, wendete man ein halbkreisförmiges Ruhebett
an, das nach seiner Form Sigma oder auch Stibadium genannt wurde.
Ehrenplätze auf dem Sigma waren die Eckplätze. T.
heißt übrigens auch das Speisezimmer selbst, und die
vornehmen Römer der spätern Zeit hatten für die
verschiedenen Jahreszeiten mehrere solcher Zimmer (s. Tafel
"Baukunst VI", Fig. 4); in den Klöstern Saal zur Bewirtung der
Pilger.
Trikolore (franz.), "dreifarbige" Kokarde oder Fahne, wie
sie Frankreich, Belgien, Italien, Rußland, Deutschland etc.
haben, besonders aber die der Franzosen (rot, blau und weiß),
welche durch die erste Revolution eingeführt wurde (s. Fahne,
S. 1016, Kokarde und Nationalfarben).
Trikot (franz., spr. -koh), ursprünglich aus Seide,
Wolle oder Baumwolle gewirkte Beinkleider und Jacken für
Schauspieler etc.; dann auf dem Rundstuhl gefertigte, nach Art des
Tuches gewalkte und geschorne Gewebe, welche eine Art leichtes
Sommer- oder Damentuch bilden; endlich glatte, melierte oder
verschieden gemusterte, den Buckskins ähnliche wollene Gewebe,
welche aber elastischer als letztere sind.
Trikupis, 1) Spyridon, griech. Gelehrter und Staatsmann,
geb. 20. April 1788 zu Missolunghi, ward von dem damals in
Griechenland reisenden Lord North, nachmaligem Grafen Guilford, zur
Vervollkommnung seiner Kenntnisse nach Paris und London gesandt,
dann dessen Privatsekretär, als derselbe Gouverneur der
Jonischen Inseln wurde. Im griechischen Freiheitskampf bekleidete
er, mit Ausnahme der Zeit der Präsidentschaft Kapo d'Istrias',
die wichtigsten Posten in der Verwaltung und der Diplomatie. Er war
unter der Regentschaft Konseilpräsident, nachdem
Regierungsantritt des Königs Otto zu zwei verschiedenen Malen
(1835-38 und 1841-43) außerordentlicher Gesandter zu London,
nach der Revolution vom 15. Sept. 1843 Minister des
Auswärtigen und des öffentlichen Unterrichts, von 1844
bis 1849 Vizepräsident des Senats, außerordentlicher
Gesandter zu Paris während der Blockade der griechischen
Häfen durch die englische Flotte 1850 und dann zum drittenmal
in London. Während der Bewegungen in den 60er Jahren war er
wiederum verschiedene Male Mitglied der zahlreichen ephemeren
Ministerien. Er starb 24. Febr. 1873. T. genoß außerdem
eines großen Rufs als Schriftsteller und Redner. Eine
große Anzahl von ihm während der Revolution gehaltener
Reden, religiösen wie politischen Inhalts, wurde 1836 in Paris
herausgegeben. Auch als Dichter trat er auf und zwar mit einem
Kriegsgedicht auf die Klephthen: "[griech. Titel, s. Bildansicht]"
(Par. 1821). Sein Hauptwerk ist jedoch die Geschichte des
hellenischen Aufstandes ("[griech. Titel, s. Bildansicht]", Lond.
1853-57, 4 Bde.; 2. Aufl. 1862).
2) Charilaos, griech. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 23.
Juli 1832 in Nauplia, studierte in Athen und Paris die Rechte, trat
1852 in den diplomatischen Dienst und schloß 1865 den Vertrag
mit England über die Abtretung der Jonischen Inseln ab. Als
Mitglied der Kammer schloß er sich der radikalen Partei an,
ward 1867 Minister des Auswärtigen und war 1875-76
Ministerpräsident, 1877 in dem Koalitionsministerium Kanaris'
Minister des Äußern und 1882-85 sowie seit 1886 wieder
Ministerpräsident. Seine Grundsätze wurden mit der Zeit
gemäßigter, und um die Regelung der Finanzen und die
Reform der Wehrkraft Griechenlands hat er sich hervorragende
Verdienste erworben.
Trikuspidalklappe, die dreizipfelige Herzklappe (s. Tafel
"Blutgefäße", Fig. 1), bedingt bei
Schlußunfähigkeit die Trikuspidalinsuffizienz.
Trilateral (lat.), dreiseitig.
Trilemma (griech.), Schlußform, s. Schluß, S.
544.
Trilinguisch (lat.), dreisprachig.
Triller, die bekannteste und häufigste der
musikalischen Verzierungen (s. d.), gefordert durch tr~~~ oder
einfach tr, auch t oder +, ist der den ganzen Wert der verzierten
Note ausfüllende wiederholte schnelle Wechsel der Hauptnote
mit der höhern Nachbarnote, wie sie die Vorzeichen ergeben;
doch darf niemals im Intervall der übermäßigen
Sekunde getrillert werden. Früher pflegte man den T. als mit
der Hilfsnote beginnend anzusehen: (Beispiel 1), doch ist seit etwa
Anfang unsers Jahrhunderts die Auffassung, daß die Hauptnote
beginnen müsse, allmählich die herrschende geworden (2).
Soll (in neuern Werken) der T. mit der Hilfsnote beginnen, so
muß diese noch besonders als Vorschlagsnote eingezeichnet
werden (3). Wird die untere Sekunde als Vorschlagsnote
vorgeschrieben, so entsteht der T. mit Vorschleife (4 u. 5), dessen
älteres Zeichen (noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts)
Beispiel 6 angibt, während Beispiel 7 dem T. mit Vorschleife
von oben entspricht. Auch der Nachschlag konnte durch eine
ähnliche Schleife am Schluß des Trillerzeichens
gefordert werden, u. es kommen daher auch T. mit beiden Schleifen
vor (8). Das einfache ~~~ ist das alte Zeichen des Trillers, wurde
aber häufig so ausgeführt, daß nur ein Teil des
Notenwerts aufgelöst wurde und dann die Note ausgehalten (s.
Pralltriller). Die Frage, wann dem T. ein Nachschlag als
Schluß beizugeben sei, ist das einzige Problem, welches der
T. bietet. In neuerer Zeit ist es üblich, den Nachschlag mit
kleinen Noten hinzuschreiben, wo er gewünscht wird (beim
längern T. fast ausnahmslos); auch bei neuen Ausgaben
älterer Werke findet man in Menge die Nachschläge
hinzugefügt, leider ist darin aber zweifellos von manchen
Editoren des Guten zu viel geschehen, z. B. von Moscheles bei
Mozart und Beethoven. Als Hausregel kann gelten, daß der
Nachschlag entbehrlich ist, besonders nach kürzern Trillern,
wenn von der Trillernote ein Sekundschritt abwärts geschieht,
Trillerketten erhalten gewöhnlich keine Nachschläge.
Wo
845
Triller - Trimurti
bei Bach und andern ältern Komponisten das Zeichen des
Trillers über der ersten Note eines punktierten Rhythmus
auftritt, darf nicht der ganze Notenwert aufgelöst werden,
sondern es wird dann nur ein paarmal schnell geschlagen und ohne
Nachschlag innegehalten, um den Rhythmus noch zur Geltung zu
bringen. Ein maßgebendes Gesetz für die Ausführung
aller Verzierungen ist, daß sie nicht die Rhythmik des
Stückes schädigen und verwischen dürfen; man thut
daher in vielen Fällen gut, eine Stelle erst ohne die
Verzierung zu spielen und dieselbe dann einzufügen. Eine
Aneinanderhängung mehrerer T. heißt Trillerkette
(Kettentriller). Steigt oder fällt die Trillerkette
sekundenweise, so erhalten die einzelnen T. gewöhnlich keine
Nachschläge, da der T. selbst als steigend und fortdauernd
angesehen wird; geradezu fehlerhaft ist der Nachschlag bei
chromatischer Veränderung des Trillers: Springende
Trillerketten dürfen Nachschläge erhalten, nur der eine
Oktave springende T. ist als Fortdauer desselben Trillers anzusehn,
d. h. erhält keinen Nachschlag.
Triller, s. Sächsischer Prinzenraub.
Trillhaus (Triller), ein hölzernes, vergittertes, an
einer horizontalen Welle befestigtes Häuschen, in welches
ehedem die wegen Polizeivergehen Verurteilten eingesperrt wurden,
um durch Herumdrehen desselben zu allerhand lächerlichen
Bewegungen und Übelkeit gebracht und dem öffentlichen
Spott preisgegeben zu werden.
Trilling (Drehling, Stockgetriebe), ein
größeres Getriebe, bei dem die Getriebstöcke
zwischen zwei hölzernen Scheiben (Trillingsscheiben) befestigt
sind.
Trillion, die dritte Potenz einer Million, geschrieben 1
mit 18 Nullen; vgl. Zahlensystem.
Trillo, Flecken in der span. Provinz Guadalajara, am
Tajo, mit (1878) 782 Einw. und besuchtem Mineralbad.
Trilobiten (Trilobitae), Gruppe völlig
ausgestorbener und nur den ältesten geologischen Schichten
angehöriger Tiere, die man früher allgemein zu den
Krebsen rechnete, neuerdings jedoch getrennt von ihnen behandelt.
Sie besaßen (vgl. die Abbildungen von Calymene,
Ellipsocephalus, Trinucleus, Paradoxides und Arges auf den Tafeln
"Silurische" und "Devonische Formation") einen durch zwei
Längsfurchen dreiteiligen Körper, der aus vielen Ringen
zusammengesetzt war und sich bei manchen Arten igelartig
zusammrollen konnte. Am ersten Ring, dem Kopf, saßen meist
zwei große Augen. Vielfach waren an Kopf und Rumpf lange
Stacheln vorhanden. Wichtig ist der Umstand, daß man
früher fast nie auch nur Spuren von Beinen gefunden hat; diese
müssen also im Vergleich zum Körper sehr weichhäutig
gewesen sein. Erst in der neuesten Zeit gelang es, durch Reihen von
mühsam hergestellten Schliffen durch T. zu ermitteln,
daß um den Mund herum 4 Paar Kaufüße und an jedem
Ring der Brust und des Hinterleibes ein Paar Gehbeine mit Kiemen
saßen. Vgl. Brongniart, Histoire naturelle des
crustacés fossiles, savoir Trilobites (Par. 1822);
Burmeister, Die Organisation der T. (Berl. 1843); Beyrich,
Untersuchungen über T. (das. 1845-46); Barrande,
Système silurien. Bd. 1 (Prag 1852); Salter, Monograph of
British Trilobites (Lond. 1864-66); Walcott, The Trilobite
(Cambridge, Mass., 1881).