Departement Niederseine, Arrondissement Dieppe, an der
52*
820
Treppe - Tresckow.
Mündung der Bresle in den Kanal (La Manche), durch
Eisenbahnlinien mit Abbeville, Amiens, Dieppe und über
Beauvais mit Paris verbunden, hat besuchte Seebäder, einen
Hafen und (1881) 3937 Einw., welche Fischerei, Seilerei und
Schiffbau treiben.
Treppe (Stiege), eine aus aufeinanderfolgenden Stufen
bestehende Baukonstruktion von Holz, Stein oder Eisen, durch welche
die Verbindung zwischen übereinander liegenden Räumen, z.
B. Stockwerken von Gebäuden, bewirkt wird. Hinsichtlich der
Form unterscheidet man: gerade Treppen (Fig. 1), bei denen die
Wangenstücke gerade sind; gebrochene Treppen (Fig. 2, 3), bei
welchen die Richtung der Wangen vom Antritt bis zum Austritt ein-
oder mehrmals wechselt und daher mehrere geradlinige Treppenteile
ohne oder mit Treppenabsätzen vorhanden sind; doppelarmige
Treppen (Fig. 4), bei welchen eine Mitteltreppe in zwei
Seitentreppen mit entgegengesetzter Steigung übergeht, wobei
auf der erstern oder auf den beiden letztern angetreten werden
kann; Wendeltreppen (Fig. 5-7), bei denen die Stufen, die an der
äußern Seite breit und an der innern schmal sind, in
einer kreis- oder ellipsenförmigen Richtung fortlaufen, und
die Spindeltreppen heißen, wenn die Stufen an der innern
Seite in einer runden oder eckigen Spindel befestigt sind,
Hohltreppen aber, wenn die Windungen der Spindel in einem hohlen
Cylinder liegen; gemischte Treppen (Fig. 8), welche aus gewendelten
und geraden Armen bestehen; Schneckentreppen, welche die Form eines
Kegels haben, aber bloß zu Treppenanlagen in Gärten und
bei kleinen Bergen dienen; romanische Treppen, schiefe Flächen
ohne Stufen, die zuweilen in Türmen und andern Gebäuden
in schneckenförmiger Richtung angebracht werden; Freitreppen,
welche außerhalb der Gebäude angebracht werden, wenn die
Hausthür der Trockenheit wegen, oder weil sich Souterrains im
Haus befinden, etwas hoch angelegt ist. Kurze Treppen pflegt man
nicht zu unterbrechen, längern Treppen gibt man nach 13 oder
15 Steigungen Ruheplätze oder Podeste. Jede ununterbrochene T.
oder Treppenabteilung heißt ein Treppenarm; daher nennt man
aus je einem, zwei und mehr Armen bestehende, mit Podesten
versehene Treppen beziehentlich ein-, zwei- und mehrarmige. Bei
Anordnung der T. müssen Auftritt und Steigung in einem solchen
Verhältnis stehen, daß die T. bequem bestiegen werden
kann. Gute Verhältnisse der Steigung zum Auftritt sind 12:33,
14:32, 15:31, 17:30, 18:29, 19:26. Was die Konstruktion der Treppen
betrifft, so werden steinerne Treppen aus gemauerten oder besser
massiven Stufen hergestellt, welche man untermauert,
unterwölbt oder seitlich so einmauert, daß sie die
nötige Unterstützung finden. Die hölzernen Treppen
sind solche mit eingesetzten Stufen, wobei Tritt- und Futterbretter
in Wangen eingeladen, oder solche mit aufgesattelten Stufen, wobei
die letztern auf die Treppenbäume geschraubt oder genagelt
werden. Eiserne Treppen werden aus einzelnen, meist durchbrochenen
gußeisernen Platten zusammengeschraubt. Bei Treppen aus
gemischtem Material werden meist gemauerte Stufen auf eisernen
Schienen oder gußeisernen Treppenbäumen angewandt, welch
erstere mit schwachen steinernen Auftrittplatten oder mit
hölzernen Auftritten belegt werden. Zum Belegen hat man in
neuerer Zeit auch hartgebrannte Thonplatten verwendet. Steinerne
Treppen sind die solidesten, hölzerne Treppen nicht
feuersicher, aber elastisch und leicht herstellbar, eiserne Treppen
zwar feuersicherer, doch bei Bränden wegen ihrer eignen Hitze
schwer passierbar, aber kompendiös und leicht elegant
herzustellen. Vgl. Nix, Handbuch der Treppenbaukunst (Leipz.
1887).
Fig. 1. Gerade Treppe.
Fig. 2 u. 3. Gebrochene Treppe.
Fig. 4. Doppelarmige Treppe
Fig. 5-7. Wendeltreppen.
Fig. 8 Gemischte Treppe.
Grundrisse verschiedener Treppen.
Treppengiebel, s. Staffelgiebel.
Treppenschnitt, s. Edelsteine, S. 314.
Treppenwitz, s. Esprit (d'escalier).
Trepprecht, s. Tretrecht.
Treptow, 1) (Alttreptow) Stadt im preuß.
Regierungsbezirk Stettin, Kreis Demmin, an der Tollense und der
Linie Berlin-Stralsund der Preußischen Staatsbahn, hat eine
große evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein Warendepot der
Reichsbank, Eisengießerei und Maschinenbau, 3 Bierbrauereien,
eine große Wassermühle, Viehmärkte und (1885) 4103
meist ev. Einwohner. -
2) (Neutreptow) Stadt daselbst, Kreis Greifenberg, an der Rega
und der Eisenbahn Altdamm-Kolberg, hat 2 evang. Kirchen, eine
Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, einen Ritterschaftlichen
Kreditverein, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen, von
Silberlöffeln und Essig, Bierbrauerei, eine Dampf- und eine
Wassermühle und (1885) 6943 Einw. Nahebei das Remontedepot
Neuhof-T. und das ehemalige Prämonstratenserkloster Belbuck
(1177 von Herzog Kasimir II. gegründet und sehr reich). In T.
ward auf dem Landtag von 1534 die Einführung der Reformation
in Pommern beschlossen. -
3) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Teltow,
an der Spree und nahe der Berliner Ringbahn, mit Berlin durch
Pferdebahn und Dampfschiffahrt verbunden, Vergnügungsort der
Berliner, hat (1885) 1178 Einw.
Tres (lat.), drei.
Tresa, der Abfluß des Luganer Sees in den Lago
Maggiore.
Tresckow, Hermann von, preuß. General, geb. 1. Mai
1818 zu Blankenfelde bei Königsberg in der Neumark, trat 1835
in das Kaiser Alexander-Regiment, nahm 1848 als Adjutant des
Generals v. Bonin am Feldzug in Schleswig-Holstein teil, wurde 1852
Hauptmann im Großen Generalstab, 1855 Major und war 1854-56
der Gesandtschaft in Paris attachiert, ward 1856
Flügeladjutant des Königs, 1860 Kommandeur des 27.
Regiments, 1864 General-
821
Trescone - Tretrad.
stabschef bei den Zernierungstruppen an der polnischen Grenze,
dann in das Militärkabinett berufen, 1865 Generalmajor und
Chef der Abteilung für die persönlichen Angelegenheiten,
dann des Militärkabinetts selbst. Auf seine Bitte ward ihm im
November 1870 das Kommando der 17. Infanteriedivision
übertragen, welche er in den Kämpfen bei Orléans
und Le Mans befehligte. Ende Januar 1871 ward er zur Dienstleistung
als Generaladjutant in das große Hauptquartier kommandiert,
erhielt im Februar wieder die Leitung des Militärkabinetts und
bald darauf das Kommando der 19. Division, im Januar 1873 das
Kommando des 10. und im September d. J. das des 9. Armeekorps. Im
Januar 1875 wurde er zum kommandierenden General, bald darauf zum
General der Infanterie und im September 1875 zum Chef des 2.
Magdeburgischen Infanterieregiments Nr. 27 ernannt. Im August 1888
nahm er seinen Abschied.
Trescone, ital. Nationaltanz in Toscana.
Trescore Balneario, Badeort in der ital. Provinz Bergamo,
im Val Cavallina am Cherio gelegen, hat ein besuchtes Schwefelbad
(16° C., auch Schlammbad), eine ganz von Lotto ausgemalte
Kirche, Seidenindustrie und (1881) 1883 Einw.
Treseburg, Dorf im braunschweig. Kreis Braunschweig, in
einer der schönsten Gegenden des Harzes, am Einfluß der
Luppbode in die Bode, mit (1885) 191 Einw.; dabei der
Wilhelmsblick.
Tresett (tre sette, ilal., "drei Sieben"), ein aus
Italien stammendes Spiel mit L'hombrekarte unter vieren, von denen
wie im Whist die Gegenübersitzenden alliiert sind. Die
Kartenfolge ist stets Drei, Zwei, As, König, Dame, Bube,
Sieben, Sechs, Fünf, Vier. Es gelten die Whistregeln, doch
gibt es kein Atout, und man spielt nicht um Stiche, sondern um
Points. Jedes As in den Stichen zählt 1, je 3 Figuren (Drei
bis Bube) zählen 3 (2 überbleibende nichts), der letzte
Stich 1. Zum Spielen gesellt sich das Ansagen, welches vor dem
ersten Stich nur der Vorhand erlaubt ist. 3 Dreien gelten 4, 4
Dreien 8, die übrigen gedritten Blätter 1, die gevierten
2. 21 Points machen eine Partie. Wer 3 oder 4 Sieben meldet,
gewinnt die Partie sofort und legt noch außerdem 1, bez. 2
für die nächste an. Neapolitaine heißt die Sequenz
von der Drei an; sie zählt so viel Points, wie sie
Blätter stark ist.
Tres faciunt collegium (lat.), "drei machen ein
Kollegium", d. h. drei gehören mindestens zu einem Verein, aus
den Digesten stammender Rechtsspruch.
Treskow, Udo von, preuß. General, geb. 7. April
1808 zu Jerichow bei Magdeburg, trat 1824 in ein
Jägerbataillon, kommandierte 1856-64 das
sachsen-altenburgische Truppenkontingent, machte als Oberst u.
Kommandeur des 53. Regiments den Mainfeldzug 1866 mit, ward im Juli
zum Kommandeur der kombinierten Gardeinfanteriebrigade ernannt,
formierte in Leipzig die preuß. Division des 2.
Reservearmeekorps und zog mit derselben unter dem Oberbefehl des
Großherzogs von Mecklenburg nach Bayern. Nach 1866 als
Kommandeur der 33. Brigade mit Organisation der
Militärverhältnisse der Hansestädte betraut, erhielt
er im Anfang des Kriegs 1870 das Kommando der 1. Landwehrdivision,
mit welcher er an der Belagerung von Straßburg teilnahm, und
leitete dann die Belagerung von Belsort (s. d.), deren große
Schwierigkeiten er jedoch nicht zu überwinden vermochte, so
daß die Festung erst nach dem Waffenstillstand ehrenvoll
kapitulierte. Im Januar 1871 zum Generalleutnant avanciert, erhielt
er nach dem Friedensschluß die 2. Division, nahm 1875 seinen
Abschied und starb 20. Jan. 1885 in Stünzhain bei
Altenburg.
Tres Montes, Vorgebirge, s. Taytao.
Trésor (franz.), Schatz, Schatzkammer,
Geldschrank.
Trésorscheine, s. v. w. Schatzscheine (s. d.). So
hießen in Preußen die zuerst 4. Febr. 1806 ausgegebenen
und 1824 durch Kassenanweisungen ersetzten Scheine, deren Annahme
im Privatverkehr seit 1813 der freien Übereinkunft
überlassen war. Ein Teil derselben (die gestempelten) dienten
dem Zweck der Antizipation von Steuern. Vgl. Bon.
Trespe, Pflanzengattung, s. Bromus.
Tressan (spr. -ssang), Louis Elisabeth de la Vergne, Graf
von, franz. Schriftsteller, geb. 4. Nov. 1705 zu Le Mans, wurde mit
dem jungen Ludwig XV. gemeinsam unterrichtet, stieg dann bis zum
Generalleutnant empor und bekleidete später beim König
Stanislaus die Stelle eines Großmarschalls. Er starb 31. Nov.
1783. Mit Voltaire, Fontenelle und Raynard freundschaftlich
verbunden und im Salon der Madame Tencin ein ständiger Gast,
hatte T. die Litteratur und die Wissenschaften gepflegt und
zahlreiche Gelegenheitsgedichte, ein philosophisches Werk:
"Réflexions sommaires sur l'esprit", u. einen "Essai sur le
fluide électrique" verfaßt. Als seine Hauptwerke aber
sind seine Übersetzung des "Orlando furioso" von Ariost, die
ihm die Aufnahme in die französische Akademie verschaffte
(1781), und das "Corps d'extraits de romans de chevalerie" (1782, 4
Bde.) zu nennen. Seine "OEuvres completes" gaben Campenon und A.
Martin heraus (1822-23, 10 Bde.).
Tressen (franz.), aus Gold - u. Silberfäden oder
auch mit Seide, Lahn und Kantille gewebte Bandstreifen oder Borten
zum Besatz von Kleidungsstücken, Tapetenbeschlägen u.
dgl. Die Kette ist in der Regel von gelber oder weißer Seide,
der Schuß von Gold- oder Silbergespinst. Die besten T. sind
auf beiden Seiten rechts. Nach den verschiedenen Mustern gibt es:
Gaze-, Galonen- und Korallenarbeit und Massiv- oder Drahttressen,
sämtlich durchsichtig und leicht, in der Kette von Seide und
im Einschlag von dünnem Gold- oder Silberdraht;
Bandtressenligaturen, rechts von Gold oder Silber, links ganz von
Seide, und geschleifte T., bei welchen auf der rechten Seite nach
zwei Einschlagfäden von reichem Gespinst nur ein Seidenfaden
zu sehen ist.
Trester, s. v. w. Treber.
Tretgöpel, s. Göpel.
Tretrad (Tretmühle), Maschine zur Aufnahme von Tier-
und Menschenkraft. Das gewöhnliche Tret- oder Laufrad ist aus
Holz und ähnlich wie ein Wasserrad gebaut, aber an seinem
äußern oder innern Umfang nicht mit Schaufeln oder
Zellen, sondern mit Sprossen oder Leisten versehen, welche der
arbeitende Mensch benutzt, um durch fortgesetztes Steigen sich
selbst immer auf derselben Stelle zu behaupten, während das
große hölzerne Rad unter seinen Füßen
ausweicht, d. h. sich unter Abgabe von Arbeit umdreht. Die
Räder können beliebig breit gemacht werden, so daß
mehrere, selbst bis 20 Arbeiter nebeneinander Platz haben. Steigen
nun diese 20 Mann jeder in der Stunde 3000 Stufen von 0,2 m
Höhe, und wird täglich 7 Stunden gearbeitet, so
beträgt die tägliche Leistung, wenn der Mensch 65 kg
wiegt, 21,000.65.0,2=273,000 Meterkilogramm. Dieser bedeutenden
Nutzleistung halber macht man auch heute noch unter gewissen
Umständen von Lauf- und Treträdern Gebrauch. Durch Tiere
betriebene Lauf- und Treträder sind wegen großer
Reibungswiderstände, kolossalen Baues, bedeutender
Herstellungs- und Unterhaltungskosten etc. fast ganz außer
Gebrauch gekommen; nur für manche landwirtschaftliche Zwecke
haben
822
Tretrecht - Treviranus.
sich die Tretwerke oder Trittmaschinen noch erhalten. Sie nehmen
weniger Raum ein als Göpel und ermöglichen
größere Arbeitsleistungen der Tiere, indem diese durch
ihr eignes Gewicht wirken und dabei die stete ermüdende
Wendung des Körpers wegfällt. Dagegen fehlt den meisten
dieser Maschinen die erforderliche Einfachheit und damit die
Möglichkeit, ohne öftere Störungen arbeiten zu
können.
Tretrecht (Trepprecht), das Recht, beim Ackern das
Nachbargrundstück betreten, namentlich auf demselben den Pflug
umkehren zu dürfen (vgl. Anwenderecht).
Tretsch, Aberlin, deutscher Architekt des 16. Jahrh.,
erbaute in den Jahren 1553-70 das alte Schloß in Stuttgart,
eine der hervorragendsten Schöpfungen der deutschen
Renaissance.
Treubund, ein zu Ende 1848 in Berlin gegründeter
antidemokratischer Verein, der bald zahlreiche Anhänger
zählte. Zwiespalt zwischen den Anhängern der Konstitution
und denen des Absolutismus führte um diese Zeit zu einem
Bruch, worauf im November ein neuer Bund: "Die Treue mit Gott
für König und Vaterland", ins Leben trat, der sich aber
bald wieder auflöste. Vgl. Kunze, Der T. (Berl. 1849). Auch in
Kurhessen bestand 1850-53 ein T.
Treuchtlingen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk
Mittelfranken, Bezirksamt Weißenburg, an der Altmühl,
Knotenpunkt der Linien München-Bamberg-Hof und
T.-Aschaffenburg-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn, hat eine
evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß, eine
Burgruine, ein Forstamt, Töpferwarenfabrikation und (1885)
2596 Einw.
Treue (lat. Fides) ist das dauernde, aus dem
Bewußtsein unsrer Pflicht gegen andre entspringende, wie
Anhänglichkeit (franz. attachement, Hundetreue) das
bewußtlose Festhalten an diesen.
Treue, Hausorden der, badischer Hausorden, 17. Juni 1715
von Markgraf Karl Wilhelm als Ordre de la fidélité
mit Einem Grad gestiftet, 1803 mit Hinzufügung von
Kommandeuren erneuert und 1840 mit neuen Statuten versehen;
zunächst für auswärtige Fürsten, dann für
höhere Staatsbeamte mit Exzellenzrang bestimmt. Die Insignien
des jetzt wieder nur Einen Grad habenden Ordens bestehen in einem
goldenen, achtspitzigen, rot emaillierten, durch vier ineinander
verschlungene C verbundenen Kreuz, in dessen Mittelavers das
verschlungene C über Felsen mit der Umschrift "Fidelitas"
steht, während sich auf dem Revers das badische Wappen
befindet. Das Kreuz wird am orangefarbenen, silbereingefaßten
Band getragen, dazu ein silberner Stern mit vier Haupt- und vier
Zwischenstrahlen, in dessen Mitte sich das Kreuz befindet.
Treuen, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft
Zwickau, Amtshauptmannschaft Auerbach, an der Trieb und an der
Linie Herlasgrün-Falkenstein der Sächsischen Staatsbahn,
471 m ü. M., hat eine evang. Kirche, 2 Schlösser, ein
Amtsgericht, bedeutende Fabrikation wollener und baumwollener
Tücher, von Treibriemen und Segeltuch, Woll- und
Baumwollspinnerei und (1885) 5867 Einw.
Treuenbrietzen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, an der Linie Juterbog-T. der
Preußischen Staatsbahn, 69 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen
aus dem 13. Jahrh., ein Amtsgericht, Papier-, Tuch- und
Holzpantinenfabrikation, bedeutende Landwirtschaft und (1885) 4890
fast nur evang. Einwohner. T., das ursprünglich Brizen (zuerst
1217 urkundlich erwähnt) hieß, erhielt jenen Namen, weil
es zur Zeit des falschen Waldemar den Wittelsbachern treu
blieb.
Treuga Dei (lat.), s. Gottesfriede.
Treuhänder, s. Testamentsvollstrecker.
Treuschatz, s. Mahlschatz.
Trevelyan (spr. triwilljen), Georg Otto, engl.
Schriftsteller und Politiker, geb. 20. Juli 1838 zu Rothley Temple
in Leicestershire, Neffe Macaulays, studierte zu Cambridge, folgte
1860 seinem Vater, Sir Charles Edward T., der Gouverneur von Madras
geworden, nach Indien, wurde 1865 als Liberaler ins Unterhaus
gewählt, 1868 unter Gladstone für kurze Zeit Lord der
Admiralität, 1880 Sekretär derselben, 1882
Staatssekretär für Irland, 1885 für kurze Zeit
Kanzler von Lancaster. 1886 trennte er sich von Gladstone, weil er
dessen Homerulepolitik nicht billigte, versöhnte sich aber
schon 1887 mit ihm. Er schrieb: "Competition Wallah" (1864);
"Cawnpore, and the massacre there" (1865, 4. Aufl. 1886); "Ladies
in Parlament" (1870); "The life and letters of Lord Macaulay"
(1876, 2 Bde.; deutsch, 2. Aufl., Jena 1883); "The early history of
Charles James Fox" (1880).
Treverer (Treveri, Treviri), Volk im belg. Gallien,
welches sich germanischer Abstammung rühmte, aber keltisch
sprach, unterwarf sich Cäsar erst freiwillig, machte 54 v.
Chr. unter Induciomarus einen Aufstandsversuch, welcher aber von
Labienus unterdrückt wurde; ebenso wurde ein Aufstandsversuch
unter Julius Florus (21 n. Chr.) niedergeschlagen. Beim Aufstand
der Bataver unter Civilis blieben die T. den Römern treu. Ihre
Hauptstadt war Augusta Treverorum (Trier). Vgl. Steininger,
Geschichte der T. (Trier 1845).
Trèves (spr. trähw), franz. Name für
Trier.
Trevi, Stadt in der ital. Provinz Perugia, Kreis Spoleto,
in prächtiger Berglandschaft, an der Eisenbahn Rom-Foligno,
hat mehrere Kirchen (mit Gemälden von Spagna u. a.), eine
kleine Gemäldesammlung, eine technische Schule und (1881) 1238
Einw. In der Nähe der berühmte kleine Tempel des
Clitumnus (jetzt Kirche).
Treviglio (spr. -wiljo), Kreishauptstadt in der ital.
Provinz Bergamo, an der Eisenbahn Mailand-Venedig (mit Abzweigungen
nach Bergamo und Cremona), hat ein altes Schloß, eine
schöne Hauptkirche, ein Gymnasium, eine technische Schule,
Lehrerbildungsanstalt, Bibliothek, ein hübsches Theater, rege
Industrie (besonders Tuch- und Seidenmanufakturen), lebhaften
Handel und (1881) 9854 Einw.
Treviranus, 1) Gottfried Reinhold, Naturforscher, geb. 4.
Febr. 1776 zu Bremen, studierte seit 1792 in Göttingen Medizin
und Naturwissenschaft, ward 1797 Professor der Mathematik und
Physik am Lyceum zu Bremen und starb daselbst 16. Febr. 1837. Unter
den Schriften des ausgezeichneten Forschers sind hervorzuheben:
"Physiologische Fragmente" (Hannov. 1797-99, 2 Bde.); "Biologie
oder Philosophie der lebenden Natur" (Götting. 1802-1822, 6
Bde.) und "Die Erscheinungen und Gesetze des organischen Lebens"
(Brem. 1831-33, 3 Tle.).
2) Ludolf Christian, Botaniker, Bruder des vorigen, geb. 10.
Sept. 1779 zu Bremen, studierte Medizin in Göttingen, wurde
dann Arzt in seiner Vaterstadt, 1807 Lehrer am Lyceum daselbst,
1812 Professor der Botanik und Naturgeschichte zu Rostock, 1816
Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens in
Breslau und kam 1830 in gleicher Eigenschaft nach Bonn, wo er 6.
Mai 1864 starb. Seine Thätigkeit war anfangs vorwiegend der
Phytotomie und Physiologie der Pflanzen, später mehr der
Bestimmung und Berichtigung der Spezies gewidmet.
823
Trevirer - Triangulation.
Er entdeckte die Intercellularräume und den Bau der
Epidermis, auch betonte er in seinen Untersuchungen die
entwickelungsgeschichtlichen Gesichtspunkte und sprach über
einige der fundamentalsten Fragen der Phytotomie Ansichten aus, in
welchen sich die ersten Keime der später von Mohl
ausgebildeten Theorien finden. Auch über die Sexualität
der Pflanzen lieferte er mehrere Untersuchungen. Er schrieb: "Vom
inwendigen Bau der Gewächse" (Götting. 1806);
"Beiträge zur Pflanzenphysiologie" (das. 1811); "Von der
Entwickelung des Embryo und seiner Umhüllungen im Pflanzenei"
(Berl. 1815) und "Physiologie der Gewächse" (Bonn 1835-38, 2
Bde.).
Trevirer, Volk, s. Treverer.
Treviso, ital. Provinz in der Landschaft Venetien, 2438,
nach Strelbitsky 2467 qkm (44,8 QM.) groß mit (1881) 375,704
Einw., ist größtenteils eben und enthält zahlreiche
zur Bewässerung und Schiffahrt dienende Flüsse (Piave,
Livenza etc.) und Kanäle. Die hauptsächlichsten Produkte
sind: Mais (1887: 771,300 hl), Weizen, Wein (67,900 hl), Kastanien
und Obst. Gut entwickelt ist auch die Viehzucht, insbesondere die
Rinderzucht (1881: 100,099 Stück Rindvieh). Auch die
Seidenzucht ist ausgedehnt (1887: 1,6 Mill. kg Kokons). Die Provinz
zerfällt in die acht Distrikte: Asolo, Castelfranco Veneto,
Conegliano, Montebelluna, Oderzo, T., Valdobbiadene, Vittorio. -
Die Hauptstadt T., an der Eisenbahn Udine-Venedig (mit Abzweigungen
nach Feltre, Vicenza und Motta di Livenza) und am schiffbaren Sile
gelegen und von alten Festungswerken umgeben, ist von
altertümlicher Bauart. Hervorragende Bauwerke sind: die
Kathedrale San Pietro (eine im 15. Jahrh. durch Pietro Lombardo
restaurierte dreischiffige Pfeilerbasilika mit Fresken von
Pordenone und Gemälden von Tizian, Paris Bordone u. a.), die
gotische Dominikanerkirche San Niccolò (aus dem 14. Jahrh.),
das Theater, das Leihhaus (mit berühmtem Gemälde,
angeblich von Pordenone) u. a. T. zählt (1881) 18,301 Einw.,
welche Fabrikation von Metallwaren, Maschinen u. Instrumenten,
Seidenwaren, Tuch, Papier, Töpferwaren, Kerzen und Ceresin,
Baumwollspinnerei sowie lebhaften Handel betreiben. Es hat ein
königliches Gymnasium und Lyceum, ein bischöfliches
Lycealgymnasium und Priesterseminar, eine technische Schule, ein
Athenäum und eine Bibliothek (mit Gemäldesammlung) und
ist Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Hauptzollamtes
und einer Handelskammer.- T. war schon im 6. Jahrh. eine bedeutende
Stadt (Tarvisium), ward 776 von Karl d. Gr. belagert und
eingenommen und kam, nachdem es seine Herren mehrmals gewechselt,
1388 an Venedig, dessen Schicksale es bis 1797 teilte, wo es von
den Franzosen unter Mortier, der dafür den Titel eines Herzogs
von T. erhielt, in Besitz genommen ward. Am 5. Mai 1809 fand hier
ein Gefecht zwischen den Österreichern und Franzosen statt. Am
21. März 1848 brach in T. ein Aufstand aus, infolge dessen die
schwache österreichische Besatzung die Stadt räumen
mußte. Am 11. Mai wurden hier die Piemontesen
zurückgeschlagen, worauf die Beschießung der Stadt unter
Nugent erfolgte. Ein zweites Bombardement unter Welden zwang die
Stadt, 24. Juni zu kapitulieren und sich an Österreich zu
ergeben. 1866 ward T. italienisch.
Trévoux (spr. -wuh). Arrondissementshauptstadt im
franz. Departement Ain, ehemalige Hauptstadt der Landschaft Dombes,
an der Saône und der Eisenbahn Paris-Lyon, mit
Goldwarenfabrikation und (1886) 1902 Einw. Über das 1704
erschienene "Dictionnaire de T." s. Französische Sprache, S.
618.
Treysa, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel,
Kreis Ziegenhain, an der Schwalm, Knotenpunkt der Linien
Kassel-Frankfurt a. M. und T.-Leinefelde der Preußischen
Staatsbahn, 238 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Amtsgericht,
Weberei, Strumpfwirkerei, Spinnerei, Holzschneiderei und (1885)
2413 meist evang. Einw. In der Nähe das von Hugenotten erbaute
Dorf Franzosendorf. Vgl. Keulenkamp, Geschichte der Stadt T.
(1806).
Triade (Trias, lat.), Dreiheit von drei gleichartigen
Dingen; daher triadisches Zahlensystem, System, dessen Grundzahl 3
ist.