Pleochroismus.
Trichterlilie, s. Funkia.
Trichterwinde, s. Ipomoea.
Tricinium (lat.), Komposition für drei Singstimmen
(a cappella).
Trick (engl.), im Whistspiel Bezeichnung für jeden
Stich, den man über sechs macht.
Tricktrack, ein auf dem Puffbrett mit den Puffsteinen und
Würfeln auszuführendes Spiel; oft auch gleichbedeutend
mit Puff (s. d.).
Tricoccae, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem
unter den Dikotyledonen, Choripetalen, charakterisiert durch stets
eingeschlechtige Blüten, die oft nackt und dann
gewöhnlich männliche mit einer weiblichen in einer
Hülle vereinigt sind oder ein einfaches Perigon oder auch
Kelch- und Blumenblätter besitzen, hauptsächlich durch
den zwei oder drei knöpsigen, ebenso viele Fächer
bildenden, oberständigen Fruchtknoten mit einem oder zwei im
Innenwinkel der Fächer befindlichen Samen und durch die
ebenfalls zwei- oder dreiknöpfige Frucht, deren Fächer
bei der Reife meist von der Mittelsäule sich ablösen und
einen meist mit einem Nabelanhang versehenen Samen mit geradem
Keimling und ölhaltigem Endosperm enthalten. In diese Ordnung
gehören die Familien der Euphorbiaceen, Empetreen und
Kallitrichaceen.
Tricycle (spr. -ßihkl), Dreirad, s. Velociped.
Tridácna, Riesenmuschel.
Tridens (lat., Trident), Dreizack, besonders Attribut des
Neptun.
Tridentinische Alpen (Trientiner Alpen), s. Alpen, S.
400, und Ortleralpen.
Tridentinisches Konzil (Concilium Tridentinum), die zur
Beseitigung der durch die Reformation entstandenen kirchlichen
Wirren nach Trient berufene allgemeine Kirchenversammlung. Die
erste Veranlassung zu derselben war die Appellation der
protestantischen Fürsten an eine allgemeine Synode; ihr traten
dann auch die katholischen Fürsten bei, und Kaiser Karl V.
hatte schon Clemens VII. zum Ausschreiben einer solchen zu
vermögen versucht, jedoch vergeblich. Paul III. rief das
Konzil endlich auf den 23. Mai 1537 nach Mantua zusammen, aber nur,
um es, weil sich immer neue Hindernisse einstellten, auf
unbestimmte Zeit zu verschieben. Im Regensburger Reichsabschied vom
29. Juli 1541 versprach der Kaiser von neuem, für das
Zustandekommen eines Generalkonzils zu sorgen, und der Papst berief
nun aus Besorgnis, die Deutschen möchten sonst ihre
kirchlichen Angelegenheiten selbständig regeln, dasselbe auf
1. Nov. 1542 nach Trient; aber der Wiederausbruch der
Feindseligkeiten zwischen dem Kaiser und dem König von
Frankreich verzögerte seinen Zusammentritt, und das Konzil
ward erst 13. Dez. 1545 in der Kathedrale zu Trient eröffnet.
Die Sessionen desselben sind freilich nur leere Formalitäten
zur Verkündigung der Beschlüsse gewesen, die in den
Ausschüssen vorbereitet und debattiert wurden. Die Abstimmung
geschah nicht nach Nationen, wie in Konstanz, sondern nach
Köpfen. Da die Italiener zahlreicher als alle andern Nationen
zusammen vertreten waren und der präsidierende Kardinallegat
del Monte fortwährend mit dem Papst korrespondierte, so konnte
das Konzil kein freies sein. Nachdem in der 1. Session das
Zeremonial bestimmt, in der 2. der Modus vivendi für die
Konzilsväter festgestellt, in der 3. das Bekenntnis zu den
alten Glaubenssymbolen abgelegt war, wurden in der 4.-8. die
protestantischen Lehren vom Ansehen der Schrift und Tradition, von
der Erbsünde und Rechtfertigung sowie von den Sakramenten
verdammt und der katholische Lehrbegriff darüber festgestellt.
Als aber in demselben Maß, wie das Waffenglück den
Kaiser begünstigte, auch die kaiserlichen Gesandten immer
selbständiger auftraten, verlegte der Papst, angeblich wegen
einer in Trient ausgebrochenen Seuche, das Konzil 11. März
1547 nach Bologna. Eine Minderheit kaiserlicher Bischöfe blieb
in Trient zurück, während der Kaiser feierlich gegen die
Verlegung protestierte. Jedoch auch zu Bologna erließen die
Legaten in der 9. und 10. Sitzung 1547 bloß Dekrete, wodurch
die Versammlung vertagt wurde; die förmliche Aussetzung des
Konzils wurde 13. Sept. 1549 von Paul III. ausgesprochen. Nach
dessen Tod schrieb der neue Papst und bisherige Kardinallegat
Julius III. auf Betrieb des Kaisers die Fortsetzung des Konzils in
Trient aus, und sein Legat, der Kardinal Marcellus Crescentius,
eröffnete dasselbe 1. Mai 1551; Frankreich aber legte
Protest
835
Tridi - Trieb.
ein, weil die Physiognomie des Konzils auf diese Weise von
vornherein eine vorwiegend kaiserliche war. Es wurde nun in der 13.
Sitzung die Lehre von der Transsubstantiation, in der 14. und 15.
auch die von der Buße und Letzten Ölung festgesetzt.
Aber zu der vom Kaiser gewünschten Verständigung mit den
Protestanten kam es nicht. Zwar erschienen brandenburgische und
württembergische weltliche Prokuratoren sowie Abgeordnete aus
einigen oberländischen Städten, endlich 7. Jan. 1552 auch
die weltlichen Gesandten des Kurfürsten von Sachsen. Die 25.
Jan. 1552 abgehaltene Sitzung beschloß, die Bestimmungen
über das Meßopfer und andre Punkte bis zum 19.
März, d. h. bis zum Erscheinen derer zu vertagen, qui
protestantes se vocant. Am 18. März trafen wirklich die
württembergischen und Straßburger theologischen
Abgeordneten ein, die kursächsischen befanden sich auf dem
Weg, da wurde vom päpstlichen Legaten die Sitzung auf 1. Mai
verlegt. Der unerwartete Feldzug des Kurfürsten Moritz gegen
den Kaiser und sein Erscheinen vor Innsbruck hatte aber die
Vertagung des Konzils auf zwei Jahre, die in der 16. Sitzung (28.
April 1552) beschlossen ward, zur Folge. Aus den zwei Jahren wurden
zehn Jahre. Zwar erließ Papst Pius IV. 1560 und 1561 neue
Einladungen zur Fortsetzung des Konzils, aber erst 18. Jan. 1562
wurde dasselbe unter dem Vorsitz des Kardinallegaten Prinzen
Herkules Gonzaga von Mantua mit der 17. Sitzung wieder
eröffnet. Entschiedener erneuerten der Kaiser, der
Kurfürst von Bayern und der König von Frankreich ihre
Anträge auf Reformation der Kirche, auf Verstattung des
Laienkelchs im Abendmahl, der Priesterehe und der verbotenen
Speisen. In der Behauptung, daß die Residenz der
Bischöfe in ihren Diözesen nicht auf päpstlichem,
sondern auf göttlichem Recht beruhe, konzentrierte sich die
Opposition der spanischen Bischöfe gegen die italienischen.
Die 18. Sitzung handelte von der Bücherzensur; die 19. und 20.
beschlossen nur, daß in diesen beiden Sitzungen nichts
bestimmt werden solle; in der 21. und 22. Sitzung kamen die Dekrete
von der Abendmahlsfeier und dem Meßopfer zu stande, der
Laienkelch wurde von der Erlaubnis des Papstes abhängig
gemacht. Am 13. Nov. erschien bei dem Konzil noch der Kardinal von
Lothringen mit 14 Bischöfen, 3 Äbten und 18 Theologen aus
Frankreich. Da derselbe die Oppositonspartei im Sinn des
Episkopalsystems verstärkte und 34 französische
Reformationsartikel mitbrachte, so wußte die päpstliche
Partei die nächste Sitzung von einem Monat zum andern
hinauszuschieben. Darüber starb 2. März 1563 der
Kardinallegat Gonzaga. An seiner Stelle präsidierten die
Legaten Morone und Navageri, welche die Kirchenversammlung durch
theologische Zänkereien zu ermüden wußten,
während der Kaiser Ferdinand und der Kardinal von Lothringen
von den schlauen Italienern für die Sache des Papstes gewonnen
wurden. Die Jesuiten Laynez und Salmeron leisteten wackere
Beihilfe. So entstanden in der 23. Sitzung (15. Juli 1563) die
Dekrete von der Priesterweihe und Hierarchie, in der 24. (11. Nov.)
von dem Sakrament der Ehe, in der 25. (3. und 4. Dez.) von dem
Fegfeuer, dem Heiligen-, Reliquien- und Bilderdienst, den
Klostergelübden, dem Ablaß, Fasten, den Speiseverboten
und dem Verzeichnis der verbotenen Bücher, dessen
Fertigstellung nebst der Abfassung eines Katechismus und Breviers
dem Papst überlassen wurde. In den Reformationsdekreten, die
in der 21.-25. Session publiziert wurden, sorgte man für
Abstellung einiger der bisherigen Mißbräuche bei
Erteilung und Verwaltung geistlicher Ämter sowie für die
Bildung der Geistlichkeit durch die Vorschrift der Anlegung von
Seminaren und Prüfung der Ordinanden. Am Schluß der 25.
Sitzung, 4. Dez. 1563, rief der Kardinal von Lothringen: "Verflucht
seien alle Ketzer!", und die Prälaten stimmten ein:
"Verflucht, verflucht!" Die Beschlüsse wurden von 255
Prälaten unterschrieben und trennten für immer die
protestantische von der katholischen Kirche, für welche sie
die Bedeutung eines symbolischen Buches erhielten. Papst Pius IV.
bestätigte dieselben 26. Jan. 1566 durch die Bulle "Benedictus
deus" und behielt dem Papst allein ihre Auslegung vor, für die
1588 von Sixtus V. eine besondere Kongregation von Kardinälen
niedergesetzt wurde. Die Dekrete der Synode von Trient fanden in
den italienischen Staaten (aber nicht in Neapel), in Portugal und
Polen unbedingte, dagegen in Spanien und den von Spanien
abhängigen Ländern eine durch die Reichsgesetze bedingte
Annahme.^[sic] in Frankreich, Deutschland und Ungarn sogar
Widerspruch, der sich nur nach und nach zu stillschweigender
Billigung der den Glauben betreffenden Dekrete bequemte.
Die "Canones et decreta oecumenici concilii Tridentini" wurden
oft herausgegeben, am besten von Schulte und Richter (Leipz. 1853),
zuletzt in deutscher Übersetzung von Petz (Passau 1877). Am
gebräuchlichsten in der katholischen Kirche Deutschlands ist
die Ausgabe von Smets (lateinisch und deutsch, 6. Aufl., Bielef.
1868). Die Geschichte des Tridentinischen Konzils schrieben Sarpi
(s. d.) und gegen ihn Pallavicini (Rom 1656-57, 2 Bde.). Aber erst
neuerdings ist das Material zur Geschichtschreibung dieser Synode
in ausgiebigerm Maß bekannt geworden. Die
Geschäftsordnung des Konzils ist 1871 in Wien erschienen.
Weitere Beiträge veröffentlichten Sickel
("Aktenstücke zur Geschichte des Konzils zu Trient", Wien
1871), Theiner ("Acta genuina oecumenici concilii Tridentini",
Agram 1874, 2 Bde.; die Protokolle des Konzilsekretärs
Massarelli enthaltend), Calenzio ("Documenti inediti e nuovi lavori
letterarii sul concilio di Trento", Rom 1874), Maynier
("Étude historique sur le concile de Trente", Par. 1874),
Döllinger ("Ungedruckte Berichte und Tagebücher",
Nördling. 1876, Bd. 1), Druffel ("Monumenta Tridentina",
Münch. 1883-88, Heft 1-3).
Tridi (lat.-franz.), im franz. Revolutionskalender der
dritte Tag einer Dekade (s. d.).
Triduum (lat.), Zeit von drei Tagen.
Tridymit, Mineral aus der Ordnung der Anhydride, bildet
triklinische, dem hexagonalen System sehr nahe stehende Kristalle
(meist Drillinge, daher der Name) und besteht wie Quarz aus
Kieselsäureanhydrid SiO2, ist farblos oder weiß,
glasglänzend, Härte 7, spez. Gew. 2,28-2,33, wurde 1866
durch vom Rath entdeckt, seitdem aber in Trachyten, Andesiten,
Rhyolithen als ein reichlich vorhandener Gemengteil nachgewiesen,
während er in ältern vortertiären Felsarten nur
äußerst spärlich vorkommt. Außerdem ist T.
vielen Opalen beigemengt, die auch durch Glühen, ebenso wie
Quarzpulver und amorphe Kieselsäure, sich zu T. umsetzen;
Fundorte: Drachenfels, Mont Dore, Alleret, Frauenberg bei
Brückenau, Ungarn, Siebenbürgen, Irland, Mexiko etc.
Trieb, junger, noch nicht ein Jahr alter Ast.
Trieb, das sinnliche bleibende Begehren, bei welchem der
Grund der Dauer in der Beschaffenheit des leiblichen Organismus
gelegen ist. Die unaufhörliche Zersetzung und Ausscheidung der
kleinsten Bestandteile des Leibes erzeugt ebenso viele unange-
53*
836
Trieb - Trient.
nehme Gefühle des Mangels, die als Begehrungsreize wirken
und mit dem periodischen Wechsel des organischen Lebens in stets
gleicher Weise wiederkehren. Derselbe währt daher so lange,
als das letztere selbst währt, und ist darum so
unwiderstehlich, weil die Hinwegräumung seiner Ursache
außer unsrer Macht liegt. Das Begehren nach Schlaf
(Schlafbedürfnis), wenn die Organe erschöpft sind, nach
Nahrung (Nahrungstrieb), wenn es an Stoffersatz, nach Bewegung
(Bewegungstrieb), wenn es infolge dauernder Bewegungslosigkeit dem
Leib an Umsatz fehlt, kehrt trotz der Befriedigung in bestimmter
Zeit wieder, weil der Prozeß des physischen Lebens die Reize,
welche zu Begehrungen werden, immer von neuem erzeugt. Nichts
erfordert zu seiner Besiegung größere Kraft als
dasjenige Begehren, welches durch Triebe unterstützt wird, und
mancher derselben läßt sich nur durch Zerstörung
der Ursachen im Organismus (Fortpflanzungstrieb) oder des letztern
selbst (Selbsterhaltungstrieb) unterdrücken. Der T. gibt dem
Begehrungsleben eine bestimmte Gestalt, indem alles dasjenige, was
durch ihn unterstützt wird, infolge der unaufhörlichen
Reize leichter und öfter als andres Begehren zur Befriedigung
gelangt und daher von selbst zur Disposition, Neigung, Hang, Sucht
und Leidenschaft sich steigert, wenn nicht künstliche Hilfen
(praktische Grundsätze, Charakter) den natürlichen des
Leibes zum Widerstand entgegengesetzt werden. Gesellt sich zu dem
seiner Natur nach blinden (bewußtlosen) T. die gleichfalls
bewußtlose Kenntnis der zur Befriedigung desselben tauglichen
Mittel, so geht der T. in Instinkt über.
Trieb, Nebenfluß der Elster, s. Vogtländische
Schweiz.
Triebel, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Frankfurt, Kreis Sorau, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht,
Schuhmacherei, Weberei und (1885) 1657 Einw.
Triebrad, bei Fahrzeugen s. v. w. Treibrad; sonst im
Gegensatz zum Treibrad das in Bewegung gesetzte Rad; in der Uhr ein
kleineres Zahnrad, welches ein größeres treibt.
Triebstahl, s. Draht, S. 105.
Triebwerke, Maschinenteile, welche die Kräfte in
passender Weise nach bestimmten Richtungen übertragen, wirken
direkt wie Räder- und Kurbelgetriebe oder indirekt wie
Riemen-, Schnur- und Seilgetriebe.
Triefaugen, eine chronische Entzündung der
Augenbindehaut, deren Hauptsymptom in Rötung der
Lidränder und fortwährender Thränenabsonderung
besteht. Am häufigsten kommen T. bei skrofulösen
Individuen, nicht selten bei alten Frauen, vor, bei denen diese das
Aussehen stark entstellende Entzündung im Mittelalter manche
alte Matrone als Hexe auf den Scheiterhaufen gebracht hat. Die
stärksten Grade der Entzündung führen zu
Verkrümmungen der Augenlider nach auswärts oder
einwärts (Ektropium, Entropium) und sind nur durch plastische
Operation zu beseitigen. Betreffs der Behandlung s.
Augenentzündung.
Triel, Vogel, s. Dickfuß.
Triënnium (lat.), Zeit von drei Jahren. Akademisches
T. (t. academicum), die fast allgemein übliche Zeit von drei
Jahren, welche in Deutschland zum Besuch der Universität
verwendet und als Minimum für die meisten Staatsprüfungen
der Beamten sogar gesetzlich gefordert wird.
Trient (spr. triang), linksseitiger Nebenfluß des
Rhône in der Schweiz, entspringt aus dem Glacier du T. und
gelangt, durch die Eau Noire verstärkt, aus seinem Alpenthal
durch eine tiefe, schauerliche Schlucht (Gorge du T.) von 2 km
Länge bei Vernayaz in das Rhônethal hinaus.
Triént (ital. Trento, lat. Tridentum), Stadt (mit
selbständiger Gemeindeverwaltung) in Welschtirol, 190 m
ü. M., links an der schiffbaren Etsch, in welche hier die
Fersina mündet, und an der Südbahnlinie Kufstein-Ala,
Sitz eines Fürstbischofs, eines Domkapitels, einer
Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts, hat zwei
Vorstädte (San Martino und Santa Croce), spärliche Reste
der alten hohen Stadtmauern (der Sage nach aus der Gotenzeit) mit
zwei angeblich von den Römern erbauten Türmen, gut
gepflasterte Straßen und ganz im italienischen Stil erbaute
Häuser. In den letzten Jahren ist T. durch Anlage von
Außenforts zu einer Lagerfestung geworden. Die ansehnlichsten
Plätze sind die Piazza del Duomo mit dem Neptunsbrunnen und
die Piazza d'Armi. Unter den 15 Kirchen ragen hervor: der Dom, eine
dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit zwei Kuppeln (im 13.
Jahrh. begonnen, im 15. vollendet); die Kirche Santa Maria
Maggiore, aus rotem Marmor erbaut, mit den Bildnissen der
Kirchenfürsten, welche dem in dieser Kirche abgehaltenen
Konzil (s. unten) beiwohnten; die Peterskirche mit einer Kapelle
des heil. Simon von T., der als dritthalbjähriger Knabe 1472
angeblich von den Juden ermordet wurde; die Jesuiten-, jetzt
Seminarialkirche; die Kirche dell' Annunziata mit hoher, von vier
Säulen getragener Kuppel und die Martinskirche. Andre
ansehnliche Gebäude sind: das Renaissanceschloß Buon
Consiglio (einst Residenz der Fürstbischöfe, jetzt
Kastell) mit vielen Fresken, das Rathaus, der Justizpalast, das
Theater, mehrere Privatpaläste und das große Waisenhaus.
Die Stadt hat ein Franziskaner- und Kapuzinerkloster, 3
Nonnenklöster, ein Klerikalseminar mit theologischer
Diözesanlehranstalt, ein Obergymnasium, ein bischöfliches
Privatgymnasium, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Fachschule
für Steinbearbeitung, eine Handelsschule, ein Musiklyceum, ein
bischöfliches Taubstummeninstitut, ein städtisches
Museum, eine Volksbibliothek, verschiedene
Wohlthätigkeitsanstalten, eine Volksbank, Pfandleihanstalt,
Sparkasse und (1880) 19,585 Einw. Die Industrie wird durch
zahlreiche Seidenfilanden, eine Seidenspinnerei,
Glockengießerei, Töpferwaren- und
Konfitürenfabrikation etc. vertreten. Der Handel ist lebhaft.
In der Umgebung große Brüche roten Marmors, Obst- und
Weinbau. Auf dem rechten Etschufer liegt der befestigte
Felshügel Dos di Trento (289 m), auf dem einst das
Römerkastell Verruca stand. - Im Altertum war T. römische
Kolonie. Im 4. Jahrh. wurde es Bischofsitz und um 574 Residenz
eines langobardischen Herzogs. Bekannt ist es durch Secundus von T.
(gest. 604), der eine Geschichte der Langobarden geschrieben hat,
die leider verloren ist. Unter Karl d. Gr. kam es an das
fränkische Reich und unter Otto I. mit Italien an Deutschland.
König Konrad II. belehnte 1027 den Bischof von T. mit der
fürstlichen Würde und weltlichen Herrschaft über die
Stadt. Das Konzil von 1545 bis 1563 (s. Tridentinisches Konzil) gab
letzterer eine welthistorische Bedeutung. 1803 wurde das Hochstift
säkularisiert und den österreichischen Landen
einverleibt. 1805 fiel es an Bayern und, nach den Kämpfen von
1809 im Angesicht der Stadt, an das Königreich Italien. 1813
kam es wieder an Österreich. Vgl. Barbacovi, Memorie storiche
della città e del territorio di Trento (Trient 1808);
Ambrosi, Trento e suoi circondario (das. 1881); Öribauer,
Führer für T.-Arco etc. (Reichenberg 1884).
837
Trier (Bistum) - Trier (Stadt).