Treilhard (spr. träjar), Jean Baptiste, Graf,

Mitglied des franz. Direktoriums, geb. 3. Jan. 1742 zu Brives im

Limousin, studierte zu Paris die Rechte, wurde Advokat beim

Parlament, 1789 von der Stadt Paris als Deputierter in die

Generalstaaten, nach dem Schluß der Nationalversammlung zum

Präsidenten des Kriminalhofs im Departement Seine-et-Oise und

1792 von der Stadt Paris in den Nationalkonvent gewählt. Er

stimmte für den Tod des Königs, jedoch für Aufschub

der Hinrichtung. Im April 1793 ward er Mitglied des

Wohlfahrtsausschusses und mit einer Sendung in die westlichen

Departements beauftragt, aber nach seiner Rückkehr wegen allzu

großer Milde nicht wieder gewählt. Erst nach

Robespierres Sturz trat er wieder in den Wohlfahrtsausschuß,

dessen gewöhnlicher Berichterstatter er war. 1795 trat er in

den Rat der Fünfhundert und ward endlich Präsident

desselben. Am 20. Mai 1797 schied er aus und übernahm die

Präsidentschaft einer Sektion des Kassationshofs, ward aber

bald darauf als Unterhändler des Friedens mit England nach

Lille, sodann als bevollmächtigter Minister nach Neapel und

zuletzt zum Kongreß nach Rastatt geschickt, wo er aber nur

kurze Zeit verweilte. 1798 ward er Mitglied des Direktoriums,

unterstützte den Staatsstreich Bonapartes vom 18. Brumaire und

ward daher von demselben später zum Präsidenten des

Pariser Appellhofs und Mitglied des Staatsrats ernannt, als welcher

er bei der Bearbeitung des Code Napoléon wesentliche Dienste

leistete. 1804 ward er zum Präsidenten der

Gesetzgebungssektion im Staatsrat ernannt und in den Grafenstand

erhoben. Er starb 1. Dez. 1810.

Treisam, Fluß, s. Dreisam.

Treitschke, Heinrich Gotthard von, namhafter

Geschichtschreiber und Publizist, geb. 15. Sept. 1834 zu Dresden,

Sohn des 1867 gestorbenen sächsischen Generalleutnants v. T.,

studierte in Bonn, Leipzig, Tübingen und Heidelberg, war

1858-63 Privatdozent der Geschichte in Leipzig, dann Professor in

Freiburg, legte aber 1866 wegen der Haltung Badens in der deutschen

Krisis sein Amt nieder und ging nach Berlin, wo er die Leitung der

"Preußischen Jahrbücher" übernahm, zu deren

thätigsten Mitarbeitern er seit 1858 gehört hatte. Im

Herbst 1866 als Professor nach Kiel berufen, erhielt er 1867 den

durch Häussers Tod erledigten Lehrstuhl in Heidelberg, von wo

er 1874 als Professor nach Berlin ging. 1871-88 war er liberales

Mitglied des Reichstags. Nach Rankes Tod wurde er zum

Historiographen des preußischen Staats ernannt. Treitschkes

Schriften sind: "Die Gesellschaftswissenschaft" (Leipz. 1859);

"Historische und politische Aufsätze" (5. Aufl., das. 1886, 3

Bde.); "Zehn Jahre deutscher Kämpfe 1865-74" (Berl. 1874, 2.

Aufl. 1879) sowie die kleinern: "Der Sozialismus und seine

Gönner" (das. 1875); "Der Sozialismus und der Meuchelmord"

(das. 1878); "Zwei Kaiser" (das. 1888). Auch gab er

"Vaterländische Gedichte" (2. Aufl., Götting. 1859)

heraus. Sein Hauptwerk ist die "Deutsche Geschichte im 19.

Jahrhundert", von welcher bisher 3 Bde. (Leipz. 1879-85, bis 1830

reichend) erschienen sind. In diesem auf sehr gründlichen

Forschungen beruhenden und glänzend geschriebenen Buch

prägten sich Treitschkes leidenschaftlicher Patriotismus und

seine Abneigung gegen den herkömmlichen Liberalismus so scharf

aus, daß es vielfach auf Widerspruch stieß, wie er denn

durch einige tadelnde Artikel gegen die Überhebung mancher

Juden sich deren Haß zuzog, was zum Anlaß wurde,

daß er im Juli 1889 von der Leitung der "Preußischen

Jahrbücher" zurücktrat.

Treitzsauerwein, s. Weiß-Kunig.

Treja, Stadt in der ital. Provinz Macerata, Bischofsitz,

mit Kathedrale, Gymnasium, technischer Schule und (1881) 2214

Einw.

817

Trelawny - Trenck.

Trelawny (spr. treláhni), Edward John, engl.

Offizier und Schriftsteller, Freund Byrons und Shelleys, geboren im

Oktober 1792 aus einer alten, in Cornwall begüterten Familie,

trat sehr jung in die englische Marine ein und führte in den

Kriegsunruhen jener Zeit ein sehr wechselvolles Leben. 1821

ließ er sich in Pisa nieder, wo er in ein freundschaftliches

Verhältnis zu Shelley trat, den er unmittelbar vor der

verhängnisvollen Bootfahrt, auf der er ertrank, noch sah. Er

war es auch, welcher die Leiche des Dichters auffand und mit Lord

Byron deren Verbrennung anordnete. 1823 folgte er Byron nach

Griechenland, ging in dessen Auftrag von Kephalonia in den

Peloponnes und nach Livadien, um mit den Führern des

Aufstandes zu verhandeln, und wurde Adjutant des Häuptlings

Odysseus, mit dessen Tochter er sich verheiratete. Nach seines

Schwiegervaters Tod kehrte T. 1827 nach England zurück, wo er

fortan teils in London, teils auf seinem Gut Sompting bei Worthing

in den Southdownhügeln lebte; hier starb er in hohem Alter 13.

Aug. 1881. Seinem Willen gemäß wurde sein Leichnam in

Gotha verbrannt und seine Asche in der Nähe der Gräber

von Shelley und Keats bei der Cestiuspyramide in Rom beigesetzt.

Seine Schriften sind: "The adventures of a younger son" (1831, neue

Aufl. 1856; deutsch, Stuttg. 1835), eine Art biographischen Romans,

worin er in höchst anziehender Weise sein reichbewegtes Leben

in verschiedenen Weltgegenden schildert; die sehr bemerkenswerten

"Recollections of the last days of Shelley and Byron" (1858),

welche er später in "Records of Shelley, Byron and the author"

(1878, 2 Bde.; neue Ausg. 1887) bedeutend erweitert hat. Vgl.

Edgcumbe, Edward T. (Lond. 1882).

Trelleborg, Seestadt im schwed. Län Malmöhus,

an der Ostsee und den Eisenbahnen Lund-T. und Malmö-T., hat

einige Fabriken und (1885) 2266 Einw. T. ist Sitz eines deutschen

Konsulats.

Trema, s. Diäresis.

Tremadocschichten, s. Silurische Formation.

Trematoden (Saugwürmer), s. Platoden.

Trembecki (spr. -bétzki), Stanislaw, poln.

Dichter, geboren um 1726 in der Nähe von Krakau, machte in

seiner Jugend Reisen durch ganz Europa, verweilte längere Zeit

am Hof Ludwigs XV. in Paris und wurde nach seiner Rückkehr

Kammerherr des Königs Stanislaw August, den er nach seiner

Absetzung nach Petersburg begleitete. Später fand er am Hof

des Grafen Felix Potocki zu Tulczyn in Podolien ein Unterkommen.

Der einst glänzende Kavalier, der an 30 Duelle hatte, meist

wegen Damen, verfiel jetzt in Armut und starb als ein

menschenscheuer und vergessener Sonderling 12. Dez. 1812. Als

Dichter ist T. das Muster eines schmeichlerischen und

gesinnungslosen Hofdichters, dabei aber der erste Stilist seiner

Zeit, dessen Verdienste um die polnische Sprache hoch anzuschlagen

sind. Das bedeutendste seiner Gedichte ist "Zofijowka", eine im

hohen Alter verfaßte poetische Schilderung eines Parks, den

Graf Potocki seiner Gemahlin Sophie zu Ehren angelegt hatte.

Sammlungen seiner Werke erschienen in Breslau (1828, 2 Bde.) und

Leipzig (1836, 2 Bde.).

Tremblade, La (spr. trangblad), Stadt im franz.

Departement Niedercharente, Arrondissement Marennes, an der

Mündung der Seudre in den Atlantischen Ozean und der Eisenbahn

Saujon-La Grève, hat (1881) 2874 Einw., Fabrikation von

Weingeist, Essig und Flaschen, Salzgewinnung, besuchte

Seebäder und (mit Marennes) berühmte Zucht von Austern,

welche als weiße junge Austern in der Bretagne gekauft und

hier gemästet werden (Jahresertrag 30 Mill. Stück, im

Wert von mehr als 2 Mill. Frank).

Trembowla, Stadt in Ostgalizien, südöstlich von

Tarnopol, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines

Bezirksgerichts, hat vorzügliche Steinbrüche,

Mühlenbetrieb und (1880) 6432 Einw.

Tremellini (Zitterpilze), s. Pilze (9), S. 71.

Tremessen (poln. Trzemeszno), Stadt im preuß.

Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Mogilno, an einem See und der

Linie Posen-Thorn der Preußischen Staatsbahn, hat eine

evangelische und 3 kath. Kirchen, ein Augustiner-Chorherrenstift,

ein Progymnasium, ein Amtsgericht, ein öffentliches

Schlachthaus, Stärke- und Sirupfabrikation und (1885) 4766

meist kath. Einwohner. Hier Gefecht 10. April 1848 mit polnischen

Insurgenten.

Tremiti, ital. Inselgruppe (San Nicola, San Domino,

Capraja u. a.) im Adriatischen Meer, 25-30 km von der Küste

der Provinz Foggia entfernt. Sie sind alle felsig, vulkanischen

Ursprungs, ohne Quellwasser und dienen als Strafkolonie (1881: 518

Bewohner). Im Altertum hießen sie Diomedeae Insulae.

Tremoille, La, s. La Tremoille.

Tremola, Val, s. Tessin (Fluß).

Tremolith, Mineral, s. Hornblende.

Tremolo (tremolando, ital. "Beben, bebend"), in der Musik

die schnell wiederholte Angabe derselben Töne

(intermittierend) oder einander schnell folgende Verstärkungen

des Tons (beim Singen eine bald ermüdende Manier, bei

Streichinstrumenten ein höchst wirksamer Effekt, auf dem

Klavier das den Ton zu höchster Fülle steigernde

Trommeln).

Tremor (lat.), das Zittern; T. artuum, das

Gliederzittern.

Tremse, Kornblume, s. Centaurea.

Tremulánt (lat.), in der Orgel eine durch einen

besondern Registerzug in oder außer Funktion zu setzende

Vorrichtung, welche dem Ton ein mehr oder weniger starkes Beben

mitteilt. Der T. ist eine leicht bewegliche Klappe, welche, wenn

das Register angezogen wird, den Kanal nahe vorm Windkasten

verschließt, aber durch den Orgelwind in eine pendelnde

Bewegung versetzt wird.

Tremulieren (lat.), beim Gesang mit der Stimme zittern

(vgl. Tremolo); Tremulation, zitternde Bewegung.

Trenck, 1) Franz, Freiherr von der, kaiserl.

Pandurenoberst, geb. 1. Jan. 1711 zu Reggio in Kalabrien, wo sein

Vater, ein geborner Preuße, als kaiserlicher Oberstleutnant

in Garnison stand, ward bei den Jesuiten in Ödenburg erzogen

und trat, 17 Jahre alt, in kaiserliche Kriegsdienste. Er war

schön, kräftig und trotz seiner Blatternarben in

Liebesabenteuern sehr glücklich, reichbegabt, so daß er

sieben Sprachen beherrschte. Wegen seines ausschweifenden Lebens

und seiner Händelsucht bald wieder entlassen, trat er als

Rittmeister in ein russisches Husarenregiment, ward aber auch dort

wegen Subordinationsvergehen kassiert und zu mehrmonatlicher

Schanzarbeit auf der Festung Kiew verurteilt, wonach er auf seine

Güter in Slawonien zurückkehrte. Beim Ausbruch des

österreichischen Erbfolgekriegs (1740) erhielt er von der

Kaiserin die Erlaubnis, ein Korps von 1000 Panduren auf eigne

Kosten auszurüsten und nach Schlesien zu führen.

Dasselbe, zuletzt 5000 Mann stark, bildete stets die Vorhut der

Armee und zeichnete sich ebensosehr durch Grausamkeit wie

Tapferkeit aus. Endlich wurde ihm 1746 wegen vieler Greuelthaten

und Subordinationsvergehen ein peinlicher Prozeß gemacht, dem

zufolge er in lebensläng-

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl, XV. Bd.

52

818

Trendelburg - Trente et quarante.

liche Gefangenschaft auf den Spielberg bei Brünn gebracht

wurde, wo er 14. Okt. 1749 starb. Vgl. seine Autobiographie (Leipz.

1748 u. Wien 1807, 2 Bde., reicht bis 1747); "Franz von der T.,

dargestellt von einem Unparteiischen" (Hübner), mit einer

Vorrede von Schubart (Stuttg. 1788, 3 Bde.); Wahrmann, Leben,

Thaten, Abenteuer, Gefängnis und Tod des Franz Freih. v. d. T.

(Leipz. 1837) und "Freiherr Franz v. d. T." (3. Aufl., Celle 1868,

3 Bde.).

2) Friedrich, Freiherr von der, Abenteurer, geb. 16. Febr. 1726

zu Königsberg i. Pr., Vetter des vorigen, nahm 1740

preußische Kriegsdienste und wurde beim Ausbruch des zweiten

Schlesischen Kriegs 1744 Ordonnanzoffizier Friedrichs d. Gr. Bald

hernach fiel er in Ungnade, angeblich wegen einer Liebesintrige mit

der Schwester des Königs, der Prinzessin Amalia, und die

Entdeckung seines an sich unschuldigen Briefwechsels mit seinem

Vetter gab dem König erwünschten Anlaß, ihn auf die

Festung Glatz bringen zu lassen. Von hier im Januar 1747 entkommen,

erhielt T. 1749 in Wien eine Anstellung als Rittmeister bei einem

kaiserlichen Kürassierregiment in Ungarn. Als er aber 1753 in

Familienangelegenheiten nach Danzig reiste, ward er hier auf

Friedrichs II. Befehl verhaftet, nach Magdeburg in die Sternschanze

abgeführt und nach einem vereitelten Fluchtversuch an

Händen, Füßen und Leib mit schweren Fesseln

angeschmiedet. Im Dezember 1763 endlich in Freiheit gesetzt, begab

er sich nach Aachen, beschäftigte sich daselbst mit

litterarischen Arbeiten und trieb nebenbei einen Weinhandel. Von

1774 bis 1777 bereiste er England und Frankreich und wurde dann von

der Kaiserin Maria Theresia zu mehreren geheimen Sendungen

gebraucht. Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II.

erhielt er seine in Preußen eingezogenen Güter

zurück. Sein unruhiger Geist trieb ihn beim Ausbruch der

französischen Revolution nach Paris, wo ihn Robespierre 1794

als angeblichen Geschäftsträger fremder Mächte

guillotinieren ließ. Seine Selbstbiographie (Berl. u. Wien

1787, 3 Bde.) ist wohl nicht frei von Übertreibungen. Seine

übrigen Schriften sind enthalten in "Trencks sämtliche

Gedichte u. Schriften" (Leipz.1786, 8 Bde.). Vgl. Wahrmann, Friedr.

Freih. v. d. T. Leben, Kerker und Tod (Leipz. 1837); "Freiherr

Friedrich v. d.T." (3. Aufl., Celle 1868, 3 Bde.) und "Kollektion

Spemann", Bd. 44.

Trendelburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Kassel, Kreis Hofgeismar, an der Diemel und der Linie

Hümme-Karlshafen der Preußischen Staatsbahn, hat eine

evang. Kirche, ein altes Schloß und (1885) 772 Einw.

Trendelenburg, Friedrich Adolf, Philosoph, geb. 30. Nov.

1802 zu Eutin, studierte in Kiel, wo Joh. Erich v. Berger

nachhaltigen Einfluß auf ihn übte, Leipzig und Berlin

Philosophie und Philologie, habilitierte sich an der Berliner

Universität, wurde 1833 außerordentlicher, 1837

ordentlicher Professor, 1846 Mitglied der Akademie und war seit

1847 beständiger Sekretär der historisch-philosophischen

Klasse. Kurze Zeit war er in konservativem Sinn auch politisch

thätig und auf die Gestaltung des preußischen

Universitätswesens sehr einflußreich. Er starb 24. Jan.

1872 in Berlin. Die Leistungen Trendelenburgs teilen sich in

philologisch-historische und philosophische. Zu den erstern

gehören seine für den ersten Unterricht in der Logik sehr

verdienstlichen "Elementa logices Aristotelicae" (Berl. 1837, 8.

Aufl. 1878), zu welcher Schrift er eine deutsche Bearbeitung und

Ergänzung: "Erläuterungen zu den Elementen der

aristotelischen Logik" (das. 1842, 3. Aufl. 1876), lieferte.

Für das tiefere Studium des Aristoteles ging er den

philosophierenden Philologen bahnbrechend voran mit seiner Ausgabe

der Aristotelischen Schrift über die Seele ("Aristotelis de

anima etc.", Jena 1833, mit Kommentar). 1840 trat er mit seinen

"Logischen Untersuchungen" (Berl. 1840, 2 Bde.; 3, Aufl., Leipz.

1870) hervor, in welchen er die formale Logik der Kantianer und die

dialektische Methode Hegels treffend kritisierte, selbst aber ein

logisch-metaphysisches System aufstellte, in welchem unter Anklang

an Aristotelische Denkweise die Bewegung als das dem Denken und dem

Sein Gemeinsame zum Ausgangspunkt einer spekulativen

Erkenntnistheorie und zum Mittel einer Ableitung der Grundbegriffe

und Grundanschauungen (namentlich von Raum und Zeit) gemacht wird.

Die ethische Seite seiner Philosophie entwickelte er in dem

Aufsatz: "Die sittliche Idee des Rechts" (Berl. 1849), die

ästhetische in den Vorträgen: "Niobe" (das. 1846) und

"Der Kölner Dom" (Köln 1853). Gegen das Ende seines

Lebens geriet er in einen durch seinen Tod unterbrochenen

litterarischen Streit mit Kuno Fischer (s. d. 10) über die

Auffassung der Kantschen Lehre, als dessen Frucht die Schrift "Kuno

Fischer und sein Kant" (Leipz. 1869) zu betrachten ist. Ein andres

systematisches Werk Trendelenburgs ist: "Das Naturrecht auf dem

Grunde der Ethik" (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1868). Seine "Historischen

Beiträge zur Philosophie" enthalten im 1. Band (Berl. 1846)

eine Geschichte der Kategorienlehre, im 2. und 3. (das. 1855 und

1867) vermischte Aufsätze, unter denen besonders die

Abhandlungen über Spinoza und Herbart hervorzuheben sind.

Seine geist- und gehaltvollen akademischen Reden sind

größtenteils gesammelt in den "Kleinen Schriften"

(Leipz. 1870, 2 Bde.), welche auch die 1843 anonym erschienene

Schrift "Das Turnen und die deutsche Volkserziehung" enthalten.

Vgl. Bonitz, Zur Erinnerung an T. (Berl. 1872); Bratuscheck, Adolf

T. (das. 1873).

Trennen, sich, in der Turfsprache Euphemismus für

Herabfallen vom Pferd.

Trense, s. Zaum.

Trent, Fluß in England, entspringt im

nördlichen Staffordshire, fließt bei Stoke und Rugeley

vorbei, wird bei Burton (193 km oberhalb seiner Mündung)

schiffbar und ergießt sich, nachdem er noch Nottingham,

Newark und Gainsborough berührt hat, nach einem Laufe von 269

km in den Humber. Der Grand-Trunkkanal (s. d.) verbindet den T. mit

dem Mersey und somit die Nordsee mit dem Irischen Meer. Wichtigere

Nebenflüsse sind links: Dove, Derwent (s. d.) und Idle;

rechts: Stow, Tame und Soar.

Trentaffaire, Streitsache zwischen Großbritannien

und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, veranlaßt durch

die Verhaftung der südstaatlichen Agenten Mason und Slidell,

welche sich 1861 in Havana auf dem englischen Postdampfer Trent

nach Europa einschifften, um dort für die Sache der

Südstaaten zu wirken, aber 8. Nov. im Bahamakanal von dem

amerikanischen Kreuzer San Jacinto unter Kapitän Ch. Wilkes

(s. d.), der den Trent anhielt, mit Gewalt nach Nordamerika

gebracht wurden. Die englische Regierung drohte mit Abbruch des

diplomatischen Verkehrs, wenn die Unionsregierung nicht binnen

sieben Tagen das Verhalten des Kapitän Wilkes mißbillige

und die Verhafteten freilasse. Die Unionsregierung erfüllte

dies Verlangen 26. Dez. 1861, obwohl die öffentliche Meinung

in Amerika gegen England sehr aufgeregt und zum Krieg mit demselben

geneigt war.

Trente et quarante (franz., spr. trangt e karangt,

819

Trente-un - Tréport, Le.

"dreißig und vierzig"), das um zwei Einsatzfelder

vermehrte Rouge et noir (s. d.), welches seiner Zeit neben dem

Roulette das Hauptlockmittel in den deutschen Spielbädern

bildete. Zu den Feldern für Rot und Schwarz (R und S

bezeichnet) kommen hinzu diejenigen für Couleur und Inverse (C

und I markiert).

Trente-un (franz., spr. trangt-ong,

"einunddreißig"), ein Glücksspiel, ähnlich dem Onze

et demi. Bei demselben zählt jedes Bild zehn, das As nach

Belieben des Spielers elf oder eins, die übrigen Karten nach

Augen. As und zwei Bilder sind also "gebornes" T. Jeder erhält

anfangs drei Blätter und kann nun hinzukaufen; bekommt er aber

dabei über 31 Augen, so ist er tot und verliert unbedingt

seinen Satz.

Trenton, Hauptstadt des nordamerikan. Staats New Jersey,

am schiffbaren Delaware, ist Knotenpunkt vieler Eisenbahnen, hat

ein schönes Staatenhaus (Kapitol), 2 öffentliche

Bibliotheken, ein Lehrerseminar, 24 Kirchen, eine Irrenanstalt, ein

Zuchthaus, ein Zeughaus, starke Industrie (Töpferei,

Walzwerke, Woll- und Papierfabrikation), lebhaften Handel und

(1885) 34,386 Einw. T. wurde 1680 gegründet und 1790 zur

Hauptstadt erhoben. Hier 26. Dez. 1776 Sieg Washingtons über

die Engländer, wobei 900 Hessen gefangen genommen wurden.

Trentongruppe, s. Silurische Formation.

Trentowski, Bronislaus, poln. Philosoph, geb. 1808 zu

Kopcie in Polen, studierte zu Berlin unter Hegel Philosophie,

habilitierte sich als Dozent der Philosophie an der

Universität zu Freiburg i. Br., starb 1869 daselbst. T.

versuchte in seinem deutsch geschriebenen Hauptwerk: "Grundlage der

universellen Philosophie" (Freiburg 1837), eine selbständige

"slawische Philosophie" zu begründen. Er weist darin den drei

Hauptrassen Europas ihre Stelle in der weltgeschichtlichen

Entwickelung der Philosophie an, indem er an der Hand der

dialektischen Methode die Romanen als Träger des Realismus,

deren Gegensatz, die Germanen, als solche des Idealismus, dagegen

die Slawen als Träger einer künftigen Synthese beider

einander zugleich ausschließenden und gegenseitig

ergänzenden Geistesrichtungen und dadurch als das Volk "der

Philosophie der Zukunft" zu konstruieren unternimmt. Unter seinen

polnischen Werken ist zu erwähnen "Chowanna", System einer

nationalen Pädagogik (Posen 1842, 2 Bde.), das durch

Kühnheit der Gedanken, energischen Stil und allerlei

Überschwenglichkeiten in Polen großes Aufsehen erregte;

"Myslini" ("Logik", das. 1844); "Panteon" oder Propädeutik des

allgemeinen Wissens (1873) und "Verhältnis der Philosophie zur

Staatskunst" (ebenfalls in poln. Sprache, das. 1843). Neben Libelt

trug T. das meiste zur Belebung der philosophischen Richtung in

Polen bei.

Trentschin (ungar. Trencsen), ungar. Komitat am linken

Donauufer, 4620 qkm (83,9 QM.) groß, grenzt westlich an

Mähren, nördlich an Schlesien und Galizien, östlich

und südlich an die Komitate Arva, Turócz und Neutra und

wird von unzähligen Bergketten der Bieskiden und der Kleinen

Tátra durchzogen. Ebenes Gebiet findet sich lediglich im

prachtvollen Waagthal, dessen Romantik durch zahlreiche Burgen

erhöht wird, und im SO. bei Baán. Hauptfluß ist

die von O. gegen S. fließende Waag mit der Kisucza. Der nicht

sehr fruchtbare Boden erzeugt Kartoffeln, Hafer, Obst (besonders

Zwetschen), Gartenfrüchte, Flachs, Hanf, viel Holz und in der

Ebene auch Getreide. Die Einwohner (1881 : 244,919), meist

Slowaken, beschäftigen sich neben der Landwirtschaft mit

Viehzucht (Schafe) und mit Branntwein-, Käse- und

Honigproduktion. Der Handel mit Holz, das auf der Waag auf

Flößen befördert wird, ist sehr lebhaft. Die

königliche Freistadt T., an der Waag, Station der Waagthalbahn

und Sitz des Komitats und eines Gerichtshofs mit (1881) 4402

slowakischen, deutschen und ungar. Einwohnern, hat mehrere Kirchen,

ein Piaristenkloster mit Obergymnasium, eine neue große

Kaserne, einen Park und Ruinen der uralten imposanten Bergfeste T.

In einem romantischen Seitenthal (8 km nordöstlich) liegt der

seit dem 14. Jahrh. bekannte Badeort T.-Teplitz, Bahnstation, mit

sehr heilsamen Schwefelquellen (36-40° C.), die gegen

Rheumatismus, Gicht, Lähmungen etc. benutzt werden

(jährlich über 3000 Kurgäste). Vgl. Ventura, Der

Kurort T.-Teplitz (6. Aufl., Wien 1888), und Nagel, T.-Teplitz (2.

Aufl., das. 1884).

Trepanation (franz.), chirurg. Operation am Knochen,

wobei ein Stück aus demselben ausgebohrt oder ausgesägt

wird. Die T. wird am häufigsten am Schädel vorgenommen,

und zwar 1) wo die Schädelknochen durch äußere

Gewalt tiefer als etwa 6 mm eingedrückt oder die innere

Lamelle des Schädelknochens abgesprengt ist und das Gehirn

beeinträchtigt; 2) wo fremde Körper (Kugeln,

Messerspitzen etc.) im Gehirn stecken oder auf dieses drücken

und man Hoffnung hat, durch Entfernung derselben die drohenden

Erscheinungen zu beseitigen; 3) wo zwischen den Schädelknochen

und dem Gehirn oder in den obern Schichten des letztern

größere Eiter- und Blutmassen liegen, vorausgesetzt

natürlich, daß man die Diagnose in allen diesen

Fällen überhaupt mit Sicherheit stellen kann. Das

Instrument, mit dem man ein rundes Stück aus dem Knochen

ausbohrt, nennt man Trepan (Trephine); sein gezahntes, einer

Kreissäge von etwa 1½ cm Durchmesser entsprechendes

Ende heißt die Trepankrone. Das ausgesägte

Knochenstück wird mit einem hebelartigen Instrument (Tirefond)

herausgehoben und sodann der Fall je nach seiner individuellen

Beschaffenheit weiter behandelt. Schon im Altertum, namentlich in

der Kriegschirurgie, sehr häufig vorgenommen, gehört die

T. jetzt zu den selten zur Ausführung kommenden Operationen,

da sie früher außer bei Verletzungen auch bei

Geisteskranken ausgeführt wurde (Wilhelm v. Saliceto). Auch

das Brustbein hat man trepaniert, namentlich um Eitermassen, welche

sich hinter demselben entwickelt hatten, zu entfernen. Unter allen

Umständen ist die T. eine lebensgefährliche Operation,

weil sie zu einer schweren ältern Verletzung eine nicht minder

schwere neue hinzufügt.

Trepang (auch Tripang, Béche de mer), die als

Handelsartikel zubereiteten Seegurken (s. Holothurioideen) aus der

Gattung Holothuria. In Japan und China werden diese teils als

Gewürz für Speisen, teils als Aphrodisiakum sowohl von

den Eingebornen als auch von den Europäern genossen. Sie

kommen meist von den Inselgruppen des Malaiischen Meers, von der

nordaustralischen Küste etc. Sofort nach dem Fang werden sie

abgekocht und entweder an der Sonne oder am Feuer getrocknet, auch

wohl leicht geräuchert; frisch erreichen sie eine Länge

von 25 cm und einen Durchmesser von 5 cm, büßen aber

durch jene Prozesse viel von ihrer Größe ein. Die

Chinesen unterscheiden über 30 Sorten, deren Preis von 0,70-2

Frank das Kilogramm schwankt. Die Einfuhr nach China betrug 1872

nicht weniger als 18,000 Pikuls. Vgl. Simmonds, The commercial

products of the sea (Lond. 1879).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 237 / 302 段