Kurfürstentum im kurrheinischen Kreis, umfaßte ein Areal
von 8314 qkm (151 QM.) mit 280,000 meist kath. Einwohnern und
teilte sich in das obere und niedere Stift, deren erstes Trier, das
andre Koblenz zur Haupt- und Residenzstadt hatte. Suffragane von T.
waren die Bischöfe von Metz, Toul und Verdun und seit 1777 die
neukreierten von St.-Dié und Nancy. Der Erzbischof und
geistliche Kurfürst nahm unter den Kurfürsten die zweite
Rangstufe ein. Die jährlichen Einkünfte beliefen sich auf
½ Mill. Thaler. Das Wappen war ein gevierter Schild mit
einem roten Kreuz im silbernen Feld und einem weißen Lamme
mit einem Fähnlein auf einem Hügel im roten Feld. In
Trier soll nach der Legende im 1. Jahrh. durch Eucharius, Valerius
und Maternus ein Bistum gestiftet worden sein; indessen ist erst um
314 ein Bischof Agritius historisch nachzuweisen. Bei Maximin
(332-349) fand Athanasius Zuflucht. Erst unter Hetti (814-847)
erscheint T. als Erzbistum, dem schon die Metropolitangewalt
über das Bistum Toul zustand. Radbod (883-915) erlangte
für sein Stift die Rechte einer eignen Grafschaft,
Abgabenfreiheit, Münze und Zoll. Robert (930-956) nahm als
Inhaber des ältesten Kirchensitzes das Recht in Anspruch, Otto
I. zu krönen, was dieser damals auch zugab. Doch erkannte T.
1315 den Vorrang Kölns an. Heinrich I. (956-964) erhielt vom
Papst Johann XII. das Pallium, Theoderich I. 969 von Johann XIII.
den Primat in Gallien und Germanien. Das unter Diether III. von
Nassau (1300-1307) arg verschuldete Erzstift nahm einen bedeutenden
Aufschwung unter Balduin von Luxemburg (1307-54), dem Bruder
König Heinrichs VII. Derselbe erwarb 1314 die Würde eines
Erzkanzlers für Gallien und Arelat (d. h. Burgund), erweiterte
die Besitzungen seiner Kirche durch Annahme zahlreicher Lehnsleute
und begründete die Territorialhoheit. In der Folgezeit ward
aber die Lage des Erzstifts wegen zwiespältiger Wahlen und
zahlreicher Kriege so mißlich, daß die Stände,
bestrebt, eine weitere Verschuldung des Landes zu verhüten,
sich 1456 zu einer Union vereinigten, welche für künftige
Zeiten eine genaue Wahlkapitulation und Eidesleistung des zu
erwählenden Erzbischofs für erforderlich erklärte.
Unter Richard von Greiffenklau (1511-31) begann die
öffentliche Verehrung des heiligen Rockes, wozu des Ablasses
wegen bisweilen über 100,000 Pilger in Trier
zusammenströmten. Der Reformation trat Richard in seinem Land
mit Nachdruck entgegen. Johann VI. von der Leyen (1556-67) nahm die
Jesuiten in sein Land auf, für welche sein Nachfolger Jakob
III. von Elz (bis 1581) ein Kollegium in Koblenz errichtete, und
denen Johann VII. (1581-99) auch den Unterricht in den Schulen der
Stadt T. überwies. Zur Bildung der Geistlichen stiftete
derselbe 1585 Seminare in Trier und Koblenz. Erzbischof Philipp
Christoph von Sötern (1623-52), durch seine Streitigkeiten mit
dem Domkapitel und dem Adel daheim, durch seine Hinneigung zu
Frankreich dem Kaiser verhaßt, wurde 1635 von den Spaniern
festgenommen und bis 1645 in Wien gefangen gehalten. Unter seinem
Nachfolger Karl Kaspar von der Leyen (1652 bis 1676) wurde der seit
dem 12. Jahrh. bestehende Streit mit der Abtei St. Maximin beendet,
indem diese 1669 auf ihre Reichsfreiheit verzichtete. Der letzte in
der Reihe der Erzbischöfe von T. war Klemens Wenzeslaus,
Herzog von Sachsen (1768-1802), der daneben die Bistümer
Freising, Augsburg und Regensburg besaß. Derselbe ging von
der bisherigen Gewohnheit, den Evangelischen die Ansiedelung im
Erzstift zu untersagen, ab und gewährte endlich 1782 ein
Toleranzedikt. Während des ersten Koalitionskriegs hatte das
Land viel von den Einfällen der Franzosen zu leiden, so
daß sich 1794 der Erzbischof zur Flucht veranlaßt sah.
Als er im Frieden von Lüneville 1801 seine linksrheinischen
Besitzungen an Frankreich hatte abtreten müssen, dankte er
1802 ab und begnügte sich mit dem Bistum Augsburg und einem
Jahrgehalt von 100,000 Gulden. Durch den
Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurde das Erzstift zu
gunsten von Nassau-Weilburg säkularisiert. Schon 10. April
1802 war ein neues Bistum T. für das französische
Saardepartement gebildet und dem Erzstift Mecheln unterstellt. 1814
fielen die kurtrierschen Lande wieder an Deutschland, worauf sie
bis auf wenige Bezirke, wie St. Wendel (das an Koburg und erst 1834
an Preußen kam), Birkenfeld und Meisenheim, mit Preußen
vereinigt wurden. Der preußische Anteil gehört
gegenwärtig zu den Regierungsbezirken T. und Koblenz. Durch
die Bulle "De salute animarum" 1821 wurde das Bistum T.
reorganisiert und unter den Erzbischof von Köln gestellt. Die
Diözese umfaßt seitdem wieder dieselben Gebiete wie im
Mittelalter und ist nur auf dem linken Rheinufer geschmälert.
Der Bischof Wilhelm Arnoldi (1842-64) gab 1844 großen
Anstoß durch die neue Ausstellung des heiligen Rockes. Nach
dem Tode des Bischofs Eberhard (30. Mai 1876) blieb das Bistum
während des Kulturkampfes unbesetzt; erst 1881 wurde der
Bischof Korum (s. d.) ernannt. Vgl. Hontheim, Historia Trevirensis
diplomatica (Augsb. 1750, 3 Bde.); Derselbe, Prodromus historiae
Trevirensis (das. 1757, 2 Bde.); "Urkundenbuch zur Geschichte der
mittelrheinischen Territorien" (hrsg. von Beyer, Eltester und
Görz, Kobl. 1860-74, 3 Bde.); Görz, Regesten der
Erzbischöfe von T. (Trier 1859-61); Marx, Geschichte des
Erzstifts T. (das. 1858-64, 5 Bde.); "Gesta Treverorum" (hrsg. von
Waitz in den "Monumenta Germaniae, Scriptores", Bd. 8).
Trier (lat. Augusta Trevirorum, franz. Trèves),
Hauptstadt des vormaligen Erzbistums und des jetzigen gleichnamigen
Regierungsbezirks in der preuß. Rheinprovinz, liegt rechts an
der Mosel, über welche hier eine interessante alte, auf acht
Schwibbogen ruhende Brücke (ursprünglich ein
Römerbau) führt, im Knotenpunkt der Linien Hillesheim-T.,
Konz-Ehrang und Perl-Koblenz der Preußischen Staatsbahn, 124
m ü. M., und hat sechs öffentliche Plätze, aber
meist unregelmäßige, enge Straßen. Unter den
Gebäuden verdienen Erwähnung: die Porta nigra, nach
inschriftlichen Zeugnissen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und
früher zugleich als Bollwerk dienend, 36 m lang, 21 m breit
und 23 m hoch, seit dem 11. Jahrh. in eine Kirche verwandelt,
gegenwärtig aber von allen mittelalterlichen Anbauten, mit
Ausnahme einer romanischen Apsis, befreit; der Dom, dessen
mittlerer Teil aus dem 6. Jahrh. herrührt, während die
verschiedenartigen Anbauten im 8. und 12. Jahrh. hinzugefügt
worden sind, mit schönen Grabmälern, bedeutenden
Reliquien (darunter der berühmte heilige Rock); die
Liebfrauenkirche, im frühsten gotischen Stil 1227-43 erbaut
und mit dem
[Wappen von Trier.]
838
Triere - Triest.
Dom durch einen Kreuzgang verbunden, mit figurenreichem Portal
und kühn gewölbtem Schiff; die Gangolfskirche, Jesuiten-
oder Dreifaltigkeitskirche (mit dem Grab des Dichters Fr. v. Spee),
endlich Krypten in der Matthias- und Paulinuskirche. Im ganzen hat
die Stadt 11 katholische, eine evang. Kirche und eine Synagoge.
Noch sind zu nennen: die Palastkaserne (bis 1786
erzbischöflicher Palast), die ehemalige Benediktinerabtei St.
Maximin (jetzt Kaserne), auf den Ruinen eines römischen
Prachtbaues errichtet, und das neue Theater. Interessante
Denkmäler aus der Römerzeit sind außer den schon
genannten noch: der römische Kaiserpalast; die römischen
Bäder (zum Teil noch verschüttet); Überreste eines
römischen Amphitheaters, welches 28,000 Menschen faßte;
die durch König Friedrich Wilhelm IV. wiederhergestellte
Basilika (gewöhnlich Konstantinspalast genannt, seit 1856 zur
evangelischen Kirche eingerichtet). Der sogen. Frankenturm diente
in der fränkischen Zeit wahrscheinlich als Getreidemagazin.
Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit der Garnison (2
Infanterieregimenter Nr. 29 und 69 und ein Husarenregiment Nr. 9)
auf 26,126 Seelen, meist Katholiken; sie beschäftigen sich
vornehmlich mit Obst- und Weinbau, Gerberei, Woll-, Baumwoll- und
Leinweberei, Färberei, Wachsbleicherei, auch Tabaks- und
Hutfabrikation und treiben ansehnlichen Handel mit Moselweinen,
Vieh und Holz. Auch Steine, für ganze Kirchen im gotischen
Stil zugehauen, werden in Menge verschifft. An Bildungsinstituten
und andern Anstalten besitzt T. ein Gymnasium (darin die
Stadtbibliothek von 100,000 Bänden, Handschriften [Codex
aureus] und Inkunabeln sowie wertvolle Sammlungen), ein
Realgymnasium, eine Taubstummenanstalt, ein Provinzialmuseum mit
römischen Altertümern, ein Landarmenhaus, ein
Bürgerhospital, ein Militärlazarett etc. Die
städtischen Behörden zählen 4 Magistratsmitglieder
u. 24 Stadtverordnete. Sonst ist T. Sitz einer königlichen
Regierung, eines Landratsamtes (für den Landkreis T.), eines
katholischen Bischofs, eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion,
einer Forstinspektion und zweier Oberförstereien, eines
Bergreviers, eines Hauptsteueramtes, einer Handelskammer, einer
Reichsbanknebenstelle etc.; ferner des Stabes der 16. Division, der
31. und 32. Infanterie- und der 16. Kavalleriebrigade. 8 km
entfernt ist bei dem Dorf Igel (s. d.) die sogen. Igelsäule,
neben der auch noch ein Kastell oberhalb Saarburg (Grabkapelle
König Johanns von Böhmen) und ein Mosaikfußboden in
Nennig zu erwähnen sind. Zum Landgerichtsbezirk T.
gehören die 16 Amtsgerichte zu Bernkastel, Bitburg, Daun,
Hermeskeil, Hillesheim, Merzig, Neuerburg, Neumagen, Perl,
Prüm, Rhaunen, Saarburg, T., Wadern, Waxweiler und Wittlich. -
T. war im Altertum die Hauptstadt der Treverer, wurde im 3. Jahrh.
Residenz römischer Kaiser und unter Konstantin I. Metropole
einer der vier Präfekturen des Reichs. Um die Mitte des 5.
Jahrh. kam es unter die Herrschaft der Franken, wurde aber 451 von
den Hunnen zerstört. Durch den Vertrag von Verdun zu
Lothringen geschlagen, ward es unter Heinrich I. auf immer
Deutschland einverleibt. Zunächst von Grafen, seit dem 9.
Jahrh., als die Grafengewalt an die Erzbischöfe überging,
vom Vogt des Erzstifts verwaltet, strebte die Stadt später
danach, reichsunmittelbar zu werden, und erhielt auch 1212 von
Kaiser Otto IV. einen Freibrief, den Konrad IV. bestätigte.
Allein 1308 erkannte sie wieder die Gerichtsbarkeit des Erzbischofs
an, und ihre Eigenschaft als erzbischöfliche Stadt ward noch
1364 von Karl IV. und 1580 vom Reichskammergericht bestätigt.
An ihrer Spitze stand ein Schöffengericht, das 1443 vom
Erzbischof Jakob I. durch Einsetzung zweier Bürgermeister
ergänzt wurde. Erzbischof Theoderich I. und sein Nachfolger
Arnold II. befestigten im 13. Jahrh. die Stadt durch Mauern.
Später, besonders aber nach Vollendung des neuen Schlosses
(1786), ward Koblenz Residenz der Erzbischöfe. 1473 wurde in
T. eine Universität gestiftet, die 1797 aufgehoben ward. 1512
fand daselbst ein Reichstag statt, auf welchem die Kreisverfassung
im Reich endgültig festgestellt wurde. 1634 wurde T. von den
Spaniern erobert, aber 1645 von den Franzosen unter Turenne wieder
genommen. Schon 1674, 1688 und auf längere Dauer 1794 von den
Franzosen erobert, kam die Stadt 1801 an Frankreich und ward
Hauptstadt des Departements Saar. 1814 fiel sie an Preußen.
Denkwürdig ist die Zusammenkunft Kaiser Friedrichs III. mit
Karl dem Kühnen 1473 in T. Vgl. Haupt, Triers Vergangenheit
und Gegenwart (Trier 1822, 2 Bde.); Leonardy, Panorama von T. (das.
1868); Derselbe, Geschichte des trierschen Landes und Volkes
(Saarlouis 1871); Freeman, Augusta Trevirorum (a. d. Engl., Trier
1876); Hettner, Das römische T. (das. 1880); Wilmowsky, Der
Dom zu T. (das. 1874, 26 Tafeln); Derselbe, Archäologische
Funde in T. (das. 1873); Beissel, Geschichte der Trierer Kirchen
(das. 1888 ff.); Lokalführer von Braun, Lintz, Steinbach u.
a.
Der Regierungsbezirk T. (s. Karte "Rheinprovinz") umfaßt
7183 qkm (130,46 QM.) mit (1885) 675,225 Einw. (116,945
Evangelische, 551,521 Katholiken und 6534 Juden) und 13 Kreise:
Kreise QKilometer QMeilen Einwohner Einw. auf 1 QKilom.
Bernkastel .... 668 12,13 44389 66
Bitburg ..... 780 14,17 43494 56
Daun ...... 610 11,08 27305 45
Merzig ...... 418 7,59 37996 91
Ottweiler ..... 307 5,58 72514 236
Prüm ...... 919 16,69 35519 39
Saarbrücken .... 385 6,99 124374 323
Saarburg ..... 454 8,25 30946 68
Saarlouis ..... 444 8,06 68126 153
St. Wendel .... 537 9,75 45594 85
Trier (Stadtkreis) .. 8 0,15 33019 -
Trier (Landkreis) .. 1011 18,36 73949 73
Wittlich ..... 642 11,66 38000 59
Vgl. Bärsch, Beschreibung des Regierungsbezirks T. (Trier
1846-49, 2 Bde.).
Triere, s. Triremen.
Triesch, Marktflecken in Mähren,
Bezirkshauptmannschaft Iglau, an einem Teiche gelegen, mit alter
Pfarrkirche, Schloß mit Gartenanlagen, Synagoge, Tuch-,
Möbel- und Zündwarenfabriken und (1880) 4374 Einw.
Triést (ital. Trieste, slaw. Trst, lat. Tergeste),
wichtigster Hafen- und Seehandelsplatz der
österreichisch-ungar. Monarchie, hervorragendstes Emporium am
Adriatischen Meer, Hauptstadt des österreichisch-illyrischen
Küstenlandes, innerhalb dessen die Stadt mit ihrem Gebiet von
94,6 qkm (1,7 QM.) autonome Gemeindeverwaltung besitzt, erhebt sich
in reizender Lage terrassenförmig am Fuß des
amphitheatralisch aufsteigenden Karstgebirges am Meerbusen von T.
Sie bietet vom Meer und vom Land aus einen malerischen Anblick dar
und besteht aus zwei Hauptteilen: der Altstadt, die, an den
Abhängen des Schloßbergs erbaut, meist
unregelmäßige und enge Straßen hat, und der
Neustadt, welche sich an
839
Triest (Beschreibung der Stadt, Bevölkerung).
der Reede hinzieht und breite, regelmäßige, sich
rechte winkelig kreuzende Straßen enthält. In die
Neustadt tritt der 380 m lange, 16 m breite, 4 m tiefe "große
Kanal" mit zwei Drehbrücken ein, welcher den Schiffen
ermöglicht, unmittelbar an den Magazinen löschen zu
können. Die Stadt T. mit ihrem Gebiet zerfällt in 12
Bezirke, nämlich 5 innere Bezirke (Stadt), 5 äußere
Bezirke (Umgebung) und 2 das übrige Gebiet von T. (13
Dörfer) umfassende Bezirke. Unter den öffentlichen
Plätzen sind hervorzuheben: der Große Platz mit der
Marmorstatue Karls VI. u. großem Brunnen, durch einen
öffentlichen Garten vom Fischplatz (mitlebhaftem Fischmarkt)
am Meer getrennt; der Börsenplatz mit dem 1668 errichteten
Standbild Leopolds I.; der Ponte Rosso-Platz am Canal grande; der
Giuseppinaplatz mit dem Monument des Erzherzogs Maximilian, Kaisers
von Mexiko (von Schilling); der Stationsplatz, der Dogana- oder
Mautplatz, der Holzplatz, der mit einem anmutigen Square besetzte
Leipziger Platz, die große Piazza d'Armi etc. Von den
Straßen sind der Corso, die Acquedottogasse (mit schöner
Allee, besuchter Spaziergang), die Torrente- und Stadiongasse die
breitesten und schönsten. Die Via Giulia führt zum
Boschetto (Wäldchen), einem beliebten Vergnügungsort der
Triester Bevölkerung. Die Stadt hat außerdem breite
Kais, von denen der nordöstliche zum neuen Hafen und nach dem
im Winter besuchten Küstendorf San Bartolo, der
südwestliche zu dem am Meer gelegenen Spaziergang Sant' Andrea
und weiter zum Lloydarsenal führt. Unter den Kirchen steht
obenan der Dom von San Giusto, auf einem Hügel unterhalb des
Kastells, ein schon im 5. Jahrh. gegründeter, im 14. Jahrh.
vollendeter byzantinischer Bau mit fünf Schiffen, sehenswerten
Altertümern, Mosaiken, Reliquien und einem mit Benutzung
antiker Fragmente um 1000 erbauten Glockenturm. Vor dem Dom erhebt
sich die 1560 zu Ehren des Kaisers Ferdinand I. errichtete sogen.
Adlersäule. Sonstige erwähnenswerte Kirchen sind: die
1627 erbaute Kirche Santa Maria Maggiore (Jesuitenkirche) mit
Fresken von Sante, die Kirche Beata Vergine del Soccorso (Sant'
Antonio Vecchio), die 1830 von Nobile erbaute Kirche Sant' Antonio
am Ende des Großen Kanals, die Kirche San Giacomo, die reich
ausgestattete, mit Gemälden von Dell' Acqua gezierte
griechische Kirche San Niccolò mit zwei Türmen (1782
erbaut), die neuerbaute prächtige serbische Kirche im
byzantinischen und die neue lutherische Kirche im gotischen Stil,
die reformierte Kirche und die englische Kapelle. Die Israeliten
haben fünf Synagogen. Weitere hervorragende Gebäude sind:
das neue Rathaus am Großen Platz; das Tergesteum auf dem
Börsenplatz (1840 errichtet), ein gewaltiges Gebäude, im
Innern mit kreuzweiser Glasgalerie, Sitz der Börse; das alte
Börsengebäude im dorischen Stil (1802 erbaut), das
Statthaltereigebäude und der Lloydpalast am Großen
Platz, das Gebäude der Allgemeinen Versicherungsgesellschaft
am Kai, die Paläste Carciotti, Revoltella, Rittmeyer, Genel,
Salem, das große Schulgebäude am Leipziger Platz, das
Hôtel de Ville, die Villa Necker (einst Eigentum
Jérômes, Königs von Westfalen), die Villa Murat,
das vom Triester Turnverein errichtete Turnschulgebäude, das
geschmackvolle Stadttheater, das Armoniatheater, das Amphitheater
Fenice und das Teatro Filodrammatico, endlich das große, in
der Acquedottogasse erbaute Politeama Rossetti (Stadttheater); das
den Schloßberg krönende Kastell, an der Stelle des
römischen Kapitols 1508-1680 errichtet, mit herrlicher
Aussicht über Stadt und Meer, mehrere Kasernen, die
Reitschule, das alte Lazarett (jetzt Artilleriearsenal), der 33 m
hohe Leuchtturm (1833 erbaut), der Südbahnhof mit dem neuen
großen Stationsgebäude und der 1886 auf dem Kai von
Sant' Andrea erbaute Staatsbahnhof. Von Altertümern sind zu
erwähnen: die Überreste eines römischen
Amphitheaters, eine römische Wasserleitung und ein
Triumphbogen (Arco di Riccardo) aus der Kaiserzeit, welcher als
Stadtthor diente. In neuester Zeit sind auch im Küstenort San
Bartolo Überreste römischer Bauwerke (mit
Mosaikböden) gefunden worden. T. samt Gebiet zählte Ende
1880: 144,844 Einw., wovon auf die Stadt 74,544, auf die Vororte
58,475 und auf das weitere Gebiet von T. 11,825 entfallen. Für
Ende 1887 wurde die Bevölkerung mit 158,478 berechnet; 1810
zählte T. erst 29,908 Einw. Die Bevölkerung ist aus den
verschiedensten Elementen zusammengesetzt. Die Mehrheit bilden
Italiener, bez. italienisierte Südslawen (108,000), wie
überhaupt die Stadt einen vorwiegend italienischen Charakter
hat. Doch gibt es in T. auch zahlreiche Deutsche (über 6000,
meistens dem Beamten- und Handelsstand angehörig) sowie
Angehörige andrer Nationalitäten, als Griechen,
Engländer, Armenier, Türken etc. Die Bauern der Umgegend
sind Slowenen (im ganzen über 26,000), welche Sonntags in
malerischer Tracht einhergehen. Die Fischer und Seeleute sind meist
Dalmatiner und Istrianer. Der Religion nach sind von der gesamten
Einwohnerzahl 136,168
[Wappen von Triest.]
[Karte der Umgebung von Triest.]
840
Triest (Industrie, Handel und Verkehr).
Katholiken, 1861 nichtunierte Griechen, 1862 Evangelische, 4640
Israeliten, 217 konfessionslos.
Die Industrie besteht vornehmlich im Schiffbau, in der
Maschinenfabrikation, in der Mehl-, Seifen- und Biererzeugung. Die
Schiffswerfte des Österreichisch-Ungarischen Lloyd ist eins
der größten derartigen Etablissements des Kontinents;
ihr reiht sich die Schiffbauanstalt des Stabilimento tecnico
(für Kriegsschiffe) an. Die Maschinenfabriken liefern Schiffs-
und industrielle Dampfmaschinen und Kessel. Zwei große
Dampfmühlen versenden Schiffsladungen Mehl nach allen
Weltteilen. Die Drehersche Bierbrauerei in Guardiella versorgt
nicht nur die Stadt mit diesem Getränk, sondern versendet es
bis nach dem fernen Osten. In zweiter Linie reihen sich die
Gerberei, die Fabrikation von Seilen und Segeltuch, Möbeln,
Spielkarten und Zigarrettenpapier, Teigwaren, Essig, Schokolade,
Wachskerzen, Weinstein, chemischen Präparaten etc. an. Auch
die Versendung von Fischen nach den an der Südbahn gelegenen
Städten, insbesondere nach Wien, ist lebhaft. In T. befindet
sich ferner die Leitung mehrerer in den südlichen
österreichischen Provinzen gelegener industrieller
Etablissements. Die Umgegend von T. produziert vorzüglichen
Wein, Obst, Getreide, Öl und Steine. Seine eigentliche
Bedeutung verdankt T. aber dem Handel. 1887 belief sich der
Warenverkehr auf einen Gesamtwert von 665,2 Mill. Gulden, und zeigt
derselbe im Rückblick auf frühere Jahre eine ansehnliche,
stetige Entwickelung (1857: 280,3, 1867. 320,2, 1877: 448,3 Mill.
Guld.). Auf die Einfuhr kamen 1887: 342,1 (zur See 196,8, zu Land
145,3), auf die Ausfuhr 323,1 (zur See 175,5, zu Land 147,6) Mill.
Guld. Die Hauptartikel sind in der Einfuhr zur See: Kaffee (1887:
328,000 metr. Ztr.), Wein (306,000 metr. Ztr.),
Südfrüchte (650,000 metr. Ztr.), Getreide (548,000 metr.
Ztr.), Reis (110,000 metr. Ztr.), Olivenöl (96,000 metr.
Ztr.), Baumwollsamen-, Palm- und Kokosöl (79,000 metr. Ztr.),
Petroleum (294,000 metr. Ztr.), Baumwolle (617,000 Ztr.; von
Ostindien, Ägypten etc.), Valonen (175,000 Ztr.), Kolophonium
(102,000 Ztr.), Seesalz (104,000 metr. Ztr.), Steinkohlen (659,000
Ztr.), Roheisen und Eisenwaren (75,000 Ztr.), Faßdauben und
andre Holzwaren (1 Mill. Stück), Farbholz (50,000 Ztr.),
Indigo und andre Farb- und Gerbstoffe, Sämereien, Tabak, Hanf,
Jute, Häute und Felle, Gummiarten und Harze, Seefische,
Pfeffer und andre Gewürze, Schwefel, Maschinen etc. Die
Hauptgegenstände des Exports zur See, welcher vorzugsweise die
aus Österreich zugeführten Waren verfrachtet, zu einem
Teil aber auch auf dem Zwischenverkehr für die zur See
importierten Waren beruht, sind: Spiritus (83,500 metr. Ztr), Rum
(49,000 metr. Ztr.), Wein (215,000 Ztr.), Bier (112,000 Ztr.),
raffinierter Zucker (633,000 metr.Ztr.), Mehl (533,000 metr.Ztr.),
Papier (144,000 Ztr.), Baumwollwaren (31,000 Ztr.), Eisen u.
Eisenwaren (140,000 Ztr.), Holzwaren, als Faßdauben, Bretter
etc. (34 Mill. Stück), Glaswaren (57,000 Ztr.),
Zündhölzchen (55,000 Ztr.), Steinkohlen, Maschinen,
Kurzwaren, Juwelierarbeiten, Baumwolle, Schafwollwaren, Getreide
und Reis, verschiedene Früchte, Sämereien, Kaffee etc. Es
landeten 1887 in T. 8033 Schiffe mit 1,384,877 Ton. Gehalt (davon
3664 Dampfer mit 1,172,092 T.) und liefen aus 8128 Schiffe mit
1,393,524 T. Gehalt (darunter 3678 Dampfer mit 1,174,893 T.). Den
größten Anteil an diesem Schiffsverkehr haben
außer der österreichisch-ungarischen die britische und
italienische Flagge. Die wichtigsten Länder der Herkunft und
Bestimmung der ein- und ausgelaufenen Schiffe sind außer
Österreich-Ungarn: Italien, die Türkei,
Großbritannien, Ägypten, Frankreich, Ostindien,
Rußland (Schwarzes Meer), Griechenland und China. T. besitzt
zwei Häfen. Der alte, südöstliche ist eigentlich
eine offene Reede mit mehreren Steindämmen und Molen, als
deren größte der Molo San Carlo, auf dem Wrack eines
1737 hier versunkenen Kriegsschiffs erbaut, sodann die Molen Santa
Teresa mit dem 33 m hohen Leuchtturm auf der Spitze, Giuseppina,
Sartorio, Molo del Sale etc. zu nennen sind. Nordöstlich von
der Reede ist 1868-83 der neue Hafen angelegt worden. Derselbe
umfaßt vier Molen, je 95 m breit und 200-215 m lang, welche
durch zwischenliegende Kaistrecken verbunden sind, wonach die
Hafenanlage eine Ausdehnung von 1228 m erreicht; ferner einen
äußern Schutzdamm (Wellenbrecher) von 1088 m Länge.
Außerdem wurden in den Bassins des neuen Hafens eiserne
Anbindpfahlwerke, ferner an den Kais und Molen Eisenbahnanlagen und
Kräne sowie endlich Warenlagerhäuser hergestellt. T. ist
1719 zum Freihafen erklärt worden. Doch ist bereits bei
Abschluß des österreichisch-ungarischen Zoll- und
Handelsbündnisses von 1878 mit der Beseitigung der
Zollausschlüsse der Monarchie auch die Aufhebung des
Freihafenprivilegiums von T. prinzipiell ausgesprochen und nur
vorläufig noch für einige Jahre (bis 1891) aufgeschoben
worden. Die großartige Bedeutung als Seehandelsplatz dankt T.
übrigens nicht diesem Privilegium allein, sondern vor allem
seiner geographischen Lage am Nordende des tief ins Festland
einschneidenden Adriatischen Meers sowie dem Umstand, daß
sein offener Hafen für große Schiffe zugänglicher
ist als jener Venedigs. Ungünstig wirkt dagegen das T. gegen
die Landseite umgebende unwirtliche und den Verkehr mit den
Ländern des Donauthals hindernde Karstgebirge, wodurch sich
der Verbindung mit dem österreichischen, ungarischen und
deutschen Bahnnetz große Schwierigkeiten entgegenstellen. Von
T. läuft denn auch nur eine große Eisenbahnlinie
(Südbahn) aus, welche sich in Nabresina in die Linie nach
Wien, anderseits in die Linie über Cormons nach Italien teilt.
Außerdem führt eine Zweigbahn von T. nach Herpelje zur
Istrianer Staatsbahn; alle andern Projekte (Lacker Bahn, Predil-
und als Fortsetzung die Tauernbahn) scheitern an den technischen
Schwierigkeiten und den Kosten. Die Entwickelung des
österreichischen und ungarischen Eisenbahnnetzes hat daher dem
Handel Triests manchmal geradezu Abbruch gethan, wie insbesondere
die Linien nach Fiume und die Pontebbabahn. Dazu kommt die auch in
andrer Beziehung von der ungarischen Regierung wirksam
unterstützte Konkurrenz des Fiumaner Hafens sowie endlich
manche Mängel in den Triester Handelsverhältnissen
selbst. Infolge dieser Umstände ist trotz der Eröffnung
des Suezkanals und der dadurch erleichterten Verbindung mit
Ostindien, der Einrichtung von subventionierten Schiffahrtslinien
nach Bombay, Kalkutta, Singapur und Hongkong der Aufschwung im
Handels- und Schiffahrtsverkehr von T. in den letzten Jahrzehnten
hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Neuestens sind durch
Vervollständigung der Hafeneinrichtungen, Anlage großer
Lagerhäuser, Einführung von Differentialzöllen
(ermäßigte Zollsätze für die zur See
eingeführten Waren), Subventionierung neuer Schiffahrtslinien
des Lloyd (insbesondere nach Südamerika) Maßregeln zur
Belebung des Triester Hafen- und Handelsverkehrs ergriffen worden.
Unter den zahlreichen Instituten
841
Triester Holz - Trifolium.
und Vereinen für Verkehr, Kreditwesen und Industrie
behauptet den ersten Platz der 1836 errichtete Österreichische
(jetzt Österreichisch-Ungarische) Lloyd, der über eine
aktive Handelsflotte von 83 Dampfern verfügt. Andre Institute
sind: die Triester Kommerzialbank, die Volksbank, die
städtische Sparkasse, dann die Filialen der
Österreichisch-Ungarischen Bank, der Kreditanstalt, der
Unionbank u. a. T. ist der Sitz von vier Versicherungsanstalten,
darunter die weltbekannten Assicurazioni generali und Riunione
Adriatica di sicurtà. Es operieren hier außerdem 41
österreichisch-ungarische und ausländische
Versicherungsgesellschaften.