nordöstlichste Provinz Portugals, grenzt nördlich und
östlich an Spanien, südlich an die Provinz Beira,
westlich an Minho und umfaßt 11,156 qkm (201,9 QM.), nach
Strelbitsky nur 11,033 qkm, mit (1878) 393,279 Einw. Diese Provinz
ist das am höchsten gelegene Terrain Portugals und von wilden
Felsgebirgen durchzogen. Das höchste Gebirge, die Serra de
Monte Zinho, mit Heiden bedeckt, steigt bis zu 2270 m auf; aus der
Provinz Minho ziehen sich die Serra de Gerez und Serra de
Marão herüber; niedriger sind die südlichen
Bergreihen. Der Hauptfluß ist der Douro, welcher die Ost- und
Südgrenze der Provinz bildet und von hier den Sabor, die Tua
und die Tamega aufnimmt. Das Klima ist im Sommer sehr heiß,
im Winter aber rauh und kalt. Der Boden, obgleich meist felsig und
steinig, ist doch in vielen Gegenden trefflich angebaut. Der Norden
erzeugt Roggen und Weizen, Flachs und Hanf, der Süden Mais,
Mandeln und Orangen; Haupterzeugnis aber ist der Wein, besonders am
obern Douro (Portwein). Die Provinz ist reich an Erzen (besonders
Eisen), welche aber nicht mehr ausgebeutet werden, und hat auch
mehrere Mineralquellen. Die Bewohner charakterisiert der heitern
Bevölkerung der Provinz Minho gegenüber ein düsteres
und abergläubisches Wesen. Ausfuhrartikel sind namentlich:
Maulesel, Wolle, Seide und Wein. Die Provinz zerfällt in die
beiden Distrikte Villa Real und Braganza. Hauptstadt ist
Braganza.
Treasure (engl., spr. tresch'r), Schatz; Treasurer,
Schatzmeister; Lord High Treasurer (First Lord of the Treasury),
Großschatzmeister; Treasury, Schatzkammer, Schatzamt;
Treasury Note, Schatzschein, Kassenschein. Der First Lord of the
Treasury in England ist gewöhnlich der erste Minister, und
sein Departement (Treasury) kontrolliert sämtliche Einnahmen
und Ausgaben des Staats, während der eigentliche
Finanzminister den Titel Chancellor of the Exchequer
führt.
Trebbia (im Altertum Trebia), Fluß in Oberitalien,
entspringt am Nordabhang des ligurischen Apennin in der Provinz
Genua, fließt nordöstlich, tritt in die Provinz Piacenza
und fällt dort nach einem Laufe von 115 km oberhalb der Stadt
Piacenza rechts in den Po. Die T. ist historisch berühmt durch
zwei Schlachten: in der ersten besiegte Hannibal 218 v. Chr. den
römischen Konsul Sempronius Longus. Die zweite fand 17.-20.
Juni 1799 statt zwischen den Franzosen unter Macdonald und den
vereinigten Österreichern und Russen unter Suworow, wobei
erstere unterlagen.
Trebbin, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam,
Kreis Teltow, an der Nuthe und an der Linie Berlin-Halle der
Preußischen Staatsbahn, 39 m ü. M., hat eine evang.
Kirche, ein Amtsgericht, Zigarrenfabrikation, Dampfdrechslerei,
Ziegelbrennerei und (1885) 2855 meist evang. Einwohner. Hier 21.
Aug. 1813 siegreiches Gefecht des französischen Korps Oudinot
gegen die preußische Brigade v. Thümen.
Trebel, Fluß im preuß. Regierungsbezirk
Stralsund, entspringt im Kreis Grimmen, fließt westlich und
südöstlich, bildet eine Strecke weit die Grenze Pommerns
gegen Mecklenburg, steht durch den Mohrgraben mit der Recknitz in
Verbindung und mündet bei Demmin links in die Peene. Sie ist
bei hohem Wasserstand 28 km weit schiffbar.
Trebellins Maximus, röm. Konsul 62 n. Chr., nach
welchem der Senatsschluß über die Universalfideikommisse
(senatusconsultum Trebellianum) benannt ist, womit Justinian das
Pegasianische Senatuskonsult (unter Vespasian) verschmolz, das vom
Abzug des rechtmäßigen Viertels handelt. Letzteres
heißt daher Quarta Trebelliana.
Treber (Träber, Trester, Seih), die ausgezogenen
Malzhülsen der Bierbrauereien und die ausgepreßten
Weintrauben. Erstere bilden ein wertvolles Viehfutter, dessen
Nahrungswert mit der Stärke des Biers schwankt. Am besten
eignen sich die T. zu Milchfutter. 100 kg Darrmalz liefern
durchschnittlich 133 kg nasse T., welche, auf den Darrungsgrad des
Malzes zurückgebracht, 33 kg betragen. Die Weintreber
verfüttert man mit Spreu, Häcksel, Ölkuchen,
Getreideschrot für Rindvieh, Schafe und Schweine; auch dienen
sie zur Bereitung von Tresterwein, Branntwein, Essig,
Grünspan, Leuchtgas, Frankfurter Schwarz.
Treberausschlag, s. v. w. Schlempemauke, s. Mauke.
Trebinje, Bezirksstadt in Bosnien, Kreis Mostar, am
Fluß Trebincica, leicht befestigt, hat ein Schloß und
(1885) 1659 Einw., ist Sitz eines katholischen Bischofs, eines
Militär-Platzkommandos und Bezirksgerichts und war früher
die Hauptstadt des Fürstentums Terbunia. Sehr interessant ist
das gegen NW. sich hinziehende Thal der Trebincica, auch
Popovopolje (Popenfeld) genannt, zu dem ein steiler Geröllpfad
hinaufführt. Daselbst wohnen die im ganzen Land herumziehenden
Mauren (Katholiken).
Trebisonda, Stadt, s. Trapezunt.
Trebitsch, Stadt in Mähren, an der Iglawa und der
Eisenbahn Brunn-Okrzisko, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und
eines Bezirksgerichts, besteht aus der eigentlichen Stadt, 5
Vorstädten und der Judenstadt, hat ein gräflich
Waldsteinsches Schloß mit schöner Schloßkirche und
Park, eine baulich interessante Abteikirche im Übergangsstil
mit großer Krypte und reichem Nordportal, eine Synagoge, ein
Staatsobergymnasium, bedeutende Leder- und Schuhfabrikation,
Dampfmühle, Bierbrauerei und Mälzerei,
Likörfabrikation, Tuchweberei, Leimsiederei, stark besuchte
Märkte und nebst dem angrenzenden Unterkloster (1880) 10,452
Einw.
Trebnitz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Breslau, am Trebnitzer Wasser und am Fuß des Trebnitzer
Landrückens (Katzengebirge), 146 m ü. M., an der Linie
Hundsfeld-T. der Preußischen Staatsbahn, hat eine
evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Bierbrauerei
und (1885) 4920 meist evang. Einwohner. T., das 1228 deutsches
Stadtrecht erhielt, ist ein berühmter Wallfahrtsort; das
ehemalige Cistercienserkloster (jetzt Krankenanstalt der Schwestern
vom heil. Borromeus) wurde 1203 von Hedwig, der Gemahlin Herzog
Heinrichs des Bärtigen, gestiftet.
Trebonius, Gajus, röm. Ritter, gab als Volkstribun
55 v. Chr. die nach ihm genannte Lex Trebonia, wodurch Pompejus
Spanien, Crassus Syrien aus fünf Jahre als Provinzen verliehen
und Cäsar die Provinz Gallien auf weitere fünf Jahre
verlängert wurde. Er begleitete Cäsar als Legat nach
Gal-
814
Trebsen - Treiben.
lien, wurde 45 Konsul, nahm aber später an der
Verschwörung gegen Cäsar teil. Im Mai 44 ging er als
Prokonsul nach Asien und wirkte hier für Brutus und Cassius,
ward aber im Februar 43 von P. Dolabella in Smyrna erschlagen.
Trebsen, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft
Leipzig, Amtshauptmannschaft Grimma, Knotenpunkt der Linien
Glauchau-Wurzen und Döbeln-Wermsdorf der Sächsischen
Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Schloß,
Porphyrbrüche und (1885) 1122 evang. Einwohner. Dabei der 220
m hohe Kohlenberg mit Aussichtsturm.
Trebur, Flecken in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis
Großgerau, unweit des Rheins, hat eine evang. Kirche,
bedeutende Käsefabrikation und (1885) 1826 Einw. - T.
(ursprünglich Tribur) war schon zu Karls d. Gr. Zeit eine
königliche Pfalz, kam später unter die Vogtei der Herren
von Münzenberg, ward 1246 von Wilhelm von Holland an den
Grafen Diether III. von Katzenelnbogen verpfändet und mit dem
größten Teil seines Gebiets von Rudolfvon Habsburg dem
Grafen Eberhard von Katzenelnbogen verliehen. Den Rest der
Besitzungen, welcher bisher den Herren von Falkenstein gehört
hatte, erwarb Graf Johann 1422. T. war in der Zeit der Karolinger
und der salischen Kaiser häufig Sitz von Reichstagen; am
bekanntesten sind die von 1066, wo Adalbert von Bremen
gestürzt wurde, und von 1076, wo die Fürsten Heinrich IV.
aufgaben, die Lossprechung vom Bann binnen Jahresfrist zu erwirken.
895 fand daselbst eine Synode statt, zu welcher auch König
Arnulf erschien.
Trecate, Flecken in der ital. Provinz Novara, an der
Eisenbahn Mailand-Novara, hat Reste alter Befestigungswerke, Reis-
und Seidenbau, Käsebereitung und (1881) 5259 Einw.
Trecento (spr. -tschennto. "dreihundert"), in der
Kunstgeschichte übliche Bezeichnung für die italienische
Kunst des 14. Jahrh., insbesondere für Giotto und seine Schule
und für Giovanni Pisano und seine Nachfolger (Trecentisten).
Vgl. Quattrocento und Cinquecento.
Treckfahrtskanal, Schiffahrtskanal zwischen Emden und
Aurich, in der preuß. Provinz Hannover, ist 23,5 km lang und
3 m tief.
Treckschuiten (holl., spr. -scheuten), s. Halage.
Tredegar, Stadt in Monmouthshire (England), inmitten des
reichsten Kohlen- und Eisenreviers, mit (1881) 18,771 Einw.
Tredgold, Thomas, Zivilingenieur, geb. 22. Aug. 1788 zu
Lerrendon bei Durham, trat, nachdem er längere Zeit praktisch
gearbeitet, 1813 in das Büreau des Architekten Atkinson,
Erbauers des Zeughauses in London, ein und trieb eingehende
theoretische Studien. Neben zahlreichen Aufsätzen über
physikalische Gegenstände veröffentlichte er: die
vielfach aufgelegten "Elementary principles of carpentry" (Lond.
1820, 7. Aufl. 1886; daneben andre Ausgaben); "Essay on the
strength of cast iron" (neue Ausg. 1860) und die "Treatise on
warming and ventilating" (neue Ausg. 1842); "Practical treatise on
rail-roads and carriages"; "The steam-engine" (1827; neue Ausg.
1853, 3 Bde.). Er starb 28. Jan. 1829.
Tredici Comuni (spr. treditschi), s. Comuni.
Tredjakowskij, Wasilij Kirillowitsch, russ.
Schriftsteller, geb. 1703 zu Astrachan, starb als Hofdichter 6.
Aug. (a. St.) 1769. Er war ein talentloser Reimschmied, der durch
Liebedienerei sich die Gunst des Hofs erwarb und dadurch zu hohen
Ehren stieg, so unter anderm von der Kaiserin Anna Iwanowna zum
Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde
und den Auftrag erhielt, "die russische Sprache sowohl durch Verse
als auch durch Prosa zu reinigen". Alle seine Festgesänge in
steifen schwunglosen Versen sind längst vergessen; sein Name
lebt nur noch in der litterarischen Kritik fort als Synonym
für Talentlosigkeit, dichterische Überhebung und Buhlerei
um Hofgunst.
Treene, Fluß in Schleswig-Holstein, entsteht
südöstlich von Flensburg, ist 21 km schiffbar und
mündet bei Friedrichstadt rechts in die Eider.
Treffen, Kampf zwischen größern Truppenmassen
(s. Gefecht); ferner die einzelnen Schlachtlinien, in denen die
Truppen nacheinander mit dem Feind in Berührung treten. Man
unterscheidet in dieser Hinsicht: ein Vorder- und Hintertreffen,
ein erstes, zweites, drittes T. Während das erste T. im
unmittelbaren Kampf mit dem Feind sich befindet, ist das zweite zur
Unterstützung, Ablösung, Sicherung des Rückens und
der Flanken bereit; das dritte dient in der Regel nur als
Reserve.
Treffurt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt,
Kreis Mühlhausen, an der Werra, hat eine evangelische und eine
kath. Kirche, eine Schloßruine (Normanstein),
Zigarrenfabrikation, Obstbau und (1885) 1814 meist evang.
Einwohner.
Trèfle (franz., spr. träfl, "Klee,
Kleeblatt"), Farbe der franz. Spielkarte, deutsch Treff
("Eichel").
Trefort, August, ungar. Staatsmann, geb. 1817 zu Homonna
im Zempliner Komitat, studierte zu Pest die Rechte, trat 1837 in
den Staatsdienst, gab 1840 im Verein mit Baron Joseph
Eötvös und Ladislaus Szalay die "Budapesti Szemle"
(Revue) heraus, wurde 1843 von der Stadt Pest in den Reichstag
gewählt, trat 1844 in die Redaktion des Kossuthschen "Pesti
Hirlap" ein, ward 1848 Staatssekretär des damaligen
Handelsministers Gabriel Klanzal, nach dessen Rücktritt selbst
Minister, zog sich aber schon im Oktober vom politischen Leben
zurück und reiste (bis 1850) mit Baron Joseph Eötvös
ins Ausland. Seit dem Wiedererwachen des konstitutionellen Lebens
1860 war er fortwährend öffentlich thätig teils als
Deputierter, teils als Leiter öffentlicher Unternehmungen. Die
Alföldbahn ist sein Werk. Seit 1865 Mitglied des
Abgeordnetenhauses, stand er stets in den vordersten Reihen der
Deákpartei. 1872 wurde er zum Kultusminister ernannt und
1885 zum Präsidenten der ungarischen Akademie erwählt. Er
starb 22. Aug. 1888 in Pest. Von ihm erschienen "Reden und Studien"
(deutsch, Leipz. 1883) und "Essays und Denkreden" (das. 1887).
Tréguier (spr. treghjeh), Stadt im franz.
Departement Côtes du Nord, Arrondissement Lannion, am
gleichnamigen Küstenfluß, welcher die größten
Schiffe trägt und bald darauf in den Kanal (La Manche)
fällt, hat einen guten Handelshafen, Stockfisch-, Makrelen-
und Austernfang, Schiffahrt, Handel und (1881) 3125 Einw.
Treibeis, s. Eis, S. 399, und Polareis.
Treibel, s. Lammfelle.
Treiben, das Jagen der Tiere und Ricken durch die Hirsche
und Böcke in der Brunftzeit, um sie zu beschlagen; auch ein
Revierteil, aus welchem das Wild dem vorstehenden Schützen
zugetrieben wird.
Treiben, dehnbare Metalle mit Hammer (Treibhammer) und
Amboß (Treibstock) bearbeiten, namentlich Gefäße
etc. aus Blech herstellen, indem man durch Ausdehnung der mittlern
Teile eines Blechstücks eine Vertiefung erzeugt (Auftiefen)
oder den Rand aufbiegt (Aufziehen) und die Wandung ver-
815
Treibendes Zeug - Treibjagd.
engert (einzieht) oder erweitert (schweift). Hierbei kommen auch
die übrigen Blecharbeiten, wie Bördeln, Sieken etc., zur
Anwendung und bei kunstindustriellen Gegenständen namentlich
das T. mit Bunzen. Vgl. Getriebene Arbeit. In der Metallurgie s. v.
w. abtreiben. - In der Gärtnerei heißt T., gewisse
Pflanzen durch Anwendung künstlicher Wärme und andrer
Bedingungen früher als naturgemäß zur Ausbildung
von Blättern, Blüten und Früchten bringen. Die
Treiberei bezieht sich besonders auf feinere Gemüse,
Blütenpflanzen u. Obst. Zur Wärmeerzeugung benutzt man,
um gleichzeitig feuchte Luft zu erhalten, Mist, Laub, Lohe,
Baumwollabfälle, Wasser- und Dampfheizung in Treibkästen
oder Gewächshäusern (s. d.). Das T. beginnt, je nach
Bedürfnis und Treibfähigkeit der Pflanzen, früher
oder später vom Oktober bis März, z. B. bei Hyazinthen im
November, bei Tulpen, Roman-Hyazinthen, Maiblumen noch früher.
Von Blumen werden getrieben: Blumenzwiebeln, Stauden, schön
blühende Gesträuche, vorzugsweise Rosen; von
Früchten: Wein, Pfirsiche, Himbeeren, Ananas, Erdbeeren,
Aprikosen, Pflaumen und Kirschen; von Gemüsen in Mistbeeten
und Treibhäusern: Blumenkohl, Kohlrabi, Kopfsalat, Gurken,
Bohnen, Melonen, Karotten, Radieschen etc. Alle getriebenen Blumen
sind empfindlich gegen Luftwechsel und müssen weit von
Öfen aufgestellt, auch sorgfältig verwahrt transportiert
werden. Blütensträucher, Blumenzwiebeln u. a.
bedürfen einiger Zeit der Ruhe, ehe sie zu ungewöhnlicher
Zeit in Blüte gebracht, d. h. getrieben, werden können.
Letztere, Hyazinthen, Tulpen, Krokus u. a., pflanzt man, nachdem
sie bereits mehrere Wochen außerhalb der Erde zugebracht, in
Töpfe mit leichter Erde und gutem Wasserabzug, gräbt sie
dann sortenweise 50 cm tief im Erdboden ein oder stellt sie im
kühlen, dunkeln Keller auf, bis sie genügend Wurzeln
gebildelt haben, was man bemerkt, wenn man den Topf mit der Zwiebel
zwischen den Fingern der linken Hand umkippt; dann kann man sie
sofort warm stellen, gibt ihnen aber eine Papierhaube, um durch
Abschluß des Lichts den Blütenschaft zu verlängern;
Krokus müssen aber im Keller angetrieben werden.
Blütensträucher werden erst kalt und nach und nach
wärmer gestellt, auch öfters durch Spritzen angefeuchtet;
Staudenblumen dürfen nicht vor Sichtbarwerden der Blüte
warm stehen. Gemüsepflanzen zieht man zuerst im besondern
Kasten an und bringt sie genügend entwickelt in einen andern,
inzwischen warm angelegten Kasten. Gurken u. a. treibt man auch im
Gewächshaus. Für das T. von Obst, auch Erdbeeren, hat man
besondere Häuser, in denen die Sträucher, Bäumchen
und Pflanzen nach und nach wärmer und feuchter gehalten
werden. Ananasfruchtpflanzen kommen sofort ins warme Haus, am
besten mit Unterwärme von Mist, Baumwollabfällen und
ausgekochtem Hopfen, die wie beim Mistbeet (s. d.) vorbereitet
werden. Vgl. Jäger, Winterflora (4. Aufl., Weim. 1880);
Derselbe, Gemüsetreiberei (2. Aufl., das. 1863); Lucas,
Gemüsebau (4. Aufl., Stuttg. 1882); Tatter, Anleitung zur
Obsttreiberei (das. 1878).
Treibendes Zeug, gangbares Zeug, s. Vorgelege.
Treibhaus, s. Gewächshäuser.
Treibjagd, eine Jagd mit Schützen und Treibern. Im
Wald können meist nur Vorstehtreiben (Standtreiben), d. h.
solche Treiben eingerichtet werden, bei welchen sich eine Treibwehr
auf die an der andern Seite des Treibens angestellten Schützen
zu bewegt und das Wild auf diese zutreibt. Die Treiber müssen
in einer solchen Entfernung voneinander aufgestellt werden,
daß sie sich gegenseitig sehen können, sie müssen
mit Innehaltung derselben auf ein gegebenes Signal sich in
möglichst gerader Linie langsam fortbewegen und dabei durch
Klappern, Husten, Schlagen an den Stämmen Lärm machen.
Die Schützen, welche an Wegen, Schneisen etc. möglichst
geräuschlos in 50-60 Schritt Abstand angestellt werden,
müssen sich thunlichst an Bäumen oder Sträuchern zu
decken suchen, bewegungslos verhalten und dürfen ihre
Stände nicht vor beendetem Trieb verlassen. Bei den auf Hasen
abgehaltenen Feldjagden können die Treiben als Vorstehtreiben,
als Kesseltreiben und als böhmische Treiben veranstaltet
werden. Die Vorstehtreiben werden ebenso wie im Wald gemacht, nur
gräbt man wohl für die Schützen Standlöcher in
die Erde oder baut Jagdschirme aus Reisig, wenn es an Bäumen
und Sträuchern fehlt, um sie gedeckt aufstellen zu
können. Bei den Kesseltreiben läßt man Treiber und
Schützen von einem geeigneten Punkt ablaufen. Rechts und links
davon wird zur Bestimmung der Entfernung, in welcher sie gehen
sollen, in 60-80 Schritt Abstand je nach der Zahl derselben und der
Größe des Kessels ein Treiber aufgestellt oder ein
Markierpfahl errichtet. Zuerst laufen nun die beiden
Flügelführer, d. h. Jäger oder Treiber, die genau
ortskundig sind, ab und richten ihren Zug so ein, daß sie
nach rechts und links auf der Grenzlinie des Kessels entlang gehen,
um auf dem der Auslaufstelle entgegengesetzten Punkt wieder
zusammenzutreffen. Sobald sie den Markierpunkt überschritten
haben, folgt je ein Treiber und, nachdem 2-4 Treiber abgelaufen
sind, nach dem Verhältnis zwischen Treibern und Schützen,
je ein Stütze. Ist sämtliches Personal in der
vorstehenden Weise abgelaufen, so rückt der Sack, d. h. die
hintere Linie, nach, bis die Flügelführer durch ein
Hornsignal melden, daß sie zusammengetroffen sind, also der
Kessel geschlossen ist. Nunmehr bewegen sich alle langsam nach dem
Mittelpunkt, welcher öfters durch eine Stange bezeichnet wird,
zu, bis der Trieb so weit ins Enge gekommen ist, daß die
Schützen auf 40-50 Schritt Entfernung stehen. Auf das Signal
oder den Ruf "Treiber vor" begeben sich diese in den Kessel,
während die Schützen stehen bleiben und von da ab auf das
Wild, welches noch aufgetrieben wird, nicht mehr in den Kessel,
sondern nur noch rückwärts schießen dürfen.
Zur Veranstaltung der böhmischen Treiben sind zwei mindestens
tausend Schritt lange Leinen erforderlich, in welche auf etwa 40
Schritt Entfernung Zeichen eingeknüpft sind. Auf einen Haspel
gewunden, werden diese auf den beiden Punkten des Treibens
aufgestellt, von welchen die Flügel ablaufen sollen. Die
Flügelführer nehmen die Enden derselben in die Hand und
gehen wie beim Kesseltreiben vorwärts. Sobald nun beim
Abhaspeln der Leine ein Markierzeichen erscheint, faßt ein
Treiber dieselbe dort mit der Hand und folgt den voraufgehenden u.
s. f., bis die Lappenleinen abgewickelt sind. Auf der Linie, welche
in ihren Endpunkten durch die Enden der Lappenleinen bestimmt ist,
werden nun die Schützen aufgestellt, zwischen welchen man
noch, falls die Entfernungen beträchtlich sind, je 1-3 Treiber
einreiht, damit diese etwa auf sie zulaufendes Wild nach den
Schützen abkehren. Ebenso werden noch 2-3 Schützen
zwischen den dem Sack zunächst an der Lappenleine gehenden
Treibern postiert, welche Lappenschützen heißen und
gewöhnlich die meisten Hasen erlegen. In der angegebenen
Aufstellung wird nun das ganze für einen Trieb bestimmte Feld
abgestreift. Die Hasen rücken anfangs vorwärts, sobald
aber die Entfernung
816
Treibrad - Treja.
von ihrem Lager zu erheblich wird, kehren sie um und versuchen
durch die im Sack postierte Schützenlinie zurückzugehen,
wobei sie zu Schuß kommen. An der Grenze des Treibens
angelangt, schwenken zuletzt die Flügelführer zusammen
und bilden dadurch schließlich einen Kessel. Die
Vorstehtreiben, welche man auf Rot-, Dam- und Rehwild sowie auf
Sauen veranstaltet, haben gewöhnlich dann wenig Erfolg, wenn
man dazu eine aus vielen Treibern bestehende, sehr
geräuschvolle Wehr verwendet. Das Wild geht leichter
zurück, es wird eher von wenigen ortskundigen Leuten, welche
die Treiben abgehen, vorgebracht. Man erlegt auch Waldschnepfen und
Wildenten, selbst Gänse und Trappen auf Standtreiben. Am
leichtesten lassen sich der Wolf und der Fuchs treiben, und
letzterer wird meist auf solchen Treibjagden erlegt, welche man im
Wald zugleich auf Hasen veranstaltet.
Treibrad (Triebrad), ein Rad, auf welches die bewegende
Kraft, z. B. bei Dampfmaschinen die Kolbenstange, direkt
einwirkt.
Treibriemen (Transmissionsriemen), bandförmige
Riemen zum Betrieb der Riemenräderwerke (s. d.). Das beste
Material zu denselben ist starkes Leder, welches mit der
genügenden Festigkeit die wertvolle Eigenschaft verbindet, auf
den abgedrehten eisernen Riemenscheiben durch beträchtliche
Reibung zu haften. Diese T. bestehen aus einfachem, doppeltem oder
dreifachem Leder und werden in Breiten bis zu im ausgeführt.
Die Zusammensetzung der einzelnen Teile in der Längsrichtung
geschieht durch Nähen, am besten aber durch Zusammenleimen der
auf 15-20 cm schräg gefrästen Enden mit einem besonders
präparierten Leim. Die Enden der Lederriemen näht man mit
dünnen Lederstreifen zusammen oder verbindet sie durch Bolzen,
Schrauben, Niete oder durch besonders konstruierte
Verbindungsstücke (Riemenschlösser). Zum Aufbringen des
Treibriemens auf die Riemenscheiben dient ein
Riemenspannflaschenzug. Um die ledernen T. vor dem Brechen zu
bewahren, legt man sie vor dem Gebrauch 24 Stunden in Glycerin. In
sehr feuchten Räumen verdienen die Guttaperchariemen mit
Einlage von festem Hanfgewebe den Vorzug. Seit einiger Zeit hat man
versucht, die Lederriemen durch Gurte aus Baumwoll- oder Hanfgewebe
zu ersetzen, ohne jedoch damit den erstern gegenüber
wesentliche Vorteile zu erzielen. Andre Bestrebungen sind dahin
gerichtet, an Stelle der Lederriemen etc. solche aus Metall
herzustellen. Dieselben bestehen entweder aus einer Anzahl
paralleler Drahtseile, welche durch Stücke von Hirnleder in
der Querrichtung verbunden sind, oder aus Ketten mit daran
befestigten Riemenstreifen, welche nur die Reibung vermehren
sollen, oder aber aus ordentlichen Drahtgeweben. Bis jetzt hat sich
jedoch noch keine Art der Metalltreibgurte einer allgemeinen
Anwendung zu erfreuen. Vgl. auch Riemenräderwerke.
Treibsätze, s. Feuerwerkerei, S. 225.
Treibschnur, s. Seiltrieb.
Treibstock, s. Treiben.
Treibströmungen, s. v. w. Driftströmungen.
Treideln, s. Halage.
Treignac (spr. tränjack), Stadt im franz.
Departement Corrèze, Arrondissement Tulle, an der
Vézère, hat ein Kommunalcollège, ein
Zweigetablissement der Waffenfabrik zu Tulle, Gerberei,
Bierbrauerei, Hutfabrikation, lebhaften Handel und (1881) 1803
Einw.