Trapp, Sammelname, besonders von englischen,

amerikanischen und skandinavischen Geologen zur Be-

[Trapez.]

[Trapezoid.]

[Trapezkapitäl.]

803

Trapp - Trappisten.

zeichnung jüngern und ältern eruptiven Materials

(Dolerit, Melaphyr, Diabas, Diorit etc.) gebraucht.

Trapp, Ernst Christian, philanthrop. Pädagog, geb.

8. Nov. 1745 zu Friedrichsruhe bei Drage (Holstein), wirkte nach

seinem theologischen Studium als Rektor zu Itzehoe (1773-76),

Konrektor zu Altona (bis 1777) und Professor am Dessauer

Philanthropin. Durch den Minister v. Zedlitz 1779 als Professor der

Pädagogik nach Halle berufen, legte er die Professur 1783

nieder, um die Campesche Erziehungsanstalt in Trittau zu

übernehmen, die er 1786 nach Salzdahlum bei Wolfenbüttel

verlegte, wo er 18. April 1818 starb. T. war eifriger Mitarbeiter

am Campeschen Revisionswerk (vgl. Campe 1). Unter seinen Schriften

war ehedem besonders angesehen der "Versuch einer Pädagogik"

(Berl. 1780). Vgl. Andreae, Die Pädagogik Trapps (Kaisersl.

1883, Programm); Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts

(Leipz. 1885).

Trappe (Otis L.), Gattung aus der Ordnung der

Stelzvögel und der Familie der Trappen (Otididae), große

oder mittelgroße, schwere Vögel mit mittellangem, dickem

Hals, ziemlich großem Kopf, mittellangem, kräftigem, an

der Wurzel niedergedrücktem, übrigens kegelförmigem,

vorn am Oberkiefer etwas gewölbtem Schnabel, großen,

sanft muldenförmigen Flügeln, mittellangem, breit

abgerundetem Schwanz, mittelhohen, starken Beinen und dreizehigen

Füßen. Sie fliegen schwerfällig, leben monogamisch

in kleinen Trupps und nach der Brutzeit in Herden auf großen

Ebenen der Alten Welt, am zahlreichsten in den Steppen als Stand-

oder Strichvögel, nähren sich von Körnern, Knospen

und Blüten, in der Jugend auch von Insekten, und nisten in

seichten Mulden. Das Weibchen brütet allein. Der große

T. (Trappgans, Otis tarda L., s. Tafel "Watvögel I"), der

größte europäische Landvogel, über 1 m lang,

2,4 m breit, am Kopf, Hals und dem obern Teil der Flügel hell

aschgrau, auf dem Rücken rostgelb, schwarz gebändert, im

Nacken rostfarbig, unterseits schmutzig weiß, der Schwanz

rostrot und vor der weißen Spitze mit schwarzem Bande; das

Auge ist braun, der Schnabel schwarz, der Fuß grau. Das

Männchen ist durch etwa 30 lange, zerschlissene,

grauweiße Kehlfedern ausgezeichnet, das Weibchen blässer

gefärbt und um ein Drittel kleiner. Der Großtrappe lebt

truppweise in den größern Ebenen Mittel- und

Südeuropas und Mittelasiens, besonders in Ungarn,

Rumänien, Südrußland und Asien, ist dagegen in

Deutschland ziemlich selten geworden. Hier lebt er als Standvogel,

in Rußland und Asien wandert oder streicht er. Er bevorzugt

getreidereiche, weite Ebenen und meidet den Busch und menschliche

Wohnungen. Sein Gang ist langsam und gemessen, doch läuft er

auch sehr schnell und fliegt sehr ausdauernd. Er frißt am

liebsten Kraut und Kohl, im Winter Raps und Getreide. Zur Brutzeit

paaren sich die Trappen, doch scheint der Hahn noch ein zweites

Weibchen zu suchen, so bald das erste brütet. Er nistet gern

im Getreide, und das Gelege besteht aus zwei, selten vier matt

graugrünen, dunkel gefleckten und gewässerten Eiern (s.

Tafel "Eier II"), welche in etwa 30 Tagen ausgebrütet werden.

Jung eingefangene oder von Putern ausgebrütete Trappen halten

sich recht gut, schreiten aber nicht zur Fortpflanzung; alt

eingefangene gehen zu Grunde. Der T. gehört zur hohen Jagd; wo

diese Vögel in Menge vorkommen, richten sie auf den Getreide-

und Rapsfeldern oft beträchtlichen Schaden an. Das Fleisch der

Jungen ist schmackhaft. Der Zwergtrappe (O. tetrax L.), 50 cm lang

und 95 cm breit, mit seitlich etwas verlängerten Oberhals- und

Hinterkopffedern, am Halse schwarz, mit einem von den Ohren nach

der Kehle herablaufenden weißen Ringband und einem breiten,

über den Kropf sich hinziehenden weißen Querband

gezeichnet; der Oberkopf ist hellgelblich, braun gefleckt, der

Rücken hell rötlichgelb, in die Quere schwarz gefleckt

und gewellt; die Flügelränder, die Schwanzdeckfedern und

die Unterseite sind weiß, die Schwingen dunkelbraun, die

hinterste bis auf ein breites Band vor der Spitze weiß, die

Schwanzfedern weiß mit zwei Binden; das Auge ist braungelb,

der Schnabel grau, an der Spitze schwarz, der Fuß strohgelb.

Der Zwergtrappe bewohnt das südöstliche Europa,

namentlich Südungarn, Sardinien, die russischen und

sibirischen Steppen, auch Südfrankreich und Spanien, Mittel-

und Westasien und Nordwestafrika und brütet seit 1870 auch in

Schlesien und Thüringen, wo er vom April bis November weilt.

Aus seinem Zug berührt er die Atlasländer. In der

Lebensweise gleicht er dem vorigen, er frißt besonders gern

Klee und Esparsette, junges Getreide und Löwenzahn und

brütet im Mai in Kleefeldern. Das Gelege besteht aus 3-4

dunkel olivengrünen, braun gefleckten Eiern (s. Tafel "Eier

II"). Sein Fleisch ist sehr schmackhaft; in der Gefangenschaft

hält er sich sehr gut. Man erlegt die Trappen, indem man im

Spätherbst und Winter dieselben auf eine in Löchern

gedeckt stehende Schützenlinie zutreibt. Nebeliges Wetter ist

für diese Art der Jagd besonders günstig, weil die

Vögel dann nicht hoch streichen und das Anstellen der

Jäger bei ihrem scharfen Gesicht nicht gewahren können.

Junge Trappen schießt man auch wohl auf der Suche mit dem

Vorstehhund in spät reifenden Hafer- und Gerstenfeldern. Bei

Glatteis werden sie von schnellen Windhunden eingeholt, welche man

möglichst nahe verdeckt in einem Bauernwagen oder Schlitten

heranzubringen sucht, weil die Trappen sich nur schwer erheben

können und erst eine Strecke laufen müssen, ehe sie

aufzufliegen vermögen. Nur schwer gelingt es, dem sehr scheuen

Vogel mit einem dem Ackerwagen ähnlichen Gefährt so weit

nahezukommen, daß man darauf einen Schuß aus der

Büchse anzubringen vermag.

Trappe, La, Kloster im einsamen Thal des Iton, im franz.

Departement Orne, mit Kolonie jugendlicher Sträflinge;

merkwürdig als Stiftungsort des Trappistenordens (s.

Trappisten).

Trappers (engl., "Fallensteller"), Bezeichnung der

nordamerikanischen Pelzjäger.

Trappgranulit, s. Granulit.

Trappisten, Mönchsorden, gestiftet von de

Rancé (s. d.) in der ihm 1636 als Kommende zugeteilten

Cistercienserabtei La Trappe im Departement Orne, bei Mortagne.

Dieselbe war schon 1122 gegründet worden und hieß

anfangs Notre Dame de la maison Dieu, erhielt aber später

wegen des engen Einganges in das Thal den Namen La Trappe

("Fallthür"). Rancé berief Mönche von der

strengsten Observanz der Benediktiner, stellte das zum Raubnest

gewordene Kloster wieder her, wurde selbst Mönch und nach

vollendetem Probejahr 1665 Abt von La Trappe, wo er eine Regel

durchführte, welche einen vollständigen Rückfall zu

der orientalischen Schweigsamkeit der Askese darstellt. Die T.

müssen sich täglich elf Stunden mit Beten und Messelesen

beschäftigen und die übrige Zeit bei harter Feldarbeit

zubringen. Abends arbeiten sie einige Minuten an Herstellung ihrer

Gräber und schlafen dann in Särgen auf Stroh. Es darf

außer Gebeten und Gesängen und dem "Memento mori", womit

sie einander grüßen, kein Wort über ihre Lippen

kommen. Ihre Nahrung besteht aus

51*

804

Trappporphyr - Traubenkrankheit.

Wurzeln und Kräutern, Früchten, Gemüsen und

Wasser, ihre Kleidung aus Holzschuhen, Kutte, Kapuze und Strick.

Sie teilen sich in Laienbrüder und Professen; außerdem

gibt es auch sogen. Frères donnés, d. h. solche,

welche nur eine Zeitlang behufs der Bußübung dem Orden

angehören. Die Prinzessin Louise von Condé stiftete

einen weiblichen Zweig des Ordens. Als die Stürme der

Revolution die geistlichen Orden aus Frankreich verscheuchten,

flüchteten sich die T. teils in die Schweiz, teils nach

Rußland, teils nach Preußen, hatten aber allenthalben

Ausweisung und Verfolgung zu erdulden. Zusammengehalten durch den

Novizenmeister Augustin (Henri de Lestrange), kehrten sie 1817 in

ihr Stammkloster in Frankreich, das sie wieder angekauft hatten,

zurück und gründeten zahlreiche neue Niederlassungen, die

besonders unter dem Generalprokurator Geramb (s. d.)

aufblühten. Selbst nach der Julirevolution durfte der Orden

unter dem ihm vom Papst 1834 beigelegten Namen Congrégation

des religieux Cisterciens de Notre Dame de la Trappe fortbestehen;

1880 wurden 1450 T. aus Frankreich ausgewiesen. Vgl. Gaillardin,

Les Trappistes (Par. 1844, 2 Bde.); Pfannenschmidt, Geschichte der

T. (Paderb. 1873).

Trappporphyr, s. Melaphyr.

Trarbach, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Koblenz,

Kreis Zell, an der Mosel und der Linie Reil-Traben der

Preußischen Staatsbahn, 97 m ü. M., hat eine

evangelische und eine kath. Kirche, ein Progymnasium, ein

Amtsgericht, eine Oberförsterei, Weinbau und bedeutenden

Weinhandel und (1885) 1850 meist evang. Einwohner. Die frühern

Festungswerke wurden 1734 von den Franzosen geschleift. Auf der

Höhe über der Stadt die Ruine der Gräfinburg und T.

gegenüber der Flecken Traben (s. d.); 4 km südlich in dem

romantischen Kautenbachthal das Bad Wildstein mit einer Therme von

35° C.

Trasimenischer See (ital. Lago Trasimeno), flacher, eine

Mulde ausfüllender See in der ital. Provinz Perugia (Umbrien),

115 qkm groß, mit drei kleinen Inseln, meist von anmutigen,

bis 600 m hohen Gebirgen umgeben, ohne Abfluß, berühmt

durch die Niederlage, welche Hannibal 217 v. Chr. den Römern

unter dem Konsul Gajus Flaminius an seinem nördlichen Ufer

beibrachte. Seine Austrocknung ist projektiert. Vgl.

Stürenburg, De Romanorum cladibus Trasimenna et Cannensi

(Leipz. 1883, Ergänzung 1889).

Traß, trachytischer Tuff, s.Trachyte. Vgl.

Zement.

Trassieren (ital.), das Ziehen eines Wechsels auf einen

andern. Der Aussteller eines solchen Wechsels wird Trassant, der

Bezogene Trassat, der gezogene Wechsel selbst Tratte genannt. Sind

Trassant und Trassat eine und dieselbe Person, so spricht man von

einem trassiert-eignen Wechsel (s. Wechsel).

Trastevere, s. Rom, S. 904.

Trätabel (franz. traitable), fügsam,

umgänglich.

Tratte (ital.), s. Trassieren.

Trattoria (ital.), Speisehaus, Restaurant.

Traù (slaw. Trogir, das alte Trigonium), Stadt in

Dalmatien, Bezirkshauptmannschaft Spalato, in reichbebauter Gegend,

mit der gegenüberliegenden Küsteninsel Bua durch eine

drehbare Brücke verbunden, hat ein Bezirksgericht,

Kollegiatkapitel, ein altes venezianisches Thor an der Landseite,

einen schönen gotischen Dom mit Bildhauerarbeiten, einen

runden Festungsturm von Sanmicheli, Weinbau, Oliven-, Feigen- und

Mandelkultur, Handel, einen guten Hafen (1886: 4741 beladene

Schiffe mit 103,639 Ton. eingelaufen), 2 Kreditbanken und (1880)

3129 Einw.

Traube, eine Art des Blütenstandes (s. d., S.

80).

Traube, Ludwig, Mediziner, geb. 12. Jan. 1818 zu Ratibor,

studierte in Breslau, beschäftigte sich aber hier unter

Purkinje und seit 1837 in Berlin unter Joh. Müller fast

ausschließlich mit Physiologie. 1841 ließ er sich

daselbst als Arzt nieder und begann 1843 besonders jüngern

Ärzten Kurse in den neuern Untersuchungsmethoden der

Perkussion und Auskultation zu geben. In die nächsten Jahre

fallen seine experimentellen Studien an Tieren, durch welche er der

Begründer der experimentellen Pathologie in Deutschland

geworden ist. Er untersuchte die Ursachen und die Beschaffenheit

der Veränderungen des Lungenparenchyms nach der

Durchschneidung des Nervus vagus und gab mit Virchow und Reinhardt

"Beiträge zur experimentellen Pathologie" (Berl. 1846-47, 2

Hefte) heraus. 1848 habilitierte sich T. als Dozent, 1849 wurde er

Zivilassistent Schönleins und Lehrer der Auskultation und

Perkussion. 1853 wurde er zum dirigierenden Arzt an der Charitee,

1857 zum außerordentlichen Professor ernannt und seine

Krankenabteilung zur propädeutischen Klinik erhoben. 1862

folgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor am Friedrich

Wilhelms-Institut, aber erst 1872 an der Universität. Er starb

11. April 1876 in Berlin. Seine wissenschaftlichen Arbeiten legte

er in den "Gesammelten Beiträgen zur Pathologie und

Physiologie" (Berl. 1871-78, 3 Bde.) nieder. Alle seine Arbeiten

sind ausgezeichnet durch die exakte naturwissenschaftliche Methode,

die genaue Beobachtung und Untersuchung. Er betrachtete das

Experiment als die Grundlage einer wissenschaftlichen Pathologie

und verlangte für die Therapie, daß man in

systematischer Weise versuchen solle, die an Tieren hervorgerufenen

Krankheitsvorgänge durch die genauer bekannten Arzneimittel zu

modifizieren. Zu seinen wichtigsten Untersuchungen gehören die

über Digitalis und das Fieber, durch welch letztere er der

Begründer der wissenschaftlichen Thermometrie in der Medizin

wurde. Daran schließen sich die Arbeiten über die

Lungen-, Herz- und Nierenkrankheiten. Dieselbe Bedeutung wie als

Forscher hatte T. auch als klinischer Lehrer und Arzt. Die exakte

wissenschaftliche Methode, welche er selbst übte, hat er in

Norddeutschland allgemein gemacht. Seine Verdienste um die

physikalische Diagnostik stellen ihn neben Laennec und Skoda. Er

schrieb noch: "Über den Zusammenhang von Herz- und

Nierenkrankheiten" (Berl. 1856); "Die Symptome der Krankheiten des

Respirations- und Zirkulationsapparats" (das. 1867). Vgl.

die"Gedächtnisreden auf L. T." von Leyden (Berl. 1876) und

Freund (Bresl. 1876).

Traubenampfer, s. Coccoloba.

Traubenbirne, s. Amelanchier.

Traubenfarn, s. Osmunda.

Traubenfäule, s. Traubenkrankheit.

Traubenhaut, s. Auge, S. 74.

Traubenhyazinthe, s. Muscari.

Traubenkernöl (Rosinenöl), fettes Öl,

welches aus Traubenkernen, namentlich in Frankreich und Italien,

durch Pressen gewonnen wird. Es ist goldgelb, fast geruchlos,

schmeckt süßlich, warm gepreßt schwach herb, spez.

Gew. 0,91-0,92, erstarrt bei -11° und wird an der Luft schnell

ranzig. Man benutzt es als Speise- und Brennöl.

Traubenkirsche, s. Padus.

Traubenkrankheit (Traubenfäule), eine Krankheit des

Weinstocks, welche ein Verderben der Beeren zur Folge hat. Sie

wurde zuerst 1845 in England beobachtet und verbreitete sich bald

darauf durch Frank-

805

Traubenkraut - Traubenvitriol.

reich nach dem südlichen Europa, nach der Schweiz und

Deutschland. Die Krankheit besteht in dem Auftreten eines

weißen, dünnen, meltauartigen Überzugs auf braun

werdenden Flecken der Blätter und der Zweige des Weinstocks

(vgl. Tafel "Pflanzenkrankheiten", Fig. 16), später auf den

jungen Beeren. An letztern wird dadurch die Epidermis ebenfalls

braun, stirbt ab, noch ehe die Frucht die Hälfte ihrer

normalen Größe erlangt hat, und zerreißt bei

weiterer Ausdehnung des Beerenfleisches, so daß die Beere

abstirbt und verfault. Der weiße Überzug besteht aus

einem Pilz, Oïdium Tuckeri Berk., welcher das Braunwerden und

Absterben der Epidermis veranlaßt. Sein Mycelium m (vgl.

Tafel "Pflanzenkrankheiten", Fig. 17) besteht aus langen und

verzweigten Fäden, welche auf der Epidermis hinwachsen und

stellenweise an den Berührungspunkten sogen. Haustorien

entwickeln, d. h. kurze, seitliche Fortsätze des Fadens,

welche wie kleine, gelappte Warzen erscheinen, die der Epidermis

aufliegen. Aus der dem Pflanzenteil abgewendeten Seite treiben die

Myceliumfäden einfache Fruchthyphen, deren jede an ihrer

Spitze eine einzige länglichrunde, einzellige, farblose

Konidie (c) abschnürt. Diese Sporen trennen sich sehr leicht

ab und werden vom Regen und Wind weiter geführt auf

benachbarte Blätter, Trauben etc. So wird durch sie der Pilz

und damit die Krankheit weiter verbreitet, denn die Konidien keimen

bei Vorhandensein von Feuchtigkeit leicht und schnell mittels eines

Keimschlauchs, der sich auf der Nährpflanze wieder zu einem

Mycelium entwickelt. Der Pilz gehört der Gruppe der Erysipheen

unter den Kernpilzen an und hat mit den zahlreichen Arten

derselben, welche den Meltau aus den verschiedensten Pflanzen

hervorbringen, die Art der krankmachenden Wirkung und die Symptome

des Auftretens gemein. Er kommt indes immer nur im Konidienzustand

vor; seine vollkommene Fruchtform, die Perithecien, welche die

Gattung Erysiphe charakterisieren und bei den übrigen Arten in

der Regel nach der Bildung der Konidienträger auftreten, sind

bis jetzt nicht gefunden worden. Auf manchen traubenkranken

Weinstocken besitzt das Oidium auf kurzen, den Konidienträgern

ähnlichen Hyphen eine längliche, kapselartige Frucht,

welche an der Spitze aufgeht und zahlreiche sehr kleine,

einzellige, länglichrunde Sporen in Schleim eingebettet

ausstößt. Diese Bildungen gehören einem

schmarotzenden Pilz, Cicinnobolus Cesatii De Bary, an, welcher auch

auf andern Arten von Erysiphe vorkommt; sein Mycelium wächst

in Form sehr feiner Fäden innerhalb der Myceliumfäden des

Oidiums und steigt auch in die jungen Konidienträger auf, um

hier innerhalb der dadurch sich ausweitenden Konidie seine

Pyknidenfrucht zu entwickeln. Eine den Traubenpilz schädigende

Einwirkung seines Schmarotzers läßt sich nicht bemerken.

Da Perithecien, aus deren Sporen bei den andern Erysiphe-Arten die

Entwickelung im Frühjahr zu beginnen pflegt, fehlen, so

scheint das Oidium der T. entweder mit Konidien oder in Form

lebensfähig bleibender Myceliumteile am Weinstock zu

überwintern. Gesteigerte Feuchtigkeit begünstigt die T.,

daher zeigen die feuchten Inseln und Küstenländer im

Verhältnis zum Binnenland die Krankheit viel mehr, und im

südlichen Europa ist der Weinbau durch sie im höchsten

Grad geschädigt worden. Ebenso leiden Orte mit

regelmäßigen häufigen Niederschlägen, wie die

Südabhänge der Alpen, mehr als die nördlich davon

gelegenen Länder. Auch in einer und derselben Gegend sind die

niedern und feuchten Lagen der Krankheit mehr ausgesetzt als hoch

und trocken gelegene Weinberge. Unter den Sorten sollen

Muskateller, Malvasier und verwandte blaue Sorten öfters von

der Krankheit zu leiden haben, andre, wie Rieslinge, Traminer,

widerstandsfähiger sein. Man bekämpft die T. erfolgreich

durch das Schwefeln, d. h. das Überpudern der Weinstöcke

mit Schwefelblumen, wodurch der Pilz getötet und gesunde

Pflanzen geschützt werden. Man bedient sich dabei eines

trocknen Maurerpinsels oder eigens dazu gefertigter Puderquasten

oder besonderer Blasebälge und soll die Operation während

des Morgentaues und zwar dreimal, kurz vor, kurz nach der

Blüte und im August, ausführen. Wahrscheinlich wirkt das

Schwefelpulver nur mechanisch, erstickend auf den Pilz, denn man

hat ähnlich günstige Wirkungen auch vom Chausseestaub

gesehen, wenn die Pflanzen dicht damit überzogen waren. Durch

Einführung amerikanischer Rebensorten ist die T. nicht zu

umgehen, weil das Oidium auch auf diesen gedeiht. Vgl. v.

Thümen, Die Pilze des Weinstocks (Wien 1878).

Traubenkraut, s. Chenopodium.

Traubenkur, der mehrere Wochen lang fortgesetzte

reichliche Genuß von Weintrauben, wobei sehr nahrhafte,

fette, mehlige oder blähende Speisen vermieden werden

müssen. Mit hinreichender Körperbewegung verbunden, soll

diese Kur bei Stockungen im Unterleib und davon abhängiger

Hypochondrie, bei Hämorrhoidalbeschwerden und bei Gicht gute

Dienste leisten. Die Wirksamkeit der Weintrauben beruht vornehmlich

auf dem starken Zuckergehalt derselben, welcher als Nahrungsstoff

von Wert ist; anderseits haben sie, in größerer Menge

genossen, eine leicht und angenehm abführende Wirkung, so

daß sie das mildeste Mittel gegen Unterleibsstockungen

darstellen. Die besuchtesten Kurorte sind Meran in Tirol,

Dürkheim in der Rheinpfalz und Grünberg in Schlesien.

Vgl. Knauthe, Die Weintraube (Leipz. 1874).

Traubenmade, s. Wickler.

Traubenöl, s. Drusenöl.

Traubensäure (Paraweinsäure) C4H6O6 findet sich

im rohen Weinstein und entsteht aus der isomeren Weinsäure bei

anhaltendem Erhitzen von deren Lösung mit Salzsäure oder

verdünnter Schwefelsäure, auch bei oxydierender

Behandlung von Mannit, Rohr- und Milchzucker, Gummi etc. Bei

Verarbeitung des rohen Weinsteins erhält man sie in den

spätern Kristallisationen in kleinen Kristallen mit einem

Molekül Kristallwasser. Sie ist farb- und geruchlos, vom spez.

Gew. 1,69, schmeckt sauer, löst sich leicht in Wasser und

Alkohol, ist optisch inaktiv, verwittert an der Luft, wird bei

100° wasserfrei und verhält sich im allgemeinen der

Weinsäure sehr ähnlich. Von ihren Salzen ist das saure

Kalisalz viel löslicher als Weinstein, während das

Kalksalz schwerer löslich ist als weinsaurer Kalk. Das

Kaliumnatrium- und das Ammoniumnatriumsalz, das Cinchonicin- und

Chinicinsalz kristallisieren nicht, sondern geben große,

hemiedrische Kristalle, von denen man zwei Formen unterscheiden

kann, die sich zu einander wie Spiegelbilder verhalten. Bei der

einen Form liegen nämlich die hemiedrischen Flächen

rechts, bei der andern links. Aus den Kristallen der ersten Art

kann man durch eine stärkere Säure gewöhnliche

Rechtsweinsäure, aus der andern Linksweinsäure

abscheiden, und wenn man die Lösungen dieser beiden

Säuren mischt, so kristallisiert wieder T. Bei Einwirkung von

Fermenten auf T. wird die Rechtsweinsäure zerstört, und

es bleibt Linksweinsäure übrig.

Traubenvitriol, s. Eisenvitriol.

806

Traubenzucker - Trauer.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 233 / 302 段