Lustschlösser im Park von Versailles. Ersteres 1685 von Ludwig
XIV. für Frau von Maintenon nach Mansarts Plänen
errichtet, nur ein Stockwerk hoch, von Ludwig Philipp mannigfach
umgebaut; letzteres unter Ludwig XV. für die Dubarry erbaut,
später Lieblingsaufenthalt der Königin Marie Antoinette,
mit schönem englischen Park. Vgl. Lescure, Les palais de T.
(Par. 1867); Desjardins, Le Petit-T. (Versaill. 1885); Bosq,
Versailles et les Trianons (Par. 1887).
Triarchie (griech.), Dreiherrschaft, Triumvirat.
Triarier (lat.), die ältesten Kerntruppen der
altrömischen Legionen vor der Zeit des Marius, deren
charakteristische Waffe die Hasta (s. d.) war. Im Gefecht bildeten
sie das dritte Treffen.
Trias (griech.), im allgemeinen die "Dreiheit", jede
Zusammstellung von drei irgendwie zusammengehörigen Dingen (s.
Trinität). In der Zeit des Deutschen Bundes verstand man unter
T. die Dreiteilung Deutschlands in Österreich, Preußen
und das "eigentliche Deutschland", die "rein deutschen" Mittel- und
Kleinstaaten, welch letztern eine festere und engere politische
Organisation gegeben werden sollte. Besonders Bayern und sein
König Maximilian II. förderten die sogen. Triasidee, weil
sie sich davon die Begründung einer bayrischen Hegemonie
versprachen. Die Ereignisse von 1866 und 1870-71 haben diese
Pläne für immer begraben. - Trias harmonica (lat.), in
der Musik s. v. w. konsonierender Dreiklang (Dur- oder Mollakkord);
T. superflua, übermäßiger Dreiklang; T. deficiens,
verminderter Dreiklang.
Triasformation (hierzu Tafel "Triasformation"), die
älteste der mesozoischen Formationen, die Dyasformation
bedeckend und von der Juraformation überlagert. Schon
hinsichtlich des zusammensetzenden Gesteinsmaterials macht sich die
Dreiteilung bemerklich, indem wenigstens in vielen Gegenden der
Entwickelung eine vorwiegend aus Sandstein bestehende unterste
Abteilung von einer wesentlich aus Kalkstein zusammengesetzten
mittlern Abteilung abgelöst wird, welcher als drittes Glied
eine Mergelbildung aufgelagert ist. Die Sandsteine sind
Quarzsandsteine mit thonigem (meist eisenschüssigem und dann
rotem, aber auch kaolinigem und dann weißem) oder kieseligem
Bindemittel, dem Korne nach sehr verschieden, feinkörnige
vorwiegend, andre Übergänge bis zu großbrockigen
Konglomeraten bildend. Die Kalksteine sind der Hauptmasse nach
dicht und dunkel gefärbt, durch thonige und organische
Substanzen stark verunreinigt, in einzelnen Lagen auch deutlich
kristallinisch und dann reiner, mitunter fast ausschließlich
aus organischen Resten gebildet. Unter den Mergeln walten bunt
gefärbte (marnes irisées) vor; ganz gewöhnlich
enthalten sie schwefelsaures Calcium, als Anhydrit oder Gips,
beigemengt. In einzelnen Lagen sind sie verkieselt (Steinmergel).
Untergeordnet kommen Mergel in der untersten und in der mittlern,
Sandsteine in der obersten, seltener in der mittlern, Dolomite,
Anhydrite, Gipse und Hornsteine in allen drei Etagen vor. In
mehreren Niveaus sind hier und da Steinsalzlinsen eingelagert.
Gliederung und Verbreitung. Die Dreiteilung der T. in
Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper ist am deutlichsten an den
kontinentalen, speziell den deutschen, außeralpinen
Schichtensystemen durchzuführen, während sich das Bild in
England und Amerika dadurch verwischt, daß die mittlere
Abteilung
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Triasformation (Gliederung).
(Muschelkalk) überhaupt nicht zur Entwickelung kam und in
der alpinen, übrigens sonst auch weitverbreiteten Facies die
Gesteinsunterschiede zwischen den einzelnen Gliedern nicht so
charakteristisch hervortreten. Zunächst von der deutschen
außeralpinen Facies ausgehend, läßt sich in der
untersten Abteilung, dem Buntsandstein, wiederum eine Dreiteilung
durchführen: zuerst, bei vollständiger Entwickelung der
Formationen, dem Zechstein (s. Dyasformation), oft aber auch
ältern Bildungen, beispielsweise dem Granit, aufgelagert,
Letten (Leberschiefer), weiße, oft fleckige Sandsteine
(Tigersandsteine), in einzelnen Gegenden (am Harz) Roggenstein.
Dieser untersten Abteilung folgt der Hauptbuntsandstein
(Vogesensandstein), überwiegend rot gefärbt; das bald
thonige, bald kieselige Bindemittel ist in den Schichten oft
regellos verteilt, so daß durch die Verwitterung groteske
Felsenklippen (Annweiler Thal) oder Blockanhäufungen
(Felsenmeere) entstehen. Mitunter konzentriert sich das thonige
Bindemittel zu größern Gallen oder kleinen,
gewöhnlich bald auskeilenden Zwischenschichten. Hin und wieder
sind einzelne Sandsteinpartien von kugeligen, aus kieselreicher
Masse gebildeten Konkretionen (Kugelfelsen) durchspickt. Das
oberste Glied des Buntsandsteins, den Röt, bilden Mergel mit
untergeordneten Dolomiten und ebenfalls zurücktretenden, oft
pflanzenführenden Sandsteinen (Voltziensandsteinen), nicht
selten sehr dünnschieferig, glimmerreich und mit
Steinsalzpseudomorphosen und Tierfährten
(Chirotheriumsandstein) auf den Oberflächen der Schichten. Als
untere Grenze des Muschelkalks, der zweiten Hauptabteilung der T.,
empfiehlt es sich, einen gegen die Farben des Röts scharf
abstechenden, gelblich- oder bräunlich gefärbten Dolomit
(Wellendolomit) zu nehmen, welcher zusammen mit dem gewöhnlich
sehr mächtigen Wellenkalk dann die unterste Abteilung des
ebenfalls dreigliederigen Muschelkalks bilden würde. Letzterer
ist ein sehr dünnschieferiger Kalk, mit eigentümlichen
Fältelungen und gebogenen Wülsten (sogen.
Schlangenwülsten) versehen, beide wohl
Eintrocknungserscheinungen. Hier und da ist dem eintönigen
Schichtenaufbau eine stärkere versteinerungsreichere Lage
eingeschaltet, so namentlich nach oben der Schaumkalk (Mehlbatzen),
im deutschen Norden mit größerer, in Mitteldeutschland
mit geringerer Mächtigkeit entwickelt, im Süden ganz
fehlend. In den Reichslanden und den angrenzenden
Länderstrichen ist diese ganze untere Etage des Muschelkalks
als eine Sandsteinfacies ausgebildet. Die auf den Wellenkalk
folgende Anhydritgruppe wird im allgemeinen aus Mergeln mit
Dolomiten (wegen ihrer zelligen Struktur Zellendolomite genannt),
auch Hornsteinen, reich an kleinen Versteinerungen, gebildet, wozu,
namentlich in Südwestdeutschland, Gips, Anhydrit und Steinsalz
kommen, und ist vom Hauptmuschelkalk (Friedrichshaller Kalk)
überlagert. Dieser stellt einen Wechsel von Kalksteinen und
thonigen Zwischenmitteln dar, in bald dünnen, bald
mächtigern Schichten. Die Führung von Versteinerungen ist
gewöhnlich auf einzelne Lagen beschränkt, die aber
bisweilen überreich an Exemplaren einer Spezies sind, so
namentlich mehrere Bänke mit den Stielgliedern von Encrinus
liliiformis (Encrinus-, Kriniten- oder Trochitenkalk, s.
nebenstehende Abbildung), andre voll von einer kleinen kugeligen
Varietät (cycloides) der auf Tafel I abgebildeten Terebratula
Vulgaris. In obern Schichten des Hauptmuschelkalks treten als Reste
namentlich zwei Ceratiten (Ceratites nodosus und semipartitus) als
charakteristische Versteinerungen (Ceratitenkalke) auf. Den
Schluß bildet in Süddeutschland ein oft dolomitischer
Kalk, nach einem Leitfossil (Trigonodus Sandbergeri),
Trigonoduskalk oder -Dolomit genannt. Einige Geologen rechnen
dagegen dem Muschelkalk noch die untere Hälfte des Keupers,
die Lettenkohlenformation (grauer Keuper, Kohlenkeuper), zu, ein
Schichtenprofil von vorwiegend grauen bis schwarzen Mergeln, denen
Sandsteine (Lettenkohlensandstein) und Dolomite eingelagert sind,
letztere namentlich im obersten Teil sehr mächtig
(Grenzdolomit), während an der untern Grenze der
Lettenkohlenformation direkt auf dem Trigonodusdolomit oft ein Kalk
lagert, in welchem die Schalen eines kleinen Krebses häufig
sind (Bairdia pirus, daher Bairdienkalk). Fast allgemein wird im
Gegensatz zu dieser Zuziehung der Lettenkohlenformation (welche
ihren Namen nach einer an Pflanzenfragmenten reichen, als
Feuerungsmaterial aber unbrauchbaren lettigen Kohle trägt) dem
Keuper zugezählt, mitunter wohl auch als selbständiges
Glied dem Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein
gegenübergestellt, wobei dann freilich der Name "T."
hinfällig werden würde. Den echten (obern, bunten) Keuper
eröffnen Gipse, mitunter (Lothringen) Steinsalz führend,
in lokal sehr verschiedener Mächtigkeit Anhydrit- oder
Gipsmergeln eingelagert, welche außerdem von einzelnen
Steinmergelschichten mit Einschlüssen von metallischen
Substanzen (Bleiglanz, Kupfererze) durchzogen werden.
Größere Sandsteinetagen unterbrechen die bunten Mergel
und zwar, von unten nach oben aufgezählt, der Schilfsandstein
(nach den schilfartigen Resten von Equiseten so genannt), der
Semionotussandstein (mit den Resten eines Fisches, Semionotus
Bergeri) und der Stubensandstein (der Name stammt von der
gelegentlichen Verwendung zu Sand zerfallener Partien). Zwischen
und über diesen Sandsteinetagen sind bunte Mergel entwickelt,
zu oberst meist Konkretionen und zahlreiche Knochensetzen
führend (Knollenmergel). Was darüber liegt, in
Deutschland teils pflanzenführende Thone, teils Sandsteine mit
einer fast nur aus Knochenfragmenten und Zähnen bestehenden
Lage (Knochenbett, Bonebed), wird wegen der großen
Mächtigkeit
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Triasformation (Verbreitung, organische Reste).
gleichaltriger Schichten in den Alpen (s. unten) am besten als
selbständige Zwischenbildung zwischen Keuper und Lias
(rätische Formation) betrachtet, ist aber auch bald zum
Keuper, bald zum Lias (Infralias) gestellt worden.
Die eben geschilderte Gliederung der T. bezieht sich im
wesentlichen auf die Entwickelung in Deutschland, wo die T.
über große Strecken hinweg in Schlesien, in Nordwest-
und Südwestdeutschland und in den Reichslanden eine bedeutende
Verbreitung als Oberflächenbildung besitzt und namentlich an
der Zusammensetzung einiger Mittelgebirge (Rhön, Spessart,
Steigerwald, Odenwald, Schwarzwald, Vogesen) einen hervorragenden
Anteil nimmt. Da die nähere Kenntnis der T. speziell von
Deutschland ausging, so war man unwillkürlich versucht, gerade
in dieser Gliederung eine Art Normalprofil zu erblicken. Aber schon
der Versuch einer Parallelisierung mit dem der englischen, noch
mehr mit der amerikanischen T. stößt dadurch auf
Schwierigkeiten, daß in beiden Ländern der New red
Sandstone ein Äquivalent für Buntsandstein und Keuper
darstellt, ohne daß sich als trennendes Signal zwischen
beiden Gliedern der Muschelkalk nachweisen ließe. So bleibt
es bei der großen Ähnlichkeit der obersten Schichten des
Röt und der untersten des bunten Keupers unentschieden,
welchem der beiden Glieder die englischen Steinsalzlager
zuzuzählen sind, während sich für die rätische
Formation in England vollkommen sichere Parallelen an der Hand
übereinstimmender Petrefakten nachweisen lassen. Nach neuern
Forschungen scheint es übrigens auch sicher, daß der
Sandstein von Elgin, aus dem die Tafel zur devonischen Formation
die Reste des Telerpeton abbildet, nicht, wie schon in dem Artikel
"Devonische Formation" als zweifelhaft bezeichnet wurde, zum Old
red Sandstone, sondern zum New red Sandstone und speziell zum
Keuper gehört. Auf ganz besondere Schwierigkeiten
stößt die Parallelisierung mit der alpinen Facies der
T., wobei aber betont werden muß, daß nicht diese,
sondern die deutsche sich als die rein lokal entwickelte und wenig
verbreitete darstellt, indem die Untersuchungen der T. schon in den
übrigen europäischen, besonders aber in den übrigen
Kontinenten die größte Übereinstimmung mit der
alpinen Facies ergeben haben, so für die Apenninen und
Karpathen in Europa, den Himalaja und den Salt Range in
Südasien, auf Neuseeland, in Japan, in Sibirien, in
Südamerika und dem westlichen Nordamerika. Soweit einzelne
beiden, der deutschen und der alpinen, Facies gemeinschaftliche
Versteinerungen einen Schluß erlauben, sind die meist rot
gefärbten Sandsteinschiefer der Werfener Schichten mit
Posidonomya Clarai (s. Tafel I) und die Guttensteiner Kalke als
Äquivalente des Buntsandsteins, der Virgloriakalk
(Recoarokalk, reich an Brachiopoden, und Reiflinger Kalk oder
Cephalopodenkalk mit Ammoniten, namentlich aus der Abteilung der
Globosen), einschließlich des lokal entwickelten
Mendoladolomits, als solche des Muschelkalks aufzufassen. Ihnen
sind als obere Trias, neuerdings in zwei (norische u. karnische)
Stufen eingeteilt, aufgelagert: die Wengener Schiefer mit Halobia
(Daonella) Lommeli. die Cassianer Schichten mit einer überaus
reichen Fauna, der Lunzer Sandstein, der Schlerndolomit, der
Esinokalk, der Wettersteinkalk, die unter dem Namen der
Hallstädter bekannten Marmorarten von Berchtesgaden, Hallein
etc., die Raibler Schichten und die Carditaschichten mit Cardita
crenata (s. Tafel I), wobei eine Mehrzahl der genannten Glieder nur
lokal entwickelte Facies darstellen. Der rätischen Formation
(rätischen Stufe) entsprechen der in den Alpen in Form
zerklüfteter Bergmassen weitverbreitete Hauptdolomit, der
Dachsteinkalk mit seinen berüchtigten Karrenfeldern (s. d.),
die sogen. Dachsteinbivalve, Megalodon triqueter. führend, und
die Kössener Schichten mit zahlreichen Versteinerungen,
darunter die auch im deutschen Röt verbreitete Avicula
contorta.
Von organischen Resten fehlen solche pflanzlicher Natur der
alpinen Facies der T. sowie dem deutschen Muschelkalk fast
gänzlich: was gelegentlich als große Seltenheit in
letzterm vorkommt, trägt den Charakter zufällig
eingeschlämmten Materials. An Einzelindividuen einer
beschränkten Anzahl von Pflanzenarten reich sind bestimmte
Horizonte des obern Buntsandsteins und die Sandsteine des Keupers
(Lettenkohlen-, Schilf- und Stubensandstein). Die Tafel (Seite II)
bildet von Kryptogamen eine Mehrzahl Farnkräuter ab, ferner
riesige Schachtelhalme und Kalamiten (letztere häufig,
vielleicht immer Steinkerne von Equiseten), das seiner
systematischen Stellung nach noch strittige Aethophyllum (nach
einigen Paläontologen zu den Typhaceen gehörig, nach
andern den Equisetaceen verwandt) aus dem Buntsandstein, von
Cykadeen einige Pterophyllum-Arten und von Koniferen Voltzia. Ganz
besonders häufig sind im Stubensandstein verkieselte
Koniferen-(Araukarien-) Stämme, deren mikroskopische Struktur
mitunter vorzüglich erhalten ist. Tierreste sind in der
deutschen T. nur im Muschelkalk zahlreicher vorhanden, im
Buntsandstein und Keuper auf einige Horizonte beschränkt,
während der alpine Keuper (s. oben) einige an Versteinerungen
sehr reiche Schichten enthält. Als Beispiele bringt die Tafel
(I) zunächst von Krinoiden Krone und Stielglieder von Encrinus
liliiformis zur Darstellung, aus welchen (vgl. die Abbildung im
Text) bestimmte Lagen des deutschen Muschelkalks fast
ausschließlich zusammengesetzt sind. Von den abgebildeten
Mollusken gehören der Brachiopode Terebratula vulgaris, die
beiden Muscheln Avicula (Gervillia) socialis und Lima striata sowie
der Cephalopode Ceratites nodosus ebenfalls dem Muschelkalk an. Die
Muscheln Posidonomya Clarai und Cardita crenata wurden schon als
Leitfossilien bestimmter Etagen der alpinen T. erwähnt. Von
Wirbeltieren sind Fische und Saurier im Muschelkalk und Keuper
nicht selten, meist in Form von Knochenfragmenten und Zähnen,
gelegentlich aber auch, wie namentlich im süddeutschen
Stubensandstein, von wohlerhaltenen Schädeln und ganzen
Skeletten. Dieser Etage entstammt Mastodonsaurus Jaegeri, von
welchem die Tafel I Schädel und Zähne, letztere auch im
mikroskopischen Bild mit den eigentümlich gekröseartigen
Windungen der Zahnsubstanz (welche den Namen der Labyrinthodonten
für die Abteilung veranlaßt hat) darstellt. Ebenfalls
der Stubensandstein hat die besonders im Stuttgarter Museum in
unübertroffener Schönheit vertretenen Belodonten
geliefert sowie die im gleichen Museum befindliche berühmte
Gruppe von 24 etwa halbmetergroßen Individuen von Aetosaurus
ferratus. Der auf der Tafel dargestellte Placodus mit seinen
großen Mahlzähnen auf Gaumen und Oberkiefer, jetzt
allgemein zu den Sauriern gerechnet, entstammt dem Muschelkalk.
Endlich seien noch die eigentümlichen Fußspuren
erwähnt: aus dem deutschen Buntsandstein Chirotherium und aus
dem amerikanischen New Red die dreizehigen Spuren von Brontozoum,
jetzt einem auf Vogelbeinen wandernden Saurier zugeschrieben,
früher für Vogelspuren (Ornitichnites) ge-
830
Tribadie - Tribunen.
halten. In der rätischen Formation sowohl Deutschlands als
Englands haben sich die ältesten Säugetierreste
vorgefunden: Zähne und Kiefer von Microlestes, wahrscheinlich
einem Beuteltier.
Vulkanisches Material gleichzeitigen Datums der Entstehung
läßt sich im Gebiet der deutschen T. nicht nachweisen,
wohl aber sind jüngere Eruptivgesteine, namentlich Basalte, in
Berührung mit triadischen Schichten gekommen und haben an
vielen Orten, besonders in benachbartem Buntsandstein,
Kontaktwirkungen (Frittung, Bleichung und säulenförmige
Absonderung) hervorgerufen. In den Alpen sind granitische und
syenitische Gesteine, Porphyre und Melaphyre, in Nordamerika
Diorite und Melaphyre triadischen Alters bekannt.
An technisch wichtigen Substanzen sind Buntsandstein, die
mächtigern Lagen des Muschelkalks, die Sandsteine des
deutschen Keupers, die Marmorarten der Alpen als architektonisch
verwendbar zu verzeichnen. Bestimmte Lagen des Muschelkalks dienen
zur Bereitung von Luftmörtel und hydraulischem Zement.
Steinsalzlager kommen im Röt (Braunschweig, Salzgitter etc.),
in der Anhydritgruppe des Muschelkalks (Südwestdeutschland)
und den Gipsmergeln des Keupers (Vic und Dieuze in Lothringen) vor;
auch das alpine Salz (Ischl, Hallein, Berchtesgaden etc.)
dürfte dem untersten Keuper zuzuzählen sein, wonach die
Notiz in "Übersicht der geologischen Formationen" (Bd. 7) zu
berichtigen sein würde. Von bauwürdigen Kohlenlagern
enthält die deutsche T. nichts; die sogen. Lettenkohle kann
nur, wenn sie viel Eisenkies oder Strahlkies enthält, auf
Vitriol und Alaun verarbeitet werden. Dagegen wird auf Schonen der
rätischen Formation angehörige Kohle gewonnen, und ein
Teil der bedeutenden Kohlenschätze Chinas soll triadischen
Alters sein. In Bezug auf Erzführung sind die Knottenerze von
Kommern in der Eifel zu erwähnen, Buntsandsteine mit
Körnern von Bleiglanz, ferner ebenfalls im Buntsandstein an
vielen Orten Gänge von Schwerspat, Eisen- und Kupfererzen. Dem
Muschelkalk sind in Oberschlesien und Baden Zink-, Bleiglanz- und
Eisenerzlager eingeschaltet, und der Erzbau von Raibl ist an die
gleichnamigen Schichten geknüpft. Die Gipse der verschiedenen
Etagen werden namentlich zu landwirtschaftlichen Zwecken abgebaut,
und das kaolinige Bindemittel der weißen Buntsandsteine ist
ein wertvolles Rohmaterial für die Porzellanfabrikation. Als
Bodenbildner verhalten sich die Schichten natürlich sehr
verschieden: die Keupermergel, die an thonigen Zwischenmitteln
reichern Muschelkalketagen und der Röt liefern gute
Böden, an welche in Franken und Schwaben der Weinbau
geknüpft ist, schlechte dagegen der Wellenkalk und der
Hauptbuntsandstein, letzterer der vorzüglichste Waldboden,
wenn die Wälder nicht, wie in der Nähe des Weinbaues,
durch Streuentnahme geschädigt werden.
[Litteratur.] Vgl. Alberti, Monographie des bunten Sandsteins,
Muschelkalks u. Keupers (Stuttg. 1834); Derselbe, Überblick
über die Trias (das. 1864); Eck, Über die Formationen des
bunten Sandsteins und Muschelkalks in Oberschlesien (Berl. 1865);
Giebel, Die Versteinerungen des Muschelkalks von Lieskau bei Halle
(das. 1856); Bornemann, Über organische Reste der
Lettenkohlengruppe Thüringens (das. 1856); Gümbel, Die
geognostischen Verhältnisse des fränkischen Triasgebiets
("Bavaria", Bd. 4, Münch. 1865); Schenk, Fossile Flora der
Grenzschichten des Keupers und des Lias Frankens (Wiesb. 1867);
Emmrich, Übersicht der geognostischen Verhältnisse um
Meiningen (Meining. 1868-74); Frantzen, Übersicht der
geologischen Verhältnisse bei Meiningen (das. 1882); Nies,
Beiträge zur Kenntnis des Keupers im Steigerwald (Würzb.
1868); Derselbe, Die angebliche Anhydritgruppe im Kohlenkeuper
Lothringens (das. 1873); Schalch, Beiträge zur Kenntnis der
Trias am südöstlichen Schwarzwald (Schaffh. 1873);
Benecke, Über die Trias in Elsaß-Lothringen und
Luxemburg (Straßb. 1877); Thürach, Der fränkische
Keuper (Münch. 1889). An Werken über die
Verhältnisse der alpinen T. seien außer den betreffenden
Kapiteln in Hauers "Geologie" (2. Aufl., Wien 1878) angeführt:
Emmrich, Geologische Geschichte der Alpen (Jena 1874); Benecke,
Trias und Jura in den Südalpen (Münch. 1866); v.
Mojsisovics, Gliederung der obern Triasbildungen der östlichen
Alpen (Wien 1869), und eine Reihe meist im "Jahrbuch der Wiener
geologischen Reichsanstalt" erschienener Arbeiten desselben
Verfassers; Lepsius, Das westliche Südtirol (Berl. 1878).
Tribadie (griech.), s. Lesbische Liebe.
Triberg (Tryberg), Bezirksamtsstadt und Luftkurort im
bad. Kreis Villingen, im Schwarzwald und an der Linie
Offenburg-Singen der Badischen Staatsbahn, 686 m ü. M., hat
eine kath. Kirche, eine Gewerbehalle mit permanenter Ausstellung
von Schwarzwald-Industrieerzeugnissen, elektrische Beleuchtung,
eine Gewerbe- und eine Schreinerschule, ein Amtsgericht, eine
Bezirksforstei, eine Nervenheilanstalt, bedeutende
Uhrenfabrikation, Metall- und Holzwarenfabriken, Strohflechterei,
Sägemühlen und (1885) 2461 meist kath. Einwohner. Dabei
der herrliche Fallbach, von der Gutach (s. d.) gebildet.
Tribometer (griech.), s. Reibung.
Tribon (griech.), kurzer Umhang der Männer und
Epheben in den dorischen Staaten Altgriechenlands, Tracht der
Philosophen, besonders der Cyniker.
Tribonianus, berühmter röm. Rechtsgelehrter,
geboren zu Side in Paphlagonien, war erst Sachwalter, wurde unter
dem Kaiser Justinian Quaestor sacri palatii, Magister officiorum,
Praefectus praetorio und Konsul. In Gemeinschaft mit den
ausgezeichneten Rechtsgelehrten jener Zeit besorgte er 530-34 die
Justinianische Kodifikation des römischen Rechts (s. Corpus
juris). Er starb 545.
Tribrachys (griech.), dreisilbiger, aus drei Kürzen
bestehender Versfuß (^[...]), welcher in metrischen Systemen
nur als Auflösung des Jambus oder Trochäus vorkommt.
Tribsees, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Stralsund, Kreis Grimmen, an der Trebel, hat eine schöne
gotische evang. Kirche aus dem 15. Jahrh. mit kunstvollem Altar,
ein neues gotisches Rathaus, eine Präparandenanstalt und
(1885) 2950 Einw.
Tribulieren (lat.), plagen, quälen.
Tribunal (lat.), bei den Römern der erhöhte
Ort, wo der Magistrat, namentlich der Prätor, auf der Sella
curulis sitzend, sein Amt verwaltete; jetzt s. v. w. Gerichtshof,
besonders ein höherer, wie das ostpreußische T. in
Königsberg (bis 1879), das Obertribunal zu Berlin.
Tribüne (franz.), Rednerbühne, namentlich
für parlamentarische Redner; auch die für die
Zuhörer bestimmte Galerie in Parlamentslokalen;
Schaugerüst; in den altchristlichen Basiliken s. v. w. Apsis
(s. Basilika, S. 425).
Tribunen (Tribuni) wurden im alten Rom ursprünglich
die Vorsteher der Stammtribus (s. Tribus) genannt; dann wurde das
Wort auch überhaupt als Bezeichnung der Vorsteher von
Abteilungen grö-
831
Tribur - Trichiasis.